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Open Access ist „ein Geschenk an Google und Konsorten“. Meint Uwe Jochum heute in der FAZ.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte by Ben on 23. November 2016

Eine Anmerkung von Ben Kaden (@bkaden)

zu

Uwe Jochum:Digitale Wissenschaftskontrolle. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2016, S. N4
Peter Geimer: Jede Ähnlichkeit wäre rein zufällig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2016, S. 9

Sowohl Feuilleton wie auch der Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unterstreichen mit der aktuellen Themenwahl erneut, wie nachdrücklich sich das Blatt als Meinungsmedium für Debatten zur digitalen Wissenschaft und zum digitalen Publizieren in der Wissenschaft versteht. Das ist an sich eine gute Sache, weil es prinzipiell die Vielfalt der Stimmen und Positionen in diesen Diskursen erhöht und damit Material zur Auseinandersetzung und zum Hinterfragen eventueller und vermeintlicher Selbstverständlichkeiten führt. Ein wenig bedauerlich ist es freilich, dass gerade der Wissenschaftsteil zu diesem Thema mit einer Auswahl handverlesener Autoren (wo sind eigentlich die Frauen, die zu diesem Thema schreiben?) aufwartet, die man nun schon als Veteranen der Debatte bezeichnen muss, was, wie bei Veteranen nicht unüblich, zu gewissen Redundanzen in der Argumentation führt. Das macht es am Ende auch ermüdend, Gegenargumente zusammenzustellen und wenn man dem bewundernswert engagiert gegen die Windmühle des Open-Access-Zwangs antwitternden Stroemfeld-Verlag die Hand reichen möchte – der dieser leider zu oft mit Beißreflex und also bunt gewürfelten Unterstellungen begegnet – dann sicher in der Feststellung, dass es oft beim Austausch von Textbausteinen bleibt.

Aber vielleicht ist das eindimensionale Format des Zeitungsartikels, der in keine Synopse führt, sondern die Leserinnen und Leser der FAZ seit Jahren im Kreis um dieses eigentümliche Phänomen des Open Access herum, auch nicht das Idealmedium solcher Debatten. Andererseits kommt man so per Pressedokumentation sicher eher auf ministeriale Schreibtische und ein bisschen mutet es so an, als wären diese Ablagen der Hauptgrund, warum Roland Reuss und nun auch wieder einmal Uwe Jochum so viel Platz in diesem Forum erhalten.

Man muss Uwe Jochum in jedem Fall schon einmal zugestehen, dass er deutlich präziser und sicher auch klüger schreibt, als der berühmte Philologe aus Heidelberg. Sein aktueller Text kommt nun unter einer Überschrift „Digitale Wissenschaftskontrolle“ auf den Bildschirm und impliziert viel Gefahr für Wissenschaft. Das Mittel ist das Digitale. Nachzuweisen gilt nun noch im Text, wer sich dessen bedient. Man kann es gleich weg-spoilern: Uwe Jochum vermutet wie viele der wenigen Streiter gegen Open Access eine Art Verschwörung von „George Soros und seine[n] Open-Access-Freunden“, die mit einer Verkündungsschrift – nämlich der Budapester Erklärung – auszogen, die Reichweite des Urheberrechts zu minimieren und zwar bis auf „das Recht auf einen bibliografischen Nachweis“.

Auf die Frage nach der Motivation hat Uwe Jochum eine eindeutige Antwort:

„Jedem Internetnutzer sollte inzwischen klar sein: Es sind diese Personen- und Verkehrsdaten, mit denen im Netz das Geld verdient wird, nicht der „Content“. Klar sollte auch sein, dass mit den Gewinnen eine Politik finanziert wird, die auf einen Ausbau der nichtstaatlichen Kontrollzone zielt, in der die Daten und das Geld nur so fließen können.“

George Soros ist bekanntlich Investor und spielt daher, so Jochum, ein bisschen Philanthropie einzig und allein deshalb vor, um mit den Daten aus der Wissenschaft am Ende noch reicher zu werden als er schon ist. Wir werden also alle manipuliert und es gibt nur wenige, wie Uwe Jochum, die dieses perfide Spiel durchschauen und warnen:

„Am Ende hat der Staat seine Wissenschaft verschenkt, aber es ist in Wahrheit kein Geschenk an seine Bürger, sondern ein Geschenk an Google und Konsorten.“

Gemeinhin sollte man bei Formulierungen wie „und Konsorten“ immer vorsichtig sein, weil sie als Sammelklasse alles aufnehmen, was man in sie hinein imaginieren möchte. Warum die FAZ-Redaktion, die in jedem Jugend-Schreibt-Programm armen Lehrerinnen und Lehrern aufdrückt, dass größte Präzision bis auf die Mantelfarbe des Melkers, den ein Zwölftklässer beschreiben soll, die Essenz von Qualitätsjournalismus sei, solche Dinge durchgehen lässt, bleibt ihr Geheimnis und zwar eines, über das man angesichts der vielen Lapsus, die man im Blatt regelmäßig entdecken muss, immer wieder staunt. Aber das ist eine andere Baustelle und wäre eigentlich auch lässlich, wenn das Blatt nicht immer eine so furchtbare Arroganz zum Kern seiner Selbstvermarktung wählte.

Das zentrale Missverständnis des Missverständnisses, welches Uwe Jochum bei Open Access sieht, beruht darauf, dass er wie auch Roland Reuss hinter dem mittlerweile sehr diversifizierten Publikationsmodell eine einheitliche Ideologie vermutet, der man mit dem unnachgiebigen Einsatz für Werkherrschaft, Autorenrechte und das gedruckte Buch entgegentreten muss. Denn wahlweise führt sie eine Neo-DDR (Reuss’sche Position) oder in die totale Google-Facebook-Amazon-Apokalypse (Jochum) und in jedem Fall zur totalen Kontrolle, wobei die den totalen Staat dienenden Monopolisten „unbehelligt vom Staat und ohne demokratische Legitimation, aber unter dem Zuckerguss der Bequemlichkeit Kontrollsysteme als gesellschaftlich-technischen Normalzustand […] installieren.“ Der Staat will also alles kontrollieren – außer das Silicon Valley? Aber das soll er kontrollieren und sonst möglichst niemanden?

Diese eigenwillig postmodernen Anti-Open-Access-Argumentationen inszenieren einen aus Sicht vieler eher unnötigen Kulturkampf und stoßen, jedenfalls bei den unideologischen Nutzerinnen und Nutzern der unterschiedlichen Open-Access-Verfahren, deshalb so oft auf Verwunderung, weil diese Frequenz eigentlich schon lange zugunsten eines pragmatischeren und kritischeren Verständnisses zu den Möglichkeiten und Grenzen von Open Access abgestellt wurde. Die Idee des Open Access hat in der Tat emanzipatorische Ursprünge und zielte gegen Monopole (Stichwort: Zeitschriftenkrise). Ihr Scheitern an vielen Stellen ist etwas, was man aufarbeiten muss. Gerade deshalb ist es traurig, dass die FAZ wertvollen Debattenplatz zum Thema an eine Aufregung verschenkt, die etwa zehn Jahre zu spät kommt.

Es hat sicher auch etwas mit der Trägheit des wissenschaftlichen Schreibens selbst zu tun, dass in Programmschriften regelmäßig die Genealogie der Budapester und Berliner Erklärungen bemüht wird. Aber an sich ist heute jedem bewusst, dass Open Access in bestimmten Bereichen gut funktioniert und in anderen weniger gut. Ob man, wie die Universität Konstanz, die Nutzung des Zweitveröffentlichungsrechts mit einem dienstwerkartigen Verständnis von Wissenschaft durchsetzen möchte, ist berechtigt Gegenstand einer aktuellen Auseinandersetzung.

Bedauerlich an der zähen Debatte um Open Access ist, dass sie mit ihrem eigenartigen Fackelzug zum Strohmann eine andere und viel spannendere Entwicklung überdeckt, nämlich wie der Einfluss digitaler Medialität sowie entsprechender Werkzeuge und Kanäle das Spannungsverhältnis von Little Science und Big Science mittlerweile auf die lange davon weitgehend verschont gebliebenen Geisteswissenschaften projiziert. Es gab besonders in der Frühphase dessen, was man Digital Humanities nennt, durchaus sehr von Tech-Ideen motivierte Vorstellungen, geisteswissenschaftliche Arbeit könnte nun endlich auch zur Großforschung werden. (Die aktuelle, von wissenschafts- und kulturhistorischen Erkenntnissen völlig unbelastete, Panik/Begeisterung vor/für Künstliche/r Intelligenz wärmt das an einigen Rändern wieder auf.)

Hier würde sich unter anderem zugleich auch die Frage der Verwertbarkeit bzw. Verwertbarmachung geisteswissenschaftlichen Wissens und von Methodologien stellen und wenn Webannotation eines der großen kommenden Themen ist, dann sieht man auch, wohin man leuchten könnte. Andererseits warten die Unternehmen, die sich auf diesem Feld bewegen sicher nicht auf die digitaltechnische Aushöhlung philologischer Institute. Da ist es einfacher und schneller, ein paar Absolventinnen oder Absolventen entsprechender Studiengänge anzuwerben, für die der Universitätsbertrieb ohnehin nur noch selten attraktive akademische Karrierepfade vorhält. Die Infrastruktur wird dann bei Bedarf selbst entwickelt. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass irgendein Start-Up geduldig genug ist, um ein mit DFG-Geldern entwickeltes Tool abzuwarten und zu kannibalisieren. Und ein Staatsapparat, der aktuelle DH-Tools zur Massenüberwachung und „Industriespionage“ (vgl. Jochum) einsetzt, wäre fast bemitleidenswert harmlos.

Deutlicher wird, wie sich unterschiedliche Domänen – hier Geisteswissenschaft, dort Digital Humanities und irgendwo auch die Netzwirtschaft – herausbilden, die sich auf dieselben Objekte beziehen – so wie es nun mal parallel kritische Editionen, Taschenbuchausgaben und ein Kindle-E-Pub derselben Texte gibt. Nur weil etwas die gleiche Bezugsgröße hat, heißt es noch lange nicht, dass es eine Konkurrenz darstellt. Wenn etwas in der Debatte fehlt, dann ist es, diese Differenz herauszuarbeiten.

Ein selbstreflexiver(er) Umgang mit der Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und den Einflüssen digitaler Praxen und Technologien führte im Idealfall zu einer schärferen Abgrenzung der Erkenntnis- bzw. Handlungsbereiche und würde allzukurzen und alarmistischen Einschätzungen wie der Peter Geimers im heutigen Feuilleton-Aufmacher – „Londons Tate Gallery arbeitet mit Technik-Schnickschnack an der Selbstaufgabe wissenschaftlicher Kritik.“ – entgegen wirken. Seine These ist, dass die Kunstgeschichte ihren kritischen Kern aufgibt, wenn jemand mit Mustererkennungssoftware experimentiert:

„Man müsste dieser Selbstaufgabe geisteswissenschaftlicher Kritik keine größere Beachtung schenken, wenn sie nicht einem aktuellen Trend zur Enthistorisierung und Essentialisierung der Kunstgeschichte entsprechen würde.“

Der Kunsthistoriker schüttelt damit zwangsläufig heftig das Bad mit dem Kind und verliert sich, in der Sache ganz nachvollziehbar übrigens, in einer Polemisierung, die aber ebenfalls sichtlich von einer wahrgenommenen Bedrohung getragen wird:

„Solche Skepsis an der geisteswissenschaftlichen Mimikry der Laborwissenschaften hat nichts mit Technikfeindlichkeit, mangelnder Neugierde oder dem Festhalten an etablierten Positionen zu tun. Wenn man die Studien aber nicht nach an ihrer szientistischen Rhetorik, sondern an ihren Resultaten misst, zeigt sich in der Regel, dass hier entweder mit hohem finanziellen und apparativen Aufwand experimentell ermittelt wurde, was man auch vorher schon wusste (etwa dass Experten Gemälde anders betrachten als Laien), oder aber Aussagen formuliert werden, deren wissenschaftliche Subtilität bezweifelt werden kann (etwa dass Männer in Ausstellungen Unterhaltung suchen, Frauen gerne die Begleittexte lesen und ansonsten emotional angesprochen werden möchten).“

Allein, dass er die Banalität der in der Tate gezogenen Schlüsse so entblößen kann, widerlegt ihn jedoch und demonstriert, dass die geisteswissenschaftliche Kritik nach wie vor existiert. Was außerordentlich zu begrüßen ist. Der Vorteil grundständigen wissenschaftlichen Wissens liegt darin, dass man damit um die Grenzen des Erkennbaren weiß und sich eben nicht euphorisiert in den nächsten Trend wirft, um alles bisherige aufzugeben. Man ist sehr fokussiert und oft auch aus Erfahrung bescheiden in seinen Erkenntniszielen (einige Alpha-Forscher ausgenommen), im besten Fall zugleich offen genug, um die Elemente aus nun aktuell der digitalen Wissenschaft anzunehmen, die Aspekte der eigenen Arbeit erleichtern.

Es gilt also gerade diese Kritik zu pflegen, die es ermöglicht, zu durchschauen und durchschaubar zu machen, wenn eine an ein Forschungsprogramm herangetragene vermeintliche Revolution gegen die eigenen Interessen läuft. Daher ist es vollkommen zulässig, wenn Roland Reuss, Uwe Jochum oder auch andere für ihre Sache streiten. Unzulässig wird ihr Streit, jedenfalls unter Bedingungen der Diskursethik, allerdings dann, wenn sie selbst kompromisslos und völlig überzogen mit Unterstellungen, vagen Behauptungen, falschen Tatsachen (Uwe Jochum behauptet ein „staatliches Publikationsmonopol“ und ignoriert das erstaunlich nicht-staatlich monopolisierte Gold-OA), mit Beleidigungen und der berühmten Opferkarte durch die Feuilletons marschieren und alles attackieren, was auch nur minimal von ihren Vorstellungen abweicht. Das bringt am Ende nur Unordnung und sonst nichts in die Debatte. Wo ein Zwang zu Open Access angedacht wird, muss man darauf hinweisen. Wissenschaftler, die gern Open Access publizieren, als „naive oder böswillige“ (regelmäßiger O-Ton Stroemfeld-Verlags-Twitter) Büttel einer höheren Macht (aktuelle Label, austauschbar: DFG, BMBF, BMJ, Google) zu attackieren, kehrt sich freilich in gesunden Debatten sofort gegen den Angreifer.

