LIBREAS.Library Ideas

En Vague? Ein Beitrag zur Methodendiskussion in der Bibliothekswissenschaft.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Referate by Ben on 27. Mai 2013

Ein Kommentar von Ben Kaden

Die Frage nach der wissenschaftlichen Methode in der Bibliothekswissenschaft ist in gewisser Weise die Urdebatte des Fachs und wer sich dafür interessiert, findet in der morgigen Ausgabe des Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquiums am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität möglicherweise die Gelegenheit, an der Fortsetzung selbiger teilzuhaben. Vier etablierte Protagonisten des Fachs – Simone Fühles-Ubach, Petra Hauke, Michael Seadle, Konrad Umlauf – präsentieren das Handbuch Methoden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft (Berlin: DeGruyter, Mai 2013, Verlagsseite zum Titel, Inhaltsverzeichnis als PDF). LIBREAS wird sich sicher dem Titel nach Möglichkeit ausführlicher widmen und widmen müssen. Allerdings liegt er uns noch nicht vor.

Verfügbar ist jedoch ein Blogbeitrag des Mitherausgebers Michael Seadle, den dieser zu Beginn des Monats in seinem Weblog Digital+Research=Blog publizierte. Vermutlich nicht ohne Schnittmenge zu seinem Beitrag im erwähnten Handbuch (Entwicklung eines Forschungsdesigns) formuliert er dort eine kleine Handreichung Finding a research question.

Wer seine Veranstaltungen am Institut kennt, weiß, dass für ihn als Bibliothekswissenschaftler völlig zu Recht die Methode und die Forschungsfrage im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit stehen. Besonders gilt dies für Abschlussarbeiten und Promotionen.  Leider tut er dies offensichtlich nicht nur völlig zu Recht, sondern erachtet es auch als völlig zureichend für die wissenschaftliche Arbeit. Er unterscheidet sich damit jedoch in einem zentralen Aspekt wesentlich von dem, was ich für die Wissenschaft Bibliothekswissenschaft als entscheidend erachte.

Zu Beginn seines Blogpostings schreibt Michael Seadle:

„Many students start with a topic that they would like to research. This is natural, but in some ways secondary to the process of scholarly writing.“

Am Ende betont er:

„The topic matters only in so far as data are available and the research method can reasonably apply. Topics are temporary and can change with the seasons. Good research questions grow ultimately out of the intersection of scholarly methods and quality data. „

Beides verweist auf eine erhebliche Reduktion der Rolle von Wissenschaft, die sich einzig nach einer schematischen Durchführbarkeit richtet. Das Thema ist – bestenfalls – nachgeordnet, weitgehend austauschbar und ergibt sich in jedem Fall von selbst.

Steht einmal eine Methode („In graduate school I settled on a set of ethnographic tools, which I have used and reused over the decades.“), dann kann man jeden verfügbaren Datensatz damit durchpflügen. Die Forschungsfrage ergibt sich von selbst und sollte möglichst geradlinig beantwortbar sein:

„The best research questions for a thesis are ones with a straightforward answer. I generally recommend a yes/no question, or one that has a quantitative answer, or one that is a choice among reasonable alternatives. These are not the only possible research questions, but questions involving complex issues about „why“ or even „how“ tend to be beyond the scope and experience of even the cleverest doctoral students. The virtue of  a yes/no type question is that the student can make a clear choice. A thesis with a vague answer is not a contribution to knowledge, while even a very narrowly stated and highly qualified yes/no answer can be a reasonable step forward.“

Man kann dies durchaus als praktikable Lebenshilfe für den herausgeforderten Promovenden verstehen. Es führt aber gerade in einen Zustand, der für mich exakt nicht der Sinn einer wissenschaftlichen Tätigkeit im 21. Jahrhundert sein kann. Nämlich in ein Funktionshandeln, in einen angepassten und schematischen Wissenschaftsvollzug, in dem ein selbstkritisches Hinterfragen genauso wenig verankert ist, wie eine auf übergeordnete Kontexte der gesellschaftlichen Wirkung von Wissenschaft gerichtete Reflexion.

