LIBREAS.Library Ideas

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (23): Kein Twitter ist auch keine Lösung: eine Reflexion.

Posted in LIBREAS Veranstaltungen by szepanski on 27. Februar 2013

von Christoph Szepanski1

“I think I’m Noam Chomsky
Dropped out of college
Started reading Noam Chomsky
Twitter feed look like I’m ready for war
Vonnegut is dead”

(Sole – I Think I’m Noam Chomsky)

Wer wohl jetzt noch nicht auf Twitter ist, der kommt wohl auch nicht mehr, so meine Behauptung, wenn man die einschlägigen Parabeln hierzu betrachtet. Irgendwo im Tal der Ernüchterung und zwischen dem rettenden Pleateau der Produktivität steckt der Zwitscher-Dienst derzeit. Jedenfalls scheint mir die Begeisterungsfähigkeit für die Nutzung von Twitter für die early oder late majority nun auch vorbei zu sein. Und auch der angenommene Wert des so genannten “Tweetamin B” – der Effekt der sozialen Netzwerkeinbindung, welcher vor allem von der Exklusivität lebt, Ist nun auch durch. 2013. Jetzt.

Gewiss jedoch ist dieses twittern längst fashionable. Als cooles Gimmick auf der Party, beim Warten auf die Tram/ die nächste Grünphase oder um die Zeit zwischen zwei Verabredungen zu überbrücken – quasi die Nichtraucherversion der sonst hier üblichen Warte- oder Verlegenheitszigarette (wenn man schmerzlich spürt, was YOLO auch bedeuten kann) – und nicht zuletzt zu den Erscheinungen des digitalen Echtzeit-Eskapismus zuzuordnen.

Die letzten beiden Absätze haben es bereits impliziert: ich bin ein wenig von Twitter ernüchtert. Das Medium wird auch für mich zunehmend lauer. Der Lack ist ab, heißt es so schön, aber auch ich möchte nicht gleich in das derzeit hippe Twitterbashing verfallen (z.B. hier und hier).

Kein Twitter ist auch keine Lösung. Zunächst sei erstmal angebracht zu reflektieren, wieso es dazu kam, um im Verlauf des Textes Lösungen anzubieten, denn nörgeln und das ausschließlich (!) kann ja jeder. Aber was nützt das Ganze, wenn nicht zumindest Mittel und Wege zur Problembewältigung angeboten werden.

Twitter Vogel

Der gehetzte Mensch (hier als early bird).

Die Ernüchterung

Twitter war sozusagen meine erste Social Media Liebe. Jetzt ist sie weg bzw. besser noch ihr Reiz. Denn eigentlich ist sie noch da. Aber aus dem glücksverheißenden Frühlingsgeschöpf wurde mittlerweile eine etwas welke Matrone, die sich freilich noch immer in dieselbe Caprihose zwängt. Es scheint einfach nicht mehr zu passen. Und darüber, warum mir all das plötzlich zu eng und bedrängend erscheint, denke ich nun intensiver nach. Vielleicht auch aus der Sehnsucht nach dieser ersten Begeisterung der neuen Möglichkeiten, wohlwissend, dass das mit einem ähnlichen Medium nie wieder geschehen wird. Bevor ich bloggte, bevor ich beschloss auf Facebook aktiver zu werden und mich überhaupt mit den mannigfaltigen Social Media Diensten eingehender auseinanderzusetzen, war rank und schlank nur Twitter.

Es ist richtig: die #aufschrei-Debatte trug maßgeblich dazu bei. Dass dort während dieser Kampagne das Blockieren von Meinungen, also von Accounts, erheblich zunahm und ich selten auf soviel Intoleranz in einem sozialen Netzwerk stieß – weil wohl jene Kampagne daneben ging – waren die feurigen Augen, denen ich verfiel. Ich bin mir auch bewusst, dass die Idee von einer meinungsmäßig ausgegeglichen Anzahl von Follower und Followings letztlich verträumt naiv ist. Am Ende wollen wir alle in der Geborgenheit unserer eigenen Filterblase bleiben und bestimmen können, was geschieht. Gezielt nach anderen Ansichten und Blickwinkel auf ein und desselben Gegenstandes zu suchen, passiert folglich eher selten. 

Das geschieht genauso in der analogen Welt, der Realität, von Angesicht zu Angesicht und wird schließlich nur in den zunehmend separierter werdenden digitalen Räumen reproduziert.

