LIBREAS.Library Ideas

Perspektiven für die Digital Humanities (z.B. als Post-Snowden-Scholarship).

Posted in LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 30. Juni 2015

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

I

In der letztwöchigen Ausgabe der New York Review of Books (LXII, 11) bespricht der Literaturkritiker Christopher Benfey Mark Greifs Buch The Age of the Crisis of Man: Thought and Fiction in America, 1933-1973 (Princeton : Princeton University Press, 2015). Besonders überzeugend findet er die Ausführungen Mark Greifs zum Aufkommen der Theory, die mit den Arbeiten von Autoren wie Claude Leví-Strauss oder Roman Jakobson und Jacques Derrida erst dem Strukturalismus und dann Folgetheorien zu einer Popularität in den Geistes- und Sozialwissenschaften in den USA verhalfen. Greif, so Benfey, sieht beispielsweise in der Dekonstruktion eine Wiederbelebung von Ideen des New Criticism, also streng formalistischer Annäherungen an literarische Texte. Benfey zieht nun die Verbindungslinie von den New Critics zu den Digital Humanists. Ähnlich, so schreibt er, wie einst die Neue Kritik von den traditionell orientierten Wissenschaftlern als ein zu klinischer Ansatz und daher als Gefahr gesehen wurde, sehen sich neue Formen des Lesens („new ways of reading“) heute mit dem Vorwurf, sie seien „antihumanistic“ konfrontiert. Diese neuen Formen des Lesens entsprechend nun dem, was hier unter Digital Humanities verstanden wird: (more…)

Call for Papers #28: Die Bibliothek als Idee (LIBREAS. Library Ideas – 10 Jahre bibliothekswissenschaftliche Reflexionen)

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 18. Juni 2015

2015 wird die Open Access-Zeitschrift LIBREAS. Library Ideas zehn Jahre alt. Das wollen wir, wie bereits angekündigt, mit einer Jubiläumsveranstaltung feiern. Das Symposium am 12. Septemberr in Berlin ist inhaltlich an den Titel der Zeitschrift, Library Ideas, angeleht und thematisiert somit die ideelle Seite der Bibliothek. Innerhalb des interdisziplinären Rahmens werden vor allem kulturwissenschaftliche Forschungen die Bibliothek als Heterotopie in den Blick nehmen.

Die Bibliothek kann einerseits als Metapher für das kulturelle Gedächtnis sowie als Spiegelbild, eventuell sogar pars pro toto der zeitgenössischen Gesellschaft und ihrer Wissenskulturen betrachtet werden. Das Charakteristikum der Institution Bibliothek ist die Spannung zwischen ihrem Ideal als gemeinnützige Sammlerin und Bewahrerin von als relevant eingestuftem Wissen und den Möglichkeiten, dies in der konkreten Praxis einzulösen. Die damit verbundenen Idealbilder der Institution Bibliothek und die damit verbundenen Ziele werden genauso in gesellschaftlichen und politischen Diskursen ausgehandelt wie die Vorstellung von dem, was bewahrenswertes und legitimes Wissen ist.

Zeigte sich nun diese Spannung nur durch den Unterschied zwischen eigenem Anspruch und realisierbarer Praxis, würden Idee und Anwendung in einem engeren Verhältnis stehen und sich gegenseitig begrenzen.

 

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Mittelalte Ideen für eine nie umgebaute Bibliothek in Berlin.

 

Die Externalität der konkreten Vorgaben und (ökonomischer) Rahmenbedingungen bringt eine weitere Dimension ins Spiel, die diesen Abgleich häufig verunmöglicht. Nicht selten bergen diese externen Interessen und Vorstellungen ein hohes Gefährdungs- bzw. Konfliktpotential für die Institution.

Unter anderem dadurch ergibt sich in der Bibliothekspraxis eine häufig produktive, oft aber desillusionierende Situation des beständigen Scheiterns. Dieses Problem versucht die Institution durch die stetige Suche nach Ausgleich der Spannung zwischen dem Ideal, dem Geforderten, dem Wirklichem und dem Machbaren zu lösen, ohne sie jemals aufheben zu können. Entscheidend ist hier, dass die konkreten gesellschaftlichen und politischen Vorgaben selbst durch – oft widerstreitende – Ideen davon geprägt sind, was die Institution Bibliothek eigentlich ist und was sie leisten soll.

Wir wollen jedoch weniger den wiederkehrenden Konflikt des Abgleichs zwischen Vorgabe und Praxis thematisieren, sondern vielmehr im Symposium und in der Ausgabe die Ideen von der Bibliothek selbst hinterfragen: Woher kommen sie? Wodurch haben sie sich gebildet? Wie unterscheiden sie sich? Wer hat und wer nimmt mit welchen Interessen Einfluss auf ihre Entwicklung? Dabei gehen wir davon aus, dass sich die Ideen genauso ändern können wie die äußeren Umstände (Vorgaben, finanzielle Möglichkeiten, technische Bedingungen et cetera). Idee und Realität, Tradition und Innovation treffen im Raum der Bibliothek in verschärfter und konkreter Weise aufeinander. Insofern können ihre sich in viele Richtungen streuenden Entwicklungen auch als temporäres Bild der aktuellen Gesellschaft und der diese prägenden und lenkenden (Wissens-)Kulturen aufgefasst werden.

In der Jubiläumsausgabe werden idealerweise die Vorträge des Symposiums als Jubiläumsausgabe veröffentlicht. Diese sollen jedoch gern durch weitere Positionen auf die Idee(n) der Bibliothek ergänzt werden. Dies muss, wie immer, nicht in der Form eines klassischen Aufsatzes geschehen. LIBREAS befürwortet ausdrücklich Einreichungen, die die Möglichkeiten des vernetzten, multimedialen, digitalen Publizierens kreativ aufgreifen – und lädt in jedem Fall herzlich dazu ein, die Idee der Bibliothek aktiv und offen zu be- und hinterfragen. Ebenso sind, wie immer, Beiträge abseits des Schwerpunktthemas herzlich willkommen. Deadline der Ausgabe ist der 15. Oktober 2015.

Ihre und Eure LIBREAS-Redaktion
(Bielefeld, Berlin, Chur, München, Potsdam)

 

Update, 19.06.2015

Nach berechtigtem Hinweis “Reflektion” zum richtigen “Reflexion” verändert. (Beliebte Fehler)

Wie viel Metropole braucht die Bibliothek? Eine Anmerkung zum BBK-Vortrag von Boryano Rickum.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte by Ben on 22. April 2015

 von Ben Kaden (@bkaden)

Vor einem recht gut besuchten Auditorium von etwa 25 Teilnehmern erhielt man im gestrigen Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquium des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft die willkommene und leider eher seltene Gelegenheit, sich mit dem konzeptionellen Hintergrund eines Bibliotheksleiters jüngerer Generation auseinanderzusetzen. Boryano Rickum betreut seit Oktober 2014 die Bibliotheken in Berlins vielleicht metropolitansten Stadtteil – Friedrichshain-Kreuzberg –, der alle Potentiale, Probleme und Herausforderungen des derzeitigen urbanen Diskurses in Berlin ganz wunderbar auf engstem Raum verdichtet enthält. Folgerichtig ging es Boryano Rickum in seinem Vortrag auch um Begriff, Funktionen und gesellschaftliche Bedeutung von Metropolbibliotheken, wobei sich recht früh, nämlich bereits bei der etwas ausführlichen Definition des Konzepts Metropole herausstellte, dass man es eher mit vorläufigen Einsichten zu tun hat.

Das wiederum passt zur jungen Metropole Berlin, wobei freilich zu berücksichtigen wäre, dass selbstverständlich nicht die gesamte Hauptstadt strukturell der Metropolendefinition gerecht wird, sondern eher einige Hotspots. Selbst in Mitte findet man erstaunlich stille und einförmige Nachbarschaften, in denen man wenig von Diversität und urbaner Fülle ahnt und die sich auch – Zentralmerkmal der Metropole bei Rickum – als überindividueller Erinnerungsraum kaum auszeichnen. Das wird dann problematisch, wenn Rickum die hohen Ansprüche an eine Metropolenbibliothek mit der Forderung einer stärkeren Zentralisierung des Berliner Bibliothekswesens verknüpft. Der Kiez um den Boxhagener Platz ist nun einmal deutlich näher am idealgroßstädtischen Bild der andauernden Dynamik als die stillen Wohnstraßen in Lichterfelde Ost. Und vielleicht braucht man in Köpenick gar keine Metropol- sondern einfach eine überschaubare Stadtbibliothek.

