LIBREAS.Library Ideas

Jubiläumsausgabe #28: Die Bibliothek als Idee der LIBREAS. Library Ideas erschienen

Posted in LIBREAS aktuell by Karsten Schuldt on 28. Dezember 2015

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Zur Tradition der LIBREAS. Library Ideas gehört, dass am Ende, bei der Veröffentlichung der Zeitschrift, alles noch ein wenig länger dauert als geplant. Insoweit ist es nur passend, dass die Jubiliäumsausgabe zum 10. Jahr LIBREAS erst jetzt, zwischen den Jahren, erscheint. Grundlage der Ausgabe ist das Symposium zu diesem Termin im September 2015 in Berlin zum Schwerpunkt „Die Bibliothek als Idee“ stattfand. Auch die anderen Artikel der Ausgabe beschäftigen sich mit diesem Thema. Am Ende ist es eine erstaunlich interdisziplinäre Ausgabe geworden, über die wir als Redaktion sehr froh sind und hoffen, dass sie Ihnen / Euch als Leserinnen und Leser ebenso anregt.

Redaktion LIBREAS

(Berlin, Bielefeld, Chur, München)

LIBREAS #29 – „Bibliographien“. Call for Papers

Posted in LIBREAS Call for Papers by libreas on 10. November 2015

Ausgangssituation
Es scheint, als würdigte man die Praxis des Bibliographierens heute lange nicht mehr so wie noch vor einigen Jahrzehnten. Lange galten Bibliographien als eine wesentliche Informationsinfrastruktur der einzelnen Wissenschaftsfelder. Entsprechend groß war der Aufwand und Personaleinsatz für ihre Erstellung. An der Erstellung von Bibliografien waren sehr viele Akteure beteiligt – Akademien etwa für Fachbibliographien, Bibliotheken für National- und Regionalbibliographien oder auch kommerzielle Anbieter wie Verlage oder Antiquariate. Heute scheinen Bibliografien, wo sie überhaupt noch von Institutionen gepflegt werden, eine nachgeordnete Nebenaufgabe zu sein. Aus dem Fachdiskurs wurden sie längst durch andere Themen verdrängt. Die DNB verzeichnet unter dem Schlagwort „Bibliografie“ die drei jüngsten Publikationen für das Jahr 2013. Das bestätigt den Trend, den Dirk Wissen 2008 in seiner breit angelegten Studie zur „Zukunft der Bibliografie – Bibliografie der Zukunft“ ermittelte. (Berlin: Logos, 2008) Das Verzeichnen des Schrifttums verliert angesichts der Durchsetzung digitaler Medialität an Bedeutung. Die Zukunft muss mit direkter Volltexteinbindung, interaktiv multimedial, Domänen übergreifend und dynamisch gedacht werden, weshalb man von Medio- und Wikigrafien sprechen wird. So jedenfalls die These von vor acht Jahren.

Definition
Das Bibliographieren lässt sich bekanntlich traditionell definieren als systematischer, bestandsunabhängiger Nachweis (wissenschaftlicher) Literatur zu bestimmten mehr oder weniger eng umrissenen Themen, Regionen, Publikationsformen, Personen und vielem mehr. Ein dezidierter Mehrwehrt gegenüber klassischen Bibliothekskatalogen war und ist die Verzeichnung bibliographisch unselbständiger Publikationen wie Zeitschriftenartikeln und Sammelbandbeiträgen – häufig auch mit dem Anspruch auf Vollständigkeit. Ebenso zeichnen sich Bibliographien in vielen Fällen durch eine differenzierte Sacherschließung berücksichtigter Literatur aus. Neben den bereits erwähnten typischen Formen Nationalbibliographien, Regionalbibliographien (Landes-/Kantonsbibliographien) und Fachbibliographien, sind auch Spezialbibliographien und Personalbibliographien nicht selten. Ebenso wurden beispielsweise Bibliographien zu Bibliographien mehr als einmal herausgegeben. Details kann man unter anderem sehr schön in dem 1999 zum sechsten Mal und zugleich letztmalig aufgelegten Handbuch der Bibliographie von Friedrich Nestler (Stuttgart: Hiersemann) nachlesen.

