LIBREAS.Library Ideas

Am Impuls der Zeit? Hans-Ulrich Gumbrecht ringt in der FAZ um ein Verständnis der digitalisierten Gegenwart.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 12. März 2014

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

zu: Hans-Ulrich Gumbrecht: Das Denken muss nun auch den Daten folgen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11.03.2014, S. 14
(ebenfalls zitiert: Brita Sachs: Was der Computer aus den Bildern macht, die wir ihm geben. In: ebd.)

Gestern eröffnete Hans-Ulrich Gumbrecht eine Feuilleton-Serie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Zukunft des Geistes und der Geisteswissenschaften unter dem Einfluss der Digitalisierung mit einem Beitrag, der sich immerhin spart in die Kulturverfallskerbe zu schlagen, die auf derselben Seite des Feuilletons Brita Sachs in der Besprechung der derzeit im Kunstverein München gezeigten Ausstellung „La voix humaine“ ein bisschen über Gebühr bearbeitet wird.

Brita Sachs analysiert mehr de ressentiment als en passant das Phänomen des Selfies mit einer trübseligen Abqualifizierung, die man noch jedem neuen Schwung nutzergenerierter und daher fast zwangsläufig auch selbstzentrierter Inhalte entgegen geschleudert sah:

„Die mit dem Smartphone geschossenen, ins Netz gestellten Selbstporträts dienen im narzisstischen Dauerakt digitaler Selbstdarstellung dem Ziel maximaler Verbreitung: Ich zeige euch, wo ich gerade bin, was ich esse, anziehe, seht euch an, wie ich Party mache, wie süß ich meinen Partner gerade finde. Wen interessiert das alles wirklich?“

Natürlich niemanden. Nur sind diese Selbstinszenierungsmechanismen allenfalls sympathischer als der Personenkult des Celebrity-Wesens, der in der FAZ naturgemäß auf Minimalniveau, in boulevareskeren Medien jedoch immer titelseitentauglich ist. Wo man ausgiebig vorgeführt bekommt, in welchem Lokal ein George Clooney während seiner Berlin-Aufenthalte seine Rinderfilets verputzt (Grill Royal), ist es doch eigentlich beruhigend, wenn auch noch durchschnittlichere Menschen der Gegenwartskultur die Chuzpe besitzen, ihre Mahlzeiten gleich in der Nähe beim Syrer in der Torstraße zu twittern. Egozentrismus ist unserer Zeit nun mal deutlich positiv besetzt und wird oft geradezu eingefordert. Das kann und sollte man auch mal kritisieren. Aber auf den in dieser Hinsicht vermutlich nicht in Dauermetareflexion gefangenen Alltags-Facebook-Nutzer einer Eimer Verachtung auszuschütten, wie es die Kunstjournalistin Brita Sachs im Verhältnis zur Gesamtlänge ihrer Ausstellungsbesprechung vollzieht, ist fast noch niedriger. Wen interessiert das alles wirklich?

„Egal, seinen mit einer Menge sogenannter Freude vernetzten Produzenten gibt er [der Selfie-Fotograf] das Gefühl, ständig mitzumischen, und munter plätschert die Egozentrismusschwemme so über die Beschädigung analoger Kommunikation hinweg.“

Und führt, so Brita Sachs, die nach zwei von vier Spalten endlich für wenige Sätze zur Ausstellung findet, zur Isolation durch / trotz mediale/r Allround-Konnektivität. Was auch nicht unbedingt die neueste aller Erkenntnisse ist. Offen bleibt freilich, ob sich die digital vermittelte Einsamkeit wirklich qualitativ von der unterscheidet, der erkennende, suchende und fühlende Menschen seit Jahrhunderten begegnen.

Insofern scheint der direkt darüber gedruckte Text Hans-Ulrich Gumbrechts nicht besser platzierbar, ruft er doch zu einer anderen, klareren, die Digitalität in ihren Eigenheiten erfassenden Auseinandersetzung auf: (more…)

Das Internet, prä- und postideologisch. Ein Essay.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 18. Mai 2013

 von Ben Kaden

I

„In this Internet-centric view, the Net stands outside of history. It has brought us to an epochal moment – the culmination of all human invention.” (Ellen Ullman (2013) The Net: Key tool or creed to live by? In: Internation Herald Tribune, May 18-19, 2013, S.20)

Die in der Samstagsausgabe der International Herald Tribune abgedruckte Rezension der Software-Expertin und Autorin Ellen Ulman zu Evgeny Morozovs Streitbuch To Save Everything, Click Here (Konrad Lischkas Rezension bei spiegel.de)  ist nicht nur überaus lesenswert, sondern erinnert mich auch daran, dass ich schon längerer Zeit plante, eine serendipitöse und asynchrone Lektüre anzuregen.

