LIBREAS.Library Ideas

Die Geologisierung der Medientheorie.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 30. Januar 2015

Eine kurze Besprechung zu: Jussi Parikka: The Anthrobscene. Minneapolis: University of Minnesota Press. 2014. (Angaben zum Titel beim Verlag)

von Ben Kaden (@bkaden)

Eine buchstäblich globale Perspektive auf die Folgen der Digitalisierung eröffnet eine schmale Publikation des Medientheoretikers Jussi Parikka, die unlängst bei der Minnesota University Press erschien und den wortverspielten Titel The Anthrobscene trägt. Das  „eröffnet” bezieht sich darauf, dass sie als eine Art ausgelagerte Vorthematisierung (die Reihe heißt Forerunners: Ideas First) der für das Frühjahr angekündigten Band A Geology of Media (Verlagsseite) fungiert und bereits vorab in einige zentrale Thesen dieser kommenden Mediengeologie einführt.

Die Idee einer Geologisierung der Medienwissenschaft ist nicht neu. Parikka zitiert John Durham Peters mit dessen naturwissenschaftlichen Verortung der Kommunikationstheorie (oder eben der kommunikationstheoretischen Verortung naturwissenschaftlicher Ansätze):

 „Both geology and astronomy face the problem of belated reception, interpreting messages that come posthumously, as it were, after long delays. Both sciences are always also media studies; they necessarily study not only content, but signal and channel properties as well (this is also true of quantum physics).” (Peters)

Die Biologie und bei Parikka zweifelsohne in der Konkretisierung zur Zoologie (vgl.Parikka, 2010) Werden wir konkreter, werden auch die Chemie und die Materialkunde plötzlich sehr relevant für unsere Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation. (vgl. Parikka, 17)

Der Ansatz Parikkas in Anthrobscene ist also dahingehend außerordentlich interessant, dass er etwas ins Zentrum rückt, was Medien- und insbesondere Digitalisierungsdiskurse gern ausblenden und in eine abstrakte Blackbox auslagern: die Materialität, die Digitalität überhaupt ermöglicht. Wie auch in den sozialen Transformationen zeichnen sich medientechnische Transformationen durch ein erhebliche Steigerung der zu bewältigenden materialien Komplexität aus. Parikka zitiert in seiner Arbeit (S.15) den Aufsatz „On the materials basis of modern society“ dessen Autoren mit der Auskunft eröffnen:

„A century ago, or even half a century ago, less than 12 materials were in wide use: wood, brick, iron, copper, gold, silver, and a few plastics. Today, however, substantial materials diversity in products of every kind is the rule rather than the exception. [A modern computer chip, for example, employs more than 60 different elements[…].“ (Graedel et al, S.1)

Die stoffliche Seite moderner Kommunikationstechnologien, die, wie Parikka herausarbeitet, derzeit eine metallische ist, weist weit darüber hinaus, was bisweilen bei der Betrachtung der Hardware als materiale Bedingung des Digitalen im Mittelpunkt steht. („Hardware perspectives are not necessarily hard enough […]“, Parikka17) Hier geht es um erdgeschichtliche Dimensionen. Der Möglichkeit des Data Mining geht immer Minentreiben in die Rohstoffstöcke voraus.

Die Folgen der Digitalisierung reichen diesbezüglich über Partikularaspekte mit nicht zuletzt bemerkenswert metaphorischer Tiefe im Sinne der Beschreibung Benjamin Brattons:

„how we carry small pieces of Africa in our pockets, referring to the role of, say coltan in digital media technologies.” (Parikka, 37)

hinaus. Die Obszönisierung des Anthropozäns, also der Erdperiode, in der Mensch und die Folge seines Handelns als Hauptprägekraft des Planeten wirkt (und gewirkt haben wird), ergibt sich laut Parikka aus der ethisch und politisch höchst fragwürdigen Rücksichtslosigkeit, mit der die metallischen Grundlagen digitaler Technologie in der Regel bar jeder nachhaltigen Perspektivplanung abgebaut, benutzt und entsorgt werden. (vgl. Parikaa, 6) Für die Umwelt in vielerlei Hinsicht (potentiell) schädlich – Stichworte u.a.: „planned obsolescence of electronic media, the energy costs of digital culture, and, for instance, the neocolonial arrangements of material and energy extraction across the globe“ – und damit die Lebensgrundlagen von Menschen bzw. der Menschheit bedrohend, sind die derzeitigen Handlungspraxen im Hintergrund der Digitalisierung unmoralisch. Das gilt insbesondere für die Bedingungen, unter denen die „Bröckchen Afrika”, also die so genannten Konfliktmineralien, gewonnen werden.

Cover "The Anthrobscene"

Jussi Parikka:  The Anthrobscene.

