LIBREAS.Library Ideas

Notizen zur Bibliothekswissenschaft. Teil 1.

Posted in LIBREAS preprints by Ben on 28. Dezember 2010

Bevor es in den üblichen Jahresend-Nanobreak geht, der genau genommen eine Art Millibreak ist und der die eisige Schönheit des Winters mit einem prekären Anschluss an das Internet verbindet, gibt es zum Jahresabschluss auf LIBREAS noch eine Eröffnung. In mehr oder weniger gegebener Regelmäßigkeit sollen an dieser Stelle und auch in den Ausgaben Notizen zur Bibliothekswissenschaft erscheinen. Hier die erste Folge als PDF-Download: Notizen zur Bibliothekswissenschaft.Teil 1: Das Bewahren und seine Grenzen.

Einleitung und Zusammenfassung

Die nachfolgenden Notizen stellen den ersten Teil einer Serie mit grundsätzlichen Überlegungen zur Bibliothekswissenschaft dar. Ziel dieser Reihe ist eine Auseinandersetzung mit dem disziplinären Konzept der Bibliothekswissenschaft. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Institution Bibliothek in digitalen Kontexten, also als digitale Bibliothek, definieren kann. Ich vertrete die Annahme – und dies ist zugleich die Hypothese für alle Überlegungen dieser Reihe – dass es im Zuge der Digitalisierung zu einer Art „semiotic turn“ kommt, also mit dem Verschwinden materieller Medienformen die semiotische Dimension in den Mittelpunkt rückt. Die Bibliothekswissenschaft ist in einem digitalen Umfeld nur als semiotische Disziplin denkbar.

Im ersten Teil skizziere ich das Bewahren und Vermitteln von Narrativen als Grundkonstante der Bibliothek und definiere die Bibliothek als elementaren kulturellen Funktionsträger. Desweiteren entwerfe ich in Anlehnung an eine Idee der Soziologin Elena Esposito eine daraus ableitbare mögliche Rolle der Bibliothekswissenschaft als eine Art spezifische Narratologie. Im Mittelpunkt steht die Frage, aufgrund welcher Kriterien Narrative in das Archiv Bibliothek ein- und ausgeschlossen werden.

Der Text ist als Problematisierung intendiert. Der Prozess der Auseinandersetzung mit der genannten These ist prinzipiell offen. Daher ist Rückkopplung höchst willkommen.

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Call for Papers LIBREAS #15: Beyond Semantics – a new linguistic turn in LIS

Posted in LIBREAS Call for Papers by libreas on 28. März 2009

deutschsprachige Version

A key challenge in Library and Information Science is the fundamental change in the content carriers. While traditionally physical media, such as books, served as the content carrier the increasing shift to digital content requires a radical change in perspective.
In the digital environment the content is flexible; hyperlinked, dynamically distributed and automatically indexed. In this environment the sheer amount of content limits the ability of intellectual indexing.

Current technical means of indexing are mostly limited to the syntactic level. The indexing process only requires the use of algorithms and the application of respective relations. Because of the binary structure of digital texts, those means and methods tend to be accurate. This method clearly has its limitations when it comes to the meaning of some texts. Therefore, we propose the application and elaboration of semiotic approaches to address these limitations.

There are three branches of semiotics:
• Syntactics: referring to the relation of signs to each other
• Semantics: referring to the relation between signs and the respective things they refer to
• Pragmatics: referring to the relation of signs to their impacts on those who use them.
On the semantic level there are some technical approaches within the research of the so-called semantic web (e.g. the development of ontologies). As of now, both the practicality and the outcomes of these technical approaches appear to be rather limited. Intellectual assistance is still necessary to actualize the relations of meaning.

On the pragmatic level there is currently no technical approach. Still, the pragmatic level has attracted an increasing amount of attention and gains relevance as the communication processes are increasingly handled in the digital realm. Currently, different types of content are mixed-up; such that the line between official publication and personal utterances (e.g. blogs, Twitter) is blurred.

The major thesis of the next issue of LIBREAS is as follows:
It is imperative that any contemporary discourse in signs and sign-structures includes the whole semiotic framework. A solely intellectual and pragmatic approach inevitably fails because of the sheer amount of material, while a reduction of syntactic and structural aspects leads to the contraction of perspective regarding the actual usage of such environments. The combination of the syntactic, semantic and pragmatic levels is vital for LIS to effectively deal with the complexity of digital and netted content.

