LIBREAS.Library Ideas

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 8 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Karsten Schuldt on 2. Juni 2011

„Some things happen for no good reason. And then other things happen and suddenly you have a chain of craziness on your hands, and sometimes it can’t be controlled. The craziness swarms all over you.“ (Hunter S. Thompson / Better than Sex. – New York : The Random House Publishing Group, 1994, p. 29)

In den frühen 1990er räumte eine junge WG aus Ex-Studenten, die nach Berlin verzogen waren, die Ladenwohnung, über der sie wohnten, aus. Nicht viel. Sie zimmerten einen kleinen Tresen, gaben dem Ort eine trendy Namen und eröffneten ihre Bar. Es war ein netter Platz zum Trinken. Niemand störte. Alle, die wir dort tranken, taten das gleiche für unseren Lohn: Schreiben und Nachdenken. So sagten wir zumindest. Vor der Ladenwohnung wehte der Wind der Spree. In den Sommerabenden war es nicht zu kalt, denn die Wohnung lag auf einem leichten Hügel.

Als ich meine Stelle antrat fand ich die Bar noch so vor, später begann die WG anzubauen und einen Brunch anzubieten – den ganzen Tag. Wann immer wir Zeit fanden von unseren Schreibtischen zu verschwinden, machte uns die WG Brunch. Es war kein schlechtes Leben, für die meiste Zeit. Berlin, bevor der Sturm losbrach, der uns veränderte, aber nicht wirklich die Stadt.

***

Am Freitag Morgen rief ich meinen alten Freund im Ministerium an, Mr. Niceguy, immer am Arbeiten, außer wenn er „mit zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, einen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Upper, Downer, Heuler, Lacher … sowie einen Liter Tequila, eine Flasche Rum, eine Kiste Bier, einen halben Liter unverdünnten Ether und zwei Dutzend Poppers“ (seine Worte) durch die Straßen der Provinz raste, auf der Suche nach einer Story oder einer Akte, die auf dem Weg zwischen Schwerin und Dresden verschwunden war. Sein Anwalt begleitete ihn. Meistens.

Was gibt’s Doc?“, fragte er, schon wieder auf dem Sprung. Ich ließ mich nicht abwimmeln, niemals ließ ich mich abwimmeln. Immerhin waren wir hier unter Professionellen.

Ich: „Gib mir Zahlen, Daten. Die Story schreibt sich nicht von allein.

Er: „Welche Story, Doc. Seit wann muss ich dir helfen?

Ich: „Du verdammter… lass mich jetzt hängen und ich schicke dir einen gehängten Kojoten auf einem röhrenden Motorrad, der dich kreuz und quer über alle Straßen der nächsten Wojewodschaft zieht. Deine Zahlen.

Er: „Was immer. Rund 8.500 Öffentliche Bibliotheken, inklusive fast 6.000 Zweigstellen. In fast allen Schulen Schulbibliotheken.

Ich: „Das ist nicht Deutschland.

Er: „Und über 1.200 Wissenschaftliche Bibliotheken, Tendenz wachsend. Obwohl man das nicht so richtig abgrenzen kann, die eine Art Bibliotheken von der anderen.

Ich: „ Gottverdammt Johnny. Das ist doch nicht Deutschland.

Er: „Richtig, Doc. Was soll ich mit deutschen Zahlen, wenn du mich in Warszawa anrufst?

Zwei Stunden später jagte ich in Richtung Słubice. Anita neben mir, lachend, lesend. Wenn es eine Story gab, musste ich sie haben. Wenn es eine Forschungsfrage war, musste ein Projektantrag geschrieben werden.

***

Die traurige Wahrheit ist, dass ein Ziel fehlt, auf das wir hinarbeiten würden. Vielmehr scheinen wir immer kleine Dinge zu tun, aber nicht weiter zu kommen. Als würden wir es nicht wollen, als würde es letztlich egal sein. Es ist ja nicht umsonst so, dass niemand darauf hört, wenn jemand etwas sagt. Man könnte auch zuhause bleiben und die Spiele sehen. Als wäre die Hoffnung der letzten Generationen untergegangen.

Ich war lange genug unterwegs, in namenlosen Hotelräumen, mit geborgten Laptops, teilweise Schreibmaschinen, weil niemand sonst mit ihnen arbeitet. Auf den meisten Straßen vor den Hotels passiert nichts. Keine Geschichten, nur Momente zum am Fenster stehen und zu sinnieren, was wir alle einmal wollten.

***

Wir waren 12. Einige Tage nach dem großen Breakdown, dem Tag der großen Versprechungen, der in schwerer Enttäuschung und drei Nächte voller Delirium führte. Wir alle sahen Flugzeuge und fliegende Menschen. Jetzt behauptete MacGovern das Blaue vom Himmel herunter, rief uns zusammen, damit wir alle zurückführen in die Stadt. Die Stadt, die wir Hals über Kopf verlassen hatten. Es war, als könnte er seine Niederlage nicht eingestehen. Nach den unerwarteten Gewinnen zu Beginn der Kampagne und den strategischen Planungen, die wir uns irgendwann doch zutrauten, war er nicht bereit zurück zu stecken.

Ich sah ihn immer noch allein stehen an dem Buffet in dem gottverlassenen Hotel, weit draußen, in der Servicewüste. Allein, während die Presse vor der Tür stand und nach ihm Ausschau hielt, alle nach ihm Ausschau hielten. Einsam, in gewisser Weise verzweifelt, nicht halb der leuchtende Held auf dem weißen Pferd, für den er einige Monate später gehalten wurde. Das war das Bild von MacGovern, dass sich eingebrannt hatte, wie Daten auf einer Steintafel. Bei mir. MacGovern aber schien sich nicht erinnern zu wollen.

Man vergisst zu schnell, offenbar, was der ursprüngliche Plan war. Dieser Plan war gescheitert. Auf vier Jahre, vielleicht mehr waren wir anderen Chefs ausgesetzt.

MacGovern hingegen strahlte eine ungewohnte Ruhe und Zielstrebigkeit aus. „An diesem Tag, an diesem Platz“, so sprach er – und ich konnte noch nicht einmal wirklich wütend werden –, „hier gründen wir Neues“. Ich war nicht überzeugt, nicht so überzeugt, wie noch einigen Wochen zuvor. Was, wenn es eine weitere Niederlage wird? Wenn es nur das letzte Aufbäumen und nicht der neue Beginn war, von dem MacGovern sprach? Was tat ich überhaupt hier, in diesem Zoo? Wie war ich hierher gelangt? Der Plan war, zu berichten, nicht mitzumachen.

MacGovern meine, dieser Tag würde in die Geschichte eingehen, es hätte ihn die Erkenntnis überkommen. Wir werden es sehen.

