LIBREAS.Library Ideas

CfP #39: Roboter und Automatisierung

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers, Uncategorized by libreas on 14. Oktober 2020

Kraftwerk (1978): Roboter: https://www.youtube.com/watch?v=5DBc5NpyEoo

HAL 9000 (1968): 2001. A Space Odyssey:: https://www.youtube.com/watch?v=ARJ8cAGm6JE 

Futurama Theme (2012): https://www.youtube.com/watch?v=QRk1s5Kf3aQ 

Zum 100-jährigen Jubiläum des Begriffs des “Roboters” will die Ausgabe #39 der LIBREAS. Library Ideas diese Arbeiter*innen sowie generell die fortschreitende Technisierung und Automatisierung in Bibliotheken in den Fokus rücken.

Denn am 25. Januar 1921 hatte in Prag Karel Čapeks Theaterstück R.U.R.Rossum’s Universal Robots [1] Premiere, das, in kürzester Zeit in viele Sprachen übersetzt, erfolgreich auf verschiedenen Bühnen der Welt gezeigt wurde und den Begriff des Roboters (zu dt. “Arbeiter”) in das globale Vokabular einführte. [2]

Der Einsatz der Roboter stieß zwar immer wieder auf Probleme, da die Anpassungs- und Orientierungs- und Interaktionsfähigkeit von Robotern schnell an ihre Grenzen stieß. Doch aufgrund der immer wieder verbesserten Technik wurde die Idee trotz regelmässigen Fehlschlägen nie aufgegeben und kehrt in verschiedenen Formen immer wieder zurück. Insbesondere seit die Robotik sich der Mensch-Maschine-Interaktion in der realen Welt, das heißt in natürlichen oder von und für Menschen optimierten Umwelten zugewandt hat, ist eine neue Dynamik entstanden. Aufgrund dieses Umdenkens in Richtung eines “morphologischen” Ansatzes sowie verbesserter Sensorik, Orientierung und Interaktion, sind eine neue Dynamik zu beobachten und weitere Entwicklungen in dieser Richtung zu erwarten. Das wirft jedoch bei aller technischen Begeisterung die alte Frage nach der Ersetzbarkeit menschlicher Arbeitskraft und intersubjektiver Kommunikation auf. Wollen wir Roboter – oder weitergedacht Automatisierung – in Bibliotheken? Welche Aufgaben können und sollen sie erfüllen? Und welche lieber nicht?


Bildnachweise: „Kraftwerk – The Robots“ by Simon Malz is licensed under CC BY-SA 2.0, „hal9000“ by cykocurt is licensed under CC BY-ND 2.0, „Bender’s Library Bender“ by libraryman is licensed under CC BY-NC-ND 2.0

Technisierung & Automatisierung

Die Automatisierung von Arbeitsprozessen durch Maschinen, Roboter oder auch Software verheißt die Erleichterung der Arbeit durch die Abnahme womöglich ungeliebter und eintöniger Tätigkeiten. Dahinter steht auch das Versprechen der Verbesserung der Qualität durch formalisierte, effektivere und effizientere Arbeitsprozesse. Doch ist dies wirklich der Fall?

Oftmals sind die Prozesse störungsanfällig, die Ergebnisse fehlerhaft und benötigen doch menschliches, manchmal sehr zeitaufwendiges Eingreifen, Nachjustieren und Korrigieren. Durch die Weiterentwicklung der Technik konnten aber bereits erfolgreiche Automatisierungsverfahren entwickelt werden.

Im Bereich der Dokumentation und Inhaltserschließung wurde frühzeitig mit automatischer Texterkennung und Abstracting experimentiert. Diese wird mittlerweile flächendeckend eingesetzt. Auch Tools für die automatische Übersetzung besitzen mittlerweile eine hohe Qualität und liefern nur noch, vergleichsweise und je nach Textsorte, wenig semantischen Unsinn, siehe DeepL. [3]

Der Einsatz von Software im Alltags- und Arbeitsleben (für die Erstellung von Texten, Bearbeiten von Bildern und vieles mehr) erzeugt in der Regel keine nennenswerten Bedenken, da die diskreten Prozesse jeglicher haptischer Erfahrung entbehren und die Nullen und Einsen im Hintergrund im Idealfall zuverlässig prozessieren.

Im Bibliotheksbereich beschäftigte man sich schon relativ früh mit dem möglich Einsatz von Automatisierung, Computern und Robotern, auch wenn diese Geschichte manchmal vergessen wird. Aber gerade im Bereich der Katalogisierung wurde und wird immer wieder, auch mit Rückschlägen, versucht, die Arbeit zu automatisieren – angefangen von Katalogen auf Lochkartenrechnern bis zu heutigen Versuchen der automatischen Indexierung.

Roboter

Maschinen und vor allem Roboter hingegen teilen unseren physischen Raum und können Unwohlsein und Ängste evozieren. Im Arbeitsleben entstehen dadurch Zukunftsängste, dass die eigene Arbeit von Maschinen übernommen werden könnte und der Mensch selbst zumindest als Arbeitskraft irgendwann überflüssig wird. Darüber hinaus ist der Aufstand der Maschinen ein beliebter Topos der Science-Fiction-Literatur, zahlreicher Utopien und Filme wie der legendäre HAL9000 in Stanley Kubricks 2001. Auch Čapek’s Stück R.U.R. ist dem zuzuordnen. In diesem Übernahme-Narrativ wenden sich die Roboter irgendwann gegen ihre Schöpfer, sei es durch einen technischen Fehler (Sicherung durchgebrannt oder Ähnliches) oder auch durch die Entwicklung eines Bewusstseins einer selbständigen Persönlichkeit, die beim ersten Aufblitzen des Egos oftmals unmittelbar in dem unbedingten Drang zur Weltherrschaft münden.Und selbst dann, wenn solche Geschichten keine dystopischen Züge tragen, werfen sie regelmäßig moralische Fragen auf, die über die reine Technikbeherrschung hinausgehen: Beispielsweise kommt oft die Frage, ob der Mensch die Roboter beherrschen soll, wenn sie selber denken können oder ob die Maschinen menschliche, irrationale Züge lernen sollen? Die Roboterethik ist sicher eine philosophisches Feld mit Zukunft.

Auch wenn die Erforschung und Entwicklung künstlicher Intelligenz bereits große Fortschritte gemacht hat, begegnen uns im Arbeitsleben bisher eher harmlose Zeitgenossen. Während sich in Bibliotheken automatisierte Verfahren, wie Automaten zur Rückgabe und zum Sortieren von Medien erfolgreich etabliert haben, werden Roboter nur vereinzelt eingesetzt.

Es existieren aber durchaus populäre und preisgekrönte Beispiele, wie der humanoide Roboter Wilma der TH Wildau [4] und „Hase und Igel“ [5] im Erwin Schrödinger Zentrum in Berlin-Adlershof.

Diese Roboter werden anthromorphisiert, indem sie sympathische Namen erhalten und werden als nützliche Helferlein durchweg positiv rezipiert.

Bots

Kurioserweise erfolgt in digitalen Kommunikationsräumen, also Social Media, oft eine diskursive Umkehrung dieses Effektes: Das menschliche Gegenüber wird im Streit abwertend zum “Bot” erklärt, zum rein automatisch als Werkzeug agierenden Element, das immer die selben Nachrichten aussendet. Auch in anderen Zusammenhängen verweist der Vergleich von Menschen mit Robotern auf ein seelenloses, oft gewissenloses Handeln nach einem Programm oder Befehl. Zugleich gibt es vor allem auf Twitter tatsächlich “Social Bots”, die automatisch Nachrichten jeder Art an trendende Hashtags anbinden. Abstrakt gesehen bilden Bots aber neben Algorithmen die Grundlage aller digitaler Kommunikationsgesellschaften, wie wir sie kennen. Jede Suchmaschine setzt auf Heerscharen von “Bots”, die das Internet automatisch auslesen. Marketingagenturen (und Verlage) setzen auf Mailing-Bots, die automatisch E-Mails verschicken und dabei möglichst variiert und geschickt menschliche Autorschaft simulieren sollen, weil sie sonst in die Spamordner gefiltert und ignoriert werden. Spambots kopieren Webseiten und generieren neue Internetpräsenzen. Bot-Armeen sind unterwegs, um diese zu identifizieren und zu melden. Schadbots agieren mit dem Ziel, die digitalen Systeme zu beschädigen, zu unterlaufen, zu zerstören. In Bot-Netzen (botnets) kommunizieren schließlich Bots miteinander und bilden eigene Kommunikationsstrukturen, in denen Menschen nur noch Impuls setzen oder für das Monitoring zuständig sind. Auch im Bibliothekswesen wurden und werden Bots, vor allem für die Kommunikation mit Nutzer/innen eingesetzt, sogenannten Chatbots. Frühe Anwendungsbeispiele hierfür waren „Ina“ [6] und „Stella“ [7], zwei weiblich zu lesende Hamburger Chatbots, die bereits 2007 in LIBREAS interviewt wurden. [8] Diese beiden dienstleistungsorientierten virtuellen Assistentinnen sind jedoch nicht mehr im Dienst.

Wenn wir im 21. Jahrhundert über Roboter reden, dann müssen wir auch über die codifizierte Form – denn diese Ro-Bots sind in ihrem Kern nur Code – und ihre Semiotik, also ihre gewollte und tatsächliche Bedeutung und Wirkung sprechen. 

