LIBREAS.Library Ideas

EIS, newlis und LIBREAS. Ein Blick in die INETBIB und darüber hinaus.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte by Ben on 29. Juli 2014

von Ben Kaden (@bkaden)

Am vergangenen Donnerstag (24.07.2014) bestätigte Rainer Kuhlen in der Mailing-Liste INETBIB, dass das geplante Projekt einer neuen europäischen Open-Access-Zeitschrift bzw. Kommunikationsplattform für die Informationswissenschaft (European Journal of Information Science bzw. EIS-ICP bzw. Open-Access-Zeitschrift/Publikations-, Informations- und Kommunikationsplattform EIS – European Information Science (OA-PIKP-IW)) keine Förderung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu erwarten hat. Damit ist das Projekt vorerst gescheitert. Rainer Kuhlen verfügt als emeritierter Professor zwar über Expertise und Kontakt jedoch eben nicht über Infrastruktur und Mittel. Und ohne diese lässt sich ein Unterfangen dieses Zuschnitts nicht bewältigen. (vgl. Kuhlen 2014, Antragstext: Kuhlen, Womser-Hacker,2014)

Die Reaktionen in der Mailing-Liste auf die Mail Rainer Kuhlens verdeutlichen, wie die Frage eine Reorganisation der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Fachkommunikation (de facto fallen beide Facetten in Deutschland sehr häufig sogar noch mit der bibliothekarischen und informationspraktischen Fachkommunikation zusammen, wenngleich es sich beim Kuhlen’schen Vorhaben um ein dezidiert informationswissenschaftliches handelte) unter dem Ansprach des Open Access verhandelt wird. Da dies unmittelbar auch für LIBREAS interessant ist, sollen die bisher verfügbaren Positionen hier kurz dokumentiert, sortiert und kommentiert werden.

Rainer Kuhlen selbst mutmaßte in seiner Erstmeldung nur indirekt über die Gründe, die die DFG möglicherweise zur Ablehnung gebracht haben („nicht gut genug“, „zu ambitiös“, „ob die Informationswissenschaft in der DFG keine Lobby hat“, vgl. Kuhlen, 2014).  Thomas Krichel, der sich ein paar Vortragsfolien von Rainer Kuhlen angesehen hat, meinte in einer ersten Reaktion, dass die DFG-Entscheidung, wenn der Antrag den Folien ähnelte, wenig überraschend sei, spezifizierte die Aussage aber nicht weiter. (Krichel, 2014a) Nun ist das Spiel des Mutmaßens zwar sehr unterhaltsam, am Ende aber auch müßig, zumal die leider nicht zugänglichen Gutachten die Wahrheit bzw. eine unabweisbare offizielle Begründung für den abschlägigen Bescheid enthalten, die wir voraussichtlich nie erfahren werden, so dass auch niemand die Freude empfinden wird, beim Orakeln richtig gelegen zu haben.

Die drei Überlegungen Kuhlens klingen allerdings wahrscheinlicher als die Vermutung, die Eric Steinhauer ins Spiel bringt. Diese weist dafür über den Antrag hinaus in die oft betrübliche Realität der Redaktionspostfächer:

„Wäre es eine zu abwegige Vermutung, dass ein Grund dafür vielleicht auch in dem Umstand zu suchen sein könnte, dass es für ein neues Fachorgan einfach nicht genügend Autoren gibt?“  (Steinhauer, 2014a)

1. Publikationskultur (Eric Steinhauer)

Der von ihm angesprochene Punkt, nämlich wie man überhaupt im deutschen LIS-Feld genügend Beiträge für eine ganze Bandbreite von Publikationsformen (also auch die Neugründungen Neugründungen Informationspraxis  und o-bib sowie für Nanopublikationen, wie Eric Steinhauer ergänzt, das Sortiment der Social-Media-Welt), verfehlt zwar etwas den geplanten Zuschnitt von EIS, da dieses Journal als wissenschaftliche Fachplattform nicht unbedingt auf bibliothekspraktische Texte blicken sollte. Er greift mit der Frage „Wer schreibt?“ aber dennoch eine grundlegende Herausforderung auf, die sich jeder Fachzeitschrift für Bibliothekswesen bzw. Bibliotheks- und Informationswissenschaft stellt.

Für Eric Steinhauer beginnt das Problem freilich noch früher bzw. auf der anderen Seite des Publikationskreislaufs. Was publiziert wird, so sein Eindruck, wird oft so gut wie gar nicht rezipiert:

„eine Lektüre, geschweige denn eine produktive Rezeption publizierter Arbeiten [findet] kaum statt[…]“  (Steinhauer, 2014a)

Entsprechend nachvollziehbar ist sein Appell, den Blick weniger auf die Publikationsorgane als auf die Publikationskultur selbst zu richten. Daran, wie sich Informationspraxis und o-bib entwickeln, wird sich auch empirisch zeigen, ob in der deutschen Fachgemeinschaft genügend Platz für eine solche Vielzahl von Publikationsorganen ist. (Steinhauer 2014b)

Ursächlich für die mangelnde Rezeption bibliotheks- und informationswissenschaftlicher Publikation sind für ihn „selbstreferenzielles Projektdenken und zuviel quasi-politisches Gehabe“ und ein zu gering ausgeprägtes Bewusstsein für Interdisziplinarität beispielsweise mit den Kulturwissenschaften, die bibliothekswissenschaftlich relevante Sachverhalte äußerst rege aufgreifen.

