LIBREAS.Library Ideas

En Vague? Ein Beitrag zur Methodendiskussion in der Bibliothekswissenschaft.

Veröffentlicht in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Referate von Ben am 27. Mai 2013

Ein Kommentar von Ben Kaden

Die Frage nach der wissenschaftlichen Methode in der Bibliothekswissenschaft ist in gewisser Weise die Urdebatte des Fachs und wer sich dafür interessiert, findet in der morgigen Ausgabe des Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquiums am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität möglicherweise die Gelegenheit, an der Fortsetzung selbiger teilzuhaben. Vier etablierte Protagonisten des Fachs – Simone Fühles-Ubach, Petra Hauke, Michael Seadle, Konrad Umlauf – präsentieren das Handbuch Methoden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft (Berlin: DeGruyter, Mai 2013, Verlagsseite zum Titel, Inhaltsverzeichnis als PDF). LIBREAS wird sich sicher dem Titel nach Möglichkeit ausführlicher widmen und widmen müssen. Allerdings liegt er uns noch nicht vor.

Verfügbar ist jedoch ein Blogbeitrag des Mitherausgebers Michael Seadle, den dieser zu Beginn des Monats in seinem Weblog Digital+Research=Blog publizierte. Vermutlich nicht ohne Schnittmenge zu seinem Beitrag im erwähnten Handbuch (Entwicklung eines Forschungsdesigns) formuliert er dort eine kleine Handreichung Finding a research question.

Wer seine Veranstaltungen am Institut kennt, weiß, dass für ihn als Bibliothekswissenschaftler völlig zu Recht die Methode und die Forschungsfrage im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit stehen. Besonders gilt dies für Abschlussarbeiten und Promotionen.  Leider tut er dies offensichtlich nicht nur völlig zu Recht, sondern erachtet es auch als völlig zureichend für die wissenschaftliche Arbeit. Er unterscheidet sich damit jedoch in einem zentralen Aspekt wesentlich von dem, was ich für die Wissenschaft Bibliothekswissenschaft als entscheidend erachte.

Zu Beginn seines Blogpostings schreibt Michael Seadle:

“Many students start with a topic that they would like to research. This is natural, but in some ways secondary to the process of scholarly writing.”

Am Ende betont er:

“The topic matters only in so far as data are available and the research method can reasonably apply. Topics are temporary and can change with the seasons. Good research questions grow ultimately out of the intersection of scholarly methods and quality data. “

Beides verweist auf eine erhebliche Reduktion der Rolle von Wissenschaft, die sich einzig nach einer schematischen Durchführbarkeit richtet. Das Thema ist – bestenfalls – nachgeordnet, weitgehend austauschbar und ergibt sich in jedem Fall von selbst.

Steht einmal eine Methode (“In graduate school I settled on a set of ethnographic tools, which I have used and reused over the decades.”), dann kann man jeden verfügbaren Datensatz damit durchpflügen. Die Forschungsfrage ergibt sich von selbst und sollte möglichst geradlinig beantwortbar sein:

“The best research questions for a thesis are ones with a straightforward answer. I generally recommend a yes/no question, or one that has a quantitative answer, or one that is a choice among reasonable alternatives. These are not the only possible research questions, but questions involving complex issues about “why” or even “how” tend to be beyond the scope and experience of even the cleverest doctoral students. The virtue of  a yes/no type question is that the student can make a clear choice. A thesis with a vague answer is not a contribution to knowledge, while even a very narrowly stated and highly qualified yes/no answer can be a reasonable step forward.”

Man kann dies durchaus als praktikable Lebenshilfe für den herausgeforderten Promovenden verstehen. Es führt aber gerade in einen Zustand, der für mich exakt nicht der Sinn einer wissenschaftlichen Tätigkeit im 21. Jahrhundert sein kann. Nämlich in ein Funktionshandeln, in einen angepassten und schematischen Wissenschaftsvollzug, in dem ein selbstkritisches Hinterfragen genauso wenig verankert ist, wie eine auf übergeordnete Kontexte der gesellschaftlichen Wirkung von Wissenschaft gerichtete Reflexion.

Michael Seadle schreibt selbst und zutreffend:

“Having a method  means absorbing a way of thinking.”

und scheint kein Problem darin zu sehen, dass die absorbierende Anpassung an bestimmte Denkstile (also gerade nicht kritische Elaboration und Anerkennung) die Handlungsweise ist, die zu Ideologisierungen führt. Damit ist – siehe die Frage des “Topics” oben – nicht einmal an inhaltlichen oder wertspezifischen Aspekten orientierte, sondern eine reine Formalideologie gemeint. Nach meinem Verständnis ist die Aufgabe der Wissenschaft aber gerade der Versuch, jede Form von Ideologisierung, auch die der  Funktionalisierung, und den daraus entstehenden Folgen, zu unterlaufen.

Wissenschaftshandeln ist für mich entsprechend politisches und wertorientiertes Handelns in dem Sinne, dass es nicht nur auf die eigene interne Stimmigkeit und das Funktionieren in diesen geschlossenen der Institute und Fachcommunities begrenzt ist, sondern mit jeder Forschungsfrage auch die Richtungsfrage stellt: Wie wirkt das, was ich erarbeite, auf die Gesellschaft, als deren Teil ich handele und – auch das und nicht nur ökonomisch gesehen – in deren Dienst ich stehe und für die ich, in dem ich die von mir übernommene Rolle des wissenschaftlichen Tätigseins auch Verantwortung trage?

Während Bibliotheken als Institutionen ganz offensichtlich ihre gesellschaftliche Aufgabe ohne Berührungsängste thematisieren, liegt nach meiner Beobachtung die große Schwäche der Bibliotheks- und auch der Informationswissenschaft in Deutschland darin, dass sie zu weit von der sie umgebenden gesellschaftlichen Umwelt entkoppelt, agieren.

