LIBREAS.Library Ideas

CfP #41: Big Scholarly Data – Große Datenmengen über wissenschaftliche Informationsprozesse

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 3. November 2021

[English version below]

Am 4. Mai 2021 verkündete Microsoft Research, eine Forschungsabteilung von Microsoft, das Ende von Microsoft Academics Services, ihrer Suchmaschine für wissenschaftliche Literatur. [1] Sie wurde gegründet, um, nach eigener Aussage, der Forschung den Zugriff auf große Datenmengen über wissenschaftliche Literatur und deren automatisierte Nachnutzung zu ermöglichen. Nun möchte sich Microsoft Research anderen Geschäftsfeldern widmen und verweist auf eine Vielzahl an Alternativen wie Crossref, Semantic Scholar oder Dimensions. 

“We remain confident in open and community-driven alternatives to MAS and are pleased to see the recent momentum across the academic ecosystem.” [2]

Dem Echo auf diese Entscheidung nach zu urteilen, sind nicht alle ebenso von diesem Schritt überzeugt. Insbesondere der Service, der die Datengrundlage als Graph technisch verfügbar machte, wurde in den letzten Jahren sowohl in der Forschung, etwa in der quantitativen Wissenschaftsforschung, als auch durch Discovery- und Analysedienste [3] breit nachgenutzt. Forschende, die ihre Arbeit darauf ausgerichtet haben, sehen nun vor allem, dass ihnen ihr Bezugspunkt aufgrund einer Unternehmungsentscheidung mit knapper Frist verloren geht.

Wir möchten das Ende der Microsoft Academics Services zum Anlass nehmen, über den Stand und Perspektiven von so genannten Big Scholarly Data an Bibliotheken und weiteren Informationseinrichtungen zu reflektieren. Mit Big Scholarly Data sind Metadaten über das Gesamtaufkommen wissenschaftlicher Aktivität und ihrer Informationsprozesse gemeint. Sie umfassen bibliographische Informationen, Angaben über Autor*innenschaften oder Zitationsdaten und die Inhalte wissenschaftlicher Publikationen selbst. [4]

In praktischer Hinsicht fragen wir nach der gegenwärtigen Rolle von Big Scholarly Data bei der Weiterentwicklung von Informationsangeboten und Dienstleistungen. Welche Angebote werden wie eingesetzt und wie gelingt die Auswertung großer Datenmengen sowohl technisch als auch inhaltlich-organisatorisch? Wo an welchen Einrichtungen wird Big Scholarly Data angewandt und welche Kompetenzen bedarf es? Welche Fragestellungen lassen sich mit Rückgriff auf Big Scholarly Data wie beantworten? 

Neben dem Bekanntmachen und Teilen praktischer Erfahrungen möchten wir Big Scholarly Data verstärkt als sozio-kulturelles Phänomen verstehen. Was bedeutet die Abhängigkeit von wenigen Anbietern, deren Daten in Informations- und Monitoringangeboten breit nachgenutzt werden? Entsteht eine Pfadabhängigkeit, die dazu führt, dass unterrepräsentierte Publikationspraxen noch stärker marginalisiert werden? Welchen Einfluss spielen Indexierungs- und Typologisierungsentscheidungen der Anbieter bei der Analyse von wissenschaftlichen Informationsressourcen im erweiterten Kontext des Wissenschaftsmanagements, etwa bei der Planung der Transformation des Zeitschriftenetats einer Bibliothek ins Open Access? Ist Big Scholarly Data die Lösung oder der Katalysator der gegenwärtigen “Auffindbarkeitskrise”? [5]

Einreichungsschluss ist der 31. März 2022.

Ihre / eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Aarhus, Berlin, Hannover, Lausanne, München)

Fussnoten:

[1] https://web.archive.org/web/20210902200418/https://www.microsoft.com/en-us/research/project/academic/articles/microsoft-academic-to-expand-horizons-with-community-driven-approach/#

[2] https://www.microsoft.com/en-us/research/project/academic/articles/microsoft-academic-to-expand-horizons-with-community-driven-approach/

[3] Siehe etwa den Open-Access-Datendienst Unpaywall. OurResearch, das Team dahinter, hat im Juni 2021 angekündigt, einen Nachfolger für den “Microsoft Academic Graph” zu entwickeln, vergleiche https://blog.ourresearch.org/were-building-a-replacement-for-microsoft-academic-graph/.

[4] Vgl. u.a. Feng Xia; Wei Wang; Teshome Megersa Bekele; Huan Liu: Big Scholarly Data: A Survey. In: IEEE Transactions on Big Data, vol. 3, no. 1, pp. 18-35, 1 March 2017, doi: 10.1109/TBDATA.2016.2641460. – “The term Big Scholarly Data is coined for the rapidly growing scholarly data, which contains information including millions of authors, papers, citations, figures, tables, as well as scholarly networks and digital libraries.“

[5] Kraker, P., Schramm, M., & Kittel, C. (2021). Discoverability in (a) Crisis. ABI Technik, 41(1), 3–12. https://doi.org/10.1515/abitech-2021-0003.


English version:

On May 4, 2021, Microsoft Research, a research division of Microsoft, announced the end of Microsoft Academics Services, their search engine for scientific literature. It was founded, according to their own statement, to enable research access to large amounts of data on scientific literature and to automate its subsequent use. Now Microsoft Research wants to devote itself to other business areas and refers to a variety of alternatives such as Crossref, Semantic Scholar or Dimensions.

“We remain confident in open and community-driven alternatives to MAS and are pleased to see the recent momentum across the academic ecosystem.” [6]

Judging by the response to this decision, not everyone is equally convinced by this step. In particular, the service that made the database technically available as a graph has been widely followed in recent years both in research, such as quantitative science research, and by discovery and analysis services. Researchers who have based their work on it are now facing the loss of their reference pointdue to an enterprise decision with a tight deadline.

We would like to take the end of Microsoft Academics Services as an occasion to reflect on the status quo and the prospects of so-called Big Scholarly Data at libraries and other information institutions. Big Scholarly Data refers to metadata about a high amount of scholarly activity and its information processes. It includes bibliographic information, authorship or citation data, and the content of scholarly publications themselves.

From a practical point of view, we ask about the current role of Big Scholarly Data in the further development of access to information and the related services. Which services are used and how, and how does the analysis of big data work both technically and in terms of content and organization? Where at which institutions is Big Scholarly Data applied and what competencies are required? Which questions can be answered with Big Scholarly Data and how?

In addition to publicizing and sharing practical experiences, we would like to understand Big Scholarly Data more as a socio-cultural phenomenon. What does dependence on a few providers whose data is widely reused in information and monitoring services mean? Does a path dependency emerge that leads to underrepresented publishing practices becoming even more marginalized? What influence do indexing and typologization decisions by vendors play in analyzing scholarly information resources in the broader context of science management, such as planning the transformation of a library’s journal budget to open access? Is Big Scholarly Data the solution or catalyst to the current „discoverability crisis“?

Deadline for submissions is March 31, 2022.

Your Editors LIBREAS. Library Ideas

(Aarhus, Berlin, Hannover, Lausanne, Munich)

Footnotes:

[6] https://www.microsoft.com/en-us/research/project/academic/articles/microsoft-academic-to-expand-horizons-with-community-driven-approach/

Call for Networking: Einladung zur Vernetzung und Austausch zum Thema Dekolonialisierung und Antirassismus in wissenschaftlichen Bibliotheken

Posted in Hinweise by libreas on 3. September 2021

Von: Netzwerk zu Dekolonialisierung von wissenschaftlichen Bibliotheken im DACH-Raum


Der LIBREAS-Schwerpunkt „Dekolonisierung“ hat einen Nerv getroffen, der viele Akteur_innen umtreibt — nun auch in wissenschaftlichen Bibliotheken. Bislang gab es jedoch wenig Gelegenheit zu einem dauerhaften, überregionalen fachlichen Austausch und zur Diskussion, wie angesichts starrer Strukturen, Geschäftsgänge und Regelwerke „Dekolonialisierung“ in Bibliotheken sowie Wissensinfrastrukturen allgemein als Thema gesetzt und ausgestaltet werden kann.

Einem Online-Austauschtreffen zu „Decolonize the Library“ folgend, organisiert am 27. Januar 2021 von der C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik  (www.centrum3.at/bibliothek) in Wien, [1] sind nun eine Mailingliste (https://groups.io/g/decolonizethelibrary) und ein Netzwerk zur „Dekolonialisierung von wissenschaftlichen Bibliotheken im DACH-Raum“ gegründet worden. Derzeit agiert das Netzwerk vollkommen unabhängig von bestehenden Institutionen und organisiert sich als hierarchiefreies Kollektiv. Alle Beiträge erfolgen auf individuelle Initiative hin.

Das Netzwerk lädt herzlich zur aktiven Mitarbeit ein! Es verwendet die genannte allgemeine Mailingliste und trifft sich monatlich online. In einem Pad (https://board.net/p/Dekolonialisierung_von_WB_in_DACH) wird der Diskussionsstand dokumentiert. Dort findet sich auch der Link für die Registrierung zu den Treffen.

Unter den derzeit diskutierten Ideen für zukünftige Aktivitäten finden sich folgende:

  • Aufbau einer gemeinsamen, offenen Wissensbasis, z.B. in einem Wiki; 
  • Dekolonialisierung einer Bibliothek als Pilotprojekt; Ausgangspunkt: Analyse von Geschäftsprozessen und Aktivitäten, um jene zu identifizieren, die Kolonialität stützen, und dadurch additives Vorgehen zu vermeiden. [2]
  • Überarbeitung von Sachschlagworten in der GND und von Klassifikationen (mögliche Vernetzung mit der AG Thesauri des Netzwerks Koloniale Kontexte https://www.evifa.de/de/ueber-uns/fid-projekte/netzwerk-koloniale-kontexte);
  • Sammlung von Adressen zur Beschaffung von globalen Materialien, um den Bestand zu diversifizieren, sowie von entsprechenden (Open-Access-)Metadatenquellen für Bibliothekssuchmaschinen;
  • Globale Materialen im Bestand sichtbarer machen (Stichwort: Discovery-Algorithmen, Originalschrift und Multilingualität von Wissensinfrastrukturen);
  • Seminare für Nutzer_innen organisieren und das Thema in Informationskompetenzschulungen einbeziehen;
  • Veranstaltungen organisieren, z.B. Podiumsdiskussion mit Expert_innen aus Bibliothek, Archiv, Museum, Wissenschaft (evt. Wissenschaftsgeschichte) zum Umgang mit problematischen Ordnungssystemen;
  • Für den Bibliothekskongress 2022 in Innsbruck und den Bibliothekstag in Leipzig 2022 Sessions vorbereiten;
  • Repräsentative Umfrage unter wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken im DACH-Raum durchführen: kurzfristig, um Auseinandersetzung anzustoßen oder mittelfristig, um die Entwicklung der Auseinandersetzung zu erheben;
  • Lesezirkel mit Fachliteratur zum Thema; 
  • Projektgelder beantragen;
  • Publizieren zum Thema.