Mittlerweile scheint eine Position schon fast salon-, DB-Lounge-und wahrscheinlich Sankt Oberholz-fähig, an der sich Evgeny Morozov schon seit längerem erst gegen wachsenden Widerstand und jetzt mit wachsendem Rückenwind auf- und abarbeitet: Die Kritik dessen, was Jaron Larnier einmal „cybernetic totalism” nannte, für das die Süddeutsche Zeitung die Überschrift Diktatur der Perfektion (Ausgabe vom 02.April 2013, S.11) fand und was generell als eine Kritik an der Überhöhung des Einfluss digitaler Technologien in den Stand der Ideologie bezeichnet werden kann. Morozov attackiert Lawrence Lessig, Clay Shirky, Kevin Kelley und Gary Wolf, also Protagonisten, die mehr oder weniger in digitalen Netztechnologien die beste aller möglichen Welten (einen aktuellen „zenith of human achievement”) sehen.

Aber genauso und vielleicht noch viel stärker sollte man die Post-Steve Jobs’, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg  und die Jungs von Google in den Mittelpunkt einer Reflexion über die Optimierungshohepriesterei rücken, welche die Next Big Things und die dazugehörigen Thingstätten zum Geschäftsmodell erhoben und damit die notwendigen Innovationsschritte finanzierbar machten.

Während man einen solchen Text ins Pad noch nicht aber fast diktiert, wirkt es fast kurios, wenn einem Alltagsdokumentationen der digitalen Trends aus der Frühzeit des Internets begegnen. Ich weiß nicht, weshalb sich mir ausgerechnet die Ausgabe des SPIEGELS Nr. 44/1994 vor dem Wurf in den Recycling-Container – natürlich für eine gute BinCam-Bilanz – noch einmal zum Druchblättern anempfahl (vermutlich am graubärtigen Alexander Solschenizyn auf dem Titelblatt), aber so entdeckte ich drei spannende Beiträge, die vor dem Hintergrund des aktuellen Diskurses nicht uninteressant sind. So liest man auf der Medienseite (S. 122) die Kurzmeldung

„Als erstes US-Nachrichtenmagazin hat Time grafische Informationsseiten im weltweiten Datennetz vorgestellt.“

Und das der Ausdruck World Wide Web noch nicht jedem geläufig war, wurde eine Beschreibung mitgeliefert. Das Angebot des Time Magazine startete als

„Teil des Informationssystems (…) in dem der Benutzer Texte und Bilder über das Telefonnetz auf den PC-Bildschirm holen kann.“

Die erste Webpräsenz des SPIEGELs, so die Ergänzung, wurde kurz zuvor im Oktober vorgestellt und entsprechend freuen wir uns 2014 auf das Jubiläum 20 Jahre Spiegel Online.

II

Der zweite faszinierende Artikel beschäftigt sich ebenfalls mit dem frühen elektronischen Publizieren und erinnert an den morgenluftigen Reiz der Modem-vermittelten Kommunikation. Denn wo es heute um Transparenz, Markt und Datenkontrolle geht, verfolgte die Netzaktivisten der noch jungen 1990er andere Ziele. Zum Beispiel die kreative Entfaltung. Der Artikel auf den Seiten 101 und 104 (dazwischen ist eine doppelseitige Werbehymne auf die Degussa als Umweltschutzpionier eingeschoben) beschäftigt sich mit elektronischen Zeitschriften. Damit meinte man damals keine wissenschaftlichen Publikationen sondern vor allem die Fortsetzung der Zine-Kultur mit digitaltechnischen Mitteln.

Sehr anrührend wirkt aus der heutigen Rückschau die noch ganz unfertig wirkende Beschreibungssprache für digital vermittelte Kommunikationsprozesse. SPIEGEL-typisch eröffnet der Artikel mit einem lebensnahen Beispiel:

„Viermal im Monat erhält Lars Hinrichs, 18, Post vom Roboter.“

Obwohl es den Ausdruck E-Mail bereits seit den 1980ern gab, findet er in diesem Text nur später und nebenbei eine Erwähnung – ganz im Gegensatz zum längst ausgestorbenen „Hotflash (sinngemäß Blitzmeldung)“, die dem Schüler aus Hamburg von Wired zugestellt wird und zwar durch einen „Infobot, der elektronische Informationsroboter, [der] den Leserservice“ übernimmt. Der SPIEGEL verweist zudem darauf, dass Wired „das erste kommerzielle Printmedium [ist], das sich das personalsparende Verfahren zunutze macht.“ Einer leichter früher Hauch der Optimierung, der sich aus der Perspektive des Jahres 2013 als Vorbote des Wirbelsturms einer Big Data-basierten Lebensweltanalyse herausstellt.

