LIBREAS.Library Ideas

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (1): ISI does it. Wie gut, das wird sich bis zum Freitag zeigen.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by szepanski on 21. März 2013

von Christoph Szepanski

Der Monat März bietet für Informations- und Bibliothekswissenschaftler sowie für die Masse derer, die eventuell bloß etwas entfernter mit diesem Fach zu tun haben fast traditionell eine Menge Gelegenheiten, um a) Inspiration auf Tagungen zu sammeln und b) die für die TeilnehmerInnen oftmals fremde Stadt zu erkunden. (Jedenfalls wenn sie am Anfang ihrer Karriere stehen. Irgendwann kennt man Leipzig und die anderen Rotationsorte der Konferenzen doch.) So nutzten auch wir von LIBREAS die reichlichen Gelegenheiten, die der März so bot und noch bietet und folgten den Einladungen zu den Veranstaltungen gern, wie beispielsweise die Beiträge zur Berliner Inetbib-Tagungdem Leipziger Bibliothekstag oder selbst die in Übersee stattfindende iConference belegen. Die (DIE!) Karte war selbstredend immer mit dabei – so auch heute am ersten Tag der Potsdamer ISI2013.

Ob sich Potsdam in der zwölften Kalenderwoche des Jahres 2013 wirklich zu einer Art Mekka der Informationswissenschaft aufschwingen kann, bleibt noch abzuwarten. Und es liegt nicht allein beim Veranstalter. Bekanntlich lebt eine Konferenz vor allem von denen, die sie aktiv nutzen und ihre Wirkung lässt sich erst im Nachhinein am messbaren Niederschlag in den Fachdebatten und im Handeln der Aktiven feststellen. Verlässliche Aussagen über die Qualität eines Gegenstandes lassen sich also nur aus einigem Abstand formulieren. Obwohl noch nicht der ganz große Revolutionsgeist die Konferenz erschütterte, bin ich nach Ablauf des ersten Veranstaltungstages durchaus guten Mutes. Zumal die LIBREAS-Veranstaltung frei13 ja erst am Freitag kommt (wichtig: hier nochmal der Hinweis auf das Planungspad und die Möglichkeit zur Teilnehmerbekundung).

Die Veranstaltungsreihe des Internationalen Symposiums für Informationswissenschaft (ISI) gibt es seit 1990, was zwangsläufig zur Folge hat, das sie die gesamte Entfaltung des WWW mitbegleiten konnte (in Potsdam ist sie das erste Mal). Potsdam erscheint uns auf jeden Fall als ein geeignetes Pflaster, was informationswissenschaftliche Belange angeht (nicht zufällig fand deshalb dort auch die frei12 statt). 

Die Abfolge der ISI-Mottos ist webhistorisch allerdings leider weniger aufschlussreich, als man es sich erhoffen würde. In der Regel wirken sie wie hart erkämpfte Resultate aus langen Sitzungen und daher denkbar unkonkret. Gewisse Trendbegriffe wie Wissensmanagement tauchen mal auf, um dann wieder zu versinken. Die wirtschaftliche Bedeutung von Information rutscht mal auf die Agenda, mal die Technologie und mal – vielleicht etwas zu selten – die politische bzw. soziale Dimension. Anwendungen dominieren, so auch 2013. Das muss man nicht überbewerten, denn zwangsläufig sind die Mottos vor allem Container. Das handfeste Frachtgut darin müssen wir als informationswissenschaftliche Community schon selbst zusammenstellen. Und die Programmkommission muss quasi als Zollbehörde des fachlichen Denkens auch noch einwilligen. Dass dies nicht unbedingt immer zur allumfassenden Zufriedenheit geschieht, wissen wir auch. Aber so läuft das Spiel traditionell und zwar seit 1990. Als Erinnerung hier die Liste der Headlines über den ISI:

1990 (Konstanz): Pragmatische Aspekte beim Entwurf und Betrieb von Informationssystemen

1991 (Ilmenau): Wissensbasierte Informationssysteme und Informationsmanagement

1992 (Saarbrücken): Mensch und Maschine – Informationelle Schnittstellen der Kommunikation

1994 (Graz): Mehrwert von Information – Professionalisierung der Informationsarbeit

1996 (Berlin): Herausforderungen an die Informationswissenschaft: Informationsverdichtung, -bewertung und Information filtering

1998 (Prag): Knowledge Management and Information Technology

2000: (Darmstadt): Informationskompetenz: Basiskompetenz in der Informationswissenschaft

2002 (Regensburg): Information und Flexibilität

2004 (Chur): Information zwischen Kultur und Marktwirtschaft

2007 (Köln): Open Innovation – neue Perspektiven im Kontext von Information und Wissen

2009 (Konstanz): Information – Droge, Ware oder Commons? Wertschöpfungs- und Transformationsprozesse in den Informationsmärkten

2011 (Hildesheim): Information und Wissen: global, sozial und frei?