2. Kein Peer Review,  dafür ein Referateblatt (Walther Umstätter)

Walther Umstätter sieht angesichts der Zahlen der Absolventen in den Ausbildungs- und Studiengängen durchaus noch Raum für eine weitere Publikationsplattform. (Umstätter, 2014a)

Er kritisiert jedoch, dass im Vorfeld keine bibliometrische Profilierung der geplanten Publikation stattfand. Er bezieht sich dabei auf eigene Vorarbeiten (Mayr, Umstätter, 2008), die zu dem Ergebnis führten:

„Gerade mit der immer stärkeren Abnahme an deutschsprachigen wissenschaftlichen Zeitschriften wächst die  Bedeutung derer, die noch existieren, insbesondere für den Nachwuchs.“ (Mayr, Umstätter, 2008)

Größere Probleme bereitet ihm jedoch der Ansatz des Open Access selbst. Die von Eric Steinhauer erwähnten Publikationen und besonders Social-Media-Kanäle erscheinen ihm stärker als Angebote für „bestimmte Interessengruppen und „Indies““, wogegen die Diskussion der so genannten newlis-Debatte eine übergreifende, „zentrale“ Lösung anstrebte. Im Kern fehlen Zentralorgane, wie es naturwissenschaftliche Disziplinen mit den Übertiteln Nature oder Science besitzen, in den Geisteswissenschaften, zu denen Walther Umstätter offenbar auch die Bibliotheks- und Informationswissenschaft zählt. Der Grund dafür ist aus seiner Sicht, dass es hier keine auf harte Fakten bezogene Streitkultur gibt. Man bleibt beim Feststellen von Meinungen und deshalb, so Walther Umstätter, ist die Publikationskultur in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft nur schwach ausgeprägt:

„Es geht in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu wenig um die Fakten und Konsequenzen der Informationstheorie als Hard Science, und zu oft nur um das Geplauder um moderne Schlagworte.“ (Umstätter, 2014a)

Weiterhin erweitert Walther Umstätter im Anschluss an Eric Steinhauer die Debatte um den Aufruf, dass die in internationalen Zeitschriften erschienenen Publikationen in der deutschen Bibliotheks- und Informationswissenschaft intensiver als bisher – idealerweise mit den „besten Wissenschaftlern als Reviewern“ – „fundiert und kritisch“ einem Art Post-Peer-Review unterzogen werden. Sehr deutlich spricht er sich also für eine Art Referatezeitschrift der deutschen Bibliotheks- und Informationswissenschaft aus, dass über aktuelle Fachentwicklungen informiert und zugleich einen fehlenden Zugang zu diesen Titeln kompensiert.(Umstätter, 2014c)

Ein Post-Publication-Peer-Review ist für Walther Umstätter auch generell für neugegründete Zeitschriften das Mittel zur Qualitätssicherung. (Umstätter 2014b) Er argumentiert, dass beim Pre-Publication-Peer-Review  in der Wissenschaft in immerhin 4,5% der Fälle (vgl. Cawley, 2011) zum Review eingereichte Erkenntnisse durch die Reviewer selbst nachverwertet (bzw. gestohlen) wurden. Darüber hinaus könnte der Vorteil, frühzeitig und teilweise auch inspirierend den Forschungsstand der Fachkollegen zur Kenntnis nehmen zu können, auch generell eine zentrale Motivationsgröße für die Mitarbeit am zumeist nicht vergüteten Reviewing für Fachzeitschriften darstellen. Er wird in diesem Punkt durch Thomas Krichel unterstützt, der auf das Fachrepositorium E-LIS verweist. (Krichel, 2014b)

Schließlich betont Walther Umstätter in einer dritten Positionierung, dass er ursprünglich LIBREAS in der Rolle des aus dem newlis-Umfeld heraus forcierten neuen Open-Access-Organs sah. (Umstätter, 2014c, Umstätter, 2012) Er interpretiert dabei einen Text von Ben Kaden als diesbezüglich abschlägig. (Kaden, 2012, mehr dazu unten) LIBREAS hätte aus seiner Sicht als eine Art Referateorgan mit einer entsprechenden Unterstützung und einem Anschluss an die Idee von EIS durchaus das passende Produkt für den festgestellten Bedarf werden können:

„Natürlich hätten die Mitstreiter bei LIBREAS noch weit mehr ihre Arbeit aufteilen müssen, hätten Rechte und Pflichten abgeben müssen, um die anfallende Arbeit zu schaffen, hätten einiges an Arbeit auf die Softwareebene delegieren müssen, und gerade das müsste man der DFG klar machen, wo die eigentliche Projektidee liegt, die bei Kuhlens Antrag nicht deutlich genug wurde, weil er anderenfalls hätte angenommen werden müssen.“ (Umstätter, 2014c)

3. Kein Förderbedarf (Klaus Graf)

Für Klaus Graf besteht schlicht kein Bedarf für eine DFG-Förderung. Eine bezahlte Redaktion wäre ein netter Bonus, die Open-Access-Praxis zeigt aber, dass es einerseits infrastrukturelle Unterstützung durch Hochschulen (Open-Journal-Systems u.a. der Universitätsbibliothek Heidelberg gibt) und andererseits der hauptsächlich ehrenamtliche Ansatz „der beiden angekündigten deutschsprachigen OA-Journals […] moderner und zukunftsweisender“ ist. (Graf, 2014a)

Zur Frage des Reviewing positioniert sich Klaus Graf mit der Einstellung „publish first, filter later“. (Graf, 2014b) Ein „gründliches traditionelles Review” stellt dabei eine Art Erstfilter dar. Die weitere Qualitätsbewertung eines Beitrags erfolgt idealerweise als Post-Publication-Review und damit dürfte zu diesem Aspekt ein Konsens bestehen.

4. Das Problem des Nebenbei (Annette Kustos)

Anette Kustos rekurriert auf das von Eric Steinhauer eingebrachte Problem des „Wer schreibt?“  bzw. „Wer schreibt wissenschaftlich?“ und ergänzt die Debatte um die Position, dass Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit einer „ständige[n] „Breitenperformance““ oftmals kaum mehr an Text zu produzieren in der Lage sind, als solchen in der wenig geliebten Form der Praxisberichte. Für eine tiefe Quellenrecherche und wissenschaftliches Ausarbeiten der Beiträge bleibt im Arbeitsalltag kaum Gelegenheit.

Sie betont zudem den Aspekt, dass die Arbeit des Publizierens in den vorliegenden Open-Access-Strukturen ohne direkte Entlohnung und quasi nebenbei, finanziert durch anderweitige Erwerbsarbeit erfolgt. Open Access, so betont sie, kann eigentlich nur funktionieren, wenn die grundsätzlichen Betriebsressourcen der Publikationsplattformen finanziert sind. Deshalb ist sie auch Mitglied im LIBREAS-Verein und unterstützt diesen mit einem Jahresbeitrag. Das Fehlen eines solch abgesicherten „institutionelle[n] Unterbau[s] mit Grundmitteln für den Fachkontext Informationswissenschaft“ könnte, so die Vermutung, im Fall von EIS der Kern des Problems sein. Ihr Best-Practice-Beispiel aus dem bibliothekarischen Bereich ist die Zeitschrift GMS Medizin-Bibliothek-Information.

5. Kommentar (Ben Kaden)

Ob die INETBIB-Diskussion um die Nichtbewilligung einer DFG-Förderung für EIS-ICP die generelle Debatte um die Publikationsstrukturen in Bibliothekswesen, Bibliotheks- und Informationswissenschaft bzw. Informationswissenschaft, die unter der Überschrift newlis eine erfreuliche intensive Kommunikation und schließlich, nicht minder erfreulich, gleich zwei konkrete Publikationsprojekte nach sich zieht, wieder intensiver aufflammt, ist nach vier Tagen noch nicht absehbar. Dass eine Diskussion stattfindet spricht aber deutlich für eine Vitalität der Fachgemeinschaft, auch wenn die TeilnehmerInnen weitgehend bekannt und von vergleichsweise geringer Zahl sind. Aus den bisherigen Stimmen lassen sich folgende Kernpaspekte extrahieren:

  • Es gibt zu wenige (gute) Autoren bzw. Beiträge.
  • Es wird zu wenig bzw. zu wenig aufmerksam und kritisch gelesen.
  • Open-Access-Publikationen sind relativ kostengünstig einzurichten.
  • Open-Access-Publizieren erfolgt fast notwendig ehrenamtlich.
  • Das Peer-Review-Verfahren sollte durch ein Post-Publication-Review abgelöst werden.
  • Eine Referateblatt, dass Forschungsergebnisse besonders aus internationalen Publikationen an das Fachpublikum vermittelt, wäre wünschenswert.