Michael Seadle schreibt selbst und zutreffend:

„Having a method  means absorbing a way of thinking.“

und scheint kein Problem darin zu sehen, dass die absorbierende Anpassung an bestimmte Denkstile (also gerade nicht kritische Elaboration und Anerkennung) die Handlungsweise ist, die zu Ideologisierungen führt. Damit ist – siehe die Frage des „Topics“ oben – nicht einmal an inhaltlichen oder wertspezifischen Aspekten orientierte, sondern eine reine Formalideologie gemeint. Nach meinem Verständnis ist die Aufgabe der Wissenschaft aber gerade der Versuch, jede Form von Ideologisierung, auch die der  Funktionalisierung, und den daraus entstehenden Folgen, zu unterlaufen.

Wissenschaftshandeln ist für mich entsprechend politisches und wertorientiertes Handelns in dem Sinne, dass es nicht nur auf die eigene interne Stimmigkeit und das Funktionieren in diesen geschlossenen der Institute und Fachcommunities begrenzt ist, sondern mit jeder Forschungsfrage auch die Richtungsfrage stellt: Wie wirkt das, was ich erarbeite, auf die Gesellschaft, als deren Teil ich handele und – auch das und nicht nur ökonomisch gesehen – in deren Dienst ich stehe und für die ich, in dem ich die von mir übernommene Rolle des wissenschaftlichen Tätigseins auch Verantwortung trage?

Während Bibliotheken als Institutionen ganz offensichtlich ihre gesellschaftliche Aufgabe ohne Berührungsängste thematisieren, liegt nach meiner Beobachtung die große Schwäche der Bibliotheks- und auch der Informationswissenschaft in Deutschland darin, dass sie zu weit von der sie umgebenden gesellschaftlichen Umwelt entkoppelt, agieren.

Dass man den Studierenden des Faches ihr wissenschaftliches Handeln auf die Ideallinie der Binärmuster verengt (yes/no) und zudem die epistemologisch unhaltbare These präsentiert, dass Vagheit, nicht zu verwechseln mit Beliebigkeit und eher synonym mit Offenheit,  sowie dem Eingeständnis, dass Unschärfe zu komplexen Systemen und ihrer Betrachtung unvermeidlich gehört, keinerlei Belang für die Wissenskultur haben kann, erscheint mir jedenfalls nicht angemessen für eine zeitgemäße Bibliothekswissenschaft. Offen gesagt sogar eher als schädlich.

Allerdings vertraue ich auf die Weltgewandtheit und Intellektualität der Studierenden dieses Faches und darauf, dass sie der wissenschaftlich nicht untypischen Tendenz einer kritischen Opposition zu ihren Lehrern folgen. Das Entscheidende ist dabei sicherlich, wie der Ausbildungsapparat mit seiner systemgemäßen Asymmetrie der Machtverteilung bereit ist, von den Leitlinien – zum Beispiel den Michael Seadle’schen – abweichendes Denken anzuerkennen. Einer dynamischen und lebendigen Disziplin wäre jedenfalls anzuraten, die Außenposten ihres Denkens mindestens genauso zu fördern, wie den linientreuen Forschungsmainstream.

Mir teilte Michael Seadle übrigens einmal für eine Arbeit bei ihm mit, dass es für ihn auch die Derrida’sche Dekonstruktion als Methode akzeptabel wäre. So ganz habe ich mich dereinst trotz des Reizes (glücklicherweise) noch nicht darauf einlassen wollen. Auf eine bestimmte Art scheint mir aber die Dekonstruktion von Selbstverständlichkeiten genau das zu sein, was die Bibliothekswissenschaft als Methode vor dem Hintergrund der Verwandlung ihres Gegenstandes benötigt. Auch wenn am Ende erfahrungsgemäß kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-Auch und ein Nicht-Fisch-nicht-Fleisch und in jedem Fall keine einfache, klar unterscheidbare, in Methodenzwänge formalisierbare Wahrheit stehen wird.

(27.05.2013, @bkaden)

Anmerkung: Namentlich gekennzeichnete Beiträge in diesem Weblog geben ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autoren wieder.

