LIBREAS.Library Ideas

Die Klassifikation ist ein Machtverhältnis

Posted in LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 19. Juni 2017

Zu: Adler, Melissa (2017). Cruising the Library: Perversities in the Organization of Knowledge. New York: Fordham University Press, 2017

von Karsten Schuldt

 

Although we might imagine the library as a kind of Utopia – an island, in a sense, that houses a great bounty of literature and knowledge to which access is granted to all members of society, the idea of a library as a perfect plan crumbles when we understand how access by subject is organized. (Adler 2017:XII)

 

I

Cruising the Library ist eine buchlange Reflexion über die Macht, die durch bibliothekarische Klassifikationen ausgeübt wird, diskutiert anhand des Beispiels der Library of Congress (LoC). Melissa Adler – selber Assistant Professor für Library and Information Science – nutzt dazu, wenig überraschend, feministische, post-strukturalistische und anti-rassistische Theorie, insbesondere Eve Kosofsky Sedgwick, Michel Foucault und Roderick A. Ferguson. All diese theoretischen Ansätze thematisieren in der einen oder anderen Weise die Gewalt und Einschränkungen, die Wissenssysteme produzieren, und versuchen gleichzeitig zu verstehen, wie man diesen entkommen oder gerade doch nicht entkommen kann.

Die Klassifikation der LoC wird von Adler als ein solches Wissenssystem par excellence verstanden, dass gleichzeitig durch die Aufstellung von Bücher die eigene Struktur sichtbar macht. Ein Beispiel, gleich vom Beginn des Buches, ist die Beobachtung, dass Medien zu Bi- und Homosexualität (HQ74-74.2, HQ75-76.8) neben solchen zu „Sexual Deviations“ (HQ71-72) – was heute vor allem Verbrechen wie Vergewaltigung oder Kindesmissbrauch heisst, aber früher auch verpönte Sexualpraktiken wie Cunnilingus und Fellation beinhaltete – aufgestellt werden, obwohl dies inhaltlich nichts miteinander zu tun; aber im Denken früherer Zeiten schon. Und dies, da diese Klassifikation in zahllosen Bibliotheken als Aufstellungssystematik genutzt wird, auch tatsächlich so in räumlich in Regalen von Bibliothek umgesetzt wird. Hat das Auswirkungen, zum Beispiel darauf, wie Bi- und Homosexualität wahrgenommen wird oder welche Verbindungen gedanklich hergestellt werden? Adler bejaht dies. Neben diesen Verbindungen, die die Klassifikation impliziert, grenze die Klassifikation andere Themen und Diskussionen ab, stellt also andere Verbindungen gerade nicht her.

 

II

Ein Argument Adlers ist, dass die Klassifikation und gleichzeitig die USA als Staat entstanden, als im 19. Jahrhundert ein sehr spezifisches Wissenssystem vorherrschte, in welchem davon ausgegangen wurde, dass Wissen einmal und dann richtig zu erfassen und zu ordnen sei; dass also auch eine Systematik in der Lage sei, dass gesamte Wissen der Welt abzubilden. Dieses Denken war beherrscht vom Wunsch nach klaren Abgrenzungen, hierarchischen Ordnungen und gleichzeitig getragen von der Überzeugung, dass das Wissen nur so und nicht anders zu ordnen sei. Zu leisten war deshalb die Arbeit, die richtigen Abgrenzungen zu definieren. Nicht zufällig wurde in dieser Zeit auch neues Wissen – im Sinne von Wissen, dass Handlungen anleitete – produziert über die Geschlechtsidentitäten und Geschlechterverhältnisse (mit klarer Dichotomie), Sexualität (mit Abgrenzung von „richtigem“ und „falschem“ Sex, was – wie Foucault bemerkte – zu einem ständigen Diskurs über all die „Perversitäten“ führte, die eigentlich ausgegrenzt werden sollten) und dem modernen Rassismus (der die Einteilung von Menschen als wissenschaftlich und selbsterklärend verstand). Oder anders: Eine Zeit, die in ihre System Ordnung einschrieben, die gar nicht vorsahen, dass andere Ordnungen möglich seien. Die Klassifikation der LoC gilt Adler als – an sich sichtbare, historisch nachvollziehbare – Ordnung, die grundsätzlich weiter so funktioniert, auch wenn sie sich mit der Zeit verändert hat. (Dies auch im Gegensatz zu den geheim gehaltenen Wissensordnungen von Suchmaschinen oder Firmen, die mit Big Data arbeiten.)