Dass man den Studierenden des Faches ihr wissenschaftliches Handeln auf die Ideallinie der Binärmuster verengt (yes/no) und zudem die epistemologisch unhaltbare These präsentiert, dass Vagheit, nicht zu verwechseln mit Beliebigkeit und eher synonym mit Offenheit,  sowie dem Eingeständnis, dass Unschärfe zu komplexen Systemen und ihrer Betrachtung unvermeidlich gehört, keinerlei Belang für die Wissenskultur haben kann, erscheint mir jedenfalls nicht angemessen für eine zeitgemäße Bibliothekswissenschaft. Offen gesagt sogar eher als schädlich.

Allerdings vertraue ich auf die Weltgewandtheit und Intellektualität der Studierenden dieses Faches und darauf, dass sie der wissenschaftlich nicht untypischen Tendenz einer kritischen Opposition zu ihren Lehrern folgen. Das Entscheidende ist dabei sicherlich, wie der Ausbildungsapparat mit seiner systemgemäßen Asymmetrie der Machtverteilung bereit ist, von den Leitlinien – zum Beispiel den Michael Seadle’schen – abweichendes Denken anzuerkennen. Einer dynamischen und lebendigen Disziplin wäre jedenfalls anzuraten, die Außenposten ihres Denkens mindestens genauso zu fördern, wie den linientreuen Forschungsmainstream.

Mir teilte Michael Seadle übrigens einmal für eine Arbeit bei ihm mit, dass es für ihn auch die Derrida’sche Dekonstruktion als Methode akzeptabel wäre. So ganz habe ich mich dereinst trotz des Reizes (glücklicherweise) noch nicht darauf einlassen wollen. Auf eine bestimmte Art scheint mir aber die Dekonstruktion von Selbstverständlichkeiten genau das zu sein, was die Bibliothekswissenschaft als Methode vor dem Hintergrund der Verwandlung ihres Gegenstandes benötigt. Auch wenn am Ende erfahrungsgemäß kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-Auch und ein Nicht-Fisch-nicht-Fleisch und in jedem Fall keine einfache, klar unterscheidbare, in Methodenzwänge formalisierbare Wahrheit stehen wird.

(27.05.2013, @bkaden)

Anmerkung: Namentlich gekennzeichnete Beiträge in diesem Weblog geben ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autoren wieder.

Das coole UND. Anmerkungen zur Umbenennung der DGI.

Veröffentlicht in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Debatte von Ben am 4. Mai 2013

von Ben Kaden

„Die Namensänderung der DGI hat für Furore gesorgt. Das kann ich verstehen, jedoch nur aus euphorisch positiven Gründen“

schreibt Clemens Weins heute im Weblog der nun Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen (DGI). Ich sehe das nur bedingt. Furore im Sinne einer Begeisterung ist es nicht. Und Furor im Sinne wütender Proteste lässt sich in der Fachöffentlichkeit auch nicht erkennen. Treffender wären vielleicht Worte wie Kopfschütteln oder Verwunderung. Irgendwo in diesem Umfeld wäre jedenfalls meine Reaktion zu verorten.

Als Bibliotheks- und Informationswissenschaftler scheint es mir jedenfalls für Euphorie kein Anlass zu bestehen, wenn man die Informationswissenschaft streicht, um sie durch die unscharfen Ausdrücke „Information“ und „Wissen“ zu ersetzen. Möglicherweise muss eine „agile“, also laut Duden „regsame und wendige“, DGI diesen Schritt gehen, um damit ihre Agilität bzw. Augenhöhe zur Zeit zu beweisen. Eventuell ist sie damit ihrer Zeit auch voraus, wenn mit ihr ein „Paradigmenwechsel […]  vom institutionellen Denken zum inhaltlichen Austausch“ angestrebt wird und man annimmt, dass strenge Wissenschaftlichkeit durch das Kriterium des pragmatischen Passens abgelöst wird. Das setzt voraus, dass sich die Grenzen von Wissenschaft und Praxis tatsächlich vermischen und man hat wenig Möglichkeiten, entsprechende Anzeichen zu ignorieren. In der Gesamtschau wäre dies das Ende der Wissenschaft, wie wir sie kennen und vielleicht ist es auch das Schicksal der Informationswissenschaft, frühzeitig diesen Schritt zu vollziehen.

Clemens Weins bringt mit dem Beispiel der „modernen IT-Unternehmen“ das Vorbild ins Spiel. Die großen Dominanten (Google, Facebook, Apple, Amazon) verwenden nicht nur etliche Elemente, die man aus der dokumentationswissenschaftlichen Grundausbildung kennt, sie integrieren sie auch überdisziplinär mit allem, was für Netzwerkanalyse und Rückkopplungsverfahren u.ä, an Methoden zweckmäßig erscheint. Wenn man so will, haben sie und nicht etwa die Informationswissenschaft (oder die Soziologie), die Gesellschaft zur Netzgesellschaft gemacht und informationswissenschaftlich wie informationssoziologisch durchdrungen.

Eine Nebenwirkung könnte bei dieser Entwicklung sein, dass sich dabei die wissenschaftliche Disziplin Informationswissenschaft einfach auflöst zugunsten wohlklingender und pragmatischer Lösungen und zu einem Evaluations-und Think-Tank für (tatsächliche und denkbare) Informationsdienstleistungen zusammenschnurrt. Selbstverständlich machen sich Unternehmen „intern Gedanken, was neue Technologien auslösen können und stellen sich sofort den praktischen Herausforderungen“, denn davon hängt ihre Geschäftsentwicklung ab. Diese ist im Gegenzug aber auch Erkenntnis leitend. Und hier liegt der Unterschied zur akademischen Informationswissenschaft, die sich um all die Aspekte kümmern kann (und sollte), die zwar aus Sicht von Verwertung und Produktentwicklung irrelevant sind, die aber für die Gesellschaft eventuell gerade deshalb eine große Bedeutung besitzen.

