LIBREAS.Library Ideas

Call for Papers / Call for Pictures LIBREAS #21: Bilder, Graphen, Visualisierungen

Posted in LIBREAS Call for Papers by libreas on 19. März 2012

[Call for Papers / Call for Pictures # 21 als PDF]

von Redaktion LIBREAS

Bilder, Graphen, Visualisierungen – Ausgabe #21 von LIBREAS

Call for Papers / Call for Pictures

Platon schlug in seinem Liniengleichnis eine Trennung des Wahrnehmbaren von der Erkenntnis vor. Die gegenwärtige Wissenschaftspraxis tritt dagegen ganz gern über den Strich und benutzt das visuell Wahrnehmbare gern als Erkenntnismethode.

Entsprechend erweisen sich Bildtechniken heutzutage in vielen (natur-)wissenschaftlichen Gebieten für die Wissensproduktion und -darstellung als unerlässlich. In der Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist zunächst die Übersetzung von Daten aus dem Umfeld der Wissenschaftskommunikation in verschiedenartige diagrammatikalische Darstellungsweisen zu beobachten. So schlug Derek de Solla Price 1965 in seinem Aufsatz Networks of Scientific Papers vor, die Beziehungen zwischen bibliographischen Referenzen für die Bestimmung von Forschungsfeldern heranzuziehen. Dieser Ansatz markiert vielleicht nicht die Geburtsstunde, wohl aber ein maßgebliches Multiplikationsmoment des Wissens darüber, wie die Visualisierung von Relationen einen Zugewinn an Einsicht mit sich bringen kann.

Stellte man dabei zunächst die Verbindung zwischen wissenschaftlichen Aufsätzen über Referenzen als symmetrische Matrix dar, gewann später die Übertragung der Anordnung der Matrizen als Netzwerkdiagramme für die Beantwortung übergreifender bibliotheks- und informationswissenschaftlicher Fragestellungen an Bedeutung. Solche Verfahren beschränken sich nicht mehr nur auf bibliographische Daten, sondern vernetzen diese wiederum mit weiteren Datentypen. So entstehen neue Formen der Messung von Rezeption und Zitation wissenschaftlicher Literatur.

Zudem sind Bilder, Graphen und die Beschreibungen ihrer Produktion Sammlungsgegenstände von Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Waren die Sammlungen zunächst auf die Objekte orientiert, erlaubt ihre Überführung in das Digitale neue Formen der Darstellung, Erschließung und Rezeption auch des Erstellungs-, Be- und Verarbeitungsprozesse. Die Objekte (oder auch Dokumente) werden geöffnet, durchdringbar, in gewisser Weise digital transzendiert und verschmelzen in der radikalsten Interpretation mit anderen Objekten und Nutzungen zu einem unablässigen Strom von Datenprozessen, bei denen die Festlegung „Das ist ein Dokument“ willkürlich möglich und also neu zu definieren ist.

Für besonders auf Bilder gerichtete Wissenschaftsdisziplinen, wie beispielsweise die Kunst- und Bildwissenschaft, entwickeln sich Werkzeuge und Methoden, welche die auf Erkenntnis gerichtete Auseinandersetzung mit Bildern technisch unterstützen, mit weiteren Sammlungen verknüpfen und ebenfalls zu Öffnungen der Forschungsfragen sowohl quantitativ wie auch qualitativ nach sich ziehen. Im Großen wie im Kleinen entstehen unzählige Varianten, neue Verknüpfungen sowie deren Abbildungen.

Stadtplan

Eine Urform der Visualisierung ist die Landkarte. Eine spätere Abwandlung der Stadtplan. Und in diesem Fall handelt es sich sogar um einen Stadtplanungsplan.

In der LIBREAS-Ausgabe #21 möchten wir uns dem vorangehend Skizzierten wie gewohnt in möglichst offener Form widmen. Wir schlagen daher eine thematische Dreiteilung des Themenfeldes vor:

1. Für den Bereich der „Theorie“ wünschen wir uns Beiträge, die Anschlüsse zwischen der Bibliotheks- und Informationswissenschaft sowie dem sich stark institutionalisierenden Feld der „Bildwissenschaft(en)“ diskutieren. Sie hinterfragen mit ihrem multidisziplinären Werkzeugkasten, grob gesagt, die Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen von Bildern, womit sich die Frage nach Integrationsmöglichkeiten der Theorien, Methoden und Ergebnisse in die Bibliotheks- und Informationswissenschaft ergibt. Ben Kaden wies im letzten Sommer in einem Beitrag für das LIBREAS.Weblog beispielhaft auf eine Gemeinsamkeit zwischen Bild- und Bibliothekswissenschaft hin: „Konzept oder Disziplin? – das ist auch unsere Frage.

2. Im zweiten Themenfeld „Sammlungen“ laden wir zu Beiträgen ein, die in Form von Werkstattberichten Bildsammlungen an Bibliotheken und Informationseinrichtungen sowie Verfahren der Erschließung und Präsentation im Umfeld der von diesen Einrichtungen angesprochenen Nutzergruppen beschreiben.

