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Nacke/Veritologie…

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 27. Juli 2006

Nacke, O.: Veritologie – Wahrheitskunde: ein neuer Name für eine neue Disziplin. In: iwp 57 (4) S.226-229 (2006)

Veritologie ist eine neue Wissenschaft, wenn die herkömmliche Wissenschaft es aufgegeben hat, rücksichtslos nach Wahrheit zu suchen, weil immer mehr Wissenschaftler, oder besser gesagt Pseudowissenschaftler, sich gezwungen sehen, das zu publizieren, was man von ihnen erwartet, im Gegensatz zu dem was sie als „Wahrheit“ erkennen. Dabei steigt das Interesse der lobbyistischen Finanziers an bestechlichen Pseudowissenschaftlern mit dem zunehmenden Gewicht der Wissenschaft bei allen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsfindungen. Dies ist somit zweifellos ein wachsendes Problem, das dazu führt, dass man unter Stichworten wie fraud in science oder Wissenschaftsbetrug bei Recherchen zunehmend Treffer erzielt.

Nacke zählt 10 „Definitionen des Begriffs ’Wahrheit’“ auf. Sie kommen aus verschiedenen Kontexten und sind damit verschiedene Aspekte des Gesamtproblems, wobei die Feststellung, dass Wahrheit die „Übereinstimmung der Erkenntnis mit der objektiv-realen Wirklichkeit“ ist, den Kern wohl am ehesten trifft, denn das ist es, was eine wissenschaftliche Theorie leisten muss. Im Gegensatz zu dem oft zu hörenden Satz, „Das mag in der Theorie so sein, in der Praxis ist das ganz anders.“, handelt es sich bei dieser Aussage um eine Hypothese, die sich eben nicht verifizieren lässt, also auch nicht der Veritologie unterläge.

Der Beitrag Nackes wirft also damit die Frage auf, ob die herkömmliche Wissenschaft sich als Veritologie erneuern muss, oder, und auch das wäre denkbar, dass moderne Dokumentation sich als Veritologie versteht, die Widersprüche, Betrügereien oder einfache Fehler aufdecken hilft. Eine der wichtigsten Aufgaben der Dokumentation in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts war z.B. Doppelarbeit zu verhindern. Die Aufgabe, die Produktion von Unsinn bzw. Unwahrheit zu minimieren, ist noch immer eine klassisch bibliothekarische bzw. dokumentarische. Im allgemeinen geschah und geschieht dies in Bibliotheken und Dokumentationen schon dadurch, das vergleichbare, widersprüchliche oder auch sich ergänzende Publikationen so zusammengestellt werden, dass die Benutzer dieser Systeme sich selbst ein fundiertes Urteil bilden können. Nackes Aufruf, es wäre wünschenswert, wenn die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis der Veritologie einen angemessenen Platz einräumen würde, ist somit durchaus bedenkenswert. (W. Umstätter)

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