Das Spannende an Berlin liegt ja nicht zuletzt hinsichtlich der Metropolnarrative, also der Stadt als geteilter Erinnerungsraum, darin, dass sich hier aufgrund der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert massive Brüche in jede Art von Stadtbild einschrieben, die Berlin als Metropole selbst einerseits weit übersteigen, in der Zeit der Teilung zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen derselben Stadt hervorbrachten. (Ost: Vision der sozialistische Metropole der DDR, West: etwas schläfriger Sonderbereich mit begrenzten Möglichkeiten, an die urbane Kraft des Vorkriegsberlins anzuknüpfen, zugleich aber Zuzugsraum für eine hohe Zahl von, wenn man so will, (Sub)Kulturmigranten) Gerade aus dieser historischen Warte ist Berlin keinesfalls mit anderen Metropolen, die wenigstens in der westlichen Hemisphäre eine weitaus höhere kulturelle Kontinuität und Kohärenz aufweisen, vergleichbar. Man muss also fragen, wie griffig abstrakte Metropolendefinitionen in diesem Fall überhaupt sein können.

Stadtbibliothek Friedrichshain

Spiegel der Stadt: Die Bezirkszentralbibliothek Frankfurter Allee. (Quelle: urbanistiques / Flickr / Lizenz: CC BY-NC 2.0)

Der zweite Differenzierungspunkt, den man auf Rickums Metropolenkonzept reflektieren könnte, betrifft beim Beispiel Berlin in jedem Fall und in anderen Metropolen sicher anteilig, den Aspekt, dass die wirklich prägende Kulturelite, welche die laut Rickum Metropolen kennzeichnende Wissensproduktion und Innovationskultur prägt, vor allem global mobil ist. Es gibt durchaus Gründe für den hohen Zweitwohnungsanteil in der Stadt und insofern könnte man Teile der Stadt möglicherweise als Third Place per se sehen, an dem man sich, je nach Branche, zu bestimmten Anlässen trifft, wohlfühlt und kommuniziert. Die eigentliche Innovationsarbeit und vor allem kommerzielle Einlösung des Versprechens der vermeintlichen Kreativhochburg findet aber in anderen Zusammenhängen und zunehmend auch natürlich im digitalen Weltraum statt. Die Kreativindustrie erziehlt ihre Hauptumsätze nicht im Sankt Oberholz oder in den Showrooms der Münzstraße, sondern auf globalen (online) Plattformen, wobei Berlin vor allem als Marke und Versprechen monetarisiert wird. Zugleich dürfte ein großer Teil der dominanten Berlin-Narrative (Stichwort: Berghain) nicht aus Berlin selbst stammen, sondern externen Projektionen entspringen.

Interessant ist es nun, die Rolle der lokalen Bibliothek vor allem in diesem Zusammenhang zu reflektieren. Rickum sieht sie in der Aufgabe, stadtrelevantes und analytisches Wissen zu Sammeln und für die Stadtbevölkerung versteh-, nutz- und operationalisierbar zu machen. Die Bibliothek soll ein Diskursraum der Stadt und insbesondere für stadtpolitische Diskussionen sein und zugleich vielschichtigen Zugang zu den unterschiedlichen Metropolnarrativen bieten. Die Bibliothek als Raum wird also als Ort der Gewährleistung von Grundrechten wie der Versammlungs- und Informationsfreiheit verstanden. Wie schwierig das in der praktischen Umsetzung wird, zeigte die Diskussion im BBK, die sich an der Frage entzündete, ob die Bibliothek allen Gruppierungen – also dann auch Bergida- und NPD-nahen Gruppen – einen solchen Entfaltungsraum bieten sollte.

Eine denkbare Lösung fände sich vielleicht in einer ergebnisoffenen und streng an Tatsachen orientierten Kuratierung aktueller Themen und dem diesbezüglich relevanten Wissen für die Stadtbevölkerung. Versteht man, wie Rickum es andeutet, Bibliotheken als Emanzipationsorte, ist das sicher sinnvoller, als die Einrichtung vor allem als frei und beliebig bespielbaren Salon zu begreifen. Zugleich läge es gerade nahe, die Narrative der eigenen Metropole vor allem in einem übergreifenden Zusammenhang zu verorten und abzubilden. Wer die lokale Presse aufmerksam verfolgt, ist erstaunt von der – sicher vielen Metropolen eigenen – extremen Selbstbezüglichkeit der Diskurse. Man sollte hier klären, welche Aufgabe einer Bibliothek besser stände: die des Verstärkers oder die der Dekonstruktion. Aus Sicht einer konsequent emanzipatorischen Orientierung dürfte die Antwort klar sein.

Auch für eventuelle Folgediskussionen zum Thema wäre eine intensive Differenzierung erstrebenswert, denn in der Diskussion rotierte man ein wenig zu sehr in allzu bekannten Positionen um die – an sich sehr wichtige – Frage, wie politisch die (öffentliche) Bibliothek sein solle und – mehr im Vortrag – wie sie die Dynamik der lokalen Kreativszene aufgreifen kann.

Diese, offenbar übergreifend und etwas verklärend „Maker Communities“ genannten Gruppen, gilt es, so Rickum, über die Bibliothek zu vernetzen. Vorbilder sind hier Co-Workingspaces und andere Interaktionsräume, die, realistisch betrachtet, nicht selten vor allem deshalb blühen, weil kreative Arbeit häufig abseits stabiler Anstellungsverhältnisse und sehr häufig unter prekären Bedingungen stattfindet. Es zählt zur narrativen Kreativität Berlins, diese Herausforderung eines Schöpfens ohne soziale Sicherung zu einer Stärke umzuinterpretieren und daraus einen ganz eigenen Stolz zu entwickeln.

Fraglos kann eine Bibliothek ein für diese Arbeit ausgezeichneter Ort sein. Zugleich wäre sie als Informationshub aber vor allem dann relevant, wenn sie den so Aktiven nicht die Früchte kreativer Arbeit in dichter Ballung dokumentierter Großstadterzählungen rückpräsentiert, sondern praktische Anleitungen vermittelt, wie man überlebt, wenn man zu dem übergroßen Anteil derer gehört, denen die (freischaffende) Arbeit 2.0 keine dauerhaft stabilisierte Existenz bietet.

„Bibliotheken sind wichtig für die Resilienz einer Stadt.“ betonte Rickum und wagte die These, dass Städte ohne Bibliotheken kollabieren dürften. Sein Stadtbezirk sieht es im Bezug auf den Bücherbus für die lokalen Schulen offenbar nicht so und auch sonst hat Berlin eine umfängliche Bibliotheksschließungsgeschichte. Sich hier strategisch an die Selbstkonstruktion, Erinnerungskulturen und vor allem das Gegenwartsnarrativ eines sprudelnden Kreativbrunnens anschließen zu wollen, mag strategisch klug sein. Für die Resilienz wäre aber eine (Rück)Besinnung auf das, was man einst „Soziale Bibliotheksarbeit“ nannte, vielleicht noch passender. Will man Bibliotheken politisch positionieren, dann ist es zweifellos naheliegend, sie vor allem dazu zu benutzen, denjenigen Ressourcen (Wissen, Begegnungsräume, Arbeitszonen) bereitzustellen, die ohne diese Ressourcen erhebliche gesellschaftliche Nachteile zu gegenwärtigen hätten. Das kann und wahrscheinlich sollte es auch in architektonischen Stadtmarken und in Kooperation mit der schillernden lokalen Kreativszene stattfinden. Aber gerade in Berlin und gerade in den gentrifizierungsbetroffenen Vierteln von Friedrichshain-Kreuzberg wäre die Teilhabesicherung auch aus stadtpolitischer Sicht etwas, auf dem man abseits jeder Metropolenstilisierung die praktische Bibliotheksarbeit aufbauen sollte.