3. Schließlich möchten wir für die Beantwortung von bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Fragestellungen den Produktionsprozess von Visualisierungen erfahrbar und reproduzierbar machen. Diese Beschreibungen sollten nach einer kurzen Erläuterung der jeweiligen Fragestellung die Charakteristika der Datengewinnung aufzeigen, die gewählten Visualisierungsmethoden einleiten (sowie umsetzen) und die einzelnen Schritte der Computation dokumentieren. Neben klassischen bibliothekarischen Datenquellen sind neue Formen der wissenschaftlichen Kommunikation, wie sie beispielsweise im Feld der Altmetrics diskutiert werden, von besonderem Interesse. Auch die Übertragung derartiger Metriken auf das Feld Kulturanalyse, wie es unter dem Schlagwort Culturomics seit einigen Jahren an Popularität gewinnt, kann hier eine Rolle spielen.

Abschließend bleibt aus gegebenem Anlass zu betonen, dass es LIBREAS als Diskursmedium nicht darum geht, rundum wissenschaftlich abgedichtete Fachaufsätze zu publizieren. Wir lieben offene Fragen, denn darin liegt für uns die Essenz der Erkenntnissuche.

Entsprechend sind Essays, Problematisierungen, kritische Literaturschauen und Diskussionen Beitragsformen, die wir ausgesprochen gern lesen und publizieren. Darauf, dass beim Thema Visualisierung auch die bildorientierte Auseinandersetzung mit den Fragestellungen nahe liegt, müssen wir vermutlich nicht gesondert hinweisen.

Redaktionsschluss ist der 15.06.2012. Für Rückfragen oder eine inhaltliche Diskussion steht die Redaktion wie immer sehr gern zur Verfügung.

Scheitern in der Schreibwerkstatt: Aus der Redaktion der LIBREAS. Library Ideas.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Projektberichte, LIBREAS.Scheitern by libreas on 11. Dezember 2011

LIBREAS-Redaktion

Beim Thema Scheitern ist die Arbeit an LIBREAS. Library Ideas überhaupt nicht auszunehmen. Vielmehr ist die Herausgabe jeder Ausgabe mit mehr Scheitern und Kompromissen verbunden, als mit Erfolgen. Dies lernt man sehr schnell, wenn man sich auf ein Projekt wie LIBREAS einlässt: Zu jedem publizierten Artikel, zu jeder umgesetzten Idee, zu jedem eingehaltenem Anspruch lässt sich auch das Gegenteil anführen. Ist das eine Eigenheit unserer Redaktion? Überhaupt nicht. Egal, in welche Redaktion man Einblick erhält, es ist ähnlich. Dabei unterscheiden sich nicht einmal wissenschaftliche, journalistische oder literarische Publikationen groß voneinander. Der Unterschied liegt höchstens darin, dass das Scheitern dort praktisch nie ein öffentliches Thema ist.

Warum machen wir das dann überhaupt? Das ist nicht so klar, wie es vielleicht nach außen erscheint. Die Zeitschrift lebt vom Engagement Einzelner und diese Einzelnen haben immer wieder unterschiedliche Meinungen, die zumindest in Redaktionskonferenzen und in den Tagen vor der Veröffentlichung einer neuen Ausgabe jedesmal neu zur Sprache kommen. (more…)

Rummel Löwenherz, postmodern. Zum Titelbild der LIBREAS-Ausgabe 19

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 22. Oktober 2011

„ Nachgereicht wird auch eine Erläuterung des Titelbildes.“

Ein bisschen sehr nüchtern-lieblos liest sich der kleine Vermerk des Redaktionskollegen in der Meldung zum Erscheinen der LIBREAS Ausgabe 19 schon. Aber er ist natürlich berechtigt, denn erstaunlicherweise scheint der Bezug nur sehr wenigen LeserInnen sofort einsichtig geworden zu sein. Die Aufnahme entstand während eines kleinen informellen Redaktionstreffens in der schmucken belgischen Universitätsstadt Leuven im September diesen Jahres und zeigt im Hintergrund den Bau der Universitätsbibliothek des Architekten Whitney Warren aus den 1920er Jahren.

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Der umtriebige und vor allem für Hotelbauten bekannte Architekt errichte das ornamental üppig bestückte Gebäude mit dem markanten Glockenturm als Ersatz für den im Ersten Weltkrieg im August 1914 von deutschen Truppen niedergebrannten barocken Bibliotheksbau aus dem Jahr 1725. Das Glockenspiel sollte, so die Überlieferung, stündlich die Nationalhymnen der Weltkriegssieger spielen und obendrein mit der Inschrift „Furore Teutonico Diruta, Dono Americano Restituta“ versehen werden. In der Tat ermöglichten Spenden aus den USA den Wiederaufbau, wobei die Geschichte des Hilfswerks für die Bibliothek selbst zum Politikum wurde und keineswegs harmonisch verlief. Genausowenig wie die Einweihung: Whitney Warren wollte den Siegerhinweis unbedingt anbringen, die Bibliotheksleitung war dagegen und schließlich gelangten die Steine mit der Mahnung an das teutonischen Wüten nicht an die Fassade. Zahlreiche Bürger der Stadt waren damit gar nicht einverstanden und so geriet die Eröffnung zu einer hitzigen Angelegenheit.

keystone

Auch dies ist ein Keystone zur Geschichte: Die Spender für den Neubau der Bibliothek in Leuven wurden in der Fassade namentlich (in Stein gemeißelt) archiviert. Die Lehrerbildungsanstalt Keystone State Normal School hieß in den 1920er Jahren tatsächlich noch so. Allerdings änderte sie ihren Namen im Jahr der Eröffnung der Bibliothek in Kutztown State Teachers College. Am Ende der Namenskette steht heute Kutztown University of Pennsylvania.