***

„If there is a God, I want to thank Him for the Gideons, whoever they are. I have dealt with some of His other messages and found them utterly useless. But not the Gideons. They have saved me many times, when nobody else could do anything but mutter about calling Security on me unless I turned out my lights and went to sleep like all the others…” (Hunter S. Thompson / Generation of Swine : Tales of Shame and Degradation in the ’80s. – New York u.a. : Simon & Schuster, 2003, p. 10)

„We are, after all, professionals.“ (ebenda, p. 15)

Es ist alles noch verwaschen, kurz vor dem Sonnenaufgang in Neukölln. Das wird hoffentlich besser mit dem Tag und klarer. Dort runter, übrigens, und dann nach dem S-Bahnhof links kommt man zum Estrel Neukölln, dem Veranstaltungsort des Bibliothekartags. Von hier einfach nach rechts kommt man zum Veranstaltungsort des geselligen Abend bei der Berlin-Station von Cycling for Libraries. Und zur frei<tag> geht es von hier mit der U-Bahn und dann einmal Umsteigen in die S-Bahn oder die Tram. „Like most of the others, I was a seeker, a mover, a malcontent, and at times a stupid hell-raiser. I was never idle long enough to do much thinking, but I felt somehow that my instincts were right. I shared a vagrant optimism that some of us were making real progress, that we had taken an honest road, and that the best of us would inevitably make it over the top. At the same time, I shared a dark suspicion that the life we were leading was a lost cause, that we were all actors, kidding ourselves along in a senseless odyssey. It was the tension between these two poles – a restless idealism on one hand and a sense of impending doom on the other – that kept me going.” (Hunter S. Thompson / The Rum Diary. – London ; Berlin ; New York : Bloomsbury, 2004, p.5)

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 9 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by libreas on 1. Juni 2011

von Felix Ostrowski

Vom 24. – 27.05. fand in der Technischen Nationalbibliothek in Prag die [ELAG 2011] mit dem Leitmotiv „It’s the context, stupid!“ statt. frei ließ es sich natürlich nicht nehmen, einen Kundschafter zu entsenden.

ELAG, das steht für die „European Library Automation Group“ und klingt damit vielleicht etwas staubig und trocken. Der Name war aber in diesem Fall ganz und gar nicht Programm: es war, abgesehen vielleicht vom BibCamp, eine der besten Veranstaltungen aus dem bibliothekarischen Umfeld, die der Autor dieser knappen Zeilen bislang besucht hat. Es herrschte eine ungezwungene aber geschäftige Atmosphäre, die dem ganzen den Charme eines Barcamps verlieh, obwohl
es keines war. Die ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis sorgte dafür, dass das auf solchen Veranstaltungen durchaus nicht unübliche „Naja, da kann man nichts machen, aber schön, dass wir mal drüber geredet haben…“-Grundgefühl nicht im geringsten aufkam. Im Gegensatz zum ebenfalls häufig anzutreffenden Pessimismus, der gerne auch mal in Existenzangst gipfelt, herrschte eine optimistische Aufbruchsstimmung.

Zentrale Fragen, die im Rahmen von Bootcamps, Workshops und natürlich Vorträgen behandelt wurden, waren etwa:

– Wie sieht die (physische) Bibliothek der Zukunft aus?
– Kann Linked Data unsere Probleme lösen?
– Was sind überhaupt unsere Probleme und Aufgaben im Zeitalter der Bits und Bytes?
– Wem gehören „unsere“ Daten?
– Wie können wir Daten langfristig zugänglich machen und halten?
– Muss MARC sterben (und wer bringt ihn um)?

Die Ergebnisse der Konferenz an dieser Stelle zusammenzufassen ist unnötig – es empfiehlt sich ein Blick ins [Twitterversum]. Dort sind alle relevanten Ressourcen zu finden, daruntern einige von den Konferenzteilnehmern gemeinsam bearbeitete Dokumente in Form von Wikis, Etherpads und Googledocs. Auch in Hinsicht auf diese Art der Zusammenarbeit war die ELAG wahrlich beeindruckend. Sollte der frei<tag>-2011 in Ansätzen daran anknüpfen können, wir wären zufrieden!

freiprag

frei<prag> 2011: Die Technische Nationalbibliothek ist bestens geeignet für eine Konferenz wie die ELAG und ein gelungenes Beispiel dafür, dass eine Bibliothek auch als physischer Ort weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird.

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 10 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 31. Mai 2011

Wer die Welt kennt, kennt nicht nur, wie die einstige NDW- und jetzige Erwachsenpopcombo Die Zimmermänner auf ihrem sympathischen Album Fortplanzungssupermarkt glauben machen möchte, den Zuckermann, sondern auch eine ganze Reihe von Heiligen von der Gottesmutter Maria bis hin zum Strohsack. Das hat weniger mit religiöser Ehrfurcht als mit ganz banaler Basisintegration mit der bendländischen Kulturgeschichte zu tun. Allerdings kratzt die Heiligenkenntnis des atheistisch-aufgeklärt Sozialisierten eher nur an der Spitze des Ei-Bergs. Tausendmal mehr und vielfältiger pocht hinter harten Schalen die weiche Substanz des guten Lebens.

I.

Heute zum Beispiel ist der Tag der Petronilla, Tochter des Fischers Simon und Gegenstand des Malers Simone (Pignoni). Von ihr ist wenig bekannt, außer dass sie märchenhaft schön gewesen sein soll und dazu fanatisch keusch, was gemeinhin einen nahezu unerträglichen Sozialdruck nach sich zieht, denn wie jeder weiß, ist Schönheit, die vor allem auf Jugend basiert, hochvergänglich und will, so ein pragmatischer Volksglaube, genutzt sein. Dies galt gerade in Zeiten, in denen eine (ökonomisch und genetisch) gute Partie das Überleben der gesamten Sippe sicherte.

So war ein angenehmes Äußeres der Tochter des Hauses nicht nur deren persönliches Kapital – was in Gary Shteyngarts Neu-Orwelliade „Super Sad True Love Story“ mit dem entzaubernden Statistikwert der Fuckability neben dem Aspekt der Personality und dem Konsumvermögen als zum Basisprofil des neuen Menschens der nahen Zukunft gehörig ausgegeben wird – sondern das Kapital der Familie.

Petronilla verweigerte sich einer Ehe, denn der um sie werbende Flaccus war ein heidnischer König. Die christliche Jungfrau entschied sich dieser Tatsache ansichtig für den Glauben und damit den jungfräulichen Tod und wurde damit Märtyrerin. Im deutschen Bibliothekswesen erinnert man sich der Petronilla dadurch, dass immerhin ein paar kirchlich betriebene Büchereien ihren Namen tragen. Ansonsten rief man sie an, wenn man gegen ein Fieber kämpfte.

Wo Petronilla also vor allem als fieberheilende Heilige ihre Funktion für das Leben des glaubenden Menschen erfüllt, schützt die Heilige Odilia sowohl Elsass als auch Augenlicht. Während Petronilla, so manche Quellen, von einer Lähmung geheilt wurde, kam Odilie nämlich blind zu Welt und erst die Taufe durch den Wanderbischof Erhard von Regensburg öffnete ihr die Augen zum Sehen. Dass sie überhaupt diese Taufe erlebte, verdankt sie der Mutter (mit dem schönen Namen Bereswinde), die sie vor dem Vater, Wüterich und Herzog Adalricus, rettete und sie, die vom Vater aufgrund ihrer Versehrtheit Todesgeweihte, in die rettenden Mauern eines Klosters gab. Später gründete Odilie selber eines und zwar auf oben auf der Kuppe, die heute erwartungsgemäß Mont Ste.-Odile heißt. Und ein zweites im Tal davor. Ihr Grab ist heute auf dem Berg in der kleinen, sehr gepflegten Anlage mit bezeichnenderweise herrlichen Blick über die Rheinebene und einem vom Abendlicht gefluteten Wallfahrerrestaurant, einer Herberge  mit die Zeitung lesenden Franzosen in der Lobby und einem um 19 Uhr bereits geschlossenen Souvenirshop.

