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Raum_SHIFT Informationswissenschaft 2013: Rückschau auf die dritte frei<tag>-Unkonferenz

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Verein by Ben on 23. März 2013

Das 13th International Symposium of Information Science (ISI 2013) wird möglicherweise als die am wenigsten betwitterte Konferenz (#isi2013) des Jahres in der Statistik unter der Rubrik Sonstiges auftauchen. Und auch der an dieses Mutterschiff des Fachdiskurses angedockte Unkonferenz raum:shift information science (#frei13) litt ein wenig unter der nur schwankenden bis vollständig abgetauchten konferenzbegleitenden W-LAN-Verbindung. Dass ein lokaler Mitarbeiter der Fachhochschule Potsdam auf Nachfrage schulterzuckend entgegnete, was man denn wolle, so sei das nun mal in Institutionen mit geschlossenem Netz, tropfte etwas Wermut in die ansonsten doch sehr gelöste Stimmung dieses Freitags. Jemand anderes meinte zweckoptimistisch, dass es doch ganz gut sein, wenn sich die TeilnehmerInnen auf die Gespräche und nicht auf das Begleitrauschen im WWW konzentrierten.

Nachdem wir uns von dem Gedanken verabschiedet hatten, die Unkonferenz in einer Art Livecasting möglichst umfassend digital zu begleiten, erwies sich das als womöglich sogar günstigere Konstellation. (Dennoch hätte man selbstverständlich gern die Wahl.) Einzig die Nachbereitung ist nun für uns ein bisschen aufwändiger, da nur die schnellen Handmitschriften und die verteilten Gedächtnisse bleiben.

Die vier Sitzungen

1. Theoriebildung in der Informationswissenschaft sowie – anschließend an die Abschlussdiskussion der ISI – Informationswissenschaft im Abschwung,

2. Computer jenseits der Papiermetaphern – wie kann digitale Kommunikationstechnologie nach dem Abschied vom Ordnerverfahren aussehen,

3. vom Sinn und Unsinn der Innovation – was bewirken Begriff und Idee des Neugeschöpften in der Entwicklung der Bibliotheken,

4. die ideale Konferenz – wie kann ein zeitgemäßer Fachaustausch noch organisiert

brachten abgesehen vom handlichen vierten Thema mit den zahlreichen Ideen, mit denen man das Prinzip von Konferenzen wie der ISI in der Tat ein bisschen schärfer und kommunikativer aufbügeln könnte, hauptsächlich Dialog und Verständigung.Beides vollzog sich angenehm inkludierend, denn sachgemäß sind bei einer Unkonferenz alle Stimmen und Positionen gleich.

Bei der Üppigkeit des ersten Themas schienen sie sogar gleich klein und dass Studierende des Faches nach der Sitzung äußerten, sie würden verwirrter denn je auf ihre disziplinäre Heimat blicken, bestätigt leider, dass die Informationswissenschaft nicht als Denkkollektiv mit festen Bezugspunkten (bzw. einem verbindenden Mindset) existiert, sondern weitgehend als Omnibusbegriff, fast beliebig einparkbar zwischen Ausdrücken wie Bibliothekswissenschaft, Informationswissenschaften, Bibliotheks- und Informationswissenschaft oder auch Library and Information Science. Dass sich die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) die Informationswissenschaft womöglich demnächst zugunsten einer Formulierung, die irgendetwas mit “Wissen” enthält, aus dem Namen streichen möchte, ist sicher auch kein sonderlich stärkendes Signal. In einer Welt, in der man auch einen Master in Domotronik ablegen kann, besteht aber eigentlich kein Grund, die Informationswissenschaft elementar zu hinterfragen. Eher umgedreht würde ein Schuh daraus, mit dem man in Richtung neuer Relevanz marschieren könnte: durch eine aktive Auseinandersetzung mit eben dem Mindset, zusammensteckbar aus Gegenstand, Methoden und Modellen. Es muss nicht einmal unbedingt Konsens das Ziel sein. Ein gesunder und von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Wahrnehmung geprägter Dissens würde vorerst für die deutsche Informationswissenschaft schon einen guten Schritt darstellen. Vielleicht ist das Fach (bzw. sind seine VertreterInnen) an dieser Stelle auch einen Tick zu wenig offensiv und selbstbewusst, was eventuell auch erklärte, weshalb man sich von Nachfragen, externen Vorwürfen und generellen Unsicherheiten so furchtbar schnell bedroht zu fühlen scheint. Dabei ist Unsicherheit eigentlich erst das Movens um Wissenschaft zu betreiben.

