LIBREAS.Library Ideas

frei<tag> 2012 und LIBREAS-Sommer School. Einladung zu zwei Veranstaltungen

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Verein by Karsten Schuldt on 20. Mai 2012

Der LIBREAS-Verein freut sich, für den August 2012 zu zwei Veranstaltungen einzuladen. Am 17. August wird in der Fachhochschule Potsdam die Unkonferenz frei<tag>-2012. Stand der Bibliotheks- und Informationswissenschaft stattfinden. (In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Informationswissenschaften, Fachhochschule Potsdam). Am darauf folgenden 18. August wird in der Humbodt Universität zu Berlin die erste Sommer School zu Methden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft veranstaltet. Zudem läd der Verein für diesen Tag zu seiner Jahresversammlung.

Die frei<tag> 2012 soll die Möglichkeit bieten, über die aktuellen Ziele, Trends, Fragen und Entwicklungen der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu diskutieren. Grundsätzlich bewegt sich unsere Wissenschaft weiterhin zwischen unterschiedlichen Disziplinen, zwischen einem theoretischen Anspruch und einer sehr praxisnahen Forschung, zwischen sehr auf die Ausbildung von Informationsspezialistinnen und -spezialisten ausgerichtete Einrichtungen, einer Forschung in größeren Bibliotheken, Archiven und Dokumentationseinrichtungen sowie einer an Einrichtungen und ausserhalb dieser betriebenen theorieorientierten Forschung. Gleichzeitig ist unbestritten, dass sich der Disziplin rasant neue Aufgaben, Fragen und Felder stellen. Wir wollen auf der Unkonferenz einen Raum schaffen, darüber zu diskutieren, in welche Richtung sich die Bibliotheks- und Informationswissenschaft bewegt, in welche sie sich bewegen sollte und was sie bislang daran hindert. Zugleich soll die Unkonferenz ein Treffen von Praktikerinnen und Praktikern der Wissenschaft darstellen, als auch einem Raum zum Entwerfen einer Zukunft der Disziplin.
Die frei<tag> 2012 ist als Unkonferenz organisiert. Dies bedeutet, dass alle Teilnehmenden als Expertinnen und Experten angesehen werden, die etwas zur Veranstaltung beitragen können und sollen. Über das genaue Programm wird zu Beginn der Veranstaltung gemeinsam abgestimmt. Alle sind eingeladen, Vorschläge für Workshops – keine reinen Präsentationen oder Vorträge – einzubringen.
Veranstaltungsort der frei<tag> 2012 ist die Fachhochschule Potsdam (Friedrich-Ebert-Straße 4, Potsdam). Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr und endet ab 18 Uhr mit einem Social Event.

Die LIBREAS Sommer School soll dazu beitragen, die Praxis der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu verbreitern und die Kommunikation im Feld zu unterstützen. Angeboten werden Workshops zur Publikation und Forschungsgestaltung, die vor allem an Studierende und angehende Praktikerinnen und Praktikern im gesamten Feld der praktischen Informationsarbeit sowie der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Forschung gerichtet sind. Veranstaltungsort ist das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (Dorotheenstraße 26, Berlin). Die Workshops finden ab 11.30 Uhr statt.

Am gleichen Ort wird von 15-18 Uhr die Jahresversammlung des LIBREAS. Verein zur Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Forschung stattfinden.

Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenlos. Spenden für diese oder die weitere Arbeit des LIBREAS-Vereins sind willkommen. Weiter Informationen zu den Veranstaltungen werden auf https://libreas.wordpress.com und http://www.libreas-verein.eu publiziert.

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 6 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by libreas on 4. Juni 2011

„I wasn’t going to read the blog. So much writing out there in the world and who wants to read it? Not me.” – Rivka Galchen. (The Entire Northern Side was Coverered with Fire. In: Treisman, Deborah (2010) 20 under 40. Stories from the New Yorker. New York : Farrar, Straus and Giroux. S. 170)

Sechs Tage vor dem frei<tag> ist Berlin ein kleiner verschwitzter Brutofen namens Sommer. Wer abends an die Warschauer Straße gespült wird, ins dortige Menschenmeer einsinkt und sich von den Hundertschaften voll Erlebnishunger bis nach Kreuzberg hinunter und dann wieder bis zum Frankfurter Tor hinauf tragen lässt, der weiß, wo der Mythos Berlin seine Wurzeln hat. Wenn man dort hinein gerät, fühlt man sich durchaus gern mal, als würde man in einem Funkviertel-Track versinken. Und zwar diesem hier: http://www.youtube.com/watch?v=ezqkplWpcn4 Man darf es natürlich auch anders sehen/leben.

