LIBREAS.Library Ideas

Der Faktor Evidenz. Überlegungen zur Methodendiskussion in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 20. Juli 2011

(Referat zu Alex Garnett (2011) Opinion: Information Science as Knowledge Translation. In: Bulletin of the American Society for Information Science and Technology. June/July 2011. S. 50-53 )

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Nimmt man die evident hohen Download-Zahlen als Maßstab, dann ist ein erhebliches Interesse an der Diskussion zum Stand zur Informationswissenschaft festzustellen. Inwieweit sich die Frage nach der disziplinären Positionierung tatsächlich in der Fachcommunity als Thema erhält, ist derzeit offen. Aber man blickt erwartungsvoll den nächsten Ausgaben der entsprechenden Fachorgane entgegen. Bis diese erscheinen kann man allerdings auch die Juni/Juli-Ausgabe des Bulletin of the American Society for Information Science and Technology zur Hand nehmen bzw. ins Browser-Fenster laden.

In dieser reflektiert der kanadische Bibliometriker Alex Garnett in einer kurzen Positionierung zur Methodendiskussion Erkenntnisse zur so genannten Knowledge Translation, also einem Community-übergreifenden Wissenstransfer, wie er ihn in der Medizin beobachtet, auf das gesamte Feld der Library and Information Science. Genau dieser Aspekt sollte seiner Ansicht nach ins Zentrum der Bibliotheks- und Informationswissenschaft und ihrer Methodologie rücken. Und zwar in Rückgriff auf Verfahren der evidence based practice, was sich im Ergebnis vor allem als methodisch breit aufgestellte Zusammenziehung von realexistierenden Bedingungen und der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Metabetrachtung herausstellt. (more…)

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Hört! Sagt! Robert Schriers Konversationsschema für digitale Bibliotheken.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 20. Juli 2011

(Referat zu Robert Schrier (2011) Digital Librarianship & Social Media: the Digital Library as Conversation Facilitator. In: D-Lab Magazine July/August 2011. Volume 17, Number 7/8. doi:10.1045/july2011-schrier )

Ab und an – eigentlich viel zu selten – werde ich in Zusammenhang mit meiner Beschäftigung mit bibliothekswissenschaftlichen Themen mit einer Frage konfrontiert, die die Teilaspekte „Warum?“, „Wofür?“ bzw. „Für wen?“ bündelt und darauf zielt, wie man all die theoretischen Überlegungen und weiten Wege, die man in der Auseinandersetzung mit Thesen und Beobachtungen geht, am Ende in Abkürzungen für das praktische Handeln verwandelt.

Gegen den Anspruch, dass die Erkenntnisse bibliothekswissenschaftlicher Reflexionsarbeit sinnvoll für bibliothekspraktische Gestaltungen anwendbar gemacht werden müssen, lässt sich nämlich nichts ins disziplinäre Feld führen. Außer vielleicht einem „Gemach, gemach“, denn das Fell des Bären der Erkenntnis wird erst dann zum (mit)teilbaren Gut, wenn es in der Höhle des Denkens genügend Dichte entwickelte, um nicht beim kleinsten Windstoß zu zerfallen. Dass die Verschiebungen auf dem Operationsfeld sich vergleichsweise rasant vollziehen, erleichtert das Ganze nicht unbedingt. Aber selbst dem tagesaktuellen Kommentar hilft es, wenn hinter ihm ein abstrakteres und stabileres Gerüst steht. Publikationsmedien wie dieses Weblog hängen ein wenig dazwischen: Sie entsprechen diesen Höhlen, die allerdings fast etwas von Zoogehegen haben, da man buchstäblich durch eine Scheibe (der des Displays) den dahinter befindlichen Akteuren beim Denken zusieht. In anderen Zusammenhängen würde man vermutlich ungeniert von Transparenz sprechen.

In dieses Gehege ziehe ich heute ein Beispiel für eine Überleitung zwischen Erkennen und Kommunizieren für die Bibliothekspraxis. In der aktuellen Ausgabe des D-Lib Magazine beschäftigt sich Robert Schrier von der iSchool der Syracuse University in seinem erfreulich überschaubaren Text mit den Möglichkeiten, die Soziale Medien gleichzeitig für die Bestandsvermittlung und mehr noch für die Nutzerbindung für Bibliotheken bieten. (more…)