Mehrwerte und Widersprüche
Heute mutet der Status von Bibliographien jedoch relativ ungeklärt an, insbesondere der von wissenschaftlichen Fachbibliographien. Grundsätzlich scheinen viele Fachdisziplinen ihre Bibliographien weiterhin zu schätzen, gleichzeitig wird es durch die zunehmende Projektorientierung der Wissenschaften immer schwieriger, die Arbeit an diesen nachhaltig zu finanzieren. Die gegenwärtige Transformation der Sondersammelgebiete auf Fachinformationsdienste, für die sich Bibliotheken regelmäßig mit neuen Konzepten bewerben müssen, ist nur ein sichtbares Beispiel dafür. Durch diese wird die projekthafte Organisation der Wissenschaft auf die Erwerbungspolitik übertragen: Die Erwerbung von Medien scheint immer mehr auf den aktuellen Bedarf ausgerichtet zu sein, obwohl Wissenschaft immer auch darauf angewiesen ist, Literatur mit einer langfristigen Sammlungsperspektive zu nutzen – ansonsten kann sie nicht (oder nur mit hohem finanziellen Aufwand) auf vorhandenem Wissen aufbauen. Dennoch scheint die Strategie einer vollständigen Sammlung und Vorhaltung des gesamten potentiell für die Wissenschaft relevanten Publikationsaufkommens zugunsten einer konkreten Nachfrageorientierung aufgegeben zu sein. Sind Bestände jedoch nur noch verstreut verfügbar, müsste eigentlich die Bedeutung der Literaturdokumentation zunehmen.

Ein Mehrwert von Bibliographien für die Leser/Rezipienten war bislang, den Aufwand für die systematische Kenntnisnahme von Literatur möglichst gering zu halten. Daraus ließe sich als These ableiten: Gerade in Zeiten projektorientierter Wissenschaft und damit auch einer projektorientierten Bestandserwerbung ist es umso wichtiger, einen bestandsunabhängigen, möglichst vollständigen Nachweis wissenschaftlicher Literatur zu haben.
Dieser Widerspruch tritt zu einer Zeit auf, in der technische Entwicklungen auch andere Fragestellungen für die bibliographische Praxis aufwerfen. Mehrere Projekte versuch(t)en sich beispielsweise an automatischen Formen der Sacherschließung. Sie versprechen, den Prozess der Erschließung – der auch für die Bibliographien notwendig ist – effektiver sowie personal- und kostengünstiger zu gestalten. Außer den geringeren Kosten verbindet sich mit den automatischen Verfahren weitere Versprechen: Ein Beispiel ist die Nutzung moderner Informationstechnologien, um Bibliographien Teil des Semantic Web werden zu lassen. Im Kontext der Diskussionen um die Bibliothek 2.0 wurde das Social Cataloging als eine zukunftsträchtige Entwicklung beschrieben. Das kollaborative Erschließen galt als ein möglicher Ersatz von zentralen, institutionalisierten Redaktionen. Obwohl die Bibliothek 2.0 kaum noch als Begriff benutzt wird, ist diese Frage weiterhin relevant: Bei Fachbibliographien wird der kollaborative Ansatz bis heute mit offenem Ausgang in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit und Qualität erprobt.