(Berlin, 22.04.2015)

libreas.eu momentan nicht verfügbar

Posted in LIBREAS aktuell by libreas on 28. März 2015

Seit heute früh ist die Webausgabe der LIBREAS nicht erreichbar. Diese wird über GitHub Pages gehostet, welches laut https://status.github.com/ derzeit massiven DDoS-Angriffen ausgesetzt ist. Wir vermuten daher, dass die Nicht-Erreichbarkeit und die DDoS-Angriffe zusammenhängen.

Sämtliche Ausgaben sind ab der 12. Ausgabe über den EDOC-Server der HU Berlin zugreifbar. Zugleich ist die vollständige LIBREAS im Quelltext über GitHub verfügbar.

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LIBREAS #26 Bibliotheken ___abseits / außerhalb der Bibliothek erschienen

Posted in LIBREAS aktuell by Karsten Schuldt on 27. Dezember 2014

Pünktlich zum Jahresende, und damit als dritte Ausgabe des Jahres, erschien in der Zeit “über den Jahren” die Ausgabe #26 der LIBREAS. Library Ideas mit dem Schwerpunkt “Bibliotheken ___abseits / außerhalb der Bibliothek”. Der Schwerpunkt geht vor allem Grenzen “traditioneller” Bibliothekssysteme und Debatten ab, wobei schnell ersichtlich wird, dass diese Grenzen sehr unterschiedlich sind: in der eigenen Verortung von Bibliotheken (Anarchistische Bibliothek & Archiv Wien; Zinelibraries), in der Gesellschaft, zu der sich Bibliotheken zuordnen (Kamerun), in den politischen und gesellschaftlichen Aufgaben, die Bibliotheken zugeschrieben werden (Stadtumbau und Gentrifizierung; Kunst und Experiment).

Eine Bibliothek ____außerhalb der Bibliotheken, irgendwo in Thailand.

Eine Bibliothek ____außerhalb der Bibliotheken, irgendwo in Thailand.

In gewisser Weise ist diese Ausgabe der LIBREAS eine der politischsten, was sie aber auch zu einer sehr interessanten und hoffentlich diskussionsanregendsten macht. Über den Schwerpunkt hinaus wird das vor allem in einem Text zu den “Snowden-Files” sichtbar, der sich mit Fragen der Zugänglichkeit zu den von Edward Snowden “befreiten” Daten beschäftigt.

Die gesamte Ausgabe #26 findet sich am bekannten Ort unter www.libreas.eu.

Call for Paper LIBREAS #27: Methoden

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 30. September 2014

Wissenschaft unterscheidet sich von anderen Formen der Wissensproduktion, Erkenntnisfindung und Verstehensbemühung bekanntlich durch ihr klares und systematisches Annähern. Das Mittel dafür sind die Methoden. Sie helfen, wissenschaftliche und andere Fragestellungen nach einem klar vorstrukturierten Handlungsprogramm zu bearbeiten. Sie schaffen Vergleichbarkeit und sorgen dafür, dass die Antworten oder neuen Fragen in ihre Genese nachvollzogen werden können. Jeder Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin braucht sie und in jeder wissenschaftlichen Arbeit müssen sie zum Verständnis, zur Anerkennung und zur Prüfbarkeit der Aussage dieser Arbeit expliziert werden.

Andererseits müssen die Methoden zu den jeweiligen Fragestellungen passen und wo sie nicht ganz passen, passend gemacht werden. Keinesfalls jedoch sollte die Methode die Fragestellung dominieren, was oft genug vorkommt und beispielsweise einige der Ängste von Geisteswissenschaftlern gegenüber den aufblühenden Digital Humanities erklärt. Die Methode ist die Brille, die den Blick lenkt und den Schärfepunkt definiert. Sie kann Kurzsichtigkeit überwinden aber eben auch hervorrufen. Da es ohne Methoden keine Wissenschaft gibt, muss die Methodendiskussion geführt werden. Und zwar ständig, denn eine Wissenschaft ändert sich mit jedem Erkenntnisschritt und jeder neuen Frage. Daher muss regelmäßig geprüft werden, ob die Methoden, die dazu führten, in derselben Form auch noch für den nächsten Schritt angemessen sind oder angepasst werden müssen. Ein grundsätzlicher Methodenwechsel in einer Fachkultur ist dagegen selten und vor allem selten erwünscht.

Da dieser Prozess eine ganz eigene Komplexität besitzt, verwundert es nicht, dass es in der Spezialisierung der Wissenschaft auch Expertinnen und Experten, die eine Tiefenkenntnis und überdurchschnittliche Reflexionskompetenz bezüglich bestimmter Methoden haben. Sie heißen zwar nicht Methodologisten, sind aber dennoch diejenigen, die idealerweise die Methodendiskussionen mit ihrem Meta- beziehungsweise methodologischen Wissen führen.

In einer Wissenschaft sind sie in der Regel dadurch zu identifizieren, dass sie Handbücher, Einführungen und Tutorien zu den jeweiligen Methoden dieses Fachs verfassen. Greift man zu den jeweils aktuellsten Publikationen dieser Art, erfährt man gemeinhin viel über den derzeitigen Elaborierungsstand zum methodologischen Fundament eines Faches und damit auch ganz allgemein etwas über den Zustand einer Disziplin. Finden sich keine aktuellen Methodenhandbücher, ist das Fach meist so gut wie tot.

Der Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist entsprechend trotz aller Kritik und der allgemeinen Annahme einer methodischen Retardation (vgl. Kaden, 2014) wenigstens formal einigermaßen lebendig, denn gleich drei Titel zu Methoden erschienen in kurzem Abstand voneinander 2013 und 2014. (Umlauf, Fühles-Ubach & Seadle 2013; Schuldt, 2014; Siegfried & Nix, 2014) Ähnliches gilt für die Methodenkritik. Mitte 2014 postulierte Corinna Haas in der 027.7 sowie in einem von ihr eingeführten Schwerpunkt in der Bibliothek. Forschung und Praxis zu ethnologischen Methoden, dass die Bibliotheken sich bislang vor allem auf Umfragen, Interviews und Fokusgruppen konzentrieren würden, wenn sie etwas über ihre Nutzerinnen und Nutzer erfahren wollen. (Haas 2013; Haas 2014) Dabei, so Haas vollkommen richtig, ist die Bandbreite von Methoden, die in anderen Forschungsfeldern entwickelt wurden, viel größer. Ganz abgesehen davon, dass auch die Bibliotheks- und Informationswissenschaft mit ihren sehr unterschiedlichen Fragestellungen selber Methoden entwickeln könnte. Mit einem größeren Methodenwissen lässt sich, so ist kurz zu vermerken, ein größeres Spektrum Fragen sinnvoll und strukturiert bearbeiten, was auch heißt, dass das Bibliothekswesen mehr Wissen ansammeln, vergleichen, strukturieren und in tragfähige Modelle fassen kann. Die Bibliotheks- und Informationswissenschaft könnte also durch die Erweiterung und Elaboration des in ihr gängigen Methodenspektrums ihr Erkenntnis- und Analysepotential erweitern. Für ein Fach, das sich traditionell fragen lassen muss, was es eigentlich ist und ob man es wirklich braucht, ist das auch wissenschaftsstrategisch immer ein sinnvolles Ziel.

Deshalb ist die Redaktion LIBREAS der Meinung, dass diese Diskussion vorangetrieben werden sollte. Mit dem Schwerpunkt der Ausgabe #27 stellen wir dafür gerne einen Ort zur Verfügung. Das Thema lässt sich, so unser Vorschlag, in Themenblöcke untergliedern.

