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Eine Fleissarbeit zur Geschichte der Öffentlichen Bibliotheken in Québec

Posted in LIBREAS.Feuilleton, LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 27. Juni 2017

von Karsten Schuldt

Zu: Séguin, François: D’obscurantisme et de lumières. La bibliothèque publique au Québec des origines au 21e siècle. (Histoire et politique. Cahiers du Québec) Montréal: Edition Hurtubise, 2016

Das hier besprochene Buch sieht nach einem arbeitsreichen Kraftakt aus: Auf etwas weniger als 600 Seiten (plus Anhänge) wird die Geschichte der Öffentlichen Bibliotheken in Québec, Kanada, dargestellt. Diese Geschichte, beginnend im frühen 17. Jahrhundert, geht eigentlich nur bis in die 1990er und nicht, wie im Titel angekündigt ins 21. Jahrhundert. Aber auch das alleine war gewiss eine immense Fleissarbeit, die in den zahllosen Zitaten und Angaben aus den entlegensten Quellen, die im Buch angeführt sind, sichtbar wird. Dennoch ist am Buch einiges an grundsätzlicher Kritik zu leisten. Am Ende ist es Bibliotheksgeschichte, wie sie besser nicht mehr sein sollte.

Eine impressive Sammlung

Zuvor zu den positiven Seiten. Das Buch ist umfangreich, ohne jede Frage. Es geht grundsätzlich chronologisch vor und bindet die Geschichte der Öffentlichen Bibliothek eng an die Geschichte der Kolonie und späteren Provinz Québec (anfänglich Nouvelle-France), auch wenn diese allgemeinere Geschichte nur dann angesprochen wird, wenn es unbedingt notwendig scheint. Ansonsten wird sie vorausgesetzt.

Das Buch schreibt die Geschichte anhand unterschiedlicher Bibliothekstypen, beginnend mit frühen Privatbibliotheken, Subskriptions-Bibliotheken (bibliothèques publiques de souscription) und kommerziellen Leihbibliotheken, Lesesälen etc. (bibliothèques commerciales de prêt, cabines de lecture) über Bibliotheken von Ausbildungseinrichtungen (mit und ohne politischen Anspruch), Public libraries nach US-amerikanischem Vorbild (erst als private Gründungen, dann die Übernahme durch Gemeinden) und aktuellere Entwicklungen hin zu Öffentlichen Bibliotheken als allgemein zugängliche, öffentliche getragene Einrichtungen. Die Masse des versammelten Materials und auch der Publikationsort in den „Cahiers du Quèbec“ vermitteln den Eindruck, dass hier die definitive Sammlung und Interpretation dieser Geschichte vorgelegt würde.

Dass ist alles beeindruckend, insbesondere in seinem Detailreichtum und der tiefen Gliederung. Der Autor – in der Bibliothekswissenschaft in Forschung, Lehre und Praxis in Québec tätig – kennt seine Materie. In dem gesamten Material finden sich, selbstverständlich, zahllose Bonmots und interessanten Anmerkungen.

Nicht zuletzt – das als persönliche Nebenbemerkung –, ist das Buch als kanadisches in einem erfreulich eingängigem Französisch geschrieben, weniger umwunden und poetisierend, als es in den Texten aus Frankreich oft der Fall ist.

Kritik: Eine teleologische Geschichtsschreibung der White Settler Society

Geschichtsschreibung ist immer auch die Anordnung von Ereignissen, Daten etc. und die Auswahl davon, was dargestellt und aufgezeigt beziehungsweise gerade nicht dargestellt werden soll. Gute Geschichtsschreibung zählt dabei nicht nur Ereignisse auf, sondern bietet Struktur und zeigt gleichzeitig, wie und wo sich Geschichte auch anders hätte entwickeln können. Die Offenheit der Geschichte bleibt in ihr bestehen; es wird auch vermittelt, dass Menschen in der Lage sind, Geschichte zu bestimmen und zu machen.

Das Buch, noch mit dem Versprechen einer umfassenden Geschichte, vor dem Mitnehmen.

