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Masse und Mall – Das Einkaufserlebnis Seoul

Posted in LIBREAS on tour by Ben on 29. August 2006

Shopping in Seoul ist harte Arbeit. Während das tägliche Einkaufen im Hapjeong Mart um die Ecke aufgrund nicht immer klar für uns deutbarer Inhalte der fremdsprachig beschriften Verpackungen kleine Überraschungen bereithielt, ansonsten aber der heimischen Lebensmittelbeschaffung in Spar, Lidl oder Konsum sehr ähnlich ist, führt eine Shopping Tour durch Myong-Dong und Dongdaemun selbst erfahrene Kudamm-Gängerinnen schnell an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Generell sind in der Metropole des Kaufrauschs zwei Hauptformen des Einkaufsvergnügens zu unterscheiden: Der Markt und die Mall. Dazu kommen dann noch die großen Kaufhäuser wie Lotte, Hyundai und Shinsegae, die allesamt angefüllt sind mit den Köstlichkeiten und der Haute Couture aus Westeuropa und Nordamerika, für uns also bis auf die Feinschmecker-Etagen nicht sonderlich interessant waren.

Lacoste es was es wolle. In den Kaufhäusern à la Lotte sind langweiligerweise die internationalen Topmarken dominierend. Das einzige, was wir hier mitzunehmen wussten, war Schokolade der japanischen Marke Morinaga. Die Lindt-Täfelchen lagen gleich daneben.

Die Shopping Malls dagegen nahmen wir fast zwangsweise intensiver wahr, gab es doch mit der Coex-Mall ein Musterexemplar direkt unter dem Kongresszentrum. Dieses allein ist ausreichend, einen normalen Shopping-Fanatiker mindestens eine Woche lang zu beschäftigen.

Ring über sprudelnd Wasser. Bei Fishnflower gibt es herrlichen Modeschmuck und den gratis Blick ins Aquarium. Die Fische sind hier - anders als in unserer Straße - nicht zum Verzehr bestimmt.

Besonders angetan hatten es dort dem LIBREAS-IFLA-Team jene Fachgeschäfte, die den Ikonen des fernöstlichen Kindseins – Dalki, Hello Kitty! und Dear Daniel, Thomas and friends, Pucca – huldigen und den unsinnigsten Merchandise-Kram feilbieten. An zweiter Stelle kamen Schreibwarenhändler, in denen es u.a. hunderte Variationen der in Deutschland so schwer zu bekommenden Visitenkartensammeltäschen gibt.

Hello Shopping! Ein ganzer Shop in Kitty-Rosa und Shinkansen-Blau mit einem Deutschland-Ebay-Sammler-Gesamtwert in Höhe von mehreren Millionen. Das war uns egal, wir wollten nur den Hello Kitty!-Lipgloss auf den Lippen und die Miniaufkleber maximal verkleben. Was uns gelungen ist.

Zwei U-Bahn-Stationen von der Coex-Mall entfernt gibt es die Lotte World, in der man sich wahlweise das Folk Museum ansehen, Eislaufen gehen oder sich den Spielzeugladenkollaps holen kann. Oder alles drei. Härteste Selbstdisziplin und Ermüdung haben schließlich dazu geführt, dass es bei einem Plüschwombat blieb. Auch die Fingernägel haben wir uns nicht machen lassen, obwohl man das hier wirklich an jede Mall-Ecke tun kann, ebenso verzichteten wir auf die Indoor-Ballonrundfahrt. In einer Einkaufswelt, die jeden Tag so trubelig ist, wie die Potsdamer Platz Arkaden an einem Adventssamstag, ist der ungeschulte Passagengänger recht schnell nah am Overkill und möchte dann irgendwann auch einmal Ruhe für die müden tragetaschenschleppenden Glieder. Mehr geht nun wirklich nicht.

Jedenfalls vermutet man dies bis zum Besuch der Märkte und Malls um Dongdaemun bzw. am Dongdaemun-Stadium, die wir trotz härtestem Engagement bestenfalls zu einem Achtel erschließen konnten. Besonders der Fashion-Sektor ist in einem Maße mit Marktständen, Fachgeschäften und Einkaufszentren ausgestattet, dass man deutschen Männern nur raten kann, niemals(!!) ihre Frauen dorthin zu führen. Allein eine der neun Etagen des Doota-Store, die passender Weise mit einer von armen männlicher Einkaufsbegleitern gefüllten Pausenlounge ausgestattet ist, band uns ca. für ewig (gefühlt). Zur Men’s Fashion sind wir nicht mehr vorgedrungen, obwohl die Geschäfte konsequent bis spät in die Nacht öffnen. Bei der nebengelegenen Hello aPM-Mall, die wir, erschöpft wie wir schon von Doota waren, wirklich nur noch von Außen sehen wollten, gab es zwei große wummernde und blitzende Bühnen zur Unterhaltung der Einkaufsgänger, die uns, wie wir uns hier bei lauter Tanzmusik Atem zu schöpfen versuchten, einen interessanten Einblick in das institutionalisierte Balzverhalten bühnenreifer Koreaner boten.

Boys who like Girls who like Boys who like... So richtig verstanden haben wir das Prinzip der Show nicht, aber niedlich war es schon sehr.

Offensichtlich galt es, mittels Tanzverhalten dem jeweiligen Herzblatt auf der Bühne zu demonstrieren, wie weit man mit ihm gehen würde. Der Moderator macht so etwas jedenfalls in diesem kleinen Filmchen (.mov; ca. 6,5 mb) vor, eine Kandidatin in diesem Clip entsprechend nach. (.mov; ca. 7 mb). Auf dem Heimweg ging es dann noch in ein Pizza-Geschäft mäßiger Qualität, an einen Pucca-Figur-Automaten und schließlich an ein paar mobilen Lederwarenhändlern vorbei, die gar neckische Geldbeutel im Angebot hatten, so dass auch sie mit uns Besuchern ihren Schnitt machten. Mit wem sie es sonst bei der Fülle des Angebots tun, bleibt uns wohl ewig ein Geheimnis. Dasselbe gilt für die Frage, woher die tausenden im Schnitt im Teenager-Alter befindlichen jungen koreanischen Nightshopper Zeit und Geld für dieses exzessive Vergnügen nehmen.

Mama mia! Eines von unendlich vielen Kleidungsgeschäften in Namdaemun, einem weiteren Shoppingbezirk Seouls.

Insgesamt bleibt als Shopping-Fazit, dass man sehr robust und resistent gegen massiven Lärm und massives Blinken sein sollte. Wissen, was man sucht, muss man nicht unbedingt, denn das Gesuchte findet man eigentlich nie. Dafür tausend andere schönen Sachen, die – so glaubt man – das Leben schöner machen. Und wie wir unsere wenigen Souvenirs zurück in good old Germany auspacken, scheint das sogar zu stimmen.

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