  1. Zum einen wäre es sinnvoll, die tatsächliche Situation darzustellen und zu reflektieren. Stimmt es eigentlich, dass Bibliotheken und die Bibliotheks- und Informationswissenschaft ein eher unsicheres und kleines Methodenwissen haben? Beschränken sie sich tatsächlich auf (zu) wenige Methoden? Und selbst wenn, ist das negativ? Gibt es dafür andere Gründe? Welche Auswirkungen hat das?
  2. Wenn es stimmt, dass Bibliotheken zu wenige Methoden einsetzen, was wäre dann die Lösung? Sollte die Ausbildung verändert werden? Muss die Arbeitsweise und Struktur von Bibliotheken verändert werden? Ist der Zuwachs an Projektstellen in Bibliotheken, der in den letzten Jahren zu beobachten ist, nicht schon eine Entwicklung in Richtung Methodenvielfalt? Muss die Finanzierung von Forschungs- und ähnlichen Projekten in Bibliotheken verändert werden? Müssen Bibliotheken oder die Bibliotheks- und Informationswissenschaft mehr auf andere Forschungsdisziplinen zugehen, um sich deren Methoden anzueignen?
  3. Damit zusammenhängend: Was wären eigentlich sinnvolle Methoden für Bibliotheken und zu welchen Fragen? Sind die bislang verwendeten Methoden schlecht, sind deren Erkenntnismöglichkeiten wirklich gering? Ist nicht, zum Beispiel, die Form des unstrukturierten Interviews, wenn deren Einsatz reflektiert geschieht, zumeist auch vollkommen ausreichend?
  4. Und selbstverständlich ist es möglich, die Erfahrungen mit bestimmten, vorzugsweise eher selten verwendeten Methoden zu schildern. Gibt es solche Erfahrungen schon, muss man sie vielleicht nur sichtbar machen? Was sind die Vorzüge einzelner Methoden? Gibt es ein Akzeptanzproblem für solche Methoden innerhalb der Fachgemeinschaft? Dies kann sowohl auf abstrakter Ebene als auch auf der Ebene einzelner Forschungsprojekte erläutert werden.

Wir würden uns freuen, wenn zu diesen oder angrenzenden Fragestellungen Beiträge eingingen, sowohl kritische und breitangelegte, welche das gesamte Bibliothekswesen in den Blick nehmen als auch konkrete, lokal angelegte, die auf die Erfahrungen und Wünsche in einzelnen Bibliotheken oder Instituten eingehen.

Für die Einreichung gelten die Hinweise für Autorinnen und Autoren auf der Homepage der LIBREAS. Gerne diskutieren wir Artikelideen im Vorfeld mit Ihnen. Deadline für diese Ausgabe ist der 31. März 2015.

Ihre / Eure Redaktion LIBREAS

(Berlin, Bielefeld, Chur, Potsdam)

 

Literatur

Haas, Corinna: „Spielen die jetzt Soziologen?“. Nutzerstudien mit ethnografischen Methoden. In: 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur 1 (2013) 3, http://www.0277.ch/ojs/index.php/cdrs_0277/article/view/38/101

Haas, Corinna: Wozu Ethnografie in Bibliotheken?. In: Bibliothek. Forschung und Praxis 38 (2014) 2, 185-189

Kaden, Ben: Ein Handbuch und sein Fach. Zu einer aktuellen Besprechung in der Zeitschrift BuB. In: LIBREAS.Weblog, 19.06.2014, https://libreas.wordpress.com/2014/06/19/bibliothekswissenschaft_bub/

Schuldt, Karsten: Bibliotheken erforschen ihren Alltag. Ein Plädoyer. Berlin: Simon Verlag für Bibliothekswissen, 2014

Siegfried, Doreen ; Nix, Sebastian: Nutzerbezogene Marktforschung für Bibliotheken. Eine Praxiseinführung (Praxiswissen). Berlin: Walter de Gruyter, 2014

Umlauf, Konrad ; Fühles-Ubach, Simone ; Seadle, Michael: Handbuch Methoden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Bibliotheks-, Benutzerforschung, Informationsanalyse. Berlin: Walter de Gruyter, 2013

In eigener Sache: De- und Republikation des Gesprächs mit Antje Kellersohn (LIBREAS #25)

Posted in LIBREAS aktuell by libreas on 9. August 2014

Auch nach 25 Ausgaben einer elektronischen Zeitschrift geschieht es, dass man eine Erfahrung zum ersten Mal macht. Die Lektion heißt in diesem Fall: Depublikation. Um präzise zu sein: Wir sahen uns heute gezwungen, das in der Frauenausgabe publizierte Gespräch von Maria-Inti Metzendorf mit Antje Kellersohn von den beiden Servern (Version auf dem LIBREAS-Server und pdf-Version auf dem edoc-Server der Humboldt-Universität zu Berlin) herunterzunehmen, da wir versehentlich eine von Antje Kellersohn nicht-autorisierte Fassung publiziert hatten. Das tut uns erstens sehr leid, ist uns zweitens etwas peinlich, hat drittens einen willkommenen Lerneffekt und viertens Konsequenzen für die zukünftige Sorgfalt im Redaktionsworkflow. Versprochen.

Der Kummer entstand, dies als Lessons Learned und Transparenzmachung, aus einer bei der Zusendung des nicht-autorisierten Erstmanuskripts zwar gesehenen (und nun schmerzlich erinnerten) aber leider von uns nicht im Manuskript vermerkten Sperrangabe. Daraus ergab sich, dass das Dokument in den üblichen Redaktionsprozess (Vorsichtung, inhaltliches Lektorat, formales Lektorat, Publikationsvorbereitung, Publikation) gelangte und da sich unglücklicherweise zum Zeitpunkt der Abschlussredaktion niemand mehr erinnerte, dass die autorisierte Fassung noch aussteht, schließlich auch ins Netz.

Dies sollte und darf nicht passieren und nachdem wir gestern Mittag einen sehr pressierenden Anruf aus Freiburg erhielten, der uns zur sofortigen Depublikation des Dokumentes motivierte, sind wir um einige Erfahrungen reicher und ist die aktuelle LIBREAS-Ausgabe um einen Beitrag ärmer. Wir bitten ausdrücklich, eventuell noch im Netz oder auf privaten Rechnern vorhandene Kopien, die sich außerhalb unseres Zugriffs befinden, NICHT weiter zu verwenden bzw. zu zitieren. Nachgestellt befindet sich die von Antje Kellersohn autorisierte Fassung des Gesprächs, die wir wie geliefert, also ohne redaktionelle Sichtung, publizieren. Eine nachträgliche Einbindung in die Ausgabe ist leider nicht mehr möglich.

(Berlin, 08.08.2014, red.)

Frauen in bibliothekarischen Führungspositionen – Ein Gespräch im Mai 2014

von Maria-Inti Metzendorf (more…)

EIS, newlis und LIBREAS. Ein Blick in die INETBIB und darüber hinaus.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte by Ben on 29. Juli 2014

von Ben Kaden (@bkaden)

Am vergangenen Donnerstag (24.07.2014) bestätigte Rainer Kuhlen in der Mailing-Liste INETBIB, dass das geplante Projekt einer neuen europäischen Open-Access-Zeitschrift bzw. Kommunikationsplattform für die Informationswissenschaft (European Journal of Information Science bzw. EIS-ICP bzw. Open-Access-Zeitschrift/Publikations-, Informations- und Kommunikationsplattform EIS – European Information Science (OA-PIKP-IW)) keine Förderung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu erwarten hat. Damit ist das Projekt vorerst gescheitert. Rainer Kuhlen verfügt als emeritierter Professor zwar über Expertise und Kontakt jedoch eben nicht über Infrastruktur und Mittel. Und ohne diese lässt sich ein Unterfangen dieses Zuschnitts nicht bewältigen. (vgl. Kuhlen 2014, Antragstext: Kuhlen, Womser-Hacker,2014)

Die Reaktionen in der Mailing-Liste auf die Mail Rainer Kuhlens verdeutlichen, wie die Frage eine Reorganisation der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Fachkommunikation (de facto fallen beide Facetten in Deutschland sehr häufig sogar noch mit der bibliothekarischen und informationspraktischen Fachkommunikation zusammen, wenngleich es sich beim Kuhlen’schen Vorhaben um ein dezidiert informationswissenschaftliches handelte) unter dem Ansprach des Open Access verhandelt wird. Da dies unmittelbar auch für LIBREAS interessant ist, sollen die bisher verfügbaren Positionen hier kurz dokumentiert, sortiert und kommentiert werden.