2013 (Potsdam): Informationswissenschaft zwischen virtueller Infrastruktur und materiellen Lebenswelt

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Bereits am Wochenende war unser raum:shift im dort noch sonnigen Potsdam gelandet. Apple Maps wollte uns jedoch zu einer anderen frei<tag> führen…

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Auf der Zielgeraden: ISI2013 in Potsdam.

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Sponsoren und Partner der ISI2013. Mit dabei: der LIBREAS.Verein mit seiner frei<tag>.

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Die Erstversorgung kurz nach der recht fixen Anmeldeprozedur. Proceedings-Band und Kaffee dürfen natürlich nicht fehlen.

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„Eine Weltkarte, auf der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie läßt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird. Und wenn die Menschheit da angelangt ist, hält sie Umschau nach einem besseren Land und richtet ihre Segel dahin. Der Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien.“ – Oscar Wilde in „Die Seele und der Sozialismus des Menschen“, S.35. Diogenes.

Abschließend meine Eindrücke in Kurzform:

Man spricht weiterhin über den Nutzer, aber nun immerhin auch im Rahmen von Use Cases (so zumindest im zweiten Teil der Doktorandenpräsentationen). Es gibt ausreichend Pausen für Gespräche, die befürchtete preußische Pünktlichkeit im Hinblick auf den Beginn von Veranstaltungen, blieb lobenswerterweise aus. Highlights des ersten Tages waren für mich die Interface-Session im Allgemeinen, d.h. insbesondere der Vortrag von Isabella Hastreiter et al., die einige Unterschiede im Annotationsverhalten digitaler und analoger Texte herausfanden, sowie der Vortrag von Samaneh Beheshti-Kashi, die einen Vergleich der Glaubwürdigkeit von (Online-)Medien anstellte. Zentrale Erkenntnis von Hastreiter et al. war, dass das vom Papier her gewohnte Unterstreichen im digitalen Szenario wesentlich seltener eingesetzt, dafür aber bei Letzterem das farbliche Hervorheben gern genutzt wird (oft auch, weil es die einzige zweckmäßige Form für Annotationen im Digitalen bietet). Ferner sind die Möglichkeiten der Annotation innerhalb digitalisierter Texte gegenüber dem Analogen oftmals limitiert. Einkreisen oder gar die verschiedentliche farbliche Hervorhebung bieten die wenigsten Programme an. Nichtzuletzt liegt hier wohl das Phänomen einiger User begründet, lieber das Internet auszudrucken, als am Bildschirm mit dem bevorzugten Programm(en) zu arbeiten, so jedenfalls meine These zu diesem Vortrag (das spielt zumindest eine nicht ungewichtige Rolle). Baheshti-Kashi et al. fanden in ihrer Untersuchung heraus, dass Nachrichtenartikel traditioneller Medien (z.B. Tageszeitungen, hier: Rheinische Post) eine höhere Glaubwürdigkeit erlangen als Social Media (Nachrichten-)Artikel – zumindest bei denjenigen, die nur Internet gucken, anstatt es zu benutzen. Auch was die Glaubwürdigkeit von Social Media im Allgemeinen betrifft, so liegt diese deutlich hinter den etablierten Medien zurück, insbesondere bei den Faktoren „Professionalität“ und „Seriosität“. Interessant hierzu sicherlich dieser Einwand von Baheshti-Kashi: wer Nutzer von Web 2.0 Anwendungen ist gewichtet die Medien hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit entgegengesetzt anders, als die Gruppe der Nicht-(Web 2.0)-Nutzer: hier liegt Social Media vor TV und Presse (was wohl nichts anders heißt, als das man nur seiner eigenen Community bzw. Filterblase vertraut und sicher spielt bei der einen Seite der Nutzermedaille wohl auch die Angst vor dem Fremden eine nicht ungewichtige Rolle).