In jedem Fall lebt man hier musterhaft im Moment, rutscht über bierlachende Oberflächen und hat die ganze Romantik, die sich ergibt, wenn die rote Sonne hinterm Hauptbahnhof im Häusermeer versinkt, zwar nicht exklusiv, aber dafür in einer Ballung, die man sonst in Deutschland in solcher Zuspitzung kaum entdecken dürfte. Ein Stück weiter im Durchgang der Oberbaumbrücke finden die Konzerte statt, die keinen Eintritt kosten und wenn man ausgerüstet genug ist, dann hat man das Gefühl, dass dieser Sommer vielleicht irgendwann endet. Aber bestimmt nicht an den Freitag-Samstag-Sonntag-Morgenden, die ein unbestimmbares Morgen fast ununterscheidbar mit einem gefühlt ewigen Heute verfugen. Erst später wird man gemerkt haben, was sich in diesen hitzigen Lebensspannen in einen einschreibt.

Aber es gibt auch abweichende Gegenwarten und wenn man dem Momentum der rauschhaften Friedrichshainern überdrüssig ist und der Slalom auf dem Fahrrad zwischen den zerschlagenen Bierflaschen auf den speckigen Radwegen der Warschauer Brücke eine handfeste Anbindung an die Realität wiederherstellt, dann freut man sich möglicherweise stärker an solchen Facetten dieser Jahreszeit: Brandenburg ist mohnrot eingefärbt und so langsam explodieren die Kornblumen dazwischen, die das endlose Himmelblau in winzigen Spiegelscherben auf die unendlichen Felder zu legen scheinen. Die Hitze spannt eine wundervolle Ruhe über die Oderbrüche und Havelländereien. Die treibenden Basslinien werden mit dem leichtfüßigen Spiel der im saftgrünen Laubwerk verborgenen Singvögel ersetzt. Statt eines scharf bremsenden Taxis hört man einen Erpel auf dem Wasser niedergehen. Statt eines Easy-Jets zieht ein Storchenpaar seine Bahn über den Himmel. Alles scheint sanft und mild gesättigt zu sein.

Eine Bucht an einem See, ein paar Schäfchenwolken zum Formenraten und die durchaus erträgliche Leichtigkeit des Erfrischtseins nach vollen Schwimmzügen transportiert die Betroffenen in eine Gegenwärtigkeit, die den Freitagnächten an Intensität nicht viel nachsteht, nur am entgegengesetzten Ende der Aufregungsskala ansetzt. Erst später wird man gemerkt haben, was sich in diesen treibenden Lebensspannen in einen einschreibt.

Oder man wählt wie ich die Mitte zwischen diesen Welten, setzt sich in seinen Kirschgarten, liest ein wenig, schaut ein wenig und sinniert ein wenig über das Schöne an einem solchen Samstag im Juni, das keinen (ökonomischen) Zweck hat und die Gesellschaft, die einen Zweck fordert und wie diese Wochenenden und Sommerfeiertage die Zweckfreiheit in den Zeitraum unserer Aktivitäten integrieren.

Interessanterweise erscheint die heutige Lage im Vergleich zur Konfliktlinie zwischen der Ranevskaja und Lopachin weitaus unübersichtlicher und mitunter geradezu invertiert: das Überkommene ist heute scheinbar das aufbrechende, sozial Gestaltende mit höheren Zwecken. Wir sind längst im Nach-Lopachin‘schen Zeitalter, die Komödie ist ausgespielt, jede große Idee längst lächerlich und Trofimov lebt mit seiner Anja vermutlich am Boxhagener Platz. Manchmal liegen nun beide im Treptower Park und träumen sich wehmütig vor (oder twittern sich @zu), wie schön es doch jetzt sein könnte, hätte man den Garten behalten. Dann reißt sie der Pfandsammler aus ihrem Driften und fragt, ob er die leeren Pilsner-Flaschen mitnehmen kann. Klar. Ist aber Export.

