LIBREAS.Library Ideas

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (27): Einfach teilnehmen und Themen vorschlagen

Posted in LIBREAS Veranstaltungen, Uncategorized by libreas on 23. Februar 2013

von Matti Stöhr

“Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.” (Karl Valentin)

Wer wird dabei sein? Welche Themen werden behandelt? Was erwartet mich? Naturgemäß ist eine Unkonferenz im allgemeinen – frei<tag> im speziellen – davon charakterisiert, dass jede Person mit Interesse an Konzept und Motto ohne Anmeldung kostenfrei teilnehmen kann, und das inhaltliche Programm ad hoc gemeinsam vor Ort festgelegt wird. Es ist ebenso jedoch stets Bedürfnis zu wissen worauf, auf wen, auf was man sich einlässt. So besteht nun mit zwei eigens dafür eingerichteten Etherpads ohne Anmeldung oder andere Hürden die einfachsten Möglichkeiten die Teilnahmeabsicht kund zu tun sowie mögliche Sessionthemen zu benennen und sich gleichzeitig über den aktuellen Teilnahme- und Themenstand zu informieren:

Lose Themenideen; ausgefeilte Konzepte und Forschungsfragen; Aspekte des vorangegangen Hauptprogramms der ISI-Tagung, zu welchen man mehr erfahren und / oder sich intensiver austauschen möchte – jegliche Formen sind denkbar und erlaubt.  Seien Sie / seid herzlich eingeladen schon jetzt der Unkonferenz und ihrem  Motto “raum:shift [information science]” Gestalt zu verleihen!

Test

Ob im ICE oder daheim, bei Nacht oder bei Tag, angeregt von den New York Times oder von einem Fachartikel – Themenideen für die frei<tag> 2013 können überall entstehen …

PS: Der Hashtag zur Veranstaltung ist übrigens unlängst festgelegt: #frei13

It’s the frei<tag> 2012 Countdown (2): Vereinsmitglied werden

Posted in LIBREAS.Verein, Uncategorized by Karsten Schuldt on 15. August 2012

Im Anschluss an die Summer School findet am 18.08. in Berlin die erste Jahressitzung des LIBREAS. Verein statt. Der Ort ist der gleiche wie die Summer School, eingeladen sind alle Mitglieder.

Und das ist das Stichwort. Als wir vor einem Jahr bekanntgaben, dass wir den LIBREAS. Verein zur Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation gegründet hätten, hatten wir ehrlich gesagt etwas unterschätzt, wie arbeitsreich das Vereinsgründen in Deutschland so sein kann. Deshalb ging dies alles nur sehr langsam voran. Untergegangen ist dabei vielleicht, dass der Verein nun schon seit einiger Zeit eine eigene Homepage besitzt (http://www.libreas-verein.eu/) und das es möglich ist, ihm als Mitglied beizutreten. Die Mitgliedsbeiträge betragen 12 Euro pro Jahr für Einzelpersonen, 24 Euro pro Jahr für institutionelle Mitglieder und 48 Euro pro Jahr für Fördermitglieder. Mit dieser Mitgliedschaft kann man nicht nur direkten Einfluss auf die Arbeit des Vereins nehmen, sondern unterstützt, wie im Vereinsnamen angegeben, die Kommunikation im Feld der (erst einmal deutschsprachigen) Bibliotheks- und Informationswissenschaft. [Selbstverständlich kann man das auch mit Spenden an den Verein tun, wir sind ein e.V.]

Now that we found love, what are we gonna do with these?

Es ist nicht unser Ziel, mit dem Verein Geld zu verdienen oder in Konkurrenz zu anderen Organisationen und Vereinigungen im bibliothekarischen und bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Feld zu treten. Vielmehr wollen wir einen Teil zum grossen Ganzen beitragen. Aber wir würden uns selbstverständlich über jedes Mitglied freuen, da dies auch bedeutet, gemeinsam grössere Sprünge, als „nur“ die LIBREAS und die Unkonferenz zu machen.

Vereinsmitglied kann man über die Homepage werden (http://www.libreas-verein.eu/mitgliedschaftsantrag/), aber man kann uns selbstverständlich auch direkt fragen, zum Beispiel am 17.08. in Potsdam und am 18.08. in Berlin.