Rainer Kuhlen selbst mutmaßte in seiner Erstmeldung nur indirekt über die Gründe, die die DFG möglicherweise zur Ablehnung gebracht haben („nicht gut genug“, „zu ambitiös“, „ob die Informationswissenschaft in der DFG keine Lobby hat“, vgl. Kuhlen, 2014).  Thomas Krichel, der sich ein paar Vortragsfolien von Rainer Kuhlen angesehen hat, meinte in einer ersten Reaktion, dass die DFG-Entscheidung, wenn der Antrag den Folien ähnelte, wenig überraschend sei, spezifizierte die Aussage aber nicht weiter. (Krichel, 2014a) Nun ist das Spiel des Mutmaßens zwar sehr unterhaltsam, am Ende aber auch müßig, zumal die leider nicht zugänglichen Gutachten die Wahrheit bzw. eine unabweisbare offizielle Begründung für den abschlägigen Bescheid enthalten, die wir voraussichtlich nie erfahren werden, so dass auch niemand die Freude empfinden wird, beim Orakeln richtig gelegen zu haben.

Die drei Überlegungen Kuhlens klingen allerdings wahrscheinlicher als die Vermutung, die Eric Steinhauer ins Spiel bringt. Diese weist dafür über den Antrag hinaus in die oft betrübliche Realität der Redaktionspostfächer:

„Wäre es eine zu abwegige Vermutung, dass ein Grund dafür vielleicht auch in dem Umstand zu suchen sein könnte, dass es für ein neues Fachorgan einfach nicht genügend Autoren gibt?“  (Steinhauer, 2014a)

1. Publikationskultur (Eric Steinhauer)

Der von ihm angesprochene Punkt, nämlich wie man überhaupt im deutschen LIS-Feld genügend Beiträge für eine ganze Bandbreite von Publikationsformen (also auch die Neugründungen Neugründungen Informationspraxis  und o-bib sowie für Nanopublikationen, wie Eric Steinhauer ergänzt, das Sortiment der Social-Media-Welt), verfehlt zwar etwas den geplanten Zuschnitt von EIS, da dieses Journal als wissenschaftliche Fachplattform nicht unbedingt auf bibliothekspraktische Texte blicken sollte. Er greift mit der Frage „Wer schreibt?“ aber dennoch eine grundlegende Herausforderung auf, die sich jeder Fachzeitschrift für Bibliothekswesen bzw. Bibliotheks- und Informationswissenschaft stellt.

Für Eric Steinhauer beginnt das Problem freilich noch früher bzw. auf der anderen Seite des Publikationskreislaufs. Was publiziert wird, so sein Eindruck, wird oft so gut wie gar nicht rezipiert:

„eine Lektüre, geschweige denn eine produktive Rezeption publizierter Arbeiten [findet] kaum statt[…]“  (Steinhauer, 2014a)

Entsprechend nachvollziehbar ist sein Appell, den Blick weniger auf die Publikationsorgane als auf die Publikationskultur selbst zu richten. Daran, wie sich Informationspraxis und o-bib entwickeln, wird sich auch empirisch zeigen, ob in der deutschen Fachgemeinschaft genügend Platz für eine solche Vielzahl von Publikationsorganen ist. (Steinhauer 2014b)

Ursächlich für die mangelnde Rezeption bibliotheks- und informationswissenschaftlicher Publikation sind für ihn „selbstreferenzielles Projektdenken und zuviel quasi-politisches Gehabe“ und ein zu gering ausgeprägtes Bewusstsein für Interdisziplinarität beispielsweise mit den Kulturwissenschaften, die bibliothekswissenschaftlich relevante Sachverhalte äußerst rege aufgreifen.

2. Kein Peer Review,  dafür ein Referateblatt (Walther Umstätter)

Walther Umstätter sieht angesichts der Zahlen der Absolventen in den Ausbildungs- und Studiengängen durchaus noch Raum für eine weitere Publikationsplattform. (Umstätter, 2014a)

Er kritisiert jedoch, dass im Vorfeld keine bibliometrische Profilierung der geplanten Publikation stattfand. Er bezieht sich dabei auf eigene Vorarbeiten (Mayr, Umstätter, 2008), die zu dem Ergebnis führten:

„Gerade mit der immer stärkeren Abnahme an deutschsprachigen wissenschaftlichen Zeitschriften wächst die  Bedeutung derer, die noch existieren, insbesondere für den Nachwuchs.“ (Mayr, Umstätter, 2008)

Größere Probleme bereitet ihm jedoch der Ansatz des Open Access selbst. Die von Eric Steinhauer erwähnten Publikationen und besonders Social-Media-Kanäle erscheinen ihm stärker als Angebote für „bestimmte Interessengruppen und “Indies”“, wogegen die Diskussion der so genannten newlis-Debatte eine übergreifende, „zentrale“ Lösung anstrebte. Im Kern fehlen Zentralorgane, wie es naturwissenschaftliche Disziplinen mit den Übertiteln Nature oder Science besitzen, in den Geisteswissenschaften, zu denen Walther Umstätter offenbar auch die Bibliotheks- und Informationswissenschaft zählt. Der Grund dafür ist aus seiner Sicht, dass es hier keine auf harte Fakten bezogene Streitkultur gibt. Man bleibt beim Feststellen von Meinungen und deshalb, so Walther Umstätter, ist die Publikationskultur in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft nur schwach ausgeprägt:

„Es geht in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu wenig um die Fakten und Konsequenzen der Informationstheorie als Hard Science, und zu oft nur um das Geplauder um moderne Schlagworte.“ (Umstätter, 2014a)

Weiterhin erweitert Walther Umstätter im Anschluss an Eric Steinhauer die Debatte um den Aufruf, dass die in internationalen Zeitschriften erschienenen Publikationen in der deutschen Bibliotheks- und Informationswissenschaft intensiver als bisher – idealerweise mit den „besten Wissenschaftlern als Reviewern“ – „fundiert und kritisch“ einem Art Post-Peer-Review unterzogen werden. Sehr deutlich spricht er sich also für eine Art Referatezeitschrift der deutschen Bibliotheks- und Informationswissenschaft aus, dass über aktuelle Fachentwicklungen informiert und zugleich einen fehlenden Zugang zu diesen Titeln kompensiert.(Umstätter, 2014c)

Ein Post-Publication-Peer-Review ist für Walther Umstätter auch generell für neugegründete Zeitschriften das Mittel zur Qualitätssicherung. (Umstätter 2014b) Er argumentiert, dass beim Pre-Publication-Peer-Review  in der Wissenschaft in immerhin 4,5% der Fälle (vgl. Cawley, 2011) zum Review eingereichte Erkenntnisse durch die Reviewer selbst nachverwertet (bzw. gestohlen) wurden. Darüber hinaus könnte der Vorteil, frühzeitig und teilweise auch inspirierend den Forschungsstand der Fachkollegen zur Kenntnis nehmen zu können, auch generell eine zentrale Motivationsgröße für die Mitarbeit am zumeist nicht vergüteten Reviewing für Fachzeitschriften darstellen. Er wird in diesem Punkt durch Thomas Krichel unterstützt, der auf das Fachrepositorium E-LIS verweist. (Krichel, 2014b)

Schließlich betont Walther Umstätter in einer dritten Positionierung, dass er ursprünglich LIBREAS in der Rolle des aus dem newlis-Umfeld heraus forcierten neuen Open-Access-Organs sah. (Umstätter, 2014c, Umstätter, 2012) Er interpretiert dabei einen Text von Ben Kaden als diesbezüglich abschlägig. (Kaden, 2012, mehr dazu unten) LIBREAS hätte aus seiner Sicht als eine Art Referateorgan mit einer entsprechenden Unterstützung und einem Anschluss an die Idee von EIS durchaus das passende Produkt für den festgestellten Bedarf werden können:

„Natürlich hätten die Mitstreiter bei LIBREAS noch weit mehr ihre Arbeit aufteilen müssen, hätten Rechte und Pflichten abgeben müssen, um die anfallende Arbeit zu schaffen, hätten einiges an Arbeit auf die Softwareebene delegieren müssen, und gerade das müsste man der DFG klar machen, wo die eigentliche Projektidee liegt, die bei Kuhlens Antrag nicht deutlich genug wurde, weil er anderenfalls hätte angenommen werden müssen.“ (Umstätter, 2014c)

3. Kein Förderbedarf (Klaus Graf)

Für Klaus Graf besteht schlicht kein Bedarf für eine DFG-Förderung. Eine bezahlte Redaktion wäre ein netter Bonus, die Open-Access-Praxis zeigt aber, dass es einerseits infrastrukturelle Unterstützung durch Hochschulen (Open-Journal-Systems u.a. der Universitätsbibliothek Heidelberg gibt) und andererseits der hauptsächlich ehrenamtliche Ansatz „der beiden angekündigten deutschsprachigen OA-Journals […] moderner und zukunftsweisender“ ist. (Graf, 2014a)

Zur Frage des Reviewing positioniert sich Klaus Graf mit der Einstellung „publish first, filter later“. (Graf, 2014b) Ein „gründliches traditionelles Review” stellt dabei eine Art Erstfilter dar. Die weitere Qualitätsbewertung eines Beitrags erfolgt idealerweise als Post-Publication-Review und damit dürfte zu diesem Aspekt ein Konsens bestehen.

