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Die Pragmatischen Netze und ihre Gesellschaft. Zur Debatte um die Rolle des Diskurses in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 2. April 2012

von Ben Kaden

Dieser Beitrag ist Teil einer Debatte, die bisher veröffentlicht geführt wurde in:

Karsten Schuldt: Wer vom Diskurs redet, redet immer auch von der Gesellschaft. Eine Erwiderung. In: LIBREAS Weblog, 31.03.2012

Ben Kaden: Einladung zur Behauptung: Das Metadatum ist auch Diskurs. Eine Replik auf Karsten Schuldt. In: LIBREAS Weblog, 29.03.2012.

Karsten Schuldt: Der Diskurs ist kein Metadatum. Eine Replik zu Ben Kaden. In: LIBREAS Weblog, 29.03.2012.

Ben Kaden: Zur Diskursänderung. Eine Position zur Diskussion um die Zukunft der Informationswissenschaft. In: LIBREAS Weblog, 21.03.2012.


Es wird argumentiert, dass die Diskussion nach wie vor missverständlich verläuft. Dabei wird das Ziel der Verständigung als Kernbaustein des Diskurses unterstrichen. Um diese herbeizuführen, werden einige Gesichtspunkte der Position für die Einbeziehung diskursanalytischer Blickwinkel in das Methodenspektrum der Bibliotheks- und Informationswissenschaft konkretisiert. Weiterhin steht der Vorschlag, die methodologische Diskussion und die Debatte um die Grundausrichtung des Faches in zwei verschiedene Diskursstränge aufzugliedern.

Erst ein Impuls, dann eine Replik, dann eine Replik zur Replik, auf die eine Erwiderung und jetzt gibt es noch einmal eine Entgegnung – so sieht ein lebendiger Diskurs aus.

Ob der Kreisel eines solchen Zweiparteiengesprächs allerdings ab einer bestimmten Stufe noch fruchtbar zu nennen ist, muss ich in diesem Fall leider bezweifeln.

Insofern stellt sich Karsten Schuldts Einleitung als tatsächliche und leider auch hauptsächliche Gemeinsamkeit dar:

 Ich spreche wohl für uns beide, wenn ich dazu auffordere, dass sich auch andere an der Debatte beteiligen. Dies ist kein Privatstreit, sondern ein Versuch, sich dem (möglichen) Inhalt und der (möglichen) Arbeitsweise der Bibliothek- und Informationswissenschaft anzunähern.“

Abgesehen davon lässt mich seine Erwiderung so unzufrieden zurück, wie das meistens der Fall ist, wenn sich ein chronisches Missverstehen zu etablieren scheint.

„Mir scheint allerdings in dieser Replik, dass ein wichtiger Hauptpunkt meines Beitrages nicht klar geworden ist, den ich deshalb hier noch einmal ausführen möchte […]“

schreibt mein Kontrahent und ich kann ihn in gleicher Formulierung als Einstieg verwenden. Denn der Kernpunkt meiner Argumentation, der semiotische Horizont in dem sich Form, Bedeutung und Handeln bündeln, bleibt weiterhin zugunsten einer sozialwissenschaftlichen Forcierung, gegen die ich wenig habe, ausgeblendet. Auf das Wenige komme ich gleich zurück.

I – Nichts Neues. Oder: Wie sich verständigen?

Zuvor muss ich zu meiner Verteidigung ein wenig Diskurskritik üben. Denn nicht so sehr der Inhalt, sondern die Form von Karsten Schuldts Argumentation widerstrebt mir doch sehr.

Zunächst enttäuscht mich Karsten Schuldt mit dem Vorwurf mangelnder Neuheit:

„Kaden schlägt nun explizit vor, Dokumente und deren Metadaten explizit als Teil von Diskursanalysen zu verstehen und zu benutzen. Das ist vollkommen berechtigt. Es ist nur wenig neu.“

Einerseits, weil ich nicht sehe, dass die Diskursanalyse in der Geschichte der deutschen Bibliotheks- und Informationswissenschaft bisher eine relevante Rolle spielte.

Wenn Karsten Schuldt sich während seines Studiums am Berliner Institut durch entsprechende Methodenvorlesungen durcharbeiten durfte, dann beneide ich ihn außerordentlich. Ich habe aber bisher die führenden Bibliotheks- und Informationswissenschaftlerinnen der Bundesrepublik Deutschland zwar auf eine ganze Reihe von Akteuren – von Claude Shannon über Clifford Geertz bis Robert Musil und Niklas Luhmann – anspielen hören. Das einzige Mal, dass mir Michel Foucault aber als Referenz begegnete, war in einer Veranstaltung zum Bibliotheksrecht und ich ärgere mich heute noch mehr als damals, dass ich mir nicht merkte, weshalb auf einmal der Lektüretipp Surveiller et punir in den Seminarraum drang. Um die diskursanalytische Auswertung entsprechender kommunikativer Repräsentationen (Dokumente, Metadaten, Metadatenstrukturen) ging es dabei jedoch nicht.