II.

Im Prinzip funktioniert die Biografie zur Heiligwerdung immer ähnlich: Entweder wird man mit Handicap geboren oder es widerfährt einem eine Art Unbill, die das ganze bisher vorgebahnte Leben übermächtig aus dem Lot bringt. In Kooperation mit einer höheren Macht lernt man dies jedoch nicht nur zu ertragen, sondern auch zu etwas Gutem zu wenden und schließlich wird man für diese doppelten Verdienste (Aushalten und Gestalten) mit dem höchsten Grad der Anerkennung, den die Kirche zu vergeben hat, ausgestattet und ist MärtyrerIn.

In jüngerer Zeit geht es übrigens auch ohne fremdauferlegte Verwerfung im Schicksal. Jedoch nicht ohne selbstauferlegte weltliche Entbehrung sowie hoher Disziplin gegenüber den Regeln der jeweiligen Kirche. Diese wird in einer Art Führungszeugnis bescheinigt (nihil obstat).

Die Geschichte des pseudo-egalitären American Dream, des Giganten, der es vom Arbeiter Jett Rink zum Petrodollarmillionär Jett Rink bringt, folgt einem nicht unähnlichen Muster und zeigt zugleich, dass selbst im Aufbruchskapitalismus ein mühsam erarbeiteter Reichtum bestenfalls die halbe Miete darstellt. Am Ende gilt er bei der Eroberung unerschlossender Paradiese nur etwas, wenn sich der Edelmut eines Bick Benedicts dazu addiert. Man muss es demnach nicht nur geschafft haben. Sondern als Bonus auch noch seinen Nächsten lieben, also – genauer – demütig Gehorsam gegenüber einem alles transzendierenden Höheren zeigen. Das ist dann eher die Variante der protestantischen Ethik und der Schlüssel zur amerikanischen Philantropie.

III.

Dieses Heilige – manche nennen es auch das Erhabene – entspricht übrigens bei genauerer Betrachtung dem, was Max Frisch in seinen New Yorker Poetikvorlesungen im November 1981 unter dem Begriff der Utopie verortete. Nachdem Harold Brodkey bei einem dazugehörigen Panel Frischs zuvor in seiner Vorlesung aufgefalteten Bezug zum Utopischen präzisiert haben wollte, ergänzte Frisch, wie Mark Jay Mirsky berichtet:

„Es sei die Sehnsucht […] nach etwas, das der Mensch noch nie erlebt habe, das er aber haben möchte. »Die Trauer darüber, daß es so ist, wie es ist, die Einladung, dagegen zu protestieren, impliziert die Sehnsucht, daß die Welt anders sein könnte, ein Paradies.«“ und „»Wir werden es nicht schaffen. Die Sehnsucht gibt die Richtung an für das, was wir tun. […] Es ist nicht ganz weit weg vom religiösen Glauben. «“(In: Max Frisch (2008) Schwarzes Quadrat. Zwei Poetikvorlesungen. Frankfurt/Main: Suhrkamp. S. 79f.)

Es ist nicht nur nicht ganz weit weg. Es residiert sogar direkt um die Ecke. Denn wenig ist so leicht erkennbar, wie dass am Ende alle Rationalisierungsbestrebungen Fortsetzungen des Religiösen mit anderen (berechnenderen und berechenbareren) Mitteln darstellen.

Das, was zunimmt, ist die verwaltbare Komplexität, die immer auch semiotisch sein muss, denn nur was man labeln und konzeptionalisieren kann, kann man auch operationalisieren. Die Wissenschaft hat ihre eigenen Heiligen genauso wie die Literatur und alle streben mehr oder minder explizit einer unerreichbaren Mitte zu, die uns, da wir in Zeitachsen denken, als zukünftig erscheint, aber natürlich in der kosmologischen Perspektive als ewige Gegenwart verstanden werden muss.

Der Mensch ist aus der Laune wahlweise einer Natur oder eines Gottes als Sinn-Wesen und in seinem Kern als sich permanent in seinem Willen nach Kohärenz verschiebendes Sin-Zeichen angelegt. Pragmatisch geht es mit Roland Barthes‘ Vorlesungstitel „Comment vivre ensemble“ darum, das Miteinander so zu organisieren (buchstäblich: in ein weitgehend heterostatisches Gefüge von funktionierenden Wechselwirkungen zu bringen), dass man trotz aller Nachteile gesellig seine Jahre in ganz guter Form übersteht. Egal, was da eigentlich kommen mag. Die Heiligen, heißen sie nun Foucauld oder Foucault, helfen uns, die wir blind auf unsere Zukunft starren, als vorbildende Orientierungspunkte. Jede Lehre ist auch eine Art vorgespanntes Führungsseil, eine Braille-Markierung in einem Höhlenkomplex, in der wir, unsere Becky Thatcher an der Hand, wenigstens unser Gleichnis suchen. Und/oder die Schatzkiste des Indianer-Joe.

Die Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist selbstverständlich auch eine Art Lehre, die in der funktional differenzierten Wissenschaftsgegenwart so etwas wie eine Subgemeinschaft (=Fachcommunity) darstellt, der es momentan zugegeben ein wenig an Heiligkeit fehlt.

Da sich nun aber vorwiegend das Noviziat der kleinen intellektuellen Gilde rund um Buch, Bibliothek und Digitalo-versum in anderthalb Wochen (wenn es gut läuft) zu einer Art Hambacher Fest des bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Denkens trifft, darf also die Frage nach dem, was unserer Community eigentlich heilig ist, ruhig mal aufs Tapis.

St. Odile

"Ich wünschte, es gäbe einen Knall und die Psyche wäre aufgeräumt." Ach Kitty Hoff, es ist schon fast bestürzend, wie Dein "Psychenswing" den Refrain zum Thema bietet. Denn das, was uns heilig ist, ist in gewisser Weise und buchstäblich die ersehnte Knallcharge. Daher heißt das Album, auf dem sich das Lied befindet sehr passend "Blick ins Tal". Irgendwo dort unten, in einem Örtchen namens Avolsheim steht die Église Saint-Pierre de Molsheim. Die ist insofern für den vorliegenden Text beachtenswert, als dass man – jedenfalls wenn man Elsässer war – lange Zeit dachte, die Heilige Petronilla sei tatsächlich in dieser Kirche begraben. Entsprechend wurde die Grabstätte Pilgerort der lokalen Fieberkranken bis sich herausstellte, dass dort eine gewisse Terentia Augustala beigesetzt sei, die weder eine Heilige noch eine Fieberheilkräftige war. Sondern nur eine ganz normale römische Frau. Erstaunlicherweise erfüllte das Grab, als Statthalter der Heiligkeit Petronillas missverstanden, seinen Zweck als placeboesker Pilgerort bis zur Enttarnung offenbar recht gut. Wenn es, jetzt abstrakter gedacht, in diesem Zusammenhang eine Aufgabe für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft geben kann, dann die, die zunächst dank der Postmoderne einzig möglich Form des Umgangs mit diesen Transzendenz-Storyplots auszuentwickeln: eine Synopse der Möglichkeiten des Heiligen. Beispielsweise in der Wissenschaft. Hat man daraus dann ein wohlgeordnetes (wissenschaftssoziologisches) und in der semiotischen Grundanlage organisches Zeichengewebe gesponnen, wird sich, da darf man sicher sein, schon eine neue Aufgabe zur Arbeit an den Infrastrukturen auch des wissenschaftlichen Glaubens finden.