4. Das Problem des Nebenbei (Annette Kustos)

Anette Kustos rekurriert auf das von Eric Steinhauer eingebrachte Problem des „Wer schreibt?“  bzw. „Wer schreibt wissenschaftlich?“ und ergänzt die Debatte um die Position, dass Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit einer „ständige[n] “Breitenperformance”“ oftmals kaum mehr an Text zu produzieren in der Lage sind, als solchen in der wenig geliebten Form der Praxisberichte. Für eine tiefe Quellenrecherche und wissenschaftliches Ausarbeiten der Beiträge bleibt im Arbeitsalltag kaum Gelegenheit.

Sie betont zudem den Aspekt, dass die Arbeit des Publizierens in den vorliegenden Open-Access-Strukturen ohne direkte Entlohnung und quasi nebenbei, finanziert durch anderweitige Erwerbsarbeit erfolgt. Open Access, so betont sie, kann eigentlich nur funktionieren, wenn die grundsätzlichen Betriebsressourcen der Publikationsplattformen finanziert sind. Deshalb ist sie auch Mitglied im LIBREAS-Verein und unterstützt diesen mit einem Jahresbeitrag. Das Fehlen eines solch abgesicherten „institutionelle[n] Unterbau[s] mit Grundmitteln für den Fachkontext Informationswissenschaft“ könnte, so die Vermutung, im Fall von EIS der Kern des Problems sein. Ihr Best-Practice-Beispiel aus dem bibliothekarischen Bereich ist die Zeitschrift GMS Medizin-Bibliothek-Information.

5. Kommentar (Ben Kaden)

Ob die INETBIB-Diskussion um die Nichtbewilligung einer DFG-Förderung für EIS-ICP die generelle Debatte um die Publikationsstrukturen in Bibliothekswesen, Bibliotheks- und Informationswissenschaft bzw. Informationswissenschaft, die unter der Überschrift newlis eine erfreuliche intensive Kommunikation und schließlich, nicht minder erfreulich, gleich zwei konkrete Publikationsprojekte nach sich zieht, wieder intensiver aufflammt, ist nach vier Tagen noch nicht absehbar. Dass eine Diskussion stattfindet spricht aber deutlich für eine Vitalität der Fachgemeinschaft, auch wenn die TeilnehmerInnen weitgehend bekannt und von vergleichsweise geringer Zahl sind. Aus den bisherigen Stimmen lassen sich folgende Kernpaspekte extrahieren:

  • Es gibt zu wenige (gute) Autoren bzw. Beiträge.
  • Es wird zu wenig bzw. zu wenig aufmerksam und kritisch gelesen.
  • Open-Access-Publikationen sind relativ kostengünstig einzurichten.
  • Open-Access-Publizieren erfolgt fast notwendig ehrenamtlich.
  • Das Peer-Review-Verfahren sollte durch ein Post-Publication-Review abgelöst werden.
  • Eine Referateblatt, dass Forschungsergebnisse besonders aus internationalen Publikationen an das Fachpublikum vermittelt, wäre wünschenswert.

Sehr zentral aus meiner Sicht jedoch noch ein anderer Aspekt, der noch nicht expliziert wurde, aber ursächlich für viele Reibungspunkte sein dürfte: die mangelnde Abgrenzung. Genaugenommen ist es nämlich nicht unbedingt zutreffend, wenn man das geplante EIS-ICP mit LIBREAS, Informationspraxis und o-bib oder anderen bibliothekarischen Fachzeitschriften in einen unmittelbaren Zusammenhang setzt. Sowohl der geographische Zuschnitt (Europäische Union) wie auch die fachliche Konzentration (Informationswissenschaft) zielten nachvollziehbar doch vielmehr auf eine konkrete Wissenschaftsgemeinschaft und weniger auf eine Fachgemeinschaft, die bis in die Bibliothekspraxis reicht, was sich besonders bei der Art der einreichbaren Beiträge und deren Reviewing gezeigt hätte. Die Zielgruppe unterscheidet sich demnach grundlegend von der der genannten anderen Open-Access-Zeitschriften.

Herausforderung und Konkurrenz für EIS-ICP wären daher vielmehr die in der Fachdisziplin fest etablierten Titel, also Zeitschriften wie JASIST, das Journal of Documentation und sicher auch die IWP sowie eine gut sortierte Handvoll internationale Open-Access-Publikationen wie First Monday oder InformationR, in denen auch deutsche informationswissenschaftliche Autoren relative stabile und vor allem etablierte Strukturen für ihren Fachdiskurs vorfinden, in denen sie ihre Forschung kommunizieren können. Allerdings heißt es im Antrag bei der Bedarfsanalyse: „Faktisch publizieren deutsche WissenschaftlerInnen, bis auf Ausnahmen, kaum in den international führenden Journalen des Fachgebiets […]“ (Kuhlen, Womser-Hacker, 2014, S. 32) Hier eröffnet sich noch ein ganz anderes Feld für eine Debatte zur gegenwärtigen Publikationskultur der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, dessen Bearbeitung erst einmal vertagt werden muss.

Dass sich eine Vielzahl von VertreterInnen der Fachcommunity laut Liste im Antrag (Kuhlen, Womser-Hacker, 2014) zur Mitarbeit im Editorial Board bereiterklärten mag einerseits den Netzwerkkompetenzen der Antragsteller geschuldet sein. Andererseits zeigt es dennoch mindestens, dass die informationswissenschaftliche Community einer weiteren Publikationsplattform nicht abgeneigt gegenüber steht.

Interessant wäre es natürlich, die Gutachten mit der Ablehnungsbegründung einzusehen. Die Vermutung, dass EIS tatsächlich sehr, vielleicht zu komplex und zugleich im Gegensatz zu anderen, niedrigschwelligeren Open-Access- und Nanopublikationsformen ziemlich traditionell top-down-strukturiert angelegt war, stellte sich bereits bei den Präsentationsvorträgen von Rainer Kuhlen u.a. im BBK des Berliner Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft ein und bestätigt sich auch in gewisser Weise bei der Lektüre des Antrags. Jedoch sind auch die Erwartungen und formalen Ansprüche der DFG zu berücksichtigen und zweifellos steht einem informationswissenschaftlichen Projekt ein hoher informationswissenschaftlicher Innovationsanspruch in einem solchen Antrag sehr gut zu Gesicht.

Es bleibt dabei: auch mit Informationspraxis, o-bib, LIBREAS, 027.7 und anderen Publikationen fehlt eine deutschsprachige Open-Access-Zeitschrift für die Disziplin der Informationswissenschaft. Keine der genannten Open-Access-Publikationen erfüllt die Standards, die eine Wissenschaftsgemeinschaft berechtigt an ein für sie tragfähiges Leit- und Kommunikationsmedium stellt.

Aus Sicht von LIBREAS kann ich mich der Position von Annette Kustos sehr gut anschließen: Es ist mit den vorhandenen Mitteln und auf der Basis der Beiträge die uns erreichen unmöglich, ein hartes wissenschaftliches Journal herauszugeben, wie es Walther Umstätter und Rainer Kuhlen mutmaßlich vorschwebt. Das bedeutet keineswegs, dass nicht auch auf diesem Weg wissenschaftliche und andere relevante Erkenntnisse in diesen Medien ihren Weg zum Leser finden. Bei konsequenter Anwendung wissenschaftlicher Standards wäre bei LIBREAS jedoch die Ablehnungsrate selbst des Editorial Reviews so hoch, dass wir bestenfalls alle zwei Jahre eine Ausgabe publizieren könnten. Wir haben uns dagegen entschieden und folgen lieber Klaus Grafs Devise „publish first, filter later“.