Ich habe folglich Probleme, mir Wissenschaft derart unternehmerisch eingefärbt zu denken. Und gerade, wenn man wie Clemens Weins Informationswissenschaft etwas hemdsärmlig als „Soziologie der Informatik“ definiert, was ich an sich begrüße, was allerdings vor nicht allzu langer Zeit nur sehr eingeschränkt nachweisbar dem Selbstverständnis der Disziplin entsprach (vgl. Kaden, Kindling, Pampel, 2012), sollte man sich vom Kriterium der „Faszination“ lösen.

Man muss nicht mit bzw. besser nach Pierre Bourdieu „Soziologie als Kampfsport“ (vgl. z.B. Hollerstein, 2012) ansehen. Doch man sollte anerkennen, dass es vor allem um Analyse und Kritik geht, also das gezielte und systematische Infragestellen von Scheingewissheiten idealerweise auf Grundlage empirischen Materials. Das steckt in gewisser Weise schon in dem Wunsch, „Informationen fließen zu lassen und immer verstehen wollen, wie sie fließen.“ Es ist auch vereinbar mit dem Bild der „Menschen, die verstehen wollen, wie sich Gesellschaft durch neue Informationstechnologien verändert und auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern sind.“ Nur wirkt der Ausdruck „Geschäftsfelder“ hier in der Rückbindung an die Wissenschaft genauso als Splitter im Text, wie die Reduzierung der Soziologie auf die Technologie- und Methodenanalyse. Wenn Clemens Weins den entsprechenden Absatz mit der Basta-Formulierung „Damit ist alles gesagt.“ einleitet, muss er sich auch darauf hinweisen lassen, dass in seiner Darstellung neben Technologien und Methoden der Grundgegenstand der Soziologie schlicht fehlt.

Es ist wahrscheinlich Teil des Zeitkolorits, Wissenschaft stark in Hinblick auf Innovation, Spin-Off-Projekte und mögliche wirtschaftliche Verwertungsszenarien zu betreiben und zu denken. Das beißt sich allerdings mit dem Konzept der Soziologie als Wissenschaft, wie ich sie verstehe. Mehr noch: wissenschaftliche Erkenntnisproduktion ist nach meinem Verständnis gerade nicht der Fluss sondern viel mehr die Staustufe der Information. Es geht in ihr nicht um die Optimierung und Stromlinienformgebung für reibungslose Übertragung, sondern darum, das, was geschieht, in einem größeren Rahmen zu verorten. Diesen Rahmen bildet die Größe Mensch. Es geht um den Menschen, sein Handeln, die dahinterstehenden Motivationen und wie er sich im Gefüge der Handlungsfolgen bewegt. In der Informationswissenschaft wäre das dann mindestens an den Phänomenen „Information“ und „Wissen“, gern auch noch mit „Redundanz“, „Rauschen“ und „Bedeutung“ zu konkretisieren und beispielsweise auf die in letzter Zeit mehr vom Feuilleton als von der Wissenschaft reflektierten Informationsethik orientierbar. (also vielleicht eben doch im Bourdieu’schen Kampfsportstil, vgl. Hollenstein, 2012, S.68: „Soziologie ist Kampfsport, fasst Bourdieu sein wissenschaftliches Selbstverständnis [...] zusammen: Selbstverteidigung der Schwachen gegen Ungerechtigkeit. Soziologie ist also für Bourdieu „per se kritisch“, sie offenbart „Geheimnisse“, der Soziologe ist ein „Störenfried“.“)

Erfahrungsgemäß wirkt bereits der Streit um die Begriffs- und Gegenstandseingrenzung deutlich bremsend (also störend). Dazu addiert sich, dass Wissenschaft, wie ich sie hier denke, vorwiegend retrospektiv arbeitet, da ihr Material erst entstehen bzw. beobachtbar werden muss, bevor sie es durchdringen kann. So ist sie selbst gerade kein Innovationsmotor. Im Ergebnis könnte sie jedoch im Wechselspiel mit der Praxis dieses Wissen über an die gestaltenden Akteure (z. B. die Praxis) weitergeben, die es beispielsweise in ihr Wissen wie einfließen lässt. Oder eben nicht.

Das gravierendste Problem der Umbenennung der DGI liegt für mich in der Reproduktion des Urproblems der Informationswissenschaft selbst: der Terminologie selbst. Es gibt keine übergreifend anerkannte Definition der Ausgangsbasis „Information“ und dem Verhältnis zum nicht minder vieldeutigen Begriff des „Wissens“. Dazu kommt seit einigen Jahren der nicht minder ambivalente Omnibus „Inhalte“, für die die DGI mittlerweile offensichtlich steht, ohne sich, so könnte man flapsig sagen, in Deutsche Gesellschaft für Inhalte benannt zu haben.

Ich schreibe dies als jemand, der die Gelegenheit hatte, bei zwei zentralen Antagonisten dieser Debatte in der deutschsprachigen Informationswissenschaft zu lernen und der dabei erkennen durfte, wie wichtig eine genaue Bestimmung des Bezugsrahmens für diese Ausdrücke ist. Diesen Rahmen finde ich in der Argumentation im Blog nicht zureichend dargestellt.

Information und Wissen sind dank ihrer Universalität äußerst divers verwendete, bisweilen einfach sehr missverständliche Konzepte. Die Einhegung auf das Feld der Informatik bzw. Informationstechnologie, also auf die bitweltlich verarbeitbare Information wäre womöglich eine gangbare Spezifizierung (wenn auch nicht die mir sympathischste). Aber das geht aus dem neuen Namen nicht vor. Den problematischeren Begriff des Wissens (laut Walther Umstätter „begründete Information“, laut Rainer Kuhlen eine Art Agens der Informationsprozess) blieben dann immer noch unbestimmt. Der Container „Inhalt“ sowieso.