We are far from understanding what a combination of the syntactic, semantic and pragmatic levels will look like in a technical application framework. For the next issue of LIBREAS we ask for contributions to address the issue from a conceptual and/or methodological perspective in a broader sense and/or that discuss the given thesis. The goal is to elaborate on the relationships between signs and text regarding the syntactic and semantic values, as well as their relationship with human users. Furthermore, we will try to formulate fields of application and methodological potential for LIS within this context.

The deadline for submissions is July 24th, 2009. Please note our guidelines for authors.

You may contact us via redaktion@libreas.eu.

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Call for Papers LIBREAS #15: Nach der Semantik – eine neue linguistische Kehrtwende

Posted in LIBREAS Call for Papers by Ben on 14. März 2009

english version

Eine zentrale Herausforderung für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft liegt in der grundlegenden Veränderung ihres Gegenstands: War das Bezugsobjekt traditionell ein physischer Datenträger, der als die Inhalte repräsentierende Instanz behandelt wurde, erfordert das digitale Auftreten dieser Inhalte eine fundamental andere Perspektive.

Gewisse Vorläufer lassen sich im Dokumentationswesen und der Dokumentationswissenschaft sehen. Die Form, in der Inhalte vorliegen, erweist sich in digitalen Umgebungen als flexibler Aspekt. Inhalte werden hier hypertextuell offen erzeugt, dynamisch distribuiert und automatisch erschlossen. Die Anwendung traditioneller intellektueller Erschließungsverfahren erweist sich angesichts der schieren Menge an Material als nicht einlösbar.

Nimmt man die Dreiteilung der Semiotik in Syntaktik, also die Beziehung von Zeichen zueinander, Semantik, die Beziehung zwischen Zeichen und den sie symbolisierenden Objekten sowie die Pragmatik als Beziehung zwischen den Zeichen und den sie Verwendenden als Bezugsrahmen, so bewegen sich die technischen Erschließungsmöglichkeiten momentan überwiegend auf der syntaktischen Ebene. Diese ist aufgrund der eindeutigen binären Struktur digitaler Texte auf der Zeichenebene zu 100 % präzise: Es müssen nur die richtigen Relationen algorithmisiert und angewandt werden.

Auf der semantischen Ebene, die die Relation zwischen dem Zeichen und dem dahinter stehenden Bedeuteten betrifft, finden sich im so genannten Semantic Web z.B. im Bereich der Ontologiekonstruktion, technische Ansätze, die aber in ihrer tatsächlichen Wirksamkeit momentan eher eingeschränkt sind. Um Bedeutungsverhältnisse praktisch zu realisieren, ist nach wie vor ein intellektueller Eingriff notwendig.

Die pragmatische Ebene entzieht sich bisher nahezu völlig einer technischen Umsetzung. Sie gewinnt aber in dem Maße, in dem sich die Kommunikation digital vermittelt vollzieht, an Relevanz. Es vermischen sich an dieser Stelle explizit als Publikation intendierte Inhalte mit eher persönlichen Äußerungen. Syntaktische und auch semantische Technologien können hier nur schwer differenzieren.

Die zu diskutierende Leitthese der nächsten LIBREAS-Ausgabe lautet, dass eine zeitgemäße Beschäftigung mit Zeichen und Zeichenstrukturen den gesamten semiotischen Rahmen einbeziehen muss. Eine Beschränkung auf syntaktisch-strukturelle Aspekte führt zu einer Verkürzung des Blicks hinsichtlich der tatsächlichen Nutzung solcher Umgebungen. Ein rein intellektuell-pragmatischer Ansatz scheitert zwangsläufig an der Fülle des Materials. Erst durch die Verbindung der drei Ebenen kann die Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Komplexität vernetzter, digitaler Inhalte gerecht werden.

Unklar ist bislang, wie diese Verbindung realisiert wird. Für die nächste Ausgabe von LIBREAS suchen wir daher Beiträge, die sich konzeptionell und/oder methodologisch mit diesem Kontext im engeren und auch weiteren Sinn befassen und/oder die Leitthese diskutieren. Ziel ist es, die Beziehungen zwischen Zeichen und Texten mit ihrem syntaktischen und semantischen Eigenschaften und den menschlichen Akteuren, die diese in digitalen Netzen verwenden, zu elaborieren sowie Einsatzfelder und methodische Potentiale der Bibliotheks- und Informationswissenschaft in diesem Zusammenhang zu formulieren. Redaktionsschluss ist der 24. Juli 2009. Bitte achten Sie auf unsere Autoreninformationen. Sie erreichen die Redaktion unter redaktion@libreas.eu.