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Unklare Begriffe, Konzepte, Perspektiven

Posted in LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 6. Februar 2012

Rezension zu: Treude, Linda / Das Konzept Informationskompetenz : Ein Beitrag zur theoretischen und praxisbezogenen Begriffsklärung. (Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft ; 318) Berlin : Humboldt Universität zu Berlin, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, 2011.

von Karsten Schuldt

Der Text Das Konzept Informationskompetenz von Linda Treude lässt einen nach dem Lesen verwirrt zurück. Das ist ernst gemeint: Der Rezensent hat mehrere Versuche unternommen, den Text zu besprechen, mehrfach den Text neu durchgeblättert, die Notizen durchgeschaut, immer in der Angst, etwas wichtiges übersehen zu haben. Aber nein: Je länger je mehr hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass der Text mit dem Titel etwas gänzlich anderes verspricht, als er dann tatsächlich darstellt. Eventuell ist durch den Transformationsprozess aus einer Studienabschlussarbeit in die jetzt vorliegende Form ein wichtiger Teil verschwunden; aber in der jetzigen Form enthält der Text nicht nur einige steile Thesen, sondern auch inhaltliche Kurzschlüsse, die ihn in seiner Wirkung massiv einschränken.

Letztlich versucht Treude nachzuweisen – so zumindest die Interpretation des Rezensenten –, dass, wenn im bibliothekarischen Rahmen über Informationskompetenz geredet wird, nicht wirklich über Informationskompetenz geredet wird. Vielmehr will die Autorin zeigen, dass der Informationsbegriff, welcher im bibliothekarischen Rahmen genutzt wird, mit einem Informationsbegriff, wie er in einer informationswissenschaftlichen Auseinandersetzung herausgearbeitet werden könnte, nichts gemein hat.

Es ist auch gar nicht zu bestreiten, dass dies so ist. Nur wird nicht klar, was an dieser Erkenntnis für welchen Erkenntnisprozess relevant werden soll. Zudem wird der Nachweis gar nicht wirklich geführt. Im Grossteil des Textes arbeitet Treude Zugänge zum Informationsbegriff aus informationswissenschaftlicher Perspektive heraus. Das sie dies überhaupt tun muss, verweist auf die inhaltliche Schwäche der Informationswissenschaft, die auch anderswo direkter benannt wird:1 Es findet sich in dieser Wissenschaft bislang kein gemeinsamer Informationsbegriff und es findet zudem keine Diskussion über dieser inhaltliche Lücke statt.

Treude geht bei ihrer Darstellung methodisch vor, stellt Informationsmodelle historisch nacheinander dar und benennt dabei die relevanten Modelle. Erstaunlich ist dabei, dass sie den Informationsbegriff von Rainer Kuhlen als deutschen Sonderfall abkapselt, der international nicht referenziert würde (eine Einschätzung übrigens, welcher der Rezensent schon als Wahlschweizer entgegentreten muss); dann aber unter der Hand Kuhlens bekannte Darstellung des Informationsbegriffes aus den Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation, samt semantischem Dreieck, DIKW-Hierachie und Bezug zum menschlichen Handeln wieder einführt. Treude verweist dabei allerdings auf die Arbeiten von Søren Brier (dem sie zudem ohne jeden Grund ein Opus Magnum andichtet, als stände er schon vor dem Ende seiner wissenschaftlichen Karriere). Es wird im Text nicht klar, warum nicht Kuhlen – dessen Begriff immerhin einigermaßen bekannt ist –, sondern Brier mit – folgt man dem Text von Treude – quasi dem gleichen Modell zitiert wird. Eventuell ist gerade dies bei der Transformation des Textes untergegangen.2 Zumindest der Darstellung des jetzt publizierten Textes folgend ist dies eher eine subjektive Entscheidung der Autorin als eine inhaltliche.