Wir freuen uns über weitere Mitstreiter_innen und sind neugierig auf Eure Ideen und Perspektiven! 


Fußnoten

[1] Decolonize the Library. Online Austauschtreffen. Videoaufzeichnung der Veranstaltung vom 27. Januar 2021, hochgeladen am 18. Februar 2021, https://youtube/T7gCyHc0ucs

[2] Siehe den Vortrag von Nora Schmidt. “Bibliotheken Dekolonialisieren: Subtraktivismus & Komplexität” in der Reihe: Finders, Keepers: Search. Journal Stiftung Sitterwerk, Mai 2021, https://www.sitterwerk.ch/De/Journal/605/FindersKeepersSearch

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Call for Papers LIBREAS-Ausgabe 39, 2. Schwerpunkt “Dekolonisierung”

Posted in LIBREAS Call for Papers by Ben on 27. Januar 2021
Abbildung 1: Symbolbild “One Planet, Many Names” von Jordan Engel (20.04.2020); Quelle: https://decolonialatlas.wordpress.com/2020/04/20/one-planet-many-names/ [Zugriff am 26.01.2021]
(The map itself is Pacific-Centered (150°E) and South-Up. It uses the Equal Earth projection, a beautiful equal-area projection developed in 2018. As always, Decolonial Atlas maps can be reused under the Decolonial Media License 0.1. Feel free to print them yourself, and send us your photos of them out in the real world!)

Antirassistisch und/oder dekolonial?

Bibliotheken im Spannungsfeld antirassistischer und kritischer Auseinandersetzung mit dem eigenen kolonialen Erbe

Tritt man in eine Gedächtniseinrichtung wie eine Bibliothek, ein Archiv oder ein Museum, betritt man einen vorgeprägten Raum. Wie und welche Inhalte dort gezeigt werden, ist das Ergebnis umfassender Entscheidungsketten. Diese Entscheidungen basieren auf einem Geflecht von Rahmenbedingungen und Einstellungen der Entscheidenden. Da die Entscheidungen aneinander anschließen, werden sie vererbt, verinnerlicht, bedingen die Regelhaftigkeit der Institutionen. Ein bibliothekarisches Klassifikationssystem mag über die Zeit modifiziert werden. Seine Grundanlage aber bestimmt bereits, ob und wie es modifizierbar ist. 

Die Idee des Wissens und der Ordnung, wie wir sie heute in den Gedächtniseinrichtungen finden und praktizieren, folgt im Prinzip Gestaltungsentscheidungen, die 150 oder 200 Jahre alt sind. Sie wurden in einer Zeit entwickelt, in der Perspektiven auf die Welt, die Menschheit, die Kulturen dominierten und keinesfalls Gleichwertigkeit jenseits europäischer Leitvorstellungen zum Ziel hatte. Sie wurden zu einem Zeitpunkt eines sich entfesselnden, kapitalistischen und kolonialen Expansionsdrangs verfeinert, in dem als positives Ziel galt, sich möglichst viel auf Erde jeweils untertan zu machen. Nationalismus und Imperialismus waren der narrative Rahmen, der die Gesellschaften im Zweifel zu großen Opfern motivieren sollte. Der Lohn waren das Versprechen des Wohlstands einer Kolonialwaren-Konsumkultur und das heimelige Gefühl einer Überlegenheit. Der Preis ist in jedem Schwarzbuch zur Menschheitsgeschichte dokumentiert und sprengt in seiner Dimension und Grausamkeit jede Vorstellungskraft.

Die Welt außerhalb europäischer, christlicher Deutungsmuster bekam in diesen Perspektiven keine eigene Handlungsmacht zuerkannt. Sie wurde objektiviert. Sie wurde etwas, das es zu erkunden, bezwingen, zähmen, kontrollieren, ordnen galt. Ihre Formen des Wissens wurden im besten Fall nachgenutzt, angepasst, dokumentiert. Was nicht passte, wurde ausgeblendet, ignoriert, ausgelöscht. Der Drang, die Welt zu objektivieren und kontrollierbar zu machen, zog sich dominant lange durch das 20. Jahrhundert. Er franste aus, hier und da entwickelten sich Alternativen. Seine Dekonstruktion erfolgte aber bis heute fast nur diskursiv, intellektuell, narrativ. Vieles in den Strukturen ist nach wie vor näher an der Zeit, in der “Völkerschauen” als völlig normal galten, als uns lieb ist. Mehr noch: Im digitalen Raum wiederholen sich genau diese Prozesse. Die Künstliche Intelligenz trainiert mit den tradierten Korpora und übernimmt damit die etablierten Muster. Ein historisches Bewusstsein kennt sie naturgemäß nicht. Und es ist, wie aktuell der Fall Timnit Gebru zeigt, auch bei denen, die über die digitalen Strukturen entscheiden, nicht unbedingt vorauszusetzen. Es ist keine gerade Entwicklungslinie, aber die Randständigkeit ethischer und historischer Reflexion bei der Entwicklung des technisch Machbaren setzt vieles von dem, was wir in öffentlichen Verlautbarungen als für überwunden verkünden, schließlich doch mit zeitgemäßen Mitteln neu auf.

Bibliotheken müssen sich wie alle Gedächtniseinrichtungen und eigentlich alle Institutionen der Frage stellen, wie in ihnen exkludierende, rassistische, aus der Zeit und der Logik des Kolonialismus stammende Muster nachwirken und was dies für ihre Gegenwart bedeutet. Das Ziel der Inklusivität, die diskriminierungsfreie Ausrichtung findet abstrakt weithin Zustimmung. Wenn es gut läuft, werden hier und da Sonderprogramme aufgelegt, die aber teils bereits durch ihren “Sonder”-Status Ein- und Ausgrenzungen in Gestalt einer nun wohlwollenden Diskriminierung reproduzieren. Solange die Entscheidungs- und Steuerungshoheit bei tradierten Akteur:innen und ohne Hinterfragen der scheinbar selbstverständlichen Rahmenbedingungen verbleibt, führt dies nicht zu einer Anerkennung auf Augenhöhe. Man baut Brücken. Aber ist man dabei auch bereit, das Gegenüber als das zu akzeptieren, als das es sich zeigt? 

Wir müssen damit leben, dass wir aus einer bestimmten Entwicklungslogik nicht retrospektiv ausbrechen können. Die Geschichte ist unhintergehbar. Daraus ergibt sich zugleich die Verantwortung, sie differenzierend zu verstehen und aus ihr zu lernen. Wir werden die Gedächtniseinrichtungen nicht retrospektiv dekolonisieren können. Was wir aber als Aufgabe einer engagierten Bibliothekswissenschaft sehen, ist, die Bibliotheken als unsere Bezugsinstitutionen auf die Herausforderungen der Gegenwart hin zu reflektieren und Gestaltungsmöglichkeiten für eine Zukunft zu entwickeln, die sensibel, differenziert und entschieden eine integrative, grundierende, ausgleichende Rolle übernimmt. 

Im Grunde geht es darum, das konsequent zu leben, was man vorgibt zu tun. Dazu zählt, in einem ersten Schritt zu verstehen wo man herkommt und warum man so ist, wie man ist. Es gilt, dafür sensibel zu werden, wie und wo diskriminierende Effekte nach wie vor wirken. Es gilt, verstehen zu lernen, warum sich Teile der Community, die man eigentlich zu repräsentieren vorgibt, nicht repräsentiert fühlen. Wenn die eigenen Denk- und Vorstellungsmuster dekonstruiert werden, bedeutet das nicht, dass man sie komplett verwerfen muss. Aber man wird dann Entscheidungen erklären müssen. Die Verschiebung, die wir aktuell in zahlreichen Diskursen beobachten und die auch dem Bibliothekswesen gut tun wird, führt dahin, dass bisher unhinterfragte Konstellationen der Macht, der Deutung, der Entscheidung, einer ausdrücklichen Re-Legitimierung bedürfen.

Im zweiten Schritt nach der Ent-Selbstverständlichung geht es darum, Alternativen zu denken. Das Gute ist: Es gibt Vorarbeiten. So bietet das postkoloniales Konzept der ‘colonial library’ des kongolesischen Philosophen und Intellektullen V[alentin]- Y[ves] Mudimbe ein Analyseinstrument, um zu (hinter)fragen, ob und wie Bibliotheksarbeit im heutigen Kontext genutzt werden kann, um sich Konzepten einer kolonial-rassistischen Wissensordnung zu widersetzen. Laut Mudimbe bezieht sich das auf alle Texte und epistemologischen Ansätze, die afrikanische Gesellschaften als ein Symbol der Andersartigkeit (otherness) und Unterlegenheit (inferiority) konstruierten (Mudimbe, 1988: 98–134). Wo das erkannt wird, können Schritte unternommen werden, um eine Erst- oder auch Wiederaneignung von alternativen Wissensbeständen einzuleiten, die einen Kontrast zur kolonialen Bibliothek bilden würden. Eine solche Debatte eröffnet die Möglichkeit, über diese Herausforderung zu sprechen und verstehen zu lernen, welche Perspektivwechsel in der antirassistischen Bibliotheksarbeit möglich und notwendig sind. Die Enthomogenisierung unser Vorstellungen von Leitkultur, die Diversifikation von Möglichkeiten, zugleich immer auch die Schaffung und Erhaltung von Optionen für eine wechselseitige Verständigung – das könnte im Kern der postkolonialen, antidiskriminierenden, antirassistischen Bibliothek stehen. Rassismuskritisches Denken und Handeln befähigt uns, die komplexen Verschränkungen von institutionellem und strukturellem Rassismus zu decodieren. Ein uneingeschränkter Humanismus mit dem Ziel einer diskriminierungsfreien Gesellschaft ist eine Utopie. Dieser so nah wie möglich zu kommen liegt in unserer Verantwortung. Das Bewahren und Zeigen von Kultur in ihrer Breite anstatt eines restriktiven Strebens nach Ordnung und Kontrolle könnte Kern der Arbeit von Gedächtniseinrichtungen sein. Überlieferung wird nicht getilgt, aber vernetzt, erklärt und kritisch vermittelt.