Was mich aber wirklich enttäuschte (ein Sprichwort besagt, dass man nur enttäuscht werden kann, wer sich vorher selbst täuschte) war die vor kurzen gemachte Beobachtung, dass man auf Twitter vor allem die Agenda der etablierten Medien aus TV (so genanntes Social TV), Print sowie Onlinejournalismus und Rundfunk fortführt, sodass das Medium letztlich doch nur zur Steigerung der Reichweite des Etablierten dient. Twitter eignet sich strukturell nicht zum neuen Sender, sondern verlängert nur die Kanäle, die ohnehin schon dominieren. Dazu zählt nicht nur der #aufschrei. TV-Formate, insofern, dass sie so platziert sind, dass sie einen Teil der Online-Community auch ansprechen – positiv wie negativ (jungst z.B. zdfLogin, Absolute Mehrheit, #wwtfmg oder selbst Wetten, dass…) können sich sicher sein, dass ihr Programm von der Twitter-Community bis zum letzten Grad der Irrelevanz fortgeführt wird. Das betrifft gerade die x-te Bekundung, wie einseitig, langweilig oder verblödend das Ganze ist. Luhmanns Realität der Massenmedien (alles was wir wissen, wissen wir von denen) – so der freie und sehr verkürzte Auszug – schlägt uns hier ein Schnippchen. Twitter war in der letzten Zeit ein wenig zu häufig lediglich Multiplikator für etwaige TV-Formate oder Kampagnen der Hegemonen des Printjournalismus. Und viel zu oft fühlt man sich in den Agenden nach wie vor auf die Rolle des Publikums reduziert. Das muss nicht unbedingt die des Claqueurs sein. Gerade der Buh- und Zwischenrufer ist gefragt, solange sein Zwischenruf nichts grundsätzlich hinterfragt. Denn gerade so lässt sich der Eindruck (oder womöglich sogar mehr noch der Mythos) der neuen digitalen Demokratie aufrechterhalten.

Für mich heißt es dann oftmals “abschalten”. Manchmal führt das jedoch auch zu Kuriositäten. So war es (nicht nur für mich) beobachtbar, dass die Anzahl der Tweets die hinsichtlich des #aufschrei hashtags gesendet wurden sprunghaft abnahmen, als “der Bachelor” auf RTL lief. Eine sentiment analysis dahingehend wäre interessant und sicher finden sich bald ein paar Medienwissenschaftler, die das übernehmen. Lediglich die Mär von 90 000 twitternen ausschließlich weiblichen Sexismus-Opfern unter dem #tag aufschrei wurde korrigiert.

Twitter muss weiter für den einen oder anderen kuriosen priming-Moment herhalten. Sobald man ein Event verfolgt und parallel dazu Twitter nutzt, sieht man je häufiger man auf Twitter interagiert eher das Event durch die Augen der Anderen, als das Eigene (was da so dem Kopf entspringt). Das kann stören, jedoch auch manchmal ziemlich hilfreich sein. Bei mir war eher letzteres der Fall.

Ein Lösungsansatz

Das Blockieren von anderen Twitterern ist letzlich nur eine Handlung im Rahmen der Bewältigung von Alltagskomplexität, so meine These. Dahinter steckt nicht unbedingt Böswilligkeit. Eher Überforderung. Problematisch wird es, wenn sich daraus eine Art Systematik entwickelt, gar eine Bewegung, die den digitalen Putzlappen schwingt und gegenläufige Argumentationen wegzuwischen versucht, damit die etablierten bzw. die gerade zu verkaufenden Meinungen durchsetzungsstark genug bleiben. Twitter ist nun nicht mehr länger Multiplikator für bspw. TV-Formate, sondern auch für Ideologien.

Was wir benötigen, wäre eine zur Twittersphäre passende Selbstverpflichtung, die sich am ehesten an den auch sonst in der anlogen Welt etablierten und gut funktionierenden humanistischen Werten orientiert. Darin enthalten: Sei dir bewusst, dass der oft hastig eingetippte Schmäh-Tweet letztlich mehr über dich aussagt, als über denjenigen den man damit zu diskreditieren versuchte. Problematisch bei diesen Aussagen ist ja stets, dass die Forderungen von der anvisierten Zielgruppe letztlich ignoriert werden. Ein Paradoxon, welches nicht erst seit Social Media besteht. Zumindest etwas mehr Reflexion wäre ein Anfang.