Wie bereits auf der Sitzung geäußert, sei diesem irritierten (wissenschaftlichen) Nachwuchs als Quintessenz der Aufruf zur Eigenverantwortung und zum aktiven Eingreifen auf den Weg gegeben. Die Informationswissenschaft ist, man spürt es auf Veranstaltungen wie dieser in Potsdam besonders intensiv, ein soziales Gebilde und gerade seine ungenügende übergreifende Stabilität sollte Anlass genug sein, selbst Formen der Gestaltung zu suchen und /oder die etablierten VertreterInnen des Fachs, die sich das Label Informationswissenschaft anheften, mit diesem Label ernst zu nehmen, und einen entsprechenden Zukunftsdialog einzufordern. Bedroht sind ja weniger die Karrieren der derzeitigen Großkopfeten des Faches, sondern die derer, die derzeit grundständig überlegen müssen, ob ihnen die Informationswissenschaft überhaupt eine Perspektive bieten kann.

Der papierlose Computer ist eine Form der digitalen Datenverarbeitung bzw. der digital vermittelten Kommunikation, die sich von all den Metaphern, die uns in den Verzeichnisstrukturen und Word-PDF-u.ä.-Dateien begegnen, befreit. Die Gutenberg-Galaxis wirft aktuell mit diesen Simulakren des Papierfasernen ihre Schatten in einen Organisationsraum für Inhalte und Aussagen, in dem dies wenigstens strukturell überflüssig bis anachronistisch wirkt. Eigentlich steht aber nichts Geringeres als die Auflösung des Dokuments an. Paperless Computing setzt auf tag-basierte Strukturen und Relationen, die sich im stetigen Fluss befinden und in Applikationen wie der Google-Brille, elektronischem Geld und selbstorganisierenden Kühlschränken (a) einerseits unmittelbar an der Schnittstelle zwischen Real- und Digitalwelt als direkte Naht wirken und (b) andererseits viel stärker auf konkrete Prozesse als auf die Erzeugung bleibender Dokumente ausgerichtet sind.

Innovation ist ein Schlagwort und manchmal sogar ein Totschlagwort, das seit einer Weile nicht ganz selten aus strategischen Gründen eingesetzt werden dürfte. Eine interessante Frage ist, zu welchem Zeitpunkt der Umschlag von sehr auf Beständigkeit setzenden bibliothekskulturellen Diskursen hin zu bisweilen wie aufgescheucht wirkenden innovationssüchtigen Transformationsbestrebungen erfolgte. Der Ausdruck “Innovation” ist im deutschen Sprachschatz erst seit etwa 1960er Jahren zu finden (vgl. diese N-Gram-Analyse). Im Bibliothekswesen schlug er mutmaßlich erst später ein. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass dort die Idee der Innovation, also der Erneuerung und Überarbeitung bestimmter Bereiche in den Bibliotheken, nicht bereits vorher existierte. Daher sind die Verwendung des Ausdrucks “Innovation” und die Fixierung auf die Idee der “Neuheit” in der Annäherung an das Problem zu unterscheiden.

Karsten Schuldts Anstoß in diesem Weblog und auf der Unkonferenz eröffnet naheliegend zunächst eine diskurskritische Auseinandersetzung. Darüber hinaus entstehen organisationssoziologische Fragen (Wie ist das Konzept der Innovation in der Organisationskultur verankert? Wie sollte es verankert sein?), Fragen der Innovationsfolgenabschätzung (Was geht bei einem Automatisierungsschritt oder einem Auslagern von Aufgaben verloren?) , Fragen der Benutzungsforschung (Welche Innovationen wollen die NutzerInnen? Welche nicht?) sowie übergeordnet die Frage, inwieweit Innovation als Konzept im Bibliothekswesen zureichend reflektiert ist und wo das Wort möglicherweise nur blind bis opportunistisch verwendet wird, um Aktualität vorzuspiegeln und dem Zeitgeist Genüge zu tun. Dass die Rolle der Instanz, die Innovationskritik übt (im Sinne einer differenzierenden Analyse von Innovationen, der Idee und der Verwendung des Begriffs), weniger den von erfolgreichen Projektanträgen Abhängigen zukommt und mehr einer möglichst unabhängigen Bibliotheks- und Informationswissenschaft, scheint unvermeidlich. Dass die Disziplin dieser nachkommt bzw. sich dieser überhaupt annimmt, ist dagegen bisher nur sehr selten erkennbar.