Und dann sind wir doch wieder genau in den alten Mustern, nur lebt die gentrifizierende Neue Ökonomie gerade auf der Basis des Ornamentes, des Nutzlosen und zwar dadurch, dass sie ihm ein Preisschild um den Hals hängt. Lopachin dagegen hat sich mittlerweile lieber den Wandlitz-See gekauft, aber die Ferienhäuschen laufen nicht so gut, denn die Brandenburger Provinz ist so reich an Landschaft wie arm an Gästen. Denen, die anfragen, steht am Ende eventuell der Sinn gerade nach Kirschen. Statt vom Aufbruch ins Neue ist die Zeit geprägt von einer Gegenwart des Alles, jetzt. Das macht sie zur Postmoderne. Das macht die wochenendliche Warschauer Straße zu einem zeitlosen Must-Have, wenigstens in der Wahrnehmung der Besucher.

Der postmoderne Kapitalismus hat es ziemlich schwer, weil er nicht zielgerichtet auf eine Wohlstandszukunft hinarbeiten kann, sondern just-in-time die Unmittelbarbedürfnisse der Wohlstandsgegenwart zwischen LinkedIn und Groupon zugleich gestalten und bedienen muss. Alles zugleich hipp-verknüpft und gemeinsam-günstig. Sich darin auszutarieren ist ein aufregendes Spiel, das schnell zum Schild „Neue Bewirtschaftung“ in den Glücksritter-Lokalen der Berliner Trendbezirke führt.

Der aktuelle Kirschgarten – das Ornamentale und Überkommene – in der Berliner Mitte ist übrigens derzeit das sterbende Tacheles und wären wir vom Theaterfach, würden wir dieses besondere immobile Filetstück vielleicht in eine zeitkritische Aktualisierung von Tschechows Vierakter aufbraten. Wir sind allerdings Bibliothekswissenschaftler und finden uns passenderweise in der vertrackten Situation, dass die von uns fokussierte Institution der Bibliothek in bestimmten Diskursen das Schicksal des Kirschgartens der Ljuba Ranevskaja zu teilen scheint: Ein schöner, aber unbezahlbarer Luxus, der obendrein in der heutigen Zeit (welche auch immer das sein kann) überflüssig ist. Wie damit umgehen? Wir können es am nächsten Freitag besprechen.

Sechs Tage

Der Morgen kommt nie? Nun ja, Gott schuf, so sagt man, die Erde in sechs Tagen. Dass Mensch, wenn es blöd läuft, seine Welt im gleichen Zeitraum zu verwüsten angehen könnte, erzählt uns eingängig wie wenige politische Popmusikstücke DJ Shadows Hitsingle Six Days aus dem Jahr 2002. Dem Künstler gelang es mit diesem schönen Stück Musik leichter Hand die nahezu vergessene Band Colonel Bagshot (Vocal-Sample) und zugleich Danielle Graham (Video-Blickfang) in unserem kollektiven Popgedächtnis fest zu verzurren. Nehmen wir nun die Refrain-Zeile "Tomorrow never comes until it's too late", dann begreifen wir sie als nichts Geringeres als als Ansporn für eine tatkräftige Entgegnung. Die findet am 10.06. in der Unkonferenz ihre Vergegenwärtigung, die nicht zu spät kommt, sondern genau im rechten Augenblick. Und ich esse bis dahin meine ersten sechs Kirschen des Jahres.

Das Video zu DJ Shadows Six Days und wenigstens titelhaft zum heutigen Countdown-Marker passend hat der nicht unbekannte Wong Kar-wai verfertigt und Universal Music Deutschland, die mit ihrem Musikhauptquartier am Spreeufer wie gerufen die Wäscheleine direkt zur eingangs beschriebenen Szenerie spannt, hat das loftige, eifersuchtsgeladene Kunstfilmchen auf Dailymotion ins Web gestellt.