Akteurinnen, Akteure und ihre Arbeitspraxis / mögliche Fragestellungen
Was bei diesen Projekten oft nicht reflektiert zu werden scheint, ist die konkrete Arbeitspraxis des Bibliographierens: Wer bibliographiert eigentlich? Mit welcher Ausbildung und Zielsetzung? Was passiert beim Bibliographieren?
Interessant ist zum Beispiel die Frage nach Status und Professionalität der Bibliographierenden: Auf der einen Seite haben sie durch die Arbeit des Selektierens, Kategorisierens, Erfassens und Beschreibens eine selten thematisierte Macht über die Wissensproduktion, auf der anderen Seite scheint ihr Status innerhalb der Wissenschaft als Hilfsarbeit beigeordnet. Dies erinnert an die gegenwärtig verhandelten Fragen, um den Status den die Produktion und Veröffentlichung von Forschungsdaten hat. Es könnte sich demnach lohnen, Parallelen zwischen Bibliographieren und Erhebung von Forschungsdaten als Teile des Forschungsprozesses herauszuarbeiten. Obwohl die Situation bei National- und Regionalbibliographien durch ihre institutionelle Anbindung an Bibliotheken gesichert erscheint, lassen sich auch bei ihnen ähnliche Fragen stellen: Was ist ihr Status? Von wem werden sie wofür genutzt? Definieren sich Nationen über Nationalbibliographien? Definieren sich Nationalbibliotheken über ihre Nationalbibliographien? Was schließen sie ein und was schließen sie aus?
Ebenso ist denkbar, eine historische Perspektive über aktuelle bibliographische Konzepte und Arbeitspraxen hinaus einzunehmen: Wer hat wann und wieso mit welchen Ergebnissen bibliographiert? Eine erste Aufzählung wären Akademien, Bibliotheken, Institute, Verlage, einzelne Forschende. Doch was unterscheidet diese von unterschiedlichen Einrichtungen erstellten Bibliographien und was verbindet sie? Was lässt sich daraus für die Gegenwart und Zukunft des Bibliographierens lernen? Beim Bibliographieren wird dem Anspruch nach umfassend und möglichst vollständig erschlossen. Gleichzeitig heißt bibliographieren auch immer auswählen, aussparen und ordnen. Die Wissenschaftsforschung, beispielsweise die Akteur-Netzwerk-Theorie im Anschluss an Bruno Latour, (Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. Oxford: Oxford University Press. 2005) geht bekanntlich davon aus, dass die Infrastruktur, an und mit der Wissen produziert wird, einen Einfluss darauf hat, was überhaupt gefragt und geforscht werden kann. Werden Bibliographien als Teil dieser Infrastruktur verstanden, dann haben sie auch einen Einfluss auf die Wissenschaften, in denen sie genutzt werden. Spannend wäre zu untersuchen, wie genau sich dies realisierte, was an Forschungsfragen durch Bibliographien möglich und unmöglich wurde. Sind inter- und transdisziplinäre Inhalte wohlmöglich weniger verfolgt worden? Und schließlich ist das Bibliographieren auch ein Teil jedes Forschungsprozesses selbst, wie sich mittlerweile unter anderem unschwer an der weiten Verbreitung von Literaturverwaltungssoftware ablesen lässt. Wie verändert sich dieser Forschungsprozess und das, wenn man so will, Gebrauchsbibliografieren, wenn nicht mehr auf bestehende Bibliographien zurückgegriffen werden kann?

Für die Ausgabe #29 der LIBREAS. Library Ideas suchen wir also Beiträge zum Thema Bibliographien. Wie angezeigt, lässt sich dieses sowohl aus arbeitspraktischen, theoretischen, zukunftsbezogenen oder historischen Blickwinkeln betrachten. Genauso unterschiedlich kann auch die Beitragsform sein: vom wissenschaftlichen Artikel, Arbeitsbericht, über Rezension und Interview bis zum Essay ist alles willkommen. Über Einreichungen zu diesem Schwerpunkt hinaus, sind wie stets Beiträge zu anderen Themen sehr gerne gesehen. Alle Einreichungen sollten bis zum 31.03.2016 bei uns sein (via redaktion@libreas.eu).

Eure / Ihre Redaktion LIBREAS. Library Ideas
(Berlin, Bielefeld, Chur, München)

Wie Roland Reuß lesen? Eine Textkritik.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 14. Oktober 2015

von Ben Kaden (@bkaden)

Dass Roland Reuß für den Diskurs ein hochmodernes und leider auch hochermüdendes Stilmittel bevorzugt, nämlich die Polemik, ist allen bekannt, seit er auf seinen Durchbruchstext zum Thema Open Access (Roland Reuß: Eingecremtes Publizieren: Open Access als Enteignung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2009, Nr. 35, S. N5) die Abschaffung der Idee des Individuums und vielleicht sogar des alten Europas durch die Wissenschaftspolitik voraussagte:

„Wer hier anfängt, blind und ohne Reflexion auf die Folgen rumzufuhrwerken, legt die Axt an die Wurzel dessen, was das alte Europa einmal „selbständiges Individuum“ genannt hat. Niemand kann das wollen.“

Gudrun Gersmann, zu dieser Zeit Vorsitzende des Unterausschusses »Elektronische Publikationen« der Deutschen Forschungsgemeinschaft, antwortete damals und zwar ausdrücklich nicht in ihrer DFG-Rolle sondern mit einem Erfahrungsbericht aus dem Deutschen Historischen Institut in Paris ebenfalls in der FAZ. Ihre Replik fiel bemerkenswert geduldig und gelassen aus. (Gudrun Gersmann: Wer hat Angst vor Open Access? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2009, Nr. 41, S. N5) Zum Ende hin lobte sie noch einmal das utopisch-emanzipative Potenzial von Open Access: (more…)

Wo beginnt die Vorgeschichte der Digital Humanities und was kann man aus ihr lernen?