Auch von Verdrängung, und zwar des Mediums Print, ist bereits die Rede:

„Der PC am Datennetz beginnt bei Kleinstverlegern oder Bürgerinitiativen den Fotokopierer als Vervielfältigungsmaschine zu verdrängen. Vereinsbulletins, poetische Traktate oder ökologische Flugschriften werden im Schnelldurchgang am Bildschirm hergestellt. Ohne Drucksachen-Porto und oft nur zum Telefon-Ortstarif lassen sich auf diese Weise, theoretisch jedenfalls, Millionen Leser auf der ganzen Welt erreichen [...].“

Heute zeigt sich das Ganze fast invertiert: Während nahezu alle Publikumsverlage auf ein Geschäft mit E-Books wenigstens hoffen, erleben die Kleinauflagen in Print – beispielsweise Jason Dodges hervorragende Reihe Fivehundred places – mit streng limitierter Stückzahl eine intensive Zuwendung und haben anscheinend überhaupt nicht das Bedürfnis, sich in den unmäßigen Strom e-publizierter Botschaften zu stürzen. Wobei es ja seit je das Merkmal der Avantgarde war, das zu fliehen, was gerade als Mode angesagt ist. Insofern war es folgerichtig, dass Electronic Zines entstanden, die der Print-SPIEGEL als „bizarr“ und „hastig zusammengetippt“ charakterisieren durfte, bevor sein SPON-Portal genau mit diesen Tugenden zur dominanten Seite auf dem deutschen Online-Nachrichten-Markt aufgebaut wurde.

Urheberrechtsbrüche und unseriöse Inhalte wurden für die Zines als typisch herausgestellt:

„Hemmungslos kupfern die Zine-Schreiber aus anderen Medien ab, erfundene Zitate machen manche Mitteilung erst richtig rund. Im Datennetz gibt es keinen Presserat, Pop und Politik stehen neben Abzockerei, Pornographie und Poesie.“

Man hat also schon in zwei Sätzen die gesamte Bandbreite der Kulturdebatten der kommenden Jahrzehnte umrissen und das wunderbar herablassend aus der Kanzel des schwarzen Hochhausblocks in der Brandstwiete 19: „Oft ist der Leserkreis derart klein, daß der Herausgeber jeden seiner Abonnenten persönlich kennt.“

Aber selbstverständlich hatte man die Zukunft bereits im Blick und beschrieb mit den „E-Zines neuester Machart“ in gewisser Weise die Vorstufe des E-Books:

„Der Leser kann sie, mit der Computermaus und einer speziellen Software für den Internet-Informationsverbund World Wide Web [...], am Terminal durchblättern. [...] Von den ersten hektographierten Pop-Zines sind die hypermedialen Nachfolger bereits so weit entfernt wie der Popsender MTV von der Gartenlaube.

Beide Vergleichsmedien dürften den Digital Natives nicht mehr allzu bekannt sein, aber diejenigen, die 1994 SPIEGEL lasen, waren damit sehr gut im Bilde.

III

War dieser kleine Artikel, der mit dem späteren XING-Gründer als Musterbeispiel des Web-Vorreitens ansetzte, von einer nicht ganz versteckten Herablassung geprägt, die allerdings mehr dem Stil des Hamburger Magazins als dem Thema zuzuschreiben ist, äußert im Sportteil der Ausgabe der Schachgroßmeister Viktor Kortschnoi die Digitalkritik, mit der man auch heute in der Debatte punkten kann. Ums Internet geht es ihm nicht, wohl aber um die Computer, denn diese „Nehmen dem Schach [...] seinen Zauber.“ Der „Kampf Mann gegen Maschine“ (SPIEGEL) verweist exakt auf die Probleme, die auch Evgeny Morozov und andere verhandeln (und die obendrein natürlich auch im Zentrum aller Überlegungen zu Digitalen Bibliotheken stehen): Wie viel gestehen wir den Maschinen zu, wie viel menschliches Entscheiden wollen wir erhalten und vor allem: wie viel Maschine schalten wir zwischen uns Menschen als Übermittler und was darf oder sollte für der digitale Dokumentation und Analysierbarkeit vorenthalten bleiben?

Morozov, der 1994 seinen zehnten Geburtstag begehen durfte, würde vermutlich Kortschnois Zustimmung haben, wenn er – paraphrasiert von Ellen Ullman – betont:

„[...] decries the ideology of “transparency”, reminding us that no human relationship can survive without innuendo, mystery, even lying.“

Denn was ist das Schachspiel anderes, als eine hocheleborarierte und fein destillierte Form menschlicher Interaktion. Er ist da nahe an der Position des Schachgroßmeisters, der meint:

„Früher wurde ein Spiel als Gesamtheit gesehen und mit einer Strategie gekämpft, die sich durch die ganze Partie zog. Der Computer zerhackt das Spiel in einzelne Züge. Jeder überlegt, welcher Zug in welcher Stellung einen winzigen Vorteil bringt, ohne langfristig zu planen. Das ist Fast-food-Schach. Die Kunst stirbt langsam, aber sicher.“