Eine „vorherbestimmte“ Entwicklung

Schlechte Geschichtsschreibung tut dies nicht, sie kann an vielen Punkten scheitern. Séguin scheitert daran, die Geschichte der Bibliothek in Québec als immer offene Entwicklung zu zeigen. Vielmehr geht er offensichtlich davon, dass die Öffentliche Bibliothek als allgemein zugängliche, von den Gemeinden getragene Einrichtung in der Ausprägung, wie sie heute in Québec zu finden sind, quasi das Ziel aller Entwicklung im Bibliotheksbereich sei, seit Anbeginn seiner Geschichte. Dieses Ziel sei quasi schon immer (seit dem 17. Jahrhundert) im Kern angelegt gewesen und hätte sich mit der Zeit einfach immer mehr konkretisiert. Alle vorhergehenden Formen von Bibliotheken, alle Diskussionen, alle Projekte, seien nur Vorformen, die sich quasi immer mehr zur heutigen Bibliothek entwickeln mussten, also zum Beispiel immer offener wurden. So ist das Buch strukturiert, so sind die Beispiele ausgesucht und dargestellt, so sind sie angeordnet. Es ist, um das Fremdwort zu benutzten, eine teleologische, also auf ein Ziel hin ausgerichtete, Geschichte.

Das ist, kurz gesagt, keine gute Geschichtsschreibung. Sie negiert den Gehalt älterer Diskussionen und Entwicklungen. Sie tut so, als hätte die Protagonistinnen und Protagonisten eigentlich – unbewusst – gar keine andere Wahl gehabt, als auf dieses eine Ziel (die heutige Öffentliche Bibliothek) hinzuarbeiten. So, als wenn Menschen eben doch keine richtigen Entscheidungen treffen, sondern nur dem Weltgeist folgen könnten. Deshalb übergeht das Buch auch sehr viele Fragen.

Ein Beispiel nur: Die kommerziellen Leihbibliotheken (also Unternehmen, bei denen man für eine Gebühr pro Jahr, Monat oder Ausleihe Bücher ausleihen konnte, und die – als Unternehmen – selbstverständlich auch kommerzielle Interessen verfolgten), die es sehr früh gab, die aber auch wieder eingingen, waren viel offener als spätere Bibliotheken: Wer zahlte konnte ausleihen. Punkt. Sicherlich konnte nicht jede und jeder zahlen, aber wie Alberto Martino (1990) für den deutschsprachigen Raum zeigte, waren sie für die Verbreitung des Lesens als normale Aktivität durchschnittlicher Menschen extrem wichtig. Warum also wird diese Bibliotheksform zwar erwähnt, aber im Gegensatz zu späteren Bibliotheksformen, die ihre Leserinnen und Leser mehr reglementierten und Bildungsabsichten hatten, nur als ganz frühe Vorgänger geltend gemacht? Sie existierten lange, haben also gewiss Wirkungen gehabt und präsentieren auch eine andere Möglichkeit an Entwicklung, die dass Bibliothekswesen hätte nehmen können. Aber sie passen nicht in die grosse Erzählung (die Öffentliche Bibliothek muss sich dieser Erzählung nach zur Bildungseinrichtung entwickeln), die Séguin angelegt hat.

Eine Geschichte der „grossen Männer“

Eine solche Erzählung macht es aber schwierig, die Gründe für bestimmte Entscheidungen nachzuvollziehen, die Menschen vorbrachten. Menschen tauchen bei Séguin auch – ganz in Form einer Geschichtsschreibung, von der man eigentlich dachte, sie sei untergegangen – nur als „grosse Männer“ auf, die aus der Masse herausragen und „Geschichte machen“, während andere nur folgen. Aus deren Briefen und Artikeln wird dann auch ausgiebig zitiert, aber nur aus diesen. Der Autor stellt die Entwicklung der Bibliotheken in Québec fast nur als Ideen da, die diese „grossen Männer“ hatten. Seine Geschichte ist erstaunlich kontextlos. Die Entwicklungen der Bibliotheken werden nur dann in den Kontext der Geschichte Québecs eingeordnet, wenn es unumgänglich ist. Sie waren Teil der Auseinandersetzungen um die französische und englische Sprache, zu Beginn auch zwischen Kolonialmacht und die Neu-Kolonisierten (die französisch-sprachigen) sowie der damit „verbundenen“ Kulturen, insbesondere den Ultramontanismus (die Frage, ob und wie sehr katholisch Gläubige „Papsttreu“ seien und / oder sein dürften) und den Autonomie-Bestrebungen Mitte und Ende des 20. Jahrhunderts. Das wird erwähnt. Anderes wird nur vorausgesetzt. Zudem wird die Entwicklung der Bibliotheken in Québec nicht in den Kontext der bibliothekarischen Entwicklungen anderswo gesetzt, so dass es am Ende aussieht, als hätte sie sich (fast) frei von anderen Einflüssen verändert. Nur dann, wenn es nicht zu vermeiden ist (vor allem, wenn die „grossen Männer“ in ihren Texten sich explizit auf andere Beispiele – vor allem die Public Library in den USA Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts – bezogen), werden auch diese kurz erwähnt.