Als Nicht-Mitglied der DGI kann ich ihre Umbenennung gelassen nehmen. Als Informationswissenschaftler bedauere ich dennoch die Streichung der „Informationwissenschaft“ im Namen der DGI, zumal mich der Ersatzname in keiner Hinsicht und trotz der verständlichen und engagierten Erläuterung durch Clemens Weins nicht als bessere Wahl überzeugt. Das Fach, um das es mir geht, vermag ich im neuen „und“ jedenfalls nicht mehr erkennen. Und auch was Willi Bredemeier als einen Grund zur Umbenennung anführte, überzeugt mich, offen gesagt, keinen Millimeter:

„Der neue Name klingt gut oder ist, wie ein Teilnehmer der Mitgliederversammlung sagte, “cool”.“ (Bredemeier, 2013)

 (25.04.2013  / @bkaden)

Verweise

Willi Bredemeier (2013) DGI – Neuer Name verabschiedet. In: Password / passwordonline.de, 28./29.04.2013, http://www.passwordonline.de/cms/news/28.-29.-april-2013.html

Oliver Hollenstein (2012) Soziologie als Kampfsport – Pierre Bourdieu. In: dersb. (2012) Das doppelt geteilte Land. Neue Einblicke in die Debatte über West- und Ostdeutschland. Wiesbaden: Springer VS. S.67-78

Ben Kaden, Maxi Kindling, Heinz Pampel (2012) Stand der Informationswissenschaft 2011. In: LIBREAS. Library Ideas. No.20  S. 83-96 urn:nbn:de:kobv:11-100199781.

Weins, Clemens (2013):  Die agile DGI – ein Club für Informationsphilosophen und -pragmatiker. In: http://blog.dgi-info.de / 04.05.2013

Anmerkung: Namentlich gekennzeichnete Beiträge in diesem Weblog geben ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autoren wieder.

Raum_SHIFT Informationswissenschaft 2013: Rückschau auf die dritte frei<tag>-Unkonferenz

Veröffentlicht in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Verein von Ben am 23. März 2013

Das 13th International Symposium of Information Science (ISI 2013) wird möglicherweise als die am wenigsten betwitterte Konferenz (#isi2013) des Jahres in der Statistik unter der Rubrik Sonstiges auftauchen. Und auch der an dieses Mutterschiff des Fachdiskurses angedockte Unkonferenz raum:shift information science (#frei13) litt ein wenig unter der nur schwankenden bis vollständig abgetauchten konferenzbegleitenden W-LAN-Verbindung. Dass ein lokaler Mitarbeiter der Fachhochschule Potsdam auf Nachfrage schulterzuckend entgegnete, was man denn wolle, so sei das nun mal in Institutionen mit geschlossenem Netz, tropfte etwas Wermut in die ansonsten doch sehr gelöste Stimmung dieses Freitags. Jemand anderes meinte zweckoptimistisch, dass es doch ganz gut sein, wenn sich die TeilnehmerInnen auf die Gespräche und nicht auf das Begleitrauschen im WWW konzentrierten.

Nachdem wir uns von dem Gedanken verabschiedet hatten, die Unkonferenz in einer Art Livecasting möglichst umfassend digital zu begleiten, erwies sich das als womöglich sogar günstigere Konstellation. (Dennoch hätte man selbstverständlich gern die Wahl.) Einzig die Nachbereitung ist nun für uns ein bisschen aufwändiger, da nur die schnellen Handmitschriften und die verteilten Gedächtnisse bleiben.

Die vier Sitzungen

1. Theoriebildung in der Informationswissenschaft sowie – anschließend an die Abschlussdiskussion der ISI – Informationswissenschaft im Abschwung,

2. Computer jenseits der Papiermetaphern – wie kann digitale Kommunikationstechnologie nach dem Abschied vom Ordnerverfahren aussehen,

3. vom Sinn und Unsinn der Innovation – was bewirken Begriff und Idee des Neugeschöpften in der Entwicklung der Bibliotheken,

4. die ideale Konferenz – wie kann ein zeitgemäßer Fachaustausch noch organisiert

brachten abgesehen vom handlichen vierten Thema mit den zahlreichen Ideen, mit denen man das Prinzip von Konferenzen wie der ISI in der Tat ein bisschen schärfer und kommunikativer aufbügeln könnte, hauptsächlich Dialog und Verständigung.Beides vollzog sich angenehm inkludierend, denn sachgemäß sind bei einer Unkonferenz alle Stimmen und Positionen gleich.

Bei der Üppigkeit des ersten Themas schienen sie sogar gleich klein und dass Studierende des Faches nach der Sitzung äußerten, sie würden verwirrter denn je auf ihre disziplinäre Heimat blicken, bestätigt leider, dass die Informationswissenschaft nicht als Denkkollektiv mit festen Bezugspunkten (bzw. einem verbindenden Mindset) existiert, sondern weitgehend als Omnibusbegriff, fast beliebig einparkbar zwischen Ausdrücken wie Bibliothekswissenschaft, Informationswissenschaften, Bibliotheks- und Informationswissenschaft oder auch Library and Information Science. Dass sich die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) die Informationswissenschaft womöglich demnächst zugunsten einer Formulierung, die irgendetwas mit “Wissen” enthält, aus dem Namen streichen möchte, ist sicher auch kein sonderlich stärkendes Signal. In einer Welt, in der man auch einen Master in Domotronik ablegen kann, besteht aber eigentlich kein Grund, die Informationswissenschaft elementar zu hinterfragen. Eher umgedreht würde ein Schuh daraus, mit dem man in Richtung neuer Relevanz marschieren könnte: durch eine aktive Auseinandersetzung mit eben dem Mindset, zusammensteckbar aus Gegenstand, Methoden und Modellen. Es muss nicht einmal unbedingt Konsens das Ziel sein. Ein gesunder und von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Wahrnehmung geprägter Dissens würde vorerst für die deutsche Informationswissenschaft schon einen guten Schritt darstellen. Vielleicht ist das Fach (bzw. sind seine VertreterInnen) an dieser Stelle auch einen Tick zu wenig offensiv und selbstbewusst, was eventuell auch erklärte, weshalb man sich von Nachfragen, externen Vorwürfen und generellen Unsicherheiten so furchtbar schnell bedroht zu fühlen scheint. Dabei ist Unsicherheit eigentlich erst das Movens um Wissenschaft zu betreiben.

