LIBREAS.Library Ideas

Nützlichkeit kennt klare Grenzen. Eine Position zu Dissens, Kritik und Wissenschaftsfreiheit (nach Judith Butler)

Posted in LIBREAS preprints by Ben on 14. August 2011

von Ben Kaden

Abstract:

Der Aufsatz untersucht ausgehend von der Argumentation Judith Butlers zur Wissenschaftsautonomie (Butler, 2011) das Konzept der Kritik als möglichen meta-analytischen und meta-methodologischen Grundbaustein von Wissenschaft. Diese Kritik zweiter Ordnung wird dabei nicht nur, Judith Butler folgend, als Option für die Selbstlegitimation von Wissenschaft vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Ansprüche an eine Nutzbar- und Verwertbarkeit wissenschaftlicher Arbeit angesehen, sondern darüber hinausgehend verstanden als erforderliches Verfahren, aus dem heraus sich Aktualisierungs- und Übersetzungsprozesse inner- und interdisziplinär organisieren lassen.

Freiheit der Wissenschaft wird dabei als Verpflichtung zum Entscheiden verstanden, der nur mit einer elaborierten kritischen Kompetenz entsprochen werden kann. Die Integration dieser Kompetenz erfordert gleichermaßen das Anerkennen der sozialen Dimension von Wissenschaft, das produktive Zulassen von Dissenz und ein Verständnis der Rolle von Kontingenz im Prozess der Erkenntnisproduktion. Der Forderung nach Nützlichkeit wird einerseits die Notwendigkeit der Kontextualisierung (=nützlich für wen in welcher Hinsicht?) und andererseits das Konzept der Möglichkeit als Zweck der Wissenschaft entgegen gestellt.

(Der hier wiedergegebene Text ist die Vorversion eines Beitrags für die kommende Ausgabe (No. 19) der Zeitschrift LIBREAS. Library Ideas. ) (more…)

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Drehscheibe Diskurs.

Posted in LIBREAS aktuell by Ben on 28. Juni 2011

Weitere Anmerkungen zur methodologischen Diskussion in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

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Von Ben Kaden

Am 21.06.2011 erhielt ich die Gelegenheit, einiger meiner interdisziplinären Lektüren um den Gegenstand der Bibliothekswissenschaft (wie er sich mir darstellt) und meine Schlussfolgerungen daraus im Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquium zu präsentieren. Die Veranstaltung war exzellent besucht und ähnlich exzellent waren denn auch die Nachfragen. Wie so oft, hatte man im Nachgang das Gefühl, dass es jetzt so richtig losgehen könne mit der Diskussion. Nur ist die Ressource Zeit, wie so oft, das Nadelöhr. Umso willkommener sind die asynchronen Schriftmedien, die es ermöglichen, etwas von dem Gedachten und Gesagten zu fixieren, zu vertiefen und weiter zu erörtern.

Parallel zu diesen Abendgesprächen zur Bibliothekswissenschaft lief im LIBREAS.Weblog der Zugriffszähler nicht zur Höchst- aber doch zur Hochform auf. Der Stand der Informationswissenschaft 2011[1] interessiert offensichtlich schon ein einige Hundert Köpfe zählendes Publikum und allein dieser Fakt zeigt, dass das Thema durchaus Potential und seine kleine Fachöffentlichkeit besitzt. Da dieser Ball sowohl hier wie dort also einmal rollt und gerade die Diskussion am Dienstag eine Reihe vielversprechender Anspielstationen für den weiteren Fachaustausch bot, werde ich in der Folge drei Thesen herausarbeiten, um am selbigen zu bleiben. (more…)