LIBREAS.Library Ideas

Digitaler Kapitalismus und dogmatischer Marxismus

Posted in LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 10. März 2015

Zu: Fuchs, Christian (2014). Digital Labour and Karl Marx. New York ; Abington: Routledge

Seit jetzt schon einigen Wochen liegt auf meinem Schreibtisch ein Buch, das ich besprechen wollte. Daneben eine gesamte Schwerpunktausgabe der Zeitschrift The Information Society. Es ist aber schwer, denn leider ist das Buch schlecht. Das selber ist nichts Besonderes. Es gibt dutzende Bücher, die ich am Anfang so interessant finde, dass ich sie gerne besprechen würde – und dann stellen sie sich beim weiteren Lesen als wirklich schlecht heraus, zumindest meiner Wahrnehmung nach. Mal sind sie einfach langweilig, oft inhaltlich flach, teilweise auch falsch. Mehr als einmal waren sie einfach so einschläfernd, dass ich sie einfach nicht fertiglesen konnte und erstaunlicherweise – da ich hier vor allem von Werken spreche, die irgendetwas mit Library and Information Science zu tun haben – oft sind sie unglaublich esoterisch (gerade Chandos Publishing hat da einige erstaunliche Werke im Angebot). Aber dieses Buch ist anders. Es ist dogmatisch. Dogmatisch im Sinne des „Histomat“ der DDR oder von alten K-Gruppen, so als wären die Siebziger nicht vorbei, sondern als wären diese unflexiblen, reflexionunfähigen und auch spass- sowie ironielosen Gruppen aus BeurfsmoaistInnen und BerufstrotzkistInnen immer noch zahlreich und meiungsstark. (Und ja, ich weiss, es gibt sie immer noch in kleinen Grüppchen: Arbeitermacht, Spartakistische Arbeiterpartei, Marxistisch-Lenistische Partei und so weiter; manchmal durfte ich mich mit denen auch rumschlagen.)

Je länger das Buch neben mir liegt, je länger habe ich das Gefühl, dass ich in meiner Jugendzeit in der Berliner Antifa hatte, wenn ich solchen letzten Überbleibseln der K-Gruppen begegnete: Irgendwie klingt es von Weitem, im Vorbeigehen, im ersten Moment vertraut und dann auch noch auf der Basis von Theorie, die man selber zumindest gelesen hat; aber gleich beim ersten genaueren Blick wird klar, dass es das nicht ist. Genauso wie die K-Gruppenüberbleibsel das Gefühl vermitteln, aus der Zeit gefallene Gläubige einer Revolution zu sein, welche die Zeit ihrer Umsetzung lange hinter sich hat (wenn es sie je wirklich gab) und bestimmt auch „damals“ nicht perfekt gewesen wäre, vermittelt dieses Buch das Gefühl, als ob ein aus der Zeit gefallener Gläubiger eines sehr reduzierten und rechthaberischen Marxismus versuchen würde, ein aktuelles Thema anzugehen.

Den Digitalen Kapitalismus untersuchen

Der Vergleich ist nicht so absurd, wie er vielleicht klingt. Es geht in diesem Buch, Digital Labour and Karl Marx von Christian Fuchs (Fuchs 2014), nämlich um nicht weniger als das: Die Struktur der Arbeit und Ausbeutungsverhältnisse im „Digitalen Kapitalismus“ mithilfe marxistischer Theoriewerkzeuge zu untersuchen und zu beschreiben. Mit einer klaren Perspektive zur Aufhebung dieser Verhältnisse, was nicht überraschen sollte, wenn man Marx (und Engels) gelesen hat; aber doch, wenn man bedenkt, dass das Buch selber bei Routledge verlegt wurde. (more…)

Auf Open Access gewettet und gewonnen: InetBib-Wettspiel zu Ende

Posted in LIBREAS.Verein by libreas on 5. Februar 2015

Nach über 18 Monaten des Wartens auf die Ergebnisse des InetBib-Wettspiels zu Open Access und Open Science, das im Rahmen der 12. InetBib-Tagung in Berlin durchgeführt wurde, heißt es nun “All in!”, die Zukunft ist jetzt. Die Pokerspieler wetteten auf das Eintreten verschiedener Ereignisse in der Zukunft und prognostizierten die Entwicklung von Open Access und Open Science. Nun, zurück in der Zukunft, müssen wir zwar noch auf die Erfindung des Hoverboards warten; die Ergebnisse der Wetten sowie der Name der glücklichen Gewinnerinnen wurden jedoch schon von einer unabhängigen ExpertInnen-Jury freigegeben:

  • 30 deutsche Institutionen haben einen DFG-geförderten Open Access-Publikationsfonds. Ergebnis: Positiv. Bereits zur Halbzeit (nach 12 Monaten) hatten 32 Institutionen einen Publikationsfond.
  • Zwei Journals, die nach dem Episciences-Modell von Timothy Gowers arbeiten, haben jeweils mehrere Artikel zu verzeichnen. Ergebnis: Negativ. Es gibt zwar einige Ankündigungen (vgl. http://www.episciences.org/page/epiiam und https://www.openlibhums.org/2014/04/07/olh-overlay-journals/ – sowie ergänzend http://dx.doi.org/10.3233/978-1-61499-409-1-78 und http://scienceblogs.de/mathlog/2014/08/20/die-zukunft-des-mathematischen-publizierens-episciences/), aber immer noch kein arbeitendes Overlay-Journal.
  • Zwanzig Journals, die in Web of Science oder Scopus indexiert sind, oder deren Verlag Mitglied der OASPA ist, verlangen von ihren Autoren verbindlich, zusammen mit jedem veröffentlichten Artikel alle dazugehörigen Forschungsdaten (unter einer CC- oder Open-Data-Lizenz) frei zugänglich zu machen. Ergebnis: Positiv. Bereits zur Halbzeit erfüllte sich die Prognose.
  • Es werden 50 Open Access-Repositorien das DINI-Zertifikat besitzen. Ergebnis: Negativ (ganz knapp). Im September 2014 besaßen nur nur 49 Repositorien ein DINI-Zertifikat (Nachweis: DINI-Liste.) Zu bedenken ist natürlich, dass es die ersten Repositorien in Deutschland bereits lange vor der Einführung des Zertifikats gab – und dass glücklicherweise viele Repositorien derzeit „Schlange stehen“, um das Zertifikat in seiner neuesten 2013er-Version zu erhalten.
  • 40% der Träger-Institutionen deutscher Open Access-Repositorien der dann aktuellen DINI-Listehaben die Berlin Declaration on Open Access Ergebnis: Negativ. Dies trifft nur auf 26% der Repositorien-Betreiber zu (Nachweis: http://oa.mpg.de/lang/en-uk/berlin-prozess/signatoren/).
  • 50% der Services, die im Rahmen der DFG-Förderung für virtuelle Forschungsumgebungen entstehen bzw. entstanden, werden nicht auf lokaler Infrastruktur (weiter-)entwickelt, sondern cloudbasiert nach den Prinzipien service-orientierter Infrastruktur (SOA) zur Nachnutzung und Weiterentwicklung bereitgestellt bzw. über Github angeboten. Ergebnis: Negativ. Eine Recherche in GEPRIS mit dem Suchbegriff Virtuelle Forschungsumgebungen erzielte 21 Treffer; eine Durchsicht dieser Ergebnisse (Selbstbeschreibung in der Datenbank sowie Informationen auf der Website des jeweiligen Angebots) erzielte keine positiven Ergebnisse (Cloudnutzung).
  • Wikidata löst die Beziehungsrelationen der Gemeinsamen Normdatei (GND) ab. Ergebnis: Negativ. Siehe DNB.
  • Unter den großen Universitäten (den 400 Universitäten in den jeweils aktuellsten Times Higher Education (THE) World University Rankings) verwenden mindestens bei 20 Berufungsverfahren oder in der internen Mittelvergabe explizit auch Benutzungs-Metriken, Altmetrics oder Metriken wie WikiTrust zur Messung individueller Beiträge zu kollaborativ erstellten wissenschaftlichen Objekten. Ergebnis: Negativ. Vgl. Stand zur Halbzeit.
  • Elsevier wird aufgrund von Boykott-Aufrufen die Preise für die Mathematik-Zeitschriften nicht erhöht haben. Ergebnis: Positiv. Bereits zur Halbzeit erfüllte sich diese Prognose.
  • Der Deutsche Bundestag verabschiedet ein gesetzliches Zweitveröffentlichungsrecht. Ergebnis: Bereits zur Halbzeit positiv. Siehe Bundestag.
  • 50% der österreichischen Universitäten haben ein Open-Access-Repositorium. Ergebnis: Negativ. Es wurden 9 Repositorien in Eigenrecherche gefunden. Somit haben nur 38% der österreichischen Universitäten ein Open-Access-Repositorium.

Wir möchten uns bei dieser Gelegenheit auch noch herzlich bei der Jury bedanken, die bis zum Schluß geduldig mitgespielt, ääääh, begutachtet hat! Kein Gewinnspiel ohne JurorInnen. Das waren: Petra Hätscher (UB Konstanz), Peter Schirmbacher (IBI und CMS der HU Berlin), Uwe Rosemann (TIB Hannover) sowie Michael Schaarwächter (UB Dortmund, Gründer von InetBib).

Open-Access-Geschenk

The winner takes it all: Sabine Liess von der Verbundzentrale des GBV in Göttingen erwies sich als die absolute Open-Access-Expertin und gewinnt das InetBib-Wettspiel! Zugleich wird die Gewinnerin der Zwischenrunde Michaela Voigt (UB der TU Berlin) geehrt. Beide Gewinnerinnen erhalten einen Preis, der vom LIBREAS. Verein gestiftet wird – wir gratulieren sehr herzlich!

(Lambert Heller, Maxi Kindling, Paul Vierkant)

Die Geologisierung der Medientheorie.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 30. Januar 2015

Eine kurze Besprechung zu: Jussi Parikka: The Anthrobscene. Minneapolis: University of Minnesota Press. 2014. (Angaben zum Titel beim Verlag)

von Ben Kaden (@bkaden)

Eine buchstäblich globale Perspektive auf die Folgen der Digitalisierung eröffnet eine schmale Publikation des Medientheoretikers Jussi Parikka, die unlängst bei der Minnesota University Press erschien und den wortverspielten Titel The Anthrobscene trägt. Das  „eröffnet” bezieht sich darauf, dass sie als eine Art ausgelagerte Vorthematisierung (die Reihe heißt Forerunners: Ideas First) der für das Frühjahr angekündigten Band A Geology of Media (Verlagsseite) fungiert und bereits vorab in einige zentrale Thesen dieser kommenden Mediengeologie einführt.