White Settler Society

Neben dieser, eigentlich für heutige Geschichtsschreibungen unglaublichen, Einengung fällt auch auf, dass es eigentlich nur die Geschichte der – wie ich es als kritischen Begriff aus Literatur zu Two Spirits und First Nations kenne (u.a. Driskill et al. 2011) – „White Settler Society“ erzählt wird. Séguin schildert, wenn auch wie gesagt nur kurz, Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Gruppen, die irgendwie mit Bibliotheken zu tun haben. Aber das immer mit dem Verständnis, dass es eigentlich nur zwei Gruppen gibt – mit den Sprachen französisch und englisch –, dass es halt am Anfang schon eine Kolonie gibt und die Frage nur ist, wem die „gehört“ und wie sie Provinz wird. Würde man nur Séguin lesen, man wüsste nicht, dass es in Québec First Nations gibt – die nicht nur „vorher da waren“, sondern weiterhin da sind und die zum Beispiel lange Zeit vom kanadischen Staat „integriert“ werden sollten, was hiess quasi als Gruppen verschwinden sollten, was wiederum mittels Bildung versucht wurde (Stichwort: Canadian Indian residential school system), wo zu vermuten wäre, dass Bibliotheken eine Rolle spielten – und das es andere Gruppen gibt – im Einwanderungsland Kanada, auch wenn es zeitweise nur für die Zuwanderung aus bestimmten Staaten, offen war –, die sich nicht in die Binarität französisch/englisch oder katholisch/evangelisch einteilen lassen. All das scheint für den Autor und seine Bibliotheksgeschichte nicht relevant zu sein, nicht mal – ausser ich habe es überlesen – als Anmerkung, dass es dazu nichts zu sagen gäbe. (Was so nicht sein wird.) Es ist ein unsinnig enger Blick, welcher – mal von anderen Fragen abgesehen – der Geschichte nicht gerecht werden kann. Für eine 2016 erschienenes Buch ist das ganz erstaunlich.

Ein (unbesprochenes) Detail, dass man im Buch findet, sind immer wieder Angaben zu Öffnungszeiten von Bibliotheken im 19. Jahrhundert, oft acht, neun Stunden pro Tag, fünf bis sieben Tage die Woche. Das scheint sich nicht als Tradition durchgesetzt zu haben: Hier die Öffnungszeiten der Bibliothek in Saint Édouard de Fabre, Québec (Sommer 2016). Aber auch das diskutiert Sèguin nicht, er nennt einfach nur die Öffnungszeiten älterer Bibliotheken, wenn er sie irgendwie findet.

Zuviel und zu wenig

Trotz dieser Kritik hat das Buch fast 600 Seiten, insoweit wäre es vielleicht möglich zu argumentieren, dass es nicht noch länger hätte werden sollen. Aber leider sind diese 600 Seiten durch zahllose Details erreicht worden, die wenig für das konkrete Thema liefern. Teilweise scheint es, als hätte der Autor – der offenbar auf eine über längere Zeit angesammelte, grosse Materialbasis zurückgreift – einfach alles, was er irgendwo zum Thema gefunden hat, darstellen wollen. Das macht das Buch über Längen recht langweilig, wenn zum Beispiel die Kataloge früher Bibliotheken ausgezählt und die unterschiedlichen Bestandsgruppen verglichen werden. Details, die zum einer Aussage hingeführt hätten werden müssen (Was sagt uns diese Verteilung?), aber so nur Seiten füllen. Ganz besonders auffällig ist das bei der idée fixe des Autors, ohne jeder weitere Einordnung Geldsummen zu nennen. Aber was nützt es zu wissen, dass die Mitgliedschaft in der und der Subskriptions-Bibliothek so und so viele Schilling oder Dollar gekostet hat, wenn man nicht weiss, wie das Preisniveau sonst war und mit welcher Summe das heute zu vergleichen wäre?