Fragen

Die #39 der LIBREAS. Library Ideas sucht nun Texte und andere Beiträge, die sich mit den Themen Roboter, Automatisierung und Technisierung sowie Bots in physischen und digitalen Bibliotheken und anderen Organisationsformen der Wissensordnung auseinandersetzen. Dies können ganz konkrete Anwendungen sein, einer Software oder Prozessautomatisierung sowie auch reflexive Ansätze beinhalten, die Fragen behandeln wie:

  • Was kann man aus, auch gescheiterten Versuchen, der Automatisierung lernen?
  • Machen Automatisierung und Robotik das Leben und das Arbeiten in der Bibliothek besser?
  • Wurden konkret Ressourcen eingespart oder gar Arbeitsplätze abgebaut?
  • Sind die Roboter billige Arbeitskräfte / Ersatz (Čapek) oder werden sie anders gedacht / behandelt? Was kann Technik für Bibliotheken tun und wo muss man sie eventuell fürchten?

Einreichungen

Die Redaktion der LIBREAS. Library Ideas ist offen für direkte Einreichungen, aber auch für die Diskussion von Ideen für Beiträge. Formen und Inhalt sind wenig beschränkt, diese Einschränkungen sind in den Hinweisen für Autor*innen (https://libreas.eu/authorguides/) zu finden. Deadline ist der 30. April 2021.

Ihre / eure LIBREAS-Redaktion 

(Aarhus, Berlin, Hannover, Lausanne, München)

Der folgende englische Text des CfP wurden mit DeepL automatisch übersetzt und ist nicht menschlich nachbearbeitet.

Einreichungen werden in deutscher und englischer Sprache akzeptiert.

Fussnoten

[1] Karel Čapek, R.U.R. – Rossum’s Universal Robots, Aventinum: Prag 1920.

[2] Siehe Helmut Hauser und Sascha Freyberg, “Form und Technik. Das morphologische Paradigma der Robotik”, in: Morphologie als wissenschaftliches Paradigma (i.V. 2021).

[3] Siehe https://www.deepl.com/translator.

[4] Siehe https://www.th-wildau.de/hochschule/aktuelles/neuigkeiten/news/bibliotheksroboter-wilma-als-hochschulperle-ausgezeichnet/.

[5] Siehe https://www.esz.hu-berlin.de/de/bilder/hase-und-igel.

[6] Siehe https://www.chatbots.org/virtual_assistant/Ina/.

[7] Siehe https://www.sub.uni-hamburg.de/es/bibliotheken/projekte-der-stabi/abgeschlossene-projekte/chatbot-stella.html.

[8] Siehe Boris Jacob, Bastian Zeinert (2007): Fragen wird immer schöner. LIBREAS. Library Ideas, 8/9,  https://libreas.eu/ausgabe8/011jac.htm.


Englische Version:

CfP #39: Robots and automation

For the 100th anniversary of the term „robot“, issue #39 of LIBREAS. Library Ideas aims to focus on these workers and the increasing mechanisation and automation in libraries in general.

For on 25 January 1921 in Prague Karel Čapeks premiered the play R.U.R. – Rossum’s Universal Robots, which, translated into many languages in a very short time, was successfully shown on various stages around the world and introduced the concept of the robot (in English „worker“) into the global vocabulary.

Although the use of robots always encountered problems, because the ability of robots to adapt, orientate and interact quickly reached its limits, the concept of the robot was still in use today. However, due to constantly improving technology, the idea was never abandoned, despite regular failures, and returns again and again in various forms. Especially since robotics has turned to human-machine interaction in the real world, i.e. in natural environments or environments optimised by and for humans, a new dynamic has emerged. Due to this rethinking towards a „morphological“ approach as well as improved sensor technology, orientation and interaction, a new dynamic can be observed and further developments in this direction can be expected. However, despite all the technical enthusiasm, this raises the old question of the replaceability of human labour and intersubjective communication. Do we want robots – or more broadly speaking automation – in libraries? What tasks can and should they perform? And which ones would you rather not?

Technisation & Automation

The automation of work processes by machines, robots or even software promises to make work easier by removing possibly unloved and monotonous activities. Behind this is also the promise of improving quality through formalised, more effective and efficient work processes. But is this really the case?

Often the processes are prone to disruption, the results are flawed and yet they require human intervention, readjustment and correction, sometimes very time-consuming. However, the further development of technology has already made it possible to develop successful automation processes.

In the field of documentation and content indexing, experiments with automatic text recognition and abstracting were carried out at an early stage. This is now used throughout the country. Even tools for automatic translation are now of high quality and only deliver little semantic nonsense, comparatively and depending on the type of text, see DeepL.

The use of software in everyday and working life (for creating texts, editing images and much more) generally does not give rise to any significant concerns, as the discrete processes lack any haptic experience and ideally process zeros and ones reliably in the background.

In the library sector, the possible use of automation, computers and robots was dealt with relatively early on, even if this history is sometimes forgotten. But it is precisely in the field of cataloguing that attempts have been and continue to be made, even with setbacks, to automate work – from catalogues on punch-card computers to today’s attempts at automatic indexing.

Robots

Machines and especially robots, on the other hand, share our physical space and can evoke discomfort and anxiety. In working life, this gives rise to fears about the future, that our own work could be taken over by machines and that man himself, at least as a worker, will eventually become superfluous. Furthermore, the revolt of machines is a popular topos of science fiction literature, numerous utopias and films such as the legendary HAL9000 in Stanley Kubrick’s 2001. Čapek’s play R.U.R. can also be attributed to this. In this takeover narrative the robots turn against their creators at some point, whether through a technical error (fuse blown or similar) or through the development of a consciousness of an independent personality, which often leads directly to the unconditional urge for world domination when the ego first flashes up.and even when such stories do not have any dystopian traits, they regularly raise moral questions that go beyond the mere mastery of technology: For example, there is often the question of whether humans should dominate the robots if they can think for themselves, or whether the machines should learn human, irrational traits? Robot ethics is certainly a philosophical field with a future.

Even though research and development of artificial intelligence has already made great strides, we still encounter rather harmless contemporaries in working life. While automated procedures, such as automatic machines for returning and sorting media, have successfully established themselves in libraries, robots are only used sporadically.

There are, however, popular and award-winning examples, such as the humanoid robot Wilma from the Technical University of Wildau and „Hase und Igel“ in the Erwin Schrödinger Centre in Berlin-Adlershof.

These robots are anthromorphized by giving them likeable names and are consistently received positively as useful little helpers.

Bots

Strangely enough, in digital communication spaces, i.e. social media, this effect is often discursively reversed: the human counterpart is pejoratively declared a „bot“ in a dispute, a purely automatic element acting as a tool that always sends out the same messages. In other contexts, too, the comparison of humans with robots refers to a soulless, often unscrupulous action according to a program or command. At the same time, there are indeed „social bots“, especially on Twitter, who automatically link messages of all kinds to trendy hashtags. In the abstract, however, bots, along with algorithms, form the basis of all digital communication societies as we know them. Every search engine relies on hosts of „bots“ that automatically read the internet. Marketing agencies (and publishers) rely on mailing bots that automatically send out e-mails and are supposed to simulate human authorship in as varied and skilful a manner as possible, because otherwise they will be filtered into spam folders and ignored. Spambots copy websites and generate new websites. Bot armies are on their way to identify and report them. Malicious bots act with the aim of damaging, undermining, destroying digital systems. Finally, in botnets, bots communicate with each other and form their own communication structures in which people only set impulses or are responsible for monitoring. Bots have also been and continue to be used in libraries, especially for communication with users, so-called chatbots. Early application examples of this were „Ina“ and „Stella“, two Hamburg chat bots to be read by women, which were already interviewed in LIBREAS in 2007. However, these two service-oriented virtual assistants are no longer in service.

When we talk about robots in the 21st century, we must also talk about their codified form – because these ro-bots are only code at their core – and their semiotics, i.e. their intended and actual meaning and effect.

Questions

The #39 of the LIBREAS. Library Ideas is now looking for texts and other contributions that deal with the topics of robots, automation and mechanisation as well as bots in physical and digital libraries and other forms of organisation of the knowledge order. These can be very concrete applications, of software or process automation as well as reflective approaches that address questions such as:

  • What can be learned from automation, even failed attempts?
  • Do automation and robotics make life and work in the library better?
  • Have resources been saved or even jobs cut?
  • Are the robots cheap labour / replacement (Čapek) or are they thought / treated differently? What can technology do for libraries and where do you possibly have to fear it?

Submissions

The editorial office of LIBREAS. Library Ideas is open for direct submissions, but also for the discussion of ideas for contributions. There are few restrictions on form and content, these restrictions can be found in the notes for authors (https://libreas.eu/authorguides/). Deadline is 30 April 2021.

Your LIBREAS editorial office

(Aarhus, Berlin, Hannover, Lausanne, Munich)

The following English text of the CfP was automatically translated with DeepL and is not human-edited.

Submissions are accepted in German and English.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

Praxisleitfaden „Publikationsberatung an Universitäten“. Eine Kurzbesprechung.