Um es noch einmal zu betonen: Die Geisteswissenschaften sind nachweislich und vermutlich auch nachhaltig dort von Monografien dominiert, wo eine akademische Karriere angestrebt werden und zwar mit allen wissenschaftssoziologischen Vor- und Nachteilen. Eine Open-Access-Publikation oder auch jede Form des nur digitalen Publizierens gilt in den meisten Bereichen eher als karriereschädlich. Kein Open-Access-Repositorium wird dies ändern und Bibliotheken werden damit vermutlich sogar gern leben, da Bücher wunderbar unkompliziert durch den Geschäftsgang zu schleusen ist. Dies bezüglich können Verlage und Werkschöpfer ruhig schlafen. Das Zweitveröffentlichungsrecht (Open Access als grüner Weg) berührt diesen Bereich überhaupt nicht. Eine szientifizierte Wissenschaftsmessung für Geisteswissenschaften ist erwiesenermaßen untauglich, zumal sie schon für andere Disziplinen nur sehr eingeschränkt passen. Entsprechenden Tendenzen sollte man auf jedem Fall entgegenwirken. Es gibt genügend stechende Argumente und wissenschaftliche Nachweise, so dass man das stumpfe Schwert der Polemik dafür gar nicht bemühen muss. Ein konstruktiver Diskurs – und es ist schlimm, dies betonen zu müssen – funktioniert nur mit einer grundlegenden wechselseitigen Anerkennung und einer Rückbindung an das Nachvollziehbare. Die Strategie von Roland Reuss und nun auch Uwe Jochum ist leider hauptsächlich die der Skandalisierung, die, wie oben bereits angedeutet, über die Köpfe ihrer Peers hinweg zielt und offensichtlich – Stichwort, leider, #fakenews – eine allgemeine Stimmung zu forcieren versucht, welche auf wissenschafts- und urheberrechtspolitische Entscheidungen einwirken soll. Ob diese Rechnung aufgeht, wird man sehen. Unergründbar bleibt nach wie vor, woher die erstaunliche Affinität von hochgebildeten und -reflektierten Akteuren für Untergangsszenarien und die Lust an der Rolle als einsamer Kämpfer für das Gute und (Selbst)Gerechte kommt. Ich hoffe sehr, dass wir eines Tages das Vergnügen haben werden, dazu eine ganz nüchterne und gründliche Diskursanalyse lesen können. Bis dahin bleibt uns immerhin die FAZ am Mittwoch.

(Berlin, 23.11.2016)

Die Entdeckung des „Faselns“. Der Stroemfeld-Verlag sieht sich über dem Diskurs.

Posted in LIBREAS.Debatte by Ben on 7. November 2016

Ein Stimmungsbild von Ben Kaden (@bkaden)

Mitunter nimmt Diskurs auf Twitter wundersame Wendungen. Nachdem es vor zwei Wochen im Anschluss an die #Siggenthesen viel zu diskutieren und klarzustellen gab angesichts des Vorwurfs, diese würden einzig altbekannte und selbstverständliche Banalitäten zu Open Access und der Entwicklung des digitalen Publizierens neu aufgegossen anbieten (vgl. auch hier), donnerte am Freitag eher unerwartet der Twitter-Account des Stroemfeld-Verlages sowie dessen Lektors Alexander Losse hochengagiert und mit aller verfügbaren Überheblichkeit los, um augenscheinlich noch vor dem Wochenende ein wenig Dampf abzulassen. Das wäre nicht weiter problematisch, wenngleich in dieser Form und diesem Rahmen unangemessen, gäbe es im Gepäck der Sticheleien des Verlags-Twitterers vom Dienst, wenigstens einen Aspekt, der über Frust und Trollerei hinauswiese.

Hinausgewiesen soll freilich offenbar jeder werden, der im digitalen Publizieren und der Idee des Open Access nicht gleich und vollumfänglich den Tod des Buches sieht. Das ausdrücklich betonte Interesse an der Meinung des Anderen wird nicht nur nicht ernstgenommen. Vielmehr versucht man sich daran, es lächerlich zu machen. Das kann man machen. Aber es strahlt nicht gerade sonderlich weit.

Zugleich bleibt noch immer völlig unersichtlich, warum ausgerechnet der Stroemfeld Verlag in seiner Existenz bedroht sei, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Disziplinen, die völlig jenseits seines Schwerpunkts publizieren, gern die digitale Open-Access-Variante wählen wollen und zugleich sinnvollerweise aus der Wissenschaft heraus für diese Publikationsform Strukturen geschaffen werden.

Ebenfalls unverständlich bleibt mir, warum der einflussreiche Verlag, dessen Zentralautor ja bekanntlich beliebig viel Platz zur Verkündung seiner Sicht der Dinge von der FAZ eingeräumt bekommt, ausgerechnet auf denjenigen losprügelt, der sich regelmäßig daran versucht, etwas aus dem rhetorischen Überschwang über eine drohende „DDR 5.0“ herauszuziehen, was sich für eine Diskussion eignet. Dass die Texte des Roland Reuss in meinem Umfeld nur Kopfschütteln ernten, liegt nicht unbedingt daran, dass hier jede/r Open Access für das allein glückselig machende Mittel der wissenschaftlichen Kommunikation hält. Sondern daran, dass er wie jemand wirkt, der zutiefst getrieben ist, etwas von der Kanzel zu predigen, jedoch immer wieder nur in die Bütt steigt. Nur eine Drehung weiter, so scheint es oft, und er ist an dieser Stelle. Wir wissen nicht, was ihn treibt, sehen aber, das Kleinkunstrhetorik niemandem etwas nützt. Das ist meines Erachtens das einzige reale Problem in dieser Angelegenheit. Umso bedauerlicher ist es, wenn der Stroemfeld-Twitter nun mitjonglieren möchte. Das Kafka-Zitat wird zum Diabolo. So schön, so billig.

Im übrigen vertrete ich in der eigentlichen Sache seit je wie jede/r, der/die über Open Access reflektiert hat, die Auffassung, dass das Verfahren nicht für alle Fachgemeinschaften gleichermaßen das Mittel der Wahl sein kann und daher pauschale und disziplinäre Besonderheiten ignorierende Verordnungen nicht das Mittel der Wahl sein können.

Ich finde es obendrein sogar sehr schön, dass es auch Kleinverlage wie Stroemfeld gibt und habe die Regale daheim eher zu voll mit dem, was manchmal etwas großspurig als „das gute Buch“ bezeichnet wird. Ob dieses geschätzt wird oder nicht, hat reichlich wenig mit Digitalisierung und Open Access zu tun. Peter Kurzeck verkauft sich sicher exzellent (jedenfalls in meiner Peer Group) und völlig unbeeindruckt von Repositorien und digitalen Semesterapparaten. Die Zeitschrift Text. Kritische Beiträge wird nach wie vor Dutzenden Bibliotheken subskribiert und ist aller Erwartung nach Lichtjahre davon entfernt, zum e-Journal zu werden. Ob Stroemfeld überlebt oder nicht, zeigt sich, so jedenfalls mein Verständnis, eher auf dem Buchmarkt und in betriebswirtschaftlicher Kompetenz und nicht mittelbar an einem Projekt zu den Möglichkeiten digitalen Publizierens für die Geisteswissenschaften. Dies er- und bekannte übrigens auch etwas öffentlich, was eigentlich die Aufrichtigkeit des Dialogangebotes alle, die die Entwicklung mit Sorge betrachtet, unterstreicht:

Entscheidend ist eine bewusste, idealerweise systematisierte und übergreifend diskursive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, Grenzen und Folgen digitaler Publikationsmöglichkeiten in Rückbindung an konkret feststellbare Bedarfe der Publizierenden.

Warum wir so etwas nicht nur allgemein sondern auch der DFG gegenüber vorheucheln sollten, bleibt ein Rätsel der Fantasie der Stroemfelder Sicht.

Mir bleibt auch nach langer Beschäftigung mit dem digitalen Publizieren in der Wissenschaft, nur festzustellen, dass in den Geisteswissenschaften beide Welten heute völlig gleichberechtigt nebeneinander stehen, etwas, das ich sehr begrüße. Und sicher ist, dass wirklich niemand dem Stroemfeld Verlag den Untergang wünscht.

Möglicherweise bin ich daher besonders motiviert, erfahren zu wollen, wieso der Kummerbund des Frankfurter Verlagshauses offenbar so sehr drückt, dass es mich ohne Rücksprache öffentlich bloßzustellen und meine Position als nicht diskursfähig abzuwerten versucht. Es wird mir zunächst ohne Not ein Interessenkonflikt angedichtet, dann Böswilligkeit unterstellt und schließlich vorsätzliche Lüge und Heuchelei vorgeworfen.

Irgendwann nimmt man so etwas vielleicht sogar persönlich und staunt zugleich, wie amateurhaft hier ein angesehner Verlag ein öffentliches Medium benutzt und sich zugleich noch ein paar Namen herausschleudert, die einzig Distinktion in einer Weise aufbauen kann, wie man es eigentlich nur aus vergangenen Tagen vom Kleinbürgerbücherbord kennt. Für den öffentlichen Auftritt eines Verlags wie Stroemfeld ist das aus meinem Verständnis heraus schon geradezu tragisch und auch der Rest des Kommunikationsmanagements in diesem Fall überraschend plump.

Da den zugleich Trolligkeiten des Twitter-Verantwortlichen satt und zugleich gewillt, zu keiner weiteren Eskalation beizutragen, entschloss ich mich am Freitagabend per E-Mail höflich darauf hinzuweisen, dass mir das Ganze etwas unwürdig erscheint. Darüber hat man in der Holzhausenstraße offenbar herzlich gelacht. Und  es folgendermaßen kommentiert:

Twitterkommunikation des Stroemfeld Verlags

Die Botschaft der Twitterkommunikation des Stroemfeld Verlags: Du lügst. Deine Stimme zählt nicht. So reden im Normalfall Leute, die ganz viel von dem durchschauen, worüber man nicht reden darf.

Wer „faseln“ sagt, meint leider „Halt das Maul!“

Meinen Brief an den Verlag veröffentliche ich der Vollständigkeit halber nachstehend mit einigermaßen Fassungslosigkeit darüber, mit welcher Arroganz ein durchaus angesehener Verlag seinen offensichtlichen Hass auf eine Welt, die ganz und gar nichts mit seiner zu tun hat, durch Twitter hinaus ventiliert. Das nun wirklich wiederholte Angebots eines Dialogs, dessen Zweck andere Verleger problemlos verstehen, wird von wem auch immer mit Zugangsrechten zum @stroemfeld-Twitter mit einer trüben Selbstüberhöhung abgekanzelt, die, so muss man es leider sagen, unter allem Niveau ist.  So streut man Gift in die Debatte und disqualifiziert sich im Prinzip selbst. Aber den Köder schlucke ich natürlich nicht. Ich werde auch weiter selbst in den dadaistischsten Verlautbarungen aus Heidelberg und Frankfurt kein zynisches Kalkül sondern höchstens in der Argumentation sehen und höchst wohlwollend schauen, ob sich etwas zur Sache entdecken lässt.

Dennoch bleibt unverständlich, warum sich der Verlag derart grotesk entblösst. Die Siggenthese #4

Der Streit um Open Access ist kein Streit um technische Formate, sondern um Status und verschwindende Disziplinengrenzen. #Siggenthesen #4

könnte einen Erklärung andeuten. Aber genauer wird man die Ängste der Stroemfelds und vielleicht noch einiger anderer erst verstehen, wenn sich deren Vertreter dazu herablassen, etwas Substantielles zur Debatte beizutragen. Der Kommentarbereich dieses Weblogs steht dafür gern zur Verfügung.

Dokumentation der E-Mail an KD Wolff und Rudi Deuble vom 04. November 2016

Sehr geehrter Herr Wolff, sehr geehrter Herr Deuble,

ich schreibe Ihnen kurz, weil ich Ihre Arbeit seit langem mit großem Respekt und hin und wieder auch per Erwerb des einen oder anderen Titels aus Ihrem Programm verfolge. Gerade deshalb ist es mir wichtig, Sie darauf hinzuweisen, dass es auf Außenstehende nicht sonderlich souverän wirkt, wenn der offizielle Twitter-Account des Verlages und der private Account Ihres Lektors gleichermaßen öffentlich über eine Privatperson, also mich, verbreiten, dass sie ein Lügner und ein Heuchler sei, vgl. https://twitter.com/Stroemfeld/status/794482789747949569

Twitter ist ein offenes und informelleres Medium und eine seiner großen Stärken liegt in der schnellen und ungezwungenen Möglichkeit zur Diskussion. Ich nehme das gern an. Die Grenze verläuft wenigstens aus meiner Sicht dort, wo es beleidigend wird und eine versuchte Rufschädigung naheliegt. Das Problem ist, dass Sie, in dem diese Aussagen über den Verlagsnamen getätigt werden, vor allem auch Ihre Marke einer Beschädigung aussetzen. Ihr Verlag begibt sich mit der pauschalen Unterstellung, jemand der seine Meinung erläutert, die hier und da von Ihrer Position abweichen mag, würde lügen, in ein Umfeld, in dem Sie sich ganz bestimmt nicht wiederfinden wollen. Das kann also nicht in Ihrem Interesse sein und in meinem ist es auch nicht.