Insofern mag in Karsten Schuldts akademischen Umfeld die Diskursanalyse anhand solcher Datenstrukturen ein alter Hut sein. In meiner Erfahrung mit der Bibliotheks- und Informationswissenschaft erscheint sie noch nicht mal als Häubchen vorhanden.

Andererseits ist der Abqualifizierung eines Argumentes mit dem Gegenargument, es sei wenig originell, Teil einer beliebten und leicht durchschaubaren rhetorischen Strategie, die Novität über Reflexion postiert um die eigene Position mittels Abwertung der des Gegenübers zu stärken. Generelle Neuigkeit ist natürlich genau einer dieser idealtypischen Ansprüche der Wissenschaftskommunikation die im Prinzip und gerade in argumentativen Fächern unhaltbar sind und die Karsten Schuldt mit der Möglichkeit von Diskursregeln eigentlich verwirft.

Nun fordert er mich im Gegenzug in seiner Diskurspraxis an diversen Stellen berechtigt und unberechtigt auf, gerade diesen Regeln Folge zu leisten, da mein Argument sonst nicht zählen kann. Wie er dabei den Geltungsanspruch seiner Argumentation schmälert, scheint ihm nicht bewusst zu sein.

Ich freue mich ja, dass Karsten Schuldt mir klare Aufgaben zuweist:

„ sollte er (a) nicht vom Diskurs reden und (b) begründen, was daran neu und / oder anders wäre“

mir also den „Raum des Sagbaren“ eingrenzt und mir die Richtung meiner Aussagen vorschreibt. Für die Schlüssigkeit seiner Ausführung ist diese Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit aber nicht unbedingt hilfreich.

Karsten Schuldt manövriert sich meiner Lesart nach pikanterweise in das Fahrwasser des von ihm etwas verzerrten Verständnisses der Diskursethik.

Der geht es im Kern vor allem um eine Frage: Wie miteinander sprechen? Wie können wir uns verständigen? Wenn der eine Diskurspartner das Geschehen aber als Kampfsport begreift und der andere mehr als harmonisierenden Abgleich der Positionen haben wir schon ein fast unüberbrückbare Regeldiskrepanz. Zu den Regeln des seines Vollzugs bewussten Diskurses, wozu für mich der Diskurs in der Wissenschaft zählen sollte, gehört für mich auch die Pflicht des Verstehen-Wollens, also ein gewisses Maß an Affirmation. Aber es ist selbstverständlich Ansichts- und manchmal auch Mentalitätssache, ob man Aussagen mehr hinsichtlich des Trennenden und also der Abweichungen vom Eigenen hin interpretiert oder umgekehrt auf das Verbindende bzw. die Übereinstimmung.  

II – Metadatum und Gesellschaft

Andererseits weiß Karsten Schuldt natürlich genau, was ich möchte:

„Bezieht man dies allerdings in eine Analyse von Metadaten mit ein, dann handelt man sich über die Metadaten hinaus entweder zahllose Kontextinformationen ein und landet bei der Wissenssoziologie. Oder aber man hält die ganzen Kontextinformationen heraus, kann dann aber gerade keinen Diskurs analysieren.“

Selbstverständlich geht es mir um die Verbindung von Kontext- und Metadaten, von Akteuren und Dokumenten. Ich sage an keiner Stelle, dass ich die Gesellschaft aus meiner Analyse heraushalten möchte und es bleibt mir unklar, weshalb sich Karsten Schuldt an diesem Aspekt derart verbeißt. Eventuell liegt es auch einfach an einer unterschiedlich weiten Definition des Konzepts des Metadatums. Ich jedenfalls zähle auf der ersten Ebene jede mögliche Beschreibung eines Objektes dazu und auf einer zweiten jede abbildbare Relation zu anderen Objekten und Akteuren.

Ich argumentiere dagegen nach wie vor nicht dafür, Metadaten als Diskurs und Ebenbild der Gesellschaft zu behandeln. Sondern für die Möglichkeit, sie als eine besondere Form von Abbild zu elaborieren – gerade wenn man von einer per se gesellschaftlichen Aufladung von Information ausgeht. Dass für diesen Zweck bestehende Vorstellungen und Konzepte von Metadaten modifiziert werden müssen, scheint offensichtlich.

Wenn Karsten Schuldt aber eine entsprechende relational-topologische Annäherung von vornherein zwecklos hält, muss ich ihm wohl oder übel diese Mutmaßung lassen. Es ist in diesem Fall weniger eine Frage des Beweises als eine der Überzeugung.

Selbstverständlich – und das schrieb ich bereits an anderer Stelle – sind entsprechende Karten (man nennt es oft auch Visualisierung) gleichfalls diskursive Formationen, der Entstehungsbedingungen zu ihren diskursiven Metadaten gehören.