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The bumpy ride to Open Access. Ein kurzer Kommentar zur Diskussion um die IWP.

Posted in LIBREAS aktuell, Zitiert in.. by Ben on 14. Juni 2011

von Ben Kaden

Ein akutes Thema auf der Unkonferenz frei<tag> (dieser Session konnte ich leider nicht beiwohnen, weil ich mich irgendwo in der Hermeneutik verlor) war die Umsiedlung der Zeitschrift Information.Wissenschaft und Praxis (iwp) vom kleinen Verlag Dinges & Frick zum etwas größeren Verlag De Gruyter. Was auf dem Bibliothekartag 2011 relativ schnell jeder wusste, der sich nur ein wenig dafür interessiert, wurde dann am Samstag über die inetbib-Liste noch einmal offiziell bestätigt. Dort gab es prompt zwei Reaktionen, die den Schritt, vorsichtig gesagt, nicht sofort mit Jubel begrüßten. Weite Teile der Zielgruppe, so der Eindruck, hätten sich eine Transformation in ein Open Access-Journal gewünscht. (more…)

Gründung von „LIBREAS. Verein zur Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation“.

Posted in Hinweise, LIBREAS aktuell, LIBREAS.Verein by libreas on 14. Juni 2011

Wir freuen uns, heute mitteilen zu können, dass mit einer Sitzung am Montag, dem 13. Juni 2011, ein Verein mit dem Namen LIBREAS. Verein zur Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation (i.G.) (Kurzname: LIBREAS. Verein) begründet wurde. Der Verein strebt die Gemeinnützigkeit an und wird die notwendigen Schritte dazu in der nächsten Zeit absolvieren.

Das Ziel des Vereins ergibt sich zu einem großen Teil aus dem Namen. Eine der ersten Aufgaben des Vereins ist es, das Erscheinen des bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Open-Access-Journals LIBREAS. Library Ideas inklusive der dazugehörigen Unterprojekte wie dem LIBREAS-Podcast sowie dem LIBREAS-Blog zu unterstützen und auf eine infrastrukturelle und rechtliche Basis zu stellen.

Des Weiteren soll der Verein eine Unterstützungsstruktur für weitere Formen der Kommunikation innerhalb der Bibliotheks- und Informationswissenschaft sowie zwischen dieser Wissenschaft und der Praxis in Bibliotheken, Archiven, Informations- und Dokumentationseinrichtungen und schließlich interdisziplinär mit angrenzenden Fachgebieten und natürlich einer interessierten Öffentlichkeit bieten.

Die bibliothekswissenschaftliche Unkonferenz frei<tag>, welche von der Redaktion LIBREAS und dem Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet wurde, kann dabei als eine der möglichen Formen dieser Unterstützungsleistung angesehen werden.

Der Verein soll nicht mit der Redaktion der Zeitschrift LIBREAS. Library Ideas identisch sein. Er wird weiterhin kooperativ, inhaltlich jedoch unabhängig vom Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, anderen Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Fachverbänden beziehungsweise institutionellen Mitgliedern agieren. Gleichzeitig sieht er sich nicht in Konkurrenz zu anderen Vereinen und Initiativen, sondern als eine sinnvolle Ergänzung bisheriger Strukturen und strebt die kollegiale Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Einrichtungen an. Sitz des Vereins ist Berlin, allerdings sind selbstverständlich weder die Mitgliedschaft noch das Wirkungsfeld des Vereins darauf beschränkt.

Die Mitgliedschaft im Verein wird sowohl interessierten natürlichen als auch juristischen Personen offenstehen. Neben den in allen wichtigen Fragen stimmberechtigten ordentlichen Mitgliedern wird eine Fördermitgliedschaft möglich sein.

Der Verein orientiert sich dahingehend an der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, dass seine Aktivitäten so frei zugänglich und nutzbar wie möglich gestaltet sein werden.

Wir hoffen, dass der Verein breite Aufnahme im Feld der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, den Bibliotheken, Archiven, Informations- und Dokumentationseinrichtungen, den Fachverbänden sowie bei Einrichtungen angrenzender Gebiete finden wird. Wir hoffen weiterhin, dass er zu einer Profilierung des disziplinären Feldes aktiv beitragen wird. Weitere Informationen zum LIBREAS. Verein werden in Kürze folgen. Unter der Mailadresse verein@libreas.eu ist er für Anregungen, Ideen, Nachfragen und Wünsche ab sofort zu erreichen.

Zum ersten Vorstand wurden gewählt: Matti Stöhr (Vorsitzender), Manuela Schulz (2. Vorsitzende), Maxi Kindling (Schatzmeisterin), Dr. Karsten Schuldt (Schriftführer), Ben Kaden (Referent für LIBREAS. Library Ideas).

Das Gründungsteam von LIBREAS.Verein.

