LIBREAS.Library Ideas

Themen für die Gegenwartsforschung. Heute: (Digital) Impression Management in der Wissenschaft.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 11. März 2015

Eine Notiz zu

Stefanie Haustein, Timothy D. Bowman, Rodrigo Costas (2015) Interpreting “altmetrics”: viewing acts on social media through the lens of citation and social theories. To be published in: Cassidy R. Sugimoto (Ed.). Theories of Informetrics: A Festschrift in Honor of Blaise Cronin. Preprint: http://arxiv.org/abs/1502.05701

von Ben Kaden (@bkaden)

I

„Are scholars altruistically sharing information for the benefit of the community in which they belong? Or, is information sharing a self-serving activity? Are scholars sharing information in order to assist the profession grow intellectually, or are they attempting to develop a ‘brand’ around themselves?”

fragte sich George Veletsianos 2012 in seiner Betrachtung zur wissenschaftlichen Twitternutzung. Eine Antwort, die nicht „vermutlich aus beiden Gründen“ lautet, erscheint wenig plausibel. In einem Beitrag für eine anstehende Festschrift für Blaise Cronin reflektieren nun Stefanie Haustein, Timothy D. Bowman und Rodrigo Costas das Phänomen der Altmetrics aus der Warte verschiedener sozialwissenschaftlicher Theorien und kreisen damit die Frage Veletsianos‘ weiter ein. Twittern wir, weil wir wollen, dass andere ihr Bild von uns aufgrund dieser Tweets gestalten? Damit sie uns also für besonders geistreich, kompetent, engagiert oder auf der Höhe der Timeline halten sollen? (more…)

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Digitaler Kapitalismus und dogmatischer Marxismus

Posted in LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 10. März 2015

Zu: Fuchs, Christian (2014). Digital Labour and Karl Marx. New York ; Abington: Routledge

Seit jetzt schon einigen Wochen liegt auf meinem Schreibtisch ein Buch, das ich besprechen wollte. Daneben eine gesamte Schwerpunktausgabe der Zeitschrift The Information Society. Es ist aber schwer, denn leider ist das Buch schlecht. Das selber ist nichts Besonderes. Es gibt dutzende Bücher, die ich am Anfang so interessant finde, dass ich sie gerne besprechen würde – und dann stellen sie sich beim weiteren Lesen als wirklich schlecht heraus, zumindest meiner Wahrnehmung nach. Mal sind sie einfach langweilig, oft inhaltlich flach, teilweise auch falsch. Mehr als einmal waren sie einfach so einschläfernd, dass ich sie einfach nicht fertiglesen konnte und erstaunlicherweise – da ich hier vor allem von Werken spreche, die irgendetwas mit Library and Information Science zu tun haben – oft sind sie unglaublich esoterisch (gerade Chandos Publishing hat da einige erstaunliche Werke im Angebot). Aber dieses Buch ist anders. Es ist dogmatisch. Dogmatisch im Sinne des „Histomat“ der DDR oder von alten K-Gruppen, so als wären die Siebziger nicht vorbei, sondern als wären diese unflexiblen, reflexionunfähigen und auch spass- sowie ironielosen Gruppen aus BeurfsmoaistInnen und BerufstrotzkistInnen immer noch zahlreich und meiungsstark. (Und ja, ich weiss, es gibt sie immer noch in kleinen Grüppchen: Arbeitermacht, Spartakistische Arbeiterpartei, Marxistisch-Lenistische Partei und so weiter; manchmal durfte ich mich mit denen auch rumschlagen.)

Je länger das Buch neben mir liegt, je länger habe ich das Gefühl, dass ich in meiner Jugendzeit in der Berliner Antifa hatte, wenn ich solchen letzten Überbleibseln der K-Gruppen begegnete: Irgendwie klingt es von Weitem, im Vorbeigehen, im ersten Moment vertraut und dann auch noch auf der Basis von Theorie, die man selber zumindest gelesen hat; aber gleich beim ersten genaueren Blick wird klar, dass es das nicht ist. Genauso wie die K-Gruppenüberbleibsel das Gefühl vermitteln, aus der Zeit gefallene Gläubige einer Revolution zu sein, welche die Zeit ihrer Umsetzung lange hinter sich hat (wenn es sie je wirklich gab) und bestimmt auch „damals“ nicht perfekt gewesen wäre, vermittelt dieses Buch das Gefühl, als ob ein aus der Zeit gefallener Gläubiger eines sehr reduzierten und rechthaberischen Marxismus versuchen würde, ein aktuelles Thema anzugehen.

Den Digitalen Kapitalismus untersuchen

Der Vergleich ist nicht so absurd, wie er vielleicht klingt. Es geht in diesem Buch, Digital Labour and Karl Marx von Christian Fuchs (Fuchs 2014), nämlich um nicht weniger als das: Die Struktur der Arbeit und Ausbeutungsverhältnisse im „Digitalen Kapitalismus“ mithilfe marxistischer Theoriewerkzeuge zu untersuchen und zu beschreiben. Mit einer klaren Perspektive zur Aufhebung dieser Verhältnisse, was nicht überraschen sollte, wenn man Marx (und Engels) gelesen hat; aber doch, wenn man bedenkt, dass das Buch selber bei Routledge verlegt wurde. (more…)