Die Idee einer Geologisierung der Medienwissenschaft ist nicht neu. Parikka zitiert John Durham Peters mit dessen naturwissenschaftlichen Verortung der Kommunikationstheorie (oder eben der kommunikationstheoretischen Verortung naturwissenschaftlicher Ansätze):

 „Both geology and astronomy face the problem of belated reception, interpreting messages that come posthumously, as it were, after long delays. Both sciences are always also media studies; they necessarily study not only content, but signal and channel properties as well (this is also true of quantum physics).” (Peters)

Die Biologie und bei Parikka zweifelsohne in der Konkretisierung zur Zoologie (vgl.Parikka, 2010) Werden wir konkreter, werden auch die Chemie und die Materialkunde plötzlich sehr relevant für unsere Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation. (vgl. Parikka, 17)

Der Ansatz Parikkas in Anthrobscene ist also dahingehend außerordentlich interessant, dass er etwas ins Zentrum rückt, was Medien- und insbesondere Digitalisierungsdiskurse gern ausblenden und in eine abstrakte Blackbox auslagern: die Materialität, die Digitalität überhaupt ermöglicht. Wie auch in den sozialen Transformationen zeichnen sich medientechnische Transformationen durch ein erhebliche Steigerung der zu bewältigenden materialien Komplexität aus. Parikka zitiert in seiner Arbeit (S.15) den Aufsatz „On the materials basis of modern society“ dessen Autoren mit der Auskunft eröffnen:

„A century ago, or even half a century ago, less than 12 materials were in wide use: wood, brick, iron, copper, gold, silver, and a few plastics. Today, however, substantial materials diversity in products of every kind is the rule rather than the exception. [A modern computer chip, for example, employs more than 60 different elements[…].“ (Graedel et al, S.1)

Die stoffliche Seite moderner Kommunikationstechnologien, die, wie Parikka herausarbeitet, derzeit eine metallische ist, weist weit darüber hinaus, was bisweilen bei der Betrachtung der Hardware als materiale Bedingung des Digitalen im Mittelpunkt steht. („Hardware perspectives are not necessarily hard enough […]“, Parikka17) Hier geht es um erdgeschichtliche Dimensionen. Der Möglichkeit des Data Mining geht immer Minentreiben in die Rohstoffstöcke voraus.

Die Folgen der Digitalisierung reichen diesbezüglich über Partikularaspekte mit nicht zuletzt bemerkenswert metaphorischer Tiefe im Sinne der Beschreibung Benjamin Brattons:

„how we carry small pieces of Africa in our pockets, referring to the role of, say coltan in digital media technologies.” (Parikka, 37)

hinaus. Die Obszönisierung des Anthropozäns, also der Erdperiode, in der Mensch und die Folge seines Handelns als Hauptprägekraft des Planeten wirkt (und gewirkt haben wird), ergibt sich laut Parikka aus der ethisch und politisch höchst fragwürdigen Rücksichtslosigkeit, mit der die metallischen Grundlagen digitaler Technologie in der Regel bar jeder nachhaltigen Perspektivplanung abgebaut, benutzt und entsorgt werden. (vgl. Parikaa, 6) Für die Umwelt in vielerlei Hinsicht (potentiell) schädlich – Stichworte u.a.: „planned obsolescence of electronic media, the energy costs of digital culture, and, for instance, the neocolonial arrangements of material and energy extraction across the globe“ – und damit die Lebensgrundlagen von Menschen bzw. der Menschheit bedrohend, sind die derzeitigen Handlungspraxen im Hintergrund der Digitalisierung unmoralisch. Das gilt insbesondere für die Bedingungen, unter denen die „Bröckchen Afrika”, also die so genannten Konfliktmineralien, gewonnen werden.

Cover "The Anthrobscene"

Jussi Parikka:  The Anthrobscene.

Berücksichtigt man dies, wirkt es erstaunlich, wie randständig im öffentlichen Diskurs die Auswirkungen der Digitalisierung aus einer umweltpolitischen Perspektive verhandelt werden. Und auch in den mit den Transformationsprozessen beschäftigten Wissenschaftszweigen inklusive der Bibliothekswissenschaft findet sich wenig Engagement oder überhaupt Bewusstsein gegenüber der Prozesskette, die der orts- und zeitunabhängigen Vermittelung menschlicher Kommunikation und des Datenhandel(n)s vorausgeht (und nachfolgt). Was man derzeit unter Green-IT versteht, bezieht sich vor allem auf das Energiemanagement, wenngleich sich in Verlautbarungen des BMBF und auch in der Digitalen Agenda der Bundesregierung, „etwa durch weitere Zertifizierungen und die Anregung zur freiwilligen Selbstverpflichtung in der Wirtschaft“ einige zaghaft gelegte Spuren zu entdecken sind. Dominiert wird diese Green-IT-Debatte bisher freilich durch die Frage der Energieeffizienz, was am Ende jedoch nur einer von zwei zentralen Aspekten dessen ist, was im Zusammenhang der digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien auf das Geosystem zurückwirkt. Sicher ist, dass diese Transformation der Informationsverarbeitung und Kommunikation in die Erde erheblich eindringt und letztlich in gewisser Weise zu dieser wird:

„The earth is a machine of variation, and media can live off variation – but both earth and media are machines that need energy and are tied together in their dynamic feedback loop. Electronic waste is an example of how media feeds back to earth history and future fossil times.” (29)

Die Erde selbst fungiert in dieser Schleife sowohl als Materialspeicher („the future landscape of media technological fossils”, 44) wie auch als Zeitspeicher also als Basis (ferner) zukünftiger Wissenschaft, die an eine Perspektive des 19. Jahrhunderts anschließt:

„processes of transmission and recording are already present in the earth itself, a vast library waiting to be deciphered.” (27)

Fast also könnte man vermuten, dass weitaus länger als die digitalen Inhalte ihre Temporärträger und deren Materialität Zeugnis über unsere Kultur geben werden. Wir graben derzeit all das aus und ein, was als Sediment zukünftigen Archäologien, die als diszplinäre Idee natürlich selbst Medienwissenschaften sind, Rückschlüsse auf die Art des menschlichen Lebens im frühen 21. Jahrhundert ermöglicht. Sofern das in dieser Zukunft noch jemanden interessiert.

(Berlin, 30.01.2015)

Quellen

E. Graedel, E. M. Harper, N. T. Nassar, Barbara K. Reck (2013) On the materials basis of modern society. In: PNAS 2013 : 1312752110v1-201312752. DOI:   10.1073/pnas.1312752110

John Durham Peters (2003) Space, Time, and Communication Theory. In: Canadian Journal of Communication. Vol. 28, No. 4

Jussi Parikka (2010) Insect Media. An Archaeology of Animals and Technology. Minneapolis: University of Minnesota Press

LIBREAS #26 Bibliotheken ___abseits / außerhalb der Bibliothek erschienen

Posted in LIBREAS aktuell by Karsten Schuldt on 27. Dezember 2014

Pünktlich zum Jahresende, und damit als dritte Ausgabe des Jahres, erschien in der Zeit “über den Jahren” die Ausgabe #26 der LIBREAS. Library Ideas mit dem Schwerpunkt “Bibliotheken ___abseits / außerhalb der Bibliothek”. Der Schwerpunkt geht vor allem Grenzen “traditioneller” Bibliothekssysteme und Debatten ab, wobei schnell ersichtlich wird, dass diese Grenzen sehr unterschiedlich sind: in der eigenen Verortung von Bibliotheken (Anarchistische Bibliothek & Archiv Wien; Zinelibraries), in der Gesellschaft, zu der sich Bibliotheken zuordnen (Kamerun), in den politischen und gesellschaftlichen Aufgaben, die Bibliotheken zugeschrieben werden (Stadtumbau und Gentrifizierung; Kunst und Experiment).

Eine Bibliothek ____außerhalb der Bibliotheken, irgendwo in Thailand.

Eine Bibliothek ____außerhalb der Bibliotheken, irgendwo in Thailand.

In gewisser Weise ist diese Ausgabe der LIBREAS eine der politischsten, was sie aber auch zu einer sehr interessanten und hoffentlich diskussionsanregendsten macht. Über den Schwerpunkt hinaus wird das vor allem in einem Text zu den “Snowden-Files” sichtbar, der sich mit Fragen der Zugänglichkeit zu den von Edward Snowden “befreiten” Daten beschäftigt.

Die gesamte Ausgabe #26 findet sich am bekannten Ort unter www.libreas.eu.

Eine kurze Geschichte der Open-Access-Repositorien-Landschaft in Deutschland von 1991-2013

Posted in LIBREAS.Visualisierung by Paul Vierkant on 1. Dezember 2014

Wenn es um das Thema Open Access geht, dann wird oft in die Zukunft geschaut, um zu erfahren, wann Open Access in der Politik, Wissenschaft und Mitte der Gesellschaft angekommen sein wird. Der 2014 Census of Open Access Repositories in Germany, Austria and Switzerland (2014 Census) stellt einen Status Quo der deutschen Repositorienlandschaft dar. Jedoch eine Frage, die im Rahmen des 2014 Census gestellt wurde, hat eine historische Dimension:

“Seit welchem Jahr ist Ihr Repositorium über das WWW zugänglich? Im Falle von Vorgängerversionen wird die Jahreszahl der ersten Implementierung des Repositoriums erfasst.” Erhebungsdatum: 2014-01-13 – 2014-02-06.(1)

Die Antworten auf diese Frage gewähren einen Blick zurück auf den grünen Weg, der in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren beschritten wurde. Von den 152 Open-Access-Repositorien (OAR) im 2014er Census haben 80 Betreiber das Startdatum ihres OAR angegeben.(2) In dem folgenden Beitrag werden daher nur diese 80 OAR behandelt. Die OAR-Betreiber wurden in folgende drei Typen eingeteilt:

  • Universität (3)
  • Fachhochschule (4)
  • außeruniversitäre Forschungseinrichtung und Andere (im Folgenden nur außeruniversitäre Forschungseinrichtung) (5)

Darüber hinaus erfolgte eine Kategorisierung, ob es sich bei dem Repositorium um ein fachliches oder institutionelles OAR handelt. Ein weiteres Kriterium ist der DINI-Validator-Score, den die OAR durch die Überprüfung mittels des DINI-Validators im Rahmen des 2014 Census erreichten. Der DINI-Validator-Score ist ein Maßstab für die Metadatenstandard- und Schnittstellenkonformität eines OAR mit dem DINI-Zertifikat 2010. (6)

Jeder der genannten Aspekte für sich liefert genügend Daten für eine umfangreiche Auswertung. Doch erst die Kombination aller vier Kriterien ermöglicht den folgenden kurzen historischen Abriss der deutschen Repositoriengeschichte (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Historische Entwicklung von Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013) (12)

Abbildung 1: Historische Entwicklung von Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013) (12)

Prägend für die 1990er Jahre sind institutionelle OAR, deren Betreiber fast immer Universitäten waren. Universitäten ebneten den grünen Weg für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Fachhochschulen. Es bestätigt sich jedoch nicht die Annahme, dass die universitären “early adopters” sich bis heute zu größeren OAR (weiter-)entwickelt hätten. Vielmehr ergibt sich eher ein heterogenes Bild von kleinen, mittleren und großen universitären OAR. (7)

In den Zweitausendern zogen vor allem außeruniversitäre Forschungseinrichtungen nach und bauten sowohl fachliche als auch institutionelle OAR auf, die vorrangig mittlerer jedoch zum Teil auch von enormer Größe sind.

Dem Gros der universitären und außeruniversitären OAR steht eine kleine Zahl an OAR gegenüber, die von Fachhochschulen betriebenen werden. Die meisten von ihnen starteten ihren, in der Regel kleinen, Dienst erst nach 2005.