Ein Verfahren dieser Art erscheint mir jedenfalls trotz allen Gegenwinds nicht mehr und nicht weniger als ein möglicher Schlüssel mit der denkbaren Auf- und Anschlussmöglichkeit an wie auch immer definierte gesellschaftliche Phänomene, die u. a als diskursiv (konstituiert) beschrieben werden können.

III – Das Verständigungsproblem

Wenn Karsten Schuldt nun versucht, mir die Verwendung des Diskursbegriffs quasi präskriptiv zu untersagen und dazu eine – und ich setze das Wort bewusst – falsche Prämisse aufstellt:

Wer nicht von der Gesellschaft reden möchte oder aber – so habe ich Kaden verstanden – erst später, der oder die sollte nicht mit Begriffen wie Diskurs operieren“

verhindert er in jedem Fall eine Verständigung auf der inhaltlichen Ebene und unterläuft damit das, was ich als Minimalzweck von Kommunikation ansehe. Ich rede, wenn ich über Sprache rede, über nichts anderes als über die daraus hervorgehende Gesellschaft. Die Gesellschaft ist immer dort präsent, wo es um Sprache geht. Also auch in den Dokumenten, auf die sich meine Form der Analyse beziehen soll.

Ich bin entsprechend etwas unglücklich über die Zusammendrehung meiner Aussagen, die notwendig ist, um zu behaupten:

„Kaden warf mir vor, ich würde die Bedeutung der Gesellschaft überbetonen, ich würde darauf aber antworten, dass vielmehr zu beweisen wäre, wo und wann denn Informationen nicht gesellschaftlich wären. Meine These dazu: Solche Informationen gibt es nicht. Gibt es sie aber nicht, dann ist die Bibliotheks- und Informationswissenschaft eine Sozialwissenschaft.“

Mein Hinweis galt nicht einer überbetonten Bedeutung der Gesellschaft bei Karsten Schuldt. Er galt der Überzeugung, dass wir in Bibliotheks- und Informationswissenschaft eine besondere Annäherung an die Gesellschaft zu wählen haben, die sich von der beispielsweise der Soziologie unterscheidet. Ich könnte also entgegnen: Es gibt keine Gesellschaft, in der es keine semiotischen Phänomene gibt, von denen sich manche als Information, andere als Rauschen und dritte als Redundanz in bestimmten Kontexten erweisen.

IV – Was mir wichtig ist.

Zwei allgemeine Ziele möchte ich als Impulse für die weitere Diskussion in den Diskursraum stellen:

a)      dass sich das Fach der scheinbar trivialen Tatsache explizit bewusst wird, dass selbst behauptet hoch rationale Institutionen wie die Wissenschaft aus einer sehr verworrenen diskursiven Gemengelage hervorgehen, um sich – laut Karsten Schuldt – einer Art Trugbild eines kontrollierten Diskurses der Wahrheitsfindung (ich würde statt von Wahrheit lieber von Geltung sprechen) hingeben. Das Fach muss sich also stetig und kommunikationsbegleitend diskurstheoretisch selbstdekonstruktiv reflektieren. Für Karsten Schuldt und mich mag dies eine triviale Grundeigenschaft jedes um Erkenntnis bemühten Akteurs sein. Ich fürchte aber, dass nicht unbedingt jeder sofort mit diesem Handlungsansatz auf die Welt blickt.

b)      dass das Fach überlegt, wie es in einem Kontext gesellschaftlich wirksamer Auseinandersetzung mit den Phänomenen dokumentenbasierter Kommunikation (und gerade nicht nur Information oder Wissen) praktikable Formen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung entwickeln kann. Die Integration diskursanalytischer Verfahren mit dem elaborierten Methodenpool scheint mir dahingehend sinnvoll. (sh. dazu auch unten) Aber auch andere Entwicklungslinien sind denkbar. Karsten Schuldt brachte den Status des Fachs wahlweise als Naturwissenschaft oder Sozialwissenschaft (oder – was in Berlin mit Einordnung ins Fakultätsgefüge der Humboldt-Universität nahe läge – als Geisteswissenschaft) ins Spiel. Die Frage lautet also: Was soll die Bibliotheks- und Informationswissenschaft im Sinne einer Art intellektueller Transferleistung in die anderen Wissenschaft und in die Gesellschaft einbringen?

Hat man sich über dieses Ziel verständigt, kann man sich trefflich über den Weg streiten.

