LIBREAS.Library Ideas

Stammhalter? Eine Diskussion zur Rolle der Bibliotheken unter dem Baum der Erkenntnis. Am 24.10.

Posted in Hinweise, LIBREAS aktuell by Ben on 20. Oktober 2011

Wohin rollst Du Äpfelchen…? Vom Baum der Erkenntnis, der nicht wenigen ein Apfelbaum war, fällt es, glaubt man der Sprichtwortweisheit, nicht weit vom Stamm. Aber eben, glaubt man der biblichen Schöpfungsgeschichte, direkt in die Sünde. Also bereits wortgeschichtlich nicht zum Bonus sondern zum Malus. Glaubensgeschichtlich ist Erkenntnis folglich nicht unbedingt etwas Gutes. Fortschrittsgeschichtlich, so glauben wir, das einzige Ziel.

So arbeitet sich Wissenschaft vom Steckling an hoch in der Hoffnung auf neue Ernte. Wir stellen uns auf die Schultern der Giganten, um in den Wipfeln nach den Schönsten der Schönen von Boskoop (oder anderen) zu greifen. Wie ergiebig das sein wird, kann nur die Zukunft zeigen, die allerdings ihrer Natur nach immer ungewiss war, ist und sein wird. Was uns nicht daran hindern soll, das Beste zu hoffen. Und darüber zu reden.

Zum Beispiel am kommenden Montag. Fabelhaft bibelnah wie twittertauglich fasst die Überschrift der dann stattfindenden Podiumsdiskussion im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum den für den Menschen entscheidenden Schritt des dritten Kapitels des Genesis zusammen: „Vom Baum der Erkenntnis zum Social Network“.

bibliothek_bank

Noch hängt recht viel Laub vor der Bibliothek. Aber der Boden zeigt, dass diesen Baum eine Zeit des Welkens erwartet, die den Blick freier macht. Die Blätter fallen und werden zum Bodensatz. Die Bank als Symbol der Begegnung wartet bereits auf ihre Besetzer. Aber werden sie auch kommen? Hält man sich an die Meteorologik der menschlichen Lebenswelt, ist es wahrscheinlicher, dass die Bedingungen, die das eine zum Blühen bringen auch das andere ersprießlich werden lassen. Insofern trügt und trübt die Ausschließlichkeitsperspektive der Entwicklungsrethorik eventuell. Und wir brauchen beides: Das Social Network nah der Wurzelwerke des Baums der Erkenntnis und sein schattenspendendes Dach über der Plauderzone. Am besten in linder Frühlingsluft.

(more…)

Advertisements

Die Dinge in Kybernesien. Marc Schweskas aktueller Wissenschaftsroman weiß auch, wie es in Berliner Bibliotheken zuging.

Posted in Die Bibliothek in der Literatur, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 1. August 2011

Von Ben Kaden

I

In einem heute etwas wunderlich schimmernden und erstaunlicherweise auf außergewöhnlich alterungsbeständigem Papier gedruckten Handbuch in A4 mit dem Titel „Arbeitsgestaltung. Psychophysiologische Probleme bei Überwachungs- und Steuerungstätigkeiten“ aus dem Jahr 1970 liest man auf Seite 12:

„In der Tat gibt es eine Reihe äußerer Ähnlichkeiten im Prozeß der wissenschaftlich-technischen Revolution in Kapitalismus und Sozialismus. In dem Maße, wie sich die Produktionsinstrumente als Kennzeichen der industriellen Revolution gleichen, werden beispielsweise Resultate und zum Teil auch Themenstellungen bei der Untersuchung menschlicher Arbeitsleistungen unabhängig von der Gesellschaftsordnung, zumal die Anforderungsverlagerungen, bedingt durch die veränderte Stellung des Menschen im Produktionsprozeß, im sozialistischen und kapitalistischen System ähnlich sind.“

Man merkt dem Kapitel 1.1.1. Zur bürgerlichen Technikphilosophie und den folgenden Abschnitten deutlich an, wie schwer sich die Autoren Jochen Neumann und Klaus-Peter Timpe in ihrem kleinen Manifest der angewandten Regelungstechnik dabei taten, a) die Klassenproblematik überhaupt in diesem Zusammenhang zu entfalten und b) zugleich die Überlegenheit des Sozialismus herauszustreichen. Zu vertraut waren Fortschrittsoptimismus und Automatisierungsbegeisterung in beiden Systemräumen und was den Stand des Wissens anging, bewegte man sich in diesem Bereich der technischen Metareflexion noch auf relativ ähnlichem Niveau. Entsprechend hilflos wirkt dann der obligatorische Hinweis:

„Analogien im wissenschaftlich-technischen Bereich führen nicht notwendig zu Konvergenzen im ideologischen Bereich. […] Vorhandene Ähnlichkeiten, die in bestimmten Bereichen sicherlich gegeben sind, führen nur zu Schnittpunkten, nicht zu Asymptoten im ideologischen und sozialen Bereich.“ (S. 13)

Man hat fast vor Augen, wie das Autorenduo in einer langen Nachtschicht unter dem gnadenlosen Neonröhrenlicht eines Büros im Institut für Psychologie der Humboldt-Universität an diesen technikphilosophischen Problemkapitelchen herum schraubte, um den klaren ingenieurpsychologischen Resultaten und Ableitungen zur Arbeitsplatzergonomie aus den Untersuchungen der Arbeitsgruppe um Professor Friedhart Klix das erforderliche ideologische Beiwerk anzufügen. Und wie es schließlich glücklich auf einen ausgeschnittenen und erst vergessenen Artikel aus der Ausgabe des kulturpolitischen Wochenblatts Sonntag vom 22.09.1968 stieß, der die Gegensätzlichkeit Sozialistische Dynamik wider Konvergenz zweckdienlich zitierbar ausrollte. (more…)

Es geht ums Gleichgewicht. Wie man das Verhältnis von Bibliothekswissenschaft und -praxis 1863 sah.

