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It’s the frei<tag> 2012 Countdown (20): Fragen zum Thema Partizipation

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by libreas on 26. Juli 2012

Heike Stadler (bibpartizipation.wordpress.com)

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 03.01.2011 fragte sich Tilman Spreckelsen: „Wo sind die Wutbürger, wenn man Sie braucht?“ Nein, es ging nicht um Stuttgart21, sondern um die Frage wo der Protest der Öffentlichkeit gegen Bibliotheksschließungen bleibt. Mittlerweile könnte man ein Büchlein über Bürgerproteste im Bibliotheksbereich verfassen. Die Frage müsste nun mehr lauten: „Wer hört die Wutbürger, wenn sie rufen?“ Auf der Plattform openpetition.de gibt es zahlreiche Beispiele, die analysiert werden wollen. Bereits in LIBREAS #12 fasste Karsten Schuldt kiezbezogene Proteste für Berliner Bibliotheken zusammen (PDF). Nicht nur Proteste und Initiativen gab es in der Vergangenheit, auch Bürgerbegehren können als Partizipationsbeispiele herangezogen werden (vgl. Heike Stadler (2011) Der Bürger entscheidet mit. In: BuB 6 (63) S. 450-453 – PDF-Download).

Social-Tagging als Mittel zur inhaltlichen Erschließung im Katalog. Der Nutzer darf, was er lange nicht durfte – ein Wort mitreden bei der Sacherschließung. Was ist aus dieser Möglichkeit geworden? Wird sie gelebt? Oder ist sie diese Form der Teilhabe in Vergessenheit geraten?

Früher gab es oder es gibt sie noch immer vor Ort in der Bibliothek, die analogen Wunschbücher für Anschaffungsvorschläge. Nun spricht man von der nutzergesteuerten Erwerbung (PDA), eine Geschäftsmodell der Verlage und keine Idee der Bibliotheken, oder doch? Liegt in der Idee des Wunschbuches der Ursprung des PDA-Modells? Wenn Bibliotheken PDA oder „PDA-light“ als Mittel für die Erwerbung nutzen, tun sie dies wirklich wegen des Gedankens der Partizipation oder vorrangig aus wirtschaftlichen Zwecken?

Bibliotheksbenutzer gestalten Bibliotheksräume. Sie suchen Möbel aus, entscheiden über die Wandfarbe und Kinder träumen ihre Kinderbibliothek und man fragt sich, was ist noch möglich?

Partizipation als neue Leitlinie für die Bibliothekswissenschaft? Was hat, was kann und was wird Teilhabe in den verschiedenen Bereichen ermöglichen?

Themenereiche für eine Leitlinie Partizipation:
Standortbestimmung
Bibliotheksbau / Architektur
Bibliothekseinrichtung
Bestand / Medien / Erwerbung
Veranstaltung

Bibliotheksschließung

Flyer im Zug

Nächste Station: Partizipation? Dies trifft in jedem Fall zu, wenn man es auf die Potsdamer Unkonferenz zum Stand der Bibliotheks- und Informationswissenschaft bezieht. Denn solch eine Veranstaltung lebt zu 100 % vom konkreten Engagement der Teilnehmer. Dies betrifft auch die Themen, die dort angesprochen, diskutiert und möglichst nachhaltig auf die Agenda des Faches gesetzt werden. Dabei können die oben stehenden Fragen selbstverständlich selbst Gegenstand der Veranstaltung werden. Das wäre dann ein selbstbezüglicher Diskurs im besten Sinn.

It’s the frei<tag> 2012 Countdown (21): Unkonferenz und Summer School

Posted in LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Verein by libreas on 26. Juli 2012

Manuela Schulz
Ben Kaden

Es bleiben noch 21 Tage bis zum großen Event. So manche/r ist bereits im Urlaub, einige werden es bald sein, eigentlich möchte man doch bei diesem Wetter nur noch wahlweise in der Sonne baden oder im Schatten dösen oder sich im kühlen Nass erfrischen. Oder durch ferne Länder reisen, andere Kulturen kennen lernen und endlich den lang vorbereiteten Aktivurlaub angehen. Warum sollte man sich also nach Potsdam und Berlin zu einem fachlichen Austausch begeben?

Nun, nirgendwo gibt es soviel geballte Kultur auf einmal wie in diesem nordöstlichen Ballungsraum und auch wenn bei uns keine badewannenwasserwarmen Wellen schäumen, keine steife Brise weht und es keine Berge zu erklimmen gibt, bieten die Berliner und Brandenburger Landschaftsräume wunderbare Erholungsmöglichkeiten. Unser erster Countdown hat es bereits deutlich gemacht.