Ich habe LIBREAS unlängst in einer Diskussion als Themenseismograph bezeichnet und ich denke immer mehr, dass es das ist, was wir aktuell mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln leisten können: wir zeichnen bestimmte Aspekte und Erörterungen dazu auf, in der Hoffnung, dass sie rezipiert werden und etwas darauf folgt.

Die Einnahmen des LIBREAS-Vereins decken derzeit die technischen Grundkosten und ermöglichen uns darüber hinaus hin und wieder Veranstaltungen wie den SWiF zu unterstützen. All die Ambitionen, die zweifellos darüber hinaus bestehen, müssen derzeit zurückgestellt werden.

Wenn Walther Umstätter in seiner Mail vom 27.07. explizit auf LIBREAS eingeht, dann ist auch diese Prämissen zu berücksichtigen. Es ist keinesfalls so, dass LIBREAS sowohl newlis wie auch EIS ablehnend gegenüberstand. Ganz im Gegenteil. Mit und zu newlis gelang es in einen Dialog zu treten (u.a. auf dem frei<tag> 2012). Dass unsere Erfahrungen und Ideen für EIS offenbar wenig Relevanz besaßen, ist am Ende wahrscheinlich doch dem sehr anderen Zuschnitt geschuldet. Soweit ich beurteilen kann, stand LIBREAS als Anschlusspunkt für den Projektantrag von Rainer Kuhlen nie zur Debatte. Zum Dialog auch zu EIS waren wir dennoch jederzeit bereit und haben dies auch signalisiert. Die bereits oben zitierte Aussage Wather Umstätters

„Natürlich hätten die Mitstreiter bei LIBREAS noch weit mehr ihre Arbeit aufteilen müssen, hätten Rechte und Pflichten abgeben müssen, um die anfallende Arbeit zu schaffen, hätten einiges an Arbeit auf die Softwareebene delegieren müssen, und gerade das müsste man der DFG klar machen, wo die eigentliche Projektidee liegt, die bei Kuhlens Antrag nicht deutlich genug wurde, weil er anderenfalls hätte angenommen werden müssen.“ (Umstätter, 2014c)

wirkt daher möglicherweise etwas verzerrend. Was wir nicht wollten und was ich in meiner Antwort auf Walther Umstätter schrieb (vgl. Kaden, 2012), war zu unserer laufenden LIBREAS-Arbeit mit unseren schmalen Ressourcen große und mittlere Pläne Dritter zu bedienen.

Was die Software-Lösung angeht, sind wir mit der Github-Lösung und der Variante für Langzeitarchivierung über den e-doc-Server der Humboldt-Universität eigentlich ziemlich zufrieden. Für die anderen Spielereien benutzen wir, was an Social-Media-Komponenten üblich ist und vermissen relativ wenig. Wir verstehen uns also auch an dieser Stelle durchaus als anschlussfähig.

Auch als Organisationsform LIBREAS ist mit dem LIBREAS-Verein so offen, wie es eben geht. Wir freuen uns selbstverständlich weiterhin auch, über weitere – verlässliche und belastbare – Mitglieder der Redaktion, vor allem in den Bereichen Autorenbetreuung und Review-Management. Wir freuen uns auch über AutorInnen.

Die Idee des Referateblatts (oder Abstract-Journals), wie sie Walther Umstätter in seiner Nachricht in der INETBIB als Desiderat beschreibt, nahmen wir übrigens im LIBREAS-Weblog auf und führen sie im LIBREAS-Tumblr weiter:

„Die Seite LIBREAS.tumblr.com dient also dem Zweck, selektiv und in betont knapper Form Erkenntnisse aus dem aktuellen Publikationsgeschehen in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu sammeln, zu bündeln und sorgsam auszutaggen.“ (Kaden, 2013)

Dass wir darin nicht einmal in Richtung eines Anspruchs auf Vollständigkeit gehen und nicht ontologiebasiert erschließen, was vielleicht ein toller Anspruch und zugleich die Erwartung der Fachwelt wäre, liegt nun leider auch daran, dass unser Tag mit allem Möglichen gefüllt ist – Annette Kustos weiß, was wir meinen – und wir uns daher erlauben, nur dass zu lesen und zu referieren, was uns wirklich interessiert. Doch auch dieses Format steht prinzipiell jedem offen und über ben@libreas.eu sind Ideen und fast lieber noch konkrete Referate sehr willkommen.

(Berlin, 29.07.2014)

 

 

Quellen

Valentine Cawley (2011): An Analysis of the Ethics of Peer Review and Other Traditional Academic Publishing Practices. In: International Journal of Social Science and Humanity, Vol. 1, No. 3, September 2011. S. 205-213. DOI: 10.7763/IJSSH.2011.V1.36

Klaus Graf (2014a) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53582.html

Klaus Graf (2014b) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 27.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53588.html

Ben Kaden (2013) Aus der Redaktion: LIBREAS microbloggt nun auch bei Tumblr. Aber warum? In: LIBREAS.Weblog. 24.01.2013 https://libreas.wordpress.com/2013/01/24/aus-der-redaktion-libreas-microbloggt-nun-auch-bei-tumblr-aber-warum/

Ben Kaden (2012) LIBREAS als Schweigbügelhalter? Eine Position zur newLIS-Debatte. In: LIBREAS. Weblog. 04.07.2014. https://libreas.wordpress.com/2012/07/04/libreas-als-schweigbugelhalter-eine-position-zur-newlis-debatte/

Thomas Krichel (2014a): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014 http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53570.html

Thomas Krichel (2014b): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53584.html

Rainer Kuhlen (2014): Kein EIS. In: INETBIB, 24.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53568.html

Rainer Kuhlen, Christa Womser-Hacker (2014) Antrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft aus dem Programm Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme, hier zu 12.11 Elektronische Publikationen Einrichtung einer Open-Access-Zeitschrift/Publikations-, Informations- und Kommunikationsplattform. Berlin, Hildesheim: 07.01.2014. Volltext: http://www.kuhlen.name/MATERIALIEN/Projekte/RK-antrag-EIS-unter-CC-BY3-0-27072014-PDF

Annette Kustos (2014) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 28.07.2014 http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53595.html

Philipp Mayr, Walther Umstätter (2008) Eine bibliometrische Zeitschriftenanalyse zu JoI, Scientometrics und NfD bzw. IWP. In: Information – Wissenschaft und Praxis. Jg. 59 Heft 6/7 (2008) S. 353-360. Volltext: http://www.ib.hu-berlin.de/~mayr/arbeiten/mayr-umsta_IWP08.pdf

Eric Steinhauer (2014a): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53576.html

Eric Steinhauer (2014b)): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53581.html

Walther Umstätter (2014a) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53580.html

Walther Umstätter (2014b) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53583.html

Walther Umstätter (2014c) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 27.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53587.html

Walther Umstätter (2012) Re: [InetBib] BIBLIOTHEKSDIENST erscheint bei De Gruyter: Stellungnahme der BID. In: INETBIB, 02.07.2012, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg47944.html

 

 

 

LIBREAS #25: Frauen

Posted in LIBREAS aktuell by libreas on 28. Juli 2014

Gerne weisen wir darauf hin, dass die neues Ausgabe der LIBREAS #25 mit dem Schwerpunkt “Frauen” erschienen ist. Die Beiträge greifen in die Geschichte zurück, um bedeutende Frauen im Bezug auf Bibliotheken vorzustellen, diskutieren die Repräsentation von Geschlecht in Katalogen und Bibliotheken sowie das Berufsleben von Frauen in Bibliotheken.

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Die Redaktion der LIBREAS wünscht eine anregende Lektüre.

Der SWiF 2014. Ein Interview mit Evelyn Dröge und Violeta Trkulja.

Posted in Hinweise, LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by libreas on 22. Juli 2014

Im Herbst (am 14. und 15. November 2014) findet am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin der 5. Studenten-Workshop für informationswissenschaftliche Forschung SWiF 2014 statt. Aus naheliegenden Gründen unterstützt der LIBREAS-Verein die Veranstaltung sehr gern. Und das legt wiederum nah, sich mit den beiden Organisatorinnen am Institut, Evelyn Dröge und Violeta Trkulja, vorbereitend zu einem Gespräch zu treffen.