Das wirkliche Problem ist allerdings, dass Treude keine Einführung in den Informationsbegriff vorlegen wollte, sondern laut Vorwort eine Diskursanalyse. Dies findet nicht statt. Im Anschluss an die Darstellung des Informationsbegriffes bespricht Treude zwar die Verteilung des Begriffes Informationskompetenz in verschiedenen Textcorpora, macht einen historischen Schwenk zur Geschichte der Medientheorie, greift dann aber die Behauptung, welche im bibliothekarischen Diskurs über Informationskompetenz vorgetragen wird – nämlich dass der Begriff vom literacy-Begriff abstammen würde und hinreichend erklärt wäre – unkritisch auf. Während Treude beim ersten Wortbestandteil von Informationskompetenz eine für das Thema nicht notwendige Genauigkeit anbringen will, zitiert sie beim zweiten Wortbestandteil affirmativ eine berufsständische Position.

Eine Diskursanalyse aber, die sich mit der tatsächlichen Verwendung des Begriffes, seinen produktiven Wirkungen und Machtspielen im bibliothekarischen Diskurs auseinandersetzen würde, findet nicht statt. Zudem verweigert Treude der tatsächlichen Verwendung von „Information“ in Informationskompetenz vollständig die Aufmerksamkeit. Deshalb kann sie auch gar nicht nachweisen, dass diese Verwendung mit dem in der Arbeit herausgearbeiteten informationswissenschaftlichen Zugriffen nichts gemein hat: Der dazu notwendige Vergleich kann nicht stattfinden.

Vielmehr führt Treude in Bezug auf die Arbeit von Marianne Ingold3 aus, dass die bibliothekarische Verwendung des Begriffes vor allem im Bereich von Informationsveranstaltungen und Rechercheschulungen durch Bibliotheken zu verankern ist. Fraglos stimmt dies und ist heute auch kaum noch wirklich bestritten. Deshalb aber hätte eine Diskursanalyse auch über diesen (verdienstvollen) Bericht von Ingold hinauszugehen gehabt. So wäre es beispielsweise auch notwendig gewesen, beim zweiten Wortbestandteil zu kritisieren, dass dieser mit der Verwendung von „Kompetenz“ im pädagogischen Feld nichts zu tun hat.4

Allerdings gibt es gute Gründe dafür, dass Bibliotheken sich dazu entschlossen haben, einen doppelt unzutreffend Begriff für ihre jetzt schon seit einigen Jahren betriebene Öffentlichkeitsarbeit zu benutzen. Zum einen wäre der richtigere Begriff „Recherchefähigkeit“ nicht so gut zu positionieren und schon gar nicht den im pädagogischen Feld genutzten Kompetenzmodellen zu verbinden gewesen. Zum anderen ist das Vorgehen der Bibliotheken ja bei aller Kritik nicht vollständig falsch: Eine Dienstleistung soll angeboten werden, von der angenommen wird, dass Bibliotheken sie im Gegensatz zu anderen Einrichtungen anbieten könnten und die zudem gesellschaftlich notwendig wäre. Alle drei dieser Teilannahmen kann und muss man hinterfragen, aber es ist sichtbar, warum Bibliotheken diesen Weg mit einem guten Gewissen gewählt haben. Dies alles wäre durch eine Diskursanalyse, die sich mit Dokumenten und Strukturen beschäftigt hätte, herauszuarbeiten. Leider leistet Treude dies, trotz dem Titel ihrer Arbeit und dem Versprechen im Vorwort, gerade nicht.

Irritierend ist, dass Treude am Ende ihrer Arbeit mehrfach davon spricht, dass die Bibliotheken mehr auf die theoretischen Potentiale ihres Informationsbegriffes zurückgreifen sollten. Diese Potentiale werden im Text gar nicht benannt. Vielmehr wird in der ganzen Arbeit nicht klar, was der positive Effekt einer Verwendung des von ihr herausgearbeiteten Informationsbegriffes für eine bibliothekarische Praxis im Feld der Rechercheschulung wäre. Die bisherige ungenaue Verwendung des Informationsbegriffes durch Bibliotheken mag – ebenso wie die falsche Verwendung des Kompetenzbegriffes – falsch sein, aber sie ist immerhin praktikabel. Wie der Informationsbegriff von Brier, den Treude bevorzugt, in der bibliothekarischen Praxis verwendet werden könnte, ist nicht klar. Die von Treude behaupteten Potentiale müssten erst einmal nachgewiesen werden.