Call for Papers 2. Schwerpunkt Ausgabe 39: Fragen

Für die kommende Ausgabe von LIBREAS suchen wir Beiträge, die sich mit der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft von Gedächtnisorganisationen und Prozessen der Ordnung des Wissens, Diskursen und Wissensträgern aus der Perspektive einer Dekolonisierung auseinandersetzen.

  • Wir suchen die Spuren von Kolonialismus und Rassismen, die sich bis heute in den Strukturen und der Arbeit von Bibliotheken erhalten und die sich möglicherweise in digitalen Wissens- und Kommunikationsstrukturen reproduzieren. 
  • Wir möchten erfahren, wer sich aus welchen Blickwinkeln mit Fragen der Dekolonisierung, der Diversifizierung, der Alterisierung in und von Bibliotheken befasst.
  • Wir suchen Best-Practice-Beispiele für Inklusions- und Öffnungsprozesse.
  • Wir wollen Handlungsoptionen (und Utopien) zur Frage diskutieren, wie die Ordnungsmechanismen von Machtdiskursen durchbrochen werden können und wie epistemische Gewalt in öffentlichen Einrichtungen thematisiert werden kann.
  • Und schließlich möchten wir gern auch die genuine Perspektive der Bibliotheks- und Informationswissenschaft betrachten und fragen, wie informationsethische Modelle, Methoden und Theorien am Schnittpunkt zu postkolonialen Forschungsfragen anwendbar sind.

Einreichungen

Die Redaktion der LIBREAS. Library Ideas, die Gasteditorinnen Gabriele Slezak und Sandra Sparber aus Wien sowie die Studierenden des LIBREAS-Projektseminars am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin sind offen für direkte Einreichungen, aber auch für die Diskussion von Ideen für Beiträge. Formen und Inhalt sind wenig beschränkt, diese Einschränkungen sind in den Hinweisen für Autor*innen (https://libreas.eu/authorguides/) zu finden. Deadline ist der 30. Juni 2021. Kontakt: redaktion@libreas.eu / https://twitter.com/libreas

Eure LIBREAS-Redaktion 

(Berlin, Wien, Hannover, Aarhus, Lausanne, München)


(Dieser Call for Papers entstand im Rahmen des LIBREAS-Projektseminars am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin im Wintersemester 2020/2021 und wurde von Ester Barseghyan, Lina Feller, Katharina Foerster-Kuntze, Fatima Jonitz, Amber Kok, Valentina de Toledo erstellt, begleitet und koordiniert.)

CfP #39: Roboter und Automatisierung

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers, Uncategorized by libreas on 14. Oktober 2020

Kraftwerk (1978): Roboter: https://www.youtube.com/watch?v=5DBc5NpyEoo

HAL 9000 (1968): 2001. A Space Odyssey:: https://www.youtube.com/watch?v=ARJ8cAGm6JE 

Futurama Theme (2012): https://www.youtube.com/watch?v=QRk1s5Kf3aQ 

Zum 100-jährigen Jubiläum des Begriffs des “Roboters” will die Ausgabe #39 der LIBREAS. Library Ideas diese Arbeiter*innen sowie generell die fortschreitende Technisierung und Automatisierung in Bibliotheken in den Fokus rücken.

Denn am 25. Januar 1921 hatte in Prag Karel Čapeks Theaterstück R.U.R.Rossum’s Universal Robots [1] Premiere, das, in kürzester Zeit in viele Sprachen übersetzt, erfolgreich auf verschiedenen Bühnen der Welt gezeigt wurde und den Begriff des Roboters (zu dt. “Arbeiter”) in das globale Vokabular einführte. [2]

Der Einsatz der Roboter stieß zwar immer wieder auf Probleme, da die Anpassungs- und Orientierungs- und Interaktionsfähigkeit von Robotern schnell an ihre Grenzen stieß. Doch aufgrund der immer wieder verbesserten Technik wurde die Idee trotz regelmässigen Fehlschlägen nie aufgegeben und kehrt in verschiedenen Formen immer wieder zurück. Insbesondere seit die Robotik sich der Mensch-Maschine-Interaktion in der realen Welt, das heißt in natürlichen oder von und für Menschen optimierten Umwelten zugewandt hat, ist eine neue Dynamik entstanden. Aufgrund dieses Umdenkens in Richtung eines “morphologischen” Ansatzes sowie verbesserter Sensorik, Orientierung und Interaktion, sind eine neue Dynamik zu beobachten und weitere Entwicklungen in dieser Richtung zu erwarten. Das wirft jedoch bei aller technischen Begeisterung die alte Frage nach der Ersetzbarkeit menschlicher Arbeitskraft und intersubjektiver Kommunikation auf. Wollen wir Roboter – oder weitergedacht Automatisierung – in Bibliotheken? Welche Aufgaben können und sollen sie erfüllen? Und welche lieber nicht?


Bildnachweise: „Kraftwerk – The Robots“ by Simon Malz is licensed under CC BY-SA 2.0, „hal9000“ by cykocurt is licensed under CC BY-ND 2.0, „Bender’s Library Bender“ by libraryman is licensed under CC BY-NC-ND 2.0

Technisierung & Automatisierung

Die Automatisierung von Arbeitsprozessen durch Maschinen, Roboter oder auch Software verheißt die Erleichterung der Arbeit durch die Abnahme womöglich ungeliebter und eintöniger Tätigkeiten. Dahinter steht auch das Versprechen der Verbesserung der Qualität durch formalisierte, effektivere und effizientere Arbeitsprozesse. Doch ist dies wirklich der Fall?

Oftmals sind die Prozesse störungsanfällig, die Ergebnisse fehlerhaft und benötigen doch menschliches, manchmal sehr zeitaufwendiges Eingreifen, Nachjustieren und Korrigieren. Durch die Weiterentwicklung der Technik konnten aber bereits erfolgreiche Automatisierungsverfahren entwickelt werden.

Im Bereich der Dokumentation und Inhaltserschließung wurde frühzeitig mit automatischer Texterkennung und Abstracting experimentiert. Diese wird mittlerweile flächendeckend eingesetzt. Auch Tools für die automatische Übersetzung besitzen mittlerweile eine hohe Qualität und liefern nur noch, vergleichsweise und je nach Textsorte, wenig semantischen Unsinn, siehe DeepL. [3]

Der Einsatz von Software im Alltags- und Arbeitsleben (für die Erstellung von Texten, Bearbeiten von Bildern und vieles mehr) erzeugt in der Regel keine nennenswerten Bedenken, da die diskreten Prozesse jeglicher haptischer Erfahrung entbehren und die Nullen und Einsen im Hintergrund im Idealfall zuverlässig prozessieren.

Im Bibliotheksbereich beschäftigte man sich schon relativ früh mit dem möglich Einsatz von Automatisierung, Computern und Robotern, auch wenn diese Geschichte manchmal vergessen wird. Aber gerade im Bereich der Katalogisierung wurde und wird immer wieder, auch mit Rückschlägen, versucht, die Arbeit zu automatisieren – angefangen von Katalogen auf Lochkartenrechnern bis zu heutigen Versuchen der automatischen Indexierung.

Roboter

Maschinen und vor allem Roboter hingegen teilen unseren physischen Raum und können Unwohlsein und Ängste evozieren. Im Arbeitsleben entstehen dadurch Zukunftsängste, dass die eigene Arbeit von Maschinen übernommen werden könnte und der Mensch selbst zumindest als Arbeitskraft irgendwann überflüssig wird. Darüber hinaus ist der Aufstand der Maschinen ein beliebter Topos der Science-Fiction-Literatur, zahlreicher Utopien und Filme wie der legendäre HAL9000 in Stanley Kubricks 2001. Auch Čapek’s Stück R.U.R. ist dem zuzuordnen. In diesem Übernahme-Narrativ wenden sich die Roboter irgendwann gegen ihre Schöpfer, sei es durch einen technischen Fehler (Sicherung durchgebrannt oder Ähnliches) oder auch durch die Entwicklung eines Bewusstseins einer selbständigen Persönlichkeit, die beim ersten Aufblitzen des Egos oftmals unmittelbar in dem unbedingten Drang zur Weltherrschaft münden.Und selbst dann, wenn solche Geschichten keine dystopischen Züge tragen, werfen sie regelmäßig moralische Fragen auf, die über die reine Technikbeherrschung hinausgehen: Beispielsweise kommt oft die Frage, ob der Mensch die Roboter beherrschen soll, wenn sie selber denken können oder ob die Maschinen menschliche, irrationale Züge lernen sollen? Die Roboterethik ist sicher eine philosophisches Feld mit Zukunft.

Auch wenn die Erforschung und Entwicklung künstlicher Intelligenz bereits große Fortschritte gemacht hat, begegnen uns im Arbeitsleben bisher eher harmlose Zeitgenossen. Während sich in Bibliotheken automatisierte Verfahren, wie Automaten zur Rückgabe und zum Sortieren von Medien erfolgreich etabliert haben, werden Roboter nur vereinzelt eingesetzt.

Es existieren aber durchaus populäre und preisgekrönte Beispiele, wie der humanoide Roboter Wilma der TH Wildau [4] und „Hase und Igel“ [5] im Erwin Schrödinger Zentrum in Berlin-Adlershof.