Berücksichtigt man dies, wirkt es erstaunlich, wie randständig im öffentlichen Diskurs die Auswirkungen der Digitalisierung aus einer umweltpolitischen Perspektive verhandelt werden. Und auch in den mit den Transformationsprozessen beschäftigten Wissenschaftszweigen inklusive der Bibliothekswissenschaft findet sich wenig Engagement oder überhaupt Bewusstsein gegenüber der Prozesskette, die der orts- und zeitunabhängigen Vermittelung menschlicher Kommunikation und des Datenhandel(n)s vorausgeht (und nachfolgt). Was man derzeit unter Green-IT versteht, bezieht sich vor allem auf das Energiemanagement, wenngleich sich in Verlautbarungen des BMBF und auch in der Digitalen Agenda der Bundesregierung, „etwa durch weitere Zertifizierungen und die Anregung zur freiwilligen Selbstverpflichtung in der Wirtschaft“ einige zaghaft gelegte Spuren zu entdecken sind. Dominiert wird diese Green-IT-Debatte bisher freilich durch die Frage der Energieeffizienz, was am Ende jedoch nur einer von zwei zentralen Aspekten dessen ist, was im Zusammenhang der digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien auf das Geosystem zurückwirkt. Sicher ist, dass diese Transformation der Informationsverarbeitung und Kommunikation in die Erde erheblich eindringt und letztlich in gewisser Weise zu dieser wird:

„The earth is a machine of variation, and media can live off variation – but both earth and media are machines that need energy and are tied together in their dynamic feedback loop. Electronic waste is an example of how media feeds back to earth history and future fossil times.” (29)

Die Erde selbst fungiert in dieser Schleife sowohl als Materialspeicher („the future landscape of media technological fossils”, 44) wie auch als Zeitspeicher also als Basis (ferner) zukünftiger Wissenschaft, die an eine Perspektive des 19. Jahrhunderts anschließt:

„processes of transmission and recording are already present in the earth itself, a vast library waiting to be deciphered.” (27)

Fast also könnte man vermuten, dass weitaus länger als die digitalen Inhalte ihre Temporärträger und deren Materialität Zeugnis über unsere Kultur geben werden. Wir graben derzeit all das aus und ein, was als Sediment zukünftigen Archäologien, die als diszplinäre Idee natürlich selbst Medienwissenschaften sind, Rückschlüsse auf die Art des menschlichen Lebens im frühen 21. Jahrhundert ermöglicht. Sofern das in dieser Zukunft noch jemanden interessiert.

(Berlin, 30.01.2015)

Quellen

E. Graedel, E. M. Harper, N. T. Nassar, Barbara K. Reck (2013) On the materials basis of modern society. In: PNAS 2013 : 1312752110v1-201312752. DOI:   10.1073/pnas.1312752110

John Durham Peters (2003) Space, Time, and Communication Theory. In: Canadian Journal of Communication. Vol. 28, No. 4

Jussi Parikka (2010) Insect Media. An Archaeology of Animals and Technology. Minneapolis: University of Minnesota Press

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Kunst, Bibliothek und Medienwandel. Eine Sichtung aktueller Publikationen.

Posted in LIBREAS.Feuilleton, LIBREAS.Referate by Ben on 19. Mai 2013

von Ben Kaden

I

Heike Gfrereis, Ellen Strittmatter (Hrsg.) Zettelkästen : Maschinen der Phantasie. Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft, 2013.

Es ist nicht unbedingt neu, dass sich Künstler_innen aus diversen Perspektiven dem Phänomen Bibliothek nähern. Aber aus der Sicht derer, für die die Bibliothek nicht nur Ort oder Gegenstand müßiger Lohnarbeit ist, sondern die aus welchem aberwitzigen Grund auch immer eine Kammer ihres Herzens für dieses Kulturobjekt freigeräumt haben, ist dieser zumeist dekonstruierende Blick in der Regel hochinteressant.

Diese Menschen fahren ihrer Leidenschaft gemäß extra nach Marbach, um sich die exzellente Zettelkastenschau anzusehen, die vielleicht weniger das Label Kunst offen trägt, aber genau die Funktion erfüllt, die gute Kunst eben auch erreicht: durch Zusammenführen, Verschieben und Darstellen (oder Weglassen) von Material oder (wenn es Literatur ist) Sprache, Zwischenräume zu öffnen, die sonst verschlossen blieben, durch die sinnliche Aufladung einen Eindruck, ein Gefühl hervorzurufen, hinter das man nie wieder zurückgelangt und das nach und nach zu einem differenzierterem und reicherem Weltbild zu gelangen hilft.

Nun sind die in der Ausstellung Zettelkästen. Maschinen der Fantasie gezeigten, geöffneten und  eben tatsächlich dekonstruktiv eröffneten Objekte, die Kästen Hans Blumenbergs, Friedrich Kittlers, Peter Rühmkorfs, Arno Schmidts, Walter Benjamins, selbstverständlich Niklas Luhmanns sowie einiger weiterer Vertreter der deutschen Geisteselite die Ausstellung, etwas entfernt vom klassischen bibliothekarischen Zettelkatalog. Das verbindende Element ist einzig die Formähnlichkeit.