All diese Details machen das Buch dick und nötigen auch einen grossen Respekt vor der Arbeit, die im Buch steckt, ab. Am Ende kann so eine Sammlung aber nur Ausgangspunkt für detaillierte Studien sein, die das nötige Mehr (die Offenheit der Geschichte darstellen; zeigen, wie und wo sie sich hätte anders entwickeln können; die Geschichte nicht als reine Geschichte der White Settler Society schreiben, sondern als Geschichte diverser Gruppen, die mehr oder weniger Macht hatten; als Geschichte der vielen Menschen und nicht der paar „grossen Männer“ und so weiter) beitragen müssten.

Literatur

Driskill, Qwo-Li; Finley, Chris; Gilley, Brian Joseph; Morgensen, Scott Lauria (edit). (2011). Queer Indigenous Studies: Critical Interventions in Theory, Politics, and Literature. Tucson: The University of Arizona Press, 2011

Martino, Alberto (1990). Die deutsche Leihbibliothek: Geschichte einer literarischen Institution (1756-1914). (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen; 29). Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 1990

Séguin, François: D’obscurantisme et de lumières. La bibliothèque publique au Québec des origines au 21e siècle. (Histoire et politique. Cahiers du Québec) Montréal: Edition Hurtubise, 2016

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Bibliotheken für Menschen in Armut, lokale Ansätze

Posted in LIBREAS.Feuilleton, LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 18. März 2012

Zu: Leslie Edmonds Holt ; Glen E. Holt (2010) / Public Library Service for the Poor : Doing All We Can. Chicago : American Library Association, 2010.

Von Karsten Schuldt

Würde im deutschsprachigen Bibliothekswesen ein Buch zum Thema „Bibliothekarische Dienste für Menschen in Armut“ publiziert, wäre das wieder nur ein Beispielsammlung (auch wenn sie „Best Practice“ genannt würde) oder aber irgendwer könnte sich nicht zurückhalten, ungeachtet des Inhalts das Buch gleich „Handbuch“ zu nennen und damit den Anspruch zu erheben, wirklich alles zum Thema zu sagen.

Glücklicherweise tun Leslie Edmonds Holt und Glen E. Holt weder das eine noch das andere. Genauer: Sie kritisieren, (more…)

LIBREAS Nummer 8 – Call for Papers

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers by Ben on 19. November 2006

Call for Papers

LIBREAS 8: Die Lesejahre sind vorbei? Die Öffentliche Bibliothek und die Stadtgesellschaft

Es ist ein Anruf, der entlarvt. Eine allgemeine Nachfrage bei der Stadtbibliothek einer brandenburgischen Kleinstadt stößt den im akademischen Idyll des Berliner Institutes nach Zukunftsperspektiven Suchenden in den real existierenden Alltag Öffentlicher Bibliotheken in Deutschland, wobei die Fallhöhe enorm ist. Die bibliothekarische Versorgung in der Stadt, immerhin mit eigenem Gymnasium, ist der kommunalen Verantwortung völlig enthoben, nachdem man sich entschloss, die Stadtbibliothek einzusparen. Dies offensichtlich zu Recht, wenn man der Auskunft hinsichtlich der Nutzungsintensität glaubt. Die nun von einem Verein übernommene und überwiegend dank ehrenamtlichen Engagements und des Einsatzes von Ein-Euro-Jobbern überhaupt am Leben gehaltene Arbeit des Bibliotheksrudimentes, bedient eine Nutzerschaft, die gerade einmal 25 Köpfe zählt. Mehr Bürger der Stadt haben anscheinend kein Interesse am Angebot. „Bibliotheken sind Publikumsmagneten und sie sind gemeinnützige Einrichtungen“ heißt es in der 1998 vom – ebenfalls weggekürzten – Deutschen Bibliotheksinstitut herausgegebenen Broschüre zum „Beitrag der Öffentlichen Bibliothek zur Stadtentwicklung“ (PDF.download).