(bk)

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 11 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Karsten Schuldt on 30. Mai 2011

Die Jugend. Für einige von uns ist sie schon länger vergangen, für einige noch nicht ganz so lange. Sicherlich schaffen wir es immer wieder einmal, uns irgendwie jugendlich, zumindest jung zu geben: Mehr Internetnutzung, als die durchschnittlichen Jugendlichen, mehr Verweise auf Subkulturen, Chanspeak, lange wach sein und über existenzielle Fragen nachdenken. Und wirklich alt wollen wir uns ja auch noch nicht fühlen, obgleich Nutzerinnen, Nutzer und Studierende uns schon länger siezen, obwohl wir Verantwortung für unser Leben, teilweise schon für das unserer Kinder haben. Doch uns rettet da zum Glück noch die Soziologie mit ihrer Diskussion über die Ausweitung der Jugend bis in die erste Hälfte des dritten Lebensjahrzehnts und der Frage, ob sich nicht zwischen Jugend und Erwachsenenalter noch ein weiteres Lebensalter etabliert. Zur Not können wir uns als Avantgarde dieses Alters fühlen.

Die Jugend aber, wenn wir einmal ehrlich sind, ist für uns vorüber. Was wir bis jetzt nicht gemacht haben, haben wir nicht gemacht, als wir die Chance hatten. Sicherlich können wir all die jugendlichen Sachen immer noch machen, aber wir können sie nicht mehr mit jugendlichem Leichtsinn erklären. Sie sind zumeist einfach nur noch unverantwortlich.

Die Jugend aber, wenn wir ehrlich sind, wurde uns zum Ort der Nostalgie. Lange schon gibt es Plätze, an die wir zurückkehren und uns erinnern können an die naiven Hoffnungen der Zeit als wir 16 waren, oder 18. Vielleicht rettet uns gerade – zumindest die, die schon älter sind – der Fakt, dass im Allgemeinen mit der Wissenschaft spät im Leben angefangen wird und wir uns deshalb voll im Zeitplan fühlen können, davor, in die berüchtigte Midlife-Crisis zu fallen. Es scheint nun wirklich nicht so, will mir scheinen, dass wir gerade am Leben verzweifeln und alles Tun als sinnlos ansehen würden. Wir sehen uns auch nicht auf dem Höhepunkt unseres Lebens angekommen, von wo ab es nur noch immer das Gleiche geben wird. Schließlich laden wir auch zu einer eher hippen Veranstaltungsform, einer Unkonferenz, ein, um unsere Wissenschaft weiter zu bringen.

Die Jugend aber, reden wir noch einmal darüber: Können wir eigentlich aus unserer Position heraus sagen, was diese gerne hätte in Bibliotheken, was die fordert und nutzen könnte von Informationsstellen und Archiven? Können wir sagen, wie die sich im Netz sieht, wie sie die Kommunikationskanäle und Potentiale „neuer“ Medien – ab wann werden die eigentlich zu alten Medien? – nutzt? Sicherlich können wir das erheben und erforschen, dazu ist die Bibliothek- und Informationswissenschaft ja eine forschende Wissenschaft (Oder?). Aber aus unserem eigenen Erleben und unserer Lebensgeschichte können wir es nicht mehr ableiten. Das ist schwer und nicht immer einfach zu akzeptieren.

Den die Jugend, wenn wir einmal ehrlich sind, ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Beziehungsweise, was sie einmal werden sollte. Gerne stellen wir uns die Jugend ja als informationskompetent, kompetenzorientiert und gleichzeitig als die eigenen Informationen frei in alle Sozialen Netze eintragend vor. Aber die Realität ist doch wie zuvor: Mediennutzung lässt sich durch Schicht und Bildungshintergrund eher erklären, als durch das Alter. Die Idee zum Beispiel, dass die Jugend unheimlich gerne Medien bewerten und Rezensionen über konsumierte Bücher schreiben würde, die vor einigen Jahren die Bibliotheksszene umtrieb, hat sich in der Zwischenzeit als falsch herausgestellt. Ebenso wie die Annahme, dass ein Großteil der Menschen unbedingt ins Second Life gehen würde. Wir können heute realistisch abschätzen, dass das immer nur ein kleiner Teil der Menschen war, die das wollten und tun und dass das kein generationelles Phänomen war.

Gleichwohl: Die Jugend verändert sich immer weiter. Das ist ja eine ihrer Eigenheiten. Sie ist halt nicht nur Durchgangsalter zwischen Kindheit und Erwachsensein (oder wie das Lebensalter nach der Jugend auch immer heißen wird), sondern auch eigenständiges Alter, in welchem die Abgrenzung von den vorhergehenden Generationen quasi als Generationenaufgabe besteht. In gewisser Weise Rebellion als Aufgabe, was selbstverständlich etwas paradox ist und zudem immer schwerer wird, wo zumindest in einigen Sozialschichten heute alle verständnisvoll sind und Kreativität genauso toll finden, wie Leistungsorientierung und Lernen, aber auch wissen, dass Menschen, die für ein paar Jahre aus der bürgerlichen Gesellschaft aussteigen, zumeist wiederkehren. Wie soll man da noch gegen irgendwas irgendwie anders und rebellisch sein?

Nichtsdestotrotz: Die Jugend bleibt auch (erstmal). Einmal als Antrieb unser selbst, als nostalgische Erinnerung daran, was wir alles wollten und immer noch nicht haben, was wir gehofft und vielleicht auch falsch eingeschätzt haben, was wir persönlich auf dem Weg zwischen den zum Teil naiven Hoffnungen und heute gelernt und erlebt haben, was auch immer die Potentiale anzeigt, von dem, was alles noch gelernt und erlebt werden kann. Und gleichzeitig als jeweils zeitgenössische Jugend mit einer gewissen Anklage, dass wir Älteren das eh nicht verstehen, nicht verstehen können, was wichtig ist, sondern schon langweilig geworden sind, in gewisser Weise, egal was wir so einst erlebt haben und wo wir heute noch versuchen, uns subkulturell zu verorten. Dieser Stachel trifft auch immer Bibliotheken. Nie werden sie es schaffen – das hier einmal als steile These, aber steile Thesen sind in gewisser Weise ja sehr jugendlich –, für Jugendliche so ansprechend zu sein, wie sie erhoffen. Auch die Beteiligung von Jugendlichen und der Aufbau expliziter Jugendabteilungen mit jugendlichem Aussehen und Bezug auf die jugendliche Mediennutzung, wird das nicht erreichen. Die Differenz zwischen Jugend und anderen Generationen ist konstitutiv. Wird sie überwunden, entsteht einfach eine neue. Ein Teil der Jugend wird Bibliotheken immer meiden oder – andersherum – lieben, weil ihre Vorgeneration Bibliotheken nicht mochte.