Nichtsdestotrotz ist mir Twitter immer noch eines der wichtigsten sozialen Netzwerke und am Ende eines Tages dann doch nicht so ein Unort wie es vielleicht erscheint. Twitter bleibt auch weiterhin im Tagesablauf fest integriert, wenn auch die große Leidenschaft dahin ist. Man sitzt zum Abend beieinander und weiß, dass es schlimmer hätte kommen können. Und ist traurig, dass es nicht besser kam. Aber vielleicht ist es noch nicht zu später. Immerhin haben wir Spielräume und was geschieht, hängt doch maßgeblich von der gewählten Nutzungsart ab. Twitter kann vieles sein: ein nach persönlichen Vorlieben konfigurierter Nachrichtenchannel, ein Weg A-, B- oder C-Promis und Debbie-D-cup nahe zu sein, eine Aphorismensammlung oder Sammelbecken diverser Stimmen der Gesellschaft. Für Soziologen ist Twitter ein exzellenter Datenpool und für Marketing-Experten erst recht. Ach, und als (wissenschaftlicher) Dokumentlieferant ist Twitter natürlich auch prima. All das wird gesteuert durch das eigenverantwortliche hinzufügen oder entfernen von Accounts denen man folgen möchte. Und wenn man es geschickt macht, dann eignet es sich vielleicht – ich betone: vielleicht! – auch als Werkzeug zur individuellen politischen Emanzipation. Eines ist jedoch klar: Twitter schenkt uns nichts.

———————

1 Ursprüngliches Erscheinungsdatum 24.02.2012. Wegen Krankheit des Autors und dank eifriger Mithilfe der LIBREAS Redaktion für diesen LIBREAS Countdown publiziert.

 

#newlis – Zwischen #innovation, #Anspruch und #icamp12

Posted in LIBREAS.Visualisierung by libreas on 17. Juni 2012

Auf dem Weg zu einer neuen OA-Zeitschrift für die deutschsprachige Bibliotheks- und Informationswissenschaft? Das Twitter-Kommunikationsnetzwerk #newlis.

Tweets stecken trotz ihrer 140 Zeichen voller Entitäten, die potentiell für unterschiedliche bibliotheks- und informationswissenschaftliche Fragestellungen interessant sind. So lassen sich Links auf Publikationen, die in Tweets erwähnt werden, für die Messung ihrer unmittelbaren Rezeption oder Hashtags und user-mentions für die Explorationen eines Kommunikationsnetzwerkes heranziehen (siehe ua LIBREAS Tag Twitter). Bis vor kurzem war die Extraktion dieser Eintitäten über die Twitter Search API allerdings nicht explizit in den Metadaten ausgezeichnet, was im Schluss zu ungenauen, und häufig auch unansehnlichen Experimenten mit Linkresolvern und Regulären Ausdrücken führte.

Seit Dezember 2011 exponiert Twitter nun auch die sogenannten Tweet-Entitäten (Tweet Entities), womit sich Medienarten, URLs, Benutzer und Hashtags zielgenau aggregrieren lassen.  Auf GitHub stehen nun vier an Hilfsfunktionen in R zur Verfügung, die auf die Erweiterung der Twitter Search API aufsetzen und über die Suche nach einen Hashtag die netzwerkanalytische Exploration unterstützen.

https://github.com/njahn82/twitter

Kommunikationsnetzwerk #newlis

Als Antwort auf die Ankündigung, dass die von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin herausgegebene Zeitschrift BIBLIOTHEKSDIENST ab 2013 bei De Gruyter erscheint, wird unter #newlis die Neugründung einer reinen Open Access Zeitschrift für die deutschsprachige Bibliotheks- und Informationswissenschaft diskutiert und Strategien in einem Etherpad gesammelt.

Mit der Hilfsfunktion hash.search.rt lassen sich Tweets über einen Hashtag aggregieren. Diese ordnet dabei tabellarisch einem Ersteller eines Tweets den von ihm in diesem Tweet erwähnten weiteren Nutzern zu.

