LIBREAS.Library Ideas

Die Bibliothek als Idee in Freiburg – Impressionen zu einer UB im Probebetrieb

Posted in LIBREAS on tour, LIBREAS Veranstaltungen by Matti Stöhr on 11. August 2015

von Matti Stöhr

In einem Monat, am 12. September, findet das Jubiläumssymposium von LIBREAS im und in enger Kooperation mit dem ICI Berlin statt.  Mehr Infos zum Programm und zur Anmeldung gibt es unter http://www.libreas-verein.eu/l10.

Passend zum Motto der Veranstaltung „Die Bibliothek als Idee“: In Freiburg ist gegenwärtig – bis zum Herbst – der Neubau der Universitätsbibliothek im Probebetrieb geöffnet – vgl. dazu auch den offiziellen Newspost mit Impressionen, Flyer, Factsheet und Pressemitteilung. Die UB der Albert-Ludwigs-Universität offenbart damit ihre Idee bzw. ihr Konzept der modernen (wissenschaftlichen) Bibliothek. Sowohl baulich als auch servicebezogen, was nicht von ungefähr ineinander greift, sehr interessant und bemerkenswert, sicher auch diskutabel.

So ist die Bibliothek 24/7 für Insttutionsangehörige zugänglich. Für Externe gibt es Einschränkungen, insbesondere unter dem Verweis zur Rücksichtnahme auf Studierende. So wollte ich die Bibliothek bereits am vergangenen Sonntag bei meinem Besuch in Freiburg besichtigen, durfte jedoch erst am gestrigen Montag hinein. Beeindruckend ist in jedem Fall die gleichermaßen großzügig angelegte Aufteilung und Ausstattung von „leisem“ Arbeitsraum (Lesesaal) und „lautem“ Arbeitsraum (Parlatorium). Hier unkommentiert ein paar schnappschussartige Eindrücke:

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Übrigens: Der SWR war beim Start des Probebetriebs am 22. Juli mit einem Kamerateam dabei und würdigt das Ereignis in einem Beitrag der Landesschau aktuell.

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Die Dinge in Kybernesien. Marc Schweskas aktueller Wissenschaftsroman weiß auch, wie es in Berliner Bibliotheken zuging.

Posted in Die Bibliothek in der Literatur, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 1. August 2011

Von Ben Kaden

I

In einem heute etwas wunderlich schimmernden und erstaunlicherweise auf außergewöhnlich alterungsbeständigem Papier gedruckten Handbuch in A4 mit dem Titel „Arbeitsgestaltung. Psychophysiologische Probleme bei Überwachungs- und Steuerungstätigkeiten“ aus dem Jahr 1970 liest man auf Seite 12:

„In der Tat gibt es eine Reihe äußerer Ähnlichkeiten im Prozeß der wissenschaftlich-technischen Revolution in Kapitalismus und Sozialismus. In dem Maße, wie sich die Produktionsinstrumente als Kennzeichen der industriellen Revolution gleichen, werden beispielsweise Resultate und zum Teil auch Themenstellungen bei der Untersuchung menschlicher Arbeitsleistungen unabhängig von der Gesellschaftsordnung, zumal die Anforderungsverlagerungen, bedingt durch die veränderte Stellung des Menschen im Produktionsprozeß, im sozialistischen und kapitalistischen System ähnlich sind.“

Man merkt dem Kapitel 1.1.1. Zur bürgerlichen Technikphilosophie und den folgenden Abschnitten deutlich an, wie schwer sich die Autoren Jochen Neumann und Klaus-Peter Timpe in ihrem kleinen Manifest der angewandten Regelungstechnik dabei taten, a) die Klassenproblematik überhaupt in diesem Zusammenhang zu entfalten und b) zugleich die Überlegenheit des Sozialismus herauszustreichen. Zu vertraut waren Fortschrittsoptimismus und Automatisierungsbegeisterung in beiden Systemräumen und was den Stand des Wissens anging, bewegte man sich in diesem Bereich der technischen Metareflexion noch auf relativ ähnlichem Niveau. Entsprechend hilflos wirkt dann der obligatorische Hinweis:

„Analogien im wissenschaftlich-technischen Bereich führen nicht notwendig zu Konvergenzen im ideologischen Bereich. […] Vorhandene Ähnlichkeiten, die in bestimmten Bereichen sicherlich gegeben sind, führen nur zu Schnittpunkten, nicht zu Asymptoten im ideologischen und sozialen Bereich.“ (S. 13)

Man hat fast vor Augen, wie das Autorenduo in einer langen Nachtschicht unter dem gnadenlosen Neonröhrenlicht eines Büros im Institut für Psychologie der Humboldt-Universität an diesen technikphilosophischen Problemkapitelchen herum schraubte, um den klaren ingenieurpsychologischen Resultaten und Ableitungen zur Arbeitsplatzergonomie aus den Untersuchungen der Arbeitsgruppe um Professor Friedhart Klix das erforderliche ideologische Beiwerk anzufügen. Und wie es schließlich glücklich auf einen ausgeschnittenen und erst vergessenen Artikel aus der Ausgabe des kulturpolitischen Wochenblatts Sonntag vom 22.09.1968 stieß, der die Gegensätzlichkeit Sozialistische Dynamik wider Konvergenz zweckdienlich zitierbar ausrollte. (more…)