Insgesamt wuchs die deutsche Repositorienlandschaft in den letzten 20 Jahren stetig und schubweise (siehe Abbildung 2). Die Jahre 1999, 2003 und 2006 markieren hierbei die Wachstumshöhepunkte in der Entwicklung der Repositorienlandschaft (siehe Abbildung 3). War der erste Schub in 1999 noch geprägt von Universitäten, die ein OAR aufbauten, so trugen 2003 zunächst auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Andere und später in 2006 auch Fachhochschulen zum sprunghaften Wachstum der Repositorienlandschaft bei (siehe Abbildung 4). (8)

Abbildung 2: Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013) (9)

Abbildung 2: Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013) (9)

 

Abbildung 3: Anteile der Betreibertypen am Wachstum der deutschen Open-Access-Repositorien-Landschaft (1991-2013) (10)

Abbildung 3: Anteile der Betreibertypen am Wachstum der deutschen Open-Access-Repositorien-Landschaft (1991-2013) (10)

Abbildung 4: Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien nach Betreibertypen in Deutschland (1991-2013) (11)

Abbildung 4: Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien nach Betreibertypen in Deutschland (1991-2013) (11)

 

DINI-Validator-Score

Hinsichtlich des DINI-Validator-Scores zeigt Abbildung 1, dass weder der Betreibertyp, noch Größe oder Repositorientyp einen signifikanten Einfluss auf den Score haben. Neben den größten fachlichen OAR (EconStor und German Medical Science), die von außeruniversitären Forschungseinrichtungen betrieben werden, haben kleine OAR von Fachhochschulen (z. B. FH Köln und FH Hannover) sehr gute DINI-Validator-Scores zwischen 90,0 und 100,0. Gleichzeitig gibt es von beiden Betreibertypen OAR, die im Bereich von 65,0 bis 75,0 eher mittelmäßig abschneiden. Leider ist zu beobachten, dass jüngere OAR nicht zwangsläufig eine bessere Metadatenqualität als ihre älteren Pendants haben, obwohl eine Dekade und das Wissen um bestehende Standards zwischen ihren Launches steht. Viele der vor 2002 gelaunchten OAR haben nur einen mittelmäßigen DINI-Validator-Score, was vermuten lässt, dass diese Institutionen die Metadaten ihrer Publikationen und die Schnittstellen ihrer OAR nicht oder nur ungenügend neuen Standards anpassen.

 

Fazit

Die kurze Geschichte der deutschen OAR-Landschaft ist geprägt von Universitäten, die als Pioniere der ersten Stunde den grünen Pfad des Open Access überhaupt erst zu einem Weg machten. Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind als betreibende Institutionen eine Minderheit, die gleichzeitig das unterste und oberste Ende des Größenspektrums ausmachen.

Ebenfalls gilt festzuhalten, dass in Deutschland Metadatenqualität nichts mit der Größe eines OAR zu tun hat. So gibt es kleine aber feine OAR, die als Hidden Champions in ihrem Tagesgeschäft mit ihrer standardkonformen Erschließung vorbildliche Arbeit leisten.

Das Bemerkenswerteste an dieser kurzen Geschichte der deutschen OAR-Landschaft rückte jedoch in der obigen Darstellung in den Hintergrund: die beachtliche Zahl von insgesamt 152 OAR, die in den letzten knapp 20 Jahren in Deutschland von wissenschaftlichen Bibliotheken, Forschungsorganisationen und anderen öffentlichen Institutionen aufgebaut wurden.

Da unklar ist, wieviel Strecke vom grünen Weg noch vor uns liegt, können wir nicht wissen, ob der grüne Open Access in Deutschland angekommen ist. Jedoch zeigt uns ein Blick zurück auf 20 Jahre grünen Open Access in Deutschland, dass der oft schwerste Teil einer Reise hinter uns liegt: der erste Schritt.


(1) Die Forschungsdaten, die im Rahmen des 2014 Census gesammelt wurden, werden im Forschungsdatenrepositorium zenodo.org im Laufe des Dezember 2014 bereitgestellt. http://doi.org/10.5281/zenodo.10734

(2) Durch einen technischen Fehler im Online-Formular konnte bei der Erfassung des Startdatums eine nicht zulässige Angabe übermittelt werden, welche bei dieser Auswertung als Fehler gewertet und daher nicht berücksichtigt wird. Die Grundgesamtheit reduziert sich von 81 Antworten auf 80 valide Angaben.

(3) Der Begriff Universität umfasst deutsche Universitäten und Hochschulen mit Promotionsrecht laut Hochschulrektorenkonferenz-Liste (HRK-Liste), siehe: http://www.hochschulkompass.de/hochschulen/hochschulen-in-deutschland-die-hochschulsuche.html

(4) Der Begriff Fachhochschule umfasst Fachhochschulen und Hochschulen ohne Promotionsrecht laut HRK-Liste.

(5) Der Begriff Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Andere umfasst z. B. Forschungsinstitute und Forschungszentren, wobei Andere z. B. staatliche Einrichtunge wie Bundesanstalten sein können.

(6) Der Wertebereich des DINI-Validator-Scores reicht von 0,0 bis 100,0. Für den DINI-Validator siehe: http://oanet.cms.hu-berlin.de/validator/pages/validation_dini.xhtml

(7) Größe: Die untersuchten OAR wurden je nach Anzahl der vorgehaltenen Items in folgende Größenkategorien unterteilt: „klein“ = 1-1.000; „mittel“ = 1.001-5.000; „groß“ = > 5.001. Item bezeichnet die laut Bielefeld Academic Search Engine vorgehaltenen Open-Access-Volltextveröffentlichungen, die im Idealfall die Gesamtheit des Bestands ausmachen, siehe: http://www.base-search.net/about/de/faq.php#chap03

(8) Welchen Einfluss Hosting-Dienste auf die Entstehung der deutschen Repositorienlandschaft hatten, stellt hierbei eine Forschungslücke dar.
(9) Vierkant, Paul. (2014). Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien in Deutschland (1991-2013). ZENODO. 10.5281/zenodo.12954

(10) Vierkant, Paul. (2014). Anteile der Betreibertypen am Wachstum der deutschen Open-Access-Repositorien-Landschaft (1991-2013). ZENODO. 10.5281/zenodo.12952

(11) Vierkant, Paul. (2014). Jährliche Anzahl der gelaunchten Open-Access-Repositorien nach Betreibertypen in Deutschland (1991-2013). ZENODO. 10.5281/zenodo.12949

(12) Vierkant, Paul. (2014). Historische Entwicklung von Open-Access-Repositorien in Deutschland 1991-2013. ZENODO. 10.5281/zenodo.12969

Die Bibliothek in der Literatur. Reed Gračevs Disput über das Glück.

Posted in Die Bibliothek in der Literatur, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 29. Oktober 2014

von Ben Kaden (@bkaden)

I

Es gibt auf dem deutschen Buchmarkt (und vermutlich muss man sagen: in der deutschen Buchkultur) vermutlich nichts, was die russische Literatur so wunderbar entfaltete wie die Zusammenarbeit der Friedenauer Presse mit dem Übersetzer Peter Urban. Hätte es sie nicht gegeben, fehlten uns nicht nur fantastische Ausgaben im Regal. Wir wüssten vermutlich auch sehr wenig über Daniil Charms und so gut wie nichts über Leonid Dobyčin (vgl. auch hier) und schon gar nichts über Reed Gračev (Рид Грачев). Dessen Texte in der jüngst erschienenen Zusammenstellung zu einem Band mit dem denkbar schlichten Titel „Tomaten“ wird das letzte Produkt dieser wunderbaren Kooperation sein, denn Peter Urban starb im Dezember 2013.

Die Übersetzungen zu Gračev, der auch in Russland gerade erst ein wenig wieder entdeckt wird, erarbeitete Peter Urban bereits schwer erkrankt, wie die Herausgeberin des Bändchens, Brigitte van Kann, in ihrem Nachwork ausführt, das zugleich mutmaßlich der erste deutschsprachige Text über Gračev und dessen Biographie sein dürfte. Das schmale und wie bei der Friedenauer Presse üblich haptisch hochwertig broschierte Bändchen enthält nun mit der Erzählung „Disput über das Glück“ einen der wunderbarsten Texte mit Bibliotheksbezug, die uns dieser Literaturherbst hinblättert.

Reid Gracev - Tomaten. Erschienen 2014 in der Friedenauer Presse

Das Glück ist tomatenrot, ein wenig angestoßen und eventuell auch etwas traurig. So jedenfalls könnte man einen Beitrag zu einem entsprechenden Disput als These formulieren und zwar exakt deshalb, weil sich Glück hier auf das Empfinden bezieht, das einen umfängt, wenn man die wunderbare und hier sichtbar durch entsprechenden Gebrauch gezeichnete Ausgabe der Tomaten hinter sich (=gelesen) und vor sich (=nach dem Lesen) liegen hat.

Wie auch in den anderen Erzählungen geschieht in der 1961 (im Original: Диспут о счастье) erstpublizierten mehr Betrachtung als Kurzgeschichte auf den ersten Blick gar nicht so viel: einer Bibliothek vermutlich im Puschkin-Lyzeum von Zarskoje Selo (im daneben liegenden Katharinenpark beschäftigt sich der Wind mit dem Bewegen der Bäume, über dem Schulgebäude beschäftigt sich ein Flugzeug mit dem Steigflug) treffen ein Dutzend Senioren und eine unbestimmte, kleine Zahl Soldaten aufeinander, um sich zu erläutern, was das ist, dieses Glück. Die Gastgeberin ist die Bibliothekarin und ihr gegenüber tritt eine weitere Frau als Gegenfigur auf, die „in einer strengen Jacke“ und mit „ernstem Blick“ zunächst die Rolle einer Beobachterin übernimmt und zugleich bei der Bibliothekarin ein Kreisen eines eigenen Glückskonzeptes anregt. Zwei vereinzelte Personen stehen zwei Gruppen – den Alten und den Jungen – gegenüber, begleiten deren Glücksvorstellungen ohne jedoch selbst in den Disput einzugreifen und ohne sich diesen Glücksentwürfen anzuschließen.

Das Glück der Bibliothekarin ist nichts, auf das man zustrebt. Es ist vielmehr – die „bleiche Sonne vor dem Fenster“, das „Rauschen der Bäume im Park“, die „Soldaten mit ihren rosigen Gesichtern und den Schiffchen auf den Knien“ – ein ganz tiefes bescheidenes Daseinsglück, eine Einsicht die sie durchaus gern mit den Anwesenden und der Fremden in der Ecke teilen würde. Sie meint jedoch „es sei besser nichts zu sagen, denn man könnte sie missverstehen, und die unbekannte Frau hätte womöglich ihre eigenen Vorstellungen vom Glück und ihr könnte missfallen, was die Bibliothekarin dachte.“

Die Anwesenheit des undurchschaubaren Beobachters verhindert die Aussage: Wo man missverstanden oder Missfallen erregen kann, da sollte man also schweigen. Oder, wie zu Flucht oder Tarnung, darüber hinweg sprechen, „[u]nd die Bibliothekarin sagte die üblichen Worte, die Bibliothekare zu sagen haben, wenn sie Dispute über das Glück eröffnen.“

Wobei dies erstaunlicherweise in der Gegenwart so selten vorkommt, dass man als am „üblichen“ ein Sekunde länger als eben üblich hängen bleibt und zu meinen versteht, wohin Reed Gračev seine Bibliothekarin und damit uns lenkt. Hilfreicher ist es womöglich sogar noch, wenn man weiß, dass Dispute über das Glück in der Lyrik des eben in Zarksoje Selo geborenen Sohn Anna Achmatova vorkommen. Lew Nikolajewitsch Gumiljows Leben war in Stalins Sowjetunion zwar typisch aber völlig fernab von dem, was man landläufig als glücklich bezeichnen würde: früher Verlust des Vaters durch politische Gewalt, mehrfacher Ausschluss vom Studium, Verbannung nach Norilsk, Weltkriegsteilnehmer, denkbar hohe Hürden für die wissenschaftliche Arbeit, zeitweise Zuflucht im Bibliothekarsberuf, wieder Lagerhaft, wobei er dort immerhin das Glück hatte, wenigstens zeitweise in die vergleichsweise erträgliche Rolle des Bibliothekars der Lagerbibliothek zu gelangen. Insofern war, wie für viele Intellektuelle und intellektuelle Dissidenten seiner Zeit die Bibliothek ein zentraler Ort und bereits in seiner Kindheit häufiger Gast in der Stadtbibliothek seiner Kindheitsstadt Beschezk. Das Gedicht „Disput über das Glück“ ist, soweit ich sehen kann, nicht exakt datiert, entstand aber vor 1940, denn da hatte es seine Kommilitonin an der Leningrader Universität, Tatiana Stanyukovich, schon im Notizbuch. Gumilev vereinigt in seinem Disput-Gedicht acht Glückskonzepte, die Dschinghis-Kahn bei einigen seines Heeresführer abfragt und zusammenfasst. Am Anfang steht dort ein Falke und am Ende ein Dolch und zwischendurch liest man von Pferden und Mädchen, also all dem, was bedeutsam war, für die Männer der Inneren Mongolei. Glück ist überall Entwurf. Die Realität ist Verlust und Bedrohung und eventuell: Hoffnung.