Sie zeigt die Absurditäten, die eine solche Ordnung hervorbringt, mehrfach auf, zum Beispiel indem sie darstellt, wie weit das Werk von Sedgwick in der LoC verteilt wurde, obwohl Sedgwick gerade über die Verbindung vorgeblich unverbundener Themen schrieb. An anderen Beispielen zeigt sie auch die Gewalt auf, die durch Klassifikation stattfindet, beispielsweise wenn Bücher, die sich explizit gegen die Verwendung bestimmter Begriffe (oder Denkmuster) wenden, in der Klassifikation fast folgerichtig gemassregelt und genau unter diesen Begriffen eingeordnet werden. Nicht zuletzt zeigt sie, das „Normalität“ weiterhin in den LoC-Klassifikation eingeschrieben ist, wenn es in weiten Strecken nur für „abweichende Gruppen“ gesonderte Stellen in der Klassifikation gibt, aber nicht für den „Normalfall“ (was zumeist heisst Weiss und / oder heterosexuell und / oder cis).

Das besprochene Buch in einem Sehnsuchtsort, dessen Existenz und Funktionieren auch nur auf der Basis von sozialen Ordnungen und absurden Begierden zu erklären ist: Einem Wiener Caféhaus.

 

III

Die Autorin untersucht und beschreibt diese Ordnungen und die Machtbeziehungen, die sich durch diese ausdrücken, immer wieder mit Verweisen auf die oben genannten Theorien. Gleichzeitig schlägt sie andere Formen des Navigierens durch die Klassifikation und Sammlung der LoC vor, die sie – im Anschluss an Sedgwick – als „perverse reading“ beschreibt: ein suchendes, Ordnungen missachtendes und gleichzeitig immer wieder neue Ordnungen – indem Sammlungen und Verbindungen, und wenn gedanklich, hergestellt werden – generierendes Suchen und Sich-treiben-lassen. Die Verweise auf Sexualität (perverse reading, Treiben-lassen als dem Folgen von Begierden und unbewussten Wünschen, der Titel des Buches „“Crusing in the Library“, der auf das Crusing als Teil der schwulen Kultur verweist und so weiter) sind nicht zufällig. Vielmehr ist es der Anschluss an Foucault, der – wie oben gesagt – festhielt, dass das ständige Abgrenzen der „richtigen Sexualität“ gerade im 19. Jahrhundert, in dem angeblich so wenig über Sexualität gesprochen worden sei, gerade doch ein ständiges Reden über diese hervorbrachte. So, wie sich im 19. Jahrhundert ständig Gedanken über alle möglichen Formen von „Perversität“ gemacht wurde und sie überall gesehen wurden, ermöglicht nach Adler gerade das Suchen nach „Perversitäten“ im Bestand das Aufzeigen der Grenzen von Klassifikationen:

Perhaps unsurprisingly, where we locate ‚perverse‘ subject, we find that that the classification fails to capture them., The concept of perversion pushes these systems to their limits, dismantling and opening them up to more just ways of organizing and finding knowledge in the library. By problematizing the systems and exposing their failings, the hope is that we find possibilities for creating new ways of facilitating queer and perverse readings. (Adler 2017:3)

Und das tut sie, in gewisser Weise, das gesamte Buch über (beschränkt auf die gedruckten Bestände). Sie postuliert, dass es notwendig sei, sich der Suchrichtung durch das System auf eine/n „User“ – der oder die dazu erzogen würde, genau das zu wollen, was das System bietet – zu verweigern, um zu einer besseren Klassifikation zu gelangen; besser nicht im Sinne von genauer, sondern von offener und verantwortungsvoller gegenüber der Realitäten.

