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Call for Papers LIBREAS #15: Nach der Semantik – eine neue linguistische Kehrtwende

Posted in LIBREAS Call for Papers by Ben on 14. März 2009

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Eine zentrale Herausforderung für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft liegt in der grundlegenden Veränderung ihres Gegenstands: War das Bezugsobjekt traditionell ein physischer Datenträger, der als die Inhalte repräsentierende Instanz behandelt wurde, erfordert das digitale Auftreten dieser Inhalte eine fundamental andere Perspektive.

Gewisse Vorläufer lassen sich im Dokumentationswesen und der Dokumentationswissenschaft sehen. Die Form, in der Inhalte vorliegen, erweist sich in digitalen Umgebungen als flexibler Aspekt. Inhalte werden hier hypertextuell offen erzeugt, dynamisch distribuiert und automatisch erschlossen. Die Anwendung traditioneller intellektueller Erschließungsverfahren erweist sich angesichts der schieren Menge an Material als nicht einlösbar.

Nimmt man die Dreiteilung der Semiotik in Syntaktik, also die Beziehung von Zeichen zueinander, Semantik, die Beziehung zwischen Zeichen und den sie symbolisierenden Objekten sowie die Pragmatik als Beziehung zwischen den Zeichen und den sie Verwendenden als Bezugsrahmen, so bewegen sich die technischen Erschließungsmöglichkeiten momentan überwiegend auf der syntaktischen Ebene. Diese ist aufgrund der eindeutigen binären Struktur digitaler Texte auf der Zeichenebene zu 100 % präzise: Es müssen nur die richtigen Relationen algorithmisiert und angewandt werden.

Auf der semantischen Ebene, die die Relation zwischen dem Zeichen und dem dahinter stehenden Bedeuteten betrifft, finden sich im so genannten Semantic Web z.B. im Bereich der Ontologiekonstruktion, technische Ansätze, die aber in ihrer tatsächlichen Wirksamkeit momentan eher eingeschränkt sind. Um Bedeutungsverhältnisse praktisch zu realisieren, ist nach wie vor ein intellektueller Eingriff notwendig.

Die pragmatische Ebene entzieht sich bisher nahezu völlig einer technischen Umsetzung. Sie gewinnt aber in dem Maße, in dem sich die Kommunikation digital vermittelt vollzieht, an Relevanz. Es vermischen sich an dieser Stelle explizit als Publikation intendierte Inhalte mit eher persönlichen Äußerungen. Syntaktische und auch semantische Technologien können hier nur schwer differenzieren.

Die zu diskutierende Leitthese der nächsten LIBREAS-Ausgabe lautet, dass eine zeitgemäße Beschäftigung mit Zeichen und Zeichenstrukturen den gesamten semiotischen Rahmen einbeziehen muss. Eine Beschränkung auf syntaktisch-strukturelle Aspekte führt zu einer Verkürzung des Blicks hinsichtlich der tatsächlichen Nutzung solcher Umgebungen. Ein rein intellektuell-pragmatischer Ansatz scheitert zwangsläufig an der Fülle des Materials. Erst durch die Verbindung der drei Ebenen kann die Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Komplexität vernetzter, digitaler Inhalte gerecht werden.

Unklar ist bislang, wie diese Verbindung realisiert wird. Für die nächste Ausgabe von LIBREAS suchen wir daher Beiträge, die sich konzeptionell und/oder methodologisch mit diesem Kontext im engeren und auch weiteren Sinn befassen und/oder die Leitthese diskutieren. Ziel ist es, die Beziehungen zwischen Zeichen und Texten mit ihrem syntaktischen und semantischen Eigenschaften und den menschlichen Akteuren, die diese in digitalen Netzen verwenden, zu elaborieren sowie Einsatzfelder und methodische Potentiale der Bibliotheks- und Informationswissenschaft in diesem Zusammenhang zu formulieren. Redaktionsschluss ist der 24. Juli 2009. Bitte achten Sie auf unsere Autoreninformationen. Sie erreichen die Redaktion unter redaktion@libreas.eu.

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