Sehr zentral aus meiner Sicht jedoch noch ein anderer Aspekt, der noch nicht expliziert wurde, aber ursächlich für viele Reibungspunkte sein dürfte: die mangelnde Abgrenzung. Genaugenommen ist es nämlich nicht unbedingt zutreffend, wenn man das geplante EIS-ICP mit LIBREAS, Informationspraxis und o-bib oder anderen bibliothekarischen Fachzeitschriften in einen unmittelbaren Zusammenhang setzt. Sowohl der geographische Zuschnitt (Europäische Union) wie auch die fachliche Konzentration (Informationswissenschaft) zielten nachvollziehbar doch vielmehr auf eine konkrete Wissenschaftsgemeinschaft und weniger auf eine Fachgemeinschaft, die bis in die Bibliothekspraxis reicht, was sich besonders bei der Art der einreichbaren Beiträge und deren Reviewing gezeigt hätte. Die Zielgruppe unterscheidet sich demnach grundlegend von der der genannten anderen Open-Access-Zeitschriften.

Herausforderung und Konkurrenz für EIS-ICP wären daher vielmehr die in der Fachdisziplin fest etablierten Titel, also Zeitschriften wie JASIST, das Journal of Documentation und sicher auch die IWP sowie eine gut sortierte Handvoll internationale Open-Access-Publikationen wie First Monday oder InformationR, in denen auch deutsche informationswissenschaftliche Autoren relative stabile und vor allem etablierte Strukturen für ihren Fachdiskurs vorfinden, in denen sie ihre Forschung kommunizieren können. Allerdings heißt es im Antrag bei der Bedarfsanalyse: „Faktisch publizieren deutsche WissenschaftlerInnen, bis auf Ausnahmen, kaum in den international führenden Journalen des Fachgebiets […]“ (Kuhlen, Womser-Hacker, 2014, S. 32) Hier eröffnet sich noch ein ganz anderes Feld für eine Debatte zur gegenwärtigen Publikationskultur der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, dessen Bearbeitung erst einmal vertagt werden muss.

Dass sich eine Vielzahl von VertreterInnen der Fachcommunity laut Liste im Antrag (Kuhlen, Womser-Hacker, 2014) zur Mitarbeit im Editorial Board bereiterklärten mag einerseits den Netzwerkkompetenzen der Antragsteller geschuldet sein. Andererseits zeigt es dennoch mindestens, dass die informationswissenschaftliche Community einer weiteren Publikationsplattform nicht abgeneigt gegenüber steht.

Interessant wäre es natürlich, die Gutachten mit der Ablehnungsbegründung einzusehen. Die Vermutung, dass EIS tatsächlich sehr, vielleicht zu komplex und zugleich im Gegensatz zu anderen, niedrigschwelligeren Open-Access- und Nanopublikationsformen ziemlich traditionell top-down-strukturiert angelegt war, stellte sich bereits bei den Präsentationsvorträgen von Rainer Kuhlen u.a. im BBK des Berliner Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft ein und bestätigt sich auch in gewisser Weise bei der Lektüre des Antrags. Jedoch sind auch die Erwartungen und formalen Ansprüche der DFG zu berücksichtigen und zweifellos steht einem informationswissenschaftlichen Projekt ein hoher informationswissenschaftlicher Innovationsanspruch in einem solchen Antrag sehr gut zu Gesicht.

Es bleibt dabei: auch mit Informationspraxis, o-bib, LIBREAS, 027.7 und anderen Publikationen fehlt eine deutschsprachige Open-Access-Zeitschrift für die Disziplin der Informationswissenschaft. Keine der genannten Open-Access-Publikationen erfüllt die Standards, die eine Wissenschaftsgemeinschaft berechtigt an ein für sie tragfähiges Leit- und Kommunikationsmedium stellt.

Aus Sicht von LIBREAS kann ich mich der Position von Annette Kustos sehr gut anschließen: Es ist mit den vorhandenen Mitteln und auf der Basis der Beiträge die uns erreichen unmöglich, ein hartes wissenschaftliches Journal herauszugeben, wie es Walther Umstätter und Rainer Kuhlen mutmaßlich vorschwebt. Das bedeutet keineswegs, dass nicht auch auf diesem Weg wissenschaftliche und andere relevante Erkenntnisse in diesen Medien ihren Weg zum Leser finden. Bei konsequenter Anwendung wissenschaftlicher Standards wäre bei LIBREAS jedoch die Ablehnungsrate selbst des Editorial Reviews so hoch, dass wir bestenfalls alle zwei Jahre eine Ausgabe publizieren könnten. Wir haben uns dagegen entschieden und folgen lieber Klaus Grafs Devise „publish first, filter later“.

Ich habe LIBREAS unlängst in einer Diskussion als Themenseismograph bezeichnet und ich denke immer mehr, dass es das ist, was wir aktuell mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln leisten können: wir zeichnen bestimmte Aspekte und Erörterungen dazu auf, in der Hoffnung, dass sie rezipiert werden und etwas darauf folgt.

Die Einnahmen des LIBREAS-Vereins decken derzeit die technischen Grundkosten und ermöglichen uns darüber hinaus hin und wieder Veranstaltungen wie den SWiF zu unterstützen. All die Ambitionen, die zweifellos darüber hinaus bestehen, müssen derzeit zurückgestellt werden.