II

Was war nun Glück für den jungen Reed Vite, dessen ungewöhnlicher wirklicher Vorname – er bekam noch einen Iosifovič dazu – unschwer erkennbar einen Faden zu dem Journalisten und Kommunisten John Reed zieht, dem 1919 in den USA die Anklage wegen Hochverrats drohte, vor der er nach Moskau flüchtete und es ist einer dieser eigenwilligen Züge der Weltgeschichte, dass sie ihre Motive immer wieder wiederholt, wenngleich Edwards Snowden nun wirklich kein Kommunist ist. Reed starb jung (mit 33) an Typhus im Land seiner Ideale und bevor er die Garstigkeiten Stalins (der immerhin Reeds Beschreibung der Oktoberrevolution Ten Days That Shook the World verbieten ließ, weil er seine eigene Rolle darin zu wenig gewürdigt sah und Trotzkis zu sehr) erleben konnte und wurde in einem Ehrengrab an der Kremlmauer beigesetzt. Gračev wurde deutlich älter und starb nach herben Erfahrungen des Breschnew-, Spät- und Postsozialismus’. Jemand hat seinen Grabstein fotografiert und ins Internet gestellt.

Reed Vite verlor beide Eltern bei der Blockade Leningrads und durchlief eine Kindheit in Waisenhäusern und in der, mehr oder weniger, Obhut von Verwandten. Die Elternlosigkeit und die Sehnsucht nach seinen Wurzeln werden später Zentralmotive seiner Geschichten. Er galt als äußerst talentiert, versuchte sich an einer Übersetzung von Camus Der Fremde und übertrug Saint-Exupery ins Russische bevor er ab 1959 nach Abschluss seines Journalismusstudiums bis in die späten 1960er Jahre eine konzentrierte und innerhalb der Leningrader Literaturlandschaft sehr nachhaltig wirkende, unumstritten großartige Prosa schrieb. In Erinnerung an seine Mutter, die Journalistin Mauli Arsenjevna Vite, die ihre Artikel mit dem Nachnamen ihres Vaters unterzeichnete, nannte er sich Gračev. Irgendwann in den frühen 1960ern entstand ein Foto, dass ihn mit Andrej Bitov, Aleksandr Kushner und Jakov Gordin zeigt – die frühe nachstalinistische Sowjetunion in Leningrad schien nicht der schlechteste Startpunkt für einen jungen Schriftsteller gewesen zu sein, was auch Brigitte van Kann in ihrem Nachwort zu Tomaten betont. Für das Publizieren wäre Moskau besser gewesen. Leningrad hatte dafür die Gorozhane (Die Urbanisten), das Café Saigon am Newski Prospekt, eine wildere Samisdat-Kultur und eine Institution namens LITO, eine offizielle aber vergleichsweise wenig reglementierte lokalen Schriftstellervereinigung, in der sich Gračev engagierte und die zunächst als Sprungbrett zu funktionieren schien. Er galt bald weithin als einer der literarischen Hoffnungsträger seiner Generation. An dieser Stelle hatte er zugleich, was vermutlich niemand ahnte, den Höhepunkt seiner Schriftstellerlaufbahn bereits erreicht.

Dass seine Wirkung weitgehend auf seinen engeren Kreis, oft dem um Lidiya Ginzburg , der sich in Gračevs Wohnung in der Scheljabow Straße traf, begrenzt blieb, lag nicht an die Qualität der Texte – wie die nun auch auf Deutsch vorliegende Sammlung eindrücklich unterstreicht. Sondern daran, dass er kaum gedruckt wurde. Ein Manuskript lag seit 1962 beim Verlag, ein Vertrag war unterschrieben und er hoffte darauf, publiziert zu werden. Aber in der zweiten Hälfte der 1960er bricht die Perspektive allmählich. Krankheit und Armut sind die beiden Koordinaten, in denen er sich gefangen sieht. Die Publikationsmöglichkeiten schwinden in der sich wieder straffenden Kulturpolitik der Sowjetunion weiter. Er verbringt Zeiten in psychiatrischen Kliniken. Dass ihm Joseph Brodsky 1967 bescheinigte, der beste russischsprachige Schriftsteller dieser Zeit zu sein, half nicht. Im selben Jahr erscheint ein massiv zusammengekürztes Prosabändchen, was Gračev, wie Bitov und Gordin in der Rückschau berichteten, keinesfalls als Glück, sondern als reine Demütigung empfand. Gde tvoi dom? – Wo bist Du zu Hause? war der Titel, es gab ein graues Holzschnittcover und eine Auflage von immerhin 30.000. Die Geschichte vom Disput über das Glück ist darin nicht enthalten, wohl aber das auch in Tomaten übersetzte Meisterstück der Suche nach Heimat oder Ankunft „Der Zahn tut weh“. In den 1990ern wird er erstmals umfassend gedruckt, aber es kommt zu spät. Ausgerechnet 1994, in dem Jahr, in dem sein Werk erscheint, verliert er seine Wohnung und ist zeitweilig obdachlos. Er wird entführt und verliert ein Bein. Am 01. November 2004 stirbt er in St. Petersburg. Die wenigen Fakten, die sich über sein Leben zusammentragen lassen, verweisen nirgends auf Glück. Aber vielleicht liegt es doch irgendwo verborgen und möglicherweise zeigt sich in der Bibliothekarin aus Zarskoje Selo, immerhin erschaffen von Gračev, doch eine Ahnung davon.

III

Der Disput in der Bibliothek am Katharinenpark ist genau genommen keiner, denn die RentnerInnen erkennen trotz aller unterschiedlichen Annäherungen an das Thema, „das sie alle glücklich waren oder glücklich gewesen waren, und als sie das erfuhren, bekamen die alten Frauen und Männer einen rosigen Hauch im Gesicht und sahen von fern den Jungen ähnlich.“ Am Anfang steht in der Retrospektive aufs Glück die Arbeit, dann folgt die Freundlichkeit (eines Mediziners) und schließlich die Distanz zu den Spießbürgern, was sicher alles bedeutsam war in der Sowjetunion von 1960. Das Glück ist, alles in allem, allen dasselbe.

Die Soldaten tragen zur Diskussion nichts bei, halten geduldig äußerlich die Fassung und streben innerlich zum Kino, also, wenn man so will und wenn es gut läuft, zur Perfomativität des Glücks. Wobei es gar keine Alternative zu geben scheint: „Vor allem lächelten sie. Und wer nicht lächelte – lachte. Und wer nicht lachte – sang.“ Das Glück ist, alles in allem, allen dasselbe.

Die Frau (die Fremde) in der Ecke bleibt undurchschaubar, fast bedrohlich. Ihre Jacke ist erst „streng“, dann „seriös“, dann „düster“, dann „schwarz“ und schließlich “unansehnlich“. Sie durchläuft eine kleine Karriere vom Ernsten zum Schäbigen und zwar in den Augen der irritierten und nach außen hin ebenfalls ganz teilnahmslos wirkenden Bibliothekarin, die erst zum Fenster in die „rote“, also sinkende, nicht mehr „bleiche“, also etwa zwei Stunden früher hoch stehende, Sonne sah und dann – Klammer zu – „die üblichen Worte [sagte], die Bibliothekare sagen, wenn sie Dispute über das Glück beenden.“ Wie bewusst die Formulierung „den Disput beenden“, also mit einem Machtwort schließen, gewählt ist, mag man vermutlich erst in Rückgriff auf das Original entscheiden. Die Frau mit der Jacke hört sich an, was über das Glück gesagt wird, macht sich Notizen, schaut streng auf die, die reden und verschwindet, ohne etwas jenseits der Strenge über sich und ihre Interessen erkennbar werden zu lassen. Auf einmal ist sie aus dem Blick. Die Besucher des Disputs verabschieden sich und auch die Bibliothekarin ist frei. Alle gehen ihrer Wege, auf die Straße.

Die Besucher erfreuen sich nun und dort am sichtbaren Gegenwartsglück der „fortschrittlichen Sowjetjugend“, das sie jeweils aus ihrer Perspektive und für sich immer richtig ausdeuteten. Die jungen Menschen selbst „waren einfach jung, waren einfach schön und waren trunken vor Glück. Sie gingen einfach ins Kino.“

Auch die Bibliothekarin sieht all dies und das Glück der Jugend, diesem Idealalter des Sozialismus und würde sich, wenn sie könnte, womöglich sogar einreihen, ins Kino gehen und lächeln. Es geht nicht.

„Aber sie war nicht mehr jung und wusste was Glück ist. Deshalb beschloss sie, es niemandem zu sagen.“

Ihr Glück ist so sinnlich wie vergänglich. Was die Bibliothekarin eingangs über das Glück denkt, wiederholt sich. Es sind die rauschenden Bäume, die sinkende Sonne, es ist auch, vielleicht, das ungefilterte, auch unwissende Glück der Anderen (das Lächeln, das Lachen, das Singen) und das steigende Flugzeug. Es steigt über die gesamte Geschichte. Am Ende dreht es sich weiter durch den Himmel „zu einer rostbraunen Wolke“ hinauf. Das ist eigentlich alles.

(19.10.2014)

Quellen

Reed Gračev (2014) Tomaten. Acht Erzählungen. Aus dem Russ. übers. von Peter Urban. Hrsg. und mit einem Nachw. von Brigitte van Kann. Berlin: Friedenauer Presse (Seite zum Buch beim Verlag)

Рид Грачев [Reed Gračev] (1967) Где твой дом : Рассказы. Москва Ленинград : Сов. писатель, 1967

Carol Ueland (1999) Unknown Figure in a Wintry Landscape: Reid Grachev and Leningrad Literature of the Sixties. The Slavic and East European Journal. Vol. 43, No. 2, S. 361.-369. DOI: 10.2307/309550

Felix Stalder über Diskursivität und Peer Review.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 17. Oktober 2014

Eine Notiz  von Ben Kaden (@bkaden)

I.

„Wir sollten davon ausgehen, dass Wissen aus Debatten her vorgeht und dass Debatten oder Diskurse die zentralen Elemente der Wissensproduktion sind. Anstatt einen Text „den Erfordernissen entsprechend“ zu modellieren und ihn dann mit dem Stempel des Peer Review zu legitimieren, sollten Beiträge als Ausgangspunkte für Debatten betrachtet werden, die offen sind und offen bleiben.“ (Stalder, 2014)

schreibt der Medienwissenschaftler Felix Stalder in der, tatsächlich, Nullnummer der Zeitschrift Kamion, die – ganz nah an der Idee des Open Access – mit dem Motto “Der Aufstand der Verlegten” antritt. (mehr zur Zeitschrift bei Brandmayr, 2014) Der Autor verwirft darin sehr offensiv die Idee des Peer Review, die ihm gerade im Double-Blind-Modus als sehr eigenartiges Verfahren, als ein „in vielerlei Hinsicht paradoxer Prozess“ erscheint:

„Durch die Verschleierung der Einflussnahme der Gutachter_innen auf den veröffentlichten Text wird ein Anspruch auf unpersönliches Wissen erhoben (das im Zuge des Begutachtungsprozesses entsteht), und es wird eine individuelle Autor_innenstimme behauptet.“ (ebd.)