Erfreulicherweise erfüllte das Konzept der Unkonferenz frei<tag> in gewisser Weile bereits einige der Empfehlungen, die die Sitzung zur “idealen Konferenz” formulierte. Pecha-Kucha-Präsentationen als schwungvoll-sanfter Druck zur Dynamik in Präsentationen vermögen vielleicht zusätzlich Frische ins Format zu bringen. Netzvermittelte Begleitformen wie direktes Feedback über Twitter scheinen in richtiger Dosierung sehr wünschenswert zu sein, setzen aber ein leicht zugängliches und stabiles W-LAN voraus. Die altbekannte Einsicht, dass das wirklich Interessante an solchen Veranstaltungen in den Zwischenräumen, also den Pausengesprächen, den Nachdiskussionen beim Mittagessen und der Ideensammlung bei der Zigarette (das gibt es nach wie vor) oder dem Tee entsteht, drückt sich in dem Wunsch nach mehr Freiräumen für spontane soziale Interaktion aus. Die “ideale Konferenz” ist demnach eine, bei der Kommunikations- und Interaktionsformen sehr vielfältig sind und Workshops, Keynotes und Poster genauso umfassen, wie Gesprächsecken und Web-Streams. Sehr nachvollziehbar ist der Anspruch, dass die Vorträge in erster Linie das Publikum in seiner gesamten Bandbreite interessieren sollten und nicht hauptsächlich das sicher wohlmeinende Programmkomittee. Deshalb könnte wenigstens ein Teil der Einreichungen in einem Open Review-Verfahren abgestimmt werden. Dass warme Jahreszeiten bevorzugt und Schnee im März abgelehnt werden, überrascht kaum, lässt sich praktisch jedoch nur sehr bedingt berücksichtigen.

Wir von LIBREAS halten für uns fest, dass das Prinzip der Unkonferenz funktioniert und sich vielleicht sogar besonders dazu eignet, den sich auf Veranstaltungen wie des ISI zwangsläufig anstauenden Bedarf nach vertiefender Kommunikation in produktive Kanäle zu leiten. Der Wunsch nach einer nächsten frei<tag>-Konferenz war deutlich vernehmbar und gerade als Verein mit dem Ziel der Förderung der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Kommunikation sehen wir uns hier in der Verantwortung. Wann und wie genau wir dieser Rechnung tragen, werden wir in den kommenden Wochen beraten und wie immer zeitnah in diesem Weblog kommunizieren.

Für dieses Mal danken wir sehr herzlich allen TeilnehmerInnen an der Unkonferenz frei<tag> 2013 und freuen uns über die wiederholte Erkenntnis, dass man allein per Kommunikation das Ziel eines raum:shift der Informationswissenschaft, also einer aktivierenden Bewegung in einem dem Rahmen angemessenen Umfang erreichen kann.

Wir danken zudem dem Organisationsteam der ISI 2013 für die Möglichkeit, uns derart unkompliziert in den Fluss des Symposiums integrieren zu können.

frei-tag 2013 Session Informationswissenschaft

Als Tafel- und Wandbild: Die Dokumentation der frei-tag 2013 Session Informationswissenschaft.

Ben Kaden (@bkaden) /  23.03.2013

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (0): … und los!

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by libreas on 22. März 2013

“Librarianship may not hope to develop on the immediate future a professional science equally effective for selecting from its recruits those who are really intellectually competent for the professional guidance of the library. But it may expect, at least, to become more nearly able to do this successfully than it had been in the past. And, certainly, when it has generalized and systematized its professional knowledge it will for the first time be able to distinguish between those who are fitted to carry on effective investigations and those who are clearly not. An ability to count and even that of computing a probable error are not the only qualifications which will be required if the more pressing problems of librarianship are to be solved.”

Pierce Butler: An Introduction to Library Science. The University of Chicago Press: 1933 [zitiert nach der First Phoenix Edition, 1961, S. 113, vgl. auch LIBREAS.Tumblr)

Heute ist es endlich soweit - die dritte Auflage der frei<tag>-Unkonferenz startet in wenigen Stunden am frühen Nachmittag etwa gegen 14 Uhr, Ankommen und erster (bilateraler) Gedankenaustausch wird ab 13 Uhr möglich sein. Ohne viele weitere Worte zu verlieren - die Countdownbeiträge der letzten vier Wochen mit ihren Anregungen sprechen ja für sich - soll es an dieser Stelle - neben ein paar Gedanken von Butler zum Schluss und zum Anfang zugleich  - um die letzten praktischen Dinge gehen; wo steht denn genau das "raum : shift [information science]“, wie kommt man hin:

Vom Potsdamer Hauptbahnhof aus ist die Veranstaltung am besten mit den Tram-Linien 92 oder 96 zu erreichen. Ohne umzusteigen genießt man die 15 minütige Fahrt unter anderem durch die Potsdamer Innenstadt bis zur Haltestellte Campus Fachhochschule. Dort angekommen, überqueren Sie die Straße und betreten das aus Ihrer Sicht links gelegene Hauptgebäude, wo unter anderem die Campus-Bibliothek untergebracht ist. Nachdem Sie das Foyer betreten haben halten Sie sich rechts – ignorieren Sie gegebenfalls die zur Nutzung einladende Treppe – in Richtung Bibliothek und kommen Sie in den Kleinen Hörsaal rechts vom Bibliothekseingang. Willkommen!

Es tut sich was auf am Horizint ... - Es wird höchste Zeit. Auf zum [raum : shift [information science] nach Potsdam zum FH-Campus Pappelallee!

Es tut sich was auf am Horizont … – Es wird höchste Zeit. Auf zur frei<tag>13, raum : shift [information science] nach Potsdam zum FH-Campus Pappelallee!