Ja aber hallo, Bibliothek Berlin-Mahlsdorf, drei Uhr an dem Morgen. {Jugendgerechter Satzbau, außerdem subkultureller Verweis auf den fast vergessenen HipHop-Klassiker „5 O'clock“, also auch noch ein szenespezifisches Wissen andeutend, obwohl das auch nach hinten losgehen kann, wenn man der Einzige ist, der dieses Wissen hat.} Eine der Situationen, wo man nach über zehn Jahren fast durch Zufall an Orten steht, die in der Jugend für eine Zeit bedeutsam waren, dann aber vergessen wurden. Da auch der Nachtbus schon fort war, nicht nur eine Zeit für Bilder, sondern auch zur Reflexion. Alles hat sich verändert, aber ist doch ähnlich geblieben. Sicherlich: Als Gymnasiast hier unterwegs vor mehr als zehn Jahren hatte man nicht die Vorstellung mit abgeschlossenen Studium – lol was? Studieren? Warum? – in was bitteschön? Bibliothekswissenschaft? noch einmal wieder zu kehren. Eher war es wichtig, die Aufkleber neofaschistischer Gruppierung an den Laternen zu vernichten und selber um sich zu blicken, dass man nicht dabei vom „Mahlsdorfer Landsturm“ (kein Witz, so nannten die sich) oder der örtlichen NPD erwischt würde. Das wäre wieder nur zu stressig gewesen. Man hätte ja auch niemand anrufen können, wenn das passierte, schließlich hatte man kein Handy. Handys hatte man nur, um anzugeben. Und Blogs zum nachher drüber bloggen gab es eigentlich auch nicht. Zudem: Man hatte ein Date, wenn man in der Gegend war, zu dem man wollte. Was sollte man auch sonst in Mahlsdorf, als Jugendlicher? Heute: Handy ist da, Blog auch. Vom Handy könnte man bloggen. Der „Mahlsdorfer Landsturm“ soll sich aufgelöst und zum Teil den Weg durch bürgerliche Parteien angeschlagen haben (wohl mit dem „Jugendsünde“-Argument), die örtliche NPD ist zur mittlerweile aber auch verbotenen Kameradschaft geworden, Naziaufkleber gibt es nicht mehr zu sehen, überhaupt: Aufkleber und Straßenkunst scheint es seit Jahren hier nicht mehr zu geben. Alle sind alt geworden offenbar. Ein Date hat man hier auch nicht mehr, die BeziehungspartnerInnen aus der Gegend wohnen längst anderswo. Niemand und nichts stört dabei, einzutauchen in die eigene Jugend, die eine kurze wilde Zeit im Leben (aus der man aber mit einem Abitur heraus- und in ein Studium hineinstolperte, so wild kann es dann doch nicht gewesen sein).Was macht die Jugend hier eigentlich jetzt? Die, die am Bahnhof steht, sieht aus, als würde sie geschlossen bei H&M einkaufen. Nur die Bibliothek, die Bibliothek ist immer noch da, im Blau der Berliner Bibliotheken leuchtet sie voller Ruhe durch die Nacht. Als wäre sie der Mittelpunkt einer nicht erzählten Geschichte.

Auch der Kasten der Bibliothek auf dem Bahnhof ist noch da. Wie oft stand man auf diesem Bahnhof, angekommen mit der letzten Bahn, in den Sonnenaufgang schauend, wartend auf die Bahn in die Schule? Peinlich, wenn man dann mit den eigenen Lehrerinnen und Lehrern wartete. Was sollte man da sagen? Was würde man heute sagen, wenn die um halb vier Morgens hier aufschlagen würden. (Zumal man selber erklären müsste, was man um diese Zeit in den Berliner Außenrandbezirken tut.) Wir haben wohl alle solche Orte der persönlichen Nostalgie. Jeder und jede andere, dieser hier ist einer von meinen.

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 12 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by libreas on 29. Mai 2011

von Matti Stöhr

Vis a vis zum Konzerthaus am Gendarmenmarkt, in welchem die Eröffnungsveranstaltung des nahenden 100. Bibliothekartages stattfinden wird, sowie auch nur wenige Schritte vom frei<tag>s-Venue entfernt, residiert eine der größten und wichtigsten Institutionen der Berliner Wissenschaftslandschaft: Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften – kurz BBAW. Es ist gar nicht so lange her, da feierte diese selbst ein großes, rundes Jubiläum und stellt dabei spielend – nach der bloßen Zahl der Lenze – den Konferenzgeburtstag in den Schatten. Zwar existiert die Akademie in ihrer jetzigen Form erst seit 1992, zusammen mit ihren Vorgängereinrichtungen – so direkt zuvor firmierend als Akademie der Wissenschaften der DDR – ist sie jedoch fast genau 301 Jahre alt. [1] Am 11. Juli 1700 war es soweit: Der brandenburgischen Kurfürst Friedrich III. gründete die Kurfürstlich-Brandenburgische Societät der Wissenschaften. Gottfried Wilhelm Leibniz, welcher die Akademie auch geplant hatte, wurde ihr erster Präsident.

Englischsprachige Info-Tafel zur BBAW-Geschichte am Akademiegebäude Markgrafenstr., Ecke Jägerstr. - formschön mit der wohlbekannten, umtriebigen frei<tag>-Karte

Führt man sich nun das Leben und Wirken dieses – zweifelsohne – beachtenswerten Universalgelehrten (oft als der „Letzte“ seiner Art bezeichnet) vor Augen, so fällt es leicht, eine Brücke von ihm zur frei<tag> und umgekehrt zu schlagen. Dass Leibniz in vielen Wissensgebieten und Positionen aktiv war – außer vielleicht als Keksfabrikant – ist hinlänglich bekannt; so auch als Bibliothekar. 1676 wurde er nach Hannover berufen und dort unter anderem zum Hofbibliothekar ernannt. Ihm zu Ehren wurde die Niedersächsische Landesbibliothek im Jahre 2005 in Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek umbenannt. Ausgelastet war Leibniz damit freilich nicht, wurde er doch 1691 auch Bibliothekar der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Vor ein paar Jahren erschien ein Sammelband, welcher sich mit eben jenem bibliothekarischen Schaffen von Leibniz auseinandersetzte. In dessen Beschreibung heißt es:

„Gottfried Wilhelm Leibniz leitete die Bibliothek der Hannoveraner Welfen vierzig Jahre lang bis zu seinem Tod 1716. Die Vision, dass eine Hofbibliothek nicht allein der Machtspiegelung ihres fürstlichen Besitzers, sondern zugleich der öffentlichen Wohlfahrt dienen möge, äußerte er in dieser Zeit wiederholt. Mit einer Erwerbungspolitik, die auf die enzyklopädische Repräsentanz allen verfügbaren Wissens zielte, schien Leibniz diese Vision erreichbar: Erst eine Bibliothek, die nicht einseitig den Belangen des Hofes dienstbar gemacht würde, könnte ihre Benutzer in die Lage versetzen, die noch nicht absehbaren theoretischen und praktischen Probleme der Zukunft zu lösen. Im Aufbau von Wissensspeichern als Teilen einer fortschrittsfördernden wissenschaftlichen Infrastruktur sah Leibniz eine zentrale Aufgabe des territorialen Wohlfahrtsstaates. Setzte Leibniz‘ Vision demnach auf die Vereinbarkeit von Staatsraison und Wissenschaft, so stellte sich dies Verhältnis in der Realität doch eher als ein Spannungsverhältnis dar. Die einseitige Vereinnahmung der Bibliothek für die fürstlichen Machtinteressen und die mangelnde Kontinuität, mit der Geld in die Pflege der Büchersammlungen floss, stellte ihn in der bibliothekarischen Praxis vor geradezu unüberwindliche Herausforderungen.“ [2]