In einem gesonderten Kapitel zeigt Adler anhand der Geschichte der „Delta-Collection“, die irgendwann zwischen 1880 und 1920 angelegt und bis 1964 geführt wurde und all die Werke verschliessen, quasi unsichtbar machen sollte, die als pervers galten, dass die Bibliothek eben nicht, wie sie gerne behauptet, eine „neutrale Einrichtung“ ist. Sie war eine Einrichtung, die einerseits eine aufklärerische Funktion haben wollte, doch gerade beim Thema Sexualität (aber nicht nur, ein weiteres Kapitel beschreibt den inhärenten Rassismus der Klassifikation) versuchte, aktiv Medien zu verstecken. Das erinnert, wieder nicht zufällig, an Freud aber auch an die Analyse der Aufklärung und ihrer Mythen durch Adorno und Horkheimer.

Und trotz all dieser Kritik hat Adler ein positives Verhältnis zur Bibliothek, ein Erstaunen vor all der Arbeit, die in das Ordnen des Wissens gesteckt wurde und vor der Widerstandsfähigkeit der Klassifikation. Sie nennt es – zum Grundton des Buches passend – ein sadomasochistisches Verhältnis, führt am Schluss Kafkas Erzählung „In der Strafkolonie“ ein, um dieses zu beschreiben.

 

IV

Das Thema des Buches ist nicht neu, viele Beobachtungen scheinen schon anderswo beschreiben worden zu sein. Allerdings nicht unbedingt in Buchlänge. Positiv ist der Versuch, die Wirkung der Klassifikation und der Arbeit mit ihr nicht einfach zu skandalisieren oder in Ehrfurcht vor ihr zu erstarren, sondern sie mit Hilfe verschiedener theoretischer Zugänge zu beschreiben. Teilweise kehrt die Autorin auf die immer wieder gleichen Feststellungen zurück, aber es ist immer wieder nachvollziehbar, wieso. Der Zugang über „Perversitäten“ scheint vielleicht gewollt, ist es aber nicht, wenn man der Grundthese folgt, dass die LoC und ihre Ordnung eng mit der Staatswerdung der USA und der Moderne mit ihren spezifischen Geschlechterverhältnissen, Angst vor falscher Sexualität und modernem Rassismus verbunden sind. Unter dieser Vorannahme ist die Nutzung der oben genannten theoretischen Zugänge nur sinnvoll und von diesen ausgehend die Beschäftigung mit den in der Moderne wuchernden Diskursen über Grenzen und „perversen Überschreitungen“.

Das Buch ist auch ein Versuch, klarzustellen, wieso die Tätigkeit der Katalogisierung – also die konkrete Arbeit der Bibliothek – nicht als neutral oder wertfrei verstanden werden kann, sondern nur als eine von moralischem und politischem Gewicht. Es ist ein Machtverhältnis, bei denen die Bibliothek einen erstaunlich starken Einfluss darauf hat, was wie wahrgenommen und in ein Verhältnis gesetzt wird. (Ein Einfluss, dem man nur entkommen kann, wenn man sich explizit den Regeln der Klassifikation zu entziehen versucht.)

Zu erwarten wären aber zwei Themen, die nicht angegangen werden. Zum einen wäre zu diskutieren, ob nicht RDA mit seinen Beziehungen und der grösseren Verantwortung der Katalogisierenden das Potential hätte, zumindest einige der Probleme, die Adler aufzeigt, anzugehen. Zum anderen wäre es sinnvoll gewesen, nach anderen Formen der Klassifikation zu fragen, die möglich wären, um – wie die LoC-Klassifikation – Wissen zu ordnen und damit auch zugänglich zu machen, aber gleichzeitig nicht die starren – oder zumindest nicht diese – Abgrenzungen voraussetzte. Zu denken wäre an die Brian Deer Classification, aber auch an utopische Entwürfe.

 

V

Letztlich aber ist das Buch, in Zeiten, in welchen die bibliothekarische Literatur so oft ohne jede Form wissenschaftlicher Theoriebildung aber auch oft ohne Leidenschaft und Trieb auszukommen scheint, ein Lichtblick. Es ist ein Buch zum Mitdenken. Nötig ist der Wunsch, verstehen zu wollen, wie Wissensordnung funktioniert, ohne gleich nach einer praktischen Anwendung zu fragen. Es ist – hier ist beim Thema des Buches zu bleiben – zuvörderst eine Arbeit, die mit einem perversen – diesmal: nicht sofort produktiven – Verlangen gelesen werden muss. So, wie Sexualität, die nicht gleich oder nur auf Fortpflanzung zielt, sondern auf Begierde und unbewusste Wünsche. Pleasure reading für Theorie- und Bibliotheksinteressierte.