Die Gründe, die aus seiner Sicht gegen das Peer Review sprechen, sind zusammengefasst:

  • Es besteht ein (Macht)Missbrauchspotential auf Seiten die Gutachter.
  • Die Autorenherkunft lässt sich gerade mithilfe digitaler Recherchetechnologien sehr einfach ermitteln (Stilproben, Thematik), so dass die Blind-Variante nicht wasserdicht ist.
  • Peer Review befördert einen stilistischen und formalen Konsens, wirkt also, wenn man so will, für den Diskurs homogenisierend
  • Das Peer-Review-Verfahren ist schlicht inkonsistent und zu langwierig.

II.

Es gibt mittlerweile erwartbar eine ganze Reihe von Überlegungen, wie der Ansatz des Peer Review als Qualitätskontrollmaßnahme überholt und reformiert werden kann. Stalder geht kurz auf Tony Prug und dessen Idee des Open Process Academic Publishing (Prug, 2010) ein. Diese beinhaltet u. a. auch, dass die publizierende Arbeit, also das, was ein Journal und eine Redaktion sowie, wenn vorhanden, die Reviewer tun, sichtbar wird und zugeordnet werden kann. Der für die Wissenschaftsgemeinschaft und die Selbstorganisation ihrer Publikationsprozesse entscheidende Schritt wäre eine komplette Nachvollziehbarkeit des Reviewing, die Missbrauchsmöglichkeiten erheblich reduziert und obendrein Metadiskurse zum Verfahren anregt, weil nun auch die Defizite des Review-Verfahrens erkennbar und analysierbar werden.

Stalder sucht eine andere Lösung. Er möchte das Peer-Review-Verfahren insgesamt überwinden. Entscheidend ist für ihn nicht, wie sehr ein Text bestimmten Vorstellungen und Kriterien der Gutachter entspricht, sondern welches diskursive Potential dieser enthält. Ins Zentrum der Auswahlentscheidung rückt die Debatte (vgl. Eingangszitat). Interessant für die Redaktionspraxis von kleinen Fachzeitschriften wie LIBREAS, die sich ständig intensiv mit der Frage der Begutachtung und Beitragsauswahl beschäftigen, sind Stalders Vorstellungen vom Aufgabenprofil einer Redaktion:

„Die Aufgabe des Redaktionsgremiums einer Zeitschrift wäre demnach eine doppelte: Erstens gilt es einzuschätzen, ob ein eingereichter Beitrag das Potenzial hat, die diskursive Praxis des Zusammenhangs weiterzubringen; und zweitens müssen, um die Debatte zu eröffnen, die Schlussfolgerung(en) dieser Einschätzung durch das Redaktionsgremium zusammen mit dem ursprünglichen Beitrag veröffentlicht werden. Das Redaktionsteam muss zu keiner Einigung gelangen. Es sollte ausreichen, dass ein Mitglied überzeugende Argumente dafür liefern kann, was aus diesem Beitrag tatsächlich einen Beitrag zur gemeinsamen diskursiven Praxis macht. Sollten andere Redakteur_innen zu anderen Schlussfolgerungen kommen, so wären auch ihre Argumente zu veröffentlichen. Eine Zurückweisung sollte nur dann erfolgen, wenn sich niemand positiv dafür interessiert.“ (Stalder, 2014)

Es beruhigt in gewisser Weise, dass in praxi ein solcher Prozess eines Editorial Reviews von Anfang an die einzige Option für eine Open Access-Zeitschrift im Betriebsmodus von LIBREAS war. Die zum Stalder’schen Konzept lückenschließende Ergänzung wäre nun, die Entscheidungsargumente aus den Protokollen der Redaktionsbesprechungen zu extrahieren, aufzubereiten und neben dem Beitrag als eine Art Paratext zu veröffentlichen.

Stalders Konzept klingt zunächst einmal nach einer reizvollen Idee, die wir auch gern intern reflektieren werden. Es birgt jedoch auch die Gefahr, dass die Redakteure mit ihrer plötzlich öffentlichen Rolle als Expertenjury eine prominentere Position im Publikationskontext einnehmen, als sie eigentlich anstreben. Das Kriterium der, wenn man so will, erwartbaren Diskurswucht eines Beitrags müsste in jedem Fall hinsichtlich der jeweiligen, also unserer, Diskursgemeinschaft spezifizieren. Schon das dürfte Probleme bereiten, denn die Erfahrung zeigt, dass sich die Zielgruppe von LIBREAS schwer eng umreißen lässt.

Die Einschätzung, „was aus [einem] Beitrag tatsächlich einen Beitrag zur gemeinsamen diskursiven Praxis macht“, fordert darüber hinaus einen Entscheidungsmaßstab, der konsequenterweise selbst wiederum transparent ermittelt werden muss. Ob sich das am Ende auf der Bewertungsebene allzu sehr vom traditionellen Peer Review unterscheidet, ist offen. Denn auch das Peer Review hat im Kern keinen anderen Grund als die Beurteilung, wie relevant und damit anregend für Folgeforschung oder Folgediskurse ein Beitrag ist. Alle übrigen Kriterien (passt ein Beitrag qualitativ in die jeweilige Zeitschrift?, ist er formal korrekt ausgearbeitet?, etc.) setzen auf dieser Grundidee auf.

Schließlich bleibt auch noch zu beachten, dass sich der Aspekt der Diskursivität in den so genannten STEM-Fächer ganz anders als in den Geisteswissenschaften präsentiert. Dort dient Peer Review im Idealfall zur Absicherung von faktueller und Verfahrenskorrektheit. Die dadurch erfolgende Vorfilterung trägt erfahrungsgemäß zu einer sehr willkommenen Komplexitätsreduktion bei, da – wiederum im Idealfall – nur Beiträge überhaupt in den Rezeptionszyklus gelangen, die den wissenschaftlichen und fachlichen Standards entsprechen. Das sollte nicht einer Homogenisierung sondern eher einer Kanalisierung entsprechen, bei der (wir denken an Ranganathans Every reader his/her book.) Publikationen möglichst genau dem passenden Adressatenkreis zugeleitet werden. Sind die Wissenschaftler mit dem Zuschnitt und den Review-Kriterien einer Zeitschrift vertraut, gelingt es ihnen umso besser, die Primärentscheidung zu treffen, ob ein Aufsatz für eine Lektüre überhaupt relevant ist. Die Forderung, Review-Verfahren transparenter und nachvollziehbar zu gestalten, ist hier absolut berechtigt. Das Kriterium der Debattenfähigkeit dürfte jedoch keine große Rolle spielen. Denn die Debatten finden in diesen Disziplinen eher über die Editorials, manchmal auch die Berichten und den Korrespondenzseiten der Fachzeitschriften vermittelt statt, also genau in den Teilen der Zeitschriften, die nicht einem Peer Review unterliegen.

 III.

Die Umbrüche im Publikationswesen an sich und besonders auch in der wissenschaftlichen Kommunikation sind so notwendig wie erwartbar langwierig. Das zeigt auch die Publikation von Felix Stalder in Kamion. Der Autor beschreibt in seiner Analyse der Debatte etwas, was sehr nah an die Idee liquider Dokumentensysteme rückt und führt einiges an, was in der Modellierung zu so genannten „enhanced Publications“ regelmäßig auftaucht, nämlich das Ziel:

„Materialien einfacher zwischen verschiedenen Publikationsformaten hin und her zu bewegen, von Interventionen über vielleicht auf Video aufgezeichneten Gesprächen hin zu Online-Artikeln und elektronischen oder gedruckten Büchern und wieder zurück.“ (Stalder, 2014)

Dies ist konzeptionell gar nicht allzu weit von dieser Beschreibung entfernt:

„Grob definiert versteht man unter “enhanced publications” Publikationsformen, die über eine digitale Nachbildung von Druckmedien hinausgehen und zum Beispiel mit Zusatzdiensten und Multimedia-Materialien angereichert sowie hypertextuell und/oder semantisch vernetzt sind.“ (Kaden, Kleineberg, 2014)

Was Stalder zu Recht in diesen Kontext einzubringen unternimmt, ist, diese Vernetzung nicht nur auf der Ebene der Formate, der maschinenlesbaren Verknüpfung sowie generell dem Anschluss von Begleitmaterialien wie Forschungsdaten oder Verfahrensdokumentationen zu sehen. Wissenschaftliche Kommunikation bleibt auch zukünftig unvermeidlich ein primär soziales Geschehen, weshalb die Vernetzungsdynamik von Publikationen naturgemäß auch und aus Sicht von Publizierenden ganz besonders von der Perspektive der Diskursivität her gedacht werden muss.

Digitale Kommunikationswerkzeuge der Gegenwart und idealerweise auch alle kommenden Publikationsstrukturen sollten dies ausdrücklich berücksichtigen und unterstützen. Die einfache Einbindung von Web-Elementen in Soziale Netzwerke ist dabei nur eine der simpelsten Varianten.

Selbst wenn man versteht, wie aufwendig es ist, mit engem Budget eine Zeitschrift herauszugeben, hätte man sich daher auch aus diesem Grund im Fall von Kamion ein wenig mehr Mut zur Nutzung offenerer digitaler Publikationsformen gewünscht. Schließlich tritt die Zeitschrift mit dem Anspruch an:

„Sie forciert den Verkehr, die Übersetzungen, die Vernähungen zwischen sozialen Bewegungen, Kunstpraxen und kritischer Intellektualität. Sie eröffnet Raum für entspannt theoretische, essayistische, nicht-akademische Schreibweisen und experimentelle Erzählformen. Sie entwickelt Taktiken und Strategien der Verkettung, Neuzusammensetzung und Bildung von Allianzen.“ (Kamion, 2014)

Publiziert wurde die Null-Ausgabe leider im Rückgriff auf das antiquierte und im digitalen Sinn denkbar verschlossene PDF-Format.

Erstaunlicherweise relativiert sich diese Kritik ein wenig, wenn man weiter recherchiert. Dann findet man den Text Felix Stalders bereits stärker „enhanced“, nämlich mehrsprachig und mit ein paar weiterführenden Informationen verknüpft, parallelpubliziert auf einem Portal namens _transversal texts_ (einem „multilingual webjournal“ herausgegeben vom europäischen institut für progressive kulturpolitik in Wien), wobei wiederum wenigstens für den Erstbesucher reichlich undurchsichtig bleibt, was, wie und mit welchem Zweck zusammenhängt. Aus performativer Hinsicht ist diese Unübersichtlichkeit, die so kennzeichnend für vielschichtige und offene digitale Kommunikationsumgebungen ist, fraglos gelungen. Einem Rezipienten, der permanent zwischen beiden Welten, nämlich der analogen bzw. analog geprägten und der digitalen und enhanced ausgericheten Publikationskultur wandelt, fehlen hier freilich stabile Orientierungsmarker, anhand derer er einschätzen kann, womit er es überhaupt zu tun hat. Was man nämlich nicht vergessen darf, ist, dass das diskursive Potential einer Publikation nicht allein von der Entscheidung der Herausgeber und der Redaktion abhängt. Ähnlich, wenn nicht sogar wichtiger ist die Bewertung und Begutachtung der Publikation durch das Publikum, also die rezipierende Diskursgemeinschaft. Die Aufgabe einer Redaktion ist folglich, nicht nur Beiträge auszuwählen, sondern auch einen Präsentationsrahmen zu entwickeln, der diese ohne großen zusätzlichen Aufwand eindeutig und konzentriert rezipierbar macht.