Wobei die Beschreibung nicht nur auf die verbrauchsoptimierte Schachfelderwirtschaft zutrifft, sondern deutlich beobachtbar auf alle möglichen Facetten des spätkapitalistisch organisierten Lebensalltags bis hin zum Wissenschaftsbetrieb. Man spricht beispielsweise zwar gern, öffentlich und noch von Forschungsstrategien. Doch wer die Untiefen der Projektförderantragspraxis kennt, weiß auch vom mehr als offenen Geheimnis, wie es an vielen Stellen Zug um / gegen Zug zugeht und was es bedarf, um überhaupt mit von der Partie sein zu dürfen.

Man braucht darüber nicht lang zu klagen, sondern könnte beispielsweise einmal überlegen, wie sich – im Zuge einer Technikbewertung – die Transformation des gepflegten Wissenschaftsideals als wertfreie Suche nach Erkenntnis zu irgendetwas viel pragmatischerem unter dem Einfluss digitaler Informationstechnologien analysieren lässt. Das Fachgebiet dafür wäre das der Science, technology and society (STS) studies und hat in Deutschland so gut wie keine Lobby und offensichtlich noch nicht einmal eine deutsche Wikipedia-Seite.

Ein wenig verfällt Kortschnoi im 1994er Interview eine zu resignative Verfallsrhetorik, wenn er sagt:

„Der Gedanke, daß eine Diskette den Weltmeister bezwingt, ist unerträglich. Alle Leute können ins Kaufhaus rennen, sich das Rechenprogramm besorgen und zu Hause den Weltmeister schlagen. Niemand wird mehr Respekt für den schachspielenden Menschen aufbringen. Der Computer relativiert die menschliche Leistung auf eine perfide Weise.“

Und, so muss man ergänzen, mischt die Karten des sozialen Rangs neu. (Stichwort Respekt) Kortschnois Argument dient ganz offensichtlich der Verteidigung des in einem prä-computerisierten Kontext erworbenen Status und niemand mag es ihm – und mochte es ähnlich argumentierenden Bibliothekaren – verübeln, wenn sie so und, wie wir heute wissen ziemlich hilflos, um die Sicherung bestimmter Positionen in der Gesellschaft kämpften. Das, was man als “Revenge of the Nerds” bezeichnen kann, also die Machtübernahme derer, die sich nicht auf die Normen, Sozial- und Kommunikationsstandards der zu dieser Zeit etablierten Akteure verstanden, dafür aber in einer Welt der algorithmischen Kontrollmodelle erfolgreich herumaspergerten, ist ein entscheidender Aspekt des Kulturkampfes um die Digitalisierung. Und wiederholt das, was jeder Handwerker mit dem Beginn der industrialisierten Konsumgüterproduktion widerfuhr: Eine Relativierung dessen, was er als professionelle Daseinsstrategie entworfen hatte.

So ganz komplett wollte sich Kortschnoi übrigens nicht in die von ihm selbst herausgezogene Schublade sortieren lassen. Auf den Einwurf des Interviewers:

„Jetzt klingen Sie wie der Kulturpessimist Neil Postman, der den vermeintlichen Verlust der Lesekultur mit dem Untergang des Abendlandes gleichsetzt“

entgegnete der Schachexperte:

„Um Himmels willen, nein.”

Dennoch bleibt ganz generell die Frage offen, was wir eigentlich als langfristige Perspektive, also Strategie, erwählen können, wenn wir – aus guten Gründen – die Ideologie des Internet als „god to obey” (Ullman), ablehnen. Der Ausblick, mit dem Ellen Ullman ihre Buchbesprechung beschließt, erdet zwar die Debatte sehr vernünftig, wenn sie schreibt, dass ihre Peers, nämlich die Programmierer, Entwickler und Computerwissenschaftler

„would support his [Morozovs] belief that the Net really is embedded in history, is made up of cables and routers and servesm and is created by mortal human beings.”

Er hilft aber nicht bei der Frage weiter, mit welchem übergeordneten Zweck und in welcher Form wir uns als Menschen in dem Ausmaß, in dem wir es trotz allem tun, mittlerweile ganz unvermeidlich existentiell in diese technologischen Netze einweben lassen. So eine richtige Antwort fällt mir derzeit auch nicht ein. Aber dass weder Konsum, noch Bequemlichkeit noch das wenig hinterfragte gesellschaftliche Ideal einer permanenten Daseinsoptimierung befriedigende und ausreichende Leitbilder sind, scheint mir einsichtig.