Damit lässt sich eine Kantenliste, die die Grundlage  für die obige Visualisierung bildet. Am Beispiel von igraph

#functions under https://github.com/njahn82/twitter/tree/master/Twitter
require(R.utils)
require(igraph)

sourceDirectory("")

# search with hashtag
hash.search.rt <- ("newlis")

#prepare network data
my.graph <- graph.data.frame(my.data[,c(2,3)])

#prepare plot
V(my.graph)$label = V(my.graph)$name
V(my.graph)$label.cex = sqrt(degree(my.graph))*0.4 
V(my.graph)$size = sqrt(degree(my.graph))*2
V(my.graph)$frame.color = NA
V(my.graph)$color = "#E41A1C"

#plot + save
png("testgraph.png")
plot(my.graph,layout=layout.fruchterman.reingold,edge.arrow.size=0.2,vertex.label.color = "gray20")
dev.off()

(nj)

[Preprint] Angriff von unten: Tiefgreifende Veränderungen durch elektronische Literatur

Posted in LIBREAS preprints by libreas on 21. Februar 2012

von Johanna Mauermann & Oliver Bendel

Abstract: Der Artikel »Angriff von unten« von Johanna Mauermann und Oliver Bendel befasst sich mit den tiefgreifenden Veränderungen auf dem Literaturmarkt durch die voranschreitende Verbreitung von elektronischer Literatur. Er zeigt auf, dass die Impulse vor allem »von unten« kommen, vorbei am traditionellen Literaturbetrieb. Dieser befasst sich erst allmählich mit den neuen Formaten, Plattformen und Vertriebswegen. Die Autoren erstellen das Portfolio der elektronischen Literatur zweier Länder, Japans und Deutschlands (und am Rande der deutschsprachigen Schweiz). Japan deshalb, weil elektronische Literatur dort inzwischen einen hohen Stellenwert hat, auch für den Buchmarkt. Deutschland und Schweiz, weil sich hier ähnliche Strukturen entwickelt haben, deren Erforschung in den Händen der hiesigen Wissenschaftler und des Literaturbetriebs liegt. Die Autoren gelangen zu dem Schluss, dass im »Schreiben 2.0« insgesamt viel Potenzial steckt. Es gilt daher, die aktuellen Entwicklungen zu erfassen, zu bewerten und zum gegenseitigen Austausch aufzufordern. (more…)

Noch wenige Stunden mit TwapperKeeper!

Posted in LIBREAS.Scheitern, LIBREAS.Visualisierung by libreas on 4. Januar 2012

Ungeachtet der Frage nach dem Wert von Twitter für die Bemessung wissenschaftlicher Kommunikationen (vgl.  Die Buzzermeter. Warum die Tweetmetrics den Menschen stärker in den Blick nehmen sollten) wird am 6. Januar mit TwapperKeeper ein Online-Archiv vom Netz genommen, das der Debatte eine wichtige, non-propritäre Quelle für zukünftige Twitter-Studien hätte bieten können.

Wie kann ich meine Archive sichern?

Wir haben hier bereits früh einen Weg dargelegt, wie sich Archive leicht anhand eines Hash-Tags aus TwapperKeeper heraus sichern lassen, was in viele Verbesserungen und Alternativen mündete:

Dank dieser weitaus offeneren und elaborierteren Arbeiten ist es in den nächsten Stunden noch möglich, persönlich, organisatorisch oder für die Begleitforschung bedeutsame Archive  zu sichern.

Was uns fehlen wird?

Am Beispiel der Twitter-Kommunikation während der Bibliothekartage der Jahre 2010 (#bibtag10) und 2011 (#bibtag11) wird deutlich, welches Potential TwapperKeeper etwa für längerfristige Untersuchungen der (bibliothekarischen) Konferenzkommunikation über Twitter hätte spielen können. Die folgende Skizze soll einen Einstieg in die Fragestellung bieten, wer wen im Rahmen der Bibliothekartage 2010 und 2011 erwähnt bzw. referenziert und wer sich überhaupt an der Kommunikation beteiligt hat.

Kommunikationsnetzwerk während #bibtag10 und #bibtag11 zwischen "Konferenzteilnehmern".

Zum Zoomen als pdf

Alternativen zu TwapperKeeper?!

(more…)

Das Jahr 2011 in der internationalen Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

Posted in LIBREAS aktuell by Ben on 31. Dezember 2011

Eine Rundschau von Ben Kaden

Zum Jahresende blickt man nicht selten auf Stapel von Publikationen, die durchzusehen man sich anschickte, es aber aus dem einen anderen Grund nicht mit dem gewünschten Erfolg umzusetzen verstand. Schichtarbeiter, zu denen ich zähle, neigen vielmehr sogar dazu, die Stapel mit den Jahren wachsen zu lassen. Dass man sie bei digitalen Publikationen nicht direkt materiell als Bürde des Unterlassens vor sich sieht, ist nur ein schwacher Trost.