(Berlin, 17.10.2014)

Quellen

Alessia Bardi; Paolo Manghi (2014) Enhanced Publications: Data Models and Information Systems. In: LIBER Quarterly, Vol. 23, Nr. 4, S. 240-273, apr. 2014., vgl. http://libreas.tumblr.com/post/99488614736/enhanced-publications

Tanja Brandmayr (2014) Die Lust an transversalen Texte. In: Versorgerin, #103, http://versorgerin.stwst.at/artikel/aug-23-2014-2204/die-lust-transversalen-texten

Ben Kaden, Michael Kleineberg (2014) Das Fu-PusH-Weblog. In: Future Publications in den Humanities (FuPusH). Weblog. 13.10.2014, https://blogs.hu-berlin.de/fupush/2014/10/fupush/

Kamion [Redaktion] (2014) Einfahrt „Nicht abonnieren, wir gehen jetzt. In: Kamion, Nr. 0. S. 2f. (24. Juni 2014), http://diekamion.org/einfahrt/)

Tony Prug (2010) Open Process Academic Publishing. In: ephemera, Vol. 10, Nr. 1, S. 40-63, http://www.ephemerajournal.org/contribution/open-process-academic-publishing

Karsten Schuldt (2012) Peer Review – eine Entscheidungsfrage für kleine Zeitschriften. In: LIBREAS.Weblog, 06. Juni 2012, https://libreas.wordpress.com/2012/06/06/peer-review-eine-entscheidungsfrage-fur-kleine-zeitschriften/

Felix Stalder (2014) Wissenschaftliches Schreiben jenseits der Peer Review. Vom individuellen Schreiben zur diskursiven Praxis. In: Kamion, Nr. 0. S. 4-10 bzw. bei transversal: http://eipcp.net/transversal/0614/stalder/de

(Ben Kaden ist Mitherausgeber der Zeitschrift LIBREAS. Library Ideas und beforscht derzeit im Projekt Future Publications in den Humanities (Fu-PusH) an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin die Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation in den Geisteswissenschaften.)

Call for Paper LIBREAS #27: Methoden

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 30. September 2014

Wissenschaft unterscheidet sich von anderen Formen der Wissensproduktion, Erkenntnisfindung und Verstehensbemühung bekanntlich durch ihr klares und systematisches Annähern. Das Mittel dafür sind die Methoden. Sie helfen, wissenschaftliche und andere Fragestellungen nach einem klar vorstrukturierten Handlungsprogramm zu bearbeiten. Sie schaffen Vergleichbarkeit und sorgen dafür, dass die Antworten oder neuen Fragen in ihre Genese nachvollzogen werden können. Jeder Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin braucht sie und in jeder wissenschaftlichen Arbeit müssen sie zum Verständnis, zur Anerkennung und zur Prüfbarkeit der Aussage dieser Arbeit expliziert werden.

Andererseits müssen die Methoden zu den jeweiligen Fragestellungen passen und wo sie nicht ganz passen, passend gemacht werden. Keinesfalls jedoch sollte die Methode die Fragestellung dominieren, was oft genug vorkommt und beispielsweise einige der Ängste von Geisteswissenschaftlern gegenüber den aufblühenden Digital Humanities erklärt. Die Methode ist die Brille, die den Blick lenkt und den Schärfepunkt definiert. Sie kann Kurzsichtigkeit überwinden aber eben auch hervorrufen. Da es ohne Methoden keine Wissenschaft gibt, muss die Methodendiskussion geführt werden. Und zwar ständig, denn eine Wissenschaft ändert sich mit jedem Erkenntnisschritt und jeder neuen Frage. Daher muss regelmäßig geprüft werden, ob die Methoden, die dazu führten, in derselben Form auch noch für den nächsten Schritt angemessen sind oder angepasst werden müssen. Ein grundsätzlicher Methodenwechsel in einer Fachkultur ist dagegen selten und vor allem selten erwünscht.

Da dieser Prozess eine ganz eigene Komplexität besitzt, verwundert es nicht, dass es in der Spezialisierung der Wissenschaft auch Expertinnen und Experten, die eine Tiefenkenntnis und überdurchschnittliche Reflexionskompetenz bezüglich bestimmter Methoden haben. Sie heißen zwar nicht Methodologisten, sind aber dennoch diejenigen, die idealerweise die Methodendiskussionen mit ihrem Meta- beziehungsweise methodologischen Wissen führen.

In einer Wissenschaft sind sie in der Regel dadurch zu identifizieren, dass sie Handbücher, Einführungen und Tutorien zu den jeweiligen Methoden dieses Fachs verfassen. Greift man zu den jeweils aktuellsten Publikationen dieser Art, erfährt man gemeinhin viel über den derzeitigen Elaborierungsstand zum methodologischen Fundament eines Faches und damit auch ganz allgemein etwas über den Zustand einer Disziplin. Finden sich keine aktuellen Methodenhandbücher, ist das Fach meist so gut wie tot.

Der Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist entsprechend trotz aller Kritik und der allgemeinen Annahme einer methodischen Retardation (vgl. Kaden, 2014) wenigstens formal einigermaßen lebendig, denn gleich drei Titel zu Methoden erschienen in kurzem Abstand voneinander 2013 und 2014. (Umlauf, Fühles-Ubach & Seadle 2013; Schuldt, 2014; Siegfried & Nix, 2014) Ähnliches gilt für die Methodenkritik. Mitte 2014 postulierte Corinna Haas in der 027.7 sowie in einem von ihr eingeführten Schwerpunkt in der Bibliothek. Forschung und Praxis zu ethnologischen Methoden, dass die Bibliotheken sich bislang vor allem auf Umfragen, Interviews und Fokusgruppen konzentrieren würden, wenn sie etwas über ihre Nutzerinnen und Nutzer erfahren wollen. (Haas 2013; Haas 2014) Dabei, so Haas vollkommen richtig, ist die Bandbreite von Methoden, die in anderen Forschungsfeldern entwickelt wurden, viel größer. Ganz abgesehen davon, dass auch die Bibliotheks- und Informationswissenschaft mit ihren sehr unterschiedlichen Fragestellungen selber Methoden entwickeln könnte. Mit einem größeren Methodenwissen lässt sich, so ist kurz zu vermerken, ein größeres Spektrum Fragen sinnvoll und strukturiert bearbeiten, was auch heißt, dass das Bibliothekswesen mehr Wissen ansammeln, vergleichen, strukturieren und in tragfähige Modelle fassen kann. Die Bibliotheks- und Informationswissenschaft könnte also durch die Erweiterung und Elaboration des in ihr gängigen Methodenspektrums ihr Erkenntnis- und Analysepotential erweitern. Für ein Fach, das sich traditionell fragen lassen muss, was es eigentlich ist und ob man es wirklich braucht, ist das auch wissenschaftsstrategisch immer ein sinnvolles Ziel.

Deshalb ist die Redaktion LIBREAS der Meinung, dass diese Diskussion vorangetrieben werden sollte. Mit dem Schwerpunkt der Ausgabe #27 stellen wir dafür gerne einen Ort zur Verfügung. Das Thema lässt sich, so unser Vorschlag, in Themenblöcke untergliedern.

  1. Zum einen wäre es sinnvoll, die tatsächliche Situation darzustellen und zu reflektieren. Stimmt es eigentlich, dass Bibliotheken und die Bibliotheks- und Informationswissenschaft ein eher unsicheres und kleines Methodenwissen haben? Beschränken sie sich tatsächlich auf (zu) wenige Methoden? Und selbst wenn, ist das negativ? Gibt es dafür andere Gründe? Welche Auswirkungen hat das?
  2. Wenn es stimmt, dass Bibliotheken zu wenige Methoden einsetzen, was wäre dann die Lösung? Sollte die Ausbildung verändert werden? Muss die Arbeitsweise und Struktur von Bibliotheken verändert werden? Ist der Zuwachs an Projektstellen in Bibliotheken, der in den letzten Jahren zu beobachten ist, nicht schon eine Entwicklung in Richtung Methodenvielfalt? Muss die Finanzierung von Forschungs- und ähnlichen Projekten in Bibliotheken verändert werden? Müssen Bibliotheken oder die Bibliotheks- und Informationswissenschaft mehr auf andere Forschungsdisziplinen zugehen, um sich deren Methoden anzueignen?
  3. Damit zusammenhängend: Was wären eigentlich sinnvolle Methoden für Bibliotheken und zu welchen Fragen? Sind die bislang verwendeten Methoden schlecht, sind deren Erkenntnismöglichkeiten wirklich gering? Ist nicht, zum Beispiel, die Form des unstrukturierten Interviews, wenn deren Einsatz reflektiert geschieht, zumeist auch vollkommen ausreichend?
  4. Und selbstverständlich ist es möglich, die Erfahrungen mit bestimmten, vorzugsweise eher selten verwendeten Methoden zu schildern. Gibt es solche Erfahrungen schon, muss man sie vielleicht nur sichtbar machen? Was sind die Vorzüge einzelner Methoden? Gibt es ein Akzeptanzproblem für solche Methoden innerhalb der Fachgemeinschaft? Dies kann sowohl auf abstrakter Ebene als auch auf der Ebene einzelner Forschungsprojekte erläutert werden.

Wir würden uns freuen, wenn zu diesen oder angrenzenden Fragestellungen Beiträge eingingen, sowohl kritische und breitangelegte, welche das gesamte Bibliothekswesen in den Blick nehmen als auch konkrete, lokal angelegte, die auf die Erfahrungen und Wünsche in einzelnen Bibliotheken oder Instituten eingehen.

Für die Einreichung gelten die Hinweise für Autorinnen und Autoren auf der Homepage der LIBREAS. Gerne diskutieren wir Artikelideen im Vorfeld mit Ihnen. Deadline für diese Ausgabe ist der 31. März 2015.

Ihre / Eure Redaktion LIBREAS

(Berlin, Bielefeld, Chur, Potsdam)

 

Literatur

Haas, Corinna: „Spielen die jetzt Soziologen?“. Nutzerstudien mit ethnografischen Methoden. In: 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur 1 (2013) 3, http://www.0277.ch/ojs/index.php/cdrs_0277/article/view/38/101

Haas, Corinna: Wozu Ethnografie in Bibliotheken?. In: Bibliothek. Forschung und Praxis 38 (2014) 2, 185-189

Kaden, Ben: Ein Handbuch und sein Fach. Zu einer aktuellen Besprechung in der Zeitschrift BuB. In: LIBREAS.Weblog, 19.06.2014, https://libreas.wordpress.com/2014/06/19/bibliothekswissenschaft_bub/

Schuldt, Karsten: Bibliotheken erforschen ihren Alltag. Ein Plädoyer. Berlin: Simon Verlag für Bibliothekswissen, 2014

Siegfried, Doreen ; Nix, Sebastian: Nutzerbezogene Marktforschung für Bibliotheken. Eine Praxiseinführung (Praxiswissen). Berlin: Walter de Gruyter, 2014

Umlauf, Konrad ; Fühles-Ubach, Simone ; Seadle, Michael: Handbuch Methoden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Bibliotheks-, Benutzerforschung, Informationsanalyse. Berlin: Walter de Gruyter, 2013

Muss man den Hochschulbibliotheken die Information Literacy entreissen, um sie zu demokratisieren?

Posted in LIBREAS.Feuilleton, LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 18. September 2014

Karsten Schuldt

Zu: Withworth, Andrew / Radical Information Literacy: Reclaiming the Political Heart of the IL Movement. – (Chandos Information Professional Series). – Amsterdam et al. : Chandos Publishing, 2014

 

Der Anspruch, den Andrew Withworth in seinem Radical Information Literacy erfüllen möchte, ist die Re-Politisierung der Information Literacy (IL), weg von einem Konzept, welches er als „funktionalistisch“ beschreibt und hin zu einem Konzept von Fähigkeiten, welche die Demokratie unterstützen. Dazu dekonstruiert er das Konzept IL im ersten Teil seines Buches, ausgehend von der Geschichte des Konzeptes und stellt dabei sowohl das verbreitete Verständnis von IL als auch die Verankerung von IL in Hochschulbibliotheken in Frage. Letztlich führt er die geringe Einbindung von Hochschulbibliotheken in die Hochschulbildung auf die Verengungen von IL auf diese Bibliotheken zurück. Im zweiten Teil seines Buches unternimmt er es, IL wieder zu rekonstruieren. Dafür greift er scheinbar vor allem auf Jürgen Habermas und Mikhail Bakhtin zurück, um IL als Teil eines demokratischen Prozesses zu beschreiben und einzufordern; allerdings scheint es sich bei seinen Wahrnehmungen unterschiedlicher Theorien oft mehr um „produktive Missverständnisse“ als um die tatsächliche Nutzung von Theorieelementen zu handeln. Das im Buchtitel angekündigte „Radical“ ist im Ergebnis seiner Studie nicht zu finden.1 Die Stärke des Buches ist eindeutig der erste Teil.