Berlin, 13.06.2011

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 11 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Karsten Schuldt on 30. Mai 2011

Die Jugend. Für einige von uns ist sie schon länger vergangen, für einige noch nicht ganz so lange. Sicherlich schaffen wir es immer wieder einmal, uns irgendwie jugendlich, zumindest jung zu geben: Mehr Internetnutzung, als die durchschnittlichen Jugendlichen, mehr Verweise auf Subkulturen, Chanspeak, lange wach sein und über existenzielle Fragen nachdenken. Und wirklich alt wollen wir uns ja auch noch nicht fühlen, obgleich Nutzerinnen, Nutzer und Studierende uns schon länger siezen, obwohl wir Verantwortung für unser Leben, teilweise schon für das unserer Kinder haben. Doch uns rettet da zum Glück noch die Soziologie mit ihrer Diskussion über die Ausweitung der Jugend bis in die erste Hälfte des dritten Lebensjahrzehnts und der Frage, ob sich nicht zwischen Jugend und Erwachsenenalter noch ein weiteres Lebensalter etabliert. Zur Not können wir uns als Avantgarde dieses Alters fühlen.

Die Jugend aber, wenn wir einmal ehrlich sind, ist für uns vorüber. Was wir bis jetzt nicht gemacht haben, haben wir nicht gemacht, als wir die Chance hatten. Sicherlich können wir all die jugendlichen Sachen immer noch machen, aber wir können sie nicht mehr mit jugendlichem Leichtsinn erklären. Sie sind zumeist einfach nur noch unverantwortlich.

Die Jugend aber, wenn wir ehrlich sind, wurde uns zum Ort der Nostalgie. Lange schon gibt es Plätze, an die wir zurückkehren und uns erinnern können an die naiven Hoffnungen der Zeit als wir 16 waren, oder 18. Vielleicht rettet uns gerade – zumindest die, die schon älter sind – der Fakt, dass im Allgemeinen mit der Wissenschaft spät im Leben angefangen wird und wir uns deshalb voll im Zeitplan fühlen können, davor, in die berüchtigte Midlife-Crisis zu fallen. Es scheint nun wirklich nicht so, will mir scheinen, dass wir gerade am Leben verzweifeln und alles Tun als sinnlos ansehen würden. Wir sehen uns auch nicht auf dem Höhepunkt unseres Lebens angekommen, von wo ab es nur noch immer das Gleiche geben wird. Schließlich laden wir auch zu einer eher hippen Veranstaltungsform, einer Unkonferenz, ein, um unsere Wissenschaft weiter zu bringen.

Die Jugend aber, reden wir noch einmal darüber: Können wir eigentlich aus unserer Position heraus sagen, was diese gerne hätte in Bibliotheken, was die fordert und nutzen könnte von Informationsstellen und Archiven? Können wir sagen, wie die sich im Netz sieht, wie sie die Kommunikationskanäle und Potentiale „neuer“ Medien – ab wann werden die eigentlich zu alten Medien? – nutzt? Sicherlich können wir das erheben und erforschen, dazu ist die Bibliothek- und Informationswissenschaft ja eine forschende Wissenschaft (Oder?). Aber aus unserem eigenen Erleben und unserer Lebensgeschichte können wir es nicht mehr ableiten. Das ist schwer und nicht immer einfach zu akzeptieren.

Den die Jugend, wenn wir einmal ehrlich sind, ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Beziehungsweise, was sie einmal werden sollte. Gerne stellen wir uns die Jugend ja als informationskompetent, kompetenzorientiert und gleichzeitig als die eigenen Informationen frei in alle Sozialen Netze eintragend vor. Aber die Realität ist doch wie zuvor: Mediennutzung lässt sich durch Schicht und Bildungshintergrund eher erklären, als durch das Alter. Die Idee zum Beispiel, dass die Jugend unheimlich gerne Medien bewerten und Rezensionen über konsumierte Bücher schreiben würde, die vor einigen Jahren die Bibliotheksszene umtrieb, hat sich in der Zwischenzeit als falsch herausgestellt. Ebenso wie die Annahme, dass ein Großteil der Menschen unbedingt ins Second Life gehen würde. Wir können heute realistisch abschätzen, dass das immer nur ein kleiner Teil der Menschen war, die das wollten und tun und dass das kein generationelles Phänomen war.

Gleichwohl: Die Jugend verändert sich immer weiter. Das ist ja eine ihrer Eigenheiten. Sie ist halt nicht nur Durchgangsalter zwischen Kindheit und Erwachsensein (oder wie das Lebensalter nach der Jugend auch immer heißen wird), sondern auch eigenständiges Alter, in welchem die Abgrenzung von den vorhergehenden Generationen quasi als Generationenaufgabe besteht. In gewisser Weise Rebellion als Aufgabe, was selbstverständlich etwas paradox ist und zudem immer schwerer wird, wo zumindest in einigen Sozialschichten heute alle verständnisvoll sind und Kreativität genauso toll finden, wie Leistungsorientierung und Lernen, aber auch wissen, dass Menschen, die für ein paar Jahre aus der bürgerlichen Gesellschaft aussteigen, zumeist wiederkehren. Wie soll man da noch gegen irgendwas irgendwie anders und rebellisch sein?

