LIBREAS.Library Ideas

Misstraut dem/n Durchleuchtstoffröhren. Die Transparenzgesellschaft Byung-Chul Hans bleibt ohne Strahlkraft.

Posted in LIBREAS.Feuilleton, LIBREAS.Referate by Ben on 17. April 2012

Rezension zu: Byung-Chul Han (2012): Transparenzgesellschaft. Berlin: Matthes & Seitz.

von Ben Kaden

Das gibt es tatsächlich: Jemand wird zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und diejenigen, denen er gegenüber sitzt, haben das Facebook-Profil des Bewerbers geöffnet, um im Zweifelsfall abgleichen zu können, zwischen der Typisierung, die sich persönlich vorstellt und der, die man von sich über Jahre ins Netz hat fließen lassen. Profiling wird da wortwörtlich zur Selbstaufgabe. Denn diese potentielle Durchleuchtung vor Augen, stimmt man zwangsläufig das, was in das digitale Eigenarchiv aus semiprivaten Kommunikationen in Sozialen Netzwerke einfließt (wie würde es denn aussehen, wenn auf einmal Stephan Remmler in der Playlist erschiene und nicht Krzysztof Penderecki) mit immer notwendig diffusen Erwartungshaltungen von zukünftigen Durchleuchtern ab. Mit den Sozialen Netzwerken entfesselt man Bourdieu’sche Überlegungen in lange ungeahnter Weise. Wer sich davon einwickeln lässt, führt in der Tat eine armselige Existenz auf Repräsentation gerichteter, nun ja, Identitätsmodellierung.

Insofern handelt es sich genau genommen weniger um eine Selbstentblößung als um eine inszenatorische und soziotechnische Selbstgestaltung. Wie diese vermeintliche Befreiung des Individuellen im Digitalcode den Kreis zu der in harten Kämpfen halbwegs bezwungen erschienen Welt von Traditionszwängen und Übernormungen rückzuschließen beginnt, wäre ein hervorragendes Thema für gegenwartsanalytische Schriften. Aber anscheinend bewegen wir uns noch im Stadium einer anderen Anamnese. (more…)

Hört! Sagt! Robert Schriers Konversationsschema für digitale Bibliotheken.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 20. Juli 2011

(Referat zu Robert Schrier (2011) Digital Librarianship & Social Media: the Digital Library as Conversation Facilitator. In: D-Lab Magazine July/August 2011. Volume 17, Number 7/8. doi:10.1045/july2011-schrier )

Ab und an – eigentlich viel zu selten – werde ich in Zusammenhang mit meiner Beschäftigung mit bibliothekswissenschaftlichen Themen mit einer Frage konfrontiert, die die Teilaspekte „Warum?“, „Wofür?“ bzw. „Für wen?“ bündelt und darauf zielt, wie man all die theoretischen Überlegungen und weiten Wege, die man in der Auseinandersetzung mit Thesen und Beobachtungen geht, am Ende in Abkürzungen für das praktische Handeln verwandelt.

Gegen den Anspruch, dass die Erkenntnisse bibliothekswissenschaftlicher Reflexionsarbeit sinnvoll für bibliothekspraktische Gestaltungen anwendbar gemacht werden müssen, lässt sich nämlich nichts ins disziplinäre Feld führen. Außer vielleicht einem „Gemach, gemach“, denn das Fell des Bären der Erkenntnis wird erst dann zum (mit)teilbaren Gut, wenn es in der Höhle des Denkens genügend Dichte entwickelte, um nicht beim kleinsten Windstoß zu zerfallen. Dass die Verschiebungen auf dem Operationsfeld sich vergleichsweise rasant vollziehen, erleichtert das Ganze nicht unbedingt. Aber selbst dem tagesaktuellen Kommentar hilft es, wenn hinter ihm ein abstrakteres und stabileres Gerüst steht. Publikationsmedien wie dieses Weblog hängen ein wenig dazwischen: Sie entsprechen diesen Höhlen, die allerdings fast etwas von Zoogehegen haben, da man buchstäblich durch eine Scheibe (der des Displays) den dahinter befindlichen Akteuren beim Denken zusieht. In anderen Zusammenhängen würde man vermutlich ungeniert von Transparenz sprechen.