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 9. Oktober 2015

Eine Notiz zu

Marcus Twellmann: »Gedankenstatistik« Vorschlag zur Archäologie der Digital Humanities. In: Merkur, 797 (Vol.69, Oktober 2015). S. 19-30

von Ben Kaden (@bkaden)

I.

Vermutlich ist es das Zeichen einer Reifung, wenn für ein junges Forschungsfeld, zum Beispiel die Digital Humanities, einerseits eine Art Geschichtsschreibung einsetzt und dies andererseits in Publikumszeitschriften geschieht. Der Merkur – Subtitel „Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ – gehört traditionell zu diesen leider in der Zahl eher geringen Titeln, die den Überschlag von einer geistes- und kulturwissenschaftlichen Fachöffentlichkeit hin zu einer an intellektuellen Themen interessierten allgemeinen Öffentlichkeit regelmäßig schaffen. Es handelt sich buchstäblich um eine Zeitschrift, denn es werden die Themen der Zeit be- und aufgeschrieben und wenn man beispielsweise Jürgen Habermas‘ Artikel zu Moral und Sittlichkeit aus der Dezemberausgabe 1985 nachliest, staunt man, wie trotz aller beschworenen Verkürzung von Halbwertszeiten des Wissens bestimmte ideengeschichtliche Phänomene erstaunlich geltungsstabil bleiben können.

Ob dies ähnlich auch für Marcus Twellmanns Text zur Archäologie der Digital Humanities aus der Oktoberausgabe des Jahres 2015 gelten wird, werden wir erst 2045 beantworten können. Die Chancen stehen aber nicht schlecht, denn der Konstanzer Kulturwissenschaftler nähert sich dem Phänomen bereits historisch und zwar aus einer methodengeschichtlichen Perspektive. Ist Pater Roberto Busa mit seiner computergestützten Aquin-Erschließung der Nukleus der Digital Humanities bzw. des Humanities Computing? Nicht unbedingt, meint Twellmann. Und schlägt vor:

„Betrachten wir solche humanwissenschaftlichen Formationen als protodigital, die auf einer mathematischen Verarbeitung numerischen Daten basierten und Verfahren hervorbrachten, die später computertechnisch implementiert werden konnten.“

(more…)

Die Bibliothek als Idee in Freiburg – Impressionen zu einer UB im Probebetrieb

Posted in LIBREAS on tour, LIBREAS Veranstaltungen by Matti Stöhr on 11. August 2015

von Matti Stöhr

In einem Monat, am 12. September, findet das Jubiläumssymposium von LIBREAS im und in enger Kooperation mit dem ICI Berlin statt.  Mehr Infos zum Programm und zur Anmeldung gibt es unter http://www.libreas-verein.eu/l10.

Passend zum Motto der Veranstaltung „Die Bibliothek als Idee“: In Freiburg ist gegenwärtig – bis zum Herbst – der Neubau der Universitätsbibliothek im Probebetrieb geöffnet – vgl. dazu auch den offiziellen Newspost mit Impressionen, Flyer, Factsheet und Pressemitteilung. Die UB der Albert-Ludwigs-Universität offenbart damit ihre Idee bzw. ihr Konzept der modernen (wissenschaftlichen) Bibliothek. Sowohl baulich als auch servicebezogen, was nicht von ungefähr ineinander greift, sehr interessant und bemerkenswert, sicher auch diskutabel.

So ist die Bibliothek 24/7 für Insttutionsangehörige zugänglich. Für Externe gibt es Einschränkungen, insbesondere unter dem Verweis zur Rücksichtnahme auf Studierende. So wollte ich die Bibliothek bereits am vergangenen Sonntag bei meinem Besuch in Freiburg besichtigen, durfte jedoch erst am gestrigen Montag hinein. Beeindruckend ist in jedem Fall die gleichermaßen großzügig angelegte Aufteilung und Ausstattung von „leisem“ Arbeitsraum (Lesesaal) und „lautem“ Arbeitsraum (Parlatorium). Hier unkommentiert ein paar schnappschussartige Eindrücke:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Übrigens: Der SWR war beim Start des Probebetriebs am 22. Juli mit einem Kamerateam dabei und würdigt das Ereignis in einem Beitrag der Landesschau aktuell.