Gerade deshalb bin ich in beide Richtungen skeptisch: Sowohl hinsichtlich einer digitalen Aufbruchs- und Emanzipationseuphorie, deren Ablehnung weniger in der Furcht, eine  bestimmte Position im sozialen Gefüge zu verlieren, fußt, sondern schlicht in der (historisch verifizierten) Einsicht, dass blinde Revolutionsakte immer mit Nebenschäden und teilweise bitteren Verlusten einhergehen, für die ich in diesem Fall schlichtweg nichts Sinnvolles finden kann.

Andererseits ist das reaktionäre Beharren auf der Beibehaltung alter Ordnungsstrukturen nicht nur ohnehin im Langzeitverlauf zwecklos, sondern sorgt ebenfalls für nicht zu rechtfertigende Zurücksetzungen, Beschädigungen und Verlusten. So bleibt am Ende des Tages vermutlich nicht viel mehr, als die Grundausrichtung auf ein ganz klassisches Verstehen-wollen, das nicht auf Wertung sondern auf Anerkennung zielt und etwas solange gelten lässt, solange es nicht die Möglichkeit, der Selbstgeltung des Anderen einschränkt.

Wir befänden uns dabei unvermeidlich im Bereich dessen, was der Psychologe Lawrence Kohlberg als postkonventionelle, autonome und prinzipienorientierte Ebene der moralischen Entwicklung beschrieb und von der er selbst zugeben musste, dass sie in der Realwelt eher sehr selten anzutreffen sein. (vermerkt in: Lawrence Kohlberg et al. (1983) Moral stages : a current formulation and a response to critics. Basel, New York: Karger)

Ein Verfahren, mit dem man dies wenigstens ein wenig anzustreben versuchen kann, liegt möglicherweise in der regelmäßigen Eigenkonfrontation mit den Spuren der Vergangenheit wie sie hier am Beispiel eines SPIEGEL-Hefts angedeutet wird. Denn über die historische Verortung lässt sich in der Regel ganz einfach eine Relativierung jeweils gegenwärtig als unumstößlich gehandelter Wahrheiten erkennen. Und daraus die Demut ableiten, die nicht nur den hohen Kohlberg-Stufen innewohnen muss, sondern die auch Ellen Ullman bei Morozov vermisst und die die zumeist weitaus höher gehandelten Werte Fakten- und Regelwissens und anwendbarer Handlungskompetenzen, an denen es uns heute eher nicht mangelt, unbedingt ergänzen sollte:

„Mr. Morozov’s formidable intellect makes this a noteworthy book. A dose of humility would have made it a better one.”

(Berlin, 18.05.2013 /  @bkaden)

Misstraut dem/n Durchleuchtstoffröhren. Die Transparenzgesellschaft Byung-Chul Hans bleibt ohne Strahlkraft.

Posted in LIBREAS.Feuilleton, LIBREAS.Referate by Ben on 17. April 2012

Rezension zu: Byung-Chul Han (2012): Transparenzgesellschaft. Berlin: Matthes & Seitz.

von Ben Kaden

Das gibt es tatsächlich: Jemand wird zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und diejenigen, denen er gegenüber sitzt, haben das Facebook-Profil des Bewerbers geöffnet, um im Zweifelsfall abgleichen zu können, zwischen der Typisierung, die sich persönlich vorstellt und der, die man von sich über Jahre ins Netz hat fließen lassen. Profiling wird da wortwörtlich zur Selbstaufgabe. Denn diese potentielle Durchleuchtung vor Augen, stimmt man zwangsläufig das, was in das digitale Eigenarchiv aus semiprivaten Kommunikationen in Sozialen Netzwerke einfließt (wie würde es denn aussehen, wenn auf einmal Stephan Remmler in der Playlist erschiene und nicht Krzysztof Penderecki) mit immer notwendig diffusen Erwartungshaltungen von zukünftigen Durchleuchtern ab. Mit den Sozialen Netzwerken entfesselt man Bourdieu’sche Überlegungen in lange ungeahnter Weise. Wer sich davon einwickeln lässt, führt in der Tat eine armselige Existenz auf Repräsentation gerichteter, nun ja, Identitätsmodellierung.

Insofern handelt es sich genau genommen weniger um eine Selbstentblößung als um eine inszenatorische und soziotechnische Selbstgestaltung. Wie diese vermeintliche Befreiung des Individuellen im Digitalcode den Kreis zu der in harten Kämpfen halbwegs bezwungen erschienen Welt von Traditionszwängen und Übernormungen rückzuschließen beginnt, wäre ein hervorragendes Thema für gegenwartsanalytische Schriften. Aber anscheinend bewegen wir uns noch im Stadium einer anderen Anamnese. (more…)

Wer vom Diskurs redet, redet immer auch von der Gesellschaft. Eine Erwiderung.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Karsten Schuldt on 31. März 2012

Dieser Beitrag ist Teil einer Debatte, die bisher veröffentlicht geführt wurde in:

Ben Kaden: Zur Diskursänderung. Eine Position zur Diskussion um die Zukunft der Informationswissenschaft. In: LIBREAS Weblog, 21.03.2012.