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It’s the frei<tag> 2013 Countdown (1): ISI does it. Wie gut, das wird sich bis zum Freitag zeigen.

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by szepanski on 21. März 2013

von Christoph Szepanski

Der Monat März bietet für Informations- und Bibliothekswissenschaftler sowie für die Masse derer, die eventuell bloß etwas entfernter mit diesem Fach zu tun haben fast traditionell eine Menge Gelegenheiten, um a) Inspiration auf Tagungen zu sammeln und b) die für die TeilnehmerInnen oftmals fremde Stadt zu erkunden. (Jedenfalls wenn sie am Anfang ihrer Karriere stehen. Irgendwann kennt man Leipzig und die anderen Rotationsorte der Konferenzen doch.) So nutzten auch wir von LIBREAS die reichlichen Gelegenheiten, die der März so bot und noch bietet und folgten den Einladungen zu den Veranstaltungen gern, wie beispielsweise die Beiträge zur Berliner Inetbib-Tagungdem Leipziger Bibliothekstag oder selbst die in Übersee stattfindende iConference belegen. Die (DIE!) Karte war selbstredend immer mit dabei – so auch heute am ersten Tag der Potsdamer ISI2013.

Ob sich Potsdam in der zwölften Kalenderwoche des Jahres 2013 wirklich zu einer Art Mekka der Informationswissenschaft aufschwingen kann, bleibt noch abzuwarten. Und es liegt nicht allein beim Veranstalter. Bekanntlich lebt eine Konferenz vor allem von denen, die sie aktiv nutzen und ihre Wirkung lässt sich erst im Nachhinein am messbaren Niederschlag in den Fachdebatten und im Handeln der Aktiven feststellen. Verlässliche Aussagen über die Qualität eines Gegenstandes lassen sich also nur aus einigem Abstand formulieren. Obwohl noch nicht der ganz große Revolutionsgeist die Konferenz erschütterte, bin ich nach Ablauf des ersten Veranstaltungstages durchaus guten Mutes. Zumal die LIBREAS-Veranstaltung frei13 ja erst am Freitag kommt (wichtig: hier nochmal der Hinweis auf das Planungspad und die Möglichkeit zur Teilnehmerbekundung).

Die Veranstaltungsreihe des Internationalen Symposiums für Informationswissenschaft (ISI) gibt es seit 1990, was zwangsläufig zur Folge hat, das sie die gesamte Entfaltung des WWW mitbegleiten konnte (in Potsdam ist sie das erste Mal). Potsdam erscheint uns auf jeden Fall als ein geeignetes Pflaster, was informationswissenschaftliche Belange angeht (nicht zufällig fand deshalb dort auch die frei12 statt). 

Die Abfolge der ISI-Mottos ist webhistorisch allerdings leider weniger aufschlussreich, als man es sich erhoffen würde. In der Regel wirken sie wie hart erkämpfte Resultate aus langen Sitzungen und daher denkbar unkonkret. Gewisse Trendbegriffe wie Wissensmanagement tauchen mal auf, um dann wieder zu versinken. Die wirtschaftliche Bedeutung von Information rutscht mal auf die Agenda, mal die Technologie und mal – vielleicht etwas zu selten – die politische bzw. soziale Dimension. Anwendungen dominieren, so auch 2013. Das muss man nicht überbewerten, denn zwangsläufig sind die Mottos vor allem Container. Das handfeste Frachtgut darin müssen wir als informationswissenschaftliche Community schon selbst zusammenstellen. Und die Programmkommission muss quasi als Zollbehörde des fachlichen Denkens auch noch einwilligen. Dass dies nicht unbedingt immer zur allumfassenden Zufriedenheit geschieht, wissen wir auch. Aber so läuft das Spiel traditionell und zwar seit 1990. Als Erinnerung hier die Liste der Headlines über den ISI:

1990 (Konstanz): Pragmatische Aspekte beim Entwurf und Betrieb von Informationssystemen

1991 (Ilmenau): Wissensbasierte Informationssysteme und Informationsmanagement

1992 (Saarbrücken): Mensch und Maschine – Informationelle Schnittstellen der Kommunikation

1994 (Graz): Mehrwert von Information – Professionalisierung der Informationsarbeit

1996 (Berlin): Herausforderungen an die Informationswissenschaft: Informationsverdichtung, -bewertung und Information filtering

1998 (Prag): Knowledge Management and Information Technology

2000: (Darmstadt): Informationskompetenz: Basiskompetenz in der Informationswissenschaft

2002 (Regensburg): Information und Flexibilität

2004 (Chur): Information zwischen Kultur und Marktwirtschaft

2007 (Köln): Open Innovation – neue Perspektiven im Kontext von Information und Wissen

2009 (Konstanz): Information – Droge, Ware oder Commons? Wertschöpfungs- und Transformationsprozesse in den Informationsmärkten

2011 (Hildesheim): Information und Wissen: global, sozial und frei?

