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Per Ubicomp zum Rubikon? Dietmar Daths schießpulverne Zukunft des Internet aus dem Jahr 2002.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 8. Januar 2012

Ein Kommentar von Ben Kaden

Eines der drängenden Probleme unserer digitalen Tage ist die Abschätzung von Zeitlichkeit. Eine Rückschau in Publikationszeitschriften, die auf den Beginn dieses Jahrtausends datieren und in denen sich Werbung für Mobilfunkgeräte findet, die aus heutiger Sicht ungeschlachten Kommunikationsriegeln mit wuchtigen Tasten unübertreffliche Eleganz zusprechen, zeigt, wie weit die Sprünge der designtechnologischen Evolution eigentlich reichen. Die urförmigen Koffertelefone der 1990er liegen da bereits jenseits jeglichen Horizonts.

Technik altert, das ist ihre Natur, schnell und je technischer wir uns unsere Lebenswelt gestalten, desto mehr sind wir gezwungen, uns mit einem Bein in der Gegenwärtigkeit und  mit einem halben in der gegenwärtigen Zukunft aufzuhalten. Das andere halbe Bein lässt sich dann vielleicht noch für den biografischen Gang in die Identitätsentwicklung sowohl individuell wie auch gesellschaftlich irgendwo ins Vergangene stellen. Es fragt sich allerdings, ob wir uns dafür überhaupt noch begeistern, wenn die Archive einmal alle durchdigitalisiert sind. Die Auseinandersetzung mit Vergangenheit findet derzeit vielleicht nicht immer, aber doch in den Kontexten die uns hier berühren weitgehend, in Form der technischen Integration in die gegenwärtigen Möglichkeiten der Dematerialisierung statt.

Gestern eröffnete nun Constanze Kurz ihre Kolumne Aus dem Maschinenraum zum „Rubikon der Sprachgewalt“ bzw. Worterkennungsalgorithmen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (S. 34) mit der flockenden Formulierung: „Vor einer kleinen digitalen Ewigkeit, Ende 2002, …“ Wir feiern also heuer 10 Jahre T9 (Text on 9 Keys), ein Verfahren, welches so selbstverständlich ist, dass nicht nur die aktuellen Erstsemesterstudierenden damit permanent vorlesungsbegleitend operieren, ohne zumeist überhaupt die Bezeichnung zu kennen.

Vor fast genau 10 Jahren, in der ersten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung des Jahres 2002 eröffnete das Feuilleton des Blattes, in dem man an den kuriosen Preisangaben zu den besprochenen Büchern die Währungsumstellung ablesen kann, mit einem Zweispalter unter der Überschrift: „Nach dem Internet“. Geschrieben wurde er mutmaßlich noch im letzten D-Mark-Jahr vom Kulturvisionär Dietmar Dath. Ausgabe vom 02.01.2002, S. 39) (more…)