Wenn Walther Umstätter in seiner Mail vom 27.07. explizit auf LIBREAS eingeht, dann ist auch diese Prämissen zu berücksichtigen. Es ist keinesfalls so, dass LIBREAS sowohl newlis wie auch EIS ablehnend gegenüberstand. Ganz im Gegenteil. Mit und zu newlis gelang es in einen Dialog zu treten (u.a. auf dem frei<tag> 2012). Dass unsere Erfahrungen und Ideen für EIS offenbar wenig Relevanz besaßen, ist am Ende wahrscheinlich doch dem sehr anderen Zuschnitt geschuldet. Soweit ich beurteilen kann, stand LIBREAS als Anschlusspunkt für den Projektantrag von Rainer Kuhlen nie zur Debatte. Zum Dialog auch zu EIS waren wir dennoch jederzeit bereit und haben dies auch signalisiert. Die bereits oben zitierte Aussage Wather Umstätters

„Natürlich hätten die Mitstreiter bei LIBREAS noch weit mehr ihre Arbeit aufteilen müssen, hätten Rechte und Pflichten abgeben müssen, um die anfallende Arbeit zu schaffen, hätten einiges an Arbeit auf die Softwareebene delegieren müssen, und gerade das müsste man der DFG klar machen, wo die eigentliche Projektidee liegt, die bei Kuhlens Antrag nicht deutlich genug wurde, weil er anderenfalls hätte angenommen werden müssen.“ (Umstätter, 2014c)

wirkt daher möglicherweise etwas verzerrend. Was wir nicht wollten und was ich in meiner Antwort auf Walther Umstätter schrieb (vgl. Kaden, 2012), war zu unserer laufenden LIBREAS-Arbeit mit unseren schmalen Ressourcen große und mittlere Pläne Dritter zu bedienen.

Was die Software-Lösung angeht, sind wir mit der Github-Lösung und der Variante für Langzeitarchivierung über den e-doc-Server der Humboldt-Universität eigentlich ziemlich zufrieden. Für die anderen Spielereien benutzen wir, was an Social-Media-Komponenten üblich ist und vermissen relativ wenig. Wir verstehen uns also auch an dieser Stelle durchaus als anschlussfähig.

Auch als Organisationsform LIBREAS ist mit dem LIBREAS-Verein so offen, wie es eben geht. Wir freuen uns selbstverständlich weiterhin auch, über weitere – verlässliche und belastbare – Mitglieder der Redaktion, vor allem in den Bereichen Autorenbetreuung und Review-Management. Wir freuen uns auch über AutorInnen.

Die Idee des Referateblatts (oder Abstract-Journals), wie sie Walther Umstätter in seiner Nachricht in der INETBIB als Desiderat beschreibt, nahmen wir übrigens im LIBREAS-Weblog auf und führen sie im LIBREAS-Tumblr weiter:

„Die Seite LIBREAS.tumblr.com dient also dem Zweck, selektiv und in betont knapper Form Erkenntnisse aus dem aktuellen Publikationsgeschehen in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu sammeln, zu bündeln und sorgsam auszutaggen.“ (Kaden, 2013)

Dass wir darin nicht einmal in Richtung eines Anspruchs auf Vollständigkeit gehen und nicht ontologiebasiert erschließen, was vielleicht ein toller Anspruch und zugleich die Erwartung der Fachwelt wäre, liegt nun leider auch daran, dass unser Tag mit allem Möglichen gefüllt ist – Annette Kustos weiß, was wir meinen – und wir uns daher erlauben, nur dass zu lesen und zu referieren, was uns wirklich interessiert. Doch auch dieses Format steht prinzipiell jedem offen und über ben@libreas.eu sind Ideen und fast lieber noch konkrete Referate sehr willkommen.

(Berlin, 29.07.2014)

 

 

Quellen

Valentine Cawley (2011): An Analysis of the Ethics of Peer Review and Other Traditional Academic Publishing Practices. In: International Journal of Social Science and Humanity, Vol. 1, No. 3, September 2011. S. 205-213. DOI: 10.7763/IJSSH.2011.V1.36

Klaus Graf (2014a) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53582.html

Klaus Graf (2014b) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 27.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53588.html

Ben Kaden (2013) Aus der Redaktion: LIBREAS microbloggt nun auch bei Tumblr. Aber warum? In: LIBREAS.Weblog. 24.01.2013 https://libreas.wordpress.com/2013/01/24/aus-der-redaktion-libreas-microbloggt-nun-auch-bei-tumblr-aber-warum/

Ben Kaden (2012) LIBREAS als Schweigbügelhalter? Eine Position zur newLIS-Debatte. In: LIBREAS. Weblog. 04.07.2014. https://libreas.wordpress.com/2012/07/04/libreas-als-schweigbugelhalter-eine-position-zur-newlis-debatte/