Diese Roboter werden anthromorphisiert, indem sie sympathische Namen erhalten und werden als nützliche Helferlein durchweg positiv rezipiert.

Bots

Kurioserweise erfolgt in digitalen Kommunikationsräumen, also Social Media, oft eine diskursive Umkehrung dieses Effektes: Das menschliche Gegenüber wird im Streit abwertend zum “Bot” erklärt, zum rein automatisch als Werkzeug agierenden Element, das immer die selben Nachrichten aussendet. Auch in anderen Zusammenhängen verweist der Vergleich von Menschen mit Robotern auf ein seelenloses, oft gewissenloses Handeln nach einem Programm oder Befehl. Zugleich gibt es vor allem auf Twitter tatsächlich “Social Bots”, die automatisch Nachrichten jeder Art an trendende Hashtags anbinden. Abstrakt gesehen bilden Bots aber neben Algorithmen die Grundlage aller digitaler Kommunikationsgesellschaften, wie wir sie kennen. Jede Suchmaschine setzt auf Heerscharen von “Bots”, die das Internet automatisch auslesen. Marketingagenturen (und Verlage) setzen auf Mailing-Bots, die automatisch E-Mails verschicken und dabei möglichst variiert und geschickt menschliche Autorschaft simulieren sollen, weil sie sonst in die Spamordner gefiltert und ignoriert werden. Spambots kopieren Webseiten und generieren neue Internetpräsenzen. Bot-Armeen sind unterwegs, um diese zu identifizieren und zu melden. Schadbots agieren mit dem Ziel, die digitalen Systeme zu beschädigen, zu unterlaufen, zu zerstören. In Bot-Netzen (botnets) kommunizieren schließlich Bots miteinander und bilden eigene Kommunikationsstrukturen, in denen Menschen nur noch Impuls setzen oder für das Monitoring zuständig sind. Auch im Bibliothekswesen wurden und werden Bots, vor allem für die Kommunikation mit Nutzer/innen eingesetzt, sogenannten Chatbots. Frühe Anwendungsbeispiele hierfür waren „Ina“ [6] und „Stella“ [7], zwei weiblich zu lesende Hamburger Chatbots, die bereits 2007 in LIBREAS interviewt wurden. [8] Diese beiden dienstleistungsorientierten virtuellen Assistentinnen sind jedoch nicht mehr im Dienst.

Wenn wir im 21. Jahrhundert über Roboter reden, dann müssen wir auch über die codifizierte Form – denn diese Ro-Bots sind in ihrem Kern nur Code – und ihre Semiotik, also ihre gewollte und tatsächliche Bedeutung und Wirkung sprechen. 

Fragen

Die #39 der LIBREAS. Library Ideas sucht nun Texte und andere Beiträge, die sich mit den Themen Roboter, Automatisierung und Technisierung sowie Bots in physischen und digitalen Bibliotheken und anderen Organisationsformen der Wissensordnung auseinandersetzen. Dies können ganz konkrete Anwendungen sein, einer Software oder Prozessautomatisierung sowie auch reflexive Ansätze beinhalten, die Fragen behandeln wie:

  • Was kann man aus, auch gescheiterten Versuchen, der Automatisierung lernen?
  • Machen Automatisierung und Robotik das Leben und das Arbeiten in der Bibliothek besser?
  • Wurden konkret Ressourcen eingespart oder gar Arbeitsplätze abgebaut?
  • Sind die Roboter billige Arbeitskräfte / Ersatz (Čapek) oder werden sie anders gedacht / behandelt? Was kann Technik für Bibliotheken tun und wo muss man sie eventuell fürchten?

Einreichungen

Die Redaktion der LIBREAS. Library Ideas ist offen für direkte Einreichungen, aber auch für die Diskussion von Ideen für Beiträge. Formen und Inhalt sind wenig beschränkt, diese Einschränkungen sind in den Hinweisen für Autor*innen (https://libreas.eu/authorguides/) zu finden. Deadline ist der 30. April 2021.

Ihre / eure LIBREAS-Redaktion 

(Aarhus, Berlin, Hannover, Lausanne, München)

Der folgende englische Text des CfP wurden mit DeepL automatisch übersetzt und ist nicht menschlich nachbearbeitet.

Einreichungen werden in deutscher und englischer Sprache akzeptiert.

Fussnoten

[1] Karel Čapek, R.U.R. – Rossum’s Universal Robots, Aventinum: Prag 1920.

[2] Siehe Helmut Hauser und Sascha Freyberg, “Form und Technik. Das morphologische Paradigma der Robotik”, in: Morphologie als wissenschaftliches Paradigma (i.V. 2021).

[3] Siehe https://www.deepl.com/translator.

[4] Siehe https://www.th-wildau.de/hochschule/aktuelles/neuigkeiten/news/bibliotheksroboter-wilma-als-hochschulperle-ausgezeichnet/.

[5] Siehe https://www.esz.hu-berlin.de/de/bilder/hase-und-igel.

[6] Siehe https://www.chatbots.org/virtual_assistant/Ina/.

[7] Siehe https://www.sub.uni-hamburg.de/es/bibliotheken/projekte-der-stabi/abgeschlossene-projekte/chatbot-stella.html.

[8] Siehe Boris Jacob, Bastian Zeinert (2007): Fragen wird immer schöner. LIBREAS. Library Ideas, 8/9,  https://libreas.eu/ausgabe8/011jac.htm.


Englische Version:

CfP #39: Robots and automation

For the 100th anniversary of the term „robot“, issue #39 of LIBREAS. Library Ideas aims to focus on these workers and the increasing mechanisation and automation in libraries in general.

For on 25 January 1921 in Prague Karel Čapeks premiered the play R.U.R. – Rossum’s Universal Robots, which, translated into many languages in a very short time, was successfully shown on various stages around the world and introduced the concept of the robot (in English „worker“) into the global vocabulary.

Although the use of robots always encountered problems, because the ability of robots to adapt, orientate and interact quickly reached its limits, the concept of the robot was still in use today. However, due to constantly improving technology, the idea was never abandoned, despite regular failures, and returns again and again in various forms. Especially since robotics has turned to human-machine interaction in the real world, i.e. in natural environments or environments optimised by and for humans, a new dynamic has emerged. Due to this rethinking towards a „morphological“ approach as well as improved sensor technology, orientation and interaction, a new dynamic can be observed and further developments in this direction can be expected. However, despite all the technical enthusiasm, this raises the old question of the replaceability of human labour and intersubjective communication. Do we want robots – or more broadly speaking automation – in libraries? What tasks can and should they perform? And which ones would you rather not?

Technisation & Automation

The automation of work processes by machines, robots or even software promises to make work easier by removing possibly unloved and monotonous activities. Behind this is also the promise of improving quality through formalised, more effective and efficient work processes. But is this really the case?

Often the processes are prone to disruption, the results are flawed and yet they require human intervention, readjustment and correction, sometimes very time-consuming. However, the further development of technology has already made it possible to develop successful automation processes.

In the field of documentation and content indexing, experiments with automatic text recognition and abstracting were carried out at an early stage. This is now used throughout the country. Even tools for automatic translation are now of high quality and only deliver little semantic nonsense, comparatively and depending on the type of text, see DeepL.

The use of software in everyday and working life (for creating texts, editing images and much more) generally does not give rise to any significant concerns, as the discrete processes lack any haptic experience and ideally process zeros and ones reliably in the background.

In the library sector, the possible use of automation, computers and robots was dealt with relatively early on, even if this history is sometimes forgotten. But it is precisely in the field of cataloguing that attempts have been and continue to be made, even with setbacks, to automate work – from catalogues on punch-card computers to today’s attempts at automatic indexing.

Robots

Machines and especially robots, on the other hand, share our physical space and can evoke discomfort and anxiety. In working life, this gives rise to fears about the future, that our own work could be taken over by machines and that man himself, at least as a worker, will eventually become superfluous. Furthermore, the revolt of machines is a popular topos of science fiction literature, numerous utopias and films such as the legendary HAL9000 in Stanley Kubrick’s 2001. Čapek’s play R.U.R. can also be attributed to this. In this takeover narrative the robots turn against their creators at some point, whether through a technical error (fuse blown or similar) or through the development of a consciousness of an independent personality, which often leads directly to the unconditional urge for world domination when the ego first flashes up.and even when such stories do not have any dystopian traits, they regularly raise moral questions that go beyond the mere mastery of technology: For example, there is often the question of whether humans should dominate the robots if they can think for themselves, or whether the machines should learn human, irrational traits? Robot ethics is certainly a philosophical field with a future.

Even though research and development of artificial intelligence has already made great strides, we still encounter rather harmless contemporaries in working life. While automated procedures, such as automatic machines for returning and sorting media, have successfully established themselves in libraries, robots are only used sporadically.

There are, however, popular and award-winning examples, such as the humanoid robot Wilma from the Technical University of Wildau and „Hase und Igel“ in the Erwin Schrödinger Centre in Berlin-Adlershof.

These robots are anthromorphized by giving them likeable names and are consistently received positively as useful little helpers.

Bots

Strangely enough, in digital communication spaces, i.e. social media, this effect is often discursively reversed: the human counterpart is pejoratively declared a „bot“ in a dispute, a purely automatic element acting as a tool that always sends out the same messages. In other contexts, too, the comparison of humans with robots refers to a soulless, often unscrupulous action according to a program or command. At the same time, there are indeed „social bots“, especially on Twitter, who automatically link messages of all kinds to trendy hashtags. In the abstract, however, bots, along with algorithms, form the basis of all digital communication societies as we know them. Every search engine relies on hosts of „bots“ that automatically read the internet. Marketing agencies (and publishers) rely on mailing bots that automatically send out e-mails and are supposed to simulate human authorship in as varied and skilful a manner as possible, because otherwise they will be filtered into spam folders and ignored. Spambots copy websites and generate new websites. Bot armies are on their way to identify and report them. Malicious bots act with the aim of damaging, undermining, destroying digital systems. Finally, in botnets, bots communicate with each other and form their own communication structures in which people only set impulses or are responsible for monitoring. Bots have also been and continue to be used in libraries, especially for communication with users, so-called chatbots. Early application examples of this were „Ina“ and „Stella“, two Hamburg chat bots to be read by women, which were already interviewed in LIBREAS in 2007. However, these two service-oriented virtual assistants are no longer in service.