Trotz oder gerade wegen der hier angerissenen Ambivalenzen zwischen Anspruch und Realität bibliothekspraktischer Herausforderungen, ist die Leibnizsche Vision durchaus aktuell. Auch in der Gegenwart wird der (bildungs- und wissens-)gesellschaftliche Wert von Bibliotheken immer wieder aufs Neue infrage gestellt bzw. ist keine Selbstverständlichkeit – man erwähne nur das Spektrum von Kürzungen des Erwerbungsetats, über Personaleinsparungen bis hin zu Bibliotheksschließungen. Bibliotheken funktionieren nur dann sowohl als Wissensspeicher als auch als wissensvermittelnde Institutionen, sofern sie die Möglichkeit haben vor dem Hintergrund ihres Sammelprofils umfassend (wissenschaftliche) Publikationen, egal welcher physischen Form. zu sammeln, zu erschließen und verfügbar zu machen. Hier gibt es – ohne sie jetzt alle konkret aufzuzählen – viele Hemmnisse; allen voran ökonomische und urheberrecht- bzw. nutzungsrechtliche.

Leibniz‘ Vorstellungen und Aktivitäten, so auch hier in Berlin an der Akademie, können folglich eine Reihe von Impulse für die Sessions und Diskussionen im Rahmen des frei<tags> bieten. Auch wenn er wie schon erwähnt nicht dafür verantwortlich ist – sicherlich geschieht der heurige Gedankenaustausch wohl entspannter und genussvoller beim Verzehr des einen oder anderen einschlägigen Keksgebäcks. Ein kleiner Spaziergang zum Aufhänger dieser Zeilen, dem herrschaftlichen Akademiegebäude, sowie die Lektüre der abgebildeten Infotafel ist zur Verdauung allemal drin…

Fußnoten
[1] Zur Akademiegeschichte kann man sich hervorragend auf der entsprechenden Info-Website unter http://www.bbaw.de/die-akademie/akademiegeschichte informieren. Dieser folgend, gebe ich die historischen Fakten wieder.
[2] Hartbecke, K. [Hrsg.] (2008). Zwischen Fürstenwillkür und Menschheitswohl. Gottfried Wilhelm Leibniz als Bibliothekar, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann.

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 13 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 28. Mai 2011

An einem vielleicht nicht ganz vordergründigen Detail des Countdown-Beitrags vom 26.05.2011 hängt die Brücke zum heutigen Baustein des Herunter-Zählens bis zum 10. Juni und zeigt zugleich, dass nicht nur menschliche Beziehungen in einer höchstens sechs Stationen umfassenden Stafette vom Einen zum Anderen und vom Hundertsten ins Tausendste führen können. Sondern selbst jedes noch so kleine Sinnfädlein.

Wer den Text zum Küssen in der Wissenschaft (und anderswo) sehr aufmerksam las, erinnert sich eventuell daran, dass das angepriesene Buch über die russische Kussgeschichte bei einem Verlag namens Grupello erschien. Das ist zwar nicht vom Thema aber vom Verlagsstandort her nachvollziehbar, sitzt der kleine Verlag doch im großen Düsseldorf. Wer dort schon einmal eine Stadtführung mitmachen durfte, hat möglicherweise registrieren dürfen, dass das Reiterstandbild auf dem Marktplatz mit dem auf der Stelle trabenden Jan Wellem nicht nur Gegenstand einer etwas grünspanigen Briefmarkenausgabe der Deutschen Bundespost im Jahr 1964 war.

Sondern auch, dass es vom Bildhauer Gabriel de Grupello geschaffen wurde, was nicht weiter verwundert, beschäftigte ihn der Kurfürst doch als Hofsculpteur. Geboren wurde dieser Grupello nun im ostflanderischen Geraardsbergen und zwar gute 160 Jahre nach einem anderen Sohn der Stadt, der gleichfalls auszog, anderen Völkern zu zeigen, was eine schöne Figurine ist. Gemeint ist der Franziskanermönch Pedro de Gante, der als Pieter van der Moere zur Welt kam. Als er sie dann in einer Seelenruhe eines Kloster zu Gent erreicht hatte, zeigte er sanft aber bestimmt den indigenen Bewohnern im altacolhuaischen bzw. neuspanischen Tetzcoco, Mexiko, was ein rechter Glauben ist und war damit so erfolgreich, dass die Missionierten seine Lehre und vor allem seine Lehrmethoden freudig weiterführten.

Da sich Tetzcocos administrativer Stadtführer Ixtlilxochitl (II) in vorauseilendem Anpassungsgehorsam mit Hernán Cortés für seine Spättaufe einen Paten heraussuchte, der noch wusste, wie man spornstreichs christliche Werte durchsetzt, war Tetzcoco zu dieser Zeit (1523+) vermutlich ein ziemlich ruhiger Hafen für die Missionsarbeit.

Erstaunlicherweise stieß Pedro de Gantes Willen zur Volksbildung dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) bei den encomenderos genannten Neugrundbesitzern aus der Alten Welt nicht unbedingt auf Gegenliebe, fürchteten diese doch, dass die für sie unter erbärmlichen Bedingungen arbeitenden Indios mit abendländischer Bildung durchschauten, was hier eigentlich geschah. An Aufmüpfigkeit hatte man – vielleicht noch die Noche Triste auf der anderen Seeseite vor Augen – nun wirklich kein Interesse.

An dieser konquistadoren Furcht vor der Nach- und Neubildung erkennt man nicht zuletzt deutlich, wo der kurzsinnige Raubtierkapitalismus eigentlich seine Wurzeln hat. Dass man dereinst darüber hinaus Bibliotheken nur schätzte, wenn sie den eigenen Interessen nützlich waren, hatte man bereits zuvor veranschaulicht, als der neue Bischof die berühmte Bibliothek der Stadt aus heidnischen Gründen in Rauch auflösen lies. Nun kann man es mit dem Kolorit der Zeit erklären, dass man Kulturen, die zum Menschenopfer neigen, nicht nur jede zivilisatorische Entwicklung absprach sondern auch jedes Recht, sich nicht nach Gutssklavenart unterjochen zu lassen. Andererseits war sicher auch damals bereits bekannt, dass die Vernichtung identitätsstiftender Symbole die vermeintlich schnellste Methode darstellt, um einem Gegenüber flugs die Identität zu zertrümmern. Allerdings, so die menschheitsgeschichtliche Erfahrung, ist so ein Semiozid selten nachhaltig. Um eine Idee auszumerzen braucht es schon mehr als ein Feuerzeug und kein Gewissen.