Potsdam, den 21.03.2013

Tag 2 und 3: InetBib 2010

Posted in Hinweise, LIBREAS on tour by libreas on 16. April 2010
help desk bei freitag.ch

von Maria-Inti Metzendorf und Manuela Schulz

Heute gibt es von uns einen Überblick über ausgewählte Vorträge von Tag 2 und Tag 3, die im Audimax der ETH Zürich zu hören waren:

Der Donnerstag morgen fing mit dem Impulsreferat von Hans-Christof Hobohm zum Technologieradar in Bibliotheken an. Hobohm stellte diverse Studien, wie The Horizon Report 2010, Digitales Leben 2009, Reports von OCLC und Zukunft und Zukunftsfähigkeit, 2008, vor.

In der anschliessenden Podiumsdiskussion zum Thema „Informationsdschungel“, die mitunter etwas kreuz und quer ging, wurden mehr oder weniger Aussagen zur Frage, ob Digital Natives glücklichere Menschen seien, getroffen. Mark Buzinkay hinterfragte bspw.  inwieweit das Vernetztsein auch Druck auf die Beteiligten ausübe und das Glücklichsein konstruiert wäre bzw. darauf basiere, sich aus dem realen Leben auszuklinken. Die Diskussion wurde natürlich durch die emsige inetbib2010-twitter-Gemeinde verfolgt und ergänzt. Die hier (meist treffsicheren)  Fragen und Hinweise, die wir auch parallel an der Leinwand verfolgen konnten,  bildeten einen spannenden virtuellen Rahmen  zur physischen Gesprächsrunde.  Petra Hätcher, Konstanz, plädierte u.a. dafür, sich nach wie vor mit den Rahmenbedingungen der Digitalen Spaltung und dem Spannungsfeld zwischen den „Digital Natives“ und Älteren auseinanderzusetzen. Julia Bergmann, Zukunftswerkstatt, forderte eine spielerische Attitüde im Umgang mit neuen Technologien und plädierte  für das (bereits seit Jahren im Bibliothekswesen postulierte) Hinausgehen zum Nutzer.
Obwohl man im Podium hauptsächlich den Umgang mit den neuen Technologien und das virtuelle Erleben  thematisierte, wurde auch die Bedeutung der physischen Bibliothek als Lernort betont.

Die Nachmittagsvorträge (Block 9) gaben einen Überblick über mögliche Portallösungen.  Peter Kostädt, Köln, kommt anhand differenzierter Nutzungsstatistiken zum KUG u.a. zum Ergebnis, dass es keine Trennung zwischen Website und Katalog geben sollte, was so auch umgesetzt wurde.  Auch die ETH-Bibliothek hat sich ausführlich mit einer Portallösung auseinandergesetzt, die  die ressourcenübergreifende Suche (Kataloge, Datenbanken) unter einer einheitlichen  Oberfläche vereinen wird. Der auf Primo basierende „Single Point of Access“ soll auf jeder Webseite im Header zu benutzen sein und wird voraussichtlich im Juni 2010 relauncht.

Als ein sehr erfrischendes  Format zur Kurzvorstellung von Themen und Projekten aus der Schweiz erwiesen sich die 5-Minuten-Vorträge, die eine schöne Abwechslung zu den anderen Vorträgen bildeten.

Der heutige dritte Tag startete mit einer Ergebnispräsentation der Analyse von diskutierten Trendthemen in der InetBib-Liste und dem Vergleich zu bibliothekarischen Blogs (netbib, infobib) und Fachzeitschriften (ABI-Technik, BIT-Online). Während die Blogs als Erste technologische Trendthemen aufgreifen, diskutiert die Liste daran anschließend, in den Fachzeitschriften werden einige Themen gar nicht aufgegriffen.

Der daran anschließende „Blick in die Glaskugel“ von Patrick Danowski, verriet uns „Trends“ für die Zukunft wie Tablets, Augmented Reality, Suchmaschinentechnologie, Local Aware Services, Google Applikationen,  Linked Data/ Raw Data, die in den anschließenden 5-Minuten-Vorträgen etwas konkretisiert wurden.