Ich versichere Ihnen, dass mein Interesse an einem Dialog über mögliche Auswirkungen des Einflusses digitaler Technologien auf die Wissenschaft und das wissenschaftliche Publizieren für das Verlagswesen in Deutschland aufrichtig ist. Mein an verschiedenen Stellen geäußertes Gesprächsangebot gilt nach wie vor. Sie müssen es nicht annehmen. Ich möchte Sie aber in jedem Fall bitten, von weiteren abqualifizierenden Bemerkungen zu meiner Person in Zusammenhang mit meinen Positionen in diesem Diskurs abzusehen. Vielleicht mögen Sie das auch an Herrn Losse ausrichten.

Mit herzlichen Grüßen aus Berlin,

Ben Kaden

(Berlin, 07.11.2016)

Wissenschaftskommunikation auf Gut Siggen. Und zehn Thesen als Ergebnis

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS on tour by Ben on 24. Oktober 2016

Ein Kurzbericht von Ben Kaden (@bkaden).

Gut Siggen / digitale Wissenschaft

Zwölf Ansichten (zu Digitalisierung und Wissenschaft): Ein Teil der Diskursgruppe auf Gut Siggen.

Den Berliner erinnert Ostholstein ohne große Umschweife irgendwie an Ostbrandenburg, allerdings immer mit einem erheblichen Unterschied im Detail. Der Bahnhof in Oldenburg wirkt wie so viele Provinzbahnhöfe mehr aufgelassen als betrieben. Aber auf seinem einzigen Gleis hält zweimal pro Stunde ein ICE (einmal nach Hamburg, einmal nach Kopenhagen). Beide Ecken Deutschlands enden im Osten an einem Wasser, das mit O beginnt: Oder und Ostsee. Beide Regionen setzen, wo es eben geht, auf Tourismus, aber die eine, sofern die Infrastruktur der Maßstab ist, mit deutlichem größeren Zustrom als die andere, was der Oktober mit seinem Nieselregen aber gründlich überdeckt.  Und sowohl dort wie auch dort ist es für alle ohne eigenes Fahrzeug gar nicht so leicht von A nach B zu gelangen. In Ostholstein zum Beispiel von Oldenburg nach Siggen / Heringsdorf.

Der öffentliche Nahverkehr besteht aus einem Kleintransporter namens Rufbus, den man freilich sehr frühzeitig rufen muss. Ansonsten steht man an einem grauen Montagabend auf einem Parkplatz und bemüht sich vergeblich am Telefon, denn der Anruf erfolgt außerhalb der Geschäftszeiten und da kann der Fahrer auch nichts machen. Beruhigt sind die, die dieses Telefonat nicht als Protagonisten sondern als Zeugen erleben, im besagten weißen Transporter sitzend und über schmale Straßen durchs Wagerland zum Gut der Wahl schwankend. Also wir. Bei der Gelegenheit erzählt der Fahrer von einem Herzenswunsch, der die Ostbrandenburger und die Ostholsteiner Abgeschiedenheit, nun ja, verbindet: Der Anschluss an ein schnelles Internet. Oder überhaupt ein Anschluss. Kathrin Passig, so wird später berichtet, sei hier erstmalig seit fast Jahrzehnten für zwei zusammenhängende Tage offline gewesen. Und wenngleich die meisten der diesmal in Siggen Anwesenden nicht ganz so radikaldigital orientiert sind, ging es ihnen genaugenommen ähnlich. Digitalität ist in unseren Feldern – Wissenschaft, Bibliotheken, Publikationsmärkte – das Adernetz, durch das die Kommunikationen rasant fließen. Auf den Feldern von Siggen aber immer noch eher Ausnahme als Regel.

Das allerdings ist gut so. Denn wo die Stille und bei Bedarf Ostseewellenrauschen ist, findet sich vielleicht auch ein neuer Weg, über das „Konzepte des wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter“ zu reflektieren. Zumal die schmale Leitung, die das Gut mit der digitalen Sphäre verbindet, immer noch stabil genug steht, um das entsprechende Twitter-Hashtag (#Siggen) über zwei Tage in den Twitter-Deutschland-Trends zu verankern (Dokumentation zu #Siggen). Das allerdings sagt auch viel über die Twitter-Nutzung in Deutschland aus. Für die Klausur zum digitalen Publizieren in der Wissenschaft erweist sich die Einbindung von Twitter in den Vor-Ort-Diskurs zugleich als digitale Wissenschaftspraxis und Outreach-Medium, mit dem es bald u.a. die Sorge zu zerstreuen gilt, hier entstände eine Art Bilderberg-Club für die Wissenschaftskommunikation. [Update 26.10.2016: Der hier verlinkte Ulrich Herb distanziert sich ausdrücklich von der Verknüpfung mit der Zuspitzung Bilderberg und weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Zuspitzung ihre Ersturheberschaft in diesem Tweet von Eric Steinhauer hat.]

Diese Gefahr bestand freilich nie, auch wenn das Gut Siggen in seiner Geschichte schon manchen aus heutiger Sicht fragwürdigen Besuch beherbergte. Mittlerweile ist das von der Alfred Toepfer Stiftung betriebene Gut ein ganz normales Anwesen mit üppiger Hausbibliothek, Cembalo im Kaminzimmer und gutsgeschossenem Hirschbraten auf der Abendtafel, für dessen Nutzung sich jeder bewerben kann. Die Motivation hinter dem „Think Tank“ war keinesfalls, wie mehrfach versichert wurde, das Erzeugen von Exklusivität. Sondern der Wunsch, in größtmöglicher Konzentration neue Gesichtspunkte in einer Debatte freizulegen, in der eigentlich schon alles gesagt wurde, nur vielleicht noch nicht von jedem.

Wer einschlägige Konferenzdiskussionen kennt, weiß, dass in den fünf Minuten Fragezeit im Anschluss an dreißig Minuten Powerpointillismus meist die gleichen Akteure ihre bekannten Standpunkte in den Raum werfen und man sobald es wirklich spannend werden könnte, zur Postersession und dem Standgespräch in kleiner Gruppe weitergereicht wird. Selbiges ist oft inspirierend, bleibt aber meistens ohne weitere Aufzeichnung und wird daher spätestens mit dem Poster zusammengerollt und weggestellt.

Das Oktobertreffen zu Siggen folgte daher einem Modus, der das beste beider Welten kombiniert: kurze Impulsreferate in einem eher intimen Zirkel werden verbunden mit kaum begrenzter Diskussionszeit und dem Ziel, die in der Zwischenwelt aus Vortrag und Gespräch zum Thema entstehenden Ideen zu bündeln und zu veröffentlichen.

Das Siggener Themenspektrum war zu diesem Zweck breit aber erwartungsgemäß nicht allumfassend gestaltet: Es reichte von der Frage nach der Autorschaft im Digitalen speziell unter dem Einfluss genuin digitaler Publikationsformen (Wissenschaftsblogs, Soziale Netzwerke, Webannotation; Anne Baillot, Michael Kaiser, Alexander Nebrig), zu denen auch Forschungsdaten und Enhanced Publications (Ben Kaden) gehören über die Wissenschaftssprache und ihre Lektorierbarkeit (Friederike Moldenhauer) sowie Fragen der Qualitätssicherung und Reputationsmessung (insbesondere transparenten (Peer-)Review-Ansätzen; Thomas Ernst, Mareike König) im Digitalen bis hin, natürlich, zu Publikations- und Verlagsmodellen (Constanze Baum, Alexander Grossmann, Ekkehard Knörrer, Klaus Mickus, Volker Oppmann, Christina Riesenweber) und schließlich dem Urheberrecht (Eric Steinhauer).

Die konkreten Diskussionen zeigten nicht selten, dass bereits dieser geclusterte Ansatz möglicherweise zu weitläufig gewählt war, denn an vielen Stellen mussten Detailfragen doch aus dem Seminarzentrum heraus- und per Zwiegespräch auf den Weg zum Strand mitgenommen werden. Atmosphärisch ist das allerdings ungemein schöner als der Fachaustausch am Poster…

Im Ergebnis steht mit den Thesen naturgemäß wieder ein Kompromiss, der das wissenschaftliche Publikationssystem nicht aus der Bahn werfen wird, aber zehn komprimierte und Twitter-taugliche Thesen vorlegt, die nun offen diskutiert werden können und sollen. Zu diesem Zweck und in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Merkur werden sie an verschiedenen Stellen, unter anderem an dieser Stelle im LIBREAS-Blog publiziert.

 


#Siggenthesen

Siggener Thesen zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter

Das digitale Publizieren ermöglicht bessere Arbeits- und Erkenntnisprozesse in der Wissenschaft. Diese Potenziale werden aus strukturellen Gründen gegenwärtig noch viel zu sehr blockiert. Wir möchten, dass sich das ändert, und stellen deswegen die folgenden Thesen zur Diskussion:

1

Digitales Publizieren braucht verlässliche Strukturen statt befristeter Projekte. #Siggenthesen #1

Innovationen im Bereich digitaler Publikationsformate in der Wissenschaft, die in Pilot- und Inselprojekten entwickelt werden, bedürfen einer gesicherten Überführung in dauerhaft angelegte, institutionen- und disziplinenübergreifende Infrastrukturen, um im Sinne der Wissenschaftsgemeinschaft nachhaltige und wettbewerbsfähige Angebote liefern zu können. Wir rufen sowohl Fördereinrichtungen und politische Instanzen als auch Verlage und Bibliotheken auf, sich dieser Verantwortung zu stellen und entsprechende Förder- und Integrationskonzepte im bestehenden Wissenschaftsbetrieb konkret und umgehend umzusetzen. Eine systemische Veränderung hin zum digitalen Publizieren kann nur durch ein verlässliches Angebot exzellenter Dienstleistungen erreicht werden.

2

Die traditionellen Großverlage behindern strukturell unsere offene Wissenschaftskommunikation. #Siggenthesen #2

Wissenschaftliche Publikationen sind Teil eines ökonomischen Wertschöpfungsprozesses, den vor allem große Verlage zur Kapitalsteigerung nutzen. Wir sehen allerdings, dass eine digitale Publikationskultur jenseits einer reinen Orientierung an Gewinnspannen aufgebaut werden kann, denn der Wissenschaftsbetrieb schafft selbst durch offene Lizenzierungen Räume für eine freie Zirkulation von Forschungsergebnissen. Die Zuschreibung von Reputation über Publikationsorte und Verlagsnamen, die Einschränkung von Sichtbarkeit durch Adressierung von kleinsten Expertenkreisen und das Beharren auf gewinnorientierten Verwertungsmechanismen, in denen wissenschaftliche Kommunikation sowie wissenschaftlicher Fortschritt zur Ware wird, stehen zur Disposition. Sie müssen, wenn sie den Zielen einer freien und offenen Wissenschaftskultur im Wege stehen, neu ausgehandelt werden – auch wenn dafür ökonomische oder statusbezogene Risiken für die beteiligten Akteure entstehen.

3

Wir publizieren Open Access, um zu kommunizieren. Langzeitverfügbarkeit ist ein nachrangiges (weitgehend gelöstes) Problem. #Siggenthesen #3

Ein oft geäußerter Einwand gegen Open Access ist die angebliche Flüchtigkeit des digitalen Mediums im Vergleich zu gedruckten Büchern. Dabei wird übersehen, dass auch für Druckschriften das Problem der Langzeitverfügbarkeit virulent ist. Diese Frage darf daher nicht überbetont werden. Vielmehr weisen wir auf die Vorteile digitaler Inhalte als Kommunikationsmittel hin: Digitale Veröffentlichungen, die anerkannte und standardisierte Formate nutzen, haben ebenso eine Überlebenschance wie eine beispielsweise nur noch von wenigen Bibliotheken abonnierte Subskriptionszeitschrift; die Sichtbarkeitschancen sind im digitalen Format indes ungleich höher. Außerdem sind die Methoden der digitalen Archivierung wie Emulation, Remediation und Format-Migration bereits weit entwickelt – und werden kontinuierlich eingesetzt und weiterentwickelt, da ein immer größerer Teil der Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung primär oder sogar ausschließlich digital vorliegt. Schließlich erleichtern digitale Netze erheblich die Archivierung digitaler Medien durch redundantes Speichern an mehreren physischen Lokationen.

4

Der Streit um Open Access ist kein Streit um technische Formate, sondern um Status und verschwindende Disziplinengrenzen. #Siggenthesen #4

Die öffentliche Diskussion um Open Access braucht eine neue Zielgerichtetheit, die Vor- und Nachteile transparent darstellt und statt polemischer Maschinenstürmerei kompetente Akzente setzt. Zeitschriftenkrise, Zukunft der Monographie, unklar werdende Fächergrenzen, bessere Wissenschaftskommunikation etc. dürfen nicht weiter in einen Topf geworfen werden, auch wenn der digitale Medienwandel diese unterschiedlichen Felder affiziert. Wir rufen alle Beteiligten – Befürworter wie Gegner des Open Access – auf, bewusster und sachgerechter zu reflektieren und zu diskutieren. Eine sinnvolle und gestaltende Veränderung gelingt nur, wenn wir anerkennen, dass digitales Publizieren bestehende Hierarchien hinterfragt und eine Umverteilung von symbolischem und ökonomischem Kapital mit sich bringen wird.

