LIBREAS.Library Ideas

LIBREAS Preprint No. 2. Joachim Eberhardt: Wiederholung erzeugt keine Wahrheit.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS preprints by libreas on 10. Juli 2009

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Vorbemerkung der Redaktion

Der am Mittwoch hier zugänglich gemachte erste Preprint für die nächste Ausgabe von LIBREAS erfreute sich schnell einer Resonanz, die wir kaum für regulär publizierte Artikel kannten. Die Gründe sind offensichtlich: Mit einem derart kontroversen und medial außerordentlich präsenten Thema wie diesem bewegt man sich auf einem sehr schwingenden Resonanzboden und umso stärker, wenn Autoren eindeutig Stellung beziehen möchten.

Die Reaktionen auf die Veröffentlichung sind relativ gemischt: sie reichen von einem neutral „Warum nicht“ bis zu großer Überraschung. Manch einem wird dabei gleich das ganze Medium suspekt, andere vermuten Schwächen in der Qualitätskontrolle.

Dabei werden zwei Aspekte übersehen: Einerseits ist LIBREAS ein Medium, ein Vermittler, und kein Sprachrohr einer bestimmten Richtung.  Andererseits ist ein Preprint ein Text vor der eigentlichen Publikation. Uns geht es darum, dass sich ein Text und seine Aussagen über die Vorveröffentlichung der Diskussion stellt, die als eine Art „Open Peer Review“ funktioniert. Es geht um die Debatte, aus der heraus eine Rückkopplung zwischen dem Autor und seinen Lesern ermöglicht wird.

Wir als Redaktion von LIBREAS möchten einer solchen Diskussion Raum geben. Die Redaktion selbst bezieht aber keine Position. Möglicherweise treten ihre Mitglieder selbst in die Diskussion ein. Dabei wechseln sie jedoch die Rolle und werden ihrerseits zu Autoren, die unter gleichen Bedingungen in die Debatte einstiegen, wie alle anderen Autoren auch. Uns ist bewusst, dass dies mitunter eine nicht ganz einfach zu bewältigende Gratwanderung ist. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass sie gelingen kann.

LIBREAS als Medium enthält sich so weitgehend wie nur möglich einer schematischen Positionierung. Uns interessiert nicht das „Sag mir wo Du stehst“, sondern „Erklär mir, was Du denkst.“ In der Presselandschaft würde man diesen Standpunkt vielleicht als „überparteilich“ bezeichnen. Dies war und wird immer die Redaktionstätigkeit mit ihrer Auswahl und Begutachtungsfunktion leiten.

Wir zählen darauf, dass sich auch unsere Leserschaft selbst mit so harten Bandagen geführten Debatten nicht in Freund-Feind-Schemata vergräbt, sondern Interesse an einer Debatte hat, die zunächst alle Argumentationslinien gleichberechtigt als legitime Bestandteile des Diskurses akzeptiert, um sie dann auf ihre jeweilige Stichhaltigkeit zu prüfen. Wir gehen davon aus, dass sich das bessere Argument durchsetzt und nicht die lautere Stimme.

Die LIBREAS Preprints verstehen sich also als eine Einladung zur sachlichen Auseinandersetzung mit Positionen, wobei die Redaktion die Beiträge weitgehend ungefiltert zur Diskussion stellt. Im besten Fall wird so eine Art „Open Review“ ermöglicht, wie es auch bei Twitter angeregt wurde. Der Beitrag Eric Steinhauers (Jochum über Open Access in Libreas, 07.07.2009) in seinem Weblog „Wissenschaftsurheberrecht“ lässt sich als Bestandteil eines solchen verstehen. Einen weiteren Kommentar gibt es in Archivalia.

Sehr umfänglich äußert sich Joachim Eberhardt. Wir freuen uns daher, seinen Text als LIBREAS PrePrint als Anschlussbeitrag zu „Der Souverän“ an dieser Stelle in die Diskussion einzubringen. Reaktionen auf diesen Text sind ebenfalls sehr gewünscht und können entweder als Kommentar oder per E-Mail an redaktion@libreas.eu beigesteuert werden.

