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It’s the frei<tag> 2013 Countdown (28): A long time ago, in a galaxy far, far away.

Posted in LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by szepanski on 22. Februar 2013

von Christoph Szepanski und Karsten Schuldt


„Der Mensch sollte sich besser bemühen, selber intelligent zu werden.“ (Stanisław Lem)

„You were the chosen one!“ (Obi-Wan Kenobi)

Episode IV

Die Zukunft, der Weltraum, der Ozean: Offen, voller Abenteuer, unerwarteter Wendungen. Auch voller Gefahren. Doch auch das normale Leben ist voller Gefahren, ohne das es neue Welten aufschließt, neue Erfahrungen machen lässt, neue Horizonte erreicht. Das was ist, der Status Quo, ist immer ein wenig unbefriedigend; insbesondere wenn wir wissen, dass da draußen ein Raumschiff auf uns wartet: Enterprise oder Rebellenflotte, X-Wing oder Millenium Falcon, Sputnik oder Curiosity. Und mit dem Raumschiff wartet neues Wissen auf uns. Wissen, Erkenntnis, Reflexion.

Sicherlich: Das Raumschiff ist uns hier eine Metapher für die Wissenschaft; der Status Quo bleibt aber Status Quo. Es geht immer irgendwie weiter, aber manchmal ist uns das nicht schnell genug, erst recht nicht weit genug. Zu oft haben wir das Gefühl, dass unsere Wissenschaft und die Praxis, auf die sie sich bezieht, sich in etwas zu kleinen Kreisen dreht. Denn das reine Kreisen bringt nichts.

Wenn man das Gefühl hat, dass es nicht weiter geht, muss man manchmal aufbrechen; die Sachen packen; den Warpantrieb bedienen; den Fortschritt mit tiefster Leidenschaft vorantreiben. Das kann schief gehen, besonders auf individueller Ebene. Hat man Pech, sitzt man nach einigen Sprüngen auf einem einsamen Mond fest, hat das Handtuch verloren oder auch den Babelfisch. Aber, zumindest wenn man nicht leise war, steht was man gesehen hat auf dem Weg im Anhalter durch die Galaxis verzeichnet und hilft den anderen Anhalterinnen und Anhaltern weiter zu kommen. Der gesamtgesellschaftliche Fortschritt beginnt zumeist mit einer persönlichen Reise – oft genug ins Unerwartete, nicht selten Unbequeme. Hauptsache man hat gewagt.

Möglich, dass uns da der Untergang erwartet. Aber wir wissen auch: Wenn es am unendlich Unwahrscheinlichsten ist holt uns die Herz aus Gold an Bord (was wieder eine Metapher ist, für den rettenden Artikel, das unerwartete Stückchen Text, dass unser Denken noch einmal vor dem Absturz rettet). Zaphod lässt uns nicht im Stich. Die Neugierde treibt uns weiter, dorthin, wo noch nie ein Mensch seinen Fuß gesetzt hat.

Und wir möchten nicht alleine sein auf dieser Reise. Vielmehr:
Alle die wollen, sollen mitkommen können und sind dazu aufgerufen sich aktiv zu beteiligen (denn ohne Euch geht es nicht). Alle sollen an Bord kommen können. Kostenfrei natürlich. Wir wollen eine Nautilus anbieten. Durchs Wasser, durchs All, durchs Wissen. Ihr sollt den Weg mitbestimmen.

Episode V

Unsere These ist erst einmal, dass es der Bibliotheks- und Informationswissenschaft gut bekommen würde, wenn sie sich nicht nur selbst bespiegelt, sondern einmal mehr radikal durchgeschüttelt wird. Streitet sich denn niemand mehr richtig? Tritt denn niemand mehr laut auf und sagt, dass alles besser oder anders werden muss? Bezieht sich niemand mehr auf Andere? Ist es egal, was die Anderen in unserem Feld sagen?