Ich selbst habe dahingehend freilich meine konkreten Vorstellungen und verteidige daher auch meine Vorschläge für die Route. Um die Selbsterkenntnisfähigkeit der Gesellschaft zu stärken, möchte ich ein differenzierteres Bild der sie konstituierenden Kommunikationen (bzw. Diskurse) ermittelbar machen. Daher stimmt durchaus, was Karsten Schuldt einschätzt:

„Er [Ben Kaden] meint den Einbezug von Dokumenten, Metadaten zu Dokumenten und Netzwerke dieser Metadaten in die informationswissenschaftliche Analyse. Er schlägt meiner Meinung nach zudem vor, nach anderen Vernetzungen und Regeln der Verbindung von Daten und Informationen als bisher zu suchen.“

Genau das schlage ich vor. Und ich schlage zudem vor, sensibler nach Anschluss meinethalben auch zur Wissenssoziologie zu suchen. Allerdings ohne gleich Wissenssoziologe werden zu müssen. Wenn ich die Dokumente und das was sie auszeichnet und hervorbringt ins Zentrum rücke, dann deshalb, weil ich darin die Kernkompetenz des Fachs sehe. Und nicht, weil ich mich der Gesellschaft verweigern will.

Wenn Karsten Schuldts jedoch bereits davon ausgeht, dass wir

– aus Dokumenten,
– der Art, wie Dokumente Äußerungen fassen und verbreiten und
– daraus wie Dokumente rezipiert werden

keinerlei Rückschlüsse auf den Diskurs ziehen können, erübrigt sich jede weitere Diskussion zum Thema.

V – Zustimmung und Widerspruch als diskursive Metadaten

Wobei ja genau diese Diskussion im Blog nachweist, was denkbar möglich ist. „Replik“ und „Erwiderung“ sind diskursive Bezeichnungen von Inhalten. Die Rhetorik, die u.a. auch mit der Behauptung aufwartet, ich würde den Diskursbegriff fehlbenutzen, ist nichts anderes als eine diskursive Durchsetzungspraxis.

Da aber weder Karsten Schuldt noch mir irgendwelche gesellschaftlichen Wirkungen aus dem Zweipersonendiskurs in Aussicht stehen und da wir vermutlich auch wenig an den etablierten Strukturen der Disziplin, die sich laut jüngstem Protokoll mit ganz anderen Fragen ihrer Ausrichtung befasst und bisher jedenfalls auf keinen der Anstöße in diesem Blog nachhaltig reagierte, könnten wir die Foucault-Perspektive für dieses Beispiel sogar vernachlässigen. Wir könnten uns also auf praktischen Regeln des Diskurses zur Durchsetzung von Geltungswünschen beschränken und wären demzufolge bei Apel.

Und wir wären bei der Einsicht, dass wir noch nicht unbedingt – trotz aller Redundanzen in der Diskussion – auf dem Weg zur Verständigung sind, die ich persönlich als elementares Ziel eines jeden Diskurses definieren würde.

Wenn wir Verständigung  aber als Setting verstehen, also als soziale Übereinkunft, in der sich auch vermeintliche und tatsächliche Ungerechtigkeiten, Hegemonien, Benachteiligungen u.ä. für eine gewisse Zeit (bis das kritische Potential des Diskursbegriffes erfolgreich zuschlägt) stabilisieren, lässt sich der weite Diskursbegriff Foucault’scher Schule durchaus mit der Diskursethik integrieren. Dann haben wir zwei andere Größen in der Gesellschaft, an denen wir uns abarbeiten können: Zustimmung oder Widerspruch.

Und zwar mit der Prämisse, dass beide Varianten unter Umständen, die alle Beteiligten anerkennen, legitim sind. Und dass die Entscheidung für eine der beiden Seiten für jeden Diskursteilnehmer in Bezug auf jede kommunizierte Aussage zwingend ist. (Wer schweigt, gibt Recht.) Damit ergäbe sich für eine von mir angedachte diskursorientierte Auswertung von Dokumenten eine zwingendes diskursives Metadatum für jeden dort enthaltenen Inhalt: Zustimmung (mit der Referenz von wem und zu welcher anderen Aussage bzw. Aussagenkonstellation) oder Widerspruch (dito).

VI – Überlegungen zu einer diskursorientierten Analysemethode

Wie ich bereits schrieb:

„Ich denke nicht, dass der sehr ambivalente Begriff der Gesellschaft (wie von wem auch immer definiert) der direkte Fixpunkt der Bibliotheks- und Informationswissenschaft sein kann und sein sollte. Obwohl man sich der „Gesellschaftlichkeit“ des Fachs und seiner Inhalte hoch bewusst sein muss, scheint es mir zweckmäßiger, bestehende Traditionslinien zu verlängern und gegebenenfalls anzupassen.“

Daraus folgt für mich, dass wir wenigstens überlegen dürfen, inwiefern wir das Potential der Bibliotheks- und Informationswissenschaft – bestimmte Netze von textuell stabilisierten Äußerungen (=Dokumenten) und Akteuren sowie Metadaten zu Äußerungen und Akteuren diachron und synchron vielfältig ausschöpfen können, um es mit dem kritischen (im Sinne von bewusst unterscheidend) Potential beispielsweise der Diskursanalyse zu verbinden.