Pedro de Gante verfolgte dagegen einen feinsinnigeren, pädagogisch ausgewogeneren Ansatz: Er versuchte es mit Integration. Und zwar zunächst mit seiner in die vorgefundene Kultur. Das gelang in gewisser Weise indem er die Sprache der Indianer lernte. Es wird sogar kolportiert, dass der stotternde Missionar schließlich mit den Ureinwohnern besser kommunizieren konnte, als mit den zugereisten mehr Schlagetötern als Fürchtenixen von der Iberischen Halbinsel. Die führten ihm nämlich zunächst zu seinem Entsetzen die Schüler, nachdem ein König das Edikt zur missionarischen Bildungsoffensive erlassen hatte, in gefesseltem Zustand zu Hunderten in die Schule. Pedro de Gante war kurz zuvor, alles hinzuwerfen und aus der Neuen Welt zurück nach Flandern zu fliehen. Allerdings: Er blieb und lernte neben der Sprache auch die Hieroglyphen-Schrift der Azteken. Auf dieser Basis entwickelte er einen visualisierten Katechismus, der sein Ziel weitaus besser erreichte, als jede Predigt von der Kanzel. Und wahrscheinlich auch überzeugender wirkte als jeder Donner aus der Hakenbüchse.

Der Kniff zur Integration, die bald von der Selbsteinpassung in indigene Zeichenpraxis in exogene Wirkung umschlug und die indianischen Schüler dauerhaft christianisierte, lag darin, den Symbolhorizont der Schüler gerade nicht zu zerstören, sondern in ganzer formaler Bandbreite anzuerkennen, um ihn schließlich mit neuen Inhalten zu unterfüttern. Die Lernziele für seine Zielgruppe fasste er also in ihren eigenen Zeichenschatz und holte damit, wie man heute sagen würde, die Zielgruppe dort ab, wo sie sich befand.

Dass die Schüler mittlerweile ganz von selber zu ihm strömten und nur noch von den christlichen Botschaften gefesselt vor ihm saßen war eine logische Folge. Denn mit einer gewissen Leichtigkeit adaptierten nun die Schüler der Missionsschule europäische Kulturpraxen und handwerkliche Fertigkeiten, wobei Pedro de Gante sich selbst organisierende Bruderschaften bilden musste und konnte, die einerseits den Vorsitz per Abstimmung, also quasi-demokratisch, ermittelten und andererseits in ihren Aktivitäten in friedlichen Wettbewerb mit anderen Bruderschaften traten. Hätten diese Bruderschaften nicht tatsächlich Kirchen errichtet und Missionsschulen eröffnet, würde man vermutlich heute von einer Planspiel basierten Ausbildung reden. Aber sie operierten ja tatsächlich mit neo-christlichen Instrumenten passgenau im offenen Herzen Mexikos.

Natürlich repräsentierte die Neue Welt, in die er seine Schutzbefohlenen lenkte, auch eine Form der Kolonialisierung, aber immerhin eine, die – wenn auch aus taktischen Gründen – die Andersartigkeit des Gegenübers in gewissem Umfang respektierte und in der Entwicklungsperspektive berücksichtigte. Dieser Weg zwang nicht, er verführte. Er drohte nicht mit Vernichtung, sondern lockte mit Verbesserung. Er schlug den Kopf nicht ab, sondern setzte ihm eine erleuchtete Kappe auf. Von einer Partnerschaft kann man freilich nicht sprechen, denn jede Missionierung hat die Hegemonie schon klar im Gepäck. Es war aber immerhin ein kleineres Übel und in all dem Wüten der westlichen Welt in Westindien und dahinter ein Silberstreif im goldberauschten Horizont der Brachialeroberung. Helle Barden statt Hellebarden.

Am Ende erhielt Pedro de Gante zwar keinen Preis für Bildungsforschung aber immerhin einige Jahrhunderte später die Heiligsprechung durch Johannes Paul II. Und zu seinem 400sten Todestag von der mexikanischen Postverwaltung eine solide Gedenkbriefmarke. Das ist schon angemessen, für jemanden, der jene berühmten fürstlichen Tugenden (Klugheit, Mäßigung, etc.) leiblich und performativ veranschaulichte, die Gabriel de Grupello in seiner noch berühmteren Pyramide in eine steife, stahlharte Form goss und die nun auf dem Mannheimer Paradeplatz stehen, in dessen Schatten ich diesen kleinen Text gerade de facto schreibe.

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Die Fürchtenixe? Einer Undine im Abendschein können sie nichts anhaben, zumal wenn sie in schönster Bronze schimmert. Und ihre seemädchenhafte Tugend (ikonisch bekannt in der Kopenhagener Hafenausführung Edvard Eriksens) ist noch einmal eine Steigerung aller kurfürstlichen Wahrheit und/oder Taten-Ethik. Allerdings hatten die schönsten aller Wasserwesen während der knüppelharten mesoamerikanischen Kreuzritterei wenig zu melden. Eroberungskrieg ist traditionell Männersache. Und ob dem lammfrommen Bruder Pedro auch Schülerinnen in die Missionsschule kamen, ist wenigstens mir nicht bekannt. 

Ach so – das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen: Ein Geheimnis Pedro de Gantes lag, wie überliefert ist, in kleinen Figuren, die er den Schülern beim Eintritt in die Schule übergab und die sie als eine Art Schutzpatron mit sich führen bzw. deren Symbolgehalt sie auf ihre Gewänder zeichnen sollten. Diese fast talismännlichen Püppchen nannte er, da sie die Schüler von ihrem so furchteinflössenden wie (aus der Perspektive 1523) fürchterlich alten Glauben kraft neuer Symbolik befreiten: LIBREAS.

(bk, 27.05.2011)

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 18 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 23. Mai 2011

Heute erhielt ich den ernstzunehmenden Hinweis, meinen Anteil an den Texten für den frei-täglichen Countdown doch etwas kürzer zu fassen, da sonst die Titel-, Thesen-, Themen- und Temperamentelatte für die eigentliche Konferenz etwas zu hoch hinge und sich zugleich in der Mitte überladen böge.

Angesichts des präparierten Materials bin ich nun, kurz vor dem Posten, etwas in der Zwickmühle, fühle mich irgendetwas zwischen beschnitten und kastriert und aus einer vergessenen Kammer meiner Teenager-Erinnerungen sehe ich die damals als sehr sexy empfundene (Sandra) Gillette über die damals als sehr prägend geltende MTV-Rotation tanzen und höre genau ihre zwanzigfingrige Stimme: „Iny weeny teeny weeny shriveled little short short text“.

Erstaunlicherweise war der Musikgeschmack auch der mittleren 1990er Jahre trotz allem in globalem Maßstab gehoben genug, um eine Nummer 1-Platzierung in den damals noch maßgeblichen Hitparaden – abgesehen von Frankreich – zu verhindern. Als schreckliche Spur, penetranter nur noch vom technotronischen „Pump up the Jam“ übertroffen, bleibt dieses männerfeindliche Stück Popgeschichte Begleittonage wenigstens meiner Generation. Natürlich ging es nicht um Text, sondern um Anatomie. Aber da sich solche Schwerpunkte mit dem Alter und Altern verschieben und man irgendwann unweigerlich erkennt, dass eine einzige gelungene Formulierung weitaus länger überdauert, als ein straff trainierter Muskel, bin ich so frei, den weißen Neger Wumbaba zur aktiven Wahrnehmungsmethode zu erheben.

Um die Bestie aus beiden Welten zu entfesseln, beende ich den Vorspiel-Text zur Unkonferenz an dieser Stelle. Wer mehr möchte, findet nach der Sprungmarke einen dieser schwer verwertbaren Essays aus notiertem Sinnieren. Und wer noch mehr möchte, darf mit mir am 10. Juni 2011 darüber diskutieren.