Wie bereits auf der Sitzung geäußert, sei diesem irritierten (wissenschaftlichen) Nachwuchs als Quintessenz der Aufruf zur Eigenverantwortung und zum aktiven Eingreifen auf den Weg gegeben. Die Informationswissenschaft ist, man spürt es auf Veranstaltungen wie dieser in Potsdam besonders intensiv, ein soziales Gebilde und gerade seine ungenügende übergreifende Stabilität sollte Anlass genug sein, selbst Formen der Gestaltung zu suchen und /oder die etablierten VertreterInnen des Fachs, die sich das Label Informationswissenschaft anheften, mit diesem Label ernst zu nehmen, und einen entsprechenden Zukunftsdialog einzufordern. Bedroht sind ja weniger die Karrieren der derzeitigen Großkopfeten des Faches, sondern die derer, die derzeit grundständig überlegen müssen, ob ihnen die Informationswissenschaft überhaupt eine Perspektive bieten kann.

Der papierlose Computer ist eine Form der digitalen Datenverarbeitung bzw. der digital vermittelten Kommunikation, die sich von all den Metaphern, die uns in den Verzeichnisstrukturen und Word-PDF-u.ä.-Dateien begegnen, befreit. Die Gutenberg-Galaxis wirft aktuell mit diesen Simulakren des Papierfasernen ihre Schatten in einen Organisationsraum für Inhalte und Aussagen, in dem dies wenigstens strukturell überflüssig bis anachronistisch wirkt. Eigentlich steht aber nichts Geringeres als die Auflösung des Dokuments an. Paperless Computing setzt auf tag-basierte Strukturen und Relationen, die sich im stetigen Fluss befinden und in Applikationen wie der Google-Brille, elektronischem Geld und selbstorganisierenden Kühlschränken (a) einerseits unmittelbar an der Schnittstelle zwischen Real- und Digitalwelt als direkte Naht wirken und (b) andererseits viel stärker auf konkrete Prozesse als auf die Erzeugung bleibender Dokumente ausgerichtet sind.

Innovation ist ein Schlagwort und manchmal sogar ein Totschlagwort, das seit einer Weile nicht ganz selten aus strategischen Gründen eingesetzt werden dürfte. Eine interessante Frage ist, zu welchem Zeitpunkt der Umschlag von sehr auf Beständigkeit setzenden bibliothekskulturellen Diskursen hin zu bisweilen wie aufgescheucht wirkenden innovationssüchtigen Transformationsbestrebungen erfolgte. Der Ausdruck “Innovation” ist im deutschen Sprachschatz erst seit etwa 1960er Jahren zu finden (vgl. diese N-Gram-Analyse). Im Bibliothekswesen schlug er mutmaßlich erst später ein. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass dort die Idee der Innovation, also der Erneuerung und Überarbeitung bestimmter Bereiche in den Bibliotheken, nicht bereits vorher existierte. Daher sind die Verwendung des Ausdrucks “Innovation” und die Fixierung auf die Idee der “Neuheit” in der Annäherung an das Problem zu unterscheiden.

Karsten Schuldts Anstoß in diesem Weblog und auf der Unkonferenz eröffnet naheliegend zunächst eine diskurskritische Auseinandersetzung. Darüber hinaus entstehen organisationssoziologische Fragen (Wie ist das Konzept der Innovation in der Organisationskultur verankert? Wie sollte es verankert sein?), Fragen der Innovationsfolgenabschätzung (Was geht bei einem Automatisierungsschritt oder einem Auslagern von Aufgaben verloren?) , Fragen der Benutzungsforschung (Welche Innovationen wollen die NutzerInnen? Welche nicht?) sowie übergeordnet die Frage, inwieweit Innovation als Konzept im Bibliothekswesen zureichend reflektiert ist und wo das Wort möglicherweise nur blind bis opportunistisch verwendet wird, um Aktualität vorzuspiegeln und dem Zeitgeist Genüge zu tun. Dass die Rolle der Instanz, die Innovationskritik übt (im Sinne einer differenzierenden Analyse von Innovationen, der Idee und der Verwendung des Begriffs), weniger den von erfolgreichen Projektanträgen Abhängigen zukommt und mehr einer möglichst unabhängigen Bibliotheks- und Informationswissenschaft, scheint unvermeidlich. Dass die Disziplin dieser nachkommt bzw. sich dieser überhaupt annimmt, ist dagegen bisher nur sehr selten erkennbar.

Erfreulicherweise erfüllte das Konzept der Unkonferenz frei<tag> in gewisser Weile bereits einige der Empfehlungen, die die Sitzung zur “idealen Konferenz” formulierte. Pecha-Kucha-Präsentationen als schwungvoll-sanfter Druck zur Dynamik in Präsentationen vermögen vielleicht zusätzlich Frische ins Format zu bringen. Netzvermittelte Begleitformen wie direktes Feedback über Twitter scheinen in richtiger Dosierung sehr wünschenswert zu sein, setzen aber ein leicht zugängliches und stabiles W-LAN voraus. Die altbekannte Einsicht, dass das wirklich Interessante an solchen Veranstaltungen in den Zwischenräumen, also den Pausengesprächen, den Nachdiskussionen beim Mittagessen und der Ideensammlung bei der Zigarette (das gibt es nach wie vor) oder dem Tee entsteht, drückt sich in dem Wunsch nach mehr Freiräumen für spontane soziale Interaktion aus. Die “ideale Konferenz” ist demnach eine, bei der Kommunikations- und Interaktionsformen sehr vielfältig sind und Workshops, Keynotes und Poster genauso umfassen, wie Gesprächsecken und Web-Streams. Sehr nachvollziehbar ist der Anspruch, dass die Vorträge in erster Linie das Publikum in seiner gesamten Bandbreite interessieren sollten und nicht hauptsächlich das sicher wohlmeinende Programmkomittee. Deshalb könnte wenigstens ein Teil der Einreichungen in einem Open Review-Verfahren abgestimmt werden. Dass warme Jahreszeiten bevorzugt und Schnee im März abgelehnt werden, überrascht kaum, lässt sich praktisch jedoch nur sehr bedingt berücksichtigen.