5 Antworten

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  1. klausgraf2001 said, on 27. Mai 2013 at 19:56

    Zur wissenschaftlichen Fragestellung siehe auch http://frueheneuzeit.hypotheses.org/1408

  2. Karsten Schuldt said, on 27. Mai 2013 at 22:35

    Ben, mit dienen Bauchschmerzen bezüglich des kommenden Buches (es Handbuch zu nennen widerstrebt mir bei diesem Verlag mehr und mehr, alles heisst dort Handbuch aber kaum eines scheint ein solches zu sein) sowie des Verständnis von Wissenschaft in den Lehr- und Forschungseinrichtungen der Bibliotheks- und Informationswissenschaft bist du nicht alleine. Ich denke nur, dass wir dieses Thema schon einige Male besprochen haben.
    Sicherlich verstehe ich, wenn Studierenden gesagt wird, sie sollten Ihre Frage nicht zu gross stecken und auch die irgendwann gewählte Methode einer Arbeit im Hinterkopf behalten. „Spitzen Sie Ihre Frage zu“, „wählen Sie eine Methode, die Sie in der gegebenen Zeit auch anwenden können“, „denken Sie daran, dass Sie nur eine bestimmte Seitenzahl haben“ sind alles Sätze, die ich von mir selber kenne, weil ich sie selber oft genug sage oder in Mails schreibe. Aber das ist die Ausbildung. Die Idee, dies sei eine sinnvolle Wissenschaftspraxis, erscheint mir immer noch absurd. Ich würde bei dir ergänzen, dass für mich Wissenschaft nur funktioniert, wenn die Forschenden entweder ein nerdiges Interesse an einer Frage haben, sich hineinknien wollen, sie an jedem Abend mit ins Bett nehmen wollen, gegen alles Unverständis der Welt, wenn sie sich also in eine Frage hineinknien können – oder aber wenn sie meinen, mit der Beantwortung dieser Frage etwas zur Verbesserung der Welt, zumindest zur Erklärung beitragen zu können. Alle anderen Gründe, Wissenschaft zu betreiben, sind mir unverständlich. Kann Wissenschaft wirklich ein austauschbarer Job sein? Kann man glücklich damit werden, einfach Methoden anzuwenden?
    Mir scheint, dass die Wissenschaft beziehungsweise die Forschung im Bibliothekswesen reduziert ist auf zu einfache Fragen (immerhin wird im Inhaltsverzeichnis des Buches die Evaluation von Informationssystemen mit Forschung gleichgesetzt, was mir auch immer wieder Kopfzerbrechen bereitet. Wieso soll den Evaluation Forschung sein? Was trägt den das zur Erklärung der Welt bei?) und kann sich deshalb auch darauf reduzieren lassen, das Anwenden von Methoden als Wissenschaft gelten zu lassen. So als wäre das Führen eines Pinsels alleine schon Kunst.
    Aber auch hier: Was soll man tun? Sicherlich muss die Wissenschaft und das Bibliothekswesen sich trauen, endlich grosse Fragen zu stellen, die Welt oder zumindest die Informations- und Medienwelt ganz neu und ganz zu befragen und besser machen zu wollen. Sicherlich ist die Idee, Forschung auf ja/nein-Antworten zu beschränken absonderlich (Wenn die Studierenden wirklich nicht weiterkommen mit der ersten Arbeit mag das hilfreich sein. Aber ich würde Studierende, die eine Bachelorarbeit schreiben wöllten über eine Ja/Nein-Frage nicht zulassen. Wo liegt den dabei die intellektuelle Herausforderung?), sogar in the long run kontrproduktiv. Schon weil es gar nicht zur Beantwortung komplexer Fragen, nicht zur Untersuchung komplexer Zusammenhänge kommen kann und auch eine Methodenentwicklung gar nicht mehr möglich ist.
    Mir ist auch schon die Frage aufgestossen, ob wir nicht einfach Wissenschaft und Forschung verwechseln, also das wir (du und ich) von Wissenschaft reden, obwohl „nur“ Forschung gemeint ist. Aber mir scheint diese Idee nicht stimmig. Auch die reine Anwendung von Methoden (wenn ich mal ganz schnell Forschung so definiere) ist auf weit mehr angewiesen, als unreflektiert Methoden zu nutzen. Auch Forschung bedarf, dass Methoden als Werkzeug verstanden werden; Werkzeug dass dann verwendet wird, wenn es notwendig ist, um Fragenstellungen zu beantworten. (Und nur dann.) Aber nicht anders herum.
    Ich denke aber, bei einer Neuauflage des Workshops „Welcher Art Wissenschaft soll die Bibliotheks- und Informationswissenschaft sein?“ sollte ergänzt werden mit der Frage: „Soll die Bibliotheks- und Informationswissenschaft einfach Methoden anwenden? Oder weiter denken?“ Meine Antwort darauf wäre nein, aber ich würde gerne wissen, was andere dazu bringen könnte, tendenziell mit Ja zu antworten.