It’s the frei<tag> 2012 Countdown (11): Megatrends, Megatrends

Posted in LIBREAS Veranstaltungen, Uncategorized by Karsten Schuldt on 5. August 2012

Karsten Schuldt

Zwei Thesen vorneweg:

  1. Thesen eignen sich, wenn sie als solche angenommen werden, besser als Diskussionsstarter als irgendwelche anderen Anfänge.
  2. Das Bibliothekswesen verpasst regelmässig die Megatrends der gesellschaftlichen Veränderung, lernt daraus aber auch wenig, weil dieses Verpassen kaum historisiert diskutiert wird.

Megatrends sind die Veränderung, welche sich langfristig als grundlegende Änderungen durchsetzen. Abzugrenzen davon sind kurzfristige Trends. Es gibt nun als eine der wenigen gesicherten Erkenntnisse der Zukunftsforschung die Einsicht, dass der gesellschaftliche Diskurs prinzipiell der kurzfristigen (und damit wenig nachhaltigen) Trends massiv überschätzt, die Megatrends aber tendenziell übersieht. Es gibt Versuche, dieses Missverhältnis auszugleichen. (Ob die funktionieren ist eine andere Frage. Zu erinnern ist nur an die Bildungsdelphi Anfang Anfang / Mitte der 1990er, bei denen dem Internet quasi keine Bedeutung für die Entwicklung des deutschen Bildungswesens bis 2020 zugestanden wurde.) Man kann daraus auch lernen – wenn man es nicht eh schon macht – die ganzen Titelgeschichten über neue Trends – egal ob Technik oder die neuen Partygewohnheiten der Jugend – zu ignorieren oder zumindest nicht für so voll zu nehmen, wie sie dargestellt werden.

Aber: Die oben genannte These (2) geht weiter. Sie behauptet, dass das Bibliothekswesen sich, wenn überhaupt, nur sehr ausgewählt und spät mit Megatrends der Gesellschaft befasst. So haben wir gerade die Situation, dass seit einigen Jahren immer mehr Bibliotheken sich Gedanken um die „jungen Alten“ machen. Was an sich gut ist, aber wenig angesichts der tatsächlichen demographischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte. Vor allem ist „jetzt“ es sehr spät. (Sicher: Besser spät als nie.) Seit den 1970er Jahren war ersichtlich, dass es zu einem solchen Wandel kommen wird. Oder: Jetzt gibt es Überlegungen dazu, wie die mobile Internetnutzung via Smartphones und Tablets Bibliotheken verändern wird – was richtig ist. Aber auch spät. Wer aufgepasst hat, wusste 2000, dass das kommen wird. Das Bibliothekswesen hätte sich schon früher vorbereiten können, es hätte nicht nur Konzepte entwickeln, sondern schon längst Personal haben können, welches sich auf die kommenden Aufgaben eingestellt hätte.

„Hätte“ ist natürlich im Nachhinein immer schön zu sagen. Aber These 3:

  1. Das Bibliothekswesen kann sich auf Megatrends besser vorbereiten, wenn es aus verpassten Megatrends lernt und gleichzeitig sich über die gesellschaftlichen Veränderungen selbstständig und ergebnissoffen (also vor allem nicht an der Frage orientiert, wie die Bibliothek, wie sie jetzt ist, durch die Megatrends hindurch erhalten bleiben kann) informiert.

Mehr habe ich zu dem Thema nicht zu sagen, erstmal. Vielleicht noch: Es geht nicht nur dem Bibliothekswesen so, sondern auch weiteren Teilsystemen der Gesellschaft. Das zur Beruhigung.

Hey hey offene Gesellschaft, was geht? Was hier abgeht ist die offene Gesellschaft, die sich durchsetzt, auch gegen den Diskurs. Mitten in Zürich, auf dem Caliente!, nach eigenen Angaben das grösste Fest lateinamerikanischer Musik im deutschsprachigen Raum (für Umme, und die Caipirinhas für nur 10 Franken wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist), ein Auftritt einer Latinoband, bestehend nur aus Schweizern, auf einer Bühne (wie gesagt: mitten in Zürich, wenn auch im hippen Aussersihl, nicht irgendwo) wo gar nicht erst versucht wird, etwas anderes zu sprechen, als Spanisch. Warum auch, wenn alle auch damit klar kommen. Komisch, Schweizer, die auf spanisch Akons (Senegalese mit Lebensmittelpunkt USA, btw) “Don’t matter” (“Nobody wants to see us togehther”) covern und dann ihre Lations grüssen? Wo doch gefordert wird, dass wenn, dann in Zürich bitte Französisch als Fremdsprache neben dem Deutschen verwendet wird? Nope. Offene Gesellschaft in Aktion. Reagieren Bibliotheken darauf? Kriegen sie es überhaupt mit?
(Und das ist ja nur ein Beispiel, dass gerade so über den Weg lief. Auch kein perfektes, den halb zehn war dann Schluss, die Musik aus. Weil offen ja, aber so offen urban wie in, sagen wir mal, Berlin oder Hamburg, so offen ist die Schweiz dann auch wieder nicht.)