Posted in LIBREAS.Rezension by Ben on 6. Juli 2020

Karin Lackner, Lisa Schilhan, Christian Kaier (Hg.): Publikationsberatung an Universitäten. Eine Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services. Bielefeld: transcript, 2020. ISBN: 978-3-8376-5072-3. 39,00 €

Online unter:
https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5072-3/publikationsberatung-an-universitaeten/

Begleitmaterialien:
https://doi.org/10.25364/publikationsberatung-materialien 

 

von Ben Kaden (@bkaden)

Cover Praxis Guide "Publikationsberatung an Universitäten" (transcript, 2020)

Cover Praxis Guide „Publikationsberatung an Universitäten“ (Bielefeld: transcript, 2020)

Es gibt wenige Verlage, die die Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens so engagiert in ihrem Programm aufgreifen wie der Bielefelder transcript Verlag. Der vor einigen Wochen erschienene Leitfaden für die Publikationsberatung an Universitäten spiegelt das doppelt – einerseits thematisch, andererseits auch in der Tatsache, dass neben der gedruckten Ausgabe auch eine Open-Access-Fassung als PDF und ePub zum Download bereitsteht und dass der gesamte Band als CC-BY 4.0 lizenziert ist. Offener geht es aktuell kaum.

Dass die Texte auch als Druckausgabe vorliegen, mag vielleicht auf den ersten Blick kontraintuitiv erscheinen. Es passt aber einerseits zum aktuellen Transformationsstand, in dem Print eben doch noch lebt und funktioniert andererseits erstaunlich gut, da es das Thema buchstäblich griffig macht. Das mag ein Indikator dafür sein, dass Print zumindest als Zweitform solcher Publikationen auch zukünftig leben wird, wenn Format und Satz stimmen und einen rezeptiven Mehrwert bieten. Hier das der Fall und es ist immer wieder erstaunlich, wie beruhigend die haptisch erfahrbare Fassung so eines “Alles-was-man-zum-Thema-wissen-muss”-Handbuchs wirkt. 

Die Beiträge stammen allesamt von Personen, die in der Infrastrukturcommunity teils bereits seit vielen Jahren aktiv und bekannt sind. Dies ist sicher auch der Grund, warum der Rundumblick auf das Thema alle derzeit aktuellen Aspekte zumindest benennt. Das Buch bildet einen Horizont von der Bibliometrie und dem Publikationsmonitoring über akademische soziale Netzwerke und des Marketings, Academic Search Engine Optimization (ASEO), Aspekte des Forschungsdatenmanagements, Verlagsverträge und naturgemäß viel Open Access wird präzise und stellenweise fast ein wenig sehr knapp ab. Im Detail finden sich sehr hilfreiche Einordnungen von aktuellen Leitthemen wie APC-Rabatten oder den Wirkungen von Plan S. Dazu kommen Erfahrungseinblicke vor allem aus der Universität Graz, von der die drei Herausgeber*innen stammen. Margo Bargheer steuert zudem eine historische Hinleitung vom Journal des Sçavans bis zum Enhanced Publishing und Open Science bei, die man Studierenden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft durchaus als Einführungstext zur Hand geben könnte. 

Entsprechend liegt mit dem Titel ein Handbuch vor, das aktuell die beste und kompakteste Anleitung zum Thema Publikationsberatung an Hochschulen sein dürfte und zwar nicht nur für den “Aufbau publikationsunterstützender Dienstleistungen” sondern auch für die Begleitung des Betriebs und Angebots solcher Dienste. Die Einleitung liefert zudem in kürzestmöglicher Form die Argumente, die man im Zweifel auch mal dem eigenen Präsidium vortragen kann, wenn man für die Einrichtung und den Ausbau solcher Dienste argumentieren muss. Die Ausgabe ist absolut auf der Höhe der Zeit, was zugleich immer auch ein wenig ein Dilemma darstellt. Denn Höhe der Zeit heißt Entwicklungs- und Transformationsstand 2020 und auch wenn der Wandel im wissenschaftlichen Publikationswesen oft vielen darin Aktiven immer noch zu behäbig erscheint, ist die Entwicklung doch rasant, so dass offen bleibt, wie lang die Halbwertszeit des Guides sein wird. Idealerweise erlebt er in der Zukunft regelmäßig eine Revision und Neuauflage. Ein Glossar wäre vielleicht noch ein zusätzliches Tüpfelchen auf dem i dieses Buches und seines Anliegens. 

Was man sich aus einer Metaperspektive zudem unbedingt ergänzend wünschte, wäre eine kritischere, gern informationsethische Reflexion. Aber es ist offensichtlich, dass dies nicht Gegenstand des vorliegenden Titels sein sollte und auch für des Zielszenario eines “Praxis Guides” nicht passend wäre. Es ist keine bibliothekswissenschaftliche Arbeit sondern eine Veröffentlichung, die für zwei Szenarien optimal passt: Erstens, wenn man in der Wissenschaftsinfrastruktur arbeitet und publikationsunterstützende Angebote auf- oder ausbauen möchte. Und zweitens, wenn man sich sehr leichtgängig einen Überblick über aktuelle praxisrelevante Themen und Schlagworte im Bereich der Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens verschaffen möchte. 

Stipendium des LIBREAS-Vereins 2020: Spenden statt Stipendium

Posted in LIBREAS.Verein by Karsten Schuldt on 12. Juni 2020

Der LIBREAS-Verein hatte auch für das Jahr 2020 ein Stipendium ausgeschrieben. Wie jedes Jahr wollten wir damit die Reise zu und die Teilnahme an Konferenzen oder Weiterbildungen unterstützen. (https://libreas.wordpress.com/2019/12/16/stipendium-des-libreas-vereins-ausschreibung-2020/)

Und wunderbarer Weise erreichten uns auch spannende Bewerbungen. Allein sie wurden von den aktuellen Ereignissen überholt. Die COVID-19-Pandemie unterband bekanntlich bereits die Reise in den nächsten Stadtbezirk. Daher entschieden wir uns, das Stipendium in diesem Jahr nicht zu vergeben und das dafür vorgesehene Geld an Akteure zu überweisen, die ebenfalls sehr in unserem Interesse handeln. 

 

Die 200 Euro, die für das Stipendium eingeplant waren, gingen je zur Hälfte

 

  1. an den Digitalcourage e.V. (https://digitalcourage.de), der sich für Datenschutz und digitale Grundrechte engagiert.
  2. an den Förderverein Gefangenenbüchereien e.V., der sich für die substantielle Verbesserung der Zugangs zu bibliothekarischen Angebot für Menschen in Haft einsetzt und unsere Spende voraussichtlich für ein bundesweites Pilotprojekt für E-Books in Haft in Berlin verwenden wird  (Kontakt: Förderverein Gefangenenbüchereien e.V., Gerhard Peschers, JVA Münster, Gartenstraße 26, 48147 Münster, Tel.: 0251 / 2374 – 116, E-Mail: kontakt@fvgb.de, Web: http://www.fvgb.de und http://www.libertree.eu/)

 

Nächstes Jahr wird es eine neue Ausschreibung geben. Und hoffentlich keine weitere Pandemie. Für dieses Jahr  hoffen wir, das richtige Signal für die aktuelle Situation gegeben zu haben. Und wir rufen natürlich alle, denen das möglich ist, dazu auf, Vereine zu unterstützen, die nicht nur, aber insbesondere auch in der jetzigen Krise so wichtige Arbeit für die Zivilgesellschaft zu leisten wie die beiden genannten.

 

Der Vorstand des LIBREAS-Vereins

Tagged with:

Call for Papers: #38 Tiere und Gewächse

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 3. März 2020

Bibliotheken sind weit belebter, als sie sich heute ohnehin schon nach außen darstellen. Manchmal im Mittelpunkt, aber oft praktisch unbeobachtet werden sie nicht nur von Menschen, Medien und Technik bevölkert, sondern auch von Tieren und Pflanzen. Die #38 der LIBREAS. Library Ideas möchte diese Mitbewohner*innen in den Fokus rücken.

Tiere

In einer ganzen Anzahl von Fällen werden Tiere explizit in Bibliotheken eingesetzt. Oft beschrieben findet man Hunde oder andere Tiere, die zur Leseförderung oder aber für den Stressabbau von Studierenden in die Bibliothek geholt werden. Die Nähe von Tieren spüren, Tiere berühren, durch ihre Anwesenheit Ruhe zu erfahren, hilft offenbar vielen Menschen in vielen Situationen. Eine weitere Facette ist eine Exotisierung von tiergetragenen mobilen Bibliothek (per Esel, Pferd oder Kamel) in Zeitungsgeschichten (Rubrik Vermischtes) und Social-Media-Stories.

Zugleich sind Bibliotheken selbst – gewünscht oder ungewünscht – Aufenthaltsraum von Tieren: Vögel, Katzen, Insekten, die sich im Bibliotheksraum einfinden, diesen als Lebensraum nutzen, und dabei teilweise ignoriert, teilweise bekämpft, teilweise gefördert werden. Und schließlich Mäuse und Ratten im Magazin oder Stadttauben auf den Dächern, die zumeist eher nicht erwünscht sind.