Der Text von Treude zeigt vollkommen zu Recht, dass eine informationswissenschaftliche Begriffsklärung der Hauptbegriffe der Informationswissenschaft notwendig wäre. Aber er zeigt es unter einem falschen Thema, dessen Umsetzung zudem zu kritisieren ist. Das ist ein gewichtiger Grund dafür, dass dieser Text irritiert. Der erste Teil scheint für ein gänzlich anderes Thema und Publikum geschrieben worden zu sein, als jenes, welches durch den Begriff „Informationskompetenz“ im Titel angesprochen wird. Der zweite Teil der Arbeit scheint eher lustlos angehangen worden zu sein. In der jetzigen Form allerdings ist der Wert des Textes sowohl für die theoretische Auseinandersetzung als auch für die bibliothekarische Praxis schwerlich zu erkennen.

 

Fussnoten

1 Vgl. zuletzt Bredemeier, Willi / Informationswissenschaft – ein Firmenschild ohne dahinter stehende Gemeinsamkeiten. – In: Password (2012) 2, S. 10-13.

2 Bedenkt man allerdings andere Publikationen der Autorin, scheint bei ihr eher eine gewisse Fan-Haltung gegenüber Brier vorzuliegen, welche subjektiv das Recht der Autorin ist, aber nicht unbedingt für eine nachvollziehbare Rezeption von Briers Arbeiten bürgt.

Ingold, Marianne / Das bibliothekarische Konzept Informationskompetenz : Ein Überblick. (Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft ; 128) Berlin : Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin, 2005.

4 Vgl. hierzu des Balceris, Michael / Medien- und Informationskompetenz : Modellierung und Messung von Informationskompetenz bei Schülern. (Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie – Dr. phil. – des erziehungswissenschaftlichen Instituts der Universität Paderborn). Paderborn : erziehungswissenschaftliches Institut, Universität Paderborn, 2011. Balceris benennt ohne grosse Umschweife, dass Informationskompetenz ein Versuch von Bibliotheken darstellt, im Bereich Bildung Fuss zu fassen, der allerdings gerade im Bereich von Schulen kaum wahrgenommen würde. Hingegen versucht er in seiner Arbeit, ein empirisch abgesichertes Modell von Informationskompetenz zu entwerfen (das es bislang gar nicht gibt, wie er richtig darstellt, obgleich im bibliothekarischen Bereich immer wieder so getan wird, als wäre Informationskompetenz ebenso ausgearbeitet, wie andere Kompetenzmodelle). Seine Arbeit zeigt aber auch, dass jedes Modell von Kompetenz bislang ein normatives, also nicht wirklich selbstverständliches, darstellt, dass vielleicht mit sich selber kohärent, aber nicht unbedingt an die Realität zurückgebunden ist. Oder anders gesagt: Auch nach der Arbeit von Balceris, der sein Modell neben Schulen auch Bibliotheken vorschlägt, ist nicht klar, ob und wenn ja welcher Bestandteil von Informationskompetenz wirklich wann und wie im Alltag benötigt wird.

4 Antworten

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  1. […] LIBREAS ist der Versuch einer Rezension zu einem Text zu lesen, in dem das „Konzept […]

  2. Walther Umstaetter said, on 9. Februar 2012 at 17:22

    Es ist ein wirkliches Problem, dass der Unsinn, der über die Informationstheorie inzwischen verbreitet wird, so überhand genommen hat, dass die Absolventin eines informationswissenschaftlichen Studiums, wie beispielsweise Linda Treude (Berliner Handreichungen 318, 2011) kaum eine Chance hatte, „Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!“ (Faust). Obwohl sie sich durchaus redlich bemühte, Shannon und Weavers Theorie zu verstehen, ist es ihr letztendlich nicht gelungen, weil sie von zu vielen widersprüchlichen Quellen z.B. (Peter Janisch (www.ib.hu-berlin.de/~libreas/libreas_neu/ausgabe8/016ums.htm), insbesondere Rafael Capurro (www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/lectq.html) in ihren eher philosophischen und alltagssprachlichen Betrachtungen, wie Søren Brier (https://libreas.wordpress.com/2012/02/06/unklare-begriffe-konzepte-perspektiven/#more-2633) verunsichert wurde.