Karsten Schuldt: Der Diskurs ist kein Metadatum. Eine Replik zu Ben Kaden. In: LIBREAS Weblog, 29.03.2012.

Ben Kaden: Einladung zur Behauptung: Das Metadatum ist auch Diskurs. Eine Replik auf Karsten Schuldt. In: LIBREAS Weblog, 29.03.2012.

Vorneweg: Diese Erwiderung soll nicht den Eindruck eines Zerwürfnisses erzeugen. Letztlich scheinen, wie auch Ben Kaden selber betont, seiner und meine Meinung in vielen Punkten nicht auseinander zu gehen. Ich spreche wohl für uns beide, wenn ich dazu auffordere, dass sich auch andere an der Debatte beteiligen. Dies ist kein Privatstreit, sondern ein Versuch, sich dem (möglichen) Inhalt und der (möglichen) Arbeitsweise der Bibliothek- und Informationswissenschaft anzunähern.

Von Karsten Schuldt

Ben Kaden hat auf meine Replik auf seinen Beitrag „Zur Diskursänderung. Eine Position zur Diskussion um die Zukunft der Informationswissenschaft“ wiederum mit einer Replik geantwortet. Mir scheint allerdings in dieser Replik, dass ein wichtiger Hauptpunkt meines Beitrages nicht klar geworden ist, den ich deshalb hier noch einmal ausführen möchte: Eine Bibliotheks- und Informationswissenschaft kann sich nicht darum drücken, eine Sozialwissenschaft zu sein (und damit über die Gesellschaft zu reden). Jeder Versuch, etwas anderes zu erreichen, wird (wieder) im erkenntnislosen Abseits enden. (more…)

Der Diskurs ist kein Metadatum. Eine Replik zu Ben Kaden

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Karsten Schuldt on 29. März 2012

Von Karsten Schuldt

Ben Kaden hat vor kurzem an dieser Stelle seine Überlegungen zur Erweiterung der Bibliotheks- und Informationswissenschaft dargelegt. Ich möchte diesen in wichtigen Punkten widersprechen. Der Widerspruch erfolgt aus zwei Gründen: Erstens scheint mir ein gewichtiges Missverständnis bei der Verwendung des Diskursbegriffes vorzuliegen, welcher in einer inhaltlich problematischen Engführung enden könnte, die zudem den kritischen Gehalt des Begriffes verleugnet. Zweitens soll diese Replik als Einladung verstanden werden, sich an der Diskussion über den Inhalt der Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu beteiligen. Meine Position ist nicht annähernd so weit ausgebaut, wie die von Ben Kaden, (bin ich ehrlich, habe ich mir bislang nie Gedanken über die Gesamtheit der Informationswissenschaft gemacht, auch weil es bislang interessanterweise nicht notwendig zu sein scheint, um sie oder doch zumindest den Teilbereich Bibliothekswissenschaft zu betreiben) dennoch äussere ich mich in der Hoffnung, dass auch andere sich äussern werden – und sei es mit einer Widerlegung. (more…)

Per Ubicomp zum Rubikon? Dietmar Daths schießpulverne Zukunft des Internet aus dem Jahr 2002.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 8. Januar 2012

Ein Kommentar von Ben Kaden

Eines der drängenden Probleme unserer digitalen Tage ist die Abschätzung von Zeitlichkeit. Eine Rückschau in Publikationszeitschriften, die auf den Beginn dieses Jahrtausends datieren und in denen sich Werbung für Mobilfunkgeräte findet, die aus heutiger Sicht ungeschlachten Kommunikationsriegeln mit wuchtigen Tasten unübertreffliche Eleganz zusprechen, zeigt, wie weit die Sprünge der designtechnologischen Evolution eigentlich reichen. Die urförmigen Koffertelefone der 1990er liegen da bereits jenseits jeglichen Horizonts.

Technik altert, das ist ihre Natur, schnell und je technischer wir uns unsere Lebenswelt gestalten, desto mehr sind wir gezwungen, uns mit einem Bein in der Gegenwärtigkeit und  mit einem halben in der gegenwärtigen Zukunft aufzuhalten. Das andere halbe Bein lässt sich dann vielleicht noch für den biografischen Gang in die Identitätsentwicklung sowohl individuell wie auch gesellschaftlich irgendwo ins Vergangene stellen. Es fragt sich allerdings, ob wir uns dafür überhaupt noch begeistern, wenn die Archive einmal alle durchdigitalisiert sind. Die Auseinandersetzung mit Vergangenheit findet derzeit vielleicht nicht immer, aber doch in den Kontexten die uns hier berühren weitgehend, in Form der technischen Integration in die gegenwärtigen Möglichkeiten der Dematerialisierung statt.