(bk)

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 26 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 15. Mai 2011

Die Lage des Lichts, die gerade in der frühen Abendstunde die Berliner Georgenstraße prägt, ist geeignet, jeden Stimmungsfotografen in einer Andachtsstellung zu beugen: Die versinkende Sonne spiegelt das berühmte Goldkreuz in die Diskokugel des Fernsehturms, hinter dem sich der Nordosthimmel in einem Farbton gleich dem Ziffernblatt der Einheits-NOMOS Typ Pasewalk ausstreckt und aus einem leichten milderen grauen Band über der Friedrichstraße schütten ein paar schnelle Eimer einen eher kalten Frühlingsregen auf die wenigen Passanten, so dass der Fahrer des Volvo-Cabrios ganz nachvollziehbar und in Ermangelung hupender Hinterleute noch eine Ampelphase länger unter der Stadtbahnbrücke verweilt und sein Verdeck schließt. (more…)

It’s the frei<tag> Countdown. Noch 30 Tage.

„Im Hintergrunde erhebt sich die Kaserne, rechts das Gefängnis und links das Spital. Ist dies nicht wirklich ganz der Platz, welchen der Mann selbst gewählt haben würde, er, der mit solchem Muthe und so viel Geschick die alte Zivilisation gegen die Barbarei der Neuerer vertheidigte?“ – Édouard René Lefebvre de Laboulaye: Prinz Pudel. Heidelberg: Carl Winters Universitätsbuchhandlung, 1868. S. 280

Zugegeben: Auf der Freshness-Skala selbst einer noch so printaffinen Hipster-Kultur muss es jedes Buch mit dem Namen „Prinz Pudel“ einfach nur schwer haben, auch wenn die Popper’resken (gemeint ist die Jugendkultur der 1980er und nicht etwa der Erkenntnistheoretiker) Frisuren mancher Vertreter dieser Gruppe doch oft sehr an Scheren und Trimmen erinnern.

Aber nicht jeder, der die Haare wie ein Barbet trägt, fühlt sich von der Assoziation mit Laboulayes Prinz Hyazinth zu Tulipanen, König der Mückenschnapper auch wirklich geschmeichelt.

Was ein Fehler ist, denn wer die politische Humoreske kennt, weiß, wohin der kluge Jungaristokrat sein Volk führt: zur Verfassungsurkunde von Liberia. Und so wie ein ehemaliger Präsident des realen Liberias zwar Charles Taylor heißt, jedoch nichts mit dem gleichnamigen kanadischen Meisterdenker des Kommunitarismus zu tun hat (wobei letzterer an Laboulayes Buch ein gewisses Vergnügen empfinden würde und ersterer sicher ein oder zwei der geschilderten dystopische Grundzüge in seine Herrschaftszeiten legte) so entspricht dieses Liberia bestenfalls dem 1847 intendierten (und damals schon fragwürdigen), aber nicht dem realen des frühen 21. Jahrhunderts.

Die Vereinigten Staaten waren, so Tocqueville, dereinst das Maß der freiheitlichen Dinge, was Laboulaye in seinem Pudelbuch im Kapitel zur Laterna magica zu der zukunftsweisen These veranlasste:

„Im Grunde war sie nichts anderes als die vierzigste Auflage der Verfassung der Vereinigten Staaten, welche die Runde in der neuen Welt macht und eines Tages wohl auch zu den Chinesen hinüberkommen kann.“ (S. 271)

Die Betonung liegt auf der Möglichkeitsform und im heutigen Peking geht man vermutlich nach wie vor davon aus, dass dieser eine Tag dem berühmten Heiligen Nimmerlein gewidmet sein wird.

Woran es schließlich lag, dass die politische Satire des geistigen Vaters der Freiheitsstatue, die wirklich wenig mit Hundeliebe zu tun hat, über die kleine Auflage in dem Heidelberger Universitätsverlag nicht hinauskam, weiß nur der damalige Buchmarkt allein. Und heute dürften die Annales Mückenschnapperorum selbst im Longtailvertrieb ihr Stammpublikum bestenfalls an der hintersten Haarspitze der Pudelquaste finden.