5

Webmedien wie Blogs, Wikis und andere soziale Medien sind zentral für einen offenen und freien Wissenschaftsdiskurs. #Siggenthesen #5

Digitale Publikationsmöglichkeiten bieten durch ihre bequeme und leicht erlernbare Handhabbarkeit sowie ihren unmittelbar vernetzenden Charakter die Möglichkeit, den Austausch von Informationen im Wissenschaftsdiskurs deutlich zu dynamisieren. So eignen sich beispielsweise Blogs für eine formal strengere Anbindung an bereits bestehende Genres des Wissenschaftsbetriebs, und ergänzen diese zugleich, indem sie (neuen) kleinen Formen, kommentierenden Texten und Konversationen einen Raum bieten. Der unaufwendige Betrieb dieser Medien macht sie zu weniger hierarchiebelasteten Kommunikationsformaten, wobei gleichzeitig auch redaktionelle Schranken zur Qualitätsoptimierung eingezogen werden können. Die prinzipielle Offenheit der Technik schafft einen kommunikativen Freiraum, der sich als Schreibschule im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens anbietet und die bestehende Wissenschaftskommunikation um neue Dimensionen erweitert.

6

Transparente Daten und ihre Bewertung ermöglichen andere und neue Formen der Qualitätsmessung in der Wissenschaft. #Siggenthesen #6

Bei der Auswahl von Artikeln für Fachzeitschriften oder bei der Bewertung von Publikationsleistungen beispielsweise in Berufungsverfahren werden meist unterkomplexe Formen der Qualitätsmessung eingesetzt bzw. einfachen Metriken und Kennzahlen zu viel Gewicht beigemessen (wie etwa dem Journal Impact Factor). Auf digitalen Plattformen stehen vielfältige Daten transparent zur Verfügung, die die Qualitäten von Artikeln besser quantifizierbar machen: etwa Aufruf- und Downloadzahlen, Lesedauer, Zahl der Reviews und Kommentare, Bewertungen in Reviews und Kommentaren, Zitationen in wissenschaftlicher Literatur und in Sozialen Medien. Wir schlagen vor, dass solche Nutzungsdaten ebenso öffentlich zugänglich gemacht und genutzt werden können wie die zugrundeliegenden Inhalte. Diese Daten können in spezifischen Bewertungsverfahren zielgerichtet kombiniert und müssen um qualitative Elemente ergänzt werden, um die aus den bisherigen quantitativen Messverfahren bekannte Manipulationsanfälligkeit weitestgehend auszuschließen.

7

In digitalen Publikationen und ihren Versionen können Autorschafts- und Beiträgerrollen genauer differenziert werden. #Siggenthesen #7

In gedruckten wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurden verschiedene Autorschafts- und Beiträgerrollen nur ungenau bestimmt: Die Naturwissenschaften kennen die hierarchische Reihung der beteiligten Autorinnen und Autoren, die Geisteswissenschaften trennen im Regelfall zwischen der einen Autorperson und verschiedenen Beitragenden, die in der Danksagung genannt werden. Digitale Publikationen ermöglichen die abschnitts- und versionsgenaue Attribuierung von (Haupt-/Co-) Autorschaften sowie von Beiträgerrollen. Auf diese Weise kann wissenschaftliche Reputation zielgenauer und auf Basis einer Attribuierung auch kleinerer Beiträge, wie zum Beispiel von Kommentaren, transparenter ausgewiesen werden.

8

Entscheidungen über die digitale Agenda und ihre Infrastrukturen in der Wissenschaft setzen digitale Expertise voraus. #Siggenthesen #8

In vielen Gremien, die wichtige wissenschaftspolitische Infrastrukturentscheidungen treffen, sitzen unserer Einschätzung nach Akteure, die keine ausreichende medienpraktische und -theoretische Expertise zu Fragen des digitalen Publizierens besitzen. Hochschulen brauchen daher den Mut, Entscheidungen über ihre zukünftigen Infrastrukturen in die Hände digitalaffiner und entsprechend ausgebildeter Personen zu legen. Den digitalen Stillstand in vielen Bereichen unseres Hochschulsystems können und wollen wir uns nicht mehr leisten.

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Der Erwerb und Einsatz digitaler Kompetenzen ist für die Ausbildung, Lehre und Forschung fundamental. #Siggenthesen #9

Um die Potenziale der digitalen Medien für Arbeits- und Erkenntnisprozesse in der Wissenschaft voll ausschöpfen zu können, ist es wichtig, digitale Kompetenzen auszubilden. Dazu gehören einerseits technische (Code lesen, Programmieren, Algorithmen verstehen) und handwerkliche Aspekte (kollaboratives und vernetztes Arbeiten, Social Reading, Multimedialität), die andererseits aber auch einschlägige analytische und soziale Fertigkeiten (Diskussionskompetenz, Medienkritik, kreatives Denken) grundlegend fördern. Der aktuelle Zustand in der Vermittlung digitaler Grundkenntnisse ist unserer Einschätzung nach an Schulen und Hochschulen – gerade auch im internationalen Vergleich – vollkommen unzureichend. Um das umgehend zu ändern, braucht es eine verbindliche und verpflichtende Ausbildung in allen Bereichen der Wissenschaft und über alle Ausbildungsstufen hinweg – hier müssen gerade auch die Lehrenden lernen.

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Medienkonvergenzprognosen sind immer unsinnig. #Siggenthesen #10

Jede Disziplin hat einzelne zentrale Zeitschriften, die voraussichtlich auch demnächst noch nicht im Open Access veröffentlicht werden. Das ist aber kein Argument gegen den aktuell beobachtbaren Wandel – es werden auch noch Musikkassetten und Schallplattenspieler verkauft. Die Zukunft wird durch die Beteiligten gestaltet, somit beeinflussen wir die Gültigkeit unserer eigenen Prognosen. Da der Gestaltungsprozess grundsätzlich in einem Interessenwiderspruch stattfindet und der Diskurs dazu über weite Strecken von durchsetzungsgetriebener Rhetorik geprägt wird, ist es erforderlich, die eigenen Ziele und Interessen eindeutig und verständlich benennen zu können.

 

Sie können die #Siggenthesen auf dem Blog von Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken unterzeichnen und kommentieren.

Diese Thesen stehen unter der Lizenz CC BY 4.0. Sie entstanden im Rahmen des Programms „Eine Woche Zeit“ zum Thema „Konzepte wissenschaftlichen Publizierens im digitalen Zeitalter“. Die Veranstaltung fand vom 10.-16. Oktober 2016 im Seminarzentrum Gut Siggen statt, wurde organisiert von Klaus Mickus, Dr. Constanze Baum und Dr. Thomas Ernst in Kooperation mit der Alfred Toepfer Stiftung und dem Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken. An der Veranstaltung haben Vertreterinnen und Vertreter der folgenden Bereiche teilgenommen: Forschung, Lehre, Bibliotheken und wissenschaftliche Infrastrukturen, Wissenschaftsverlage, Lektorat, Übersetzung, Verlagsberatung, Wissenschaftsblogs, Online-Publikationsplattformen und Online-Zeitschriften.

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren u.a.:

  • Dr. Anne Baillot (Centre Marc Bloch, Berlin)
  • Dr. Constanze Baum (Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel; Redakteurin der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften)
  • Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen, Literatur- und Medienwissenschaft)
  • Mirus Fitzner (Universität der Künste Berlin, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikationswissenschaft)
  • Prof. Dr. Alexander Grossmann (HWTK Leipzig, Professor für Verlagsmanagement und Projektmanagement in Medienunternehmen)
  • Lambert Heller (Leiter des Open Science Lab der Technischen Informationsbibliothek Hannover)
  • Ben Kaden, M.A. (HU Berlin, DFG-Projekt Future Publications in den Humanities)
  • Dr. Michael Kaiser (Leitung von perspectivia.net, dem Publikationsportal der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland, Bonn; Lehrbeauftragter für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität zu Köln)
  • Dr. Ekkehard Knörer (Redakteur der Zeitschrift Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken)
  • Dr. Mareike König (Abteilungsleiterin 19. Jahrhundert, Digital Humanities und Bibliotheksleiterin am Deutschen Historischen Institut Paris, Redaktionsleiterin de.hypotheses.org)
  • Klaus Mickus (Berlin/Berkeley, juris GmbH)
  • Friederike Moldenhauer (Dipl. Soz., Lektorin und Übersetzerin, Hamburg)
  • Volker Oppmann (Geschäftsführer und Cultural Entrepreneur von log.os, Berlin)
  • Christina Riesenweber, M.A. (Freie Universität Berlin, Center für Digitale Systeme)
  • Prof. Dr. Eric Steinhauer (Bibliothekar an der FernUniversität in Hagen; Honorarprofessor am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der HU Berlin)

 

 

Berlin, 24.10.2016

Ragoût brusque. Roland Reuß erinnert in der FAZ daran, dass er Open Access immer noch verachtet. Aber wie.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 28. September 2016

Eine Anmerkung von Ben Kaden (@bkaden)

zu: Roland Reuß: Staatsautoritarismus, groß geschrieben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. September 2016, S. N4 (online)

Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit wandert Roland Reuß mit seinem Open-Access-Unverständnis und einer blütentreibenden Rhetorik zwischen den Seiten des Feuilletons und des Wissenschaftsteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hin und her. Was offenbar leider dazu führt, dass er in seiner Argumentation stagniert. Immerhin scheint er wieder etwas mehr Engagement in seine sprachlichen Bilder und Schöpfungen zu stecken (diesmal, u.a.: Blauäugigkeit 4.0) wenngleich er die ganz überraschenden Wendungen, wie beispielsweise sein bemerkenswerter rhetorischer Doppelschlag sowohl gegen das organisierte Verbrechen (Content-Mafia) wie auch die Remixkultur (Content-DJs, vgl. für beide boersenblatt.net vom 15.Juli 2009) nicht zu wiederholen imstande ist. Es wird aber naturgemäß auch einfach schwerer nach den frühen Punktlandungen, die hohen Erwartungen immer zureichend zu bedienen. Die Frequenz der Neuwörter zwischen Staatsautoritarismus (Titel) und Oligopolverlagen (vorletzter Satz) stimmt jedenfalls.

Denkbar, dass man ihm vor allem deshalb in Frankfurt augenscheinlich derart zureichend die Treue hält, um ihm ohne Zögern einen Doppelspalter in den immer schmaler und zugleich teurer werdenden Ausgaben des Blattes freiräumt, damit er seine Textkritik zu einem Interview, das Johanna Wanka der WELT gab, entfalten kann. Und zu Recht. Wir zahlen allein aus Gründen der Vollständigkeit unserer Sammlung gern die 2,60 Euro. Inhaltlich jedoch können wir kaum mehr dazu sagen als vor einem Jahr.

Man muss auch einräumen, dass der Literaturwissenschaftler im letzten Absatz einen in der Tat wichtigen Punkt berührt, wenn er auf die problematische Rolle der großen Wissenschaftsverlage im Bereich Gold-Open-Access verweist. Leider fehlt ihm jedoch der Differenzierungswillen, um etwas mehr als eine allseits bekannte Tatsache aus diesem Punkt herauszuarbeiten und die Kritik zu fokussieren. Es scheint fast so, als hätte er Angst davor, dass ihn der Fachdiskurs zur Sache ernst nehmen könnte.

Stattdessen schimpft er in gewohntem Stil auf „popelige T-Shirts“ und sieht die Idee der „Bildung“ (in Ausrufezeichen bei Roland Reuß) aus dem entsprechenden Ministerium verschwinden, wohlweislich ignorant dafür, dass es bei Open Access nicht um Bildung geht, sondern um die Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse und zwar in der Regel unter Akteuren, die bereits ausgebildet sind.

Wir leben nun unbestreitbar im Zeitalter des Populismus und überall demolieren idiosynkratische Figuren die Idee des diskursiven Fortschritts, indem sie mit Clownerien und bar jedes Verständnisses für Fakten, größere Zusammenhänge und kategoriale Abgrenzungen mit Halbwahrheiten, Verschwörungstheorien und Provokationen herumschleudern. Aber bei allem Kopfschütteln über Roland Reuß und seine Emphase im Kampf für eine Wissenschaft nach seinem Bilde will man ihm doch unterstellen, dass er sich nicht nach Zugehörigkeit zu dieser illustren Gesellschaft sehnt.

Deshalb muss man Passagen wie die nachfolgend zitierte, die zweifellos der Höhepunkt dieser aktuellsten seiner zahllosen Widerständigkeiten ist, eher mit dem gnädigen Blick des Verständnisses dafür lesen, dass hier jemand, nicht immer erfolgreich aber doch immer bemüht, der eher literarischen Seite einer Tradition des Stilmittels der Polemik frönt und dabei nicht lange fackelt. Oder doch?:

Die publikationsbegleitende Audienz, die Bildungsministerin Wanka der „Welt“ in Gestalt eines Interviews gab, lässt […] tief blicken. Es handelt sich um ein schwer goutierbares Ragout aus krud neoliberalen Vorstellungen von Wissenschaftsmärkten („Monitoring“ darf, natürlich, nicht fehlen), virtueller DDR 5.0 (mit Enteignung der geistigen Produktion) und Staatsautoritarismus wilhelminischer Anmutung. Man weiß gar nicht, ob man mehr über die Blauäugigkeit der das hypertrophe Selbstbewusstsein staunen soll, das in der gewährten Fragestunde zum Ausdruck kommt. Open Access erscheint da auf einmal, seltsam fortschrittsbeschwipst, als Einlösung des auf Grund gelaufenen Atomenergieversprechens der fünfziger und sechziger Jahre: „Moderne Innovationen können den Alltag zunehmend vereinfachen, unsere Ökosysteme entlasten und die Gesundheit der Menschen fördern.“ [Hervorhebung vom Autor]

Nun ist die zitierte Aussage eine, deren Aussagewert so kontextlos abgebildet zwangsläufig gegen Null tendiert. Und es gibt sicher Gründe, warum man nicht unbedingt traurig ist, dass die WELT das Interview hinter einer Paywall versteckt, weshalb man auch nicht den direkten Vergleich zum Neuen Deutschland anno 1985 suchen kann, der nahe liegt, da Roland Reuß aus irgendeiner Echokammer „meint[,] das ZK der SED zu hören“.