Ebenfalls weniger positiv gesehen, aber doch Teil der Bibliotheksarbeit aller Bibliotheken mit Magazin, sind Insekten und noch kleinere Lebewesen, welche sich in und an gedruckten Medien befinden und deren materielle Langzeitverfügbarkeit bedrohen. Es gibt Standardverfahren, mit diesen umzugehen, aber gleichzeitig auch immer wieder Geschichten von großangelegten Einsätzen zur Vernichtung derselben, die nicht nur beim Personal Ängste und Bedenken auslösen. Dafür, dass dies recht häufig passiert, wird es erstaunlich selten in der bibliothekarischen Literatur behandelt.

Am präsentesten sind Tiere freilich als Symbole: Leseratten, Bücherwürmer, Eulen, Füchse, Bibliothekskrokodile, die eine eigene Sonderrolle einnehmen. (Wenig überraschend gibt es auch bei uns in der Redaktion den nie endenden Streit zwischen Team Eule und Team Katze um das repräsentativste Bibliothekstier.) Das Bibliothekskrokodil schnappt dabei konzeptionell über den unmittelbaren Bibliotheksraum hinaus und erinnert an die berühmte Urfrage der Dokumentation: “Was ist ein Dokument?”, die Suzanne Briet in Bezug auf Tiere dahingehend beantwortet hat: Ein Tier in seinem Habitat ist das Tier. Im Zoo wird es zu einem dokumentarischen Bezugsobjekt. Was verdeutlicht, dass auch das Sammeln von Tieren, wie es in den Wunderkammern üblich war und heute oft in entsprechend spezialisierte Institutionen wie naturkundliche Museen verlagert wird, eine genuine Verwandtschaft zum Sammeln von Büchern hat. Tiere also als Zeugnisse, Wissensobjekte. Willkommen in der Faunothek.

Foto - Eine Katze namens Lisa inmitten von Büchern

Ein durchaus übliches Bild: Eine Katze inmitten von Büchern / Foto: Ben Kaden / Flickr / CC BY-NC 2.0

Blumen und Bäume und andere Pflanzen

Was für Tiere gilt, gilt auch für Pflanzen. Der Büro-Ficus im Verwaltungsbereich ist ohnehin gesetzt. Aber auch in den Nutzungsbereichen werden sie, und zwar nicht erst seit Bibliotheken sich als Dritte Orte verstehen, genutzt, um eine bestimmte Atmosphäre herzustellen. Bilder von Bibliotheken aus den 1970er Jahren zeigen beispielsweise immer wieder Blumen auf den Tresen. Andere Bibliotheken haben schon lange Zen-Gärten angelegt, kleine hängende Gärten als Raumteiler eingesetzt oder Lesecafés im Freien mit Bäumen, Sträuchern und Blumenbeeten ausgestattet. Die BnF hat sich einen kleinen Hain in den Innenhof gepflanzt.

In den letzten Jahren scheint sich das (wieder) zu verstärken: Erst im Anschluss an Urban Gardening und dann auch als eine mögliche Reaktion auf die Klimakatastrophe beschäftigen sich Bibliotheken damit, Gärten anzulegen und zu pflegen. Diese sollen unter anderem einen Lernraum bieten, um Wissen darüber zu verbreiten, wie überhaupt gegärtnert wird. Und auch eine Pflanze wird traditionell gern als Dokument und Sammlungsgegenstand verarbeitet. Man denke an Herbarien oder die berühmten Xylotheken.

Fragen

Die #38 der LIBREAS. Library Ideas sucht nun Texte und andere Beiträge, die sich mit den Pflanzen und Tieren in Bibliotheken beziehungsweise als Bezugsobjekte von Dokumentation und institutionalisierter Sammlungskultur befassen. Viele mögliche Fragen drängen sich auf: Wie gehen Bibliotheken mit anwesenden Tieren um? Werden sie eingesetzt, um bibliothekarische Arbeit zu unterstützen – und wenn ja, wie? Wieder einmal scheint dies ein Thema zu sein, das immer und immer wieder neu entdeckt und beschrieben wird – zum Beispiel alle paar Jahre eine Bachelorarbeit über Bibliothekshunde. Warum ist das so? Warum ist das nicht einfach langsam normaler Teil bibliothekarischer Arbeit?
Oder wozu werden Pflanzen genutzt? Wie? Wer pflegt eigentlich diese Pflanzen und Tiere? Oder werden sie eher als Problem angesehen, nicht nur, aber auch bei der Bestandserhaltung? Und wenn ja, wie wird dagegen vorgegangen? Aber auch Dokumentationen über die Tiere in einer Bibliothek wären interessant. Welche haben sich eine Bibliothek zum Lebensraum erkoren? Welche Tiere werden von Nutzenden in die Bibliothek mitgebracht? Und wie sammelt, erschließt und vermittelt man Tiere und Pflanzen?

Nicht zuletzt sollte natürlich geklärt werden, welches Tier die Bibliothek am Besten oder einfach mit welchen Ausdeutungsmöglichkeiten symbolisiert: Eule oder Katze oder Ratte oder Wurm oder Fuchs oder Krokodil – und was das für Bibliotheken heißt.

Einreichungen

Die Redaktion der LIBREAS. Library Ideas ist offen für direkte Einreichungen, aber auch für die Diskussion von Ideen für Beiträge. Formen und Inhalt sind wenig beschränkt, diese Einschränkungen sind in den Hinweisen für Autor*innen (https://libreas.eu/authorguides/) zu finden.
Deadline ist der 31. August 2020.

Ihre / Eure Redaktion LIBREAS
(Aarhus, Berlin, Chur, Dresden, München)

„Open Research Data – Open your data for research”. Notizen zur Netzwerkveranstaltung von Open-Access-Büro Berlin und digiS am 21.10.2019

Posted in Veranstaltungsberichte by maxiki on 31. Januar 2020

von Ben Kaden (@bkaden) & Maxi Kindling (@maxi_ki)

Die Netzwerkveranstaltung “Open Research Data – Open your data for research” wurde im Rahmen der International Open Access Week 2019 gemeinsam von Open-Access-Büro Berlin und digiS im Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet. Sie war mit etwa 45 Teilnehmenden sehr gut besucht. Ziel der Veranstaltung war es, regionale und lokale Aktivitäten und Projekte in Berlin und Brandenburg mittels einer Posterpräsentation und durch Impuls-Beiträge sichtbar zu machen und die Akteure in einen Dialog zu bringen. Die Vernetzungsveranstaltung diente als Auftakt für eine Verstärkung der Aktivitäten des Berliner Open-Access-Büros im Themenfeld Forschungsdaten und damit einhergehend auch Kulturdaten. In der 2015 verabschiedeten Open-Access-Strategie für Berlin gehören Forschungsdaten und Kulturdaten neben wissenschaftlichen Textpublikationen zu den drei Schwerpunktthemen.

Forschungsdaten können prinzipiell alle Daten sein, die durch wissenschaftliche Tätigkeiten entstehen bzw. die für die wissenschaftliche Tätigkeit genutzt werden, so dass auch Kultur- und Verwaltungsdaten in den Call for Posters für die Veranstaltung eingeschlossen wurden:

“Es kann sich hierbei um Daten handeln, die im Forschungskontext entstanden sind, um Kulturdaten oder um Daten der öffentlichen Verwaltung, die für die Forschung von Interesse sein können. Die Datensammlungen sollten nach Möglichkeit alle Kriterien der Offenheit erfüllen: Finanziell, technisch und rechtlich uneingeschränkter Zugang sowie weitreichende Nutzungsmöglichkeiten.”

Eine erfreuliche thematische Breite von Aktivitäten und Projekten zu Forschungsdaten in Berlin und Brandenburg zeigte sich in der Sammlung von 15 Postern, die sowohl im Grimm-Zentrum präsentiert wurde als auch auf Zenodo veröffentlicht ist: Das Spektrum reicht vom “Berlin Open Data Portal” über offene Kulturdaten aus Brandenburger Museen bis hin zu Video- und Bilddaten aus wissenschaftlichen Projekten und Digitalisierungsmaßnahmen. Alle Poster der Sammlung „Open Research Data in Berlin und Brandenburg 2019“ können über Zenodo abgerufen werden.

Forschungsdaten sind traditionell nur begrenzt Teil des Publikationsoutputs in der Wissenschaft und als solche zudem in den Wissenschaftsdisziplinen und -feldern unterschiedlich weit verbreitet. Bereits die Datenveröffentlichung an sich ist oft eine Herausforderung für Forschende: Hier spielen datenschutzrechtliche oder ethische Bedenken ebenso eine Rolle wie fehlende Infrastrukturlösungen für eine adäquate Verbreitung oder die hohe technische Komplexität der Daten, die eine Beschreibung und Nachnutzung erschwert. Auch aus administrativer Sicht stellt die Frage “Wem gehören eigentlich die Daten?” Forschende vor Schwierigkeiten. Hinzu kommt, dass wir längst nicht mehr nur über die einfache Bereitstellung reden, sondern über verbindliche Qualitätsstandards sowie die Nachnutzbarkeit nach den Prinzipien der Offenheit und der FAIR-Prinzipien. Nicht zuletzt hängen Datenveröffentlichungen aber auch mit individuellen Motivationen und Bedenken sowie möglichen Anreizsystemen zusammen. Zugleich ist jedoch eine erhebliche Dynamik in diesem Bereich insbesondere auf der Nachfrageseite und damit auch eine Bedeutungsänderung für Forschungsdatenpublikationen in der Wahrnehmung wissenschaftlicher Tätigkeit festzustellen, wobei auch dies disziplinär sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. “Anreize” (Incentives), die über die Vorgaben von Wissenschaftspolitik, Forschungsförderern und Institutionen zur Datenveröffentlichung hinausgehen, wurden im Rahmen der Netzwerkveranstaltung als zentrales Thema für Open Research Data adressiert. Neben einem Warm-Up, zu dem die Teilnehmenden sich untereinander über die Bedeutung von verschiedenen Anreizen für das Teilen von (Forschungs-)Daten austauschten, gab es vier Impuls-Beiträge.