2013 (Potsdam): Informationswissenschaft zwischen virtueller Infrastruktur und materiellen Lebenswelt

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Bereits am Wochenende war unser raum:shift im dort noch sonnigen Potsdam gelandet. Apple Maps wollte uns jedoch zu einer anderen frei<tag> führen…

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Auf der Zielgeraden: ISI2013 in Potsdam.

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Sponsoren und Partner der ISI2013. Mit dabei: der LIBREAS.Verein mit seiner frei<tag>.

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Die Erstversorgung kurz nach der recht fixen Anmeldeprozedur. Proceedings-Band und Kaffee dürfen natürlich nicht fehlen.

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“Eine Weltkarte, auf der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie läßt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird. Und wenn die Menschheit da angelangt ist, hält sie Umschau nach einem besseren Land und richtet ihre Segel dahin. Der Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien.” – Oscar Wilde in “Die Seele und der Sozialismus des Menschen”, S.35. Diogenes.

Abschließend meine Eindrücke in Kurzform:

Man spricht weiterhin über den Nutzer, aber nun immerhin auch im Rahmen von Use Cases (so zumindest im zweiten Teil der Doktorandenpräsentationen). Es gibt ausreichend Pausen für Gespräche, die befürchtete preußische Pünktlichkeit im Hinblick auf den Beginn von Veranstaltungen, blieb lobenswerterweise aus. Highlights des ersten Tages waren für mich die Interface-Session im Allgemeinen, d.h. insbesondere der Vortrag von Isabella Hastreiter et al., die einige Unterschiede im Annotationsverhalten digitaler und analoger Texte herausfanden, sowie der Vortrag von Samaneh Beheshti-Kashi, die einen Vergleich der Glaubwürdigkeit von (Online-)Medien anstellte. Zentrale Erkenntnis von Hastreiter et al. war, dass das vom Papier her gewohnte Unterstreichen im digitalen Szenario wesentlich seltener eingesetzt, dafür aber bei Letzterem das farbliche Hervorheben gern genutzt wird (oft auch, weil es die einzige zweckmäßige Form für Annotationen im Digitalen bietet). Ferner sind die Möglichkeiten der Annotation innerhalb digitalisierter Texte gegenüber dem Analogen oftmals limitiert. Einkreisen oder gar die verschiedentliche farbliche Hervorhebung bieten die wenigsten Programme an. Nichtzuletzt liegt hier wohl das Phänomen einiger User begründet, lieber das Internet auszudrucken, als am Bildschirm mit dem bevorzugten Programm(en) zu arbeiten, so jedenfalls meine These zu diesem Vortrag (das spielt zumindest eine nicht ungewichtige Rolle). Baheshti-Kashi et al. fanden in ihrer Untersuchung heraus, dass Nachrichtenartikel traditioneller Medien (z.B. Tageszeitungen, hier: Rheinische Post) eine höhere Glaubwürdigkeit erlangen als Social Media (Nachrichten-)Artikel – zumindest bei denjenigen, die nur Internet gucken, anstatt es zu benutzen. Auch was die Glaubwürdigkeit von Social Media im Allgemeinen betrifft, so liegt diese deutlich hinter den etablierten Medien zurück, insbesondere bei den Faktoren “Professionalität” und “Seriosität”. Interessant hierzu sicherlich dieser Einwand von Baheshti-Kashi: wer Nutzer von Web 2.0 Anwendungen ist gewichtet die Medien hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit entgegengesetzt anders, als die Gruppe der Nicht-(Web 2.0)-Nutzer: hier liegt Social Media vor TV und Presse (was wohl nichts anders heißt, als das man nur seiner eigenen Community bzw. Filterblase vertraut und sicher spielt bei der einen Seite der Nutzermedaille wohl auch die Angst vor dem Fremden eine nicht ungewichtige Rolle).

Potsdam, den 21.03.2013

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (2): Raum:Shift – Informationswissenschaft und Ihr Umfeld

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by szepanski on 20. März 2013

von Ulf Preuß

Eine Behauptung: Die Informationswissenschaft existiert, weil sich ein exklusiver Bedarf nach ihr entwickelt hat. Veränderungen in der Umgebung reflektieren sich mittelbar oder unmittelbar in den Herangehensweisen oder Schwerpunkten in denen die Informationswissenschaft agiert und reagiert.