Zum Abschluss noch Thesen zu sich abzeichnenden Megatrends, auf das Bibliothekswesen sich vorbereiten könnte:

  1. Die Migration nach Deutschland wird massiv zurückgehen. Die Aufgabe wird dann vor allem darin bestehen, die jetzt hier lebenden Kulturen sich entwickeln und zusammen wachsen zu lassen.
  2. Trotz allem Zwang zum Sprechen der Nationalsprachen, der aufzubauen versucht wird, werden die deutschsprachigen Gesellschaften (endlich wieder) praktisch multilingual. Dies wird mit einer Zunahme des Bildungsniveaus einhergehen.
  3. Die zerbrechliche Gesellschaft, als die Nico Stehr die moderne Gesellschaft beschreibt, wird immer weiter zu einer flexiblen und offenen – ergo „zerbrechlichen“ – Gesellschaft werden, was ihre Stärke sein wird.
  4. Die gesamte Gesellschaft wird urbaner. Das bezieht sich nicht nur auf Berlin und Zürich, das bezieht sich auch auf den dörflichen und den suburbanen Raum. Urbaner heisst: Mehr Lebensentwürfe werden lebbar, der ÖPNV wird wichtiger, die Kultur wird mehr. Das heisst aber auch, gerade für die Menschen, die mit dem Urbanen nicht so viel anzufangen wissen: Sie werden immer mehr gefordert werden.
  5. Gleichzeitig werden territoriale Zonen, die sich jetzt schon abzeichnen, entstehen, die fast keine Anbindung mehr an die restliche Gesellschaft haben. Prädestiniert sind dafür der Osten Deutschlands und die immer menschenleerer werdenden Alpenregionen Österreichs und der Schweiz.
  6. Die Erkenntnis, dass zentralisierte Systeme und Steuerung von Systemen durch zahlenbasierte Planung und ständigen Vergleich disfunktionale Effekte haben, wird sich gesellschaftlich (wieder) verbreiten. Es wird versucht werden, dem abzuhelfen.
  7. Die Bedeutung des Fernsehens wird abnehmen.
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It’s the frei<tag> 2012 Countdown (13): Schaufenster forever

Posted in LIBREAS Veranstaltungen, Uncategorized by Karsten Schuldt on 3. August 2012

Karsten Schuldt

Der Vanitas-Gedanke. Das Schaufenster in Potsdam.

Wenige Orte verkörpern heute den klassischen Gedanken des Moments, der genossen werden muss, weil er vorüber sein wird, demnächst, wie das Schaufenster in Potsdam. Es ist vergangene Zukunft und zukünftiges Ende. Vergangene Zukunft als architektonischer Ausdruck einer Zukunft, die nie kommen wollte. Die Moderne, der gebändigte Sozialismus der DDR, der human sein sollte und es am Ende doch nur zum Teil war. (Immerhin genügend, um die Revolution nicht im Blut verenden zu lassen.) Aber auch Zukunft, die nach der politischen Wende nicht kommen wollte. Alle Läden, welche die Verheissungen der freien Gesellschaft anboten, zogen letztlich wieder aus. Das Sportfachgeschäft, welches den Raum zuletzt belegte, bevor die FH Potsdam ihn übernahm, hat noch Spuren hinterlassen, wenn man genau schaut. Auf dem Boden dynamische Linien, Feldgrenzen, die auffordern zur Aktivität. Und auch vergangene Zukunft mit dem Versprechen der Moderne, Architektur zu sein, die es letztlich allen ermöglichen sollte, besser zu leben. Kaum jemand will es in dem Maße, wie die gebändigte Moderne des Schaufensters und des alten Gebäudes der FH Potsdam es vorschlug.