Evelyn Dröge und Violeta Trkulja / SWiF 2014 am IBI

Violeta Trkulja und Evelyn Dröge auf dem Balkon des Instituts in der Dorotheenstraße.

Der SWiF-Workshop ist per Namen einer für „informationswissenschaftliche Forschung“. Er findet dieses Jahr aber am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft statt. Ist es denn auch möglich, ein bibliothekswissenschaftliches Forschungsthema vorzuschlagen?

Selbstverständlich. Wir verstehen Bibliotheks- und Informationswissenschaft als ganz und gar interdisziplinär. Bibliothekswissenschaftliche sind genauso willkommen wie zum Beispiel sozialwissenschaftliche Konzepte, die sich an Fragestellungen aus unserem Feld anbinden lassen. Die Informationswissenschaft ist hier ausdrücklich als inklusives Konzept und damit gerade nicht als ausgrenzend zu verstehen. Die Bezeichnung Bibliotheks- und Informationswissenschaft wäre dazu sogar eher zu einengend.

Warum benötigt man eine Veranstaltung wie den SWiF?

Wir haben den Eindruck, dass den Studierenden ein Format dieser Art fehlt. Auf Fachkonferenzen gibt es häufiger Veranstaltungen für Doktoranden oder für Young Information Professionals, jedoch selten für Studierende aus dem LIS-Bereich. Zudem ist dieser Rahmen häufig eher auf eine Vermittlung der Nachwuchsforschung an ein Fachpublikum gerichtet.

Die Idee des SWIF ist dagegen der direkte Austausch zwischen den Studierenden. Wir möchten, dass Studierende von unterschiedlichen Hochschulen und mit unterschiedlichen informationswissenschaftlichen Forschungsinteressen untereinander ins Gespräch kommen, sich und ihre Arbeit und nicht zuletzt auch die Studiengänge der anderen Studierenden wechselseitig kennenlernen. Von jeder Hochschule ist zudem ein Dozent als Ansprechpartner dabei. So kann man zum Beispiel auch frühzeitig bei der Promotionsplanung ermitteln, welche Hochschule sich für das eigene Thema besonders eignet.

Im Prinzip kann man den SWiF als ein Pendant zu den etablierten Formaten für Promovierende verstehen, bei dem ein fachlicher und sozialer Austausch unter Peers gefördert wird.

Im Ankündigungstext liest man von einer „Auswahl geeigneter Vorträge“. Wie gestaltet sich denn dieses Auswahlverfahren?

Die Auswahl liegt in den Händen des Organisationsteams. Allzu große Sorgen sollte sich aber niemand machen, der einen substantiellen Beitrag einreicht. Erfahrungsgemäß können fast alle Vorschläge, die fachlich relevant sind, berücksichtigt werden. Uns geht es vor allem darum, eine große inhaltliche Breite abzubilden und Studierende möglichst vieler Hochschulen zu berücksichtigen. Außerdem sollte schon ein inhaltlicher Fortschritt über eine Forschungsidee hinaus vorgestellt werden können. Was aber keinesfalls bedeutet, dass die Arbeit schon fertig sein soll. Es können übrigens nicht nur Forschungen aus dem Umfeld Bachelor- oder Masterarbeiten vorgestellt werden. Auch Projekte sind willkommen. Sogar Hausarbeiten sind, sofern sie eine gewisse inhaltliche Originalität und methodische Qualität besitzen, für uns interessant.

Der SWiF richtet sich ja an den wissenschaftlichen Nachwuchs, der sich idealerweise in das disziplinäre Feld der Informationswissenschaft, nun ja, hineinforscht. Wie beurteilt ihr generell den Zustand des Faches in Deutschland?

Dass es so ausgeprägte Metadiskussionen zu Stand und Rolle des Faches gibt, liegt möglicherweise daran, dass in der Informationswissenschaft sehr unterschiedliche Bilder von dem existieren, was „Informationswissenschaft“ eigentlich ist. Die Informationswissenschaft ist grundsätzlich äußerst interdisziplinär. Das Bild was man vom Fach hat ist dabei oft vom Standort abhängig. Gerade deshalb scheint es sehr wichtig, dass sich der wissenschaftliche Nachwuchs über Veranstaltungen wie unsere dieser Interdisziplinarität und den damit verbundenen Chancen bewusst wird. Insgesamt beschäftigt sich die Informationswissenschaft schon sehr intensiv mit der Frage, was sie eigentlich ist.

Vielleicht sollte man es mehr aus den Möglichkeiten der Verknüpfbarkeit betrachten. Die Informationswissenschaft ist ein sehr breites Feld. Die Studierenden verfügen entsprechend am Ende ihres Studiums über eine sehr große Palette an Methoden und Kompetenzen, die sie in vielfältigen Zusammenhängen einbringen können. Andererseits greift das Fach häufig Themen auf, die man so auf den ersten Blick eventuell gar nicht als informationswissenschaftlich eingeschätzt hätte, die bei intensiverer Beschäftigung damit aber wieder sehr passend erscheinen. Gerade auf Konferenzen stellt sich dieser Effekt häufiger ein.

Die möglicherweise etwas negative Stimmung hinsichtlich der übergeordneten Relevanz der Informationswissenschaft in Deutschland mag auch damit zusammenhängen, dass es keine übergeordnete institutionelle Instanz gibt, die hierzu Impulse setzt. Die DGI übernahm lange diese Funktion, scheint momentan aber mehr auf praktische Fragen konzentriert. Für die informationswissenschaftlichen Institute und die informationswissenschaftliche Forschung in Deutschland fehlt derzeit eine Vereinigung, die sie gebündelt vertritt. Vorstellbar ist, dass sich das International Symposium for Information Science (ISI) des Hochschulverband Informationswissenschaft (HI) als eine solche Plattform weiter etabliert.

Was sind eigentlich eure derzeitigen Forschungsschwerpunkte hier am Berliner Institut?

Wir beschäftigen uns in erster Linie mit Linked Open Data und Fragen des Semantic Web. Wissensrepräsentation und Ontologieaufbau sind ja zentrale Themen der Informationswissenschaft. Aus dem DM2E-Projekt (Digitised Manuscripts to Europeana) ergeben sich zahlreiche Forschungsfragen in dieser Richtung, die unsere Forschungsagenda sicher noch lange prägen werden. Deshalb freuen wir uns, dass mit dem neuen Forschungsrahmenprogramm der EU HORIZON 2020 mittlerweile noch stärker auf Nachhaltigkeit bedachte Forschungsfördermöglichkeit bestehen.

Die demnächst erscheinende Ausgabe von LIBREAS widmet sich dem Thema „Frauen und Bibliotheken“. Wie ist es eigentlich um das Thema „Frauen und Informationswissenschaft“ bestellt?

Nach dem subjektiven Eindruck verhält es sich da gar nicht so anders. Auf der mittleren Ebene, also hier unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern, sind erstaunlich viele, wenn nicht sogar überwiegend Frauen zu finden, wogegen die Professuren eher männlich dominiert sind. Interessant ist dabei die Rolle des Faches als mögliche Transferdisziplin. War und ist die Informatik weitgehend männlich geprägt, dürfte das Geschlechterverhältnis in der Bibliothekswissenschaft eher umgedreht sein. Versteht man die Bibliotheks- und Informationswissenschaft bzw. die Informationswissenschaft als Mittlerinstanz zwischen Informatik und Fragen den aus diesem Umfeld entstehenden Fragen, so kann man sie durchaus als eine Schnittstelle ansehen, die beide Welten geschlechterübergreifend besser zusammenbringt. Aus der Informationswissenschaft können mehr informatikinteressierte Studierende kommen und da wir mehr Frauen als die Informatik haben, können sich so wahrscheinlich mehr Frauen für dieses Fach interessieren. Und tatsächlich gibt es mittlerweile erstaunlich viele LIS-Studentinnen mit einem ausgeprägten Interesse für Fragen und Verfahren der Informatik.

(Berlin, 21.07.2014 / Interview und Foto: Ben Kaden)

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