 

Open Data LOM (Dr. Evgeny Bobrov, Open Data and Research Data Management Officer am QUEST Center des Berlin Institute of Health)

Evgeny Bobrov vom QUEST Center des Berlin Institute of Health präsentierte den neuen und wegweisenden Ansatz Open Data LOM für Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC). Dahinter steht das Setzen eines Anreizes für die offene Publikation von Originaldaten über die interne sogenannte “Leistungsorientierte Mittelvergabe” (LOM). Die Charité führt damit als erste medizinische Fakultät Open Data als Leistungsindikator ein. Offene Datenpublikationen, die in Zeitschriftenartikeln von AutorInnen der beiden Einrichtungen aus den Jahren 2017-2019 verknüpft sind, werden mit Zusatzmitteln belohnt. Ermittelt werden diese Publikationen mit Hilfe eines Text-Mining-Verfahrens, das zur Nachnutzung bereitgestellt wurde. Es setzt also die technische Auffindbarkeit der Daten voraus, d.h. die Textveröffentlichungen müssen um ein maschinenlesbares Supplement angereichert sein. Die Open Data LOM wird auch auf einem der Poster beschrieben. Die etwa 50 AutorInnen von knapp 100 aufgefundenen referenzierten Originaldatensätzen erhielten in dieser Phase des Vorhabens jeweils rund 1000 Euro. Neben den technischen Voraussetzungen ergeben sich für das Verfahren weitere Herausforderungen wie u. a. die Definition von Mindestkriterien, die eine Forschungsdatenbereitstellung erfüllen muss, damit entsprechend Zusatzmittel zuerkannt werden. Die Abwägung, wie frei, offen oder FAIR ein Datensatz für wen bereitgestellt werden sollte, fällt auch deshalb schwer, weil besonders im medizinischen Bereich bereits aus rechtlichen (vor allem datenschutzrechtlichen) Gründen Forschungsdaten nicht breit publiziert werden können. Daher wird als Ausgleich das Data Sharing unter Peers als Option berücksichtigt. Generell wünscht man sich aber, die Vorgaben der FAIR-Prinzipien so umfassend wie eben möglich einhalten zu können.

Policies als Anreize? (Boris Jacob, Zentrum für Informationstechnologie und Medienmanagement, Universität Potsdam)

Boris Jacob vom Zentrum für Informationstechnologie und Medienmanagement (ZIM) der Universität Potsdam betrachtete in seinem Impuls-Beitrag die Rolle von Datenpolicies. Er betonte, dass Policies allein als Anreize nicht ausreichen. Sie setzen eher einen allgemeinen Rahmen als wirkliche Anreize. Wichtiger für die Motivation zum verstärkten offenen Publizieren von Forschungsdaten wäre eine Veränderung des Publikationsverhaltens bzw. der institutionellen Publikationskultur, wofür konkrete Steuerungsschritte und eine wirksame Strategie der jeweiligen Einrichtungen vorliegen müssen. Die Universität Potsdam hat im Rahmen des Projekts FD-Mentor ein Referenzmodell für Strategieprozesse im institutionellen Forschungsdatenmanagement entwickelt. Die Forschungsdaten-Policy der Universität Potsdam wurde im September 2019 frisch verabschiedet.

Öffnung von Kulturdaten (Philippe Genêt, Projektleitung Coding da Vinci)

Philippe Genêt von der Geschäftsstelle von Coding Da Vinci betrachtete Daten aus der Perspektive des Zugangs zu Kulturdaten. Openness meint für ihn Zugang zu diesen, um damit auch außerhalb konkreter wissenschaftlicher Arbeit eine Aktivierung, Nutzung und Mehrwerte zu erzeugen. Wichtig ist dabei – ähnlich wie in der Wissenschaft, aber doch aufgrund der Reichweite und Zielstellung des Ansatzes anders gelagert – die Datenqualität. Damit ist vermutlich auch ein allgemeingültiger Aspekt benannt: Offene Daten, die nutzbar sein sollen, benötigen notwendig eine Standardisierung und damit in Zusammenhang stehend eine Qualitätssicherung. Die entsprechende Aufbereitung und Qualitätssicherung bringt den datenliefernden Akteuren allerdings zunächst vor allem eines: viel Arbeit. Zugleich befürchten sie – abnehmend, aber nach wie vor ausgeprägt – mit der Öffnung ihrer Datenbestände einen Kontroll- und möglicherweise auch Deutungsverlust. Die Zurückhaltung auf diesem Feld bei der Bereitstellung offener Daten erklärt sich demnach aus der Sorge, die eigene Rolle und vielleicht auch Legitimierung der institutionellen Existenz zu schwächen und zugleich zusätzlich erheblich Aufwand investieren zu müssen. Gemeingutdiskurse haben dafür eine Antwort: Die abstrakte Gefahr beispielsweise einer ungewünschten Nutzung eines Datensatzes wird durch die tatsächliche Möglichkeit einer Vielzahl von neuen, konstruktiven, kreativen, die Kultur bereichernden Nutzungen maßgeblich aufgefangen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, diese An- und Einsicht in eine institutionell wirksame und rechtssichere Form zu übersetzen.

Datenpublikationen aus der Perspektive des Vorhabens NFDI4Culture (Prof. Dr. Dörte Schmidt, Professorin für Musikwissenschaft, Universität der Künste Berlin)

Möglicherweise relativieren sich solche Ängste durch eine stärkere Vernetzung und neue Formen der Kooperation, aus denen sich auch neue Rollenbilder und Aufgabenprofile ergeben. Die Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) können eine solche Entwicklung darstellen und abbilden. Dörte Schmidt, Professorin für Musikwissenschaft der Universität der Künste, präsentierte in diesem Zusammenhang Überlegungen aus dem beantragten NFDI-Konsortium NFDI4Culture. Sie plädiert nachdrücklich für eine überinstitutionelle Adressierung der Herausforderungen, zu denen freilich eine traditionell eher selbstbezogene Herangehensweise der Kulturinstitutionen auch an ihre Bestände zu überwinden wäre. Wichtig ist heute und auch für das Gelingen von Ansätzen wie der NFDI eine stärkere Orientierung auf die Vermittlung, die über reine Digitalisierungsschritte und eine Leseansicht für Digitalisate hinausreicht.

Lessons learned

In Gesprächen und Diskussionen im Kontext der Veranstaltung wurde deutlich, dass die gemeinsame Betrachtung von Kultur- und Verwaltungsdaten unter dem Begriff Forschungsdaten nicht immer selbstverständlich ist. Begriffliche Auseinandersetzungen sind demzufolge weiterhin ein wichtiger Aspekt für zukünftige Aktivitäten – gerade wenn es um die Vernetzung von Akteuren aus unterschiedlichen Domänen geht. Aus Perspektive der Öffnung von Daten mag man für eine diskursive Abgrenzung der drei Kategorien

  • Daten, die im Zuge wissenschaftlicher Vorhaben entstehen (in der Regel als “Forschungsdaten” bezeichnet),
  • Kulturdaten und
  • Verwaltungsdaten

unterscheiden. Mit Blick auf die Datennutzung war eine wichtige Botschaft dieser Veranstaltung, dass es nicht sinnvoll ist, Daten domänenspezifisch einzuhegen. Forschungsdaten sind per se gewissermaßen so neutral, dass sie aus unterschiedlichen Perspektiven und auch in heute noch unbekannten Nutzungskontexten für die Forschung relevant werden können. Gleichwohl sind die Entstehungsprozesse und damit eng verbunden die Maßnahmen zu ihrer Kuratierung in den Domänen sehr unterschiedlich und haben entsprechend Auswirkungen auf die Möglichkeiten ihrer Veröffentlichung.

Eine vierte Kategorie wäre mit den Industrie- bzw. Wirtschaftsdaten zu ergänzen, dürfte aber auf absehbare Zeit für eine offene Bereitstellung kaum eine Rolle spielen. Zugleich können jedoch Akteure der Wirtschaft (Stichworte: App-Entwicklung, Start-Ups) von offenen Daten aus anderen Domänen profitieren. Das Ideal der Nutzbarkeit und Nutzung offener Daten aller Domänen durch Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft ist tief in der Vision von Open Science verankert.

Die entscheidende Hürde ist und bleibt auch perspektivisch über alle Domänen hinweg das juristische Management von Forschungsdaten und Forschungsdatenpublikationen. Ein Rechtemanagement kann zwangsläufig nur vor dem Hintergrund aktueller Rechtslagen gestaltet werden. Diese ändern sich jedoch in der Zeit. Für die Langzeitverfügbarhaltung von Forschungsdaten – ebenso vermutlich auch für andere digitale Publikationsinhalte – sind Workflows und Lösungen zu entwickeln, die die Vereinbarkeit der Publikationen mit den jeweils geltenden Rechtslagen absichern. Eine standardisierte Lösung kann es nur temporär geben, weshalb Dörte Schmidt nachdrücklich für ein “flexibles Rechtemanagement” warb, das auch im Konsortium NFDI4Culture so berücksichtigt werden soll.

