LIBREAS.Library Ideas

Dienste für die dissertationsbegleitende Publikation von Forschungsdaten. Eine Vortragsnachlese.

Posted in LIBREAS.Dokumente by Ben on 7. Juni 2017

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

In dervergangenen Woche fand bekanntlich in Frankfurt am Main der Bibliothekartag 2017 statt, eine seltsam buchfreie und ausgiebig betwitterte Veranstaltung, die wie immer ein ganz guten Rundumblick über den Diskursstand des deutschen Bibliothekswesens lieferte. Das Gesetz zur Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse der Wissensgesellschaft (UrhWissG) und die dagegen anlaufende Initiative der deutschen Presse waren naturgemäß ein Thema auch der Pausengespräche. Digitalisierung, die ja im Prinzip alles mögliche, u.a. Social Media, umfassen kann, ein anderes und begleitet die Veranstaltung nun schon fast zwei Jahrzehnte. Innovation wurde ein weiteres Mal verkündet und eingefordert. Informationsethik wurde kritisiert. Und es wurde, vielleicht am interessantesten, festgestellt, dass es im deutschen Bibliothekswesen oft offenbar schwer fällt,sowohl qualifizierte als auch motivierte Persönlichkeiten für Leitungsstellen zu finden.

Selbstverständlich bleibt Eindruck auch von der Themensetzung nur fragmentarisch, da LIBREAS-Vertreter_innen zwar hier und da durch das Kongresszentrum der Frankfurter Messe wanderten, in der Regel aber mit ihren hauptberuflichen Schwerpunkten und Aufgaben ausreichend beladen und entsprechend zielstrebig. Und mancher kam nur für einen Vortrag und also nur einen halben Tag nach Frankfurt, winkte hier und da jemandem zu, besuchte ein Panel zu Altmetrics, das zu großen Teil Richtung Firmenpräsentation driftete und die Einsicht aufdrängte, dass das Rad der Webanalyse mit Big-Data-Methoden gerade neu erfunden wird.

Nicht neu erfunden, mittlerweile sehr nachdrücklich behandelt wird dagegen das Themenfeld der Forschungsdaten. In dieses fügt sich nun auch der Vortrag ein, zu dessen Nachbereitung nachfolgend einige Kernpunkte fixiert werden. Gegenstand der kurzen Präsentation waren Erkenntnisse aus dem eDissPlus-Projekt. Da sich zudem direkt im Anschluss zur Präsentation, wenn auch zu einem anderen Aspekt des Projektes, in der Twittersphäre Missverständnisse offenbarten, die auch mit den Besonderheiten der Konferenzatmosphäre zusammenhängen können, ist das nur zusätzlich Anlass zur Wiederholung und Erläuterung des Präsentierten. Dies geschieht ausdrücklich mit dem Wunsch, eine Diskussionsvorlage zu bieten. Im vorliegenden Rahmen muss die Darstellung allerdings auf den Präsentationsteil der Humboldt-Universität beschränkt bleiben und dort auf die Befragungen mit Promovierenden und Post-Docs zu Einstellungs- und Erfahrungsmustern hinsichtlich einer denkbaren Publikation von Forschungsdaten.

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LIBREAS.Library Ideas LIBREAS.Dokumentation. Heute: Thesen des Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) zu den Voraussetzungen einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

Posted in LIBREAS.Dokumente by Ben on 27. April 2017

von Ben Kaden (@bkaden)

Spricht man über die Möglichkeit und Notwendigkeit einer systematischen Organisation von digitalen Forschungsdaten (Forschungsdatenmanagement) sowie ihrem übergreifenden Nachweis und idealerweise auch ihre Verfügbarmachung per Publikation, sind vor allem drei Gruppen von Stakeholdern zu berücksichtigen. Die erste fasst in etwas die Forschungspolitik-, administration und -förderung. Die zweite besteht aus der Forschungsinfrastruktur, also Bibliotheken, Rechenzentren, Netzwerkanbietern etc. Beide Gruppen haben sich, verkürzt formuliert, weitgehend darauf verständigt, dass das Ziel einer offenen Wissenschaft (Open Science und Open Scholarship) erstrebenswert ist und man daraufhin arbeiten sollten, sie als Normalmodus zu etablieren. Und dazu zählt auch die möglichst weitreichende (=offene) Verfügbarkeit der Daten, die bei der Forschung entstehen. Die Hauptgründe dafür sind die Forschungstransparenz und die Nachnutzung.