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It’s the frei<tag> Countdown. Noch 21 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Karsten Schuldt on 20. Mai 2011

Das hinterlistige an Symbolen ist, dass sich ihr Bedeutungsinhalt beständig verschiebt und neu auflädt. Vielmehr: Symbole in Zeiten der Popkultur verweigern sich einer allgemeinen, gar gesellschaftsweiten Zuschreibarkeit. Die Postmoderne hat sich mit Symboliken und sich verschiebenden Machtverhältnissen auch so intensiv beschäftigt, weil sich diese beständig der Greif- und Beschreibbarkeit entzogen. Ist das ein Allgemeinsatz? Eventuell. Das allerdings heißt nicht, dass er einfach aufzulösen wäre.
Die Fluidität der Symbole stellt unter anderem eine beständige Negierung der Hoffnung dar, Wissen und Inhalte vollständig und endgültig beschreiben und zugänglich machen zu können. Wenn eine Gesellschaft und noch mehr einzelne Gruppen der Gesellschaft beständig die Bedeutung der Symbole und ihre Einbindungen und Verwendungen in Machtverhältnissen verschieben, wie kann man da dieses Wissen sinnvoll erfassen? Die Tendenz der postmodernen Wissenschaften ging immer dahin, jede Analyse und Beschreibung von Diskursen nicht nur geographisch und sozial zu situieren, sondern auch zeitlich zu verorten.
Mit dieser Grundthese konnte immerhin gezeigt werden, dass sich Bedeutungen nicht nur rasend schnell wandeln können, sondern konträr zu ihrer Beweglichkeit Diskurse auch weiterschreiben und mithilfe von Symbolen über die Zeit retten. Nicht nur die feministische Forschung, sondern gerade die zum Antisemitismus konnte ein solches Weiterschreiben von Vorstellungsmustern, Vorurteilen und Bildern nachweisen. Das angebliche anything goes, welches konservative Kritikerinnen und Kritiker der modernen Gesellschaft unterstellen, gab und gibt es nicht. Vielmehr zeigen sich gerade Unterdrückungsverhältnisse als relativ beständig. Konfigurationen von Symbolen, Diskursen, also auch handlungs- und entscheidungsleitenden Vorstellungen, scheinen immer wieder das bessere Bild der ständigen Bedeutungswandlungen zu sein, als der angeblich existierende Supermarkt freier Wahlmöglichkeiten. Dies war letztlich eine der wichtigsten Erkenntnisse der ganzen postmodernen kritischen Forschung in den letzten beiden Jahrzehnten.
Die postmoderne Gesellschaft hat sich weithin mit dieser Eigenheit eingerichtet. Das partielle Vergessen, Wiederentdecken und Neuinterpretieren von Symbolen und bedeutungstragenden Bildern ist zur Eigenheit der Postmoderne geworden. So ist – selbstverständlich mit den Vorbildern des Hip-Hop – das Samplen und Zitieren früherer Popkultur heute quasi eine Aufgabe jeder und jedes ernstzunehmenden (und anderer) Popkünstlerinnen und -künstler und das Erkennen und Verorten dieser Zitate Teil popkultureller Praxis – und damit auch die Differenzierung zwischen denen, die Ahnung haben und denen, die sie nicht haben. Was in Jahrhunderten zuvor an der Kenntnis oder Unkenntnis des jeweiligen Katechismus der Nationalkultur mit direkter Verbindung zu Bildungstiteln und damit auch sozialer Stellung als machtvolle Differenzierung wirkte, funktioniert immer mehr im Mainstream der Gesamtgesellschaft. Wir können den Kopf darüber schütteln, dass Menschen die direkten Zitate Lady Gagas aus Madonnas Stil und Videos nicht erkennen, gar fragen, wer Madonna eigentlich ist; wir stellen mit Erschrecken fest, dass Menschen beim Wort „Rosebud“ verwirrt schauen und nicht an Schlitten denken; denn es beweist unseren Wissensvorsprung genauso wie das Vergessen kultureller Artefakte in der heutigen Gesellschaft. Gleichzeitig: Ist das wichtig? Hatte die Nationalkultur, dass Zitierenkönnen des Ostersparziergangs oder das Wissen darum, was im Westen nichts Neues sei einst ein weitergehendes Bildungswissen angezeigt, zeigt es jetzt mehr an, als dass wir einen der wichtigsten Filme der Geschichte kennen und andere nicht? Es ist zumindest keine einfache Linie zu ziehen. Wer gar keine Kultur hat, die er oder sie zitieren und persiflieren kann, ist nicht nur in der zwischenmenschlichen Kommunikation eingeschränkt, sondern auch weiterhin gesellschaftlich ausgeschlossen. Aber wenn jemanden Orson Welles unbekannt ist, kann derjenige oder diejenige immer noch anderes Wissen haben und über Chanspeak und LoLcats mehr wissen, als uns Bücherlesenden lieb sein kann. Das schließt niemand mehr aus der Gesellschaft aus.
Aber wir schweifen ab. Obgleich auf eines noch hingewiesen werden muss: Die beständige Bedeutungsverschiebung von Symbol und Inhalt ist nicht nur ein Teil der Gesellschaft, der so schnell nicht verschwinden wird; es ist vielmehr auch zum explizit genutzten Bestandteil politischen Engagements geworden. Immer wieder zitiert wird dabeu zu Recht die positiv umdeutende Aneignung des Begriffes Gay durch die LTGB-Bewegung. Judith Butler versuchte das unter den analytischen Begriffen der Performativität und Maskerade als politisches Konzept zu fassen und war damit erfolgreich.
Das alles stellt nun aber immer wieder die Frage: Was tun mit diesem Bedeutungswandel, wenn man Wissen ordnen und zugänglich machen will? Nicht nur für den Moment, sondern für die Ewigkeit. Der Hype um die Folksonomies in den letzten Jahren hatte ja auch mit dem Versprechen zu tun, dass diese das Potential hätten, die Gesellschaft dazu zu bringen, das produzierte Wissen selber zu beschreiben und damit zu erschließen. Selbstverständlich hat sich diese Versprechen nicht vollständig erfüllt, so wie all die einst konzipierten Universalklassifikationen ihr Versprechen nicht halten konnten, alles Wissen zu ordnen. Aber fraglos führten Folksonomies den Gedanken, dass Klassifikationen flexibel und multiperspektivisch sein müssen, verstärkt in das Nachdenken über die Ordnung des Wissens ein. Die Ordnung des Wissens übrigens, die auch bei der frei<tag> Thema sein kann.