    Dass die Autorin Quellen, wie : http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/infopub/textbook/planckunits06a.pdf oder Umstätter, W.: Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum, Simon Verlag für Bibliothekswissen 2009, u.a. nicht erwähnt, wirft die Frage auf, welche Form der Uncitedness 1 bis 4 dazu geführt hat.

    Es ist wirklich tragisch, dass Informationswissenschaftler von heute gar nicht mehr wissen, mit welch einer fundamentalen Theorie sie sich da beschäftigen. Ursprünglich war das mal der Grund, warum deutsche Bbliothekswissenschaftler 1969 bei einem Kölner Kolloquium gezögert haben, von „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ zu sprechen. Es ist ein und die selbe Informationstheorie (Entropie, Negentropie) die die Biologie, die Physik, Nachrichtentechnik, Informatik etc. revolutioniert hat.

    • Karsten Schuldt said, on 9. Februar 2012 at 22:41

      Ich würde dem in dieser Radikalität nicht zustimmen. Es ist richtig, dass der Informationsbegriff in der Informationswissenschaft nicht geklärt ist, was absurd, aber Fakt ist. Insoweit ist meines Erachtens der Versuch der Autorin, einen Informationsbegriff unter Rückgriff auf die verschiedene Literatur zu klären, vollkommen berechtigt. Ich würde zudem postulieren, dass es neben dem philosophischen Zugang den die Autorin bevorzugt, und dem naturwissenschaftlich-kybernetischen Zugang, den Sie bevorzugen und noch eine wissenssoziologischen Zugang gibt. Eventuell ließe sich die Begriffsverwirrung und Unbestimmtheit auch eingrenzen, wenn man zumindest diese drei (oder doch nur zwei) Richtungen klar benennt. Nur den kybernetischen Ansatz als Grundlage zu nehmen scheint mir nicht ausreichend, um einen gesellschaftlich relevanten Informationsbegriff zu formulieren. (Aber eventuell sehe ich das auch nur falsch, weil es keine Diskussion um den Informationsbegriff gibt, der zur Klärung beitragen könnte. Somit dreht sich die Argumentation im Kreis.) Mir leuchtet der philosophische Zugang ehrlich gesagt im Bezug auf Angebote von Bibliotheken (und um die ging es ja eigentlich in der Arbeit) mehr ein, als der kybernetische. (Ein soziologischer würde mir noch mehr einleuchten.)
      Was ich zuerst kritisierte und weiter kritisieren würde, ist, dass nicht klar wird, warum die Autorin gerade den Informationsbegriff von Brier bevorzugt und was sein Erklärungsgewinn gegenüber dem Ansatz von Kuhlen wäre. Dies ist gerade deshalb auffällig, weil Kuhlen von der Autorin explizit abgekanzelt wird. Aber sicherlich stellt sich auch die Frage, warum nach Shannon / Weaver nicht zumindest benannt wird, dass die kybernetische Richtung weiter beschritten wurde. Ebenso wäre zu ergänzen, dass mit einem gewissen Abstand auch der ganze wissenssoziologische Zugang fehlt (was irritiert, wenn die Autorin explizit auf Diskursanalysen Bezug nimmt.)
      Allerdings einer Autorin fast schon paternalistisch zu unterstellen, die hätte sich redlich bemüht, etwas zu verstehen, wäre daran aber gescheitert — davon würde ich sehr Abstand nehmen, zumindest ohne weiter Nachweise. Nicht nur, weil es mir relativ anmaßend erscheinen würde, sondern auch, weil es (hier dreht sich die Argumentation wieder um sich selbst) keine Diskussion um den Informationsbegriff in der Informationswissenschaft gibt, aus dem heraus bestimmt werden könnte, wie in diese Theorie in der Informationswissenschaft selber verstanden werden könnte. Das 1969, also vor immerhin 43 Jahren, eine Auseinandersetzung zwischen Informations- und Bibliothekswissenschaft um den Informationsbegriff geführt wurde, ist fraglos historisch relevant und aufgrund einer anzunehmenden Pfadabhängigkeit der Wissenschaftsentwicklung auch zu erwähnen – ein wirkliches Ausschlussargument scheint mir das nicht mehr zu sein, haben sich doch die beiden Wissenschaften weiter bewegt. (Einen abgesehen von der Frage, wohin sie es taten.)
      Festhalten würde ich unbedingt an der Kritik, dass die Autorin versäumt, klarzustellen, was ihre Ausführungen den für den Begriff (und das Konzept) Informationskompetenz bedeuten sollen.