Dass die Hauptakteure, nämlich die dritte Gruppe in Gestalt der Forschenden, die diese Daten produzieren, potentiell rezipieren, vielleicht bewerten und möglicherweise nachnutzen, noch nicht flächendeckend in diese Richtung streben, erweist sich bei diesem Streben als Herausforderung. Oder auch: Hürde. Theoretisch sind sie sogar oft mit im Boot. Praktisch jedoch scheuen sie jedoch einerseits den zusätzlichen Aufwand, wenn es an den tatsächlichen Schritt hin zu Forschungsdatenpublikationen geht. Oder sie finden, wie gleich noch einmal angedeutet wird sogar nachvollziehbar, Gründe, warum es in ihrem konkreten Fall jeweils nicht möglich ist, diesem Ziel zu folgen. (more…)

LIBREAS.Dokumentation. Heute: Die Analyse Eric Steinhauers zum Aufruf Publikationsfreiheit.de

Posted in LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Dokumente by Ben on 12. März 2017

von Ben Kaden (@bkaden)

1.

LIBREAS versteht sich seit je nicht nur als elektronische Zeitschrift für Bibliothekswissenschaft bzw. Bibliotheks- und Informationswissenschaft, die im Sinne einer Fachzeitschrift mehr oder minder wissenschaftlich ermittelte Erkenntnisse formalisiert von Autor*innen zu Leser*innen transportiert. Sondern auch als Debattenmedium (siehe auch die entsprechende Kategorie dieses Weblogs). Das bietet sich einerseits bereits wissenschaftsstrukturell an, da die harte einschlägige Forschung oft nach wie vor in internationalen High-Impact-Journals bzw, zumindest in Web-of-Science registrierten Titeln wie dem De-Gruyter-Journal Bibliothek Forschung und Praxis publiziert werden. Das reicht für das Forschungsaufkommen wenigstens in der deutschsprachigen Bibliotheks- und Informationswissenschaft eigentlich vollkommen.

Nichtkommerzielle bzw. Grassroots-basierte Open-Access-Titel wie Informationspraxis, Perspektive Bibliothek oder 027.7 und schließlich auch LIBREAS funktionieren, wenn es ihnen gelingt, konzeptionell, inhaltlich oder in Hinblick Zielgruppe und Netzwerk Nischen zu besetzen. Angesichts des vergleichsweise Austrocknen inhaltlicher Diskussionen auf der Liste inetbib, kann man auch vermuten, dass der dort lange spürbare Bedarf nach informellerem Austausch über diese Medien und sicher auch durch die mittlerweile u.a. dank hypotheses.org strukturierteren deutschen wissenschaftlichen Blogkultur – als besonders relevant ist Klaus Grafs Archivalia zu erwähnen – von diesen digitalen Kommunikationsformen abgeschöpft wird. Zugleich haben sich Diskussionen zunehmend Richtung Twitter verlagert, da das Medium schneller und sichtbarer (und auch noch weniger reguliert) Meinungen und Hinweise kommunizierbar macht. Dass es zugleich auf Mittel der systematischen Wiederauffindbarkeit und damit die Idee des nutzbaren Archivs verzichtet, war lange für viele Vertreter*innen aus Bibliothekswesen und der Bibliothekswissenschaft eine Hürde. Mittlerweile scheint dieser Aspekt nicht mehr so sehr zu stören. Wir wollen dies zukünftig trotzdem stärker adressieren und werden ausgewählte Beiträge in einer gesonderten Kategorie u.a. anderem in diesem Blog dokumentieren. Den Auftakt macht heute die Debatte um die Petition zur Publikationsfreiheit (publikationsfreiheit.de). (more…)