Wir von LIBREAS halten für uns fest, dass das Prinzip der Unkonferenz funktioniert und sich vielleicht sogar besonders dazu eignet, den sich auf Veranstaltungen wie des ISI zwangsläufig anstauenden Bedarf nach vertiefender Kommunikation in produktive Kanäle zu leiten. Der Wunsch nach einer nächsten frei<tag>-Konferenz war deutlich vernehmbar und gerade als Verein mit dem Ziel der Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation sehen wir uns hier in der Verantwortung. Wann und wie genau wir dieser Rechnung tragen, werden wir in den kommenden Wochen beraten und wie immer zeitnah in diesem Weblog kommunizieren.

Für dieses Mal danken wir sehr herzlich allen TeilnehmerInnen an der Unkonferenz frei<tag> 2013 und freuen uns über die wiederholte Erkenntnis, dass man allein per Kommunikation das Ziel eines raum:shift der Informationswissenschaft, also einer aktivierenden Bewegung in einem dem Rahmen angemessenen Umfang erreichen kann.

Wir danken zudem dem Organisationsteam der ISI 2013 für die Möglichkeit, uns derart unkompliziert in den Fluss des Symposiums integrieren zu können.

frei-tag 2013 Session Informationswissenschaft

Als Tafel- und Wandbild: Die Dokumentation der frei-tag 2013 Session Informationswissenschaft.

Ben Kaden (@bkaden) /  23.03.2013

Zweite Einladung zur frei<tag> 2013: raum:shift [information science] (Potsdam, 22.03.2013)

Veröffentlicht in Hinweise, LIBREAS.Feuilleton von Karsten Schuldt am 27. Januar 2013

Kurz und schmerzlos: Immer noch lädt der LIBREAS.Verein für den 22.03.2013 nach Potsdam zur Unkonferenz frei<tag> unter dem Motto raum:shift [information science] ein. (Siehe erste Einladung.) Frisch eingetroffen sind nun Postkarten, die auch direkt zu dieser Veranstaltung einladen und ab jetzt überall auftauchen können.

freitag2013karten

(In den letzten Jahren tauchten solche Postkarten unter anderen jeweils 30 Tage lang im LIBREAS-Weblog im Rahmen eines thematisch auf die jeweilige Unkonferenz bezogenen Countdown auf.)

Das Dokument in Bitstromlinienform. Sarah Dudeks Thesen zur Zukunft des Dokuments.

Veröffentlicht in LIBREAS.Referate von Ben am 13. November 2012

zu Sarah Dudek (2012): Die Zukunft der Buchstaben in der alphanumerischen Gesellschaft. Text und Dokument unter digitalen Bedingungen. In: Bibliothek Forschung und Praxis 36 (2), S. 189–199.

Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1515/bfp-2012-0023.
Preprint: http://www.b2i.de/fileadmin/dokumente/BFP_Preprints_2012/Preprint-Artikel-2012-AR-2799-Dudek.pdf )

von Ben Kaden

Ein Fach wie die Bibliotheks- und Informationswissenschaft, von dem Bibliotheks- und Informationspraxis und wenn es gut läuft auch noch andere Teile der Gesellschaft neben der Ausdeutung von Vergangenheit und Gegenwart auch Handlungsanweisungen für ihre Zukunftsplanung erwarten können, muss sich zwangsläufig mit Prognostik auseinandersetzen.

Entsprechend zahlreich findet sich das Wort „Zukunft“ in den aus dem Fach hervorgehenden Publikationen. Allein das Korpus des LIBREAS-Weblogs enthält grob gezählt 550 Erwähnungen. Unter anderem auch deshalb, weil wir uns mit der Zukunft von gestern befassen. (Die Zukunft von gestern. Ein Beitrag zur Open-Access-Debatte aus dem Jahr 1996. / Die Zukunft elektronischer Datennetze aus dem Blickwinkel des Jahres 1980. / Dietmar Daths schießpulverne Zukunft des Internet aus dem Jahr 2002. / Bibliographie als Utopie. Zu einer Position aus dem Jahr 1896. ) Das Feld ist dankbar und ergiebig, vermag doch die Beurteilung im Blick zurück mit einem nachsichtigen Lächeln leicht all das aufdecken, was stimmte und noch leichter das, wo man sich einst irrte.

Schwieriger verhält es sich mit gegenwärtigen Blicken in die Zukunft. Denn weder der, der die Zukunftsentwürfe aufzeichnet, weiß, was tatsächlich geschehen wird, noch der, der an diese Thesen glauben oder eben nicht glauben möchte. Andererseits bleiben uns doch zwei Aspekte, die eine Einschätzung der Plausibilität von Zukunftsskizzen stützen: Einerseits die zugeschriebene Wahrscheinlichkeit, die man in gewissem Umfang aus der Gegenwart und vergangenen Entwicklungslinien abschätzen kann. Und natürlich die Tatsache, dass bestimmte Richtungsentscheidungen für die Zukunft, die im Heute fallen, erst durch den Diskurs um die Zukunft ihre Orientierung erhalten. Spielen die richtigen Parameter mit den richtigen Argumenten gut zusammen, gibt es wirklich so etwas, wie selbsterfüllende Prophezeiungen. (weiterlesen…)

frei<tag> 2012 und LIBREAS-Sommer School. Einladung zu zwei Veranstaltungen

Veröffentlicht in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Verein von Karsten Schuldt am 20. Mai 2012

Der LIBREAS-Verein freut sich, für den August 2012 zu zwei Veranstaltungen einzuladen. Am 17. August wird in der Fachhochschule Potsdam die Unkonferenz frei<tag>-2012. Stand der Bibliotheks- und Informationswissenschaft stattfinden. (In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Informationswissenschaften, Fachhochschule Potsdam). Am darauf folgenden 18. August wird in der Humbodt Universität zu Berlin die erste Sommer School zu Methden der Bibliotheks- und Informationswissenschaft veranstaltet. Zudem läd der Verein für diesen Tag zu seiner Jahresversammlung.

