LIBREAS.Library Ideas

Das ist ja peinlich: Online Marketing in Blogs

Posted in Hinweise by Karsten Schuldt on 22. März 2016

Karsten Schuldt

Also, mir ist schon klar, dass es Marketing-Firmen gibt und das „originäres“ Marketing mit Bannern und Anzeigen nicht das bringt, was sich die Firmen, die Marketing betreiben, so wünschen. Menschen kaufen halt nicht alles, nur weil es eine Anzeige gibt. Zum Glück.

Mir war auch klar, dass deswegen einige – bestimmt nicht alle – Agenturen versuchen, sich virales Marketing zu kaufen. Halt keine Anzeige, sondern irgendwer mit Street Cred, die oder der ein Produkt „gut“ findet und das auf der jeweils eigenen Plattform verkündet. Ich würde argumentieren, dass die Street Cred spätestens weg ist, wenn sowas rauskommt – aber gleichzeitig verkaufen sich Dr. Dre-Kopfhören immer noch. Insoweit: Vielleicht ist meine Wahrnehmung auch falsch.

Trotzdem: Wir sind hier im Bibliothekswesen und der Akademie, da gibt es keine wirklichen Stars. Insoweit wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, solche Marketing-Ideen würden mal in irgendeinem Postfach landen, dass zu mir führt. Aber siehe da: Doch. Landen sie. Wegen der LIBREAS kam letzte Woche eine solche Mail, garantiert als Massenmail geschickt. Aber ich finde, nicht nur ich sollte den „Spass“ haben, die zu lesen. Warum sollte der Rest der Leserinnen und Leser nicht wissen, was da so in Postfächern ankommt. (Die Mail ist anonymisiert, aber echt. Es geht nicht darum, jemand vorzuführen, sondern zu zeigen, was da für Mails eintreffen. Da wird Leuten also vorgeschlagen, dass sie ihre Glaubwürdigkeit für „Aufwandsentschädigung“, die „natürlich“ bezahlt wird, herzugeben, nur um irgendein Produkt anzupreisen. Weil es anders wohl nicht mehr geht. Ich finds peinlich, aber vielleicht stamme ich auch einfach aus einer anderen Zeit und bin unmodern. [Und kann es mir gerade leisten, nicht in Firmen zu arbeiten, die solche Mails verschicken. Zugegebenermassen.] Trotzdem hoffe ich, dass so ein Unsinn bald untergeht. Insbesondere finde ich es verwerflich, dass versucht wird, sowas als „confidential“ hinzustellen. Wenn eine Agentur bei einer Zeitschrift anfragt, ob sie Anzeigen schalten kann [noch ohne Ansage, für wen oder für wieviel Geld], würde das doch auch nicht confidential sein.)

Betreff: Zusammenarbeit mit libreas.eu

Von: […]

Guten Tag,

mein Name ist […] und ich wollte mich bei Ihnen erkundigen, ob Sie auf Ihrer Seite libreas.eu auch Gastbeiträge annehmen? Ich arbeite für eine digitale Marketing Agentur und wir sind stets auf der Suche nach Partnern. Ihre Seite ist mir ins Auge gefallen und ich kann mir eine Kooperation gut vorstellen.

Es handelt sich um einen Artikel mit Link zu unserem Kunden, der von einem unserer vielen Autoren individuell für Ihre Seite verfasst wird, sodass er zum restlichen Inhalt passt und den Lesern einen Mehrwert bietet. Der Link zu unserem Kunden ist dabei vollkommen natürlich in den Text eingebunden.

Natürlich zahlen wir für die Veröffentlichung des Artikel auch eine Aufwandsentschädigung.

Lassen Sie mich wissen, ob Sie interessiert sind, ich sende Ihnen gerne weitere Informationen zu.

Viele Grüße und einen guten Start ins Wochenende

[…]

Digital Outreach Agent

[…]@[…]

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3 Antworten

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  1. Dörte said, on 22. März 2016 at 13:49

    Hi,
    ihr seid erst jetzt interessant geworden?😉 Ich habe 5 bis 6 solche tollen Angebote im Jahr. Nun ja, die gehen auch sofort ohne weitere Aktion in den digitalen Orkus über. Erstaunlich, dass die fast immer den gleichen Text schreiben. Für interessante Kreativität spricht das nicht unbedingt.😀 Und ja, das ist für die Macher peinlich hoch drei!

  2. Jürgen Plieninger said, on 22. März 2016 at 16:59

    Die andere Form gibt es aber auch immer noch: Ein Kommentar, der die Wichtigkeit des Gesagten unterstreicht und die Argumentation noch ein bisschen erweitert und dann der Link zu einer kommerziellen Webseite.

  3. CH said, on 6. April 2016 at 15:57

    Aus dem Infobib-Impressum:

    „Hinweis für SEO- und Webagenturen:
    Auf Infobib findet keine Werbung statt. Ihr Artikel mit tollen Links auf irgendwelche Produkte wird hier garantiert nicht veröffentlicht, liebe PR-Agenturen. Wirklich nicht. Weder gegen “wertvolle Backlinks”, noch gegen Bezahlung. Sparen Sie sich die Mail und uns die Zeit. Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit.“

    Hilft aber nix, es kommen dennoch extrem viele Angebote herein. In manchem Monaten gleich mehrere. Manche haken zigfach nach.

    Edlef hat vermutlich die größte Kollektion an Marketing-Spam in der deutschen Biblioblogosphäre, vermute ich.

    Zum Kommentarspam: Da gibt es – inzwischen nicht mehr ganz so oft – auch Mails, Kommentarspam, der mir vor Jahren durchgerutscht war, doch bitte zu entfernen. Inzwischen bestraft Google solcherlei Verlinkungen nämlich angeblich im Ranking. Wenn es nicht so viel Arbeit machen würde, wäre diese „SEO“-Clique in ihrer ganzen Armseligkeit wirklich unterhaltsam.


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