Jedoch weisen die Exponate einen viel zeitgenössischeren Bezug zur Bibliothek auf. Denn sie nehmen in aller Konsequenz und Verästelung die Idee der semantischen Netze, auf die Digitale Bibliotheken hinarbeiten, und den Gedanken des Hypertextes, aus dem Digitale Bibliotheken geformt werden, mit mechanischen Mittel voraus. W.G. Sebalds Gesichter-Index ist eine Prä-Tumblr-Sammlung von Fundfotos. Walter Kempowskis „Weltkrieg II“-Kartei ist ein nahezu idealtypischer Material-Mash-Up.  Von Hermann Hesses Postkarten-Kartei ist es nicht weit zu einer FOAF-Struktur. Siegfried Kracauers Sammlung zu Jaques Offenbach und dem Paris seiner Zeit nimmt schließlich fast ein wenig das Geospacing vorweg.

Was aber deutlich wird, ist, wie diese schöpferischen Zettelkästen immer gerichtet zumindest begonnen werden – je nach Disziplinen erweitern sie sich bisweilen zum reinen Selbstzweck – immer das Ziel verfolgen, eine enorme Informationsmenge zu strukturieren und beherrschbar zu machen. Die Flexibilität des Mediums Zettelkasten ist auch heute noch beeindruckend oder vielleicht umso mehr, da man sieht, wie so vieles, was heute als Innovation offeriert wird, schon an anderer Stelle mit unglaublicher Konsequenz durchgespielt wurde. Zugleich wird sichtbar, wie Komplexität und Eigensinn des Mediums die Ordnungsversuche immer wieder durchbrechen, wie die Zettelkästen dazu neigen, die, die sie pflegten, zu binden und zu beherrschen. Mehr noch als die Bandbreite der Möglichkeiten des Einsatzes von Zettelleien ist diese Macht des Mediums und seiner Struktur über die Inhalte und die sie nutzenden Menschen das Eindrucksvolle, das man aus der Marbacher Schau als Erinnerung mitnimmt.

Wer sich mit semantischen Netzen über einen schematischen Durchprogrammierwunsch beschäftigt, erhält aus diesem Blickwinkel außerdem einen ganzen Stapel Karteikarten als Inspiration zum Überdenken der eigenen Selbstverständlichkeiten. Aus dieser Perspektive gelingt der Ausstellung das, was man von Kunst idealerweise erwarten kann.

Wer es verpasst, verpasst zwar etwas, aber es ist ja nichts verloren. Denn Friedrich Kittler, der sich von den angesprochenen Zettelkästlern vermutlich am klarsten und bewusstesten mit der Medialität und der Transformation von Medialität befasste, antwortete in einem Interview in seinem Todesjahr 2011 mit der WELT am Sonntag auf die Frage „Erwartet uns eine Edition der gesammelten Festplatten?“

„Ich habe versucht, zumindest die Dateien aufzuheben. Aber die meisten alten CDs sind jetzt kaputt. Meine Zettelkästen dagegen stehen noch hier im Nebenzimmer. Mit Schreibmaschine verfasst, ganz ordentlich geführt.“ (zitiert nach dem besprochenen Band ,S.50)

Wenn also die Dateien alle zu unbezahlbaren Problemfällen der digitalen Langzeitarchivierung geworden sind, wird Friedrich Kittlers Mondfarbensammlung noch problemlos in einem kühlen Archivkeller konsultierbar sein. Der Katalog zur Ausstellung ist dagegen leider, und das ist wirklich der einzige Knackpunkt, so unglücklich klebegebunden, dass er sich nach einer intensiven Lektüre leider buchstäblich selbst verzettelt. Hier hätte man buchgestalterisch wenigsten den Bogen zu einem Karteikartennormformat schlagen können, damit es dem Leser möglich wird, die Seiten dem Prinzip der Maschinen der Fantasie folgend in einem eigenen Kasten neu zu ordnen.

Besprochene Bücher / Mai 2013

Von links nach rechts: Die erste Ausgabe des Bulletins of the Serving Library (sh. IV), der Marbacher Ausstellungskatalog (I) und Sara MacKillops Ex-library Book (III). Die New York Times (II) bekommt man selbst in Berlin gedruckt nur noch als Print-on-Demand.