Zu befürchten ist freilich, dass der Urheber des Heidelberger Appells nichts von der DDR weiß, außer, dass sie furchtbar war und dass man in den 1980er Jahren jeden Bundesbürger mit dem Verweis auf die Bedingungen drüben gehörig erschrecken konnte. Im Jahr 2016 ist dieser Popanz auch mit 5.0 allerdings so einschüchternd wie ein Spuk unterm Riesenrad. Wenn die FAZ-Redaktion ein bisschen Zeitgefühl hat, dann redigiert sie ihrem Stammautor dieses Metaphernungetüm bei den sicher bald folgenden Tiraden und Polemiken besser aus dem Text. Zumal dadurch auch endlich mehr Platz für klare Aussagen und triftige Argumente bleibt und sichtbar werden könnte, wie viel Roland Reuß eigentlich von wissenschaftlicher Kommunikation mit digitalen Mitteln versteht.

(Berlin, 28.09.2016)

Open Access zerstört die Wissenschaft. Meint Urs Heftrich in der FAZ.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte by Ben on 5. Februar 2016

Eine Anmerkung zu: Urs Heftrich: Studieren geht über kopieren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2016, S. 14. online bei faz.net

von Ben Kaden (@bkaden)

Auch an einem schönen Freitag wie diesem gibt es manchmal traurige Nachrichten. In der FAZ nämlich meldet der Heidelberger Slavist Urs Heftrich: „Open Access macht alles kaputt – die Verlage, die Bücher, die Wissenschaft“. Das kann man erstmal so stehen und wirken lassen und sich an die seit Jahren verkündeten Untergangsentwürfe von Roland Reuss und Matthias Ulmer erinnern. Zweiterer gehört nämlich auch in diesen Kontext, da Urs Heftrich seinen Feuilleton gewordenen Albdruck mit dem mittlerweile berühmten Fall der elektronischen Leseplätze an der TU Darmstadt eröffnet.

Heute, so rechnet der Autor vor, können sich Studierende für den Preis eines USB-Sticks, den er bei fünf Euro ansetzt, 400.000 Seiten Digitalisat in die Tasche stecken, „hinter denen die oft jahrelange Arbeit mehrerer Personen steckt“, was auch immer das heißen mag. Aber nicht nur das. In Urs Heftrichs dystopischer Mediennutzungswelt werden diese Seiten dann von den Studierenden umgehend auf Filesharingseiten angeboten. Und dann? Na ja, dann rollt die „Lawine“, die wohl dafür sorgen wird, dass niemand mehr geisteswissenschaftliche Fachliteratur kauft, weil es so viel Freude bereitet, aus dem Internet schwarz heruntergeladene Scans zu lesen… (more…)

Wie Roland Reuß lesen? Eine Textkritik.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 14. Oktober 2015

von Ben Kaden (@bkaden)

Dass Roland Reuß für den Diskurs ein hochmodernes und leider auch hochermüdendes Stilmittel bevorzugt, nämlich die Polemik, ist allen bekannt, seit er auf seinen Durchbruchstext zum Thema Open Access (Roland Reuß: Eingecremtes Publizieren: Open Access als Enteignung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2009, Nr. 35, S. N5) die Abschaffung der Idee des Individuums und vielleicht sogar des alten Europas durch die Wissenschaftspolitik voraussagte:

„Wer hier anfängt, blind und ohne Reflexion auf die Folgen rumzufuhrwerken, legt die Axt an die Wurzel dessen, was das alte Europa einmal „selbständiges Individuum“ genannt hat. Niemand kann das wollen.“

Gudrun Gersmann, zu dieser Zeit Vorsitzende des Unterausschusses »Elektronische Publikationen« der Deutschen Forschungsgemeinschaft, antwortete damals und zwar ausdrücklich nicht in ihrer DFG-Rolle sondern mit einem Erfahrungsbericht aus dem Deutschen Historischen Institut in Paris ebenfalls in der FAZ. Ihre Replik fiel bemerkenswert geduldig und gelassen aus. (Gudrun Gersmann: Wer hat Angst vor Open Access? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2009, Nr. 41, S. N5) Zum Ende hin lobte sie noch einmal das utopisch-emanzipative Potenzial von Open Access: (more…)

Auf Open Access gewettet und gewonnen: InetBib-Wettspiel zu Ende

Posted in LIBREAS.Verein by libreas on 5. Februar 2015

Nach über 18 Monaten des Wartens auf die Ergebnisse des InetBib-Wettspiels zu Open Access und Open Science, das im Rahmen der 12. InetBib-Tagung in Berlin durchgeführt wurde, heißt es nun „All in!“, die Zukunft ist jetzt. Die Pokerspieler wetteten auf das Eintreten verschiedener Ereignisse in der Zukunft und prognostizierten die Entwicklung von Open Access und Open Science. Nun, zurück in der Zukunft, müssen wir zwar noch auf die Erfindung des Hoverboards warten; die Ergebnisse der Wetten sowie der Name der glücklichen Gewinnerinnen wurden jedoch schon von einer unabhängigen ExpertInnen-Jury freigegeben:

  • 30 deutsche Institutionen haben einen DFG-geförderten Open Access-Publikationsfonds. Ergebnis: Positiv. Bereits zur Halbzeit (nach 12 Monaten) hatten 32 Institutionen einen Publikationsfond.
  • Zwei Journals, die nach dem Episciences-Modell von Timothy Gowers arbeiten, haben jeweils mehrere Artikel zu verzeichnen. Ergebnis: Negativ. Es gibt zwar einige Ankündigungen (vgl. http://www.episciences.org/page/epiiam und https://www.openlibhums.org/2014/04/07/olh-overlay-journals/ – sowie ergänzend http://dx.doi.org/10.3233/978-1-61499-409-1-78 und http://scienceblogs.de/mathlog/2014/08/20/die-zukunft-des-mathematischen-publizierens-episciences/), aber immer noch kein arbeitendes Overlay-Journal.
  • Zwanzig Journals, die in Web of Science oder Scopus indexiert sind, oder deren Verlag Mitglied der OASPA ist, verlangen von ihren Autoren verbindlich, zusammen mit jedem veröffentlichten Artikel alle dazugehörigen Forschungsdaten (unter einer CC- oder Open-Data-Lizenz) frei zugänglich zu machen. Ergebnis: Positiv. Bereits zur Halbzeit erfüllte sich die Prognose.
  • Es werden 50 Open Access-Repositorien das DINI-Zertifikat besitzen. Ergebnis: Negativ (ganz knapp). Im September 2014 besaßen nur nur 49 Repositorien ein DINI-Zertifikat (Nachweis: DINI-Liste.) Zu bedenken ist natürlich, dass es die ersten Repositorien in Deutschland bereits lange vor der Einführung des Zertifikats gab – und dass glücklicherweise viele Repositorien derzeit „Schlange stehen“, um das Zertifikat in seiner neuesten 2013er-Version zu erhalten.
  • 40% der Träger-Institutionen deutscher Open Access-Repositorien der dann aktuellen DINI-Listehaben die Berlin Declaration on Open Access Ergebnis: Negativ. Dies trifft nur auf 26% der Repositorien-Betreiber zu (Nachweis: http://oa.mpg.de/lang/en-uk/berlin-prozess/signatoren/).
  • 50% der Services, die im Rahmen der DFG-Förderung für virtuelle Forschungsumgebungen entstehen bzw. entstanden, werden nicht auf lokaler Infrastruktur (weiter-)entwickelt, sondern cloudbasiert nach den Prinzipien service-orientierter Infrastruktur (SOA) zur Nachnutzung und Weiterentwicklung bereitgestellt bzw. über Github angeboten. Ergebnis: Negativ. Eine Recherche in GEPRIS mit dem Suchbegriff Virtuelle Forschungsumgebungen erzielte 21 Treffer; eine Durchsicht dieser Ergebnisse (Selbstbeschreibung in der Datenbank sowie Informationen auf der Website des jeweiligen Angebots) erzielte keine positiven Ergebnisse (Cloudnutzung).
  • Wikidata löst die Beziehungsrelationen der Gemeinsamen Normdatei (GND) ab. Ergebnis: Negativ. Siehe DNB.
  • Unter den großen Universitäten (den 400 Universitäten in den jeweils aktuellsten Times Higher Education (THE) World University Rankings) verwenden mindestens bei 20 Berufungsverfahren oder in der internen Mittelvergabe explizit auch Benutzungs-Metriken, Altmetrics oder Metriken wie WikiTrust zur Messung individueller Beiträge zu kollaborativ erstellten wissenschaftlichen Objekten. Ergebnis: Negativ. Vgl. Stand zur Halbzeit.
  • Elsevier wird aufgrund von Boykott-Aufrufen die Preise für die Mathematik-Zeitschriften nicht erhöht haben. Ergebnis: Positiv. Bereits zur Halbzeit erfüllte sich diese Prognose.
  • Der Deutsche Bundestag verabschiedet ein gesetzliches Zweitveröffentlichungsrecht. Ergebnis: Bereits zur Halbzeit positiv. Siehe Bundestag.
  • 50% der österreichischen Universitäten haben ein Open-Access-Repositorium. Ergebnis: Negativ. Es wurden 9 Repositorien in Eigenrecherche gefunden. Somit haben nur 38% der österreichischen Universitäten ein Open-Access-Repositorium.

Wir möchten uns bei dieser Gelegenheit auch noch herzlich bei der Jury bedanken, die bis zum Schluß geduldig mitgespielt, ääääh, begutachtet hat! Kein Gewinnspiel ohne JurorInnen. Das waren: Petra Hätscher (UB Konstanz), Peter Schirmbacher (IBI und CMS der HU Berlin), Uwe Rosemann (TIB Hannover) sowie Michael Schaarwächter (UB Dortmund, Gründer von InetBib).

Open-Access-Geschenk

The winner takes it all: Sabine Liess von der Verbundzentrale des GBV in Göttingen erwies sich als die absolute Open-Access-Expertin und gewinnt das InetBib-Wettspiel! Zugleich wird die Gewinnerin der Zwischenrunde Michaela Voigt (UB der TU Berlin) geehrt. Beide Gewinnerinnen erhalten einen Preis, der vom LIBREAS. Verein gestiftet wird – wir gratulieren sehr herzlich!

(Lambert Heller, Maxi Kindling, Paul Vierkant)

Eine kurze Geschichte der Open-Access-Repositorien-Landschaft in Deutschland von 1991-2013

Posted in LIBREAS.Visualisierung by Paul Vierkant on 1. Dezember 2014

Wenn es um das Thema Open Access geht, dann wird oft in die Zukunft geschaut, um zu erfahren, wann Open Access in der Politik, Wissenschaft und Mitte der Gesellschaft angekommen sein wird. Der 2014 Census of Open Access Repositories in Germany, Austria and Switzerland (2014 Census) stellt einen Status Quo der deutschen Repositorienlandschaft dar. Jedoch eine Frage, die im Rahmen des 2014 Census gestellt wurde, hat eine historische Dimension:

“Seit welchem Jahr ist Ihr Repositorium über das WWW zugänglich? Im Falle von Vorgängerversionen wird die Jahreszahl der ersten Implementierung des Repositoriums erfasst.” Erhebungsdatum: 2014-01-13 – 2014-02-06.(1)

Die Antworten auf diese Frage gewähren einen Blick zurück auf den grünen Weg, der in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren beschritten wurde. Von den 152 Open-Access-Repositorien (OAR) im 2014er Census haben 80 Betreiber das Startdatum ihres OAR angegeben.(2) In dem folgenden Beitrag werden daher nur diese 80 OAR behandelt. Die OAR-Betreiber wurden in folgende drei Typen eingeteilt:

  • Universität (3)
  • Fachhochschule (4)
  • außeruniversitäre Forschungseinrichtung und Andere (im Folgenden nur außeruniversitäre Forschungseinrichtung) (5)

Darüber hinaus erfolgte eine Kategorisierung, ob es sich bei dem Repositorium um ein fachliches oder institutionelles OAR handelt. Ein weiteres Kriterium ist der DINI-Validator-Score, den die OAR durch die Überprüfung mittels des DINI-Validators im Rahmen des 2014 Census erreichten. Der DINI-Validator-Score ist ein Maßstab für die Metadatenstandard- und Schnittstellenkonformität eines OAR mit dem DINI-Zertifikat 2010. (6)

Jeder der genannten Aspekte für sich liefert genügend Daten für eine umfangreiche Auswertung. Doch erst die Kombination aller vier Kriterien ermöglicht den folgenden kurzen historischen Abriss der deutschen Repositoriengeschichte (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Historische Entwicklung von Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013) (12)

Abbildung 1: Historische Entwicklung von Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013) (12)

Prägend für die 1990er Jahre sind institutionelle OAR, deren Betreiber fast immer Universitäten waren. Universitäten ebneten den grünen Weg für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Fachhochschulen. Es bestätigt sich jedoch nicht die Annahme, dass die universitären “early adopters” sich bis heute zu größeren OAR (weiter-)entwickelt hätten. Vielmehr ergibt sich eher ein heterogenes Bild von kleinen, mittleren und großen universitären OAR. (7)

In den Zweitausendern zogen vor allem außeruniversitäre Forschungseinrichtungen nach und bauten sowohl fachliche als auch institutionelle OAR auf, die vorrangig mittlerer jedoch zum Teil auch von enormer Größe sind.

Dem Gros der universitären und außeruniversitären OAR steht eine kleine Zahl an OAR gegenüber, die von Fachhochschulen betriebenen werden. Die meisten von ihnen starteten ihren, in der Regel kleinen, Dienst erst nach 2005.