Für die Weiterentwicklung der Berliner Open-Access-Aktivitäten in Richtung Open Science sind viele Faktoren von Bedeutung, die sich im Rahmen der Vernetzungsveranstaltung zeigten: Ein Kulturwandel im Bereich der Forschungsdatenpublikation kann nur dann gelingen, wenn sich möglichst viele Forschende, Kulturtreibende und OA-Aktivist*innen der Verwaltung und Infrastruktur angesprochen fühlen, indem sie den Nutzen für die Gemeinschaft und das eigene Arbeiten erkennen. Anreize können hier wichtige Impulse setzen – die Etablierung von Anreizen und Reputationsmechanismen steht hier aber erst am Anfang. Verschiedene Ansätze müssen erprobt und vor allem sichtbar gemacht werden, so dass ihre Übertragbarkeit geprüft werden kann. Darüber hinaus werden Unterstützung in rechtlichen Fragen und möglichst umfassende und in den Forschungsprozess integrierte infrastrukturelle Services zur Veröffentlichung nach dem viel zitierten Ansatz: “Soviel wie möglich, so eingeschränkt wie nötig” benötigt, die die Datenprovinienzen und die Datenkulturen der Domänen und Disziplinen berücksichtigen. Der Austausch und die Vernetzung über Domänen und Disziplinen hinweg kann hier wechselseitig wichtige Anstöße und Ideen liefern.

Quellen

Senat von Berlin (2015): Open-Access-Strategie für Berlin. DOI: http://dx.doi.org/10.17169/refubium-26319

„Open Research Data in Berlin und Brandenburg 2019“. Poster Collection. https://zenodo.org/communities/oa-berlin-brandenburg-2019/

Hartmann, Niklas; Jacob, Boris & Weiß, Nadin (2019): RISE-DE – Referenzmodell für Strategieprozesse im institutionellen Forschungsdatenmanagement (Version 0.9). Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.2549343

Kip, Miriam; Bobrov, Evgeny; Riedel, Nico; Scheithauer, Heike; Gazlig, Thomas; Dirnagl, Ulrich (2019): Einführung von Open Data als zusätzlicher Indikator für die Leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) Forschung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. https://doi.org/10.5281/zenodo.3511191

Universität Potsdam: Forschungsdaten-Policy der Universität Potsdam. 25.09.2019. URL: https://www.uni-potsdam.de/de/forschungsdaten/richtlinien/universitaet/policy.html

Wilkinson et al. (2016): The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. In: Scientific Data 3 (2016). http://www.doi.org/10.1038/sdata.2016.18

 

 

 

Stipendium des LIBREAS-Vereins, Ausschreibung 2020

Posted in LIBREAS.Verein by Karsten Schuldt on 16. Dezember 2019

Um das Ziel des LIBREAS-Vereins zu unterstützen, die Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation, schreiben wir im Jahr 2020 ein offenes Stipendium aus. Angesprochen fühlen sollen sich alle Auszubildenden und Studierenden in bibliothekarischen und verwandten Fachgebieten sowie Kolleg*innen in Bibliotheken und bibliothekarischen Infrastruktureinrichtungen im gesamten DACH-Raum.

Die Höhe des Stipendiums beträgt 200 Euro, die verwendet werden können, um den Besuch einer fachlich relevanten Veranstaltung (Konferenz, Tagung etc.) zu ermöglichen (Fahrt, Unterkunft, Gebühren etc.), um eine Fortbildung zu besuchen oder anderweitig im Rahmen von Bibliotheken und Informationseinrichtungen u.ä. Wissen zu erwerben, zu generieren oder zu verbreiten. Das Stipendium soll im Jahr 2020 verwendet werden. Es soll im Idealfall einer Person zugute kommen, die sich ohne dieses die gewählte Aktivität nicht leisten könnte.

Das Bewerbungsverfahren ist offen für alle Personen, die im Bereich von Bibliotheken, Informationseinrichtungen und den betreffenden Wissenschaften tätig sind. Es ist ein kurzes Bewerbungsschreiben an den LIBREAS. Verein zu richten. Dieses soll enthalten: 

  • Eine kurze Vorstellung der*s Bewerber*in.
  • Für welche Aktivität um das Stipendium angefragt wird und warum genau für diese.
  • Die Motivation der*s Bewerber*in.

Die oder der Stipendiat*in verpflichtet sich zu Folgendem:

  • Einen Text, mit welchem sie oder er sich kurz im LIBREAS. Blog vorstellt. (Gerne auch der betreffende Teil aus dem Bewerbungsschreiben.)
  • Einen deutschsprachigen Beitrag für die folgende Ausgabe der LIBREAS. Library Ideas, welcher sich auf die unterstützte Aktivität bezieht, z.B. einen Tagungsbericht oder die Darstellung eines Themas, welche in der Weiterbildung behandelt wurde. Die Redaktion der LIBREAS steht gerne bereit, die Arbeit an diesem Beitrag mit Rat und Motivation zu unterstützen.

Die Bewerbung sollte bis zum 28. Februar 2020 per Mail an den Vereinsvorstand geschickt werden (mail@libreas-verein.eu). Die Auswahl der oder des Stipendiat*in findet anschließend zeitnah durch den Vereinsvorstand statt.

Vorstand des LIBREAS-Vereins, 16.12.2019

 

PS.: Das Stipendium wird hauptsächlich aus den regelmäßigen Beiträgen der Mitglieder des LIBREAS. Vereins getragen. (http://www.libreas-verein.eu/mitgliedschaftsantrag/) 2018 und 2019 wurde jeweils schon ein Stipendium vergeben.

Tagged with: ,

CfP #37: Forschung und Öffentliche Bibliothek

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 6. November 2019

Öffentliche Bibliotheken sind quicklebendig und in der Öffentlichkeit sehr präsent: über ihre hohe Nutzung, Neubauten, Förderprogramme, Selbstdarstellungen und sogar in Koalitionsverträgen. Berechtigt fordern BibliothekarInnen, dass auch Lehre und Forschung in Universität und Fachhochschulen Themen stärker berücksichtigen, die für Öffentliche Bibliotheken relevant sind. Wobei bei genauerer Betrachtung auffällt: Von einem Mehr an Forschung spricht man bisher weniger. 

Diese Ausgabe von LIBREAS. Library Ideas möchte ihren Anteil leisten, an dieser Stelle für mehr Sichtbarkeit zu sorgen. Dass der Anstoß dazu aus der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, also der Domäne der Forschung, kommt, ist Teil des Themas. Wir wollen wissen, woran es liegt, dass Forschung und Praxis so wenig zueinanderfinden. Oder finden sie doch öfter zusammen, als wir es wahrnehmen? Dann wollen wir ergründen, wie, durch wen, wo und warum offenbar so unauffällig.

Wir wollen das Thema über zwei Fragestellungen reflektieren:

  • Erstens über die Frage, wo, durch wen, wie und worüber Forschung für Öffentliche Bibliotheken stattfindet oder stattfinden soll?

  • Zweitens über die Frage, ob und wie Bibliotheken, also die Praxis, Forschungsergebnisse nutzen (können)?

Wir denken, dass ein erfolgreicher Austausch zwischen Bibliothekswissenschaft und Bibliothekspraxis allen Seiten hilft, relevanter, effektiver, stabiler zu werden. Das kann nur gelingen, wenn darüber offensiv und im offenen Dialog geredet und nachgedacht wird. 

In diesem Sinne suchen wir Beiträge für die Libreas Ausgabe #37, die Forschung für, zu, mit und über Fragestellungen aus den Öffentlichen Bibliotheken behandeln:

  1.   Beiträge zu einem aktuellen Forschungsprogramm für und zu Öffentliche(n) Bibliotheken:
    • Beiträge zu Forschungsprojekten, die beispielhaft neue Richtungen – inhaltlich oder methodisch – der Forschung für Öffentliche Bibliotheken demonstrieren (ÖB als Gegenstand empirischer oder sonstiger Forschung)
    • Beiträge, die die Öffentliche Bibliothek an übergeordnete sozial-, bildungs-, kultur- medien- oder kommunikationswissenschaftliche Theorien anbinden, oder die Bibliotheks-Phänomene mit diesen Theorien erklären (Öffentliche Bibliotheken als Gegenstand von Theoriebildung und Modellierung)
    • Beiträge zur Frage ob und wie sich heute Forschung für Öffentliche Bibliotheken noch von Forschung zu anderen Bibliothekstypen oder Informationsverhalten abgrenzen lässt
    • Beiträge zur Forschung über Bibliotheken sowie bibliotheksrelevante Forschung anderer Disziplinen als der Bibliothekswissenschaft (zum Beispiel in der Leseforschung)
    • Beiträge, die thematisieren, ob und wenn ja wie Bibliotheken selber forschend vorgehen oder vorgehen können.