II

Susan Hodara: An Old Technology, Transformed. ‘Artists in the Archives,’ at Greenburgh Public Library in Elmsford. In: New York Times / nytimes.com. 18.05.2013, Volltext

Wäre der Aufwand nicht so hoch, böte sich als Ergänzung die Reise in die im Vergleich zu Marbach am Neckar noch unscheinbarere Stadt Elmsford, New York an. Denn in der dortigen öffentlichen Bibliothek zeigt man bis zum September eine Ausstellung Artists in the Archives: A Collection of Card Catalogs, die sich weniger aus Gründen des persönlichen Kreativmanagements und mehr zum Zweck der Kreativität selbst mit Katalogkästen und –karten auseinandersetzt. Da Berlin aber doch selbst für das Pfingstwochenende zu weit vom Staate New York entfernt liegt, kann an dieser Stelle nur auf den gestern in der New York Times erschienenen Artikel verwiesen werden. Als Symptom für die Praxis der künstlerischen Annäherung an Medialität und Eigenschaften der Bibliothek eignet er sich allemal, auch wenn er nur wenig zeigt von Carla Rae Johnsons Alternet-Installation, der Arbeit einer Künstlerin, die bereits vor zwei Jahrzehnten recht kurios die Beziehung von Bibliothek und Beton auslotete.

Immerhin zwei Trends für die Kunst mit Bibliotheksbezug werden auch so deutlich: Re-Use, also die in diesem Fall rekontextualisierende Nachnutzung von an sich obsoleten Materialien und zweitens, wie im Fall des von der Fotografin JoAnne Wilcox angestoßenen Call to Everyoneeine partizipations-orientierte Kunstpraxis, wie sie auch bei der im vergangenen Jahr abgehaltenen Berlin Biennale für Zeitgenössische Kunst im Zentrum stand und dort so halb erfolgreich war. (Ich jedenfalls habe mit großer Freude zwei Bögen von Khaled Jarrars Briefmarken-Arbeit in die Welt verteilt. vgl. auch hier)

Von der Web-Anmutung her wirken die Arbeiten ästhetisch freilich sehr anders als die Auguststraßen-Galerie-Kultur. Andererseits ist es auch gar nicht schlecht, einmal nicht in dieser überpolierten Präsentationsästhetik zu schwimmen und die heute etwas eigenartig wirkenden Navigationsbuttons auf Barbara Pages Book Marks– und Buchkunstprojektpräsentation sollten nicht unbedingt von der Arbeit selbst ablenken.

III

Sara MacKillop: Ex-Library Book. Kopenhagen: Pork Salad Press, 2012, Informationsseite beim Verlag

Mehr von Berlin geprägt ist die Arbeit der britischen Künstlerin Sara MacKillop, allerdings eher kreuzbergisch und zwar deshalb weil ihr Ex-library Book in einer Anzeigenkunstaktion an der Normaluhr unweit der Amerika-Gedenkbibliothek (etwa dort, wo die Glitschiner Straße zum Halleschen Ufer wird) in den öffentlichen Raum leuchten durfte. Das Projekt Ex-library Book  beschäftigt sich mit dem Hauptproblem materialorientierter Bibliotheken, nämlich der Aussonderung, die, so der Beschreibungstext zum Clock-Tower-Projekt eine ganze kleine Industrie am Leben hält:

„Manilla book tickets (green or buff), cross ruled catalogue cards (punched), accession sheets (pack of 500), Sinclair display units (1200mm), and self­inking mini date stamps… an industry exists to support analogue archival processes with products that are new but lack newness, already tinged with obsolescence.”

Vielleicht wäre die Idee der Meta-Materialien um das ausgesonderte Buch herum noch origineller fokussierbar. Aber Sara MacKillop entschied sich anders und versammelt in ihrer Publikation zum Thema eine sehr gemischte Abbildung von Spuren, Illustrationen, Flecken und Stempeln, die zweifellos irgendwie mit ausgesonderten Titeln in Verbindung stehen. (LIBREAS selbst hatte einmal eine ähnliche Reihe, allerdings e-only: Ben Kaden: Aussonderungsvermerke. 16 fotografische Variationen über ein Thema. In: LIBREAS 10/11, 2007)  Auch der Zettelkatalogkasten findet in dieser Pin-Wand-artigen Kollektion seine Würdigung.

Die Publikation selbst ist leicht bibliothekssubversiv angehaucht. Jedenfalls deutet die Projekterläuterung auf eine solche Überdrehung:

„An affirmation of a negation: an advertisement for something which is described by what it is no longer; a deadpan statement not of intent but of conflicting ideologies. Exactly what it says it is and not some awful pun; the Ex­library Book is difficult to place.”

Diese an sich sehr originelle Volte wirkt leider in der Publikation nicht so ganz markerschütternd umgesetzt – schlicht weil sich die kleine Arbeit kaum in Bibliotheksbestände verirren wird. Die Kongelige Bibliotek in Kopenhagen immerhin fand für den Titel jedenfalls anstandslos und unkompliziert die passende Sachgruppe: konceptkunst. So läuft die Unterwanderung ins Leere und das Büchlein doch passend in die Ordnung des Lesesaals. Auch die auf die Rückseite des Buches aufgedruckte These wäre differenziert diskutierbar:

„An Ex-library book is the least desirable book in book collecting terms. The term is used for books that once belonged to a library. Ex-library books are generally unattractive, as they have usually been stamped, taped, glued or had a card pocket glued to them. The books have often been damaged by the patrons of the library themselves.”