In dieses Gehege ziehe ich heute ein Beispiel für eine Überleitung zwischen Erkennen und Kommunizieren für die Bibliothekspraxis. In der aktuellen Ausgabe des D-Lib Magazine beschäftigt sich Robert Schrier von der iSchool der Syracuse University in seinem erfreulich überschaubaren Text mit den Möglichkeiten, die Soziale Medien gleichzeitig für die Bestandsvermittlung und mehr noch für die Nutzerbindung für Bibliotheken bieten. (more…)

Der Twill der Tweets. Die FAZ entdeckt mit der dhiha3 das Konferenztwittern.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Referate by Ben on 13. Juli 2011

„Wie sinnvoll ist der wissenschaftliche Einsatz von Social Media?“

fragt diesen Mittwoch Katharina Teutsch auf der Seite zu Forschung und Lehre der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (Ausgabe vom 13.07.2011. Schöne virtuelle Tagungswelt. Seite N 5) Dort berichtet sie über eine Veranstaltung “Im Netz der sozialen Medien: Neue Publikations- und Kommunikationswege in den Geisteswissenschaften” (mehr dazu hier), die Ende Juni im Deutschen Historischen Institut in Paris (DHIP) stattfand und dem Thema entsprechend eifrigst betwittert wurde. Wer die entsprechenden Feeds mitlas, kann sich die Lektüre eigentlich sparen oder sich auf das Symbolbild aus dem Grimm-Zentrum (als “Plattform traditionellen Wissens” – FAZ) konzentrieren. Denn man  bleibt zwangsläufig ohne Antwort auf die Eingangsfrage. Dafür war das Brennglas der Journalistin viel zu sehr auf dokumentarische Nahsicht geschliffen und selbst wo sie zum Schlussfolgern übergeht, vermisst der Leser erkenntnisstiftende Distanz. (more…)

Die Verwechslung: Soziale Software und Massenmedien.

Posted in LIBREAS.Referate by libreas on 17. März 2009

Anmerkungen und Anschlussgedanken zu Graff, Bernd (16.März 2009): Gezwitscher im Netz. Der Fall Winnenden und der Irrtum schneller Meldungen. In: Süddeutsche Zeitung, Ausgabe 62, 16.März 2009, S. 9.

von Ben Kaden

- PDF dieses Beitrags -

Die Debatte zur Kommunikationskultur erfährt momentan die mediale Beschleunigung, die die Beschleunigungskritiker voraussagen. Dabei mutet es an, also würden gerade diese Voraussagen wie ein Tritt auf das Gaspedal wirken. Gestern meldete sich in der Süddeutschen Zeitung Bernd Graff, mittlerweile wohl pensionierter Kulturredakteur bei der Süddeutschen Zeitung, zu Wort. Er bekam in der Vergangenheit schon manches Mal ordentlich Feuer für seine Internetskepsis, was die Vermutung man hätte es mit einem gebrannten Kind zu tun, nahe legt:

„Es ist eine lange Schmierschrift ohne ein einziges Argument, angefüllt mit Denkansätzen, die die intellektuelle Tiefe von Kevin Kuranyi haben. Wenn überhaupt.“ – so Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer im Jahr 2007 (link)

Der aktuelle Artikel enttäuscht glücklicherweise diese Erwartung, denn er ist fast zurückhaltend sachlich orientiert. Vielleicht liegt dies am ernsten Anlass: Den Amoklauf in Winnenden und die Verwendung des Microblogging-Dienstes Twitter nimmt Graff als Ausgangspunkt für seine Betrachtung. Allerdings ist dieser eher austauschbar, genauso wie das etwas eigenwillige Beispiel der ratlosen DDR-Bürger, die im Supermarkt des Jahres 1989 an „37 verschiedenen Toilettenreinigern“ verzweifeln. (more…)

Gedanken im Anschluss an Katrin Weller, Dominic Mainz, Indra Mainz und Ingo Paulsen (2007) Wissenschaft 2.0? Social Software im Einsatz für die Wissenschaft.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 10. Oktober 2007

Katrin Weller, Dominic Mainz, Indra Mainz; Indra und Ingo Paulsen (2007) Wissenschaft 2.0? Social Software im Einsatz für die Wissenschaft. In: Ockenfeld, Marlies (Hrsg.): Information in Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft. 29. Online-Tagung der DGI. 59. Jahrestagung der DGI. Frankfurt am Main 10. bis 12. Oktober 2007. Frankfurt am Main: DGI e.V. 2007, S. 121-136

- Ein Kommentar von Ben Kaden -

Ein neues Web, voll Leben, Muth und Kraft?

Wer auf der diesjährigen Buchmesse umherstreifte (oder auch nur die Medien- bzw. Wirtschaftsseiten der Tagespresse der letzten Monate
mit dem halben Auge verfolgte), weiß, was die Stunde geschlagen hat, nämlich, dass das Web 2.0 nun endgültig Mainstream-Thema geworden ist. (more…)

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