Bevor ich nun mit der Aufschichtungstradition zu breche und 2012 mit einem leeren Tisch in einem frisch gelüfteten Raum beginne, möchte ich wenigstens stichprobenartig ein bisschen durch den virtuellen Haufen des bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Outputs tauchen und ein paar Nadeln herausheben, um sie als Pins in meine persönliche kognitive Karte des Fachs einzustecken. Die Auswahl ist notwendig voreingenommen und hoch selektiv.

Mir steht dabei die klassische Kennzahl – hoffentlich richtig – vor Augen, dass ein Wissenschaftler im Jahr ca. 1000 Aufsätze sichtet und etwa 100 liest. Und einen schreibt. An anderer Stelle wurde mir einmal vorgerechnet, dass man etwa 70.000 Seiten im Jahr lesen muss, um halbwegs auf dem aktuellen Stand der Wissenschaftsentwicklung zu bleiben. Im Terror dieser Werte gefangen arbeite ich mich wie die meisten meiner Peers durch einen nicht zu bewältigenden Berg an Publikationen und lege ab und an selbst noch ein drauf. Für die nachfolgende Rundschau habe ich in etwa das Jahrespensum eines Wissenschaftlers zusammengedampft. Mehr geht derzeit nicht. Für eine vollständige Durchsicht des Publikationsgeschehens eines Jahres müssten die Zeit zwischen den Jahren bzw. vielleicht sogar die Jahre bedeutend länger sein. Immerhin lässt sich für das nächste Jahr vornehmen, die Materialstapel gleich zeitnah vielleicht einmal im Monat zu bearbeiten und auf diesem Weg einen systematischeren Blick auf die bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Entwicklungen zu entwickeln. Dies würde auch dazu beiträgen, dem Referateansatz dieses Weblogs eine verlässlichere Form zu geben.

Selbstverständlich wäre es etwas unsinnig, den Zeitraum eines einzigen Jahres als repräsentative Eingrenzung für das Geschehen in einer Wissenschaft heranzuziehen. Zumal auf der Basis von Zeitschriftenpublikationen. Denn solche Beiträge stecken schon mal gern länger im Review- und Drucklegungsverfahren und stammen genau genommen oft bereits aus dem Vorjahr.

Wenn wir versuchen anhand der Zeitschriftenpublikationen des Jahres 2011 Trends für Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu ermitteln, ermitteln wir eigentlich, womit sich die Forschung 2010 beschäftigte. Andererseits sind die meisten der Beiträge tatsächlich erst irgendwann im Laufe des Jahres 2011 in unserer Aufmerksamkeit gelangt und haben unsere Forschungsperspektive daher in diesem Zeitpunkt auch erst beeinflussen können.

Die Wissenschaftskommunikation ist demzufolge ein stabil zeitversetzter Prozess, der, wenn man sich zum Beispiel die Entwicklung der Sozialen Netzwerke und ihrer gesellschaftlichen Rolle ansieht, immer einen Tick hinter einem allgemeinen Zeitgeist zu verorten scheint. Dafür ist die Perspektive weiter, denn der Leser sieht, wohin sein Tablet ihn tatsächlich trägt und liest drauf, was man im Sommer zuvor über eine mögliche Tragweite dachte. Wenn man Glück hat, gelingt aus dieser Lücke auf Seiten des Beobachters eine stimmige Extrapolation in die Zukunft.

Nachfolgend werden nun bar jedes Anspruchs auf Vollständigkeit stichpunktartig Kernaussagen, Trends, Erkenntnisse und Fakten zusammengestellt, die einige der Leitthemen und Haupttrends der internationalen Bibliotheks- und Informationswissenschaft des Jahres 2011 umreißen.