Ich sehe, wie notwendig es ist, an dieser Stelle meine Vorstellungen zu konkretisieren. Daher skizziere ich nachfolgend, wohin diese derzeit weisen:

  1. Noch einmal: Nirgends möchte ich mit dem Fach aus der „ aus der Gesellschaft hinaus[kommen]“. Ganz im Gegenteil. Ich möchte mit der Analytik in die „Gesellschaft“ hineinkommen, obwohl dieser unscharfe Begriff für eine Konkretisierung wenig behagt.
  2. Das eingeforderte „Neue“ des Ansatzes läge für mich in einer Verschränkungen von quantitativen und qualitativen Analyse, die die Dreiheit Formaldaten, Inhaltsdaten, Metadaten (also auch: konkrete Autoren- bzw. Akteursdaten) einbezieht. Theoretisch können wir Diskussionen wie diese mit diskursiven Metadaten (Widerspruch, Zustimmung, eventuell auch Verfeinerungen wie Missverständnis, etc.) austaggen. Derart erschlossene Korpora lassen sich nach meiner Einschätzung durchaus in einer Weise analysieren, die bisher in meinem wissenschaftlichen Umfeld jedenfalls nicht sonderlich weitreichend umgesetzt wird.

Wenn wir nun eine Aussage treffen können, wie

  1. Akteur 1 (Metadaten: Biografie, Publikationsgeschichte, gesellschaftliche Position)
  2. publizierte im Diskursstrang A (Metadaten: Ursprung, Themen, Teilnehmer, Zahl der Beiträge, Zahl der Beiträge zustimmend, Zahl der Beiträge ablehnend, interne Verweise, externe Verweise, Aufrufe, externe Zitationen, Kommentare…)
  3. einen Beitrag I (Metadaten: Datum, Bezug, diskursive Orientierung (Ergänzung, Falsifizierung, Widerspruch, Zustimmung,…)
  4. mit direktem Bezug zu einem Beitrag II (Metadaten: Publiziert am, bei, mit den benachbarten Beiträgen ….)
  5. von einem Akteur 2 (Metadaten: ….)
  6. und erzeugte dabei eine mittelbare Nähe zum Beitrag III (Metadaten…) von Akteur 3 (Metadaten…) im Diskursstrang A (Metadaten…) und zum Beitrag IV (Metadaten…) von Akteur 4  (Metadaten…) im Diskursstrang B (Metadaten…), …

und diese automatisch in großen Mengen – z.B. den Beständen digitaler Archive oder Bibliotheken, prozessieren, haben wir vermutlich ein Datenschutzproblem, darüber hinaus aber die Möglichkeit, eine bisher weitgehend implizite Struktur sichtbar und adressierbar zu machen. Nämlich eine Art Pragmatic Web.

Verschränkt man dies mit einem möglichen Semantic Web entsteht damit durchaus ein Erkenntnispotential, welches in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft die ich kenne, bisher nicht in dieser Form ausgeschöpft. Und auch die Sozialwissenschaften, wie ich sie kenne, sind auf dieser Ebene auch noch nicht übermäßig präsent.

Der nächste Schritt dieses Ansatzes wäre nun, andere Beschreibungsmodelle von Kommunikationen einzubinden. So ließen sich Diskurstheorien (die ich übrigens sehr gut mit Korpusanalysen zur Auswertung des jeweilig verwendeten Vokabulars verknüpft vorstelle) konkret prüfen. Oder die Erkenntnisse und Fragestellungen dieser Verfahren reziprok diskurstheoretisch durchleuchten.Hierbei möchte ich natürlich gern den Diskurs als Zielstellung heranziehen, um beispielsweise zu überprüfen, wie passend oder unpassend sich diskursethischen Theorien zur sichtbaren Diskurspraxis erweisen.

Vielleicht scheitern sie ja bereits da und es ist gar nicht mehr nötig, die vertraute Mühle der „Wissenschaftliche Publikationskultur ist immer auch eine Frage von Macht“, die sich aber niemals explizit zeigt, anzuwerfen.Oder wir können fragen, warum die Publikationsgeschichte eines Akteurs nach einer bestimmten Äußerung einfach in einem Kontext abbricht und in einem anderen weitergeführt wird? Oder warum auf einmal ein Thema von bestimmten Akteuren zu einem bestimmten Zeitpunkt forciert wird? Oder warum bestimmte Akteure, die sich eigentlich betroffen fühlen müssten, den entscheidenden Diskussionen entziehen?

Die explizierte Diskrepanz zwischen der Erwartung an den vermeintlich geregelten Diskurs und den tatsächlich festgestellten Abweichungen scheint mir doch einiges an (Selbst)Erkenntnispotential zu bergen. Dann ließe sich nicht zuletzt Karsten Schuldts aus meiner Sicht selbstwiderlegende Mutmaßung „Die Regeln werden nirgends eingehalten.“ testen.

Ich hoffe, dass nun etwas klarer ist, worum es mir geht. Über das Verhältnis von Information, Diskurs und Gesellschaft müssen wir eigentlich nicht weiter streiten.