  3. Walther Umstaetter said, on 10. Februar 2012 at 16:36

    Sehr geehrter Herr Schuldt,

    zunächst meine ich das durchaus ernst, dass sich die Autorin redlich bemüht hat Shannon und Weaver wirklich zu verstehen. Das taten in den letzten Jahrzehnten immer weniger Informationswissenschaftler, was ja zu dem jetzigen Dilemma führte. Das ist auch nicht verwunderlich, weil es in dieser Theorie wirklich erstaunliche Effekte gibt (von den mathematischen Gleichungen ganz abgesehen), die nachweisbar nur wenige verstehen. Was die „Nachweise“ zu meiner Aussage betrifft, so kann ich auch hier nur auf meine genannten Beiträge dazu verweisen. Mein Hinweis auf 1969 hat u.a. den Hintergrund, dass man in der Informationswissenschaft von den Grundlagen inzwischen mehr vergessen, als dazu gelernt und insbesondere vieles verballhornt hat. Um das zu sehen, muss man aber die Literatur der 60er Jahre dazu sichten.

    Was den „kybernetischen Ansatz“ betrifft, so ist das eine oft wiederholte Verballhornung. Wenn Sie auf die Wurzeln der Informationstheorie zurück gehen, werden Sie sehen, dass die Wienersche Kybernetik ebenso wie die Hartleysche Nachrichtentechnik nur kleine Teile der gesamten Theorie sind, die ja eigentlich aus der Thermodynamik (Boltzmann), der Entropie (Shannon), Negentropie (Schrödinger) etc. entstand. Da es in der Informationstheorie ganz grundsätzlich um die Wahrscheinlichkeit von Ordnung geht, ändert sie ihre Bedeutung auch in der Strukturbildung sozialer Systeme nicht. Wie wir im Moment gerade erkennen müssen, führt schon allein die Verwechslung von Information und Redundanz zu juristischen und wirtschaftlichen Verwerfungen, wie sie immer weniger tolerierbar werden. Dass der Begriff Entropie nicht ganz einfach ist, wusste John von Neumann, als er Shannon mehr im Scherz riet: „… niemand weiß, was Entropie wirklich ist, also wird man in der Debatte immer einen Vorteil haben.“, diesen Begriff (mit H = griech. Eta = Entropie) für seinen mittleren Informationsgehalt zu wählen.

    Das eigentliche Problem in der so oft missverstandenen Informationstheorie beruht auf der Verwechslung von Information und Interpretation. Letztere ist Teil der Semiotik ( https://libreas.wordpress.com/2011/08/12/libreas-zitationstracking-journal-of-documentation-und-canadian-journal-of-information-and-library-science/ ) und nicht der Informationstheorie.

    Der Fehlschluss ist also trivial: Man benutzt einen allgemeinsprachlichen schwammigen Informationsbegriff und wundert sich, dass der Shannon/Weaversche sehr viel begrenzter, aber damit in seiner Logik viel weitreichender ist.

    Eigentlich hat Frau Treude sehr richtig erkannt, dass Informationskompetenz mit einschließt, das man die Grundlagen der Informationstheorie verstanden haben sollte. Man kann ihr auch nicht anlasten, dass im Moment zu viele Experten auf diesem Gebiet selbst orientierungslos sind. Zu viele ruhen sich auf der so oft wiederholten Unbestimmtheit aus, während ein sich redliches Bemühen um unser geistiges Fundament dringend notwendig wäre.

    Sie haben völlig Recht, dass es eine elementare Schwäche der Informationswissenschaft ist, dass es keine ausreichende Diskussion zum Fundament der Informationstheorie gibt. Wenn Sie die Diskussion dazu verfolgen, die ich seit Jahren mit dem Kollegen Kuhlen hatte, so ist unübersehbar, dass sich die meisten Kolleginnen und Kollegen dazu sehr bedeckt halten.


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