    (Wovon ich auch noch nicht überzeugt bin – aber vielleicht wird das Buch mich ja überzeugen – ist, dass ein solches für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft überhaupt notwendig ist. Reichen den nicht die Methodenhandbücher der angrenzenden Fächer? Mir schien es sogar sinnvoller, die zu lesen, weil sie schön bunte Blickwinkel bieten.)

  3. Lambert Heller said, on 27. Mai 2013 at 23:18

    „Kann Wissenschaft wirklich ein austauschbarer Job sein? Kann man glücklich damit werden, einfach Methoden anzuwenden?“ – Na das ist ja mal eine wissenschaftsidealistische Frage, Karsten! Na klar, siehste doch, möchte ich darauf erwidern. Akademische Titel, Wissenschafts-„Karrieren“ (na gut, man fragt sich wer darauf ernsthaft setzt) oder sei es schlicht das Veröffentlichtwerden in Publikationen „renommierter“ Verlage, auf denen „Handbuch“ draufsteht – genau solche Sachen sind starke Antriebsfedern. Das sind die Antriebe, denen du dein unterstelltes Interesse am menschheitlichen Erkenntnisfortschritt, authentische Neugier und sowas entgegensetzt (was hier und da auch echt vorkommt, klar).
    Dem Streben nach Reputationsgewinn das Eigentlich-Wissenschaftliche abzusprechen würde jedenfalls nicht weiterführen, denn davon wird angetrieben, was hier und heute eben Wissenschaft heisst, als solche veröffentlicht und ggf. machmal bezahlt wird.
    Und zum Schluß deines Kommentars stellst du ja auch zurecht fest, dass man ein „bibliothekswissenschaftliches“ Methodenhandbuch eigentlich nicht braucht.
    P.S. Ich kann nicht zu eurer Veranstaltung vorbeischauen, sowas müßtet ihr mal mit Skype, Hangout o.ä. machen, wenn da InteressentInnen von anderswo teilnehmen können sollen.

    • Ben said, on 28. Mai 2013 at 00:21

      Lieber Lambert,

      kurz als Präzisierung zu Deinem PS:

      Ich kann nicht zu eurer Veranstaltung vorbeischauen, sowas müßtet ihr mal mit Skype, Hangout o.ä. machen, wenn da InteressentInnen von anderswo teilnehmen können sollen.

      Falls Du das Berliner Bibliothekswissenschaftliche Kolloquium meinst: Diese Veranstaltung hat nichts mit uns (=LIBREAS) zu tun, sondern wird vom Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft organisiert, an dem weder Karsten noch ich (derzeit?) beschäftigt sind. Ansprechpartner für solche Ideen wäre in diesem Fall vermutlich Michael Seadle.

      Falls Du dagegen unsere Dresdner Session meinst, verweisen wir gern auf den Verein. Diesmal ist es aber tatsächlich exklusiv für die SLUB.

      Ich weiß zudem nicht, ob wir wirklich auf Skype- oder Hangout-Workshops entwickeln können, aber je nachdem wie es Dresden läuft, können wir natürlich gern überlegen, gezielt Think-Tank-Sitzungen o.ä. auch an anderen Stellen durchzuführen.