Nichtsdestotrotz: Die Jugend bleibt auch (erstmal). Einmal als Antrieb unser selbst, als nostalgische Erinnerung daran, was wir alles wollten und immer noch nicht haben, was wir gehofft und vielleicht auch falsch eingeschätzt haben, was wir persönlich auf dem Weg zwischen den zum Teil naiven Hoffnungen und heute gelernt und erlebt haben, was auch immer die Potentiale anzeigt, von dem, was alles noch gelernt und erlebt werden kann. Und gleichzeitig als jeweils zeitgenössische Jugend mit einer gewissen Anklage, dass wir Älteren das eh nicht verstehen, nicht verstehen können, was wichtig ist, sondern schon langweilig geworden sind, in gewisser Weise, egal was wir so einst erlebt haben und wo wir heute noch versuchen, uns subkulturell zu verorten. Dieser Stachel trifft auch immer Bibliotheken. Nie werden sie es schaffen – das hier einmal als steile These, aber steile Thesen sind in gewisser Weise ja sehr jugendlich –, für Jugendliche so ansprechend zu sein, wie sie erhoffen. Auch die Beteiligung von Jugendlichen und der Aufbau expliziter Jugendabteilungen mit jugendlichem Aussehen und Bezug auf die jugendliche Mediennutzung, wird das nicht erreichen. Die Differenz zwischen Jugend und anderen Generationen ist konstitutiv. Wird sie überwunden, entsteht einfach eine neue. Ein Teil der Jugend wird Bibliotheken immer meiden oder – andersherum – lieben, weil ihre Vorgeneration Bibliotheken nicht mochte.

Ja aber hallo, Bibliothek Berlin-Mahlsdorf, drei Uhr an dem Morgen. {Jugendgerechter Satzbau, außerdem subkultureller Verweis auf den fast vergessenen HipHop-Klassiker „5 O'clock“, also auch noch ein szenespezifisches Wissen andeutend, obwohl das auch nach hinten losgehen kann, wenn man der Einzige ist, der dieses Wissen hat.} Eine der Situationen, wo man nach über zehn Jahren fast durch Zufall an Orten steht, die in der Jugend für eine Zeit bedeutsam waren, dann aber vergessen wurden. Da auch der Nachtbus schon fort war, nicht nur eine Zeit für Bilder, sondern auch zur Reflexion. Alles hat sich verändert, aber ist doch ähnlich geblieben. Sicherlich: Als Gymnasiast hier unterwegs vor mehr als zehn Jahren hatte man nicht die Vorstellung mit abgeschlossenen Studium – lol was? Studieren? Warum? – in was bitteschön? Bibliothekswissenschaft? noch einmal wieder zu kehren. Eher war es wichtig, die Aufkleber neofaschistischer Gruppierung an den Laternen zu vernichten und selber um sich zu blicken, dass man nicht dabei vom „Mahlsdorfer Landsturm“ (kein Witz, so nannten die sich) oder der örtlichen NPD erwischt würde. Das wäre wieder nur zu stressig gewesen. Man hätte ja auch niemand anrufen können, wenn das passierte, schließlich hatte man kein Handy. Handys hatte man nur, um anzugeben. Und Blogs zum nachher drüber bloggen gab es eigentlich auch nicht. Zudem: Man hatte ein Date, wenn man in der Gegend war, zu dem man wollte. Was sollte man auch sonst in Mahlsdorf, als Jugendlicher? Heute: Handy ist da, Blog auch. Vom Handy könnte man bloggen. Der „Mahlsdorfer Landsturm“ soll sich aufgelöst und zum Teil den Weg durch bürgerliche Parteien angeschlagen haben (wohl mit dem „Jugendsünde“-Argument), die örtliche NPD ist zur mittlerweile aber auch verbotenen Kameradschaft geworden, Naziaufkleber gibt es nicht mehr zu sehen, überhaupt: Aufkleber und Straßenkunst scheint es seit Jahren hier nicht mehr zu geben. Alle sind alt geworden offenbar. Ein Date hat man hier auch nicht mehr, die BeziehungspartnerInnen aus der Gegend wohnen längst anderswo. Niemand und nichts stört dabei, einzutauchen in die eigene Jugend, die eine kurze wilde Zeit im Leben (aus der man aber mit einem Abitur heraus- und in ein Studium hineinstolperte, so wild kann es dann doch nicht gewesen sein).Was macht die Jugend hier eigentlich jetzt? Die, die am Bahnhof steht, sieht aus, als würde sie geschlossen bei H&M einkaufen. Nur die Bibliothek, die Bibliothek ist immer noch da, im Blau der Berliner Bibliotheken leuchtet sie voller Ruhe durch die Nacht. Als wäre sie der Mittelpunkt einer nicht erzählten Geschichte.

Auch der Kasten der Bibliothek auf dem Bahnhof ist noch da. Wie oft stand man auf diesem Bahnhof, angekommen mit der letzten Bahn, in den Sonnenaufgang schauend, wartend auf die Bahn in die Schule? Peinlich, wenn man dann mit den eigenen Lehrerinnen und Lehrern wartete. Was sollte man da sagen? Was würde man heute sagen, wenn die um halb vier Morgens hier aufschlagen würden. (Zumal man selber erklären müsste, was man um diese Zeit in den Berliner Außenrandbezirken tut.) Wir haben wohl alle solche Orte der persönlichen Nostalgie. Jeder und jede andere, dieser hier ist einer von meinen.

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 13 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 28. Mai 2011

An einem vielleicht nicht ganz vordergründigen Detail des Countdown-Beitrags vom 26.05.2011 hängt die Brücke zum heutigen Baustein des Herunter-Zählens bis zum 10. Juni und zeigt zugleich, dass nicht nur menschliche Beziehungen in einer höchstens sechs Stationen umfassenden Stafette vom Einen zum Anderen und vom Hundertsten ins Tausendste führen können. Sondern selbst jedes noch so kleine Sinnfädlein.