Insgesamt wuchs die deutsche Repositorienlandschaft in den letzten 20 Jahren stetig und schubweise (siehe Abbildung 2). Die Jahre 1999, 2003 und 2006 markieren hierbei die Wachstumshöhepunkte in der Entwicklung der Repositorienlandschaft (siehe Abbildung 3). War der erste Schub in 1999 noch geprägt von Universitäten, die ein OAR aufbauten, so trugen 2003 zunächst auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Andere und später in 2006 auch Fachhochschulen zum sprunghaften Wachstum der Repositorienlandschaft bei (siehe Abbildung 4). (8)

Abbildung 2: Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013) (9)

Abbildung 2: Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013) (9)

 

Abbildung 3: Anteile der Betreibertypen am Wachstum der deutschen Open-Access-Repositorien-Landschaft (1991-2013) (10)

Abbildung 3: Anteile der Betreibertypen am Wachstum der deutschen Open-Access-Repositorien-Landschaft (1991-2013) (10)

Abbildung 4: Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien nach Betreibertypen in Deutschland (1991-2013) (11)

Abbildung 4: Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien nach Betreibertypen in Deutschland (1991-2013) (11)

 

DINI-Validator-Score

Hinsichtlich des DINI-Validator-Scores zeigt Abbildung 1, dass weder der Betreibertyp, noch Größe oder Repositorientyp einen signifikanten Einfluss auf den Score haben. Neben den größten fachlichen OAR (EconStor und German Medical Science), die von außeruniversitären Forschungseinrichtungen betrieben werden, haben kleine OAR von Fachhochschulen (z. B. FH Köln und FH Hannover) sehr gute DINI-Validator-Scores zwischen 90,0 und 100,0. Gleichzeitig gibt es von beiden Betreibertypen OAR, die im Bereich von 65,0 bis 75,0 eher mittelmäßig abschneiden. Leider ist zu beobachten, dass jüngere OAR nicht zwangsläufig eine bessere Metadatenqualität als ihre älteren Pendants haben, obwohl eine Dekade und das Wissen um bestehende Standards zwischen ihren Launches steht. Viele der vor 2002 gelaunchten OAR haben nur einen mittelmäßigen DINI-Validator-Score, was vermuten lässt, dass diese Institutionen die Metadaten ihrer Publikationen und die Schnittstellen ihrer OAR nicht oder nur ungenügend neuen Standards anpassen.

 

Fazit

Die kurze Geschichte der deutschen OAR-Landschaft ist geprägt von Universitäten, die als Pioniere der ersten Stunde den grünen Pfad des Open Access überhaupt erst zu einem Weg machten. Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind als betreibende Institutionen eine Minderheit, die gleichzeitig das unterste und oberste Ende des Größenspektrums ausmachen.

Ebenfalls gilt festzuhalten, dass in Deutschland Metadatenqualität nichts mit der Größe eines OAR zu tun hat. So gibt es kleine aber feine OAR, die als Hidden Champions in ihrem Tagesgeschäft mit ihrer standardkonformen Erschließung vorbildliche Arbeit leisten.

Das Bemerkenswerteste an dieser kurzen Geschichte der deutschen OAR-Landschaft rückte jedoch in der obigen Darstellung in den Hintergrund: die beachtliche Zahl von insgesamt 152 OAR, die in den letzten knapp 20 Jahren in Deutschland von wissenschaftlichen Bibliotheken, Forschungsorganisationen und anderen öffentlichen Institutionen aufgebaut wurden.

Da unklar ist, wieviel Strecke vom grünen Weg noch vor uns liegt, können wir nicht wissen, ob der grüne Open Access in Deutschland angekommen ist. Jedoch zeigt uns ein Blick zurück auf 20 Jahre grünen Open Access in Deutschland, dass der oft schwerste Teil einer Reise hinter uns liegt: der erste Schritt.


(1) Die Forschungsdaten, die im Rahmen des 2014 Census gesammelt wurden, werden im Forschungsdatenrepositorium zenodo.org im Laufe des Dezember 2014 bereitgestellt. http://doi.org/10.5281/zenodo.10734

(2) Durch einen technischen Fehler im Online-Formular konnte bei der Erfassung des Startdatums eine nicht zulässige Angabe übermittelt werden, welche bei dieser Auswertung als Fehler gewertet und daher nicht berücksichtigt wird. Die Grundgesamtheit reduziert sich von 81 Antworten auf 80 valide Angaben.

(3) Der Begriff Universität umfasst deutsche Universitäten und Hochschulen mit Promotionsrecht laut Hochschulrektorenkonferenz-Liste (HRK-Liste), siehe: http://www.hochschulkompass.de/hochschulen/hochschulen-in-deutschland-die-hochschulsuche.html

(4) Der Begriff Fachhochschule umfasst Fachhochschulen und Hochschulen ohne Promotionsrecht laut HRK-Liste.

(5) Der Begriff Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Andere umfasst z. B. Forschungsinstitute und Forschungszentren, wobei Andere z. B. staatliche Einrichtunge wie Bundesanstalten sein können.

(6) Der Wertebereich des DINI-Validator-Scores reicht von 0,0 bis 100,0. Für den DINI-Validator siehe: http://oanet.cms.hu-berlin.de/validator/pages/validation_dini.xhtml

(7) Größe: Die untersuchten OAR wurden je nach Anzahl der vorgehaltenen Items in folgende Größenkategorien unterteilt: „klein“ = 1-1.000; „mittel“ = 1.001-5.000; „groß“ = > 5.001. Item bezeichnet die laut Bielefeld Academic Search Engine vorgehaltenen Open-Access-Volltextveröffentlichungen, die im Idealfall die Gesamtheit des Bestands ausmachen, siehe: http://www.base-search.net/about/de/faq.php#chap03

(8) Welchen Einfluss Hosting-Dienste auf die Entstehung der deutschen Repositorienlandschaft hatten, stellt hierbei eine Forschungslücke dar.
(9) Vierkant, Paul. (2014). Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013). ZENODO. 10.5281/zenodo.12954

(10) Vierkant, Paul. (2014). Anteile der Betreibertypen am Wachstum der deutschen Open-Access-Repositorien-Landschaft (1991-2013). ZENODO. 10.5281/zenodo.12952

(11) Vierkant, Paul. (2014). Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien nach Betreibertypen in Deutschland (1991-2013). ZENODO. 10.5281/zenodo.12949

(12) Vierkant, Paul. (2014). Historische Entwicklung von Open-Access-Repositorien in Deutschland 1991-2013. ZENODO. 10.5281/zenodo.12969

Das DOAJ und seine Qualitätssicherung.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 14. August 2014

Anmerkungen von Ben Kaden (@bkaden)

Die Qualitätssicherung des Directory of Open Access Journals (DOAJ) ist derzeit das Sommerthema der Wissenschaftskommunikation. Da LIBREAS dort gelistet ist (und die Redaktion den in der Tat nicht gerade unterkomplexen Fragebogen zumindest schon einmal abgearbeitet hat), interessiert uns das auch aus persönlicher Betroffenheit.Im großen Rahmen sind natürlich die Hintergründe und allgemeinen Ziele, wie sie derzeit kumuliert kommuniziert werden, interessanter.

Ein Artikel im Nachrichtenbereich von Nature (Van Noorden, 2014) vermittelte unlängst Einiges zu den Versuchen, qualitätssichernde Wände in das mittlerweile zum Tummelplatz nicht immer ganz im Sinne der wissenschaftsethischen Grundeinstellung des ursprünglichen Open-Access-Gedankens stehender Business-Ansätze (u.a. das so genannte „Predatory-Open-Access“) gewordene Gebäude eines Zentralverzeichnisses der Open-Access-Zeitschriften einzuziehen.

Der erste Schritt ist die „Reapplication“, die für jede Zeitschrift, die gern im DOAJ gelistet werden möchte, notwendig ist. Das entsprechende Formular gibt es hier über diesen Link und enthält für LIBREAS mit seinem nicht ganz stromlinienhaften Format durchaus überraschende und herausfordernde Elemente, die wir hoffentlich erfolgreich bezwungen haben und die in jedem Fall zur Reifung der Zeitschrift beitragen.

Das Basiskriterium ist erwartungsgemäß absolut freier Zugang zu den publizierten Inhalten, worauf auch Rick Anderson in seinem Bericht im Fachblog The Scholarly Kitchen hinweist:

„According to the application form, access embargoes of any length will disqualify a journal from inclusion; journals that put any content at all behind a pay wall (i.e. hybrid journals) are also excluded.“ (Anderson, 2014)

Allerdings galt dies, soweit ich mich erinnere, auch schon vor zehn Jahren. Darüberhinaus verweist Rick Anderson auf einen etwas schwierigeren Aspekt, nämlich den der Transparenz bei der Gewichtung der Angaben im Fragebogen. Tatsächlich weiß man nicht so recht, worauf man achten muss, um sich nicht doch eventuell aus dem Angebot zu klicken, wobei man den Betreibern vielleicht doch zutrauen sollte, hier differenziert im Zweifel auch den Einzelfall im Blick zu behalten:

„Otherwise, little information is provided about how the various criteria will be weighted, and it appears that the decisions will be substantially subjective.“ (Anderson, 2014)

Bei wohlwollender Auslegung meint „subjective“ nämlich genau diese Art von qualitativer, individueller Inaugenscheinnahme. Für die Journals, die im Verzeichnis bleiben, wird als Neuerung eine Gütesiegel für Publikationen erstrebenswert und relevant, mit dem das DOAJ die Titel kennzeichnen möchte, welche die höchsten Standards erfüllen und damit in gewisser Weise vom Organisationsmodell und ihren formalen Eigenschaften zu den besten 10 bis 15 % der Open-Access-Zeitschriften zählen.

So wird also an beiden Enden der OA-Skala qualitätsoptimiert. Einerseits gilt, was Alma Swan vom derzeitigen DOAJ-Betreiber IS4OA ( Infrastructure Services for Open Access C.I.C.), bei dem naheliegend DOAJ-Gründer und eigentlich Gesicht Lars Bjørnshauge als Manager des DOAJ angestellt ist sagt:

„We need to show which journals come up to a minimum standard of quality [.]“ (vgl. Van Noorden)

Andererseits wird eine Exzellenzgruppe ermittelt. Dazu kommen 10 % aktuell noch im DOAJ verzeichnete Publikationen, die die Hürde des Mindeststandards nicht nehmen werden, so jedenfalls die Vermutung Lars Bjørnshauges. (ebd.)

Ob die eventuell als Gegenentwurf zur schwarzen Liste von Jeffrey Beall (bei Anderson auch „Beall’s List“ genannt, bei Van Noorden einfach „blacklist“, vgl. dazu auch ausführlich Crawford, 2014, dessen Kernaussage lautet: „I believe the lists should be ignored.“) gedachte „Whitelist“ des DOAJ den zukünftigen Standard zur Qualitätsbewertung von Open-Access-Zeitschriften darstellen wird, ist freilich noch offen. Dass die DOAJ-Verantwortlichen nach der Kritik an ihrer Qualitätssicherung nun mit einer Flucht nach vorn versuchen, als dominanter Akteur eine eminente Position im Open-Access-Feld nicht nur zu erhalten, sondern intensiver als zuvor selbst u.a. per eigenem Gütesiegel Standards für das Open-Access-Publizieren zu setzen, durchzusetzen und zu steuern und damit ihre Reichweite und Bedeutung auszudehnen, lässt sich nicht übersehen.

Nach offizieller Lesart steht dies übrigens weniger im Zusammenhang mit der Liste Bealls, sondern mit einer grundsätzlichen Überarbeitung des DOAJ nach der Übernahme des Betriebs durch die IS4OA C.I.C., wie sie im Dezember 2012 angekündigt wurde (DOAJ, 2012) und die offensichtlich auch eine weitere Professionalisierung nach extra-universitären Ansprüchen zum Ziel hat. Auch für eine Community Interest Company bildet Business den Vordergrund des Geschäfts, selbst wenn im Hintergrund das Interesse der Gemeinschaft steht.

Van Noorden zitiert dabei eine Hauptherausforderung (und in gewisser Weise Konkurrenten) für das Verzeichnis und seine Rolle im Alltagsbetrieb der Wissenschaft:

„Moreover, Beall points out, many researchers and universities will instead judge a journal’s quality by whether it is indexed in major citation databases, such as Elsevier’s Scopus index, rather than looking at the DOAJ’s list.“ (Van Noorden)

Mit einer rigorosen Qualitätskampagne bzw. sogar OA-Exzellenzmessung per Hand –

 „a small cohort of some 30 voluntary associate editors — mainly librarians and PhD students — will check the information submitted in reapplications with the publishers, and there will be a second layer of checks from managing editors“ (ebd.)

– bemüht man sich also, öffentlichkeitswirksam und – jedenfalls nach dem Eindruck Rick Andersons – etwas dünnhäutig (mit „touchiness“), Boden gut zu machen und das Profil zu schärfen.

Die Hauptherausforderung gegenüber der Open-Access- bzw. Wissenschaftscommunity wird in diesem Prozess darin liegen, zureichend Transparenz zu zeigen, um jeden Verdacht einer lückenhaften, zu lockeren oder zu strengen Sortierung und Bewertung auszuräumen. Es geht, wie so oft, um Vertrauen, das gegenüber dem DOAJ relativ leicht zu erschüttern war.

Dass es, vorsichtig formuliert, traditionell eher inklusiv vorging, wusste allerdings bereits lange vor der Beall’schen Liste jeder, der einmal quer durch das Verzeichnis browste. Die Geschichte des Open-Access-Publishings ist de facto auch eine der Politur, des strategischen Setzens von Markern und des Vorspiegelns von Initiative, deren Hauptziel nicht in der tatsächlichen Verbesserung der wissenschaftlichen Kommunikation lag. Und dass, seitdem mit Open Access Geld zu verdienen ist, eine ganze Reihe von Akteuren vor allem dieser Motivation folgen und raushebeln, was dieser Markt so hergibt, war eigentlich auch erwartbar.