Kritik des Status Quo

Grundsätzlich speist sich die Kritik von Withworth aus zwei Quellen: erstens einem Verständnis von Information als kontextbezogen und zweitens der Geschichte der Debatten um IL. Withworth versteht Information immer als Bestandteil sozialer Kommunikation. Die Idee, dass es Informationen geben würde, die nicht Artefakte solcher Kommunikationsakte wären, lehnt er ab. Information ist für ihn immer in einem Kontext entstanden; abgespeichert als Text oder in anderer Form trägt jede Information ihren Entstehungskontext mit sich und kann auch nur wieder in einem spezifischen sozialen Kontext als Information genutzt werden. Systeme, welche solche Informationen abspeichern und wieder verfügbar machen, reproduzieren diese Verhältnisse, insbesondere die sozialen Hierarchien mit. Radical IL würde helfen, diese Strukturen zu erkennen und ihnen bei der Nutzung von Informationen entgegenzutreten. Aus diesem Grundgedanken leitet Withworth ab, dass die IL, wie sie in den unterschiedlichen Standards – insbesondere der ALA – niedergelegt sind, keine Kompetenz beschreiben, sondern einzig Studierende (eine besondere Gruppe in der Gesellschaft) während ihres Studiums (einer besonderen Situation) bei der Nutzung von Informationsressoucen als Instrument (aber nicht reflektierend, sondern als vorgeblich abgeschlossener Kommunikationsakt und Fakt) unterstützen.2 Diese Standards würden nicht das Ziel haben, Menschen bei dem Verständnis der sozialen Situationen, in denen Informationen entstanden sind oder beim Verständnis des aktuellen Nutzungskontextes unterstützen. Kürzer: Sie wären nicht auf demokratische Werte, sondern auf den Instrumentencharakter von Informationssystemen hin ausgerichtet.

Eine wichtige Erkenntnis, die Whitworth vermittelt, ist die, dass dies nicht so sein müsste, sondern das Ergebnis strategischer Entscheidungen war. Er zeichnet die Entstehung des Konzeptes IL nach, beginnend in den frühen 1970er Jahren, über die Entstehung der ersten Standards der ALA (American Library Association) 1989 und dem weiteren „Besetzen“ der IL durch die Hochschulbibliotheken. Während der 19070er und 1980er Jahre hätte es ein weit grösseres Verständnis von IL gegeben, dass zum Teil gar nicht auf das Lehren von IL, sondern auf die Gestaltung von Informationssystemen gerichtet gewesen wäre. Die einflussreichen – und auch im deutschen Sprachraum in verschiedenen Abwandlungen rezipierten – IL-Standards der ALA seien als Ergebnis des Berichtes A Nation at Risk: The Imperative For Educational Reform als strategisches Dokument entstanden. Dieser Bericht, 1983 erschienen und heute ein Klassiker der bildungspolitischen Texte, stellte das Bildungssystem der USA als grundsätzlich disfunktional und dem Zusammenbruch nahe dar. Es wurden grundlegende Reformen angemahnt und anschliessend zum Teil durchgeführt (die heute allerdings zum Teil wieder als Grund für das schlechte Schulsystem der USA gelten, insbesondere der fast schon fanatische Fokus auf Standards und Schulautonomie). Nicht erwähnt wurden im Bericht Bibliotheken. Diese verstanden sich allerdings als Bildungseinrichtungen (was heute nicht anders ist) und versuchten, angepasst an die aufkommenden Diskurse der späten 1980er Jahre, ein Thema zu besetzen, welches sie als ihr eigenes in die Bildungsdebatten einbringen konnten und wählten die IL, wobei die Hochschulbibliotheken diese Strategie dominierten. Dies, zumindest der Darstellung Whitworths folgend, war der Beginn der Verengung der Debatten darum, was IL sein soll und was sie erreichen soll.

Von Interesse ist dabei gar nicht so sehr die Interpretation, welche Whitworth vorlegt, als vielmehr die notwendige Erinnerung daran, dass die Debatten um IL – mit den gleichen grundlegenden Annahmen darüber, dass „heute“, also Ende der 1970er, die Informationsmenge zu gross sei, um sie eigenständig zu verarbeiten, wie sie im 21. Jahrhundert immer noch angeführt werden – recht alt sind und viele mögliche Entwicklungswege offen gestanden hätten. Die Fokussierung auf Standards, welche ja einen bestimmten Typ von Mensch – zweckrational handelnde Studierende – als Grundlage haben, war nur ein möglicher Weg. Dabei sind, wieder Whitworth folgend, nicht nur mögliche historische Entwicklungen ausgeschlagen, sondern auch eine Diskussion von IL etabliert worden, welche die Bibliotheken (und die Library and Information Science) und deren Sicht auf Informationen in den Mittelpunkt stellt und dabei notwendig andere Einrichtungen marginalisiert – was erklärt, warum eine Kooperation, welche die Bibliotheken immer wieder einfordern, nicht wirklich zustande kommt sowie die tatsächlichen Erfahrungen und Praktiken von Nutzerinnen und Nutzern kaum wahrnehmen kann – würden diese als soziale Prozesse wahrgenommen, müssten die Hochschulbibliotheken ihre Deutungshoheit über Informationsnutzung und IL aufgeben.

„[This situation has] created a gap between the idealised, theoretical information user – an individual aware of their information needs and face to make judgements from the full range of information sources – and real information practices undertaken by individuals (subject to anxiety, pressures of time, cognitive authorities, and other psychological effects), within communities and information landscapes that may help or hinder their experience of variation in different ways.” (Whitworth 2014, 84)

Demgegenüber würde fast die gesamte Literatur zu IL sich heute damit beschäftigen, die jeweils lokal gültigen Standards in der Praxis umsetzbar zu machen, aber weder über Ziele noch Grenzen von IL diskutieren noch über eine theoretische Fundierung nachdenken.

radicalinformationliteracy

Wenig überzeugende Neufassung von IL

Dieses Nachdenken von Whitworth über die Realität von IL ist erfrischend kenntnisreich, kritisch und polemisch. Grundsätzlich führt er die Debatte an einem Punkt, an dem man ihm entweder vollständig widersprechen – aber dann hinzunehmen hat, dass sich die Situation wohl nie ändern wird, weil IL in einer gewissen „Praxis-Sackgasse“ feststeckt – oder aber eine grundlegende Trennung von Hochschulbibliotheken und IL-Debatten anstreben muss, um weitere Ziele in die Debatten einzubringen, die im Laufe der Zeit „vergessen“ wurden.

Der zweite Teil des Buches hingegen, in dem Whitworth versucht, auf der Basis von Versatzstücken verschiedener Theorien eine solche neue Debatte zu IL anzustossen, in welcher andere Ziele gesetzt und ein weitergehendes Verständnis von IL als sozialer Prozess angestrebt wird, fällt weit hinter diesen Anspruch zurück. Über weite Stelle liesst sich dieser Teil, als hätte Whitworth eine Vorstellung von IL, die er zu untermauern versucht, indem er die Theoriegeschichte plündert. Dies führt aber nicht weit. Grundsätzlich fordert er, dass die Kontextgebundenheit von Information als Ergebnis sozialer Prozesse zum Teil von IL wird.3 Wer informationskompetent ist, sollte nach Whitworth diese Kontexte erkennen, interpretieren und neu verwenden können. Autorität und Artefakte sozialer Kommunikation (d.i. Texte, Dokumente, Daten etc.) sollten hinterfragt, ihre impliziten Voraussetzungen identifiziert und gleichzeitig neu Information geschaffen werden können. Oder anders: Nicht (nur) Texte gefunden, sondern diese auch kontextualisiert und für neue Texte verwendet werden können. Zu erreichen sei das vor allem durch Gegenhegemonien. Den Begriff Hegemonie borgt sich Whitworth von Antonio Gramsci – allerdings ohne die auf eine marxistische Revolution zeigende Zielrichtung bei Gramsci zu beachten – und entwirft ein Programm von IL, welche die demokratische Bildung zum Ziel hat. Wer informationskompetent ist, sollte die Gesellschaft mitbestimmen können (und nicht nur das Studium abschliessen).

Das ist kein neuer Entwurf. Vor dem Hintergrund der politischen Geschichte der letzten Jahrzehnte liesst sich der Entwurf von Whitworth – der allerdings keine Kenntnis von den Debatten in den deutschsprachigen Gesellschaften zu haben scheint – wie ein Manifest zur Gegenöffentlichkeit, wie sie die taz oder verschiedene Blogprojekte darstellen wollen; nur auf der Ebene persönlicher Kompetenzen eine möglichst breiten Masse von Menschen im Bezug auf Informationen. Dies mag eine sinnvolle Haltung sein, aber es ist keine – wie im Titel seines Buches angekündigte – radikale Haltung, auch wenn er im Laufe des Textes beständig marxistische Denker anführt. Wäre der Begriff nicht so negativ belegt, könnte man Whitworths Vorstellungen von IL gut als „reformistisch“ beschreiben. Gleichwohl lohnt sich das Buch aufgrund der Anregungen im ersten Teil. Gewiss lassen sich aus den Hinweisen dieses Teils auch andere, bessere abgesicherte Forderungen und Debattenanlässe generieren, als dies Whitworth im zweiten Teil selber tut.

 

Fussnoten

1 Vielmehr geht er dem aus dem Weg, in dem er – ebenso produktiv – die Frankfurter Schule vor Habermas und zugleich Michel Foucault uminterpretiert und nicht etwas aus beiden radikale Einsichten oder Forderungen zieht. Vielmehr bewegt er sich in seinem Denken in einer affirmativen Haltung zur existierenden Gesellschaft, was zum Beispiel dazu führt, dass er der Frankfurter Schule vorwirft, einfach gar keine Lösung anzubieten, anstatt ernstnehmen, dass es in deren Diskussionen immer auch um die radikale Überwindung der aktuellen Gesellschaft geht. Ebenso reduziert er Bakhtin auf eine Kommunikationstheorie und umgeht dessen marxistischen Hintergrund. Es ist recht erstaunlich, wie sehr Whitworth Radikalität in Anspruch nimmt, aber gleichzeitig nicht in sein Denken integriert. Er scheint zwar die Radikalität als Anspruch zu geniessen, aber ansonsten zwar grundlegend demokratisch, aber auch unradikal zu denken – was vor allem deshalb irritiert, da er beständig von Radikalität spricht.

2 Er insistiert darauf, dass dies grundlegend auch für weitere IL-Standards, insbesondere für Schulen gilt, die darauf abzielen würden, Schülerinnen und Schüler früh diese Fähigkeiten zu vermitteln, die sie eigentlich nur im Studium benötigen würden.