Kein Tank Girl fährt durch unsere Gefilde. Oftmals scheint es fast so, als ob wir in einem Quasi-Paradies leben. Manchmal bedroht, aber auch nie so richtig. Sicher: Input kann zuweilen unerwartet von außen kommen. Tscheljabinsk kann gerade etwas darüber erzählen – und vielleicht können uns die Trümmer demnächst etwas über das frühzeitliche Sonnensystem mitteilen.

Unsere These ist weiter, dass ein Durchstarten dazu führen kann, dass die gesamte Wissenschaft sich neu findet. Nicht mehr nur im Nebeneinander von unterschiedlichen Modellen und Methoden, sondern in einem neuen Netzwerk mit neu artikulierten Rollen und neuen, langfristigen Forschungsprogrammen sowie Transdisziplinarität an deren Ende im Idealfall die Integration universeller Erkenntnisse für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft steht.

frei13-countdown (1)

„I would also like my own flag made for me, one with the evolution of man, except with me at the end of the line! Oh, and I would also like my own ice cream parlor. There’s never an ice cream stand around when you really need one. Oh! And it better goddamn well have chocolate chocolate chip! God help you if you don’t have chocolate chocolate chip!“ (Dr. Insano)

 Episode VI

In jeder guten Geschichte, die nach dem ersten Untergang der Menschheit spielt, gibt es jemand, eine kleine Gruppe, die sich wieder ins Freie traut. Stalker läuft in die Verbotene Zone, trotz allem Ungemach geht Paul Atreides in die Wüste zu den Freemen, George Taylor läuft und läuft und läuft, bevor er vor der Freiheitsstatue zusammensinkt und der Neomensch Daniel25 gibt sein gesichertes pflanzenartiges Dasein für einen Flirt in der atomaren Ödnis auf. Wer nicht losgeht erlebt keine Abenteuer lehrt uns das. Wer nicht losgeht kann schnell untergehen, im Ewig gleichen verharren, ohne etwas unternommen zu haben.

Wir wollen das nicht. Wir wollen fröhlich und offen und so punkig-vorwärtstreibend wie möglich einladen: Zu einer weiteren Unkonferenz. Die frei<tag> – raum:shift [information science] soll – metaphorisch gesprochen – unser Raumschiff sein, dass uns weiter und weiter durch den Raum trägt, dass uns andocken lässt an so unterschiedliche Raumstationen wie die Diskursanalyse, die Informatik, die Sozialwissenschaften, die Kognitionswissenschaft, die Mathematik und nicht zuletzt die Systemtheorie(en). Dieses Raumschiff – zwischengeparkt am Rand Potsdams -, ist offen. Hört die Signale.

Es wird den Funk bringen wie das Mothership. Wir laden alle Irritierten und Interessierten ein, vorbeizukommen und mit uns zu schauen, wie weit wir kommen. Und vorher versuchen wir zur Einstimmung auf die Zukunft unserer Zunft zu verweisen. Wie gesagt: Manche Sprünge, sagt Wang-lun, sind nicht weit, bringen aber die Welt in eine neue Phase.

Wir brauchen vielleicht keine neue Kritik des immer wieder Alten, keine Forderung dessen, was wir schon haben, nochmal und noch mehr zu haben. Wie gesagt: Die Zukunft, der Weltraum, der Ozean sind offen. Offen für das Scheitern, offen für neue Erkenntnisse, offen für das Ausprobieren. (Und ja, am Ende, wenn der Große Bruder regiert hat, wenn die letzten Angriffe geflogen, die letzten Pläne umgesetzt, die letzten Orte erreicht sind, wird uns die Liebe retten. Die Liebe (zur Weisheit), sie bleibt am Ende, egal wo wir landen und als was.)

Potsdam und Chur, 22.02.2013

Eine Antwort

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  1. […] Fiction: Libreas betrachtet das Bibliothekswesen aus der literarischen Perspektive. Na dann, ab ins […]


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