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It’s the frei<tag> Countdown. Noch 28 Tage.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by Karsten Schuldt on 13. Mai 2011

Ein ständiger Lernprozess ist sie, die Demokratie. Und auch eine Form der Freiheit, die immer wieder einmal verteidigt und aktiv betrieben werden muss. Wird sie reduziert darauf, wählen zu gehen oder wird sie einfach nicht genutzt, verfällt sie. Diese Wahrheit über unsere Regierungs- und Gesellschaftsform ist so einfach und einsichtig, wie sie auch gerne vergessen oder übersehen wird. Die moderne Gesellschaft kann und muss die Trittbrettfahrerinnen und Trittbrettfahrer, die von der Freiheit nicht die Verantwortung wollen, mittragen. Aber sie kann nicht nur aus solchen Mitfahrenden bestehen. Jede Regierungsform verfällt, wenn sie von niemandem getragen wird, die Demokratie aber schneller als andere, weil sie auf diesem Mittun basiert.

Gleichzeitig ist die Demokratie auch nicht immer schön und einfach. Manchmal schaut sie aus, wie ein ewiges Treten gegen Strukturen, ein Reproduzieren von Aktionsformen, ein Weiterleben von Debatten, die man abgeschlossen wähnte; zeitweise scheint sie ein Hobby für einige Studierende zu sein, die dem Tourismus oder dem Verkehr im Weg stehen. Aber, so wissen wir, ist dies der Preis der Freiheit. So freundlich, frisch und frei, wie es am 12. Februar auf den Tahrir-Plätzen in Kairo und Alexandria schien, oder am 14. Januar in Tunis, sieht die Realität einer funktionierenden Demokratie selten aus.

Den bekanntlich ist nicht alles perfekt hier. Vielmehr gibt es Gründe genug, auf die Straße zu gehen, sich zu engagieren, Informationen zu sammeln und zu verbreiten. Informationen – und so kommen wir zum Thema – sind eben nicht nur die Triebfeder moderner Wirtschaft, sie sind auch die Grundlage jeder demokratischen Gesellschaft: egal ob als Mittel, um das Funktionieren der Gesellschaft zu verstehen und zu steuern oder als Mittel, um die Probleme der Gesellschaft aufzudecken, zu thematisieren, skandalisieren, überhaupt zu verstehen. Informationen sind ein Werkzeug, um die Gesellschaft weiter zu verändern und ihre Entwicklung zu beeinflussen. Die Zerbrechlichkeit moderner Gesellschaften nennt das Nico Stehr und meint das unbedingt positiv.

Insoweit ist nicht nur die Freiheit von Kunst und Presse, sondern auch der Informationen eine grundlegende Voraussetzung für eine freie Gesellschaft. Insoweit ist es auch die Aufgabe, funktionierende Informationseinrichtungen zu unterhalten, die rechtmäßig der Politik gestellt werden muss. Nicht nur, weil sie vielleicht einen ökonomischen Einfluss haben oder weil auch andere Länder sie haben, sondern weil sie Teil sein müssen einer Gesellschaft, die ihren Bürgerinnen und Bürgern zugesteht, potentiell sich selbst regieren zu können und zu dürfen.

Gleichwohl ist das nie alles. Auch Diktaturen unterhalten Bibliotheken und Informationseinrichtungen – oft in großer Zahl. Information alleine bringt keine Veränderung, das Engagement aufgrund von und mit Informationen tut es. Faktische Informationen alleine reichen nicht immer aus, um die Gesellschaft zu richtigen Entscheidungen zu bringen. Die Uminterpretation von Daten, das Ignorieren oder Kontern mit anderen Daten ist eine gängige Vorgangsweise. Aber dennoch kommt man nicht umhin, festzuhalten: Je komplexer die Gesellschaft wird, um so schwieriger wird es, ein einfaches „richtig oder falsch“ auszumachen.

Dass die Diktaturen fort müssen, dass alle die gleichen Rechte haben sollen, dsas alle das Recht haben müssen, nach Glück zu streben und dass die, die Verantwortung haben, auch verantwortlich für ihre Entscheidungen sind – das ist einfach zu klären. Es gibt ein richtig und ein falsch. Doch ob beispielsweise die Novellierung eines Hochschulgesetzes in angemessener Weise die Parität der Statusgruppen bewahrt, die Höhe der Zuwendungen zum Studentenwerk angemessen oder die Organisation des Europäischen Hochschulsystem sachgerecht und gleichzeitig demokratisch erscheint, ob die Förderung langfristiger Infrastruktur zur eigenbestimmten Bildung und Freizeit ausreichend und richtig gestaltet ist, sind Fragenkomplexe, die nur mithilfe der Interpretation von Information ansatzweise zu beantworten sind. Bis dann auf der Straße oder in den Verein oder den Parlamenten etwas passiert, ist viel Information verarbeitet und neu produziert worden. Die Demonstrationen, die uns in den großen Städten ständig auffallen, sind immer nur das Ausdruck zuvor geführten Informationsarbeit.

Nimmt die Bibliotheks- und Informationswissenschaft das ernst? Wäre es eine Aufgabe, dies ernst zu nehmen und zu untersuchen? Oder ist das der Informationssoziologie und Medienwissenschaft überlassen? Stellen sich nicht zumindest Fragen zur Zielsetzung von Informationseinrichtungen? Wie funktioniert sie, die Demokratie, der ständige Lernprozess, im Bezug auf die Nutzung von Informationen?

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