Gerade vor diesem Hintergrund ist es für die DOAJ-Betreiber fraglos auch relevant, überzeugend zu vermitteln, wie die Wissenschaftscommunity als interessenleitend für die Arbeit der CIC im Rahmen des jeweils Ertragsmodells ihre wirkliche Berücksichtigung findet.

Die Schritte, die das DOAJ (bzw. IS4OA) gerade einleitet, kommen einerseits selbstverständlich etwas spät und ein bisschen sehr von außen induziert. Andererseits sind sie unvermeidbar und folgen generell einem auch für die Wissenschaft richtigen Ziel und präzise nah an deren Bedarf.  Wo Publikationsstrukturen sehr komplex werden, braucht man Verfahren und Instanzen, die diese Komplexität verlässlich vorfiltern und durchschaubar machen. Das DOAJ war und ist ein Ansatz dafür. Ob die aktuellen Schritte konkret zu etwas führen, was für das Verzeichnis wie auch das wissenschaftliche Publizieren befriedigend ist, lässt sich naturgemäß heute noch nicht absehen.

Als wir LIBREAS circa im Jahr 2006 dort registriert haben, lag die Qualitätshürde übrigens in der Frage nach dem Review-Verfahren. Die Angabe „Editorial Peer Review“ in einer formlosen E-Mail war zu diesem Zeitpunkt zureichend. Es verblüfft uns schon immer wieder, wie sehr diese Welt des lockeren Vertrauens und fröhlichen Probierens in diesem Zweig mittlerweile eine von Gestern zu sein scheint.

(Berlin, 14.08.2014)

Quellen

Rick Anderson (2014) Housecleaning at the Directory of Open Access Journals. In: The Scholarly Kitchen. 14.08.2014 http://scholarlykitchen.sspnet.org/2014/08/14/housecleaning-at-the-directory-of-open-access-journals/

Walt Crawford (2014) Journals, “Journals” and Wannabes: Investigating The List. In: Cites & Insights, Vol. 14, No. 7 http://citesandinsights.info/civ14i7.pdf

DOAJ / Alma Swan (2012) Future plans for the development of the DOAJ. In: is4oa.org. 18.12.2012 http://is4oa.org/2012/12/18/future-plans-for-the-development-of-the-doaj/

Richard Van Noorden (2014) Open-access website gets tough. In: Nature News. 06.08.2014, http://www.nature.com/news/open-access-website-gets-tough-1.15674

EIS, newlis und LIBREAS. Ein Blick in die INETBIB und darüber hinaus.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte by Ben on 29. Juli 2014

von Ben Kaden (@bkaden)

Am vergangenen Donnerstag (24.07.2014) bestätigte Rainer Kuhlen in der Mailing-Liste INETBIB, dass das geplante Projekt einer neuen europäischen Open-Access-Zeitschrift bzw. Kommunikationsplattform für die Informationswissenschaft (European Journal of Information Science bzw. EIS-ICP bzw. Open-Access-Zeitschrift/Publikations-, Informations- und Kommunikationsplattform EIS – European Information Science (OA-PIKP-IW)) keine Förderung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu erwarten hat. Damit ist das Projekt vorerst gescheitert. Rainer Kuhlen verfügt als emeritierter Professor zwar über Expertise und Kontakt jedoch eben nicht über Infrastruktur und Mittel. Und ohne diese lässt sich ein Unterfangen dieses Zuschnitts nicht bewältigen. (vgl. Kuhlen 2014, Antragstext: Kuhlen, Womser-Hacker,2014)

Die Reaktionen in der Mailing-Liste auf die Mail Rainer Kuhlens verdeutlichen, wie die Frage eine Reorganisation der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Fachkommunikation (de facto fallen beide Facetten in Deutschland sehr häufig sogar noch mit der bibliothekarischen und informationspraktischen Fachkommunikation zusammen, wenngleich es sich beim Kuhlen’schen Vorhaben um ein dezidiert informationswissenschaftliches handelte) unter dem Ansprach des Open Access verhandelt wird. Da dies unmittelbar auch für LIBREAS interessant ist, sollen die bisher verfügbaren Positionen hier kurz dokumentiert, sortiert und kommentiert werden.

Rainer Kuhlen selbst mutmaßte in seiner Erstmeldung nur indirekt über die Gründe, die die DFG möglicherweise zur Ablehnung gebracht haben („nicht gut genug“, „zu ambitiös“, „ob die Informationswissenschaft in der DFG keine Lobby hat“, vgl. Kuhlen, 2014).  Thomas Krichel, der sich ein paar Vortragsfolien von Rainer Kuhlen angesehen hat, meinte in einer ersten Reaktion, dass die DFG-Entscheidung, wenn der Antrag den Folien ähnelte, wenig überraschend sei, spezifizierte die Aussage aber nicht weiter. (Krichel, 2014a) Nun ist das Spiel des Mutmaßens zwar sehr unterhaltsam, am Ende aber auch müßig, zumal die leider nicht zugänglichen Gutachten die Wahrheit bzw. eine unabweisbare offizielle Begründung für den abschlägigen Bescheid enthalten, die wir voraussichtlich nie erfahren werden, so dass auch niemand die Freude empfinden wird, beim Orakeln richtig gelegen zu haben.

Die drei Überlegungen Kuhlens klingen allerdings wahrscheinlicher als die Vermutung, die Eric Steinhauer ins Spiel bringt. Diese weist dafür über den Antrag hinaus in die oft betrübliche Realität der Redaktionspostfächer:

„Wäre es eine zu abwegige Vermutung, dass ein Grund dafür vielleicht auch in dem Umstand zu suchen sein könnte, dass es für ein neues Fachorgan einfach nicht genügend Autoren gibt?“  (Steinhauer, 2014a)

1. Publikationskultur (Eric Steinhauer)

Der von ihm angesprochene Punkt, nämlich wie man überhaupt im deutschen LIS-Feld genügend Beiträge für eine ganze Bandbreite von Publikationsformen (also auch die Neugründungen Neugründungen Informationspraxis  und o-bib sowie für Nanopublikationen, wie Eric Steinhauer ergänzt, das Sortiment der Social-Media-Welt), verfehlt zwar etwas den geplanten Zuschnitt von EIS, da dieses Journal als wissenschaftliche Fachplattform nicht unbedingt auf bibliothekspraktische Texte blicken sollte. Er greift mit der Frage „Wer schreibt?“ aber dennoch eine grundlegende Herausforderung auf, die sich jeder Fachzeitschrift für Bibliothekswesen bzw. Bibliotheks- und Informationswissenschaft stellt.

Für Eric Steinhauer beginnt das Problem freilich noch früher bzw. auf der anderen Seite des Publikationskreislaufs. Was publiziert wird, so sein Eindruck, wird oft so gut wie gar nicht rezipiert:

„eine Lektüre, geschweige denn eine produktive Rezeption publizierter Arbeiten [findet] kaum statt[…]“  (Steinhauer, 2014a)

Entsprechend nachvollziehbar ist sein Appell, den Blick weniger auf die Publikationsorgane als auf die Publikationskultur selbst zu richten. Daran, wie sich Informationspraxis und o-bib entwickeln, wird sich auch empirisch zeigen, ob in der deutschen Fachgemeinschaft genügend Platz für eine solche Vielzahl von Publikationsorganen ist. (Steinhauer 2014b)

Ursächlich für die mangelnde Rezeption bibliotheks- und informationswissenschaftlicher Publikation sind für ihn „selbstreferenzielles Projektdenken und zuviel quasi-politisches Gehabe“ und ein zu gering ausgeprägtes Bewusstsein für Interdisziplinarität beispielsweise mit den Kulturwissenschaften, die bibliothekswissenschaftlich relevante Sachverhalte äußerst rege aufgreifen.

2. Kein Peer Review,  dafür ein Referateblatt (Walther Umstätter)

Walther Umstätter sieht angesichts der Zahlen der Absolventen in den Ausbildungs- und Studiengängen durchaus noch Raum für eine weitere Publikationsplattform. (Umstätter, 2014a)

Er kritisiert jedoch, dass im Vorfeld keine bibliometrische Profilierung der geplanten Publikation stattfand. Er bezieht sich dabei auf eigene Vorarbeiten (Mayr, Umstätter, 2008), die zu dem Ergebnis führten:

„Gerade mit der immer stärkeren Abnahme an deutschsprachigen wissenschaftlichen Zeitschriften wächst die  Bedeutung derer, die noch existieren, insbesondere für den Nachwuchs.“ (Mayr, Umstätter, 2008)

Größere Probleme bereitet ihm jedoch der Ansatz des Open Access selbst. Die von Eric Steinhauer erwähnten Publikationen und besonders Social-Media-Kanäle erscheinen ihm stärker als Angebote für „bestimmte Interessengruppen und „Indies““, wogegen die Diskussion der so genannten newlis-Debatte eine übergreifende, „zentrale“ Lösung anstrebte. Im Kern fehlen Zentralorgane, wie es naturwissenschaftliche Disziplinen mit den Übertiteln Nature oder Science besitzen, in den Geisteswissenschaften, zu denen Walther Umstätter offenbar auch die Bibliotheks- und Informationswissenschaft zählt. Der Grund dafür ist aus seiner Sicht, dass es hier keine auf harte Fakten bezogene Streitkultur gibt. Man bleibt beim Feststellen von Meinungen und deshalb, so Walther Umstätter, ist die Publikationskultur in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft nur schwach ausgeprägt:

„Es geht in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu wenig um die Fakten und Konsequenzen der Informationstheorie als Hard Science, und zu oft nur um das Geplauder um moderne Schlagworte.“ (Umstätter, 2014a)

Weiterhin erweitert Walther Umstätter im Anschluss an Eric Steinhauer die Debatte um den Aufruf, dass die in internationalen Zeitschriften erschienenen Publikationen in der deutschen Bibliotheks- und Informationswissenschaft intensiver als bisher – idealerweise mit den „besten Wissenschaftlern als Reviewern“ – „fundiert und kritisch“ einem Art Post-Peer-Review unterzogen werden. Sehr deutlich spricht er sich also für eine Art Referatezeitschrift der deutschen Bibliotheks- und Informationswissenschaft aus, dass über aktuelle Fachentwicklungen informiert und zugleich einen fehlenden Zugang zu diesen Titeln kompensiert.(Umstätter, 2014c)

Ein Post-Publication-Peer-Review ist für Walther Umstätter auch generell für neugegründete Zeitschriften das Mittel zur Qualitätssicherung. (Umstätter 2014b) Er argumentiert, dass beim Pre-Publication-Peer-Review  in der Wissenschaft in immerhin 4,5% der Fälle (vgl. Cawley, 2011) zum Review eingereichte Erkenntnisse durch die Reviewer selbst nachverwertet (bzw. gestohlen) wurden. Darüber hinaus könnte der Vorteil, frühzeitig und teilweise auch inspirierend den Forschungsstand der Fachkollegen zur Kenntnis nehmen zu können, auch generell eine zentrale Motivationsgröße für die Mitarbeit am zumeist nicht vergüteten Reviewing für Fachzeitschriften darstellen. Er wird in diesem Punkt durch Thomas Krichel unterstützt, der auf das Fachrepositorium E-LIS verweist. (Krichel, 2014b)

Schließlich betont Walther Umstätter in einer dritten Positionierung, dass er ursprünglich LIBREAS in der Rolle des aus dem newlis-Umfeld heraus forcierten neuen Open-Access-Organs sah. (Umstätter, 2014c, Umstätter, 2012) Er interpretiert dabei einen Text von Ben Kaden als diesbezüglich abschlägig. (Kaden, 2012, mehr dazu unten) LIBREAS hätte aus seiner Sicht als eine Art Referateorgan mit einer entsprechenden Unterstützung und einem Anschluss an die Idee von EIS durchaus das passende Produkt für den festgestellten Bedarf werden können:

„Natürlich hätten die Mitstreiter bei LIBREAS noch weit mehr ihre Arbeit aufteilen müssen, hätten Rechte und Pflichten abgeben müssen, um die anfallende Arbeit zu schaffen, hätten einiges an Arbeit auf die Softwareebene delegieren müssen, und gerade das müsste man der DFG klar machen, wo die eigentliche Projektidee liegt, die bei Kuhlens Antrag nicht deutlich genug wurde, weil er anderenfalls hätte angenommen werden müssen.“ (Umstätter, 2014c)

3. Kein Förderbedarf (Klaus Graf)

Für Klaus Graf besteht schlicht kein Bedarf für eine DFG-Förderung. Eine bezahlte Redaktion wäre ein netter Bonus, die Open-Access-Praxis zeigt aber, dass es einerseits infrastrukturelle Unterstützung durch Hochschulen (Open-Journal-Systems u.a. der Universitätsbibliothek Heidelberg gibt) und andererseits der hauptsächlich ehrenamtliche Ansatz „der beiden angekündigten deutschsprachigen OA-Journals […] moderner und zukunftsweisender“ ist. (Graf, 2014a)

Zur Frage des Reviewing positioniert sich Klaus Graf mit der Einstellung „publish first, filter later“. (Graf, 2014b) Ein „gründliches traditionelles Review” stellt dabei eine Art Erstfilter dar. Die weitere Qualitätsbewertung eines Beitrags erfolgt idealerweise als Post-Publication-Review und damit dürfte zu diesem Aspekt ein Konsens bestehen.

4. Das Problem des Nebenbei (Annette Kustos)

Anette Kustos rekurriert auf das von Eric Steinhauer eingebrachte Problem des „Wer schreibt?“  bzw. „Wer schreibt wissenschaftlich?“ und ergänzt die Debatte um die Position, dass Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit einer „ständige[n] „Breitenperformance““ oftmals kaum mehr an Text zu produzieren in der Lage sind, als solchen in der wenig geliebten Form der Praxisberichte. Für eine tiefe Quellenrecherche und wissenschaftliches Ausarbeiten der Beiträge bleibt im Arbeitsalltag kaum Gelegenheit.