Die frei<tag> 2012 soll die Möglichkeit bieten, über die aktuellen Ziele, Trends, Fragen und Entwicklungen der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu diskutieren. Grundsätzlich bewegt sich unsere Wissenschaft weiterhin zwischen unterschiedlichen Disziplinen, zwischen einem theoretischen Anspruch und einer sehr praxisnahen Forschung, zwischen sehr auf die Ausbildung von Informationsspezialistinnen und -spezialisten ausgerichtete Einrichtungen, einer Forschung in größeren Bibliotheken, Archiven und Dokumentationseinrichtungen sowie einer an Einrichtungen und ausserhalb dieser betriebenen theorieorientierten Forschung. Gleichzeitig ist unbestritten, dass sich der Disziplin rasant neue Aufgaben, Fragen und Felder stellen. Wir wollen auf der Unkonferenz einen Raum schaffen, darüber zu diskutieren, in welche Richtung sich die Bibliotheks- und Informationswissenschaft bewegt, in welche sie sich bewegen sollte und was sie bislang daran hindert. Zugleich soll die Unkonferenz ein Treffen von Praktikerinnen und Praktikern der Wissenschaft darstellen, als auch einem Raum zum Entwerfen einer Zukunft der Disziplin.
Die frei<tag> 2012 ist als Unkonferenz organisiert. Dies bedeutet, dass alle Teilnehmenden als Expertinnen und Experten angesehen werden, die etwas zur Veranstaltung beitragen können und sollen. Über das genaue Programm wird zu Beginn der Veranstaltung gemeinsam abgestimmt. Alle sind eingeladen, Vorschläge für Workshops – keine reinen Präsentationen oder Vorträge – einzubringen.
Veranstaltungsort der frei<tag> 2012 ist die Fachhochschule Potsdam (Friedrich-Ebert-Straße 4, Potsdam). Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr und endet ab 18 Uhr mit einem Social Event.

Die LIBREAS Sommer School soll dazu beitragen, die Praxis der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu verbreitern und die Kommunikation im Feld zu unterstützen. Angeboten werden Workshops zur Publikation und Forschungsgestaltung, die vor allem an Studierende und angehende Praktikerinnen und Praktikern im gesamten Feld der praktischen Informationsarbeit sowie der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Forschung gerichtet sind. Veranstaltungsort ist das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (Dorotheenstraße 26, Berlin). Die Workshops finden ab 11.30 Uhr statt.

Am gleichen Ort wird von 15-18 Uhr die Jahresversammlung des LIBREAS. Verein zur Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Forschung stattfinden.

Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenlos. Spenden für diese oder die weitere Arbeit des LIBREAS-Vereins sind willkommen. Weiter Informationen zu den Veranstaltungen werden auf http://libreas.wordpress.com und http://www.libreas-verein.eu publiziert.

Wer vom Diskurs redet, redet immer auch von der Gesellschaft. Eine Erwiderung.

Veröffentlicht in LIBREAS.Feuilleton von Karsten Schuldt am 31. März 2012

Dieser Beitrag ist Teil einer Debatte, die bisher veröffentlicht geführt wurde in:

Ben Kaden: Zur Diskursänderung. Eine Position zur Diskussion um die Zukunft der Informationswissenschaft. In: LIBREAS Weblog, 21.03.2012.

Karsten Schuldt: Der Diskurs ist kein Metadatum. Eine Replik zu Ben Kaden. In: LIBREAS Weblog, 29.03.2012.

Ben Kaden: Einladung zur Behauptung: Das Metadatum ist auch Diskurs. Eine Replik auf Karsten Schuldt. In: LIBREAS Weblog, 29.03.2012.

Vorneweg: Diese Erwiderung soll nicht den Eindruck eines Zerwürfnisses erzeugen. Letztlich scheinen, wie auch Ben Kaden selber betont, seiner und meine Meinung in vielen Punkten nicht auseinander zu gehen. Ich spreche wohl für uns beide, wenn ich dazu auffordere, dass sich auch andere an der Debatte beteiligen. Dies ist kein Privatstreit, sondern ein Versuch, sich dem (möglichen) Inhalt und der (möglichen) Arbeitsweise der Bibliothek- und Informationswissenschaft anzunähern.