3 Womit er, meiner Meinung nach, vollkommen Recht hat.

Die Forschung zum Diskurs als Wörterbuch. Eine Besprechung.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 30. August 2014

zu: Daniel Wrana, Alexander Ziem, Martin Reisigl et. al [Hrsg.] (2014): DiskursNetz. Wörterbuch der interdisziplinären Diskursforschung. Berlin: Suhrkamp. (Seite zum Titel beim Verlag)

von Ben Kaden (@bkaden)

Nach einen an Fachliteratur eher armen und mit anderer Literatur wundervoll gesättigten August fällt es nun, da die Himmel eher milchig sind und die Abende wieder häufiger ernüchternd kühl, wieder Zeit sich kühlen Blutes den Spuren der wissenschaftlichen Diskurse zuwenden und die den Hundstagen etwas eingeschlafenen LIBREAS-Zwischenmedien (Tumblr, Weblog) zu wecken.

Frisch auf dem Schreibtisch findet sich das im Juli bei Suhrkamp erschienene Wörterbuch der interdisziplinären Diskursforschung ein, dessen Herausgeber ihm nahe liegend Weise den Namen ihres Forschungsverbundes zum Titel gaben: DiskursNetz. Das Buch selbst entstand ganz zeitgemäß und kollaborativ in einem Wiki (www.diskursanalyse.net), wobei es noch zeitgemäßer wäre, stände dieses zugleich Open Access und dynamisch erweiter- und vernetzbar zur Verfügung.

Andererseits versteht man, wenn man selbst einmal etwas in Buchform herausgegeben hat, dass man schon lieber kontrolliert eine redaktionell abgeschlossene Fassung als alleinigen Referenzpunkt für die Öffentlichkeit haben möchte und den bietet nun der Band mit seinem fast 450 Seiten breiten Nachschlagebereich für Artikel vom Lacan’sche A (le grande Autre) zum allgemeinen Zweck:

“ein telisches Konzept, das vor allem in der Funktionalen Pragmatik verwendet wird“. (Reisigl, S. 447)

Die Linguistik heiligt bei diesem Stichwort trotz allem interdisziplinären Anspruch sehr offensichtlich die Wortwahl und es sagte ja auch niemand, dass Diskursforschung für diejenigen einfach zugänglich sein muss, die Telizität erst einmal noch an anderer Stelle nachschlagen müssen. Wer an Telos denkt, denkt – so glaube ich jedenfalls – schon in die richtige Richtung. Wobei der telische Blick wohl einer zurück auf das bereits erreichte Ziel ist. Worum es bei der Analyse von Diskursen ja oft genug geht. In jedem Fall ist Telizität durch einen Prozess  gekennzeichnet und durch eine zeitliche Abgrenzung bzw. Abgrenzbarkeit desselben. Aber eigentlich ist das für das Verständnis des Zweck-Begriffs gar nicht übermäßig wichtig.

Denn wenn man sich in diesem Fall telisch einfach auf die Bedeutung zielgerichtet reduziert, kann man ganz unbeschwert und wahrscheinlich nicht völlig irrend im Stichwort fortschreiten und lesen:

Zweck ist

“ein […] Konzept […] um eine gesellschaftlich verallgemeinerte, in der Lebenspraxis des Menschen verankerte Finalität eines sozial etablierten Mittels […] zu bezeichnen, das nicht nur der Befriedigung eines individuellen Ziels, sondern eines gesellschaftlichen Bedürfnisses unter institutionellen Bedingungen dient.“(ebd.)

Das sozial etablierte Mittel ist im Fall von DiskursNetz das Nachschlagewerk und die Finalität ist, dass man nach dem Nachschlagen in der Lage ist, das Wort “Zweck” in der Bedeutung, die ihm die Diskursforscher (und die Sprachwissenschaftler) (=institutionelle Bedingungen) geben, verwenden und verstehen kann.

DiskursNetz Cover

Fällt das Licht passend, dann erkennt man, dass sogar die Materialität, auf der die zurückgenommene Willy-Fleckhaus-Ästhetik der Taschenbuchreihe suhrkamp-wissenschaft (hier:Band 2097) aufsetzt, durchaus eine Gitternetz-Struktur verbirgt. Was sehr gut zum vorliegenden Titel passt.

Der vergleichsweise harte Einstieg über das letzte Stichwort des Wörterbuchs in das Diskurs(forschungs)netz besitzt freilich den unbestreitbaren Vorteil, dass andere Einträge, unter anderem das gleich zuvor gesetzte und ebenfalls von Martin Reisigl bearbeitete Konzept des Zitats (“eine spezifische Form der absichtsvollen Redewiedergabe […]”, S. 446) plötzlich außerordentlich klar und eingängig erscheinen. Möglicherweise bewahrheitet sich auch schlicht, dass die scheinbar einfachsten Konzepte am schwierigsten gefasst werden können. (–> Ambiguität)

Bibliotheks- und informationswissenschaftlich bewegt man sich mit dem Wörterbuch natürlich weit in einem transdisziplinären Grenzgebiet. Der Begriff der Information wird leider nicht definiert. Ein Stichwort “Informationseinheit” (von Felicitas Macgilchrist, S.196f) gibt es dagegen und der Text dazu lässt erkennen, dass “Information” in der Diskursforschung ziemlich zweckmäßig und mehr als eine Benennung als als ein eigenes spezifisches Phänomen zur Anwendung kommt:

“In verbalen Texten bildet […] ein Gliedsatz (clause) eine Informationseinheit; in gesprochener Sprache signalisieren Intonation und Rhythmus Informationseinheiten.” (Macgilchrist, S. 196)

Nach Michael Halliday differenziert man zudem Informationen nach given und new:

“Given teilt den alten und schon »gegebenen« Teil der Information mit; new bezieht sich auf die neue, wichtige oder interessante Information.” (ebd.)

Redundanz-sozialisierte Informationstheoretiker haben da mutmaßlich eine andere Vorstellung.

Aber genau das ist ja das Sinnvolle an Verdichtungen und zielgerichteten Reduktionen, wie sie Wörterbücher gemeinhin darstellen: Man bekommt eine handliche und überschaubare Basis für die Vorstellungen, die sich Andere bzw. andere Disziplinen von vermeintlich vertrauten Konzepten machen. Solange die Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Diskursforschung bestenfalls und selbst das nur in Randlage als reiner Anwender bestimmter Elemente der Diskursanalyse entgegentritt, darf sie sich jedoch nicht beschweren. Selbstverständlich könnte sie, die sich im Grunde umfänglich wie sonst fast niemand mit soziosemiotischen Ordnungsprozessen (der Zeichen, der Texte, des Wissens, der Kultur) auseinandersetzt, sehr gut und gestaltend auf das Programm der Diskursforschung einwirken. Aber es bleibt bislang nur bei der Möglichkeit und alle die sich in der Bibliothekswissenschaft mit der Diskursforschung befassen wollen, kommen zwangsläufig gar nicht darum, Publikationen wie die vorliegende als Ausgangspunkt für ihre Arbeit heranzuziehen.

Der Wissensbegriff schließlich, hier gefasst von Boris Traue (S.440f.), dem man sofort und fast ein wenig dankbar anmerkt, dass er Soziologe und nicht Linguist ist, differenziert die bekannte Zweiteilung von explizitem (in diesem Fall formuliert als “symbolische objektiviert”) und implizitem (=”habituell verfestigte Praktiken”) Wissen, benennt kurz die gegenwärtige Perspektive auf das Wissen als “dreistellige Relation […] Ergebnis einer Vermittlung von Subjekt, Praxis und Materialität” und referiert danach leider nur kurz Positionen zum Konzept von Karl Mannheim bis Quentin Meillassoux, was zweifellos den Grenzen des Formats “Wörterbuch” geschuldet ist. Eine ergänzende Online-Version hätte gerade bei einem komplexen Phänomen wie dem Wissen, dessen Definition weitaus komplexer ist als beispielsweise die des “Zwecks” und dessen Rolle für die Diskursforschung trotz allem in der Buchfassung sicher nicht erschöpfend dargestellt ist, erheblich Sinn.

Dennoch zeigt bereits die Erwähnung der Vermittlung (in der Praxis unter anderem vollzogen in und durch Bibliotheken), wo die Bibliotheks- und Informationswissenschaft sofort einen Zugang zu diesem Forschungsfeld finden kann. Denn alle Prozesse, bei denen über materialisiertes (symbolisch objektiviertes) Wissen Subjekte tatsächlich, also praktisch verknüpft sind, sind Informationsprozesse und traditionell sind die Bibliotheken hier als Vermittler, also als (auch die Diskurse lenkende) Infrastruktur, innerhalb der man zu dem Ergebnis “Wissen” gelangt”, aktiv.

Man muss das Wörterbuch “DiskursNetz” gar nicht groß rezensieren. Es ist nicht zuletzt dank der Bibliografie und allein des Verzeichnens von einschlägigen Belegquellen ein derzeit nahezu unverzichtbares Nachschlagewerk, wenn man derzeit, in welcher Disziplin auch immer, diskursforschend arbeitet. Wie von so gut wie jedem wissenschaftlichen Werk geht auch von diesem weder ein besonderer Zauber noch die Aura höherer Wahrheit aus. Aber es ist eine exzellente Basis. Wer methodische Zugänge zum Forschungsfeld sucht, muss noch ein paar Tage warten: Für September ist ein “interdisziplinäres Handbuch” zur Diskursforschung aus dem gleichen Herausgeberumfeld angekündigt. (Angermuller, Nonhoff, Herschinger, et al, 2014, Seite zum Titel beim Verlag) Bis dahin eignet sich erstaunlich gut funktionierende, Suhrkamp-typisch handliche Druckausgabe in jedem Fall als prima Begleiter, um in den letzten Tage des Sommers 2014 in einem Stadtpark zwischen der Serendipidität der Diskursforschung und der der restlichen Lebenswelt wohlbalanciert hin- und herzuschwenken.

Das das Forschungsteam zum DiskursNetz sich ebenfalls auf eine Art fröhliche Wissenschaft (na ja, vielleicht sogar eher alberne Wissenschaft) versteht, zeigt ein in das Verweisgefüge des DiskursNetzes plötzlich hereinbereichender diskurspomologischer Eintrag, der leider etwas zu durchsichtig ist, um nicht vielleicht doch ganz unverhofft eine fachwissenschaftliche Karriere anzutreten: der der Diskursbanane.

DiskursNetz: Diskursbanane

Zwei Apfelsinen im Hirn und der Diskurs ganz Banane? Die Adressierung der Konzept auf James Bond [JBo] ist leider sofort der Pointe Assassine (assassin pun) dieser neckischen Idee, wo es doch eine franco-gallische Diskursforscherin namens Rosita la Banda  [RLB] (eigenartigerweise, so einen Namen kann man sich kaum ausdenken) wenigstens früher oder später zu einer Zitation in der Wikipedia hätte bringen können.

(Berlin, 30.08.2014)

 

. Angermuller, Johannes; Nonhoff, Martin; Herschinger, Eva et. Al [Hrsg.] (2014) Diskursforschung. Ein interdisziplinäres Handbuch. 2 Bd. Bielefeld: transcript, Eintrag bei der DNB

. Macgilchrist, Felicitas (2014) Informationseinheit. In: Warna, Ziem, Reisigl et. al [Hrsg.] (2014) DiskursNetz. Wörterbuch der interdisziplinären Diskursforschung. Berlin: Suhrkamp, S. 196-197

. Reisigl, Martin (2014): Zitat. In: Warna, Ziem, Reisigl et. al [Hrsg.] (2014) DiskursNetz. Wörterbuch der interdisziplinären Diskursforschung. Berlin: Suhrkamp, S. 446-447

. Reisigl, Martin (2014): Zweck. In: Warna, Ziem, Reisigl et. al [Hrsg.] (2014) DiskursNetz. Wörterbuch der interdisziplinären Diskursforschung. Berlin: Suhrkamp, S. 447-448

. Traue, Boris: Wissen. In: Warna, Ziem, Reisigl et. al [Hrsg.] (2014) DiskursNetz. Wörterbuch der interdisziplinären Diskursforschung. Berlin: Suhrkamp, S. 440-441

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