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LIBREAS Preprint No. 1. Uwe Jochum: Der Souverän.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS preprints by libreas on 7. Juli 2009

Selbst für eine elektronische Zeitschrift vollzieht sich manche Debatte zu flink. Oder überrascht mit einer unerwarteten Intensivierung der Diskussion, nachdem ein Beitrag oder eine Ausgabe zum Thema erschien. Um zukünftig möglichst zeitnah zu einer laufenden Diskussion beitragen zu können, beginnen wir heute mit der Vorpublikation von Beiträgen, die uns für die reguläre LIBREAS-Ausgabe erreicht haben, aber wichtig genug erscheinen, um bereits vorher in den Diskurs einzufließen. Dies geschieht selbstverständlich immer in Rückkopplung mit den Autoren und dem konkreten Ziel, weitere Diskussionsbeiträge anzuregen. Die Beiträge werden sowohl in diesem Weblog wie auch unter der URL http://www.libreas.eu/preprints/ veröffentlicht.  Den Auftakt bildet ein Text Uwe Jochums zu dem wohl momentan zentralen Thema: der Debatte um das Urheberrecht, den Heidelberger Appell und Open Access. Nachfolgend gibt es eine Einleitung zum Thema. Ungeduldige können aber auch direkt zum Volltext springen.

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Open Access und Geisteswissenschaften, Nachtrag

Posted in LIBREAS aktuell by Ben on 24. März 2009

Wir waren mit der letzten Ausgabe von LIBREAS etwas spät, aber eigentlich etwas zu früh dran. Denn jetzt erst rauscht der Karren, den der Literaturwissenschaftler Roland Reuß mit großem Eifer in verschiedenen Tageszeitungen anstieß (sh. z.B. hier) so richtig scheppernd seine digitale Bahn hinab. Vorläufiger Höhepunkt ist der so genannte Heidelberger Appell, der sich, wie viele der vorhergehenden Äußerungen, vor allem durch eine eher wenig differenzierte Herangehensweise an das Thema „Open Access“ auszeichnet. Eigentlich müsste man das Thema jetzt noch einmal aufrollen, denn immerhin hat Roland Reuß erreicht, dass sich besonders die Geisteswissenschaften und besonders die geisteswissenschaftlichen Verlage  intensiv mit einem von ihnen seit je wenig geliebten Thema zu befassen. Die Kluft zwischen geisteswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Publikationskulturen wird in der Diskursführung besonders deutlich und wer sich der Diskursanalyse verschrieben hat, findet in der aktuellen Debatte sehr fruchtbares Material. Robert A. Gehring benennt das Problem bei golem.de recht präzise:

Die Tatsache aber, dass es eine Lagerbildung auf der einen Seite durch Geisteswissenschaftler, Literaten und Verleger kontra Open Access gibt, und auf der anderen Seite durch Natur- und Technikwissenschaftler, Forschungsgemeinschaften und Bibliotheken auf der anderen pro Open Access, verweist auf einen grundlegenden Konflikt.

Hier prallen kulturell geprägte Wertvorstellungen vom Charakter und der Bedeutung von Wissen und Kulturgütern aufeinander.

Wir möchten angesichts der spannenden Wendung, die das Thema „Open Access und Geisteswissenschaften“ erfährt noch einmal darauf hinweisen, dass wir selbstverständlich thematisch entsprechend ausgerichtete Beiträge auch gern in die kommende Ausgabe einfließen lassen.

Ebenso weisen wir auf den Artikel Matthias Spielkamps bei perlentaucher.de hin, der das Thema recht übersichtlich und mit eindeutiger Position zusammenfasst:  Open Excess: Der Heidelberger Appell. Ein paar weitere Links zum Thema gibt es auch bei Archivalia.