  4. Walther Umstätter said, on 28. Mai 2013 at 11:09

    Es gibt erfahrungsgemäß Wissenschaftler, die haben besondere Methoden (auch Instrumente) entwickelt und suchten dann Themen, in denen sie diese erfolgreich nutzen konnten. Man denke nur an das Fernrohr, Mikroskop oder auch an statistische Methoden. T.H. Morgen beispielsweise entwickelte so eine eigene Schule, in der seine Studierenden als Absolventen über etliche Jahre immer neue genetische Erkenntnisse publizieren konnten. Bei erfahrenen Wissenschaftlern ist es aber eher umgekehrt, sie haben ein mehr oder minder umfangreiches Methodenrepertoire, und sobald sie ein lösbares Problem erkennen, wenden sie die entsprechenden Methoden an. In der Big Science geht das noch einen Schritt weiter, in dem man sich alle notwendigen Methoden über die passenden Spezialisten zusammen holt. Ein Extrem ist dabei CERN, wo zur Entdeckung der Higgs-Teilchen tausende von Experten zusammengholt wurden um ein Instrument zu bauen, mit dem man diese Teilchen erzeugen konnte.

    Es ist also sicher richtig, wie auch schon Karsten Schuldt bemerkt, dass es eine Unzahl von Themen gibt, die in Magisterarbeiten nicht bearbeitet werden können. Gründe können der methodische, finanzielle, personelle, zeitliche Aufwand etc. sein. Insofern ist insbesondere von der Betreuerseite darauf zu achten, dass Themen, die zum Scheitern verurteilt sind, möglichst vermieden werden. Das gilt auch für Dissertationen, obwohl dort die Eigenverantwortung der Promovenden bei der Themenwahl eindeutig höher sein muss. Schon aus diesen Gründen kann man empfehlen: „The best research questions for a thesis are ones with a straightforward answer. I generally recommend a yes/no question, or one that has a quantitative answer, or one that is a choice among reasonable alternatives.” Es ist aber nicht einfach, solche Ja/Nein Fragen zu finden, die einerseits das Niveau einer Dissertation erreichen und andererseits auf dem state-of-the-art-level noch nicht beantwortet wurden. Grundsätzlich geht es bei der Verteidigung einer Dissertation weniger um das Ja/Nein oder die Wahl zwischen Alternativen, als viel mehr um die Begründung, die zum Ja oder Nein führt, und die ja bekanntlich verteidigt werden muss. Dass Wissen nie absolut sicher ist, sondern immer eine gewisse Vagheit beinhaltet, ergibt sich aus der Informationstheorie und auch aus der permanenten Popperschen Falsifiaktion in der Wissenschaft. Insofern ist es entscheidend, wie gut die Begründung abgesichert ist.

    Mir ist die Einstellung, dass das Bibliothekswesen sich trauen sollte, „endlich grosse Fragen zu stellen“ natürlich sehr sympathisch, wir sollten aber nicht übersehen, dass die Wissenschaft bisher mit Millionen kleinen Schritten und Zweifeln ihre großen Forschritte erreichte und absicherte.

    Hinsichtlich der Unterscheidung von Wissenschaft und Forschung, wissen wir zwar alle, dass die Begriffe meist synonym verwendet werden, obwohl Forschung die Suche nach Informationen (also neuen Erkenntnissen) ist, während die Wissenschaft das Fundament und damit die Begründungen für die Richtigkeit der Informationen, also Wissen, liefern muss. Beispiel: Linne hat als Forscher alle Pflanzen und Tiere gesammelt und ihre Verwandtschaftlichen Beziehungen im Systema Naturae erfasst. Darwin hat die Erklärung für dies Evolution gefunden, in dem er erkannte, dass jede Art weit mehr Nachkommen hervorbringt, als nur den Ersatz der Eltern. Sie werden alle nur zum Sterben geboren, damit hin und wider auch besser angepasste Lebewesen eine sog. Radiation hervorbringen. Man achte auf die Geringfügigkeit dieser Erkenntnis, und darauf wie schwer sie Darwin fiel, bzw. welche Aufregung sie bis heute erzeugte. Das ist Wissenschaft😉


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