Das mag pauschal zutreffen. Wo allerdings Läden wie The Monkey’s Paw (mehr dazu auch hier) nach dem Absonderlichen suchen, sind Bibliotheksbestände eine fantastische Quelle. Gerade traditionsreiche Universitätsbibliotheken sondern erfahrungsgemäß mitunter exakt die Titel aus, die in dieses Beuteschema fallen, die so abseitig sind, dass sie zu ihrer Erscheinungszeit kaum je einen privaten Käufer fanden (oder die kaum bewahrt wurden) und die auch in der Bibliothek wenig genutzt und häufig sehr mediengerecht gelagert wurden. Der klassische Buchsammler auf der Jagd nach tadellosen Erstausgaben ist dafür nicht die Zielgruppe. Aber während diese Gruppe ihren Zenit wie fast alle Sammelkulturen zu überschritten haben scheint, wächst die andere, also die derer, die Ungewöhnliche eventuell sogar aus eigenartigen und längst geschlossenen Bibliotheken suchen. Auf die freilich groß genug wird, dass es sich für den Antiquariatsbuchhandel lohnt, sie gezielt ansprechen, vermag auch ich nicht aus meiner Alltagsempirie zu beantworten.

IV

Bruce Sterling: The Life and Death of Media. In: Bulletins of the Serving Library. #1, 2011. S. 2-16
Rob Giampietro, David Reinfurt: Information on Libraries. In: In: Bulletins of the Serving Library. #1, 2011. S. 17-24
Angie Keefer: An Octopus in Plain View. In: Bulletins of the Serving Library. #1, 2011. S. 40-76

Eventuell entspricht die Größe dieser Gebrauchtbuchkundengruppe ja dem Leserkreis des Bulletins of The Serving Library, dessen erste Ausgabe zwar bereits 2011 erschien, es aber erst jetzt auf meinen Schreibtisch schaffte. Es ist eine äußerst merkwürdige Publikation, die freilich für alle, die sich dafür interessieren, wie Jaron Lanier („better know as the father of virtual reality“) über die Biologie bzw. Kraken Claude Shannons Informationstheorie in ihre Schranken weist und für Rechnerarchitektur etwas weitaus komplexeres im Sinn hat:

„Lanier […] thinks Shannon’s “information” should be renamed “potential information.” Against the protocol-based programming of contemporary computing, he offers the model of PHENOTROPIC computing. The goal of phenotropic computing  is to render systems in which every instance of information in a system relates to its context and which can effectively make inferences about other systems based on how they behave in a shared context. Communication transmissions in a phenotropic system MUST have a causal relationship to their environment. Instead of thinking of information as single bit traveling from A to B, Lanier conceives of an ever-changing SURFACE from which multiple points are sampled simultaneously and continuously.” (Keefer, S.74 f.)

Dieses systemische Verständnis ist für Bibliotheks- und Informationswissenschaft nicht ganz neu aber eher auch nicht ganz etabliert. Und während man in den Mühen der Ontologie-Einebnungen rund um irgendwelche semantische Netze die Probleme der traditionellen Sacherschließung und Thesaurus-Kunde potenziert, dürfte die Big-Data-Avantgarde mit der Erschließung konkreter Kommunikationshandlungen in Sozialen Netzwerken längst auf der Schussbahn eines pragmatischen Netzes unterwegs sein, die möglicherweise die Semantic-Web-Entwicklungen bereits in die Ecke der Obsoleszenz schiebt, bevor diese in wirklich ausgereiften Anwendungen massentauglich werden.

Darüber hinaus gibt einen schönen Aufsatz des Science Fiction-Autors Bruce Sterling, der von Jacqueline Goddards Erinnerungsthese, die Erfindung des Telefons hätte die Kultur von Montparnasse zerstört über Medientransformationen nachdenkt und – nicht unberechtigt und wunderbar staunend  schlussfolgernd – fragt:

„What’s our hurry anyway? When you look at it from another angle, there’s an unexpected delicious thrill in the thought that individual human beings can now survive whole generations of media. It’s like outliving the Soviet Union once every week! That was never possible before, but for us, that is media reality.” (Sterling, S. 15)

Und er fährt mit einer Verortung fort, die man sich durchaus für die Gelegenheiten merken kann, an denen man einen originellen Vergleich benötigt:

„It puts machines into a category where machines probably properly belong – colorful, buzzing, cuddly things with the lifespan of hamsters. This PowerBook has the lifespan of a hamster. Exactly how attached can I become to this machine? Just how much of an emotional investment can one make in my beloved $3,000 hamster?” (ebd.)