When we talk about robots in the 21st century, we must also talk about their codified form – because these ro-bots are only code at their core – and their semiotics, i.e. their intended and actual meaning and effect.

Questions

The #39 of the LIBREAS. Library Ideas is now looking for texts and other contributions that deal with the topics of robots, automation and mechanisation as well as bots in physical and digital libraries and other forms of organisation of the knowledge order. These can be very concrete applications, of software or process automation as well as reflective approaches that address questions such as:

  • What can be learned from automation, even failed attempts?
  • Do automation and robotics make life and work in the library better?
  • Have resources been saved or even jobs cut?
  • Are the robots cheap labour / replacement (Čapek) or are they thought / treated differently? What can technology do for libraries and where do you possibly have to fear it?

Submissions

The editorial office of LIBREAS. Library Ideas is open for direct submissions, but also for the discussion of ideas for contributions. There are few restrictions on form and content, these restrictions can be found in the notes for authors (https://libreas.eu/authorguides/). Deadline is 30 April 2021.

Your LIBREAS editorial office

(Aarhus, Berlin, Hannover, Lausanne, Munich)

The following English text of the CfP was automatically translated with DeepL and is not human-edited.

Submissions are accepted in German and English.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

Praxisleitfaden „Publikationsberatung an Universitäten“. Eine Kurzbesprechung.

Posted in LIBREAS.Rezension by Ben on 6. Juli 2020

Karin Lackner, Lisa Schilhan, Christian Kaier (Hg.): Publikationsberatung an Universitäten. Eine Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services. Bielefeld: transcript, 2020. ISBN: 978-3-8376-5072-3. 39,00 €

Online unter:
https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5072-3/publikationsberatung-an-universitaeten/

Begleitmaterialien:
https://doi.org/10.25364/publikationsberatung-materialien 

 

von Ben Kaden (@bkaden)

Cover Praxis Guide "Publikationsberatung an Universitäten" (transcript, 2020)

Cover Praxis Guide „Publikationsberatung an Universitäten“ (Bielefeld: transcript, 2020)

Es gibt wenige Verlage, die die Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens so engagiert in ihrem Programm aufgreifen wie der Bielefelder transcript Verlag. Der vor einigen Wochen erschienene Leitfaden für die Publikationsberatung an Universitäten spiegelt das doppelt – einerseits thematisch, andererseits auch in der Tatsache, dass neben der gedruckten Ausgabe auch eine Open-Access-Fassung als PDF und ePub zum Download bereitsteht und dass der gesamte Band als CC-BY 4.0 lizenziert ist. Offener geht es aktuell kaum.

Dass die Texte auch als Druckausgabe vorliegen, mag vielleicht auf den ersten Blick kontraintuitiv erscheinen. Es passt aber einerseits zum aktuellen Transformationsstand, in dem Print eben doch noch lebt und funktioniert andererseits erstaunlich gut, da es das Thema buchstäblich griffig macht. Das mag ein Indikator dafür sein, dass Print zumindest als Zweitform solcher Publikationen auch zukünftig leben wird, wenn Format und Satz stimmen und einen rezeptiven Mehrwert bieten. Hier das der Fall und es ist immer wieder erstaunlich, wie beruhigend die haptisch erfahrbare Fassung so eines “Alles-was-man-zum-Thema-wissen-muss”-Handbuchs wirkt. 

Die Beiträge stammen allesamt von Personen, die in der Infrastrukturcommunity teils bereits seit vielen Jahren aktiv und bekannt sind. Dies ist sicher auch der Grund, warum der Rundumblick auf das Thema alle derzeit aktuellen Aspekte zumindest benennt. Das Buch bildet einen Horizont von der Bibliometrie und dem Publikationsmonitoring über akademische soziale Netzwerke und des Marketings, Academic Search Engine Optimization (ASEO), Aspekte des Forschungsdatenmanagements, Verlagsverträge und naturgemäß viel Open Access wird präzise und stellenweise fast ein wenig sehr knapp ab. Im Detail finden sich sehr hilfreiche Einordnungen von aktuellen Leitthemen wie APC-Rabatten oder den Wirkungen von Plan S. Dazu kommen Erfahrungseinblicke vor allem aus der Universität Graz, von der die drei Herausgeber*innen stammen. Margo Bargheer steuert zudem eine historische Hinleitung vom Journal des Sçavans bis zum Enhanced Publishing und Open Science bei, die man Studierenden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft durchaus als Einführungstext zur Hand geben könnte. 

Entsprechend liegt mit dem Titel ein Handbuch vor, das aktuell die beste und kompakteste Anleitung zum Thema Publikationsberatung an Hochschulen sein dürfte und zwar nicht nur für den “Aufbau publikationsunterstützender Dienstleistungen” sondern auch für die Begleitung des Betriebs und Angebots solcher Dienste. Die Einleitung liefert zudem in kürzestmöglicher Form die Argumente, die man im Zweifel auch mal dem eigenen Präsidium vortragen kann, wenn man für die Einrichtung und den Ausbau solcher Dienste argumentieren muss. Die Ausgabe ist absolut auf der Höhe der Zeit, was zugleich immer auch ein wenig ein Dilemma darstellt. Denn Höhe der Zeit heißt Entwicklungs- und Transformationsstand 2020 und auch wenn der Wandel im wissenschaftlichen Publikationswesen oft vielen darin Aktiven immer noch zu behäbig erscheint, ist die Entwicklung doch rasant, so dass offen bleibt, wie lang die Halbwertszeit des Guides sein wird. Idealerweise erlebt er in der Zukunft regelmäßig eine Revision und Neuauflage. Ein Glossar wäre vielleicht noch ein zusätzliches Tüpfelchen auf dem i dieses Buches und seines Anliegens. 

Was man sich aus einer Metaperspektive zudem unbedingt ergänzend wünschte, wäre eine kritischere, gern informationsethische Reflexion. Aber es ist offensichtlich, dass dies nicht Gegenstand des vorliegenden Titels sein sollte und auch für des Zielszenario eines “Praxis Guides” nicht passend wäre. Es ist keine bibliothekswissenschaftliche Arbeit sondern eine Veröffentlichung, die für zwei Szenarien optimal passt: Erstens, wenn man in der Wissenschaftsinfrastruktur arbeitet und publikationsunterstützende Angebote auf- oder ausbauen möchte. Und zweitens, wenn man sich sehr leichtgängig einen Überblick über aktuelle praxisrelevante Themen und Schlagworte im Bereich der Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens verschaffen möchte. 

Stipendium des LIBREAS-Vereins 2020: Spenden statt Stipendium

Posted in LIBREAS.Verein by Karsten Schuldt on 12. Juni 2020

Der LIBREAS-Verein hatte auch für das Jahr 2020 ein Stipendium ausgeschrieben. Wie jedes Jahr wollten wir damit die Reise zu und die Teilnahme an Konferenzen oder Weiterbildungen unterstützen. (https://libreas.wordpress.com/2019/12/16/stipendium-des-libreas-vereins-ausschreibung-2020/)

Und wunderbarer Weise erreichten uns auch spannende Bewerbungen. Allein sie wurden von den aktuellen Ereignissen überholt. Die COVID-19-Pandemie unterband bekanntlich bereits die Reise in den nächsten Stadtbezirk. Daher entschieden wir uns, das Stipendium in diesem Jahr nicht zu vergeben und das dafür vorgesehene Geld an Akteure zu überweisen, die ebenfalls sehr in unserem Interesse handeln. 

 

Die 200 Euro, die für das Stipendium eingeplant waren, gingen je zur Hälfte

 

  1. an den Digitalcourage e.V. (https://digitalcourage.de), der sich für Datenschutz und digitale Grundrechte engagiert.
  2. an den Förderverein Gefangenenbüchereien e.V., der sich für die substantielle Verbesserung der Zugangs zu bibliothekarischen Angebot für Menschen in Haft einsetzt und unsere Spende voraussichtlich für ein bundesweites Pilotprojekt für E-Books in Haft in Berlin verwenden wird  (Kontakt: Förderverein Gefangenenbüchereien e.V., Gerhard Peschers, JVA Münster, Gartenstraße 26, 48147 Münster, Tel.: 0251 / 2374 – 116, E-Mail: kontakt@fvgb.de, Web: http://www.fvgb.de und http://www.libertree.eu/)

 

Nächstes Jahr wird es eine neue Ausschreibung geben. Und hoffentlich keine weitere Pandemie. Für dieses Jahr  hoffen wir, das richtige Signal für die aktuelle Situation gegeben zu haben. Und wir rufen natürlich alle, denen das möglich ist, dazu auf, Vereine zu unterstützen, die nicht nur, aber insbesondere auch in der jetzigen Krise so wichtige Arbeit für die Zivilgesellschaft zu leisten wie die beiden genannten.

 

Der Vorstand des LIBREAS-Vereins

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Call for Papers: #38 Tiere und Gewächse

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 3. März 2020

Bibliotheken sind weit belebter, als sie sich heute ohnehin schon nach außen darstellen. Manchmal im Mittelpunkt, aber oft praktisch unbeobachtet werden sie nicht nur von Menschen, Medien und Technik bevölkert, sondern auch von Tieren und Pflanzen. Die #38 der LIBREAS. Library Ideas möchte diese Mitbewohner*innen in den Fokus rücken.

Tiere

In einer ganzen Anzahl von Fällen werden Tiere explizit in Bibliotheken eingesetzt. Oft beschrieben findet man Hunde oder andere Tiere, die zur Leseförderung oder aber für den Stressabbau von Studierenden in die Bibliothek geholt werden. Die Nähe von Tieren spüren, Tiere berühren, durch ihre Anwesenheit Ruhe zu erfahren, hilft offenbar vielen Menschen in vielen Situationen. Eine weitere Facette ist eine Exotisierung von tiergetragenen mobilen Bibliothek (per Esel, Pferd oder Kamel) in Zeitungsgeschichten (Rubrik Vermischtes) und Social-Media-Stories.