Gestern eröffnete nun Constanze Kurz ihre Kolumne Aus dem Maschinenraum zum „Rubikon der Sprachgewalt“ bzw. Worterkennungsalgorithmen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (S. 34) mit der flockenden Formulierung: „Vor einer kleinen digitalen Ewigkeit, Ende 2002, …“ Wir feiern also heuer 10 Jahre T9 (Text on 9 Keys), ein Verfahren, welches so selbstverständlich ist, dass nicht nur die aktuellen Erstsemesterstudierenden damit permanent vorlesungsbegleitend operieren, ohne zumeist überhaupt die Bezeichnung zu kennen.

Vor fast genau 10 Jahren, in der ersten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung des Jahres 2002 eröffnete das Feuilleton des Blattes, in dem man an den kuriosen Preisangaben zu den besprochenen Büchern die Währungsumstellung ablesen kann, mit einem Zweispalter unter der Überschrift: „Nach dem Internet“. Geschrieben wurde er mutmaßlich noch im letzten D-Mark-Jahr vom Kulturvisionär Dietmar Dath. Ausgabe vom 02.01.2002, S. 39) (more…)

Absolut Gegenwart. Jürgen Mittelstraß über die Enge des Internets.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS.Referate by Ben on 25. Juli 2011

Ein Kommentar von Ben Kaden

I

Wir sind im Jetzt und Überall. Die großen Ordnungskategorien der Wahrnehmung – Raum und Zeit – schrumpfen in der digitalen Welt auf ein Pünktchen namens Gegenwart. So jedenfalls blüht ein häufig anzutreffendes Argument netzkritischer Beobachtung, das seine Wurzeln in die Tatsache treibt, dass die dematerialisierten digitalen und kommunikablen Repräsentationen von Wissen weitgehend narbenfrei, also ohne Nutzungsspuren, reproduziert werden können und uns daher ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 2001 auch zehn Jahre später taufrisch ins Browserfenster geladen wird. So er denn noch geladen werden kann. Die Spuren, die die Distanz zwischen unserer aktuellen Wahrnehmungsposition und der, des kommunizierten Objekts liegen, werden nur anhand von entsprechenden metadatierenden Markierungen und auf der semantischen Ebene spürbar. Ihre Verkörperlichung ist in gewisser Weise spurlos, zeigt sich immer auf dem Jetztstand, ist On-Demand und daher auch zum sofortigen Verbrauch. Ein digitales Dokument lässt sich nicht halten, nur abrufen. (more…)

Da ist Adorno vorne drauf, als DJ.

Posted in LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 18. März 2011

Rezension zu: Adam, Holger; Aydın, Yaşar; Cetin, Zülfukar; Doymus, Mustafa; Engelmann, Jonas; Henning, Astrid; Witte, Sonja (Hrsg.) / Pop Kultur Diskurs: Zum Verhältnis von Gesellschaft, Kulturindustrie und Wissenschaft. – Mainz: Ventil Verlag, 2010

Von Karsten Schuldt

Die Analyse der Popkultur hat sich längst als eines der wichtigsten Themen der emanzipatorischen Linken etabliert. Der Begriff der Poptheorie – auch, mit leicht verschobener Bedeutung, der Poplinken – hat sich für diese Subkultur etabliert, wobei hier oft Theorieproduktion, sozialer Aktivismus und Zugehörigkeit der Theoretikerinnen und Theoretiker zu expliziten Subkulturen in eins gehen. Neben einer Anzahl von Weblogs, die zumeist beim Hoster blogsport.de angesiedelt sind und einigen Online-Magazinen wie beatpunk.org, ist die Zeitschrift testcard einer der Kristallisationspunkt dieser Linken. (more…)

Frame – der Weg zum Buch? Zu Nicole Krauss’ Buchhandlungstheorie.

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 14. März 2011

I

Es wirkt beinahe etwas vermessen, sich Gedanken zur Zukunft des Medium Buchs hinzugeben, wenn zeitgleich anderswo weitaus Grundsätzlicheres auf der Kippe steht und gerade die allumfassend vernetzte Welt, die Berichte zu den Ereignissen im Liveticker in alle Büros der westlichen Hemisphäre überträgt, dafür sorgt, dass wir nicht bis zu den Tagesthemen warten, sondern das Thema des Tages permanent in informationeller Hab-Acht-Stellung verfolgen. Während am letzten Freitag auf der ISI 2011 darüber diskutiert wurde, wie frei und sozial Wissen sein kann, verfolgte man im Auditorium, sofern man sich der Nachrichtenlage bewusst war und nicht vorher von Feuilleton-Artikeln zu den Folgen des Falls zu Guttenberg für die Wissenschaft vollauf beansprucht wurde, wie das Meer eine Küstenregion in einer Art und Weise zermalmt, die man vielleicht in der Literatur Sakyo Komatsus mit einigem Schauder beschrieben erwartet, aber deren Drastik, und sei sie nur über Youtube vermittelt, den Beobachter in ein ehrfürchtig-ohnmächtiges Staunen versetzt.