Thomas Krichel (2014a): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014 http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53570.html

Thomas Krichel (2014b): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53584.html

Rainer Kuhlen (2014): Kein EIS. In: INETBIB, 24.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53568.html

Rainer Kuhlen, Christa Womser-Hacker (2014) Antrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft aus dem Programm Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme, hier zu 12.11 Elektronische Publikationen Einrichtung einer Open-Access-Zeitschrift/Publikations-, Informations- und Kommunikationsplattform. Berlin, Hildesheim: 07.01.2014. Volltext: http://www.kuhlen.name/MATERIALIEN/Projekte/RK-antrag-EIS-unter-CC-BY3-0-27072014-PDF

Annette Kustos (2014) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 28.07.2014 http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53595.html

Philipp Mayr, Walther Umstätter (2008) Eine bibliometrische Zeitschriftenanalyse zu JoI, Scientometrics und NfD bzw. IWP. In: Information – Wissenschaft und Praxis. Jg. 59 Heft 6/7 (2008) S. 353-360. Volltext: http://www.ib.hu-berlin.de/~mayr/arbeiten/mayr-umsta_IWP08.pdf

Eric Steinhauer (2014a): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53576.html

Eric Steinhauer (2014b)): Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53581.html

Walther Umstätter (2014a) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53580.html

Walther Umstätter (2014b) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 25.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53583.html

Walther Umstätter (2014c) Re: [InetBib] Kein EIS. In: INETBIB, 27.07.2014, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg53587.html

Walther Umstätter (2012) Re: [InetBib] BIBLIOTHEKSDIENST erscheint bei De Gruyter: Stellungnahme der BID. In: INETBIB, 02.07.2012, http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg47944.html

 

 

 

Advertisements

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (6): 027.7 – Belebung oder Ende der NewLIS-Debatte?

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by libreas on 16. März 2013

von Matti Stöhr

Willkommen! Mit der ersten Ausgabe und dem Themenschwerpunkt „Bibliothek 2.0 am Ende?! ist mit 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur  frisch ein neues Fachblatt aus der Taufe gehoben worden, welches elektronisch nach Prinzipien des Open Access erscheint. Der Zeitschriftentitel – die DDC-Systemstelle für wissenschaftliche Hochschulbibliotheken (college and university libraries) – ist programmatisch. Aus dem Konzept:

027.7 ist eine Open Access-Zeitschrift für Bibliothekskultur mit offenem Peer-Review-Verfahren. Mit dem Begriff „Bibliothekskultur“ möchten wir das Feld weit öffnen für die Präsentation von Forschungsergebnissen, Praxisberichten und weitere Arten von Fachbeiträgen. Der thematische Fokus liegt auf dem wissenschaftlichen Bibliothekswesen des deutschsprachigen Raums. Dabei fliessen auch internationale Fragestellungen mit ein. 027.7 möchte informieren, anregen und diskutieren, manchmal auch streiten. Wenn sich 027.7 als Plattform für offene Auseinandersetzungen über die Inhalte der Artikel etablieren kann, haben wir unser Ziel erreicht.

027.7 wird von Andreas Ledl, David Tréfás und Bernhard Lukas Herrlich – alle (promovierte) Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Basel – herausgegeben und redaktionell betreut. Dem Editorial ist zu entnehmen, dass das Gründungsvorhaben unabhängig von der Diskussion zur Eingliederung des Bibliotheksdiensts in das Portfolio vom Verlag de Gruyter angegangen wurde, jedoch nicht unbeeindruckt blieb von der nachfolgenden NewLIS-Debatte; dem viel diskutierten aber bis dato nicht umgesetzten Vorhabens der Gründung einer neuen bibliothekarischen OA-Zeitschrift unter dem Arbeitstitel NewLIS.  Seit dem „Diskussions- und Planungshoch“ von Juni bis September 2012, welches u.a. nach einer kleineren Diskussion auf der vergangenen frei>tag>-Unkonferenz  in einer Session auf dem Infocamp in Chur gipfelte, ist es vergleichsweise  ruhig um das Projekt geworden, aber wohl (noch?) nicht begraben. Hier verwundert etwas, das (damals) direkt Beteiligte über den Stand spekulieren. Die nahende frei<tag> 2013 böte den nächsten Anlass, um über die aktuellen Entwicklungen inkl. der Bedeutung der jüngsten Neugründung nach Perspektive Bibliothek im bibliothekarischen bzw. im bibliotheks- und informationswissenschaftliche (OA-)Zeitschriftenwesen zu diskutieren. Anknüpfungspunkte böte etwa hier Ben Kaden, der im Blogpost „Warum LIS-Zeitschriften. Und warum nicht.“ vor kurzem (erneut) Position bezogen hat.