Ein (nicht mehr ultraneuer) Umgebungsparameter ist die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft. Der Hang zu einer immer höheren Vernetzung von Informationsquellen, zum (vermeintlichen) Wohl der Allgemeinheit, setzt unsere Wissenschaftsdisziplin vor stetig neuen Herausforderungen, zum Beispiel im Feld der Entwicklung von informationswissenschaftlichen Methoden zur semantischen Verknüpfung der vernetzten Informationsmittel und -objekte. Anbei die Frage, ob denn die Entwicklung semantischer Werkzeuge und/oder die Entwicklung von neuen Herangehensweisen zur Generierung von digitalen und verlässlichen semantischen Ankern ein Handlungsfeld der Informationswissenschaft ist? Mit Anker ist hierbei ein zum Beispiel normierter bzw. ein eineindeutiger Wert gemeint. Hierbei sind die kooperativ entstandenen Normdaten in bspw. der GND eine Ausgangsquelle, welche durchaus ein höheres Potenzial besäße, wenn es gelingt Projekte zur Verbesserung der Datenqualität – etwa durch Kooperationen zur gezielteren Nutzung der Potenziale der Spezialbibliotheken – auf den Weg zu bringen. Auch die Frage nach der Etablierung von Wegen zur Nutzung von user-generated Content für den Bereich der digitalen „Anker“ bleibt dabei aktuell.

Besteht aus der stetigen Veränderung der Umgebung(en) eine automatisch konsequente Verbreiterung der informationswissenschaftlichen Handlungsfelder? Resultieren daraus gar stetig neue Arbeitsfelder der informationswissenschaftlichen Community? Allein die unterschiedlichen Bezeichnungen und Inhalte der verschiedenen informationswissenschaftlichen Studiengänge im deutschsprachigen Raum legen diesen Verdacht nahe. Hier ein paar Beispiele: HTW Chur – Business Administration Major Information Science (Master of Science) mit den Modulen General Management, Management & Recht (MR), Arbeits- und Forschungsmethodik (AFM) und Informationswissenschaft (IW) oder FH Potsdam – Master Informationswissenschaften mit den Profilen Records Management und Digitale Archivierung (RM/DA) sowie Wissenstransfer und Projektkoordination (WT/PK) – jedoch als Master of Arts kategorisiert. Hierbei sei auf den Unterschied in der Singular/Plural Bezeichnung der eigenen Fachdisziplin(en) hingewiesen, was die Komplexität hier allein schon bei der Benennung der eigenen Disziplin, also das Selbstverständnis, dokumentiert.

Werden eigentlich „alte“ Themengebiete als genügend erforscht und abgehandelt real in „Rente“ geschickt? Wenn nicht, können sich unter einer Bezeichnung quasi unendlich viele Forschungs- und Handlungs- oder Berufsfelder einer Profession verbergen ohne in der Realität eigentlich schon wieder in einer benachbarten oder völlig neuen Disziplin zu sein?

Ab wann „darf“ eine Wissenschaft das Interesse an einer vermeintlich neuen Entwicklung / eines neuen Themas verlieren – mit Bezug auf das eigene Verständnis in Relation zu den anderen wissenschaftlichen Disziplinen? Kann eine solche Erkenntnis eventuell sogar aus der Bibliometrie gezogen werden (jüngst auch als Thema auf der ISKO behandelt)? Vorausgesetzt es existiert ein Eigenverständnis, was allein aus den endlosen Diskussionen um die Deutung der Begriffe Information, Dokument, Bibliothek etc. meines Erachtens als nicht trivialen Fakt angesehen werden kann.

Wie viel Informationswissenschaft steckt beispielsweise noch in Bibliotheken und vice versa? Oder anders gefragt, welche anderen wissenschaftlichen Disziplinen prägen das Handeln der Bibliotheken von Heute, ggf. mehr als die Informationswissenschaft?

Mit einem kurzen Rückblick auf den Beitrag von Karsten Schuldt „Die deutsche Perspektive“ möchte ich diese Deutschlandsicht um eine zeitliche Komponente erweitern. Insbesondere die Verschiebungen auf der geopolitischen Ebene führten immer wieder zu gravierenden Veränderungen in den Denkansätzen und Methoden. Nimmt man beispielsweise die Region Berlin-Brandenburg in der die freitag13 stattfindet, sieht man allein bei einem Blick auf die Landkarte die Veränderung von Räumen und Denkansätzen. Eine heutige Betrachtung der informationswissenschaftlichen Ansätze lässt sich für eine Region wie Berlin-Brandenburg eben nicht allein in einem deutschen Kontext denken, da viele Informationen und Bibliotheksbestände hier sehr fraktal und international (in z.B. Polen) verteilt sind, sondern bietet gerade deswegen eine ideale Grundlage für eine freiheitlich demokratische Herangehensweise an.

Freit2013

Die Region Berlin-Brandenburg als Spiegelbild der stetigen Veränderung von (Denk)Räumen. Vom sumpfigen Urwald, über eine Mark Brandenburg zur Festigung der politisch-religiösen Ansprüche, über die Zentralregion des preußisch-deutschen Staatenbundes (Deutsches Reich), über die Schaltzentrale der NS-Diktatur, über die Schaltzentrale der SED-Diktatur hin zu einer Region mit zwei Bundesländern als Teil der Bundesrepublik Deutschland und als Teil des europäischen Gemeinschaftsgedankens. Nicht zu vergessen die heutige nationalen und internationalen Nachbarregionen.