Wer den Text zum Küssen in der Wissenschaft (und anderswo) sehr aufmerksam las, erinnert sich eventuell daran, dass das angepriesene Buch über die russische Kussgeschichte bei einem Verlag namens Grupello erschien. Das ist zwar nicht vom Thema aber vom Verlagsstandort her nachvollziehbar, sitzt der kleine Verlag doch im großen Düsseldorf. Wer dort schon einmal eine Stadtführung mitmachen durfte, hat möglicherweise registrieren dürfen, dass das Reiterstandbild auf dem Marktplatz mit dem auf der Stelle trabenden Jan Wellem nicht nur Gegenstand einer etwas grünspanigen Briefmarkenausgabe der Deutschen Bundespost im Jahr 1964 war.

Sondern auch, dass es vom Bildhauer Gabriel de Grupello geschaffen wurde, was nicht weiter verwundert, beschäftigte ihn der Kurfürst doch als Hofsculpteur. Geboren wurde dieser Grupello nun im ostflanderischen Geraardsbergen und zwar gute 160 Jahre nach einem anderen Sohn der Stadt, der gleichfalls auszog, anderen Völkern zu zeigen, was eine schöne Figurine ist. Gemeint ist der Franziskanermönch Pedro de Gante, der als Pieter van der Moere zur Welt kam. Als er sie dann in einer Seelenruhe eines Kloster zu Gent erreicht hatte, zeigte er sanft aber bestimmt den indigenen Bewohnern im altacolhuaischen bzw. neuspanischen Tetzcoco, Mexiko, was ein rechter Glauben ist und war damit so erfolgreich, dass die Missionierten seine Lehre und vor allem seine Lehrmethoden freudig weiterführten.

Da sich Tetzcocos administrativer Stadtführer Ixtlilxochitl (II) in vorauseilendem Anpassungsgehorsam mit Hernán Cortés für seine Spättaufe einen Paten heraussuchte, der noch wusste, wie man spornstreichs christliche Werte durchsetzt, war Tetzcoco zu dieser Zeit (1523+) vermutlich ein ziemlich ruhiger Hafen für die Missionsarbeit.

Erstaunlicherweise stieß Pedro de Gantes Willen zur Volksbildung dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) bei den encomenderos genannten Neugrundbesitzern aus der Alten Welt nicht unbedingt auf Gegenliebe, fürchteten diese doch, dass die für sie unter erbärmlichen Bedingungen arbeitenden Indios mit abendländischer Bildung durchschauten, was hier eigentlich geschah. An Aufmüpfigkeit hatte man – vielleicht noch die Noche Triste auf der anderen Seeseite vor Augen – nun wirklich kein Interesse.

An dieser konquistadoren Furcht vor der Nach- und Neubildung erkennt man nicht zuletzt deutlich, wo der kurzsinnige Raubtierkapitalismus eigentlich seine Wurzeln hat. Dass man dereinst darüber hinaus Bibliotheken nur schätzte, wenn sie den eigenen Interessen nützlich waren, hatte man bereits zuvor veranschaulicht, als der neue Bischof die berühmte Bibliothek der Stadt aus heidnischen Gründen in Rauch auflösen lies. Nun kann man es mit dem Kolorit der Zeit erklären, dass man Kulturen, die zum Menschenopfer neigen, nicht nur jede zivilisatorische Entwicklung absprach sondern auch jedes Recht, sich nicht nach Gutssklavenart unterjochen zu lassen. Andererseits war sicher auch damals bereits bekannt, dass die Vernichtung identitätsstiftender Symbole die vermeintlich schnellste Methode darstellt, um einem Gegenüber flugs die Identität zu zertrümmern. Allerdings, so die menschheitsgeschichtliche Erfahrung, ist so ein Semiozid selten nachhaltig. Um eine Idee auszumerzen braucht es schon mehr als ein Feuerzeug und kein Gewissen.

Pedro de Gante verfolgte dagegen einen feinsinnigeren, pädagogisch ausgewogeneren Ansatz: Er versuchte es mit Integration. Und zwar zunächst mit seiner in die vorgefundene Kultur. Das gelang in gewisser Weise indem er die Sprache der Indianer lernte. Es wird sogar kolportiert, dass der stotternde Missionar schließlich mit den Ureinwohnern besser kommunizieren konnte, als mit den zugereisten mehr Schlagetötern als Fürchtenixen von der Iberischen Halbinsel. Die führten ihm nämlich zunächst zu seinem Entsetzen die Schüler, nachdem ein König das Edikt zur missionarischen Bildungsoffensive erlassen hatte, in gefesseltem Zustand zu Hunderten in die Schule. Pedro de Gante war kurz zuvor, alles hinzuwerfen und aus der Neuen Welt zurück nach Flandern zu fliehen. Allerdings: Er blieb und lernte neben der Sprache auch die Hieroglyphen-Schrift der Azteken. Auf dieser Basis entwickelte er einen visualisierten Katechismus, der sein Ziel weitaus besser erreichte, als jede Predigt von der Kanzel. Und wahrscheinlich auch überzeugender wirkte als jeder Donner aus der Hakenbüchse.