Es war genau genommen auch eher ein drolliger Zufall dieses Mittwochs, der eine Wanderung über den Berliner Bebelplatz mit dem Eingangszitat zusammenführte und sich in einem Illustrationstext zur zweiten Countdown-Fotografie des frei<tag>s unterhaken ließ. Denn natürlich haben die Standbild-Errichtungsphantasien der Bürger zu Dummburg, die den erzreaktionären Baron und Polizeistaatsmeister Gerhard von Weinerlich zu ehren trachten (also – Achtung Western-Fans! – bestenfalls eine Art Statue of Liberty Valance aufzustellen planen), eigentlich keinen Platz auf einem Platz von dem sich sagen ließe: „Im Hintergrunde erhebt sich die Sankt-Hedwigs-Kathedrale, rechts die Staatsoper und links die Alte Bibliothek.“ Nur sieht der Flaneur aktuell vor allem Bauplätze. Und Menschen, vorwiegend mit touristischen Ambitionen, im Gespräch.

Bemüht man sich nun wirklich, gelingt es sogar den Halbkreis zwischen Prinz Pudel, dem Stadtplatz gegenüber der Humboldt-Universität und unserer Unkonferenz mit zugegeben größerem Biegeaufwand zusammenzuführen. Denn im Vierten Kapitel des Buches berät die Regierung der Mückenschnapper über einen neuen Gesetzentwurf, die Zeitungs- und Bücherpolizei betreffend. Was bereits in der Überschrift polizeilich-totalitär anklingt, bestätigt in Artikel 4 des Gesetzes die finstersten, frühorwellianischen Erwartungen:

„Es wird unter der direkten Leitung der Regierung eine „officielle Bibliothek“ errichtet, welche alle Meisterwerke des menschlichen Geistes in einer sorgfältigst revidierten, corrigierten und expurgierten Ausgabe enthalten wird. Nur diese Ausgabe wird zum Umlaufe im Reiche zugelassen; alle früheren werden, bei Geld- und Confiskationsstrafe, innerhalb eines Jahres über die Grenze geschafft und dort vernichtet.“ (S. 42)

Wer mit dem Verb expurgieren seine Verständnisprobleme hat, sei an dieser Stelle an den LIBREAS Call for Papers #19 erinnert. Und auf dieses Dokument der ALA verwiesen.

freitag Bebelplatz

Unkonferenz ist überall. Auch wenn der Herr mit der laufmaschigen Feinstrumpfhose, der vor dem Bauzaun der Staatsoper eine Reihe von Büchern auslegt und damit einen eigenwilligen Kontrapunkt zu dem nur wenige Meter befindlichen Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 markiert, gemeinhin andere Dinge als den Freiheitsbegriff des Édouard Laboulaye auseinandersetzt, so lebt er ihn doch auf seine Art.

Wer übrigens selber Karten wie die gezeigte bekommen und verteilen möchte, der bekommt auch welche. Eine E-Mail an die LIBREAS-Redaktion mit Postanschrift und dem Betreff freitag-Flyer sollte genügen. Jedenfalls solange der Vorrat reicht.

(bk)

Gegendsätzlich: Der Mensch, die Technik und der Bibliothekartag 100 in Berlin 44

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS on tour by Ben on 23. Januar 2011

Die Technik

„Ein wichtiges Motiv […] ist […] die Suche nach dem perfekten ersten Satz – eine Obsession im Boulevardjournalismus, wo die Leser wenig Zeit haben und der Text eines Artikels mit Schlagzeilen und bunten Bildern von nackter Haut konkurriert. Es ist aber auch eine philosophische Suche, der Wunsch, sich einen Reim zu machen, der leitet und schützt.“

So steht es in einer Buchbesprechung im gestrigen Feuilleton der FAZ (Nils Minkmar: Vom tastenden Leben zwischen dem ersten und dem letzten Satz, S. 32). Und so steht es hier als erster Satz – was einen Reim ergibt, der leider nichts leitet und schützt. Aber durchaus einen Sinn.