 Potsdam, 20.03.2013

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (6): 027.7 – Belebung oder Ende der NewLIS-Debatte?

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by libreas on 16. März 2013

von Matti Stöhr

Willkommen! Mit der ersten Ausgabe und dem Themenschwerpunkt “Bibliothek 2.0 am Ende?! ist mit 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur  frisch ein neues Fachblatt aus der Taufe gehoben worden, welches elektronisch nach Prinzipien des Open Access erscheint. Der Zeitschriftentitel – die DDC-Systemstelle für wissenschaftliche Hochschulbibliotheken (college and university libraries) – ist programmatisch. Aus dem Konzept:

027.7 ist eine Open Access-Zeitschrift für Bibliothekskultur mit offenem Peer-Review-Verfahren. Mit dem Begriff „Bibliothekskultur“ möchten wir das Feld weit öffnen für die Präsentation von Forschungsergebnissen, Praxisberichten und weitere Arten von Fachbeiträgen. Der thematische Fokus liegt auf dem wissenschaftlichen Bibliothekswesen des deutschsprachigen Raums. Dabei fliessen auch internationale Fragestellungen mit ein. 027.7 möchte informieren, anregen und diskutieren, manchmal auch streiten. Wenn sich 027.7 als Plattform für offene Auseinandersetzungen über die Inhalte der Artikel etablieren kann, haben wir unser Ziel erreicht.

027.7 wird von Andreas Ledl, David Tréfás und Bernhard Lukas Herrlich – alle (promovierte) Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Basel – herausgegeben und redaktionell betreut. Dem Editorial ist zu entnehmen, dass das Gründungsvorhaben unabhängig von der Diskussion zur Eingliederung des Bibliotheksdiensts in das Portfolio vom Verlag de Gruyter angegangen wurde, jedoch nicht unbeeindruckt blieb von der nachfolgenden NewLIS-Debatte; dem viel diskutierten aber bis dato nicht umgesetzten Vorhabens der Gründung einer neuen bibliothekarischen OA-Zeitschrift unter dem Arbeitstitel NewLIS.  Seit dem “Diskussions- und Planungshoch” von Juni bis September 2012, welches u.a. nach einer kleineren Diskussion auf der vergangenen frei>tag>-Unkonferenz  in einer Session auf dem Infocamp in Chur gipfelte, ist es vergleichsweise  ruhig um das Projekt geworden, aber wohl (noch?) nicht begraben. Hier verwundert etwas, das (damals) direkt Beteiligte über den Stand spekulieren. Die nahende frei<tag> 2013 böte den nächsten Anlass, um über die aktuellen Entwicklungen inkl. der Bedeutung der jüngsten Neugründung nach Perspektive Bibliothek im bibliothekarischen bzw. im bibliotheks- und informationswissenschaftliche (OA-)Zeitschriftenwesen zu diskutieren. Anknüpfungspunkte böte etwa hier Ben Kaden, der im Blogpost “Warum LIS-Zeitschriften. Und warum nicht.” vor kurzem (erneut) Position bezogen hat.

Collage LIS-OA-Journale

Wo geht es hin mit den  – etablierten, neuen und geplanten – deutsschprachigen Open Access-Journalen im Bibliotheks- und Informationswesen?

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (8): smart und vernetzt – die Techniktrends des Jahres

Posted in LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by libreas on 14. März 2013

von Manuela Schulz

Wir schauen gern und dank unserer Profession auch notwendig über den Tellerrand oder nach links und rechts und rundherum. Zum Beispiel auf die technischen Sprünge, die da kommen werden oder auch nur sollen. In der nicht mehr ganz taufrischen, aber dahingehend trotz aller Beschleunigungsgesesellschaft noch aktuellen Februar-Ausgabe 6 der c’t bereiten uns Axel Kannenberg und Kollegen auf die technischen Trends in 2013 vor:

  • Wearable Computing
  • Plattformübergreifende Software
  • Das vernetzte Auto
  • Tod des Passworts
  • 4K-Displays
  • (Kein) Ende des PCs
  • Mobile Payment

Was wie Science Fiction anmutet oder an James Bond-Filme denken lässt, soll dieses Jahr marktfähig werden: Wearable computing. Damit nicht nur Smartphones den Technikmarkt bevölkern, gibt es nun auch Smartwatches.  Körpermessgeräte, die mit ihren Sensoren verschiedenste Körperaktivitäten messen können, bereichern die Produktpalette ebenfalls.  Es geht also um Rechenleistung als Accessoire, hauptsächlich mit dem Zweck der Eigenbeobachtung für den Menschen in seiner Umwelt. Vielleicht auch – man denke an Google Glass – zur direkten Interaktion zwischen Realität, Digitalität und Identität, die mehr denn je zur Kopfsache wird. Parallel wird so eine physiobiografische Dauerdokumentation möglich. Damit dürften auch neue Herausforderungen für den Datenschutz entstehen. (mehr dazu: c’t 2013, Heft 6, S. 87)