Braucht es wirklich Richtlinien für Schulbibliotheken?

Posted in LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 27. Juli 2015

von Karsten Schuldt

Zu: Schultz-Jones, Barbara A. ; Oberg, Dianne (edit.) / Global Action on School Library Guidelines (IFLA Publications, 167). Boston ; Berlin: deGruyter Saur, 2015

Vorneweg: Wissenschaftsverlage sind Publikumsverlage?

Wieso wird ein Buch veröffentlicht? Allgemein würde man annehmen, dass es einen inhaltlichen Grund gibt: Ein Thema ist ausgereift genug, ein Jahrestag steht an, Material zu einem Thema drängt zur Publikation. Aber das ist in vielen, nicht allen, Teilen des Verlagswesens mehr und mehr eine Illusion. Bekanntlich führen zahlreiche Publikumsverlage Reihen, die einfach eine regelmässige Anzahl von Publikationen mit einer regelmässigen Anzahl von Seiten und einem eingegrenzten Inhalt verlangen: 20 Liebesromane à 180 Seiten pro Jahr, mit je vier Teilen, zwei erotischen Szenen und Happy-End in der einen Reihe, 15 Science Fiction Titel über grosse Kampfrobotern, je 220 Seiten, mindestens einer Schlacht und einem Joda-mässigen Spruch in der anderen. Das macht alles schön planbar und eine Reihe von Autorinnen und Autoren lässt sich darauf ein, solche Bücher zu schreiben, was nicht immer schlecht sein muss, aber oft zu austauschbaren Titeln führt. Das hat seine Berechtigung, werden solche Titel ja gerade nicht als grosse Literatur sondern als Unterhaltung konsumiert.

Aber: Eine ganze Anzahl von Wissenschaftsverlagen scheint in den letzten Jahren ebenso dazu übergegangen zu sein, in einer ähnlichen Form Reihen zu publizieren: Eine bestimmte Anzahl von Publikationen pro Jahr und Reihe wird eingeplant und muss dann auch irgendwie produziert werden. (more…)

Einladung: 10 Jahre LIBREAS – Symphosium am 12.09.2015 in Berlin

Liebe Mitlesende,

in diesem Jahr wird die Open Access-Zeitschrift LIBREAS. Library Ideas [http://libreas.eu] zehn Jahre alt. Das wird am 12. September 2015 mit einem Symposium unter dem Motto „Die Bibliothek als Idee“ gefeiert – im und in enger Kooperation mit dem ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry [http://www.ici-berlin.org]. Unschwer zu erkennen: Das Symposium thematisiert inhaltlich angelehnt an den Titel der Zeitschrift (Library Ideas) die ideelle Seite der Bibliothek. Innerhalb des interdisziplinären Rahmens sollen vor allem kulturwissenschaftliche Forschungen die Bibliothek als Heterotopie in den Blick genommen werden.

Die Website zur Veranstaltung ist via http://www.libreas-verein.eu/l10 zu erreichen, wo unter anderem auch das vorläufige Programm zu finden ist:

09:30-10:00 Corinna Haas, Berlin: „Führung durch die ICI-Bibliothek“
10.00-10.30 [Ankommen]
10.30-10.45 Begrüßung
10.45-11.30 Karin Aleksander, Berlin: Eröffnungsvortrag: „Ist eine transdiszipläre Bibliothek möglich? Oder: Wie der Genderaspekt Idee und Ideal der Bibliothek herausfordert“
11.35-12.15 Ute Engelkenmeier, Dortmund: „Das Bild der Bibliothek und Bibliothekar/innen im TV-Genre ‚Comedy und Komödie'“
12.30-13.30 [Pause]
13.30-14.15 Olaf Eigenbrodt, Hamburg: „Idee und Raum der Bibliothek“
14.15-15.00 Frank Hartmann, Weimar (u. V.): TBA
15.00-15.30 [Pause]
15.30-16.15 Kirsten Wagner, Bielefeld: „Die architektonische Idee der modernen Bibliothek“
16.15-17.00 Hans-Christoph Hobohm, Potsdam: „Bibliothek vom Ort zum Akteur. Kann die Bibliothek als Heterotopie (nach Foucault) auch Akteur im Sinne der Akteur-Netzwerk-Theorie Latours sein?“

Anschließend folgt der Social Event im Clärchens Ballhaus [http://www.ballhaus.de/].