Posted in Sonstiges by Ben on 28. Juni 2011

Leider zu spät, um sie noch mit der Diskurs-Drehscheibe zur Bibliothekswissenschaft rotieren zu lassen, stieß ich auf eine vergleichsweise frühe Aussage zum Verhältnis von Theorie zu Praxis in der Bibliothekswissenschaft: In der Rundumschrift Theorie und Praxis der Bibliothekswissenschaft von Johann Georg Seizinger die der Verlag von Louis Ehlermann 1863 in Dresden publizierte, findet sich auf den Seiten 7-9 eine Art Metabetrachtung zum Verhältnis von Theorie und Praxis in der Disziplin. (more…)

Was erwarten Sie vom Bibliothekartag 2011? – Teil 1

Posted in Hinweise, LIBREAS aktuell by libreas on 9. Mai 2011
Berlin mit Fernsehturm Fast 300 Referenten werden den 100. Deutschen Bibliothekartagbereichern.Wir wollten wissen, warum diese sich für Ihr Themenfeld, das sie referieren, engagieren und was die Referenten von der Tagung erwarten.In den nächsten Wochen, es sind nur noch 5 Wochen, werden wir im Blog die Antworten der uns zurück geschriebenen Referenten veröffentlichen. – Herzlichen Dank für Ihre Offenheit!(Wer sich an unsere Rundmail erinnert, kann gerne immer noch an uns schreiben oder kommentieren…)

(more…)

Call for Papers LIBREAS #19: Zensur und Ethik

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Call for Papers by libreas on 4. April 2011

[Der Call for Paper im PDF-Format LIBREAS CfP 19 Zensur und Ethik]

Während in den arabischen Staaten Diktaturen versuchen, die demokratischen Revolutionen unter anderem mittels direkter Zensur aufzuhalten – egal, ob mit dem Versuch, ein ganzes Land fast vollständig vom Internet abzuschneiden, wie in den letzten Tagen von Mubaraks Ägypten oder aber durch die Kontrolle des einzigen offiziellen Internetzugangs eines Landes durch eine Firma der Familie des Diktators, wie in Libyen – steht Deutschland im 21. Jahrhundert in Sachen Presse- und Meinungsfreiheit sehr gut da. Das mag in Bezug auf die deutsche Geschichte, aber auch angesichts politischer Auseinandersetzungen der letzten Jahre, vielleicht überraschen.

Dennoch: die Grenzen des Erlaubten sind weit geworden, Rückschläge der Meinungsfreiheit werden offen skandalisiert. Ist da Zensur überhaupt ein Thema für Bibliotheken? Wir behaupten ja. Und das nicht nur im internationalen und historischen Kontext. Denn in einer Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit ein tatsächlich vorhandenes Gut geworden ist, werden subtilere Formen der Zensur thematisierbar. (more…)

Das Urheberrecht und die Bibliotheken aus MdB-Perspektive, als Podcast

Posted in LIBREAS.Audio by Ben on 10. März 2008

Die Bibliotheken spielen eine außerordentlich wichtige Rolle und ich bin mir sicher, sie werden auch zunehmend eine wichtige Rolle spielen – sicherlich unter veränderten Bedingungen.

Meint der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss (SPD), den unsere Podcasterinnen Maxi Kindling und Sandra Lechelt jüngst für ein Audio-Interview besuchten. Nachzuhören ist dieses als LIBREAS Podcast No. 6 (hier geht es direkt zur mp3-Datei).

Danowski/Heller: Bibliothek 2.0: Die Zukunft der Bibliothek?

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 23. November 2006

Danowski, Patrick, Heller, Lambert: Bibliothek 2.0: Die Bibliothek der Zukunft?. In: Bibliotheksdienst 11/2006, S. 1256 – 1271

Im E-LIS Archiv als Volltext

Die Besprechung erfolgt auf der Grundlage der Version bei E-LIS.

————————————————————–

Patrick Danowski und Lambert Heller sind Vertreter einer „neuen“, web2.0-affinen Generation von Bibliothekaren und begeistert von den Entwicklungen im Bereich der Sozialen Software und deren Auswirkungen auf das Bibliothekswesen. Das merkt man ihrem groß angekündigten und viel gelobten (hier oder hier) Beitrag für den Bibliotheksdienst, der vorab schon bei E-Lis abrufbar ist auch an. Der Text ist rein affirmativ – kritische Aspekte von Web und Bibliothek 2.0 und mögliche Folgewirkungen finden sich leider nicht betrachtet. Das ist insofern schade, da sich eine (sachliche) kritischere Auseinandersetzung mit dem Phänomen Bibliothek 2.0 bisher kaum findet. (more…)