Freit 2012 vor Rubus

Ein ziemlich verwegener Assoziationssprung verbindet die Brombeere bei chemisch Interessierten regelmäßig und völlig unsinnig mit einem Halogen, das sich gemeinhin in einer Kategorie mit Fluor, Chlor und Jod tummelt. Dabei ist der Wortursprung von Brom ein ganz anderer und bereits im frühen Fachdiskurs der Chemiker wurde die Anwendung des griechischen Ausdrucks für Bocksgeruch als unpassend kritisiert (vgl. Sigismund Friedrich Hermbstädt (1828) Über das Brom, seine Vorkommen in verschiedenen Substanzen und die Darstellung desselben. In: Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Berlin: 1831; S.85-95) Der Wortursprung der Brombeere (irgendetwas mit brâma, daher mitunter auch Brambeere, Bramelte oder Briem), stellt dagegen das Dornige in den Mittelpunkt. Für uns geht es freilich kein bisschen darum und ehrlich gesagt, verzichteten wir gern auf die garstigen Haken, die sich wie Tanlines a la Twombly nach dem Tauchen im Gesträuch über die Arme ziehen. Was wir wollen, ist die Frucht und zwar möglichst in der tiefschwarzen Fassung. Welche für das LIBREAS-Team eine der vorzüglichen Errungenschaften eines gelingenden Sommers darstellt,  gleich hinter frei-tag;, Summer School und dem Bad in der Brandung.

Da man aber bei bestem Wetter ohnehin nur in den Morgen- und Abendstunden einen ruhigen Fleck am Waldsee findet, gibt es für die Zwischenzeit eine Überbrückung fachlicher Art. Auf der Unkonferenz frei<tag> 2012 in Potsdam wollen wir mit euch in ungezwungener Atmosphäre über Themen diskutieren, die für die eigene Profession schon immer unter den Nägeln brannten und uns gemäß des diesjährigen Mottos Stand der Bibliotheks- und Informationswissenschaft mit Forschungsfragen auseinandersetzen. Die Unkonferenz bietet insbesondere jungen Forschenden und Studierenden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft eine Plattform zum Vorstellen und Abgleichen ihrer Ideen, Thesen und Wahrnehmungen sowie die Option zum Austausch mit der Bibliothekspraxis.

Interessierte können sich gerne vorab  im frei<tag>-Wiki anmelden und vor allem Themenvorschläge machen. [Update: Nachdem dort mit dem eisernen Besen der Anti-Spam-Maßnahmen ausgekehrt wurde, vermutlich wieder ab heute Abend.]

Der Veranstaltungsort ist das bewährte Schaufenster der Fachhochschule Potsdam (Friedrich-Ebert-Straße 4, Google Maps). Man erreicht es gut zu Fuß vom Hauptbahnhof Potsdam in sehr wenigen Minuten und kann sich auf dem Weg sogar den Bauplatz eines Schlossneubaus anschauen. Das bieten derzeit nicht viele Städte.

Berlin zum Beispiel wartet noch auf den Spatenstich. Die Summer School steht dagegen bereits. Sie dient in den Räumen des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin der gemeinsamen Weiterbildung und zwar in einer Weise, die bitte nicht so trocken ist, wie das Wort Weiterbildung leider klingt. Worum es geht, ist Methodenwissen zur wissenschaftlichen Arbeit in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, das bekanntlich erst die Grundlage für ein leidenschaftliches und gelingendes Arbeiten in diesem Fach bietet. Da sich die Wissenschaftslandschaft insgesamt sehr wandelt (Stichworte: Digitalisierung, Digital Humanities, Grids, Science 2.0), stellt sich unvermeidlich die Frage, mit welchen Methoden ein Fach wie das unsere im fortschreitenden 21. Jahrhundert operieren sollte. Wer darauf eine Antwort weiß, muss kommen. Wer dazu weitere Fragen hat, ebenso. Gewünscht ist eine aktive Beteiligung, auch wenn oder gerade weil die Workshops im Vorhinein vorbereitet sind. Vier Cluster prägen das Programm:

– I Schreiben und Publizieren in der LIS,
– II Forschungsfragen und Trends in der LIS,
– III Verteilt Arbeiten, Zusammen Publizieren,
– IV Zeit- und Projektmanagement im Forschungsprozess.

Interessierte können sich anmelden bei:  mail (at) libreas-verein dot eu
Und natürlich weisen wir niemandem mit fachlichem Interesse, der uns ohne Vorankündigung überrascht, die Tür.

Veranstaltungsort:  Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (Dorotheenstraße 26, Berlin). Das Institut (Google-Maps) ist von den Bahnhöfen Friedrichstrasse und Hackescher Markt zu Fuss und vom Bahnhof Alexanderplatz per Bus gut zu erreichen.