Collage LIS-OA-Journale

Wo geht es hin mit den  – etablierten, neuen und geplanten – deutsschprachigen Open Access-Journalen im Bibliotheks- und Informationswesen?

Warum LIS-Zeitschriften. Und warum nicht.

Posted in LIBREAS aktuell by Ben on 5. Februar 2013

Eine Position von Ben Kaden

In Anlehnung an Friedrich Kuhnens Beitrag Der neue Bibliotheksdienst – Hausblatt von De Gruyter? in der Inetbib-Liste erinnert Klaus Graf bei Archivalia ziemlich berechtigt an den großen Sturm im Fachdiskurs des zurückliegenden Jahres:

„2012 wurde aus Anlass der Ankündigung, dass der BD [Bibliotheksdienst] zu de Gruyter geht und sich das OA-Embargo verlängert, zunächst heftig und intensiv über eine Open-Access-Zeitschrift des Bibliothekswesens diskutiert: Arbeitstitel Newlis. […] Rainer Kuhlen hatte im Herbst 2012 parallel ein Treffen zur Gründung eines hochrangigen englischsprachigen Fachjournals veranstaltet.

Was ist aus alldem geworden?“

Nun offensichtlich nicht viel Greifbares. Dennoch war die Debatte nicht vergebens. Denn sie zeigte, dass es durchaus gelingen kann, einen regen Fachdiskurs anzustoßen, wenn das Thema genügend zündet. Sie zeigt zudem in der längeren Perspektive, dass es derzeit offensichtlich weder im deutschen Bibliothekswesen noch in der deutschen Bibliotheks- und Informationswissenschaft möglich ist, Bedarf, Kompetenz und Ressourcen, die zum Betrieb einer Open-Access-Publikation, wie wir sie uns mutmaßlich alle wünschen, notwendig sind, zu bündeln. Eventuell sollte man sich vorerst mit diesem Gedanken anfreunden. Möglicherweise passt aber auch einfach das Konzept der Zeitschrift nicht mehr so recht in die Zeit.

Johan Schloemann schrieb gestern in der Süddeutschen Zeitung im Nachgang zur Münchner RKB-Tagung:

“Die Art und Weise des Zugriffs kann das Denken verändern […] Inhalte und Assoziationen gehen andere Verbindungen ein, die Gliederung von Online-Ressourcen greift in die Ordnung des Wissens ein, Archiv und Bibliothek wandeln sich in ihrem Wesen.”

In der Tat. Ich lese beispielsweise keine Zeitschriften (direkt), sondern hauptsächlich per RSS-vermittelte Beiträge. Diese beziehe ich auf Themen und Interessen orientiert, wobei die Quelle selbst erst im zweiten Schritt (der kritischen und kontextualisierenden Lektüre) einen Stellenwert erhält. Es gibt nicht DEN einen Titel, der für meine auch fachliche Interessenlage einschlägig ist. Vom Believer über den Bibliotheksdienst bis zu BILD-online kommt alles als Quelle in Frage, wenn mich interessiert wie Bibliotheken, Medienentwicklung und Gesellschaft miteinander in Wechselwirkung stehen.

Meine Rezeption setzt also auf einen sehr heterogenen Quellenverbund aus Blogs, Streams, Zeitungen und auch Zeitschriften. Aus dieser Vielfalt synthetisiert sich dann mittels kritischer Einordnung mein Orientierungswissen in den für mich interessanten Themenfeldern (also in gewisser Weise mein spezifischer Worldstream). Ab und an schreibe ich das dann wieder in Blogs, Zeitschriften oder Sammelbänden nieder. Mit meinem Wissenschaftsverständnis, bei dem es vor allem um Beobachtung, Synopse und Kritik geht und bei dem Statistiken und andere Evidenzmessungen Stützmaterial aber eben nicht Zweck der Erkenntnisfindung sind, harmoniert diese Praxis ganz gut.

Betreibt man in unserem Fach nun selbst eine Zeitschrift, kennt man das massive Problem, dass Produktionsaufwand und Wirkung selten in einem sinnvollen Verhältnis stehen. Es gibt durchaus Gründe, weshalb die Inetbib-Liste und ein paar Weblogs die Fachdiskurse weitaus lebendiger abbilden, als der Bibliotheksdienst, die IWP und sicher ebenfalls die Zeitschrift LIBREAS. Beispielsweise die niedrigen Schwellen und der geringe Aufwand der Teilhabe.

Dies führt dazu, dass bestimmte synoptische Beiträge in Weblogs weitaus häufiger und mit deutlich größerer Wirkung zur Kenntnis genommen werden, als eventuelle Zeitschriftenaufsätze, auf die darin Bezug genommen wird – mit allen Vor- und Nachteilen dieser Praxis. Daher ist der von Walther Umstätter regelmäßig forcierte Bezug zu den Referateblättern, „die einst die deutsche Wissenschaft stark machten“ (vgl. hier) außerordentlich zeitgemäß, selbst wenn mittlerweile das erhabene Ziel einer starken deutschen Wissenschaft vielleicht als Anspruch hinter dem grundsätzlichen Bedürfnis, sich generell aktiv und patent in der eigenen fachlichen Umwelt bewegen zu können, zurücktritt.