Jetzt, 2012, ist das Schaufenster ein Ort des verkündeten Endes, ein Nicht-Ort, ein Zwischenraum. (Wie sie in der Hauptstadtregion zuhauf existieren und bespielt werden vom intellektuellen Proletariat.) In ein paar Jahren vielleicht, so sagt man seien die Pläne, wird das Gebäude mit dem Schaufenster und dem Fachbereich Informationswissenschaften abgerissen. Vielleicht. (Pläne ändern sich.) Deshalb aber trägt das Schaufenster ein vorhergesagtes Ende in sich. Was auch immer in ihm passiert, getan wird, es ist prekär, kurzfristig angelegt, spontan fast. Allerdings: Die Zwischennutzung dauert auch schon seit Jahren. Der Raum ist eingespielt als Veranstaltungsort, so sehr, dass man protestieren müsste, wenn dereinst tatsächlich mit dem Abriss begonnen würde.

Wir warten. Wir warten. (Wir warten herein, Potsdam, den dreifachen Fluch.) Noch ist es geschlossen, das Schaufenster, aber immerhin ist es noch da. Und es wird geöffnet sein zur frei<tag>.

Der Raum des Schaufensters ist offen. Solange am Ende alles noch nutzbar ist, kann man räumen und stellen und rücken, wie man will. Frei in einem ausreichend grossen Raum, dessen Struktur wenig vorgibt. Keine festen Tafel, auf die der Blick sich richten müsste. Wenig Wände, die den Blick behindern. Licht von allen Seiten. Und die lässige Morbidität kultureller Projekte und Clubs. Doch gleichzeitig ein Ort der Wissenschaft. Ein Ort, an dem regelmässig Veranstaltungen der FH Potsdam stattfinden. Ein Ort, der einlädt, Wissenschaft als lebendige Tätigkeit zu begreifen, bei der das Wissen gerückt, verstellt, neu geordnet werden darf, bei der Gedanken wenig Grenzen haben und bei der das Denken dennoch transparent sein soll – transparent wie der Raum selber mit seinen Fensterreihen.

Das Schaufenster ist eine Einladung an eine Wissenschaft im Geiste des Vanitas-Gedankens; eine Einladung, die verbunden ist mit der Erinnerung, welche Zukünfte schon gedacht wurden und nicht eingetreten sind; gleichzeitig ein Ort, der Zukunft einfordert.

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It’s the frei<tag> 2012 Countdown (17): Identität? Maybe.

Posted in LIBREAS Veranstaltungen, Uncategorized by Karsten Schuldt on 29. Juli 2012

Karsten Schuldt

Von Zeit zu Zeit taucht die Frage auf, wie sich Bibliotheken, Bibliothekarinnen und Bibliothekare selber sehen, wie sie von anderen gesehen werden – und eigentlich auch, wie sie sich selber sehen sollten und gerne gesehen werden würden. (Obgleich letzteres auch einigermassen oft vergessen zu werden scheint.) Warum eigentlich? Warum eigentlich scheint das Bibliothekswesen einen Drang zu haben, über das eigene Bild zu reden? Nicht Selbstreflexion zu betreiben, sondern über das Bild seiner selbst zu reden? Diese Debatten führen ja interessanterweise nicht dazu, Berufsbeschreibungen zu verändern oder gar Abläufe. Es wäre eine Aufgabe über diesen ja wiederkehrenden Beweggrund nachzudenken.

Hier allerdings soll nur kurz ein Teilaspekt beachtet werden. Getrieben scheinen solche Diskussionen nämlich von der Vorstellung, dass es eine Identität des Bibliothekswesens und des bibliothekarischen Personals gäbe, welche missrepräsentiert würde. Missrepräsentiert im bibiothekarischen Diskurs und missrepräsentiert im öffentlichen Bild. Oft tönt es, es gäbe das Bild der „Psssssst“-machenden Bibliothekarin mit Dutt im Lesesaal immer noch (obgleich selten der Nachweis darüber geführt wird); wohingegen die Bibliothek heute ein offener Ort sei, die Bibliothekarinnen und Bibliothekare gesellschaftlich sich mitentwickelt hätten, gar zum Teil an der Spitze der Gesellschaft stehen was die Nutzung von Informationen und Technik betrifft, zum Beispiel (auch hier wird der Nachweis oft nicht geführt). Postuliert wird nun, dass diese Differenz ein Problem wäre. Ein Problem, weil die Gesellschaft eine falsche Vorstellung von Bibliotheken hätte. Aber auch ein Problem, weil die Bibliothekarinnen und Bibliothekare sich nicht so zu präsentieren trauten, wie sie sind.