Zugleich sind Bibliotheken selbst – gewünscht oder ungewünscht – Aufenthaltsraum von Tieren: Vögel, Katzen, Insekten, die sich im Bibliotheksraum einfinden, diesen als Lebensraum nutzen, und dabei teilweise ignoriert, teilweise bekämpft, teilweise gefördert werden. Und schließlich Mäuse und Ratten im Magazin oder Stadttauben auf den Dächern, die zumeist eher nicht erwünscht sind.

Ebenfalls weniger positiv gesehen, aber doch Teil der Bibliotheksarbeit aller Bibliotheken mit Magazin, sind Insekten und noch kleinere Lebewesen, welche sich in und an gedruckten Medien befinden und deren materielle Langzeitverfügbarkeit bedrohen. Es gibt Standardverfahren, mit diesen umzugehen, aber gleichzeitig auch immer wieder Geschichten von großangelegten Einsätzen zur Vernichtung derselben, die nicht nur beim Personal Ängste und Bedenken auslösen. Dafür, dass dies recht häufig passiert, wird es erstaunlich selten in der bibliothekarischen Literatur behandelt.

Am präsentesten sind Tiere freilich als Symbole: Leseratten, Bücherwürmer, Eulen, Füchse, Bibliothekskrokodile, die eine eigene Sonderrolle einnehmen. (Wenig überraschend gibt es auch bei uns in der Redaktion den nie endenden Streit zwischen Team Eule und Team Katze um das repräsentativste Bibliothekstier.) Das Bibliothekskrokodil schnappt dabei konzeptionell über den unmittelbaren Bibliotheksraum hinaus und erinnert an die berühmte Urfrage der Dokumentation: “Was ist ein Dokument?”, die Suzanne Briet in Bezug auf Tiere dahingehend beantwortet hat: Ein Tier in seinem Habitat ist das Tier. Im Zoo wird es zu einem dokumentarischen Bezugsobjekt. Was verdeutlicht, dass auch das Sammeln von Tieren, wie es in den Wunderkammern üblich war und heute oft in entsprechend spezialisierte Institutionen wie naturkundliche Museen verlagert wird, eine genuine Verwandtschaft zum Sammeln von Büchern hat. Tiere also als Zeugnisse, Wissensobjekte. Willkommen in der Faunothek.

Foto - Eine Katze namens Lisa inmitten von Büchern

Ein durchaus übliches Bild: Eine Katze inmitten von Büchern / Foto: Ben Kaden / Flickr / CC BY-NC 2.0

Blumen und Bäume und andere Pflanzen

Was für Tiere gilt, gilt auch für Pflanzen. Der Büro-Ficus im Verwaltungsbereich ist ohnehin gesetzt. Aber auch in den Nutzungsbereichen werden sie, und zwar nicht erst seit Bibliotheken sich als Dritte Orte verstehen, genutzt, um eine bestimmte Atmosphäre herzustellen. Bilder von Bibliotheken aus den 1970er Jahren zeigen beispielsweise immer wieder Blumen auf den Tresen. Andere Bibliotheken haben schon lange Zen-Gärten angelegt, kleine hängende Gärten als Raumteiler eingesetzt oder Lesecafés im Freien mit Bäumen, Sträuchern und Blumenbeeten ausgestattet. Die BnF hat sich einen kleinen Hain in den Innenhof gepflanzt.

In den letzten Jahren scheint sich das (wieder) zu verstärken: Erst im Anschluss an Urban Gardening und dann auch als eine mögliche Reaktion auf die Klimakatastrophe beschäftigen sich Bibliotheken damit, Gärten anzulegen und zu pflegen. Diese sollen unter anderem einen Lernraum bieten, um Wissen darüber zu verbreiten, wie überhaupt gegärtnert wird. Und auch eine Pflanze wird traditionell gern als Dokument und Sammlungsgegenstand verarbeitet. Man denke an Herbarien oder die berühmten Xylotheken.

Fragen

Die #38 der LIBREAS. Library Ideas sucht nun Texte und andere Beiträge, die sich mit den Pflanzen und Tieren in Bibliotheken beziehungsweise als Bezugsobjekte von Dokumentation und institutionalisierter Sammlungskultur befassen. Viele mögliche Fragen drängen sich auf: Wie gehen Bibliotheken mit anwesenden Tieren um? Werden sie eingesetzt, um bibliothekarische Arbeit zu unterstützen – und wenn ja, wie? Wieder einmal scheint dies ein Thema zu sein, das immer und immer wieder neu entdeckt und beschrieben wird – zum Beispiel alle paar Jahre eine Bachelorarbeit über Bibliothekshunde. Warum ist das so? Warum ist das nicht einfach langsam normaler Teil bibliothekarischer Arbeit?
Oder wozu werden Pflanzen genutzt? Wie? Wer pflegt eigentlich diese Pflanzen und Tiere? Oder werden sie eher als Problem angesehen, nicht nur, aber auch bei der Bestandserhaltung? Und wenn ja, wie wird dagegen vorgegangen? Aber auch Dokumentationen über die Tiere in einer Bibliothek wären interessant. Welche haben sich eine Bibliothek zum Lebensraum erkoren? Welche Tiere werden von Nutzenden in die Bibliothek mitgebracht? Und wie sammelt, erschließt und vermittelt man Tiere und Pflanzen?

Nicht zuletzt sollte natürlich geklärt werden, welches Tier die Bibliothek am Besten oder einfach mit welchen Ausdeutungsmöglichkeiten symbolisiert: Eule oder Katze oder Ratte oder Wurm oder Fuchs oder Krokodil – und was das für Bibliotheken heißt.

Einreichungen

Die Redaktion der LIBREAS. Library Ideas ist offen für direkte Einreichungen, aber auch für die Diskussion von Ideen für Beiträge. Formen und Inhalt sind wenig beschränkt, diese Einschränkungen sind in den Hinweisen für Autor*innen (https://libreas.eu/authorguides/) zu finden.
Deadline ist der 31. August 2020.

Ihre / Eure Redaktion LIBREAS
(Aarhus, Berlin, Chur, Dresden, München)

„Open Research Data – Open your data for research”. Notizen zur Netzwerkveranstaltung von Open-Access-Büro Berlin und digiS am 21.10.2019

Posted in Veranstaltungsberichte by maxiki on 31. Januar 2020

von Ben Kaden (@bkaden) & Maxi Kindling (@maxi_ki)

Die Netzwerkveranstaltung “Open Research Data – Open your data for research” wurde im Rahmen der International Open Access Week 2019 gemeinsam von Open-Access-Büro Berlin und digiS im Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet. Sie war mit etwa 45 Teilnehmenden sehr gut besucht. Ziel der Veranstaltung war es, regionale und lokale Aktivitäten und Projekte in Berlin und Brandenburg mittels einer Posterpräsentation und durch Impuls-Beiträge sichtbar zu machen und die Akteure in einen Dialog zu bringen. Die Vernetzungsveranstaltung diente als Auftakt für eine Verstärkung der Aktivitäten des Berliner Open-Access-Büros im Themenfeld Forschungsdaten und damit einhergehend auch Kulturdaten. In der 2015 verabschiedeten Open-Access-Strategie für Berlin gehören Forschungsdaten und Kulturdaten neben wissenschaftlichen Textpublikationen zu den drei Schwerpunktthemen.

Forschungsdaten können prinzipiell alle Daten sein, die durch wissenschaftliche Tätigkeiten entstehen bzw. die für die wissenschaftliche Tätigkeit genutzt werden, so dass auch Kultur- und Verwaltungsdaten in den Call for Posters für die Veranstaltung eingeschlossen wurden:

“Es kann sich hierbei um Daten handeln, die im Forschungskontext entstanden sind, um Kulturdaten oder um Daten der öffentlichen Verwaltung, die für die Forschung von Interesse sein können. Die Datensammlungen sollten nach Möglichkeit alle Kriterien der Offenheit erfüllen: Finanziell, technisch und rechtlich uneingeschränkter Zugang sowie weitreichende Nutzungsmöglichkeiten.”

Eine erfreuliche thematische Breite von Aktivitäten und Projekten zu Forschungsdaten in Berlin und Brandenburg zeigte sich in der Sammlung von 15 Postern, die sowohl im Grimm-Zentrum präsentiert wurde als auch auf Zenodo veröffentlicht ist: Das Spektrum reicht vom “Berlin Open Data Portal” über offene Kulturdaten aus Brandenburger Museen bis hin zu Video- und Bilddaten aus wissenschaftlichen Projekten und Digitalisierungsmaßnahmen. Alle Poster der Sammlung „Open Research Data in Berlin und Brandenburg 2019“ können über Zenodo abgerufen werden.

Forschungsdaten sind traditionell nur begrenzt Teil des Publikationsoutputs in der Wissenschaft und als solche zudem in den Wissenschaftsdisziplinen und -feldern unterschiedlich weit verbreitet. Bereits die Datenveröffentlichung an sich ist oft eine Herausforderung für Forschende: Hier spielen datenschutzrechtliche oder ethische Bedenken ebenso eine Rolle wie fehlende Infrastrukturlösungen für eine adäquate Verbreitung oder die hohe technische Komplexität der Daten, die eine Beschreibung und Nachnutzung erschwert. Auch aus administrativer Sicht stellt die Frage “Wem gehören eigentlich die Daten?” Forschende vor Schwierigkeiten. Hinzu kommt, dass wir längst nicht mehr nur über die einfache Bereitstellung reden, sondern über verbindliche Qualitätsstandards sowie die Nachnutzbarkeit nach den Prinzipien der Offenheit und der FAIR-Prinzipien. Nicht zuletzt hängen Datenveröffentlichungen aber auch mit individuellen Motivationen und Bedenken sowie möglichen Anreizsystemen zusammen. Zugleich ist jedoch eine erhebliche Dynamik in diesem Bereich insbesondere auf der Nachfrageseite und damit auch eine Bedeutungsänderung für Forschungsdatenpublikationen in der Wahrnehmung wissenschaftlicher Tätigkeit festzustellen, wobei auch dies disziplinär sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. “Anreize” (Incentives), die über die Vorgaben von Wissenschaftspolitik, Forschungsförderern und Institutionen zur Datenveröffentlichung hinausgehen, wurden im Rahmen der Netzwerkveranstaltung als zentrales Thema für Open Research Data adressiert. Neben einem Warm-Up, zu dem die Teilnehmenden sich untereinander über die Bedeutung von verschiedenen Anreizen für das Teilen von (Forschungs-)Daten austauschten, gab es vier Impuls-Beiträge.