Ist Ihr Interesse geweckt? Seien Sie herzlich eingeladen dabei zu sein. Noch sind Plätze verfügbar. So lange es noch Kapazitäten gibt, geht es hier zur Anmeldung: http://www.libreas-verein.eu/l10j/l10j-anmeldung/

Die Teilnahme ist kostenfrei, Spenden für den LIBREAS. Verein werden aber natürlich mit offenen Armen entgegen genommen. Auch neue Vereinsmitglieder sind sehr sehr gerne gesehen: http://www.libreas-verein.eu/mitgliedschaftsantrag/%5Bhttp://www.libreas-verein.eu/mitgliedschaftsantrag/]

Viele Grüße im Namen der Journal-Redaktion und des Vereins

Matti Stöhr

Perspektiven für die Digital Humanities (z.B. als Post-Snowden-Scholarship).

Posted in LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 30. Juni 2015

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

I

In der letztwöchigen Ausgabe der New York Review of Books (LXII, 11) bespricht der Literaturkritiker Christopher Benfey Mark Greifs Buch The Age of the Crisis of Man: Thought and Fiction in America, 1933-1973 (Princeton : Princeton University Press, 2015). Besonders überzeugend findet er die Ausführungen Mark Greifs zum Aufkommen der Theory, die mit den Arbeiten von Autoren wie Claude Leví-Strauss oder Roman Jakobson und Jacques Derrida erst dem Strukturalismus und dann Folgetheorien zu einer Popularität in den Geistes- und Sozialwissenschaften in den USA verhalfen. Greif, so Benfey, sieht beispielsweise in der Dekonstruktion eine Wiederbelebung von Ideen des New Criticism, also streng formalistischer Annäherungen an literarische Texte. Benfey zieht nun die Verbindungslinie von den New Critics zu den Digital Humanists. Ähnlich, so schreibt er, wie einst die Neue Kritik von den traditionell orientierten Wissenschaftlern als ein zu klinischer Ansatz und daher als Gefahr gesehen wurde, sehen sich neue Formen des Lesens („new ways of reading“) heute mit dem Vorwurf, sie seien „antihumanistic“ konfrontiert. Diese neuen Formen des Lesens entsprechend nun dem, was hier unter Digital Humanities verstanden wird: (more…)

Call for Papers #28: Die Bibliothek als Idee (LIBREAS. Library Ideas – 10 Jahre bibliothekswissenschaftliche Reflexionen)

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 18. Juni 2015

2015 wird die Open Access-Zeitschrift LIBREAS. Library Ideas zehn Jahre alt. Das wollen wir, wie bereits angekündigt, mit einer Jubiläumsveranstaltung feiern. Das Symposium am 12. Septemberr in Berlin ist inhaltlich an den Titel der Zeitschrift, Library Ideas, angeleht und thematisiert somit die ideelle Seite der Bibliothek. Innerhalb des interdisziplinären Rahmens werden vor allem kulturwissenschaftliche Forschungen die Bibliothek als Heterotopie in den Blick nehmen.

Die Bibliothek kann einerseits als Metapher für das kulturelle Gedächtnis sowie als Spiegelbild, eventuell sogar pars pro toto der zeitgenössischen Gesellschaft und ihrer Wissenskulturen betrachtet werden. Das Charakteristikum der Institution Bibliothek ist die Spannung zwischen ihrem Ideal als gemeinnützige Sammlerin und Bewahrerin von als relevant eingestuftem Wissen und den Möglichkeiten, dies in der konkreten Praxis einzulösen. Die damit verbundenen Idealbilder der Institution Bibliothek und die damit verbundenen Ziele werden genauso in gesellschaftlichen und politischen Diskursen ausgehandelt wie die Vorstellung von dem, was bewahrenswertes und legitimes Wissen ist.

Zeigte sich nun diese Spannung nur durch den Unterschied zwischen eigenem Anspruch und realisierbarer Praxis, würden Idee und Anwendung in einem engeren Verhältnis stehen und sich gegenseitig begrenzen.

 

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Mittelalte Ideen für eine nie umgebaute Bibliothek in Berlin.