Lässt man die Lektüren des Jahres 2011 nun binnen einiger Nachmittagsstunden an Jahresendfeiertagen ihre Revue passieren, dann fällt für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft im Rückblick auf, dass es nicht unbedingt eine Disziplin der großen Durchbrüche, Erkenntnisexplosionen und Quantensätze handelt, sondern um ein Fach mit einerseits sehr heterogenen Themenstellungen und andererseits mit eher behäbigen Verschiebungen im Diskurs. Für die Wissenschaft dürfte das einem Normalzustand entsprechen: Die Paradigmenwechsel – sofern man an Kuhn glaubt – vollziehen sich natürlich dennoch und einige Tendenzen werden ich nachfolgend herausstellen. Aber wenigstens im Zeitschriftenbereich finden sich im gesichteten Korpus (besonders Journal of Documentation, Journal of Information Science, Journal of the American Society for Information Science and Technology, Knowledge Organization, Scientometrics) keine Leuchtturmpublikationen deren Strahlkraft geeignet ist, völlig neue Sichtweisen zu eröffnen oder wenigstens in eine deftige Wissenschaftskontroverse zu führen. Die Diskussionen zwischen Birger Hjørland (2011b, http://dx.doi.org/10.1177/0165551511423169) und Marcia Bates (http://dx.doi.org/10.1002/asi.21594) deuten immerhin an, dass etwas in dieser Art denkbar ist und wie es aussehen könnte. Und auch der Text von John Palfrey und Johnathan Zittrain (http://dx.doi.org/10.1126/science.1210737) als einer von wenigen interdisziplinären Ausreißern der Rundschau zu Science und Nature bestätigt eigentlich nur, dass unsere Disziplin notgedrungen ein Fach des Digitalen ist.

Um diese Aussage gleich wieder einzuschränken muss nochmals unbedingt auf die Subjektivität von Auswahl, Deutung und Schwerpunktsetzung verwiesen werden. Die Zusammenfassung schließt vorwiegend solche Quellen ein, die ich persönlich benutze, um mich ein wenig auf dem Stand des Forschungs- und Erkenntnisverlaufs in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu halten. Eigene Lektüreinteressen spielen bei der konkreten Titel- und Artikelauswahl keine geringe Rolle. Es kann also durchaus sein, dass ich den das Paradigma umstoßenden Beitrag schlicht nicht gesehen und/oder nicht als solchen erkannt habe. Berücksichtigt wurde zudem in diesem Fall ausschließlich Zeitschriftenliteratur (mit einer persönlichen Ausnahme, die eigentlich in der LIBREAS-Ausgabe 19 als Aufsatz erscheinen sollte…). Nach einen kurzen Zusammenfassung der Haupttrends werden einzelne, in meinen Augen notierenswerte Erkenntnisse, Einsichten, Positionen und Fakten in Form von Stichpunkten zwar grob geclustert, im Übrigen jedoch soweit als möglich neutral und unkommentiert abgebildet. (more…)

Die Buzzermeter. Warum die Tweetmetrics den Menschen stärker in den Blick nehmen sollten.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 17. Dezember 2011

Anmerkungen zu

Gunther Eysenbach (2011): Can Tweets Predict Citations? Metrics of Social Impact Based on Twitter and Correlation with Traditional Metrics of Scientific Impact. In: Journal of Medical Internet Research. 2011;13(4):e123. DOI:10.2196/jmir.2012

von Ben Kaden

Wenn wir schon einmal das Thema alternativer Metriken in der Wissenschaftsforschung in den Blick nehmen, dann liegt es nahe, den Bogen zu den Tweetmetrics (Teilgebiet der Social metrics) mitzunehmen und auf einen aktuellen Aufsatz zur twitter-gestützten Zitationsanalyse hinzuweisen. Gunther Eysenbach schreibt im Journal of Medical Internet Research über Untersuchungen zum so genannten Twimpact Factor. Die Wortschöpfung ist sicher so streitbar wie eingängig und daher typisch für dieses hochzeitgeistige Diskurs- und Forschungsfeld (da geht wortschöpferisch vermutlich noch einiges), begründet sich aber aus der nachvollziehbaren Idee, mit sziento-webometrischen Methoden einen Spin-off zu entwickeln, wie die Interessenerklärung verrät: (more…)

Grab your TwapperKeeper Archive before Shutdown!

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Scheitern by libreas on 9. Dezember 2011

Yesterday, TwapperKeeper announced:

Twapper Keeper’s archiving is now available in HootSuite! As a result, we will be shutting down Twapper Keeper. Existing archives will be kept running until Jan 6, 2012, after which you will not be able to access your archives anymore.