Wenn es darüber hinaus gelänge, einerseits vielleicht die mir persönliche sehr wichtige Reflexion über die Möglichkeit diskursorientierter Verfahren in einer Diskussion weiter zu durchdenken, wäre ich sehr zufrieden. Denn eigentlich ging es mir im Ausgangspunkt darum, dafür zu sensibilisieren, dass wir nicht mehr nur die Dokumente und Metadaten fokussieren, sondern auch die sozialen Prozesse, die deren Entstehung, Vernetzung, Verarbeitung, Nutzung, Rezeption – also den gesamten so genannten Life Cycle von Kommunikationen – in den Blick nehmen.

Dafür erscheint mir der Diskursbegriff nach wie vor handlich zu sein, wenn man sich nicht zu verkrampft auf einen wenig zweckmäßigen Habermas-Foucault-Dualismus einschießt.

Und andererseits kristallisiert sich als neues Thema das Verhältnis der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu anderen Facetten der Gesellschaft, also u.a.

–          anderen Wissenschaftsbereichen

–          Wirtschaft

–          Politische Institutionen

–          Politische Öffentlichkeit

heraus.

Um die Debatte ein wenig zu öffnen, scheint es tatsächlich angebracht, allgemeiner in einer neuen Diskussionslinie die angesprochene Verhältnisdimension, also Karsten Schuldts „Angebot zur Debatte“, aufzugreifen und eine entsprechende Systematisierung zu versuchen.

02.04.2012

6 Antworten

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  1. Ben said, on 2. April 2012 at 11:03

    Ich sehe es leider erst jetzt, nachdem ich mich den aktuellen Zeitschriften zugewendet habe:

    „The basic issue in classification is seen as providing criteria for deciding whether A should be classified as X. Such decisions are considered to be dependent on the purpose and values inherent in the specific classification process. These decisions are not independent of theories and values in the document being classified, but are dependent on an interpretation of the discourses within those documents„.

    (Hervorhebung von mir)

    Wer also davon ausgeht, dass wir aus Dokumenten nichts über Diskurse ableiten können, kann die Diskussion auch auf die Überlegungen von Birger Hjørland ausdehnen. Abgesehen davon bestätigt sich in der kurzen zitierten Aussage selbstverständlich, dass das Klassifizieren selbst diskursives Handeln ist.

    (Birger Hjørland, (2012) „Is classification necessary after Google?„, Journal of Documentation, Vol. 68 Iss: 3)

  2. W. Umstaetter said, on 2. April 2012 at 17:20

    Offen gesagt habe ich in Kadens erstem Beitrag auch noch nicht die Neuheit der Aussage erkannt. Insofern belegt das die Notwendigkeit solcher Diskurse. Erschwerend kommt die Mehrdeutigkeit des Wortes Diskurs und Diskursanalyse hinzu. Zum Dritten lag es natürlich auch daran, dass für mich Dokumentation schon immer die Zusammenführung gleichartiger Themen war, wobei allerdings offen blieb, wer wen zu falsifizieren, zu verifizieren oder auch nur in Erinnerung zu rufen und zu präzisieren versuchte. Insbesondere im SCI führen gemeinsame Zitationen ja oft im sog. Cycling dazu, dass bestimmte Diskurse nachvollziehbar werden.

    Wenn ich nun Kadens Vorschlag richtig verstehe, sollen Beiträge zu einem bestimmten Diskurs über Metadaten so verknüpft werden, dass erkennbar wird, wer sich in einer Replik auf wen bezieht, wobei in den meisten wissenschaftlichen Diskursen nicht übersehen werden darf, dass bei den wirklich interessanten Problemen etliche Teilnehmer thematisch und formal mehrfach vernetzt mit- bzw. gegeneinander argumentieren.

    Man erinnere sich nur an den Diskurs über den Darwinismus, der sich inzwischen über rund hundertfünfzig Jahre hin zieht und unzählig Teildiskurse bis hin zum Kreationismus oder dem Intelligen Design hervorbrachte. Da dürfte es eine echte Herausforderung sein, in Metadaten das Beziehungsgeflecht darzustellen, was nicht bedeutet, dass es sich nicht lohnt darüber intensiver nachzudenken.

    Im Gegenteil, vergleicht man unsere natürliche Sprache mit Dokumentationssprachen, stellt man rasch fest, dass das Zipfsche Principle of least effort mit seiner Syntax ein höchst beeindruckendes System an Sprachökonomie ist. Hier könnten einerseits Metadaten für Maschinen sehr hilfreich sein, um Textbeziehungen auch über Dokumentgrenzen hinweg transparent und den Computern verständlich zu machen, während andererseits die Entwicklungen im Bereich der Semantik genutzt werden können.

    Das Beispiel: „Wenn wir nun eine Aussage treffen können …“ erinnert mich zunächst sehr an die alten Überlegungen in der syntaktischen Indexierung mit „Roles“ and „Links“ (da gab es noch kein WWW), PRECIS-strings etc. Obwohl viele der damaligen Probleme noch nicht ausgeräumt worden sind, gibt uns die heutige Technologie ganz andere Möglichkeiten.