Das Post Peer Reviewing ist dabei nichts anderes als die kritische und fortschreibende Auseinandersetzung mit den Gedanken anderer zum eigenen Gegenstand. Also eigentlich: Diskurs. Ich denke, dass dies dem Charakter dieses eigenartigen Hybriden aus wissenschaftlichem Anspruch und außerordentlich ausgeprägter praktischer Bewährungspflicht, aus dem sich die Bibliotheks- und Informationswissenschaft und damit auch die Fachblätter konstruieren, weitaus gerechter ist, als eine bemühten Szientifizierung.

Die Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist keine harte Wissenschaft und benötigt daher nicht zwingend PLOS-artige Publikationsformate. Und dort, wo Konstruktion und mühselige Etablierungsversuche solch hochgesteckter Angebote die intelligentesten Köpfe der Community in organisatorischen Aufwand binden, sind sie sogar unbedingt verzichtbar. Die Zahl derer, die in unserem Fach tatsächlich unter wissenschaftlichen Bedingungen arbeiten und publizieren ist in Deutschland sehr überschaubar. Für alle anderen wäre eine strenge, Peer-Review-basierte wissenschaftliche Open-Access-Zeitschrift eine Hürde, die sie weder nehmen könnten noch wollten. Was also bestenfalls entstünde, wäre ein kleiner bibliotheks- und informationswissenschaftlicher Binnendiskurs einer kleinen Gemeinschaft, die sich zudem, wie eine aktuelle Untersuchung nahelegt, selbst regelmäßig verfehlt. Dafür ist das Fach schon jetzt mit einer genügenden Menge an Plattformen versorgt.

Zweckmäßiger als eine neue Open-Access-Zeitschrift einzufordern wäre aus meiner Sicht tatsächlich die Fokussierung auf alternative, niedrigschwellige Kommunikationskanäle und die Frage, wie sich ein Qualität sicherndes Post Peer Reviewing darin umsetzen läßt. Sicher lassen sich diverse Erfahrungen mit der Medienform Zeitschrift fruchtbar einbinden. Sicher ist es auch sinnvoll, das Konzept der Zeitschrift dort, wo es passt, weiter zu verfolgen. Ich glaube jedoch, dass es in unserer besonders durchmischten Fachwelt immer weniger funktioniert.

Wenn man das Konzept der Zeitschrift bislang nach wie vor so beharrlich weiterverfolgt, dann vermutlich aus zwei Gründen: a) der Gewöhnung (nach wie vor) und b) weil sich damit, auch beim Open Access-Ansatz, Wissenschaftskommunikation sehr gut in vermarktbare Produkte fassen lässt. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass der Diskurs nicht in anderer Form ebenso gut und vielleicht sogar ein Stück lebhafter und für die Kommunikationsform passender möglich wäre. Gerade dafür ist die newlis-Debatte kein schlechtes Beispiel.

(05.02.2013)

LIBREAS als Schweigbügelhalter? Eine Position zur newLIS-Debatte.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Verein by Ben on 4. Juli 2012

von Ben Kaden

Wenn es um Open Access und Fachzeitschriften geht herrscht derzeit ein bisschen Spannung in der Branche. Die Diskussion um newLIS, also einer neuen Open-Access-Zeitschrift der Bibliothekswissenschaft bzw. des Bibliothekswesens bildet dafür den Bogen, der sich auch Richtung LIBREAS spannt, LIBREAS selbst aber, so mutmaßt mancher, nicht berührt. Allerdings bezieht man uns auch selten von Seiten der um newLIS Aktiven direkt ein und obschon im Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquium vom 03.07. die Gelegenheit sehr günstig war, blieb es dabei, dass wir mehr aus der Ferne beobachtet wurden. Warum dem so ist, sollte sicher auch einmal diskutiert werden, denn eigentlich verstehen wir uns schon dergestalt als inklusiv, dass wir auch für diese Debatten offen sind.

Nun findet sich heute hier im Weblog eine Aussage Walther Umstätters, die ein wenig das Problem anspricht:

Die Frage ist ja nicht, welchen Stellenwert Libreas momentan hat, sondern welche Ausbaufaehigkeit sie mitbringt. Dazu gibt es gerade eine Diskussion, die man substantiell anreicher koennte, anstatt sie nur unbegruendet abzubuegeln.

Darauf gehe ich selbstverständlich sehr gern ein und auch wenn die Meinungen innerhalb der Redaktion in dieser Sache ausnahmsweise nicht weit auseinander gehen, möchte ich betonen, dass ich die nachstehende Erörterung des Vorwurfs eine persönliche ist.  (more…)