 

Open Data LOM (Dr. Evgeny Bobrov, Open Data and Research Data Management Officer am QUEST Center des Berlin Institute of Health)

Evgeny Bobrov vom QUEST Center des Berlin Institute of Health präsentierte den neuen und wegweisenden Ansatz Open Data LOM für Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC). Dahinter steht das Setzen eines Anreizes für die offene Publikation von Originaldaten über die interne sogenannte “Leistungsorientierte Mittelvergabe” (LOM). Die Charité führt damit als erste medizinische Fakultät Open Data als Leistungsindikator ein. Offene Datenpublikationen, die in Zeitschriftenartikeln von AutorInnen der beiden Einrichtungen aus den Jahren 2017-2019 verknüpft sind, werden mit Zusatzmitteln belohnt. Ermittelt werden diese Publikationen mit Hilfe eines Text-Mining-Verfahrens, das zur Nachnutzung bereitgestellt wurde. Es setzt also die technische Auffindbarkeit der Daten voraus, d.h. die Textveröffentlichungen müssen um ein maschinenlesbares Supplement angereichert sein. Die Open Data LOM wird auch auf einem der Poster beschrieben. Die etwa 50 AutorInnen von knapp 100 aufgefundenen referenzierten Originaldatensätzen erhielten in dieser Phase des Vorhabens jeweils rund 1000 Euro. Neben den technischen Voraussetzungen ergeben sich für das Verfahren weitere Herausforderungen wie u. a. die Definition von Mindestkriterien, die eine Forschungsdatenbereitstellung erfüllen muss, damit entsprechend Zusatzmittel zuerkannt werden. Die Abwägung, wie frei, offen oder FAIR ein Datensatz für wen bereitgestellt werden sollte, fällt auch deshalb schwer, weil besonders im medizinischen Bereich bereits aus rechtlichen (vor allem datenschutzrechtlichen) Gründen Forschungsdaten nicht breit publiziert werden können. Daher wird als Ausgleich das Data Sharing unter Peers als Option berücksichtigt. Generell wünscht man sich aber, die Vorgaben der FAIR-Prinzipien so umfassend wie eben möglich einhalten zu können.

Policies als Anreize? (Boris Jacob, Zentrum für Informationstechnologie und Medienmanagement, Universität Potsdam)

Boris Jacob vom Zentrum für Informationstechnologie und Medienmanagement (ZIM) der Universität Potsdam betrachtete in seinem Impuls-Beitrag die Rolle von Datenpolicies. Er betonte, dass Policies allein als Anreize nicht ausreichen. Sie setzen eher einen allgemeinen Rahmen als wirkliche Anreize. Wichtiger für die Motivation zum verstärkten offenen Publizieren von Forschungsdaten wäre eine Veränderung des Publikationsverhaltens bzw. der institutionellen Publikationskultur, wofür konkrete Steuerungsschritte und eine wirksame Strategie der jeweiligen Einrichtungen vorliegen müssen. Die Universität Potsdam hat im Rahmen des Projekts FD-Mentor ein Referenzmodell für Strategieprozesse im institutionellen Forschungsdatenmanagement entwickelt. Die Forschungsdaten-Policy der Universität Potsdam wurde im September 2019 frisch verabschiedet.

Öffnung von Kulturdaten (Philippe Genêt, Projektleitung Coding da Vinci)

Philippe Genêt von der Geschäftsstelle von Coding Da Vinci betrachtete Daten aus der Perspektive des Zugangs zu Kulturdaten. Openness meint für ihn Zugang zu diesen, um damit auch außerhalb konkreter wissenschaftlicher Arbeit eine Aktivierung, Nutzung und Mehrwerte zu erzeugen. Wichtig ist dabei – ähnlich wie in der Wissenschaft, aber doch aufgrund der Reichweite und Zielstellung des Ansatzes anders gelagert – die Datenqualität. Damit ist vermutlich auch ein allgemeingültiger Aspekt benannt: Offene Daten, die nutzbar sein sollen, benötigen notwendig eine Standardisierung und damit in Zusammenhang stehend eine Qualitätssicherung. Die entsprechende Aufbereitung und Qualitätssicherung bringt den datenliefernden Akteuren allerdings zunächst vor allem eines: viel Arbeit. Zugleich befürchten sie – abnehmend, aber nach wie vor ausgeprägt – mit der Öffnung ihrer Datenbestände einen Kontroll- und möglicherweise auch Deutungsverlust. Die Zurückhaltung auf diesem Feld bei der Bereitstellung offener Daten erklärt sich demnach aus der Sorge, die eigene Rolle und vielleicht auch Legitimierung der institutionellen Existenz zu schwächen und zugleich zusätzlich erheblich Aufwand investieren zu müssen. Gemeingutdiskurse haben dafür eine Antwort: Die abstrakte Gefahr beispielsweise einer ungewünschten Nutzung eines Datensatzes wird durch die tatsächliche Möglichkeit einer Vielzahl von neuen, konstruktiven, kreativen, die Kultur bereichernden Nutzungen maßgeblich aufgefangen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, diese An- und Einsicht in eine institutionell wirksame und rechtssichere Form zu übersetzen.

Datenpublikationen aus der Perspektive des Vorhabens NFDI4Culture (Prof. Dr. Dörte Schmidt, Professorin für Musikwissenschaft, Universität der Künste Berlin)

Möglicherweise relativieren sich solche Ängste durch eine stärkere Vernetzung und neue Formen der Kooperation, aus denen sich auch neue Rollenbilder und Aufgabenprofile ergeben. Die Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) können eine solche Entwicklung darstellen und abbilden. Dörte Schmidt, Professorin für Musikwissenschaft der Universität der Künste, präsentierte in diesem Zusammenhang Überlegungen aus dem beantragten NFDI-Konsortium NFDI4Culture. Sie plädiert nachdrücklich für eine überinstitutionelle Adressierung der Herausforderungen, zu denen freilich eine traditionell eher selbstbezogene Herangehensweise der Kulturinstitutionen auch an ihre Bestände zu überwinden wäre. Wichtig ist heute und auch für das Gelingen von Ansätzen wie der NFDI eine stärkere Orientierung auf die Vermittlung, die über reine Digitalisierungsschritte und eine Leseansicht für Digitalisate hinausreicht.

Lessons learned

In Gesprächen und Diskussionen im Kontext der Veranstaltung wurde deutlich, dass die gemeinsame Betrachtung von Kultur- und Verwaltungsdaten unter dem Begriff Forschungsdaten nicht immer selbstverständlich ist. Begriffliche Auseinandersetzungen sind demzufolge weiterhin ein wichtiger Aspekt für zukünftige Aktivitäten – gerade wenn es um die Vernetzung von Akteuren aus unterschiedlichen Domänen geht. Aus Perspektive der Öffnung von Daten mag man für eine diskursive Abgrenzung der drei Kategorien

  • Daten, die im Zuge wissenschaftlicher Vorhaben entstehen (in der Regel als “Forschungsdaten” bezeichnet),
  • Kulturdaten und
  • Verwaltungsdaten

unterscheiden. Mit Blick auf die Datennutzung war eine wichtige Botschaft dieser Veranstaltung, dass es nicht sinnvoll ist, Daten domänenspezifisch einzuhegen. Forschungsdaten sind per se gewissermaßen so neutral, dass sie aus unterschiedlichen Perspektiven und auch in heute noch unbekannten Nutzungskontexten für die Forschung relevant werden können. Gleichwohl sind die Entstehungsprozesse und damit eng verbunden die Maßnahmen zu ihrer Kuratierung in den Domänen sehr unterschiedlich und haben entsprechend Auswirkungen auf die Möglichkeiten ihrer Veröffentlichung.

Eine vierte Kategorie wäre mit den Industrie- bzw. Wirtschaftsdaten zu ergänzen, dürfte aber auf absehbare Zeit für eine offene Bereitstellung kaum eine Rolle spielen. Zugleich können jedoch Akteure der Wirtschaft (Stichworte: App-Entwicklung, Start-Ups) von offenen Daten aus anderen Domänen profitieren. Das Ideal der Nutzbarkeit und Nutzung offener Daten aller Domänen durch Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft ist tief in der Vision von Open Science verankert.

Die entscheidende Hürde ist und bleibt auch perspektivisch über alle Domänen hinweg das juristische Management von Forschungsdaten und Forschungsdatenpublikationen. Ein Rechtemanagement kann zwangsläufig nur vor dem Hintergrund aktueller Rechtslagen gestaltet werden. Diese ändern sich jedoch in der Zeit. Für die Langzeitverfügbarhaltung von Forschungsdaten – ebenso vermutlich auch für andere digitale Publikationsinhalte – sind Workflows und Lösungen zu entwickeln, die die Vereinbarkeit der Publikationen mit den jeweils geltenden Rechtslagen absichern. Eine standardisierte Lösung kann es nur temporär geben, weshalb Dörte Schmidt nachdrücklich für ein “flexibles Rechtemanagement” warb, das auch im Konsortium NFDI4Culture so berücksichtigt werden soll.