Wir alle kennen natürlich die – Hamster! – Bilder von MediaMarkt- und Apple-Store-Eröffnungen und die Psychologie ist sicher befähigt, schlichte und handliche Beschreibungen dieser Ereignisse formulieren. Kulturtheoretisch ist das diese gesellschaftliche Umpriorisierung von den medialen Inhalten hin zu den Anzeige- und Übertragungsmedien eine aufregende Angelegenheit, wobei kulturtheoretisch mittelbar ebenfalls bibliothekskulturtheoretisch heißen muss.

Rob Giampietro und David Reinfurt erörtern schließlich in einem FROM 0 to 1 überschriebenen Gespräch den Eigensinn der Information und die Frage, was diese wirklich will – und zwar im Anschluss an Steward Brands totzitierte Aussage „Information wants to be free.“ Bücher mögen hier wahlweise als Gefäße oder Gefängnisse angesehen werden. In jedem Fall binden sie als Informationsträger die Informationen in bestimmten medialen Beziehungsraum, der sich grundsätzlich von dem digitaler Medien unterscheidet:

„[…] [B]ooks want to remain as book-like as possible, while other information carriers – webpages, for example – try to take their place. We dislike calling Amazon’s Kindle a “book”. It’s really something that’s emulative of a book. You “turn” a digital “page” by pressing a button, which wipes the screen of pixels and replaces those pixels with new ones. Design is the set of decisions that add one metaphor on top of another to make the Kindle feel book-like. It’s an exercise in analogy. But Books don’t want the Kindle. Books, as a medium, want more books. Information, however, just wants to be transmitted, through whatever host allows it to spread as widely as possible.” (Giampietro, Reinfurt, S. 23)

Man kann die Digitalisierung also auch sehr evolutionär interpretieren und die Vorstellung, die Information strebe aus einem innneren Strukturzwang automatisch nach dem für sie weitreichensten und einfachsten Verbreitungsweg, ist nicht ohne Reiz, fordert aber zugleich eine Abgrenzung ein – nämlich die zwischen Information im Bit-Sinn und der Kultur, inklusive dem Wissen, der Informationsnutzung und der Mediengestaltung. Wahrscheinlich zwingt uns der Eigensinn von Information tatsächlich dazu, Medien in einer bestimmten Weise zu gestalten. Unsere eigenen Intentionen, Anspruch und auch sinnliche Dispositionen spielen jedoch mindestens eine gleichwirksame Rolle. Für die Information an sich mag das Buch (oder auch der Zettelkasten) eine längst überholte Bremse sein. Für den Menschen selbst könnte aber gerade diese die Information und ihren Fluss durch Materialität restringierende Form eine besondere, nicht emulierbare Bedeutung besitzen. Vielleicht auch nicht, aber nachdenken sollte man darüber schon.

Auf S.91 des Hefts wird eine bekanntere Übersicht von Régis Debray zitiert, die das Dreistadienmodell Logosphäre (Schreiben) – Graphosphäre (Drucken) – Videosphäre (Audio-Visualisieren) mit bestimmten Symbolrahmen und sozialen Bezugsgrößen in Beziehung stellt. Anhand dieser lässt sich sehr gut die mediale Verschiebung auf die ethische Grundfrage „Wie wollen wir leben?“ rückbinden. Beispielhaft sei hier nur die Entwicklungen des Bezugs für die Legitimation angegeben: Logosphäre: Das Gottgegebene (denn es ist heilig), die Graphosphäre: Das Ideale (denn es ist wahr), die Videosphäre: Das Effektive (denn es funktioniert).

Wenn wir also über die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichem und Medienwandel nachdenken wollen, was aus meiner Sicht der Kern der Bibliotheks- und Informationswissenschaft als Wissenschaft sein sollte, dann wird hier deutlich, dass es sich bei weitem nicht einzig um Fragen von Oberflächendesign und Übertragungstechnik handeln kann.

Und wenn uns als Aktive dieses Faches sowohl die Dekonstruktionen und die Metadiskurse aus der Kunst entsprechend sensibilisieren und gleichzeitig dadurch hinterfragen, dass sie die Thesen verhandeln, die eigentlich bzw. zugleich unser Stoff wären, dann ist das nicht nur eine Anregung. Sondern parallel – und viel entscheidender – die implizite Frage, ob die Strukturen unserer Wissenschaft, die diese großen, übergeordneten und entscheidenden Fragen nur äußerst selten befriedigend zu greifen bekommt, möglicherweise häufiger mehr eine Praxis der Selbsterhaltung als eine des progressiven Denkens pflegt.

Wenn Régis Debray mit seinem Schema Recht hat und wir ohnehin von der Kultur des Arguments hin zu einer Kultur der Verführung (auch als Form der Gesellschaftssteuerung) gleiten, dann stellte sich tatsächlich die Frage, ob für das Betrachtungsfeld unserer Disziplin nicht mehr mit gezielter Kunst- als mit Wissenschaftsförderung gewonnen wäre?