Von Karsten Schuldt

Ben Kaden hat auf meine Replik auf seinen Beitrag „Zur Diskursänderung. Eine Position zur Diskussion um die Zukunft der Informationswissenschaft“ wiederum mit einer Replik geantwortet. Mir scheint allerdings in dieser Replik, dass ein wichtiger Hauptpunkt meines Beitrages nicht klar geworden ist, den ich deshalb hier noch einmal ausführen möchte: Eine Bibliotheks- und Informationswissenschaft kann sich nicht darum drücken, eine Sozialwissenschaft zu sein (und damit über die Gesellschaft zu reden). Jeder Versuch, etwas anderes zu erreichen, wird (wieder) im erkenntnislosen Abseits enden. (weiterlesen…)

Der Diskurs ist kein Metadatum. Eine Replik zu Ben Kaden

Veröffentlicht in LIBREAS.Feuilleton von Karsten Schuldt am 29. März 2012

Von Karsten Schuldt

Ben Kaden hat vor kurzem an dieser Stelle seine Überlegungen zur Erweiterung der Bibliotheks- und Informationswissenschaft dargelegt. Ich möchte diesen in wichtigen Punkten widersprechen. Der Widerspruch erfolgt aus zwei Gründen: Erstens scheint mir ein gewichtiges Missverständnis bei der Verwendung des Diskursbegriffes vorzuliegen, welcher in einer inhaltlich problematischen Engführung enden könnte, die zudem den kritischen Gehalt des Begriffes verleugnet. Zweitens soll diese Replik als Einladung verstanden werden, sich an der Diskussion über den Inhalt der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu beteiligen. Meine Position ist nicht annähernd so weit ausgebaut, wie die von Ben Kaden, (bin ich ehrlich, habe ich mir bislang nie Gedanken über die Gesamtheit der Informationswissenschaft gemacht, auch weil es bislang interessanterweise nicht notwendig zu sein scheint, um sie oder doch zumindest den Teilbereich Bibliothekswissenschaft zu betreiben) dennoch äussere ich mich in der Hoffnung, dass auch andere sich äussern werden – und sei es mit einer Widerlegung. (weiterlesen…)

Zur Diskursänderung. Eine Position zur Diskussion um die Zukunft der Informationswissenschaft.

Veröffentlicht in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Feuilleton, Sonstiges von Ben am 21. März 2012

von Ben Kaden

„Als kleine Warnung: Wenn’s bei der Diskussion derart theoretisch wird, dass die Diskurse gefährdet sind (weil keiner mehr was versteht), werde ich mir erlauben einzugreifen, d.h. nachzufragen.“

Wer hier warnt, ist Wolfgang Stock, Moderator der Podiumsdiskussion: Zukunft der Informationswissenschaft, die am Freitag auf der 2. DGI-Konferenz Social Media & Science – Das Web als Lebensraum stattfinden wird und zu der ich freundlicherweise eingeladen wurde. Nun ist mir bedauerlicherweise und ganz gegen meinen Wunsch und Willen die Teilnahme an dieser Veranstaltung kurzfristig nicht möglich. Und daher kann Wolfgang Stock auch nicht eingreifen, wenn es Diskurs gefährdend wird. Aber Nachfragen – das wird gehen. Denn nachfolgend stelle ich als vielleicht etwas unzulänglichen Ersatz für meine Stimme im sicher kontroversen Schlagabtausch zwischen Willi Bredemeier, Stefan Gradmann, Christian Schlögl, York Sure-Vetter, Marlies Ockenfeld und Hans-Christoph Hobohm über perspektivische Entwicklungslinien des Fachs einen kleinen Abriss dessen in Textform bereit, was ich am Freitag gern als vermutlich theoretischer Außenposten in die Debatte eingebracht hätte.

Zwei Aspekte sind mir vorab noch wichtig:

1) der Hinweis, dass es sich dabei um eine Überlegung zur Erweiterung der Informationswissenschaft handelt, die hauptsächlich als Idee und/oder Sensibilisierung ins Spiel gebracht werden soll. Dass das Fach weitere Aspekte integrieren muss, bleibt unbestritten.

2) der Hinweis, dass ich mehr oder weniger aus Humboldt-universitärer Tradition nicht nur von der Informationswissenschaft, sondern von der Bibliotheks- und Informationswissenschaft spreche. Die Auseinandersetzung mit dieser terminologischen Feinheit und die Frage, inwieweit die Bezeichnung “Informationswissenschaft” selbst noch tragfähig genug ist, möchte ich allerdings vertagen.

Folie

Folie et (dé)raison d'être. Zum Beispiel der Informationswissenschaft wie ich sie für die Diskussion auf der DGI 2012 zugespitzt sehe. Jeder eingeplante Teilnehmer wurde im Vorfeld gebeten, ein Präsentationsbild einzureichen und das obige ist das meinige. Da man es in Düsseldorf vermutlich nicht zeigen wird, zeige ich es hier.

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Unklare Begriffe, Konzepte, Perspektiven

Veröffentlicht in LIBREAS.Referate von Karsten Schuldt am 6. Februar 2012

Rezension zu: Treude, Linda / Das Konzept Informationskompetenz : Ein Beitrag zur theoretischen und praxisbezogenen Begriffsklärung. (Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft ; 318) Berlin : Humboldt Universität zu Berlin, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, 2011.

von Karsten Schuldt

Der Text Das Konzept Informationskompetenz von Linda Treude lässt einen nach dem Lesen verwirrt zurück. Das ist ernst gemeint: Der Rezensent hat mehrere Versuche unternommen, den Text zu besprechen, mehrfach den Text neu durchgeblättert, die Notizen durchgeschaut, immer in der Angst, etwas wichtiges übersehen zu haben. Aber nein: Je länger je mehr hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass der Text mit dem Titel etwas gänzlich anderes verspricht, als er dann tatsächlich darstellt. Eventuell ist durch den Transformationsprozess aus einer Studienabschlussarbeit in die jetzt vorliegende Form ein wichtiger Teil verschwunden; aber in der jetzigen Form enthält der Text nicht nur einige steile Thesen, sondern auch inhaltliche Kurzschlüsse, die ihn in seiner Wirkung massiv einschränken.

Letztlich versucht Treude nachzuweisen – so zumindest die Interpretation des Rezensenten –, dass, wenn im bibliothekarischen Rahmen über Informationskompetenz geredet wird, nicht wirklich über Informationskompetenz geredet wird. Vielmehr will die Autorin zeigen, dass der Informationsbegriff, welcher im bibliothekarischen Rahmen genutzt wird, mit einem Informationsbegriff, wie er in einer informationswissenschaftlichen Auseinandersetzung herausgearbeitet werden könnte, nichts gemein hat. (weiterlesen…)

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