    • Ben said, on 2. April 2012 at 21:12

      Vielen Dank für den Kommentar.

      „Obwohl viele der damaligen Probleme noch nicht ausgeräumt worden sind, gibt uns die heutige Technologie ganz andere Möglichkeiten.“

      Genau darum geht es. Und die Idee bewegt sich weniger im luftleeren Raum, als man vielleicht annehmen mag. Für IUWIS hätten wir, sofern die DFG das Projekt weiter gefördert hätte, sehr gern solch pragmatisch orientierte Metadatenstrukturen begleitend zum Urheberrechtsdiskurs implementiert. Der Aufwand ist natürlich höher als bei einer reinen Formalerfassung.

      Gerade aktuelle Debatten, die begleitend erfasst werden, bieten sich dafür an. Die angedachten Verfahren ermöglichen im Idealfall eine Verlaufstransparenz, die bislang schwer abzubilden ist. Daraus ergäben sich durchaus Transfereffekte für andere Disziplinen oder auch die politische Öffentlichkeit.

      Eine rückwirkende Diskurserschließung scheint mir in der Tat eine Herkulesaufgabe zu sein. Jedoch könnte man eine entsprechend vereinfachte Technologie ebenfalls anderen diskursorientierten Fächern von der Politik- bis zur Literaturwissenschaft zur Verfügung stellen, so dass mithilfe möglichst standardisierter Datenmodelle sukzessive und verteilt ein entsprechendes elektronische verarbeitbares pragmatisches Netz entsteht.

      Ich glaube, dass die Bibliotheks- und Informationswissenschaft mit pragmatischen Verfahren eine maßgebliche infrastrukturelle Innovationsleistung erbringen könnte. Der Vorteil von Ansätzen, die das kommunikative Handeln in den Mittelpunkt rücken, liegt m.E. darin, dass man sich im Gegensatz zu den die Abbildung und relationale Organisation von Bedeutungs- oder wenigstens Inhaltsphänomenen in den Mittelpunkt rückenden Ansätzen, die die Entwicklungen um das Semantic Web prägen, an dieser Stelle von einer Themen bezogenen Metaebene in den konkreten Diskurs hineinbewegt und damit all die Probleme der massiven Unzulänglichkeiten von Klassifikationen nicht sofort bewältigen muss.

      Wir würden den Diskurs, wie er verläuft, abbilden und über die Relationierung Akteure und ihrer Aussagen zugänglich machen, die im diskursiven Geschehen ja Relationen von Themen selbst einbringen. Diese tatsächliche Bedeutungsnetz kann im Nachgang zur Modellierung semantischer Strukturen nach meinem Verständnis viel passgenauer herangezogen werden, als es die Vogelperspektive geplanter Ontologien ermöglicht.

      Mir ist allerdings bewusst, dass derzeit andere Schwerpunkte die Agenda bestimmen, weswegen wir uns hier in bloßen Gedankenspielen bewegen. Aber immerhin das ist uns ja möglich.

  3. Ben said, on 2. April 2012 at 21:31

    Für den zweiten Anstoß zur Debatte, nämlich zur Frage, wie sozialwissenschaftlich die Bibliotheks- und Informationswissenschaft sein sollte, liefern die Politikwissenschaftler Kevin A. Clarke und David M. Primo in einem aktuellen Text für die New York Times einen möglichen Impuls.

    Sie hinterfragen den so genannten „Physics Envy“, einen Minderwertigkeitskomplex, den sie für die Politik- und Sozialwissenschaft gegenüber den harten Naturwissenschaften feststellen. Dahinter steht die Vorstellung, die naturwissenschaftlichen Disziplinen seien mit ihrem Verfahren einer Hypothesen basierten Deduktion („hypothetico-deductivism“) die überlegeneren Fächer und daher sollte man versuchen, sich diesen methodologisch anzunähern.

    Die Autoren bezweifeln, dass diese These und die Schlussfolgerung haltbar ist. Sie stützen diesen Zweifel mit einer Reihe von Beispielen und plädieren für eine pragmatischere (im Sinne von Ergebnis orientierte) Perspektive:

    „To borrow a metaphor from the philosopher of science Ronald Giere, theories are like maps: the test of a map lies not in arbitrarily checking random points but in whether people find it useful to get somewhere.“

    Und dafür, dass sich die Sozialwissenschaften auf das konzentrieren, was sie von den Naturwissenschaften (bzw. Sciences) unterscheidet:

    „Rather than attempt to imitate the hard sciences, social scientists would be better off doing what they do best: thinking deeply about what prompts human beings to behave the way they do.“

    Einer Antwort auf die Frage, wohin nun die Bibliotheks- und Informationswissenschaft gehört – eher zu den messend-prüfenden hard sciences oder zu den interpretativ-deutenden Fächern – kommen wir damit leider nicht näher. Wir sehen aber, dass die Sozialwissenschaften selbst in einer Identitätskrise zu stecken scheinen.