Zu bemerken ist, dass bei dieser Argumentation einige Annahmen getroffen werden, die so selbsterklärend nicht sind, wie sie vorausgesetzt werden. So scheint es die Vorstellung einer einigermassen konsistenten Identität Bibliothekarin / Bibliothekar zu geben. Sicher: Wir sind alle unterschiedlich, dass akzeptieren wir auch. Aber dennoch scheint die Vorstellung auf, dass es zumindest einen Grundbestand an Vorstellungen und Eigenschaften gäbe, die (fast) allem im Bibliothekswesen teilen würden. Weiters wird davon ausgegangen, dass es ein Problem wäre, wenn die Identität einer Einrichtung nicht mit dem Bild der Einrichtung in der Gesellschaft übereinstimmen würde. Angestrebt wird implizit offenbar eine grösstmögliche Schnittstelle, als würde das Funktionieren von Bibliotheken davon abhängen, dass sie als die gesehen werden, die sie sind (wobei die Frage interessant ist, ob Bibliotheken im Gegenzug andere Einrichtungen so sehen, wie „sie sind“). Nicht zuletzt wird angenommen, dass das Eigenbild eine Relevanz hat, aber nicht erklärt wird, welche. Muss man, um in der Bibliothek als Personal „funktionieren“ zu können, eine Identität haben, die mit der Aufgabe übereinstimmt? Wie sehr muss die Übereinstimmung sein, wie sehr darf sie abweichen? Muss sie, so ja der Trend auf dem heutigen Arbeitsmark, möglichst vollständig mit dem gesamten Selbstbild eines Bibliothekars, einer Bibliothekarin übereinstimmen oder dürfen sie neben ihrem Beruf eine weitere Identität haben, die sie nicht einbringen müssen in ihre Arbeit?

Identität//Heimat{Neukölln, Berlin}. Beim Inder (desletztens noch ein Döner) sitzen, auf die Pizzeria mit dem unglaublichen Balkon obendrauf blicken, das urbane Leben anschauen.
Zwei allgemeine Merksätze hierzu, die vergessen werden, immer wieder einmal: (1) Identität setzt sich zusammen. Da ist kein Kern, der gleichbleibt, sondern ein Netzwerk aus Versatzstücken, teilweise gewählt, teilweise “da” , immer interpretiert. (2) Identität, insbesondere Heimatidentität, ist nicht an das ständige Da-sein gebunden. Und Identität ist nicht, niemals wirklich exklusiv, sondern steht neben mehreren Identitäten, auch in einer Person, gar einer Gruppe. Ach, Gruppenidentität… noch komplexer.

Diese Annahmen scheinen, werden sie differenziert, brüchiger zu werden. Auffällig ist zudem: Es gibt Theorien zur Identität, Selbstbild, Rückwirkung von Diskursen über sich selbst, kurzum: vor allem Subjektivität. Ein grosser Teil der Gender Studies, zum Beispiel, konstituiert sich um solche Fragenkomplexe. Und hier scheint die Verbindung nicht so natürlich zu sein. Wichtiger: Hier scheint auch das Problem, dass man anders gesehen wird, als man selber sein will (oder „ist“) anders. Es ist ein Problem, wenn es Probleme verursacht, aber es ist nicht zu verhindern per se. Die Aufgabe besteht eher darin, mit dieser Differenz – wenn es sie überhaupt gibt und nicht die angenommen subjektive Identität viel zu breit ist – auszuhalten. Produktiv, aber ohne unnötige Klage.

Worauf dies hinausgeht: Auf den einfachen Fakt, dass die immer wieder einmal auftauchenden Diskussionen um das Bild der Bibliothek und des bibliothekarischen Personals sehr verkürzt geführt werden (ohne das dies sein müsste), was eventuell dazu beiträgt, dass sie immer wiederkehren und dann ohne Ergebnis „untergehen“.

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