Da LIBREAS bisweilen als bibliothekarisches Feuilleton wahrgenommen wird, ist uns nämlich geraten, gelegentlich selbst in ein Feuilleton hinein zu blättern. Zum Beispiel in das der Tagespresse vom Samstag. Das sich dann wieder mit unserem Blog trifft.

Nimmt man die Kriterien „wenig Zeit“,„Schlagzeilen“, „bunte Bilder“, „nackte Haut“, dann ist das Internet an sich ein Boulevard. Dass „Boulevard“ seinen Ursprung im Bollwerk hat, passt nur noch besser ins Bild, denn die postmoderne Verteidigung liegt gerade in der Diffusion und nicht in der Ballung. Und es passt zum Phänomen der Digitalität.

Mercedes Bunz verrät uns, und hier liegt der aktuelle Treffpunkt, ebenfalls in der FAZ (und zwar im Bereich Bilder und Zeiten) ausführlich in einem flotten Programmartikel („Das Denken und die Digitalisierung“, S. Z1f.), dass die Digitalisierung […] im Gegenzug zur Industrialisierung“ nichts bündelt und normiert, sondern ihre techné, also die ihr innewohnende Logik über Leitbegriffe wie „update“ und „disruption“, d.h. Entwicklungsprozess und Unterbrechung, beschreibbar wird und fragt im Anschluss: „Warum sollte man nur Menschen fordern und fördern und nicht auch Maschinen?“ (more…)

Bibliothek 2.0, auf dem Bibcamp 2008

Posted in LIBREAS Veranstaltungen by Ben on 13. April 2008

Neulich erreichte uns eine E-Mail mit der Bitte, den Pressetext zum Bibcamp 2008: „Bibliothek 2.0 – Von der Theorie zur Praxis“ zu veröffentlichen. Da die aktuelle Ausgabe von LIBREAS leider bereits online ist, holen wir dies hier sehr gern nach:

Unter dem Motto „Bibliothek 2.0 – Von der Theorie zur Praxis“ findet am 16. und 17. Mai 2008 mit dem Bibcamp die erste bibliothekarische Unkonferenz (Barcamp) im deutschsprachigen Raum statt.
Das Bibcamp wendet sich an eine interessierte bibliothekarische Öffentlichkeit, die bereits seit einiger Zeit unter dem Schlagwort „Bibliothek 2.0“ über die Möglichkeiten des Web 2.0 für die Bibliotheken der Zukunft diskutiert.
Ziel des Bibcamps ist es, InnovatorInnen aus dem bibliothekarischen Umfeld zusammenzubringen und gemeinsam über Fragen des Einsatzes sozialer Software, über partizipative und kollaborative Erstellung und Nutzung von Inhalten sowie grundsätzlich über die Folgen eines sich wandelnden gesellschaftlichen Informationsverhaltens nachzudenken.
Analog zu neuen Partizipations- und Interaktionsformen im Internet bietet das Konzept einer Unkonferenz die Möglichkeit, neue Formen des fachlichen Diskurses zu erproben und die Distanz zwischen Podium und Auditorium zu überwinden.
Beim Bibcamp gibt es – anders als bei klassischen Konferenzen – kein im Vorfeld feststehendes Programm und keine eingeladenen ReferentInnen. Mit dem Bibcamp soll eine offene Atmosphäre geschaffen werden, in der ExpertInnen und Interessierte sich gleichberechtigt miteinander austauschen und voneinander lernen können. Alle Teilnehmenden sind aufgerufen, sich mit eigenen Themen und in Diskussionen aktiv einzubringen.
Das Programm konstituiert sich im Verlauf der Veranstaltung durch intensiven Austausch und auf Basis der Interessen der Teilnehmenden.
Das Bibcamp wird in Kooperation mit dem Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam und dem Institut für Bibliothekswissenschaften der HU Berlin veranstaltet. Eine Anmeldung ist im Bibcamp-Wiki unter /www.bibcamp.de möglich, wo auch vorab Themenvorschläge eingetragen werden können.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Für Nachfragen und weitere Informationsmaterialien ist das Organisationsteam unter orga@bibcamp.de erreichbar.