Der Kniff zur Integration, die bald von der Selbsteinpassung in indigene Zeichenpraxis in exogene Wirkung umschlug und die indianischen Schüler dauerhaft christianisierte, lag darin, den Symbolhorizont der Schüler gerade nicht zu zerstören, sondern in ganzer formaler Bandbreite anzuerkennen, um ihn schließlich mit neuen Inhalten zu unterfüttern. Die Lernziele für seine Zielgruppe fasste er also in ihren eigenen Zeichenschatz und holte damit, wie man heute sagen würde, die Zielgruppe dort ab, wo sie sich befand.

Dass die Schüler mittlerweile ganz von selber zu ihm strömten und nur noch von den christlichen Botschaften gefesselt vor ihm saßen war eine logische Folge. Denn mit einer gewissen Leichtigkeit adaptierten nun die Schüler der Missionsschule europäische Kulturpraxen und handwerkliche Fertigkeiten, wobei Pedro de Gante sich selbst organisierende Bruderschaften bilden musste und konnte, die einerseits den Vorsitz per Abstimmung, also quasi-demokratisch, ermittelten und andererseits in ihren Aktivitäten in friedlichen Wettbewerb mit anderen Bruderschaften traten. Hätten diese Bruderschaften nicht tatsächlich Kirchen errichtet und Missionsschulen eröffnet, würde man vermutlich heute von einer Planspiel basierten Ausbildung reden. Aber sie operierten ja tatsächlich mit neo-christlichen Instrumenten passgenau im offenen Herzen Mexikos.

Natürlich repräsentierte die Neue Welt, in die er seine Schutzbefohlenen lenkte, auch eine Form der Kolonialisierung, aber immerhin eine, die – wenn auch aus taktischen Gründen – die Andersartigkeit des Gegenübers in gewissem Umfang respektierte und in der Entwicklungsperspektive berücksichtigte. Dieser Weg zwang nicht, er verführte. Er drohte nicht mit Vernichtung, sondern lockte mit Verbesserung. Er schlug den Kopf nicht ab, sondern setzte ihm eine erleuchtete Kappe auf. Von einer Partnerschaft kann man freilich nicht sprechen, denn jede Missionierung hat die Hegemonie schon klar im Gepäck. Es war aber immerhin ein kleineres Übel und in all dem Wüten der westlichen Welt in Westindien und dahinter ein Silberstreif im goldberauschten Horizont der Brachialeroberung. Helle Barden statt Hellebarden.

Am Ende erhielt Pedro de Gante zwar keinen Preis für Bildungsforschung aber immerhin einige Jahrhunderte später die Heiligsprechung durch Johannes Paul II. Und zu seinem 400sten Todestag von der mexikanischen Postverwaltung eine solide Gedenkbriefmarke. Das ist schon angemessen, für jemanden, der jene berühmten fürstlichen Tugenden (Klugheit, Mäßigung, etc.) leiblich und performativ veranschaulichte, die Gabriel de Grupello in seiner noch berühmteren Pyramide in eine steife, stahlharte Form goss und die nun auf dem Mannheimer Paradeplatz stehen, in dessen Schatten ich diesen kleinen Text gerade de facto schreibe.

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Die Fürchtenixe? Einer Undine im Abendschein können sie nichts anhaben, zumal wenn sie in schönster Bronze schimmert. Und ihre seemädchenhafte Tugend (ikonisch bekannt in der Kopenhagener Hafenausführung Edvard Eriksens) ist noch einmal eine Steigerung aller kurfürstlichen Wahrheit und/oder Taten-Ethik. Allerdings hatten die schönsten aller Wasserwesen während der knüppelharten mesoamerikanischen Kreuzritterei wenig zu melden. Eroberungskrieg ist traditionell Männersache. Und ob dem lammfrommen Bruder Pedro auch Schülerinnen in die Missionsschule kamen, ist wenigstens mir nicht bekannt. 

Ach so – das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen: Ein Geheimnis Pedro de Gantes lag, wie überliefert ist, in kleinen Figuren, die er den Schülern beim Eintritt in die Schule übergab und die sie als eine Art Schutzpatron mit sich führen bzw. deren Symbolgehalt sie auf ihre Gewänder zeichnen sollten. Diese fast talismännlichen Püppchen nannte er, da sie die Schüler von ihrem so furchteinflössenden wie (aus der Perspektive 1523) fürchterlich alten Glauben kraft neuer Symbolik befreiten: LIBREAS.

(bk, 27.05.2011)

Schulbibliotheken und Informare! 2011. Zwei kurze Hinweise.

Posted in Hinweise, LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by libreas on 27. April 2011

Wir mussten gerade zu unserer Überraschung feststellen, dass uns für diese letzte Aprilwoche des Jahres 2011 kein publikationsfertiger Text für das Weblog vorliegt. Die Hauptschuld lässt sich wohl problemlos dem Frühling und dem allgegenwärtigen mehr Floren als Faunen (die Gnitzen kommen schon noch früh genug) zuweisen, das auch die Redaktionsmitglieder über das Osterwochenende auf die Seen, in die Parkanlagen und durch die erblühenden Landschaften trieb und eben nicht an die Tastaturen und Bildschirme. Die Nebenursache findet sich in der einfachen Tatsache, dass wir neben LIBREAS eine ganze Reihe weiterer Äcker bepflügen.