 

Die Externalität der konkreten Vorgaben und (ökonomischer) Rahmenbedingungen bringt eine weitere Dimension ins Spiel, die diesen Abgleich häufig verunmöglicht. Nicht selten bergen diese externen Interessen und Vorstellungen ein hohes Gefährdungs- bzw. Konfliktpotential für die Institution.

Unter anderem dadurch ergibt sich in der Bibliothekspraxis eine häufig produktive, oft aber desillusionierende Situation des beständigen Scheiterns. Dieses Problem versucht die Institution durch die stetige Suche nach Ausgleich der Spannung zwischen dem Ideal, dem Geforderten, dem Wirklichem und dem Machbaren zu lösen, ohne sie jemals aufheben zu können. Entscheidend ist hier, dass die konkreten gesellschaftlichen und politischen Vorgaben selbst durch – oft widerstreitende – Ideen davon geprägt sind, was die Institution Bibliothek eigentlich ist und was sie leisten soll.

Wir wollen jedoch weniger den wiederkehrenden Konflikt des Abgleichs zwischen Vorgabe und Praxis thematisieren, sondern vielmehr im Symposium und in der Ausgabe die Ideen von der Bibliothek selbst hinterfragen: Woher kommen sie? Wodurch haben sie sich gebildet? Wie unterscheiden sie sich? Wer hat und wer nimmt mit welchen Interessen Einfluss auf ihre Entwicklung? Dabei gehen wir davon aus, dass sich die Ideen genauso ändern können wie die äußeren Umstände (Vorgaben, finanzielle Möglichkeiten, technische Bedingungen et cetera). Idee und Realität, Tradition und Innovation treffen im Raum der Bibliothek in verschärfter und konkreter Weise aufeinander. Insofern können ihre sich in viele Richtungen streuenden Entwicklungen auch als temporäres Bild der aktuellen Gesellschaft und der diese prägenden und lenkenden (Wissens-)Kulturen aufgefasst werden.

In der Jubiläumsausgabe werden idealerweise die Vorträge des Symposiums als Jubiläumsausgabe veröffentlicht. Diese sollen jedoch gern durch weitere Positionen auf die Idee(n) der Bibliothek ergänzt werden. Dies muss, wie immer, nicht in der Form eines klassischen Aufsatzes geschehen. LIBREAS befürwortet ausdrücklich Einreichungen, die die Möglichkeiten des vernetzten, multimedialen, digitalen Publizierens kreativ aufgreifen – und lädt in jedem Fall herzlich dazu ein, die Idee der Bibliothek aktiv und offen zu be- und hinterfragen. Ebenso sind, wie immer, Beiträge abseits des Schwerpunktthemas herzlich willkommen. Deadline der Ausgabe ist der 15. Oktober 2015.

Ihre und Eure LIBREAS-Redaktion
(Bielefeld, Berlin, Chur, München, Potsdam)

 

Update, 19.06.2015

Nach berechtigtem Hinweis „Reflektion“ zum richtigen „Reflexion“ verändert. (Beliebte Fehler)

Die Bibliothek in der Literatur. Heute: Der postsozialistische Tanz um die Kraft des Buches bei Mikhail Elizarov.

Posted in Die Bibliothek in der Literatur, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 16. Juni 2015

Eine Notiz zu

Mikhail Elizarov: The Librarian. London: Pushkin Press, 2015. (Informationen zum Titel beim Verlag)

von Ben Kaden (@bkaden)

Spuren der Institution Bibliothek in der Literatur sind bekanntlich ein beliebtes Nebenthema wenigstens von Teilen der LIBREAS-Redaktion. Dass wir dann auch mit Freuden die dieses Frühjahr publizierte Übersetzung (durch Andrew Bromfield) von Mikhail Elizarovs nicht unumstrittenen aber umso populäreren Romans The Librarian [Библиотекарь. Москва : Ad Marginem, 2007] einem Close Reading unterziehen, versteht sich von selbst. Allzu bibliothekarisch ist das von erheblicher und sonderbar archaischer Brutalität und nicht wenig Wahnwitz geprägte Geschehen um den „Bibliothekar“ Aleksei nicht. Umso konsequenter geht es jedoch in diesem so und so fantastischen Roman um Bücher und die in diesen wie auch immer codierte Macht. (more…)

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