Es scheint fast so, als liefere die Bibliothek in diesem Fall weniger einen Beitrag, sondern mehr ein Spiegelbild zur – der „Schrumpfenden Stadt“ entsprechenden – Stadtentwicklung, denn von einem Publikumsmagneten kann man wohl in diesem Fall nicht reden und die „Gemeinnützigkeit“ beschränkt sich auf eine überschaubare Gruppe der städtischen Gemeinschaft. Wie ist dieser Einbruch beim Interesse der Stadtgemeinschaft – d.h. einerseits derer, die die Stadtentwicklung steuern und meinen, dabei auf eine Bibliothek verzichten zu können und andererseits der Stadtbevölkerung, die offensichtlich meint, ihr Leben auch ohne Bibliothek führen zu können – zu erklären?

Koppelt man zu den in der Programmschrift Bibliotheken ’93 aufgeführten, in Hinblick auf die Herausbildung der viel beschworenen „Wissensgesellschaft“ durchaus einleuchtenden, Aufgaben der Öffentlichen Bibliotheken zurück, die diese in einem Spektrum vom „bürgerlichen Engagement“ über alle denkbaren Formen der Unterstützung von Aus-, Fort- und Weiterbildung hin zur „Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen durch Information und Kommunikation“ formuliert, so verwundert schon, dass städtische Gemeinschaften hierfür – etwas polemisch gesagt – anscheinend entweder passende Ersatzinstitutionen gefunden haben oder einfach mit einer so aufgeklärten und selbstaktiven Einwohnerschaft gesegnet sind, dass sie darauf getrost verzichten können.

Ist dieses Phänomen nur ein Einzelfall, der sich zudem auf die ostdeutschen Nicht-Wachstumskerne bezieht bzw. auf Gemeinden, die mit der allgemein eingeforderten Haushaltskonsolidierung einfach überfordert sind und zu Verzweiflungstaten wie dem Einstellen von Dienstleistungen für die Bürger neigen? Oder verstehen es Öffentliche Bibliotheken schlicht nicht, ausreichend ihre Bedeutung und ihre Möglichkeiten für die Bürger gerade vor dem Hintergrund der Betonung der „Eigenverantwortung“, die auch die Verantwortung für das eigene bildungsbezogene „am Ball bleiben“ in der Wissensgesellschaft mit einschließt, zu vermitteln?

Braucht die Stadt des 21. Jahrhunderts mit ihren virtuell global kommunikationsvernetzten Einwohnern überhaupt noch Bibliotheken für die Informationsversorgung und –vermittlung? Vermitteln die Öffentlichen Bibliotheken noch genügend Information oder überbewerten sie im Aufgabenspektrum des 93er Bibliotheksprogramms den Einzelaspekt „Hobby und Freizeit“ zu sehr und begeben sich dabei in einen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit, den sie eigentlich nicht gewinnen können?

Verglichen mit dem Straßenbau, bei dem eine Straße ein Gebiet mit einem anderen Gebiet und somit stärkere Siedlungsstrukturen mit schwächeren verbinden kann, kann man die Bibliothek als einen Knotenpunkt in der informationellen Infrastruktur sehen. Aber im Gegensatz zu einer vernachlässigten oder verschwundenen Straße merkt man die Folgen einer verschwundenen Bibliothek selten unmittelbar.

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Die nächste Ausgabe von LIBREAS wird sich mit der Fragestellung, welche Rolle Bibliotheken innerhalb einer Stadtgesellschaft übernehmen können und sollten und welche Herausforderungen dabei auf sie zukommen, befassen.

Dabei interessieren uns neben Problemlagen wie der geschilderten besonders auch

– Erfolgsmodelle,
– Best-Practice-Erfahrungen und
– gelingende (und die Ursachen für misslingende) Wechselwirkungen zwischen Bibliothek und Stadtgesellschaft.

Neben konkreten Erfahrungen interessieren uns

– Betrachtungen der Bibliothek als soziale Institution und
– ihre Korrelation mit der Öffentlichkeit, der städtischen Öffentlichkeit
und schließlich
– die architektonische Einbettung der Bibliothek in das Stadtbild.

Erwünscht ist wieder die gesamte Vielfalt darstellbarer Ausdrucksformen, vom Erfahrungsbericht über Meinungen, Ideenskizzen und Essays bis hin zu Fotostrecken oder anderen kreativen Auseinandersetzungen mit der Thematik.

Redaktionsschluss ist der 22. März 2007 (sh. oben)
Treten Sie mit der Redaktion in Kontakt: libreas@treepolar.de.