So ist diese Woche zu berichten, dass gerade im Wochenschau-Verlag ein Praxisbuch Schulbibliotheken erschien. Die Autoren sind der LIBREAS-Redakteur Karsten Schuldt sowie die Bibliothekarin und Mitorganisatorin des Berlin-Brandenburger Schulbibliothekstages Sabine Wolf . Beim Verlag gibt es eine Präsentationsseite zum Buch mit Klappentext und Inhaltsverzeichnis. Im Weblog „Bildung als Bildungseinrichtungen“ gibt es einige weitere Informationen. Und bei uns gibt es den Hinweis darauf und ein Bild des Buches vor einer Schule.

Praxisbuch Schulbibliotheken

Im Augenwinkel - und dann noch im falschen..? Aber immerhin findet sich das Praxisbuch Schulbibliotheken schon im Außenregal einer Neuköllner Bildungseinrichtung. Und sobald die Osterferien vorbei sind, wird man es auch drinnen lesen.

Der zweite Hinweis gilt der nächste Woche im Café Moskau in der Berliner Karl-Marx-Allee stattfindenden Informare!. Im Dienstagsprogramm läuft unter Leitung der Redaktionsmitglieder Maxi Kindling und Ben Kaden sowie Heinz Pampels vom Open-Access-Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft ein Workshop mit dem Titel „Information und Gesellschaft. Zur politischen Dimension der Informationswissenschaft“ (03.Mai 2011, 15:00-16:30). Dieser wird kooperativ von LIBREAS und dem DGI-Arbeitskreis „Publikationsmodelle und -ökonomien“ durchgeführt.

Zur Annäherung an das Thema und als Vorbereitung des Workshops wurde an 130 ProfessorInnen der Informationswissenschaft im deutschsprachigen Raum folgende These mit der Bitte um eine kurze Stellungnahme verschickt:

Das Information Retrieval- und Dokumenten-Paradigma ist für eine zeitgemäße Informationswissenschaft nicht mehr zureichend.

Digitale Räume sind zunehmend solche der Kommunikation sowohl von Fachöffentlichkeiten wie auch der zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit an sich, die zugleich ökonomischen Bedingungen unterliegen.

Die Aufgabe einer zeitgemäßen Informationswissenschaft entspricht der Analyse, Reflektion und Innovation aller Prozesse im Umgang mit Wissen und Information. Dies schließt die Bewertung der Folgen dieser Prozesse und ggfs. die Modellierung von Alternativen ein.

Die gesamtgesellschaftliche Dimension der Digitalisierung von Diskursen aller Art erfordert eine bislang nicht zureichend umgesetzte Verbindung von informationstechnischen, informationssoziologischen, informationsökonomischen und informationsethischen Perspektiven.

Es wird deutlich, dass es sich die Vorlage durch ein gewisses und gewolltes Reibungspotential auszeichnet. Die Antworten bestätigen dies. Eine der Reaktionen ist im Weblog LIS in Potsdam bereits publiziert.

Eine erste Präsentation aller Ergebnisse erfolgt zunächst als Impuls beim Workshop. Die ausführliche Auswertung inklusive der Erkenntnisse aus der Diskussion auf der Informare! folgt an dieser Stelle.

Dass wir uns über reichlich Besuch im Café Moskau freuen müssen wir vermutlich genausowenig betonen, wie, dass die Diskussion naturgemäß ein Dauerthema ist und bleiben wird und Diskussionsbeiträge gern und nicht nur vor Workshops dieser Art willkommen sind. Wer seine Stimme für die Diskussion bei der Informare! berücksichtigt finden möchte, kann übrigens noch bis Montag Abend zur obigen These Position beziehen – entweder hier per Kommentar oder per E-Mail an informationswissenschaft@libreas.eu.

LIBREAS-Podcast #16: OPL-Arbeitskreis Berlin/Brandenburg

Posted in LIBREAS.Audio by Karsten Schuldt on 10. März 2011

Als Vorschein auf die bald erscheinende nächste Ausgabe der LIBREAS haben wir den 16ten Podcast veröffentlicht. Das Gespräch mit Leyla Schön und Sandra Butte aus zwei OPLs in Berlin drehte sich um den OPL-Arbeitskreis Berlin/Brandenburg, um die Arbeit in OPLs und das Buch, welches der Arbeitskreis zu seinem 10-jährigen Bestehen veröffentlichte.

Der Podcast findet sich hier, auf das Buch (more…)

Himmel ohne Helden. Eine Titelbildbetrachtung.

Posted in Sonstiges by Ben on 25. September 2010

(PDF-Version: Ben Kaden (2010) : Himmel ohne Helden. Eine Bildbetrachtung. )

Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin

Ein grüner Kran und das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin

Grau ist nicht nur alle Theorie. Sondern auch der Herbsthimmel über Berlin. Das Titelfoto der 17. Ausgabe von LIBREAS könnte also auch ein aktuelles Webcam-Motiv sein. Eine Momentaufnahme, so wie LIBREAS auch immer eine kleine Momentaufnahme informations- und bibliotheks-wissenschaftlichen Denkens sein will.

Eines fällt am Bild auf (und irgendwie auch in der Ausgabe): An Helden fehlt’s im Revier. Wo sind die Menschen, fragt sich der Betrachter ganz zu Recht und so genau er auch schaut, er wird keine finden. (more…)