Vermutlich ist es die trotz aller basiskulturellen Unterschiede bestehende Verwandtschaft der im Untergang befindlichen Lebensraumgestaltungen, die uns beim Anblick der Bilder so berührt. Wenn die New York Times das Bild von Eltern zeigt, die auf ein zerdrücktes, kaum mehr als solches erkennbares Auto starren und die Beschreibung verrät, dass sie gerade das Fahrschulfahrzeug fanden, in dem ihre Tochter starb, dann steckt dahinter der Einbruch einer Katastrophe in die Alltäglichkeit, die man auch beim Blick von Frühstücktisch aus einem Mannheimer Fenster in den gnadenlos schönen Vorfrühling sehr nah erspürt. Die Ereignisse aus Japan konfrontieren uns überdeutlich, wie fragil das Gewebe unserer Alltagswirklichkeit vom Biohonig im Supermarkt bis hin zur politischen Debatte gestrickt ist. Gegen Fukushima und die Folgen wird die Plagiatsaffäre zu Guttenberg eine possierliche Marginalie im Jahresrückblick 2011 sein.

Andererseits ist die Nahsicht notwendig –  schlicht um zurechtzukommen. Ständig auf das Damoklesschwert eines kosmischen Zwischenfalls zu starren, der mir nichts, dir nichts alles auszulöschen vermag, was der Kulturmensch gemeinhin unter Bedeutung versteht, ist kaum hilfreich, wenn man halbwegs erfolgreich Sinn suchend oder konstruierend durch den Tag zu kommen versucht. Andererseits zeigen Fukushima und die anderen möglichen atomaren Schmelzpunkte, dass eine Hochkultur sich durchaus und ständig fragen muss, ob sie nicht manchmal in ihrem Fortschrittsglauben Wetzstahl an der Klinge spielt. Wenn man am Rheinufer auf das Leuchten der industrieromantischen Kulisse des riesigen BASF-Werkes schaut und daran denkt, wie flussabwärts Philippsburg und flussaufwärts Biblis den atomenergetischen Rahmen der Szenerie bilden, fühlt es sich trotz aller Vernunft und ungeachtet allen Vertrauens in deutsche Sicherheitsstandards so an, als sei der Grat, auf dem diese Art von Industriekultur ausbalanciert ist, nicht für alle Zeit der breiteste.

Literatur scheint in diesem Kontext eine nachgeordnete Rolle zu spielen, übernimmt aber bei genauerer Hinsicht und adäquater Umsetzung eine wichtige Aufgabe: Sie reflektiert und übernimmt dabei dann, wenn sie gelesen wird, die Rolle eines gemeinsamen Reflexionshorizontes besonders für Ereignisse, die an sich schwer rationalisierbar und verständlich sind. So bildete – um ein naheliegendes Beispiel herauszugreifen – die Literatur nach Tschernobyl, in Westdeutschland prominent durch Gudrun Pausewangs Jugendbuch „Die Wolke“ und in der DDR durch Christa Wolfs „Störfall“ markiert, einen geteilten Verständnishorizont, der nicht unwesentlich zur Politisierung der Debatte um die Atomkraft beitrug. (more…)

Der Appetit kommt beim Chatten. Adam Gopnick über das Internet als omnipräsente Bibliothek und drei Perspektiven.

Posted in LIBREAS.Referate by libreas on 10. Februar 2011

Ein Kommentar zu

Adam Gopnick: The Information. How the Internet Gets Inside Us. In: New Yorker, 14.02.2011. Online: http://www.newyorker.com/arts/critics/atlarge/2011/02/14/110214crat_atlarge_gopnik

von Ben Kaden

Gehen wir der Frage nach, wie digitale Technologie unsere Lebenswelt umgräbt, dann sind die Echogramme der Popkultur besonders aufschlussreich. Nicht zuletzt die Möglichkeit elektronischer Musik hat diese Facette des kulturellen Lebens gründlich umgegraben und spätestens mit dem Mp3-Player wurde Digitaltechnik selbst Pop. Dass thematisch direkt auf das Thema gerichtete Musikprojekte mit Namen wie Arpanet in ihrer Popularität weiter hinter andere Bezugsgrößen betonenden Bands wie The Books zurückstehen, liegt möglicherweise weniger am Namen als an der Art der Kompositionen. Für Projekte wie Digitalism sieht es z.B. ganz anders aus. Da hat auch eine informationstheoretische Konzeptcombo wie Signal keine Chance, selbst wenn sie die feiner ziselierten Klanglandschaften elaboriert. Allerdings referenziert sie auch Robotron und den Uranbergbau(more…)

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