Für die Weiterentwicklung der Berliner Open-Access-Aktivitäten in Richtung Open Science sind viele Faktoren von Bedeutung, die sich im Rahmen der Vernetzungsveranstaltung zeigten: Ein Kulturwandel im Bereich der Forschungsdatenpublikation kann nur dann gelingen, wenn sich möglichst viele Forschende, Kulturtreibende und OA-Aktivist*innen der Verwaltung und Infrastruktur angesprochen fühlen, indem sie den Nutzen für die Gemeinschaft und das eigene Arbeiten erkennen. Anreize können hier wichtige Impulse setzen – die Etablierung von Anreizen und Reputationsmechanismen steht hier aber erst am Anfang. Verschiedene Ansätze müssen erprobt und vor allem sichtbar gemacht werden, so dass ihre Übertragbarkeit geprüft werden kann. Darüber hinaus werden Unterstützung in rechtlichen Fragen und möglichst umfassende und in den Forschungsprozess integrierte infrastrukturelle Services zur Veröffentlichung nach dem viel zitierten Ansatz: “Soviel wie möglich, so eingeschränkt wie nötig” benötigt, die die Datenprovinienzen und die Datenkulturen der Domänen und Disziplinen berücksichtigen. Der Austausch und die Vernetzung über Domänen und Disziplinen hinweg kann hier wechselseitig wichtige Anstöße und Ideen liefern.

Quellen

Senat von Berlin (2015): Open-Access-Strategie für Berlin. DOI: http://dx.doi.org/10.17169/refubium-26319

„Open Research Data in Berlin und Brandenburg 2019“. Poster Collection. https://zenodo.org/communities/oa-berlin-brandenburg-2019/

Hartmann, Niklas; Jacob, Boris & Weiß, Nadin (2019): RISE-DE – Referenzmodell für Strategieprozesse im institutionellen Forschungsdatenmanagement (Version 0.9). Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.2549343

Kip, Miriam; Bobrov, Evgeny; Riedel, Nico; Scheithauer, Heike; Gazlig, Thomas; Dirnagl, Ulrich (2019): Einführung von Open Data als zusätzlicher Indikator für die Leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) Forschung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. https://doi.org/10.5281/zenodo.3511191

Universität Potsdam: Forschungsdaten-Policy der Universität Potsdam. 25.09.2019. URL: https://www.uni-potsdam.de/de/forschungsdaten/richtlinien/universitaet/policy.html

Wilkinson et al. (2016): The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. In: Scientific Data 3 (2016). http://www.doi.org/10.1038/sdata.2016.18

 

 

 

Stipendium des LIBREAS-Vereins, Ausschreibung 2020

Posted in LIBREAS.Verein by Karsten Schuldt on 16. Dezember 2019

Um das Ziel des LIBREAS-Vereins zu unterstützen, die Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation, schreiben wir im Jahr 2020 ein offenes Stipendium aus. Angesprochen fühlen sollen sich alle Auszubildenden und Studierenden in bibliothekarischen und verwandten Fachgebieten sowie Kolleg*innen in Bibliotheken und bibliothekarischen Infrastruktureinrichtungen im gesamten DACH-Raum.

Die Höhe des Stipendiums beträgt 200 Euro, die verwendet werden können, um den Besuch einer fachlich relevanten Veranstaltung (Konferenz, Tagung etc.) zu ermöglichen (Fahrt, Unterkunft, Gebühren etc.), um eine Fortbildung zu besuchen oder anderweitig im Rahmen von Bibliotheken und Informationseinrichtungen u.ä. Wissen zu erwerben, zu generieren oder zu verbreiten. Das Stipendium soll im Jahr 2020 verwendet werden. Es soll im Idealfall einer Person zugute kommen, die sich ohne dieses die gewählte Aktivität nicht leisten könnte.

Das Bewerbungsverfahren ist offen für alle Personen, die im Bereich von Bibliotheken, Informationseinrichtungen und den betreffenden Wissenschaften tätig sind. Es ist ein kurzes Bewerbungsschreiben an den LIBREAS. Verein zu richten. Dieses soll enthalten: 

  • Eine kurze Vorstellung der*s Bewerber*in.
  • Für welche Aktivität um das Stipendium angefragt wird und warum genau für diese.
  • Die Motivation der*s Bewerber*in.

Die oder der Stipendiat*in verpflichtet sich zu Folgendem:

  • Einen Text, mit welchem sie oder er sich kurz im LIBREAS. Blog vorstellt. (Gerne auch der betreffende Teil aus dem Bewerbungsschreiben.)
  • Einen deutschsprachigen Beitrag für die folgende Ausgabe der LIBREAS. Library Ideas, welcher sich auf die unterstützte Aktivität bezieht, z.B. einen Tagungsbericht oder die Darstellung eines Themas, welche in der Weiterbildung behandelt wurde. Die Redaktion der LIBREAS steht gerne bereit, die Arbeit an diesem Beitrag mit Rat und Motivation zu unterstützen.

Die Bewerbung sollte bis zum 28. Februar 2020 per Mail an den Vereinsvorstand geschickt werden (mail@libreas-verein.eu). Die Auswahl der oder des Stipendiat*in findet anschließend zeitnah durch den Vereinsvorstand statt.

Vorstand des LIBREAS-Vereins, 16.12.2019

 

PS.: Das Stipendium wird hauptsächlich aus den regelmäßigen Beiträgen der Mitglieder des LIBREAS. Vereins getragen. (http://www.libreas-verein.eu/mitgliedschaftsantrag/) 2018 und 2019 wurde jeweils schon ein Stipendium vergeben.

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CfP #37: Forschung und Öffentliche Bibliothek

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 6. November 2019

Öffentliche Bibliotheken sind quicklebendig und in der Öffentlichkeit sehr präsent: über ihre hohe Nutzung, Neubauten, Förderprogramme, Selbstdarstellungen und sogar in Koalitionsverträgen. Berechtigt fordern BibliothekarInnen, dass auch Lehre und Forschung in Universität und Fachhochschulen Themen stärker berücksichtigen, die für Öffentliche Bibliotheken relevant sind. Wobei bei genauerer Betrachtung auffällt: Von einem Mehr an Forschung spricht man bisher weniger. 

Diese Ausgabe von LIBREAS. Library Ideas möchte ihren Anteil leisten, an dieser Stelle für mehr Sichtbarkeit zu sorgen. Dass der Anstoß dazu aus der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, also der Domäne der Forschung, kommt, ist Teil des Themas. Wir wollen wissen, woran es liegt, dass Forschung und Praxis so wenig zueinanderfinden. Oder finden sie doch öfter zusammen, als wir es wahrnehmen? Dann wollen wir ergründen, wie, durch wen, wo und warum offenbar so unauffällig.

Wir wollen das Thema über zwei Fragestellungen reflektieren:

  • Erstens über die Frage, wo, durch wen, wie und worüber Forschung für Öffentliche Bibliotheken stattfindet oder stattfinden soll?

  • Zweitens über die Frage, ob und wie Bibliotheken, also die Praxis, Forschungsergebnisse nutzen (können)?

Wir denken, dass ein erfolgreicher Austausch zwischen Bibliothekswissenschaft und Bibliothekspraxis allen Seiten hilft, relevanter, effektiver, stabiler zu werden. Das kann nur gelingen, wenn darüber offensiv und im offenen Dialog geredet und nachgedacht wird. 

In diesem Sinne suchen wir Beiträge für die Libreas Ausgabe #37, die Forschung für, zu, mit und über Fragestellungen aus den Öffentlichen Bibliotheken behandeln:

  1.   Beiträge zu einem aktuellen Forschungsprogramm für und zu Öffentliche(n) Bibliotheken:
    • Beiträge zu Forschungsprojekten, die beispielhaft neue Richtungen – inhaltlich oder methodisch – der Forschung für Öffentliche Bibliotheken demonstrieren (ÖB als Gegenstand empirischer oder sonstiger Forschung)
    • Beiträge, die die Öffentliche Bibliothek an übergeordnete sozial-, bildungs-, kultur- medien- oder kommunikationswissenschaftliche Theorien anbinden, oder die Bibliotheks-Phänomene mit diesen Theorien erklären (Öffentliche Bibliotheken als Gegenstand von Theoriebildung und Modellierung)
    • Beiträge zur Frage ob und wie sich heute Forschung für Öffentliche Bibliotheken noch von Forschung zu anderen Bibliothekstypen oder Informationsverhalten abgrenzen lässt
    • Beiträge zur Forschung über Bibliotheken sowie bibliotheksrelevante Forschung anderer Disziplinen als der Bibliothekswissenschaft (zum Beispiel in der Leseforschung)
    • Beiträge, die thematisieren, ob und wenn ja wie Bibliotheken selber forschend vorgehen oder vorgehen können.

 

  1.   Beiträge, die das Verhältnis von Öffentlicher Bibliothek und Forschung untersuchen, z. B.
    • Beiträge, die das Verhältnis des Berufsstands in Öffentlichen Bibliotheken zur Wissenschaft, und umgekehrt das Verhältnis der Bibliotheks- und InformationswissenschaftlerInnen zur Öffentlichen Bibliothek systematisch untersuchen. (Professionssoziologie der Öffentlichen Bibliothek und Wissenschaftssoziologie der Bibliotheks- und Informationswissenschaft)
    • Beiträge, die die real existierende Wissenschaft von der Öffentlichen Bibliothek in Deutschland in den Blick nehmen: Wie sieht die Forschung zu ÖBs heute aus, von der Bachelorarbeit über Forschungsprojekte aus der Berufspraxis bis zur Dissertation? Welche Schwerpunkte zeichnen sich ab, was fehlt?
    • Beiträge zum Thema „Was ist eigentlich Forschung und wo findet sie statt?“ oder: „Können MitarbeiterInnen an kleinen und mittleren ÖBs selbst forschen?” Hier bietet sich an, auch im DACH-Raum die Evidence Based Library and Information Practice zu thematisieren und zu überprüfen, ob diese einen Ansatz bieten kann.

 

Formalia

Für die Ausgabe #37 der LIBREAS. Library Ideas suchen wir Beiträge, die sich mit dem Themenbereich “Forschung für Öffentliche Bibliotheken” befassen – aus der bibliothekarischen Praxis und aus der Forschungspraxis. Innerhalb dessen sind die Formen, wie immer, offen: Berichte, Reflexionen, Utopien, Forderungslisten, Interviews und so weiter sind alle willkommen. 

Die Redaktion steht gerne für Themenvorschläge und Diskussionen über mögliche Beiträge zur Verfügung. 

Deadline für die Einreichungen ist der 01.03.2020.

 

Ihre / eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Chur, Dresden, Hannover, München)