Sie betont zudem den Aspekt, dass die Arbeit des Publizierens in den vorliegenden Open-Access-Strukturen ohne direkte Entlohnung und quasi nebenbei, finanziert durch anderweitige Erwerbsarbeit erfolgt. Open Access, so betont sie, kann eigentlich nur funktionieren, wenn die grundsätzlichen Betriebsressourcen der Publikationsplattformen finanziert sind. Deshalb ist sie auch Mitglied im LIBREAS-Verein und unterstützt diesen mit einem Jahresbeitrag. Das Fehlen eines solch abgesicherten „institutionelle[n] Unterbau[s] mit Grundmitteln für den Fachkontext Informationswissenschaft“ könnte, so die Vermutung, im Fall von EIS der Kern des Problems sein. Ihr Best-Practice-Beispiel aus dem bibliothekarischen Bereich ist die Zeitschrift GMS Medizin-Bibliothek-Information.

5. Kommentar (Ben Kaden)

Ob die INETBIB-Diskussion um die Nichtbewilligung einer DFG-Förderung für EIS-ICP die generelle Debatte um die Publikationsstrukturen in Bibliothekswesen, Bibliotheks- und Informationswissenschaft bzw. Informationswissenschaft, die unter der Überschrift newlis eine erfreuliche intensive Kommunikation und schließlich, nicht minder erfreulich, gleich zwei konkrete Publikationsprojekte nach sich zieht, wieder intensiver aufflammt, ist nach vier Tagen noch nicht absehbar. Dass eine Diskussion stattfindet spricht aber deutlich für eine Vitalität der Fachgemeinschaft, auch wenn die TeilnehmerInnen weitgehend bekannt und von vergleichsweise geringer Zahl sind. Aus den bisherigen Stimmen lassen sich folgende Kernpaspekte extrahieren:

  • Es gibt zu wenige (gute) Autoren bzw. Beiträge.
  • Es wird zu wenig bzw. zu wenig aufmerksam und kritisch gelesen.
  • Open-Access-Publikationen sind relativ kostengünstig einzurichten.
  • Open-Access-Publizieren erfolgt fast notwendig ehrenamtlich.
  • Das Peer-Review-Verfahren sollte durch ein Post-Publication-Review abgelöst werden.
  • Eine Referateblatt, dass Forschungsergebnisse besonders aus internationalen Publikationen an das Fachpublikum vermittelt, wäre wünschenswert.

Sehr zentral aus meiner Sicht jedoch noch ein anderer Aspekt, der noch nicht expliziert wurde, aber ursächlich für viele Reibungspunkte sein dürfte: die mangelnde Abgrenzung. Genaugenommen ist es nämlich nicht unbedingt zutreffend, wenn man das geplante EIS-ICP mit LIBREAS, Informationspraxis und o-bib oder anderen bibliothekarischen Fachzeitschriften in einen unmittelbaren Zusammenhang setzt. Sowohl der geographische Zuschnitt (Europäische Union) wie auch die fachliche Konzentration (Informationswissenschaft) zielten nachvollziehbar doch vielmehr auf eine konkrete Wissenschaftsgemeinschaft und weniger auf eine Fachgemeinschaft, die bis in die Bibliothekspraxis reicht, was sich besonders bei der Art der einreichbaren Beiträge und deren Reviewing gezeigt hätte. Die Zielgruppe unterscheidet sich demnach grundlegend von der der genannten anderen Open-Access-Zeitschriften.

Herausforderung und Konkurrenz für EIS-ICP wären daher vielmehr die in der Fachdisziplin fest etablierten Titel, also Zeitschriften wie JASIST, das Journal of Documentation und sicher auch die IWP sowie eine gut sortierte Handvoll internationale Open-Access-Publikationen wie First Monday oder InformationR, in denen auch deutsche informationswissenschaftliche Autoren relative stabile und vor allem etablierte Strukturen für ihren Fachdiskurs vorfinden, in denen sie ihre Forschung kommunizieren können. Allerdings heißt es im Antrag bei der Bedarfsanalyse: „Faktisch publizieren deutsche WissenschaftlerInnen, bis auf Ausnahmen, kaum in den international führenden Journalen des Fachgebiets […]“ (Kuhlen, Womser-Hacker, 2014, S. 32) Hier eröffnet sich noch ein ganz anderes Feld für eine Debatte zur gegenwärtigen Publikationskultur der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, dessen Bearbeitung erst einmal vertagt werden muss.

Dass sich eine Vielzahl von VertreterInnen der Fachcommunity laut Liste im Antrag (Kuhlen, Womser-Hacker, 2014) zur Mitarbeit im Editorial Board bereiterklärten mag einerseits den Netzwerkkompetenzen der Antragsteller geschuldet sein. Andererseits zeigt es dennoch mindestens, dass die informationswissenschaftliche Community einer weiteren Publikationsplattform nicht abgeneigt gegenüber steht.

Interessant wäre es natürlich, die Gutachten mit der Ablehnungsbegründung einzusehen. Die Vermutung, dass EIS tatsächlich sehr, vielleicht zu komplex und zugleich im Gegensatz zu anderen, niedrigschwelligeren Open-Access- und Nanopublikationsformen ziemlich traditionell top-down-strukturiert angelegt war, stellte sich bereits bei den Präsentationsvorträgen von Rainer Kuhlen u.a. im BBK des Berliner Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft ein und bestätigt sich auch in gewisser Weise bei der Lektüre des Antrags. Jedoch sind auch die Erwartungen und formalen Ansprüche der DFG zu berücksichtigen und zweifellos steht einem informationswissenschaftlichen Projekt ein hoher informationswissenschaftlicher Innovationsanspruch in einem solchen Antrag sehr gut zu Gesicht.

Es bleibt dabei: auch mit Informationspraxis, o-bib, LIBREAS, 027.7 und anderen Publikationen fehlt eine deutschsprachige Open-Access-Zeitschrift für die Disziplin der Informationswissenschaft. Keine der genannten Open-Access-Publikationen erfüllt die Standards, die eine Wissenschaftsgemeinschaft berechtigt an ein für sie tragfähiges Leit- und Kommunikationsmedium stellt.

Aus Sicht von LIBREAS kann ich mich der Position von Annette Kustos sehr gut anschließen: Es ist mit den vorhandenen Mitteln und auf der Basis der Beiträge die uns erreichen unmöglich, ein hartes wissenschaftliches Journal herauszugeben, wie es Walther Umstätter und Rainer Kuhlen mutmaßlich vorschwebt. Das bedeutet keineswegs, dass nicht auch auf diesem Weg wissenschaftliche und andere relevante Erkenntnisse in diesen Medien ihren Weg zum Leser finden. Bei konsequenter Anwendung wissenschaftlicher Standards wäre bei LIBREAS jedoch die Ablehnungsrate selbst des Editorial Reviews so hoch, dass wir bestenfalls alle zwei Jahre eine Ausgabe publizieren könnten. Wir haben uns dagegen entschieden und folgen lieber Klaus Grafs Devise „publish first, filter later“.

Ich habe LIBREAS unlängst in einer Diskussion als Themenseismograph bezeichnet und ich denke immer mehr, dass es das ist, was wir aktuell mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln leisten können: wir zeichnen bestimmte Aspekte und Erörterungen dazu auf, in der Hoffnung, dass sie rezipiert werden und etwas darauf folgt.

Die Einnahmen des LIBREAS-Vereins decken derzeit die technischen Grundkosten und ermöglichen uns darüber hinaus hin und wieder Veranstaltungen wie den SWiF zu unterstützen. All die Ambitionen, die zweifellos darüber hinaus bestehen, müssen derzeit zurückgestellt werden.

Wenn Walther Umstätter in seiner Mail vom 27.07. explizit auf LIBREAS eingeht, dann ist auch diese Prämissen zu berücksichtigen. Es ist keinesfalls so, dass LIBREAS sowohl newlis wie auch EIS ablehnend gegenüberstand. Ganz im Gegenteil. Mit und zu newlis gelang es in einen Dialog zu treten (u.a. auf dem frei<tag> 2012). Dass unsere Erfahrungen und Ideen für EIS offenbar wenig Relevanz besaßen, ist am Ende wahrscheinlich doch dem sehr anderen Zuschnitt geschuldet. Soweit ich beurteilen kann, stand LIBREAS als Anschlusspunkt für den Projektantrag von Rainer Kuhlen nie zur Debatte. Zum Dialog auch zu EIS waren wir dennoch jederzeit bereit und haben dies auch signalisiert. Die bereits oben zitierte Aussage Wather Umstätters

„Natürlich hätten die Mitstreiter bei LIBREAS noch weit mehr ihre Arbeit aufteilen müssen, hätten Rechte und Pflichten abgeben müssen, um die anfallende Arbeit zu schaffen, hätten einiges an Arbeit auf die Softwareebene delegieren müssen, und gerade das müsste man der DFG klar machen, wo die eigentliche Projektidee liegt, die bei Kuhlens Antrag nicht deutlich genug wurde, weil er anderenfalls hätte angenommen werden müssen.“ (Umstätter, 2014c)

wirkt daher möglicherweise etwas verzerrend. Was wir nicht wollten und was ich in meiner Antwort auf Walther Umstätter schrieb (vgl. Kaden, 2012), war zu unserer laufenden LIBREAS-Arbeit mit unseren schmalen Ressourcen große und mittlere Pläne Dritter zu bedienen.

Was die Software-Lösung angeht, sind wir mit der Github-Lösung und der Variante für Langzeitarchivierung über den e-doc-Server der Humboldt-Universität eigentlich ziemlich zufrieden. Für die anderen Spielereien benutzen wir, was an Social-Media-Komponenten üblich ist und vermissen relativ wenig. Wir verstehen uns also auch an dieser Stelle durchaus als anschlussfähig.

Auch als Organisationsform LIBREAS ist mit dem LIBREAS-Verein so offen, wie es eben geht. Wir freuen uns selbstverständlich weiterhin auch, über weitere – verlässliche und belastbare – Mitglieder der Redaktion, vor allem in den Bereichen Autorenbetreuung und Review-Management. Wir freuen uns auch über AutorInnen.

Die Idee des Referateblatts (oder Abstract-Journals), wie sie Walther Umstätter in seiner Nachricht in der INETBIB als Desiderat beschreibt, nahmen wir übrigens im LIBREAS-Weblog auf und führen sie im LIBREAS-Tumblr weiter:

„Die Seite LIBREAS.tumblr.com dient also dem Zweck, selektiv und in betont knapper Form Erkenntnisse aus dem aktuellen Publikationsgeschehen in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu sammeln, zu bündeln und sorgsam auszutaggen.“ (Kaden, 2013)

Dass wir darin nicht einmal in Richtung eines Anspruchs auf Vollständigkeit gehen und nicht ontologiebasiert erschließen, was vielleicht ein toller Anspruch und zugleich die Erwartung der Fachwelt wäre, liegt nun leider auch daran, dass unser Tag mit allem Möglichen gefüllt ist – Annette Kustos weiß, was wir meinen – und wir uns daher erlauben, nur dass zu lesen und zu referieren, was uns wirklich interessiert. Doch auch dieses Format steht prinzipiell jedem offen und über ben@libreas.eu sind Ideen und fast lieber noch konkrete Referate sehr willkommen.

(Berlin, 29.07.2014)

 

 

Quellen

Valentine Cawley (2011): An Analysis of the Ethics of Peer Review and Other Traditional Academic Publishing Practices. In: International Journal of Social Science and Humanity, Vol. 1, No. 3, September 2011. S. 205-213. DOI: 10.7763/IJSSH.2011.V1.36

Klaus Graf (2014a) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53582.html

Klaus Graf (2014b) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 27.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53588.html

Ben Kaden (2013) Aus der Redaktion: LIBREAS microbloggt nun auch bei Tumblr. Aber warum? In: LIBREAS.Weblog. 24.01.2013 https://libreas.wordpress.com/2013/01/24/aus-der-redaktion-libreas-microbloggt-nun-auch-bei-tumblr-aber-warum/

Ben Kaden (2012) LIBREAS als Schweigbügelhalter? Eine Position zur newLIS-Debatte. In: LIBREAS. Weblog. 04.07.2014. https://libreas.wordpress.com/2012/07/04/libreas-als-schweigbugelhalter-eine-position-zur-newlis-debatte/

Thomas Krichel (2014a): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014 http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53570.html

Thomas Krichel (2014b): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53584.html

Rainer Kuhlen (2014): Kein EIS. In: INETBIB, 24.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53568.html

Rainer Kuhlen, Christa Womser-Hacker (2014) Antrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft aus dem Programm Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme, hier zu 12.11 Elektronische Publikationen Einrichtung einer Open-Access-Zeitschrift/Publikations-, Informations- und Kommunikationsplattform. Berlin, Hildesheim: 07.01.2014. Volltext: http://www.kuhlen.name/MATERIALIEN/Projekte/RK-antrag-EIS-unter-CC-BY3-0-27072014-PDF

Annette Kustos (2014) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 28.07.2014 http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53595.html

Philipp Mayr, Walther Umstätter (2008) Eine bibliometrische Zeitschriftenanalyse zu JoI, Scientometrics und NfD bzw. IWP. In: Information – Wissenschaft und Praxis. Jg. 59 Heft 6/7 (2008) S. 353-360. Volltext: http://www.ib.hu-berlin.de/~mayr/arbeiten/mayr-umsta_IWP08.pdf

Eric Steinhauer (2014a): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53576.html

Eric Steinhauer (2014b)): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53581.html

Walther Umstätter (2014a) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53580.html

Walther Umstätter (2014b) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53583.html

Walther Umstätter (2014c) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 27.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53587.html

Walther Umstätter (2012) Re: [InetBib] BIBLIOTHEKSDIENST erscheint bei De Gruyter: Stellungnahme der BID. In: INETBIB, 02.07.2012, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg47944.html