Die Frage ist selbstverständlich so überspitzt, dass sie sofort bricht, wenngleich die allgemeine Anerkennung und Würdigung von Kunst als Erkenntnispraxis ein fantastischer kultureller Schritt wäre und ich im Gegenzug eine Übernahme bestimmter intellektueller Aspekte der Kunstpraxis in die Wissenschaft genauso gut heißen würde. Dennoch sind die Annährungspfade der Auseinandersetzung aus gutem Grund unterschiedlich. Wir sollten gerade deshalb überlegen, wie man dies in einer übergeordneten Zusammenführung des an sich Getrennten fruchtbar und wirksam machen könnte.

(Berlin, 19.05.2013, @bkaden )

Auslöschung des Papiers. Ein Beitrag im Cabinet Magazine erklärt, was die Informationsgesellschaft von der Aktenvernichtung lernen kann.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 12. September 2011

zu: D. Graham Burnett; Sal Randolph (2011) The Memory Hole has Teeth. Toward a field guide to shred. In: Cabinet. A Quarterly of Art an Culture. Issue 42. S. 70-77

„Shred is the versicolor confetti saluting the end of the age of the book –

and the party is just getting started.“ (D. Graham Burnett, Sal Randolph)

I

Über dem digitalen Lebensalltag mit all seinen Abhängigkeiten von der Rechentechnik schwebt nicht nur eine schwerelose Cloud, sondern auch eine weitere, bisweilen sehr dunkle Wolke. Denn manchmal, wenn man beispielsweise eine arglose E-Mail an einen freundlichen Menschen schreibt, färbt sich der Bildschirm wie vom Blitz getroffen um und anstelle des Eingabefensters präsentiert sich ein Blue Screen, dessen Farbe nicht für das himmlische Datenparadies der Cloud steht, sondern für einen handfesten Hardwareschaden im physischen Laufwerk. Wenn man sich dann auf die akute Odyssee der Datenrettung begibt, offenbart die unendliche Leichtigkeit der digitalen Information die Bleischwere, die dahinter stehen kann. Jedenfalls, wenn der automatische Backup des Rescue-and-Recovery auf demselben Gerät stattfindet. Immerhin erfährt man vom Fachmann, wie viel man eigentlich in den vergangenen drei Jahren an Informationsmengen auf dem Arbeitsrechner ansammelte. 220 Gigabyte informationellen Handelns stehen derzeit am Letheufer und sind bereit zur Einschiffung. Aber man tut, was man kann.

Neben der Verzweiflung, die vielleicht drei oder vier Texten im Entwurfsstadium dreidutzend E-Mails und der Sammlung legal erworbener MP3s, die irgendwo dort abgeladen sind, gilt, hält sich – und das ist die eigentliche Überraschung – die Verlustangst in erstaunlichen Grenzen. Vermissen würde man vielleicht eines der 220 Gigabytes. Da die Lage aber keinen gezielten Zugriff erlaubt, muss man eben retten, was zu retten ist. Die Lage erzwingt ein alles oder nichts. Das Sortieren und Aussondern kann erst nach der Rettung folgen.

Ein schöner Nebeneffekt dieser Notlage sind ein, zwei kleine Überlegungen zu den verschiedenen Dimensionen der Bindungen und Lösungen in diesem Zusammenhang: (more…)

Nützlichkeit kennt klare Grenzen. Eine Position zu Dissens, Kritik und Wissenschaftsfreiheit (nach Judith Butler)

Posted in LIBREAS preprints by Ben on 14. August 2011

von Ben Kaden

Abstract:

Der Aufsatz untersucht ausgehend von der Argumentation Judith Butlers zur Wissenschaftsautonomie (Butler, 2011) das Konzept der Kritik als möglichen meta-analytischen und meta-methodologischen Grundbaustein von Wissenschaft. Diese Kritik zweiter Ordnung wird dabei nicht nur, Judith Butler folgend, als Option für die Selbstlegitimation von Wissenschaft vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Ansprüche an eine Nutzbar- und Verwertbarkeit wissenschaftlicher Arbeit angesehen, sondern darüber hinausgehend verstanden als erforderliches Verfahren, aus dem heraus sich Aktualisierungs- und Übersetzungsprozesse inner- und interdisziplinär organisieren lassen.

Freiheit der Wissenschaft wird dabei als Verpflichtung zum Entscheiden verstanden, der nur mit einer elaborierten kritischen Kompetenz entsprochen werden kann. Die Integration dieser Kompetenz erfordert gleichermaßen das Anerkennen der sozialen Dimension von Wissenschaft, das produktive Zulassen von Dissenz und ein Verständnis der Rolle von Kontingenz im Prozess der Erkenntnisproduktion. Der Forderung nach Nützlichkeit wird einerseits die Notwendigkeit der Kontextualisierung (=nützlich für wen in welcher Hinsicht?) und andererseits das Konzept der Möglichkeit als Zweck der Wissenschaft entgegen gestellt.