Eine Banane im Stadtbild Berlins, ein überladenes Symbol der Popkultur. Bekanntlich (?) das sichtbarste Symbol eines der wichtigsten und innovativsten Alben der Popgeschichte und der Verbindung zur Popart der 1960er Jahre. Aber was heißt sie nun? Sie taucht immer wieder auf. An der Humboldt-Universität wird sie beispielsweise getragen von Studierenden auf ihren T-Shirts, doch haben die jemals von Velvet Underground gehört? Was wissen die mit Andy Warhol anzufangen? Ist für die Nico mehr als ein Name? Hat sich das Symbol nicht – allerdings ganz im Sinne Warholes – verselbstständigt? Oder ist Banane in Ostberlin nur der letzte Rest des Witzes von den Ossis, die sich keine Südfrüchte leisten konnten und für die deshalb Bananen angeblich zu einem wichtigeren Symbol der Freiheit wurden als das Grundgesetz? Wurde vielleicht die Geschichte des Symbols vergessen oder überschrieben? Hat es eine Bedeutung? Zumal die Banane Street-Art ist, verortet also weiterhin in einer widerständigen Praxis, die aber auch Kunst sein will, wie uns letztens der Bansky-Film „Exit through the giftshop“ (Den man auch kennen muss, will man über Symbole in der Postmoderne reden, auch weil er Warhol und dessen Grundfrage direkt und indirekt immer wieder thematisierte. Oder?) belehrte? Man darf keine einfache Antwort auf diese Frage erwarten.