 

  1.   Beiträge, die das Verhältnis von Öffentlicher Bibliothek und Forschung untersuchen, z. B.
    • Beiträge, die das Verhältnis des Berufsstands in Öffentlichen Bibliotheken zur Wissenschaft, und umgekehrt das Verhältnis der Bibliotheks- und InformationswissenschaftlerInnen zur Öffentlichen Bibliothek systematisch untersuchen. (Professionssoziologie der Öffentlichen Bibliothek und Wissenschaftssoziologie der Bibliotheks- und Informationswissenschaft)
    • Beiträge, die die real existierende Wissenschaft von der Öffentlichen Bibliothek in Deutschland in den Blick nehmen: Wie sieht die Forschung zu ÖBs heute aus, von der Bachelorarbeit über Forschungsprojekte aus der Berufspraxis bis zur Dissertation? Welche Schwerpunkte zeichnen sich ab, was fehlt?
    • Beiträge zum Thema „Was ist eigentlich Forschung und wo findet sie statt?“ oder: „Können MitarbeiterInnen an kleinen und mittleren ÖBs selbst forschen?” Hier bietet sich an, auch im DACH-Raum die Evidence Based Library and Information Practice zu thematisieren und zu überprüfen, ob diese einen Ansatz bieten kann.

 

Formalia

Für die Ausgabe #37 der LIBREAS. Library Ideas suchen wir Beiträge, die sich mit dem Themenbereich “Forschung für Öffentliche Bibliotheken” befassen – aus der bibliothekarischen Praxis und aus der Forschungspraxis. Innerhalb dessen sind die Formen, wie immer, offen: Berichte, Reflexionen, Utopien, Forderungslisten, Interviews und so weiter sind alle willkommen. 

Die Redaktion steht gerne für Themenvorschläge und Diskussionen über mögliche Beiträge zur Verfügung. 

Deadline für die Einreichungen ist der 01.03.2020.

 

Ihre / eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Chur, Dresden, Hannover, München)

Libraries4Future ruft auf zur Teilnahme an der Klima-Demonstration am 20.9.2019 und der Klima-Woche vom 21.–27.9.!

Posted in Hinweise, LIBREAS.Verein, Uncategorized by maxiki on 12. September 2019

Der Klimawandel und damit zusammenhängende Effekte stellen unsere Gesellschaft vor dringlichste und schwierige Aufgaben L4F_rund(1)in Gegenwart und Zukunft. Wir alle sind gefordert, unseren Beitrag zu leisten.
Bibliotheken müssen sich zum Schutz des Klimas als wichtige Akteurinnen in die Debatte und durch aktives Handeln einbringen!

Wir rufen alle Bibliothekar*innen, Bibliothekswissenschaftler*innen, Bibliotheksleiter*innen, Auszubildende in Bibliotheken und Studierende der Bibliotheks- und Informationswissenschaft auf, am 20.9. an der Klimademonstration teilzunehmen! Am 20. September tagt das Klimakabinett der Bundesregierung und am 23. September findet der Climate Action Summit der UN statt. Hier wird die Klimapolitik der Zukunft bestimmt. Deshalb: Gehen Sie mit uns Seite an Seite mit der Fridays-for-Future-Bewegung und vielen Klima-Aktiven am 20.9. auf die Straße als ein Zeichen für die Politik, dass wir von ihnen eine ehrgeizigere Umsetzung der Klima-Ziele erwarten.

Machen Sie als Bibliotheken ein öffentlichkeitswirksames Event daraus: Nehmen Sie Ihre Nutzer mit zur Demonstration. Seien Sie ein Teil von Libraries4Future und zeigen Sie Engagement für unser Klima: am 20.9. auf der Straße und während der weltweiten Klimawoche #week4climate vom 21.‑27.9. in Ihren Bibliotheksveranstaltungen!

Gern begrüßen wir Sie auch in Berlin als

Hauptdemonstrationsort von Libraries4Future:

Termin: 20.9., 11:00 Uhr

Ort: Treffpunkt vor dem Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum (Geschwister-Scholl-Straße 1/3, 10117 Berlin; Nähe S-Bhf. Friedrichstraße). Wir gehen dann gemeinsam zum Brandenburger Tor.

Stellvertretende Unterzeichner*innen für Libraries4Future:

Ben Kaden, Maxi Kindling (= Stellvertretend für den Vorstand „LIBREAS. Verein zur Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation“)

Patricia Fasheh, Jens A. Geißler, Andrea Kaufmann, Tim Schumann, Janet Wagner (= Mitglieder des Vereins „Netzwerk Grüne Bibliothek“),

Kontaktadresse Libraries4Future: info ( at ) libraries4future.org

Informieren Sie sich gern in den sozialen Medien:
https://twitter.com/hashtag/Libraries4Future?src=hash /
https://www.facebook.com/NetzwerkGrueneBibliothek/
https://fridaysforfuture.de/week4climate/#post-18620
https://www.klima-streik.org/

Studien zur Nutzung von Bibliotheken in Frankreich

Posted in LIBREAS.Rezension by Karsten Schuldt on 11. September 2019

Karsten Schuldt

Zu: Yolande Maury; Susan Kovacs; Sylvie Condette (dir.). Bibliothèques en mouvement. Innover, fonder, pratiquer de nouveaux espaces de savoir. (Information – Communication). Villeneuve d’Ascq : Presse universitaires du Septentrion, 2018

 

Von 2013 bis 2015 gab es in Frankreich Forschungsmittel für zwei soziologisch / ethnologische Projekte zur Nutzung von Bibliotheken (Wissenschaftliche, Öffentliche und „centres de documentation et d’information”, CDI – die französischen Formen von Schulbibliotheken) durch Nutzer*innen und Bibliothekar*innen. Die Projekte wurden von Forschenden verschiedener Universitäten in zahlreichen Unterprojekten und vor allen in Gemeinden um Paris und Marseille durchgeführt. Im Band „Bibliothèques en mouvement” wurden im letzten Jahr die Ergebnisse dieser Untersuchungen vorgelegt. Gründe für die Verzögerung sind nicht ersichtlich, aber sie ist dennoch relevant, da in den letzten Jahren bekanntlich weitere Entwicklungen in Technologie, Medien und gewiss auch französischen Bibliotheken stattfanden.

Einige Schwachstellen des Buches

Ebenso nicht ersichtlich ist die Rolle, die Bibliotheken in diesen Forschungen spielten – wurden sie nur untersucht oder hatten sie selber Anteil daran, dass die Projekte überhaupt zustande kamen? Das ist nicht unwichtig. Die Hauptthese des Buches ist, dass es ungefähr seit dem Jahr 2000 sowohl in Medien und Technologie als auch in Bibliotheken zu massiven Veränderungen gekommen sei. Die Studien sollen erfassen, wie die Bibliotheken in der neuen Medien- und Technologielandschaft funktionieren. Aufhänger für viele der Unterprojekte sind „Learning Centre”, welche in diesen Jahren in französischen Bibliotheken eingerichtet wurden, sowohl in Universitäten als auch in Schulen, wo sie zur Modernisierung (der schon in den 1970ern als moderne Bibliotheksform eingerichteten und in den 1990ern, unter anderem durch eine eigene Ausbildung des Personals als „professeur documentaliste”, professionalisierten) CDI genutzt wurden. Es ist, um das vorwegzunehmen, ein Problem des Buches, diese Veränderungen überhaupt nicht zu zeigen (dazu sind ethnologische und interpretative Methoden, die in den Studien verwendet wurden, vielleicht auch nicht geeignet), sondern aus Policy-Dokumenten und Darstellungen von Bibliothekar*innen abzuleiten. Es ist nicht klar, ob dies von Bibliotheken motiviert wurde oder ob die Forschenden von sich aus diese Vorstellungen entwickelt haben. Es ist zumindest ein Schwachpunkt, da die Studien immer Momentaufnahmen zeigen, aber behaupten, daraus auch Entwicklungen ableiten zu können.

Eine weitere Schwierigkeit mit dem Buch ist wohl, dass es – aus guten Gründen – eingebunden ist in französische akademische Denkstrukturen. Immer wieder wird auf französische Philosophie und Ethnologie zurückgegriffen, aber wenig erläutert. Das macht das Buch nicht unlesbar, aber Vorwissen über diese Denktraditionen ist von Vorteil für das Verständnis der Diskussionen in ihm. Einige Texte – vor allem eher philosophische Reflexionen über die Veränderung von Wissen im digitalen Zeitalter –, die wenig zum eigentlich Thema des Buches beitragen, sind wohl nur aus diesen akademischen Traditionen zu verstehen.

Der Blick von aussen auf Bibliotheken

Dabei soll nicht der Eindruck erzeugt werden, dass das Buch unnötig oder durchgängig problematisch wäre. Beachtet man seine Grenzen, dann ist es beachtlich. Zuerst ist es bemerkswert, dass überhaupt solche Studien finanziert wurden. Das wäre im DACH-Raum nicht zu erwarten. Interessant auch, dass sich Forschenden aus anderen Bereichen – und gerade nicht aus der bibliothekarischen Fachhochschule enssib (École nationale supérieure des sciences de l’information et des bibliothèques) – fanden, welche zu dieser Frage forschen wollten. Gerade letzteres ist auch eine Stärke der Studien, da hier Forschende ohne den Wunsch, unbedingt etwas positives (oder negatives) über Bibliotheken beweisen zu wollen, ihre Methoden anwandten, um zu klären, wie Bibliotheken genutzt werden. (Dabei zeigen sie auch gleichzeitig, dass sie die Bibliotheken sehr wohl als relevante Einrichtungen wahrnehmen.)