Fountain / Strausberger Platz

"We'll build a new world off on a high mountain / We'll live on our fountain of love" - Alle Kids der 1950er wissen, worum es geht. Und alle anderen interpretieren den Konnex zu unserem Thema: Utopie und Brunnenkresse. Stadträumlich, jedenfalls in Berlin, bietet sich für die Suche nach dem neuen Menschen von Gestern wenig besser an, als die nach den 16 Grundsätzen des sozialistischen Städtebaus als Prototyp ans Zentrum der Hauptstadt angeschlossene einstige Stalinallee. Deren zentraler Kreisel wiederum rotiert am Strausberger Platz, in dessen Nähe sich einmal Berlins Richtstatt befand. Während der Brunnen vor dem verschwundenen Georgentore, zeigt sich an den Fassaden deutlich, dass die Häuser der Kinder des Sozialismus durchaus von Schinkel inspirierte Kinderzimmerfenster haben durften. Das Hochplateau des Fortschritts der Nachkriegszeit zeigte sich durchaus fast bieder vergangenheitsverbunden. Man kommt halt nicht so leicht aus seinen Pantoffeln und in die Puschen. Nur beim Wasserspiel, so könnte man jetzt kalaueren, wurde der neue Fritz kühn. (Insider für Architekturstudenten)

(bk, 23.05.2011)

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It’s the frei<tag> Countdown. Noch 23 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 18. Mai 2011

Irgendjemand verbreitet gern und wiederholt, dass die Menschen immer weniger Briefe schreiben. Ich glaube, mich zu erinnern, dass es vor allem die Deutsche Post ist, wenn sie über Spielräume beim Briefbeförderungsentgelt nachdenkt. Das Briefmonopol bekäme demnach demnächst einen besonderen Falz, da alles darauf hinausläuft, dass es nur noch vielleicht einen Brief am Tag gibt. Der Anbieter, der den befördert, hat dann auch das Monopol.

Ich kann diese Einschätzung weder teilen noch bestätigen, denn die Menschen in meinem Umfeld schreiben ohnehin selten Briefe. Ich bin ja auch kein guter Briefbeantworter, denn ich liebe das Medium zu sehr, um eine solche Korrespondenz in nachhaltig unbefangenen Bahnen zu absolvieren. Briefe, so ihre Funktion, verbinden. Daher, so meine Deutung, sind sie auch verbindlich.

Sollte Marbach jemals die Bündel meiner Briefwechsel (oft eher –sendungen) mit den Milenas und Felicen meiner Biografie ersteigern, so möchte ich selbstverständlich, dass es sich für das Archiv auch lohnt. Und wenn es wegen der Ersttagsstempel ist… Das Spiel, das sich mir Briefschach von Wuthenow aus solcher Einstellung eröffnet, bringt freilich erfahrungsgemäß weder Bauer noch Dame noch Dora auf die eigene Seite des Brettes. Sondern heißt schlicht Solitär.

post

Posta Cordalis? Nun ja, nicht jeder Brief geht zu Herzen. Das Briefing auf Seite N5 der heutigen FAZ über die Situation der Geisteswissenschaften in Großbritannien jedoch lässt es einem tatsächlich eng in der Brust werden. (siehe unten) Da zieht man diesen Fächern gern mal einen Strich durch die Forschungsrichtung. Im philatelistischen Deutschland hält man dagegen die Fahnen der systematischen Sinnsuche noch hoch. Allerdings sind Kulturkürzungen auch nichts, dessen Annahme man sich in hiesigen Breiten verweigern kann. Wieviele Museen brauchen wir morgen? Einem, welches wie das Wallraf-Richartz-Museum (Motto: "Ein Museum für alle, die neugierig sind.") per Briefmarke geehrt wurde, sollte jedenfalls nicht bange sein. Ungers Bau, martialisch am Marsplatz gelegen, ist ein wahre Trutzburg der Kunstgeschichte. Die Alten Meister halten daher selbst eine twombly-hafte Nachentwertung durch den Postboten locker aus.

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It’s the frei<tag> Countdown. Noch 24 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by libreas on 17. Mai 2011

„Noch 24 Tage und dann ist Weihnachtszeit“, sagt man für gewöhnlich. Wir werden jedoch in 24 Tagen den 10.06. haben, Weihnachten ist bis dahin zum Glück noch in weiter Ferne, und freuen uns auf die erste Unkonferenz frei<tag> am Berliner Institut.

Pünktlich für den Bibliothekartag 2011 haben bereits zahlreiche Teilnehmer die ersten Unterlagen in Händen halten dürfen. Ein LIBREAS-Redaktionsmitglied konnte jedenfalls heute den A5-Umschlag aus dem Betriebspostfach ziehen: das gedruckte Programm, das 15 Euro werte Namensschild, das eine BVG-Fahrtberechtigung beinhaltet, sowie die einzelnen Gutscheine, mit denen man/frau sich das Rahmenprogramm während der viertägigen Konferenz vorab zusammenstellen konnte.

Blättert man im Programm, das sich übrigens einer angenehmen und taschenfreundlichen Größe erfreut, erfährt man, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit Schirmherr dieser Veranstaltung ist, die ersten Fortbildungsveranstaltungen am Dienstag, 7.6. um 13.30 Uhr, Arbeitssitzungen jedoch bereits um 9 Uhr, beginnen, die Posterausstellung am Mittwoch und Donnerstag mit 31 Postern zu sehen sein wird.

bibliothekartag 2011 und frei

bibliothekartag 2011 und freitag 2011

Auch das über die Bundesländergrenzen hinweg bekannte Format „Lange Nacht der…“ lädt anlässlich des 100. Bibliothekartages am Mittwoch erstmals als Aktion „Lange Nacht der Bibliotheken“ in Berlin zu vielfältigsten Angeboten ein, was eine sehr gute Idee ist und bestimmt bei den Berlinern ankommt!

Die A-Z-Informationen erweisen sich als hilfreich –  sehr schön ist die Kooperation mit der Deutschen Bahn, die die Anreise um ein vielfaches kostengünstiger macht, allerdings wurde leider das Stichwort WLAN vergessen.

Teilnehmer der Unkonferenz frei<tag> erhalten keine papiernen Unterlagen, diejenigen die, gern daran teilnehmen möchten, können sich gern im Wiki eintragen. Alle Informationen gibt es im frei<tag>-Wiki

Vorfreude ist die schönste Freude: Bibliothekartag und Unkonferenz frei<tag> 2011 in Berlin 😉

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It’s the frei<tag> Countdown. Noch 26 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 15. Mai 2011

Die Lage des Lichts, die gerade in der frühen Abendstunde die Berliner Georgenstraße prägt, ist geeignet, jeden Stimmungsfotografen in einer Andachtsstellung zu beugen: Die versinkende Sonne spiegelt das berühmte Goldkreuz in die Diskokugel des Fernsehturms, hinter dem sich der Nordosthimmel in einem Farbton gleich dem Ziffernblatt der Einheits-NOMOS Typ Pasewalk ausstreckt und aus einem leichten milderen grauen Band über der Friedrichstraße schütten ein paar schnelle Eimer einen eher kalten Frühlingsregen auf die wenigen Passanten, so dass der Fahrer des Volvo-Cabrios ganz nachvollziehbar und in Ermangelung hupender Hinterleute noch eine Ampelphase länger unter der Stadtbahnbrücke verweilt und sein Verdeck schließt. (more…)