„Ist in Bibliotheken Web 2.0 angekommen?“, wurde mit den Vorträgen des letzten Tagungsblocks mit „teils teils“ beantwortet und wiederholt dazu animiert, auszuprobieren, mitzumachen und sich mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen. Kommunikation, Partizipation und Offenheit stehen dabei als Paradigmen für die weiterhin zu erstrebende Nutzerorientierung.

Fazit:  Eine sehr gut organisierte Tagung, deren überwiegend guten Vorträge und Diskussionen ein bereits vorwiegend technikaffines und ausprobierfreudiges Publikum erreichte. Auf der InetBib-Tagung ist 2.0 jedenfalls angekommen, wie die Twitterwallr uns immer zeigte. Ist jedoch auch die heterogene Nutzerschaft von Bibliotheken angekommen oder nur die Digital Natives?

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Tag 1: InetBib2010

Posted in Hinweise by libreas on 14. April 2010

von Maria-Inti Metzendorf und Manuela Schulz

Der erste Tag der Inetbib-Tagung stand unter dem   Zeichen der Innovation: Innovationsfähigkeit, Innovationsbewusstein und Innovationsmanagement in Bibliotheken. Wir fassen an dieser Stelle einige der gehörten Vorträge zusammen:

Roman Boutellier, Zürich, wies auf die hemmende Wirkung von Regularien auf Innovation hin: Je stärker der Formalismus, desto weniger Freiräume für Kreativität. Er rät Bibliotheken, neue Technologien zu testen und schnell zu entscheiden, inwiefern sie umsetzbar und sinnvoll sind. Gute Ideen und Kreativität reichen jeodch nicht aus, sondern erfordern Experten, die zwischen guten und machbaren Ideen unterscheiden können.  (Lesenswert: Weisberg, Creativity and Knowledge, in: Sternberg, Creativity, 2004)

Ursula Georgy, Köln, plädiert für ein systematisches Innovationsmanagement und stellt eine in 2009 erstellte Befragung vor, die zeigt,  dass systematische Marktforschung und systematische Suche nach Innovation zwar im Bewußtsein in den von ihr befragten deutschen Bibliotheken sind, jedoch praktisch kaum bis gar nicht realisiert werden. Sie plädiert dafür, dass vorhandene Ideen nach festgelegten Kriterien evaluiert werden müssen. Zu einem guten Innovationsmanagement gehört ebenso eine effektive Kommunikation, d.h., dass die verschiedenen Entwicklungsphasen einer Innovation und nicht erst das Ergebnis kommuniziert werden (Stichworte: Vermittlung, Dialog, Beobachtung, Begleitung, Imagebildung). Die gastgebende Bibliothek der ETH Zürich beschäftigt übrigens bereits einen Innovationsmanager.

Lambert Heller, Hannover, stellt sich den zukünftigen Bibliothekar als Public Networked Librarian, Community Technology Steward, Datenkurator und (Web-)Designer mit Schwerpunkt Usability vor. Bibliotheken versteht er als physischen Anker in der flüchtigen digitalen Informationswelt. Physische und virtuelle Räume müssen dazu stärker verbunden werden. Bibliotheken brauchen Labore, in denen keine Kultur des Perfekten herrscht, um Neues auszuprobieren und gegebenenfalls implementieren zu können. Links zu seinem Vortrag via delicious.

Regina Pfeifenberger, Berlin, gibt einen Überblick über mögliche mobile Dienstleistungen in Bibliotheken vor dem Hintergrund einer stark steigenden Nutzung des Internets über mobile Geräte. Dazu gehören SMS-Benachrichtigungen jeglicher Art, Mobile Interfaces (Öffnungszeiten, Standortanzeigen, Push News, OPAC), QR Codes (an Regalen zum Leitsystem, im OPAC zur Standortanzeige , an gedruckten Zss., die auf elektronische Ausgabe verweisen); Voraussetzung: freies WLAN. Eine konkrete mobile Anwendung zeigt uns Andreas Neumann, München, mit dem BSB OPACplusmobil, der für die Entwicklung und Bereitstellung dieses Dienstes nur 2-3 Wochen brauchte.  Probleme bei der Entwicklung stellen vor allem die Endgeräte mit den unterschiedlichen Anforderungen dar. Der Bereitstellung des Erarbeiteten für andere Institutionen steht die BSB offen gegenüber.

Inetbib2010 bei flickr und bei twitter (hashtag #inetbib2010).


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