    Kevin A. Clarke; David M. Primo (2012): Overcoming ‘Physics Envy. In: Gray Matter / NYTimes.com. 30.03.2012

  4. Walther Umstaetter said, on 3. April 2012 at 06:41

    Die Diskussion ueber die zwei bzw. drei Kulturen ist ja nun schon ueber ein halbes Jahrhundert alt. In gewisser Hinsicht ist sie auch durch das Angloamerikanische belastet, weil wir im Deutschen nur eine Wissenschaft mit Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaft kennen, während man unter Science, Social Sciences und Arts and Humanities deutlichere Unterschiede macht. Inzwischen ist zu beobachten, dass auch in Deutschland immer mehr Menschen in englischer Sprache denken und die deutsche Begrifflichkeit verdrängen.

    Im Prinzip wäre das egal, weil man bei genauem Hinsehen leicht erkennt, dass es nur gute (erfolgreiche) und schlechte (irreführende) Wissenschaft gibt. Wie stark viele Geisteswissenschaftler viele Naturwissenschaftler um ihre Erfolge im letzten Jahrhundert beneiden, erkennt man leicht daran, wie viele von ihnen mit pseudophysikalischen, -biologischen, -mathematischen etc. Begriffen arbeiten, ohne sie verstanden zu haben. Dafür war ja der Sokal Hoax ein bekanntes Beispiel. So wird oft von Unschaerferelation (Heisenberg), von Synergetik (Laser) von Information (Shannon/Weaver) etc. gesprochen, obwohl sich aus den Texten rasch ergibt, dass das eigentlich kreative an diesen Ideen weitgehend unverstanden blieb.

    Das Problem dahinter ist natürlich die Interdisziplinaritaet. Die meisten Philosophen hatten (haben) nach den Versuchen von Benjamin Libet in der Neurophysiolgie grosse Probleme zu erklären, warum es bei Menschen trotzdem einen freien Willen gibt. Ich entsinne mich in unserer eigenen Fakultät an etliche Vorträge mit dem Tenor, Libet habe gezeigt, dass es keinen freien Willen gibt, wir muessen aber als Menschen so handeln, als hätten wir einen freien Willen. Sie hatten Libets Versuch letztendlich nicht verstanden (s. Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum S. 68 ff).

    Die Diskussion ueber die zwei bzw. drei Kulturen führen nun dazu, dass ein Teil der Wissenschaftler dazu raet, die jeweils eigenen Stärken zu mobilisieren und sich durch Abgrenzung zu profilieren, während die anderen empfehlen, von der anderen Seite zu lernen, und hilfreiches zu uebernehmen.

    In diesem Punkt sollten wir aber deutsch denken. Es gibt nur eine Wissenschaft und in der muss sich die Informations- und Bibliothekswissenschaft logisch einfügen und ihre Aufgabe als Nationalökonomie des Geistes erfüllen. Sie muss Wissenschaft und Bildung bezahlbar erhalten. Ansonsten sind mehr oder minder alle neuen Wissenschaften als Konglomerate aus bereits bekannten entstanden. Im Detail ist das z.B. lange fuer die Physikalische Chemie diskutiert worden. Wir haben einerseits eine immer groessere Spezialisierung und damit eine immer groessere arbeitsteilige Vernetzung der Big Science im Teamwork.

    Eigentlich muesste seit Harnack die Bibliothekswissenschaft in der Wirtschaft, genauer in der Wirtschaftsinformatik angesiedelt werden, aber davon sind wir weit entfernt, da die Wirtschaftswissenschaftler die Bedeutung der Bibliotheken im Knowledge Management noch nicht erkannt haben. Auch sie identifizieren noch zu stark mit dem Wort Bibliothek eine Sammlung gedruckter Bücher in einem Regal. Das gibt sich aber bald.

    Ein schoenes Beispiel fuer die Wandlung von Disziplinen ist die Seelenforschung (Psychologie). Sie kam in bibliothekarischen Klassifikationen aus der Theologie, Philosophie und ist heute weitgehend Teil der Medizin. Insofern ist die Proflierung: der Geistes- oder Sozialwissenschaften auf „thinking deeply about what prompts human beings to behave the way they do.” wohl eher der Marsch in die Naturwissenschaft.

    Jede Wissenschaft beginnt zunaechst als narrative Wissenschaft um dann in eine analytische Wissenschaft ueberzugehen. Diesen Schritt macht die Informations- und Bibliothekswissenschft seit einiger Zeit.

  5. […] [6]              Kaden, Ben (02.04.2012) Die Pragmatischen Netze und ihre Gesellschaft. Zur Debatte um die Rolle des Diskurses in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft. In: LIBREAS Weblog. https://libreas.wordpress.com/2012/04/02/die-pragmatischen-netze-und-ihre-gesellschaft-zur-debatte-um… […]


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