For those who wants to save archives before the shut down, this very simple R-code may give you an idea . It allows you to query for archived tweets referencing a hashtag. Furthermore, it downloads up to 50.000 archived tweets containing this hashtag as csv-file from TwapperKeeper.

require(XML)

hashtag <- "ala11" #your hashtag

tweet.df <- data.frame()

url <- paste("http://twapperkeeper.com/rss.php?type=hashtag&name=",hashtag,"&l=50000", sep="")

doc <- xmlTreeParse(url,useInternal=T)

tweet <- xpathSApply(doc, "//item//title", xmlValue)

pubDate <- xpathSApply(doc, "//item//pubDate", xmlValue)

tweet.df <- cbind(tweet,pubDate)

write.csv(tweet.df,"myTweets.csv")

More

Gary Green: No More Access To Your Twapper Keeper Archives .

Cornelius Puschmann: Academic replacements for TwapperKeeper.com

(NJ)

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#oebt11 : Echtzeit – Visualisierung und Download von Tweets

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Visualisierung by libreas on 20. Oktober 2011
kann jemand ein Archiv bei twapperkeeper für den Hashtag #oebt11 einrichten? Hab mit zwei Archiven das Gratislimit schon überschritten

beschreibt librarymistress ein klassisches Problem des Social-Media Monitorings anhand von Twitter.  Zwar bestehen Online-Archive für Tweets, allerdings führt die rigide  Twitter-Politik dazu, dass Services wie TwapperKeeper keinen benutzerfreundlichen Download der Daten für die eigene Tabellenkalkulation anbieten dürfen (siehe TwapperKeeper Blog).

Als Alternativen bieten R und der neue Cloud-Computing Service OpenCPU Möglichkeiten, sich seinen eigenen Echtzeit-Export inklusive Visualisierung anzulegen .

Echtzeit-Export als csv, unter

http://beta1.opencpu.org/R/call/store:tmp/8f81a308a4f8898f0aff6ba41bead5e4/csv?tag=%22oebt11%22

Echtzeit-Visualisierung:

http://beta1.opencpu.org/R/call/store:tmp/8f81a308a4f8898f0aff6ba41bead5e4/png?tag=%22oebt11%22

(more…)

Der Twill der Tweets. Die FAZ entdeckt mit der dhiha3 das Konferenztwittern.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Referate by Ben on 13. Juli 2011

„Wie sinnvoll ist der wissenschaftliche Einsatz von Social Media?“

fragt diesen Mittwoch Katharina Teutsch auf der Seite zu Forschung und Lehre der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (Ausgabe vom 13.07.2011. Schöne virtuelle Tagungswelt. Seite N 5) Dort berichtet sie über eine Veranstaltung “Im Netz der sozialen Medien: Neue Publikations- und Kommunikationswege in den Geisteswissenschaften” (mehr dazu hier), die Ende Juni im Deutschen Historischen Institut in Paris (DHIP) stattfand und dem Thema entsprechend eifrigst betwittert wurde. Wer die entsprechenden Feeds mitlas, kann sich die Lektüre eigentlich sparen oder sich auf das Symbolbild aus dem Grimm-Zentrum (als “Plattform traditionellen Wissens” – FAZ) konzentrieren. Denn man  bleibt zwangsläufig ohne Antwort auf die Eingangsfrage. Dafür war das Brennglas der Journalistin viel zu sehr auf dokumentarische Nahsicht geschliffen und selbst wo sie zum Schlussfolgern übergeht, vermisst der Leser erkenntnisstiftende Distanz. (more…)

#ala11 is not too big for us – eine Zeitreihe

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by libreas on 29. Juni 2011

Die Twitterkommunikation während der diesjährigen Annual Conference and Exhibit der American Library Association (ALA) hat es mit derzeit 24.129 Tweets (Zeitraum 21. Juni 10am40 bis 29. Juni 2011, 11am49 GMT – 5) sogar geschafft, nicht nur unseren  Vergleich mit dem Bibliothekartag 2011 sondern auch den  Summarizr für #ala11 die Grenzen aufzuzeigen – dieser zeigt mit 10.000 Tweets nur einen partiellen Ausschnitt.

Allein ein Blick auf die Verteilung der Tweets nach Tag zeigt die hohe Aktivität während der diesjährigen ALA-Conference auf. Die dahinterliegende Konferenzkommunikation ließe sich für Interessierte tatsächlich nur unter Verwendung von effektiven und effizienten Nutzungsstrategien von Twitter bei Tagungen am Beispiel #ala11 (via netbib-Blog) beherrschen.

(more…)

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