(Der hier wiedergegebene Text ist die Vorversion eines Beitrags für die kommende Ausgabe (No. 19) der Zeitschrift LIBREAS. Library Ideas. ) (more…)

Medienzeitalter kritisieren. Zu Marshall McLuhans 100. Geburtstag

Posted in LIBREAS.Feuilleton, LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 24. Juli 2011

Karsten Schuldt

Rezension zu: Coupland, Douglas / Marshall McLuhan: You Know Nothing of My Work!. – New York, NY : Atlas & Co, 2010.

Marshall McLuhan: Eine Erinnerung

Erstaunlich unkommentiert ging am 21. Juni diesen Jahres der 100. Geburtstag von Marshall McLuhan vorüber. Die wenigen Nachrufe blieben praktisch unkommentiert. Gerade in der bibliothekarischen / bibliothekswissenschaftlichen Blogosphäre hätte man etwas anderes erwarten können. Schließlich gilt McLuhan zur Recht als der Urvater der Medientheorie. Auch in bibliothekarischen Medien werden einige Parolen aus den Schriften McLuhans immer wieder angebracht: „Das digitale Dorf“, „Die Gutenberg Galaxis“, „The Medium is the Message“ (Letzteres nicht ganz so oft).

Dieses „Vergessen“ McLuhans scheint allerdings weit verbreitet zu sein. Hätte der 100. Geburtstag doch eine Steilvorlage für alle möglichen und unmöglichen Publikationen und Feste, die sich irgendwie auf Medien beziehen, liefern können. Mindestens einen kleinen Stoß an neuen Büchern und – im Anschluss an das Feiern der runden Geburtstage von Forschern wie dem Darwin- (2007) und dem Einsteinjahr (2005) – ein Jahr der Medientheorie hätte man erwarten können. (Stattdessen haben wir aktuell das Jahr der Gesundheitsforschung, was mir allerdings erst bei der Recherche zu diesem Text auffiel.) Immerhin leben wir in einer Zeit, in welcher der Einfluss von Medien auf die Gestalt und Gestaltung der Gesellschaft sowie der einzelnen Individuen beständig betont wird und beispielsweise bibliothekarischen Institutionen als Anlass gilt, unter dem Schlagwort Medienkompetenz neue Bildungsinhalte zu propagieren. (more…)

Franzens Bad in der Informationsmenge. Und: Der n+1-Diskurs zum Thema gerät in der Frühlingsausgabe zum digital-bohemischen Dorf.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 4. Mai 2011

von Ben Kaden

Es ist durchaus ein berechenbarer Blick mit einem klar fokussierbaren theoretischen Hintergrund, den die Autoren der Zeitschrift n+1 auf all diejenigen Phänomene werfen, die auch uns tagtäglich beschäftigen: Foucault, Bourdieu, Adorno, mitunter ein paar weitere Franzosen treiben die Leser regelmäßig durch das obligatorische „Information Essay“, das zudem durchweg wie von einer Dachterrasse in Brooklyn aus geschrieben wirkt. Und dabei gelingt es dem Redaktionsteam zumeist, in diesem Editorial zur „Intellectual Situation“ ihrer Zeit aus ihrem sozial-, kultur- und literaturwissenschaftlichen (im weitesten Sinne) Winkel mühelos die präzisesten und überzeugendsten Einschätzungen zur kulturell munter vor sich hin evolutionierenden Informationsgesellschaft aufs Papier zu bringen, die aktuell im Pressevertrieb zu haben sind. (more…)

Autorität und Schreibmaschine: Überlegungen zur Digitalkultur.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 1. April 2011

“I love the tactile feedback, the sound, the feel of the keys underneath your fingers”

In der Ausgabe des Times Literary Supplement vom 25. März 2011 bespricht der Medienwissenschaftler David Finkelstein unter der Überschrift „Textual liberation“ zwei aktuelle Bücher zur Veränderung des Schreibens unter digitalen Bedingungen. Das Thema ist nicht nur medientheoretisch, sondern auch bibliothekswissenschaftlich bedeutsam, betrifft doch der Übergang zum so genannten Read/Write-Web und die damit verbundene Wandlung der dominierenden Lese- und Schreibtechnologien und -praxen alles, was für Bibliotheken die Zeitstrahlsegmente Gegenwart und Zukunft markiert.

Nachfolgend spanne ich von diesem Rezensionstext ausgehend auf sanften 3000+ Wörtern einen regen Bogen ausgehend vom Zusammenhang zwischen dem digitalen Handeln und den dieses Handeln prägenden Institutionen hin zur Parallele von Schreibmaschine und digitalem Textwerk vor dem Hintergrund einer Studie aus dem Jahr 1932. An den Bibliotheken geht dieser Bogen ausnahmsweise etwas vorbei. (more…)