Die angewandten Methoden sind letztlich nicht sehr zahlreich: Es wurden viele Interviews geführt, Beobachtungen durchgeführt, Photos und Pläne als Artefakte erstellt und ausgewertet, Umfragen durchgeführt und zudem wurde – wie schon gesagt – zum Teil auf philosophische Theorien zurückgegriffen. Das ist alles in der Bibliotheksforschung nicht vollkommen neu, aber doch eindrucksvoll, diese versammelt zu sehen. Offensichtlich, so zeigt das Buch, sind die Methoden wirklich geeignet, Bibliotheken zu untersuchen. Hingegen sind die untersuchten Bibliothekstypen – wie ebenso schon erwähnt – divers. Auch wurde darauf geachtet, nicht etwa nur Metropolbibliotheken zu untersuchen, sondern eher solche in den Vorstädten und kleineren Gemeinden, die wohl besser „normale” Bibliotheken repräsentieren.

Nutzung der Bibliotheken: Gut, aber unaufregend

Während das Buch selber davon ausgeht, dass Veränderungen stattfanden, zeigen die Untersuchungen selber eine weniger aufregende Nutzung der Bibliotheken. Yolande Maury berichtet zum Beispiel von einer Studie über relativ neu eingerichtete Learning Centre in Universitäten. Es wurde vor allem die Raumaufteilung und die Raumnutzung beobachtet. Alle Centre wurden so eingerichtet, dass es laute und leise Zonen gäbe, denen spezifische Funktionen, die teilweise für die Bibliotheken neu sein sollen, zugeschrieben wurden. Die Zonen waren immer so angeordnet, dass sich die lauten in der Nähe des Eingangs befänden. Gleichwohl wurden die Learning Centre nicht so genutzt: In allen gab es eine sichtbare Nutzung, aber vor allem eine sehr ruhige. Trotz all der Zonen und anderen Angebote arbeiteten die Studierenden hauptsächlich ruhig und für sich alleine. Sie richteten Arbeitsplätze halb privat ein, indem sie diese mit eigenen Materialien, Mänteln und Taschen für sich markierten. (Etwas, was auch in anderen Studien in anderen Ländern mehrfach beobachtet wurde.)

Isabelle Fabre und Cécile Gardiès untersuchten die Nutzung eines Learning Centre, welches in einem CDI eingerichtet wurde (als eigener, einigermassen flexibel zu nutzender Raum) und stellten fest, dass die Schüler*innen diesen je nachdem nutzen, welche Aufgaben sie zu erfüllen hatten und dabei vor allem mit eigenen Materialien – nicht den Medien des CDI – arbeiteten. Gleichzeitig begriffen sie das Learning Centre nicht als gesonderte Einheit, sondern als Teil des CDI. Letzteres zeigt auch Sylvie Condette, die in neuen Schulen untersuchte, wie dort die Learning Centre wahrgenommen werden: Nicht viel anders als die CDI oder Bibliotheken selber auch, als sichere Räume und Rückzugsorte zum Arbeiten und Lernen.

Personal

Ein Fokus, der vielleicht so nicht eingenommen worden wäre, wären nicht Forschende von ausserhalb der Bibliotheken bestimmend gewesen, ist der des Personals. Untergründig ist dessen Einstellung zu den postulierten Veränderungen in verschiedenen Texten zu finden, explizit wurde es in zwei Teilprojekten untersucht (vorgestellt wieder von Yolande Maury und Sylvie Condette): Welche Veränderungen im professionellen Selbstbild des Personals und welche Ängste gibt es? Auch hier sind die Aussagen nicht eindeutig. Usus ist, dass Veränderungen stattfinden, aber sowohl welche als auch wie diese bewertet werden sollten, ist nicht klar. Der technologische Wandel wird genannt und als Fakt akzeptiert, aber gleichzeitig wird auf weiterlebende Werte und eine sich zum Teil wenig wandelnde reale Nutzung verwiesen. Gerade die zweite Studie stellt unter anderem eine grosse Unzufriedenheit und mangelhafte Kommunikation zwischen Leitung und Personal fest, die als grösseres Problem erscheint, als die konkreten Veränderungen.

Fazit: Unklar

So unklar wie diese Ergebnisse ist dann auch das Fazit des Buches: Es gibt Veränderungen, aber diese sind nicht wirklich greifbar. Während es einfach ist, anzugeben, was sich technologisch seit dem Jahr 2000 entwickelt hat und welche Bibliotheken wie umgebaut wurden, ist es offenbar viel schwerer, dies für die konkrete Nutzung von Bibliotheken (und Learning Centre) zu sagen. Sie werden positiv wahrgenommen und auch genutzt, aber viel weniger „aktiv”, laut, innovativ als vielleicht zu erwarten wäre. Sicherlich, gerade in den Schulen war die Einrichtung von Learning Centres eine von oben herab angestossene Entwicklung (wie sollte es Frankreich auch anders sein), aber doch immer in lokalen Ausprägungen. Vielleicht wurden so Veränderungen in der Nutzung von Bibliotheken antizipiert, die nicht eingetreten sind. Gleichzeitig zeigen die Studien aber auch, dass Learning Centre und andere neu eingerichtete Bibliotheken – mit den gleichen Grundideen wie im DACH-Raum, inklusive dem „3. Ort”, der nicht wirklich greifbar definiert werden kann – auch nicht schlecht genutzt werden. (Auch das gilt nicht nur für Frankreich, sondern findet sich auch in anderen Staaten wieder.)

Das Buch ergänzt also gut das Wissen über die Nutzung von Bibliotheken aus einem französischen Blickwinkel. Nicht ganz zielführend scheine die eher philosophischen Beiträge, welche eher ein Nachdenken über „Wissen” weitertreiben, dabei aber in einer eigenen, französischen Tradition verbleiben, die zum Beispiel informationswissenschaftliche Debatten aus anderen Staaten überhaupt nicht zu beachten scheinen. Es geht in ihnen eher um eine angebliche „Verflüssigung” des Wissens im Digitalen.

5 Fragen zur Nachhaltigkeit von Forschungsinfrastrukturen

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers by Ben on 10. Juli 2019

Die Ausgabe #36 LIBREAS. Library Ideas wird den Schwerpunkt „Nachhaltigkeit von Forschungsinfrastruktur” haben. Für diese Ausgabe suchen wir Beiträge, die ergründen, wie Infrastrukturen für die Forschung so geschaffen, unterhalten und weiterentwickelt werden können, dass sie auch wirklich nachhalten – sie also über einen längeren Zeitraum, unter sich ändernden Bedingungen, Zuständigkeiten oder für sie verantwortliche Personen, für Forschung beziehungsweise von Forscher*innen nutzbar sind.

Wie üblich suchen wir sowohl Berichte aus der Praxis als auch theoretische Auseinandersetzungen verschiedener Form (Essays, Arbeitsberichte, Abschlussarbeiten usw.). Einen Überblick zu geplanten Ausgabe gibt der Call for Papers im LIBREAS-Blog.

Symbolbild Infrastruktur (Straßenszene Burgstraße, Berlin-Mitte, 2019)

Symbolbild Infrastruktur:  Leitungen, Wasserversorgung, das Berliner Straßenpflaster und weitere übliche Zubehörelemente der mobilen und dauerhaften städtischen Raumorganisation – ein Straßenbild in der Burgstraße, Berlin-Mitte, 2019 (Foto: Ben Kaden / Flickr, CC BY 2.0)


Ergänzend möchten wir wieder fünf Fragen stellen und damit kurze Einblicke zusammentragen. (ähnlich zur Rubrik in der Ausgabe #33 Ortstermin). Dafür wünschen wir uns von möglichst vielen Betreiber*innen, Entwickler*innen und Mitarbeiter*innen von Forschungsinfrastrukturen Antworten auf die folgenden fünf Fragen. 

  • An welcher Einrichtung sind Sie tätig und welche Art von Forschungsinfrastruktur wird an ihr betrieben bzw. genutzt? (Mehrfachnennungen möglich)
  • Wie ist das Finanzierungsmodell für diese Forschungsinfrastruktur(en) gestaltet?
  • Welche Rolle spielt Kollaboration mit anderen Einrichtungen für Betrieb und Weiterentwicklung der Forschungsinfrastruktur(en)?
  • Welche Rolle spielen freie Lizenzen und andere Kriterien offener Wissenschaft in diesem Zusammenhang?
  • Ist die Forschungsinfrastruktur aus Ihrer Sicht nachhaltig? Warum (nicht)? Falls nicht: Was fehlt, um den nachhaltigen Betrieb abzusichern?

Bildmaterial ist ebenfalls willkommen; es sollte sich allerdings um eigene oder frei lizenzierte Bilder handeln, die eine Nachnutzung bei LIBREAS nach der bei uns üblichen Standardlizenz auch ermöglichen. 

Wir freuen uns über Antworten an redaktion@libreas.eu bis zum 15.10.2019. Die Beiträge werden gesammelt in der Ausgabe 36 erscheinen und damit – so die Hoffnung – einen Überblick über eine Vielfalt von Projekten und Initiativen sowie Herausforderungen und Lösungen aus der Praxis geben.

(red)