Auch die Vernetzung der Software wird, dem Beitrag nach, fortschreiten. Alles fließt und zwar zusammen. Das ist folgerichtig, denn sind wir mobil digital erschlossen unterwegs, müssen unsere Daten auch flüssig und permanent in der Cloud prozessier- und vor allem abrufbar machen. Bereits jetzt kann man “Dropbox-, Skype- und Evernote-Clients [...]  für Android und iOS ebenso wie für Mac OS X und  [...] Windows 8″ verwenden. “Apps werden leistungsfähiger und komplexer – Desktop-Software wird entkompliziert.” (c’t 2013, Heft 6, S. 88) Falls es in absehbarer Zukunft außerhalb der Büroarbeitswelt überhaupt noch Desktops geben wird. (mehr dazu: c’t 2013, Heft 6, S. 88)

freitag 2013 Vase

Ein Schatten liegt auf dem raum:shift Information Sciene. Ist es der Schatten der Digitalisierung? Wohl kaum. Eine andere Welt als die digitale scheint längst nicht mehr vorstellbar. Und daher nehmen wir die Glanzpunkte auch der nicht-digitalen Welt vorwiegend google-glasiert wahr und werden demnächst unserer Brille sagen: “Cool. Take a photo of this. And share it with my circles.” In diesem Fall war es allerdings noch USB-Kabel-übermittelte Handarbeit.

Eine spannende Entwicklung und für Bibliotheken nicht zwangsläufig erfreuliche vollzieht sich bei den Lizenzmodellen. Wir kennen es seit mehreren Jahren von Geschäftsmodellen der großen Wissenschaftsverlage: Es wird nicht mehr gekauft, sondern nur noch lizenziert. Wir erwerben demnach kein dauerhaftes Nutzungsrecht – wie es mit dem Eigentumsrecht am physischen Datenträger fast immer verbunden war – sondern ausschließlich Zugriffsrechte, die eine Nutzung unter den Lizenzbedingungen mitunter auch nur temporär zulassen. Man könnte auch sagen: lizenzierte Inhalte sind Bibliotheksinhalte in der Cloud. (mehr zum Thema Lizenzen in der c’t 2013, Heft 6, S. 88)

Für diejenigen, die eine Vielzahl von “mit Klein-und Großschreibung, Sonderzeichen und Ziffern”-Passwörtern pflegen (müssen), kommt 2013 eventuell Erleichterung: Das Konzept Passwort habe sich längst überlebt. Auch an dieser Stelle wird das persönlicher, in dem Sinne, dass der Log-In der Zukunft nicht passwort-, sondern identitätsbasiert erfolgen wird. Zwei Konzepten werden derzeit gute Chancen zur Durchsetzung zugeschrieben: “Identity Federation” und “Zwei-Faktor-Authentifizierung” (bzw. Two- oder Multi-Factor-Identificationm TFA, 2FA). Auch OpenID, das Anmelden mit einem Google- oder anderem Konto bei Webdiensten. (mehr dazu: c’t 2013, Heft 6, S. 92)

Die Steigerungsformen übersteigern sich wieder mal selbst, diesmal bei der Displayauflösung für Fernseher und Monitore: Full HD soll von Ultra HD (3840 x 2160 Pixel) abgelöst werden. (mehr dazu: c’t 2013, Heft 6, S. 94) Wir wollen gar uns gar nicht vorstellen, wie uns so etwas wie das “Jenke-Experiment” in dieser Kristallklarheit entgegenpixelt.

Die Gerätehersteller sind naturgemäß kreativ: Kaufte man sich vor ein paar Jahren, in diesen seligen Zeiten, als drei Digitalgeräte ausreichten, um aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen nur einen PC, das Notebook und das Handy, steht man nun vor der Entscheidung PC, Notebook, Netbook, Smartphone (und vielleicht ein zweites für die Arbeit), Tablet, E-Book-Reader mit seinen produktiven und konsumierenden Tätigkeiten auszubalancieren, um sich optimal mit Informations- und Kommunikationstechnik auszustatten. Die Teilhabe an der informatisierten Gesellschaft erfordert diesbezüglich viel Differenzierungswissen und genügend Mehrfachsteckdosen. Dieses Jahr soll auch das “Phablet” dazu kommen. Während Tablets und Smartphones das Notebook ein Stück weit ablösen und die Tendenz zum mobilen Agieren unterstützen, nähert sich das Smartphone mit seiner Größe an das Tablet an und das ist damit ein “Phablet”. Vielleicht reduziert sich dann doch irgendwie die Zahl der Ladekabel wieder. Aber das hofft man ja jedes Mal. (mehr zum Thema: c’t 2013, Heft 6, S. 96)

Welche Folgen diese Entwicklungen für die Informations- und Bibliotheksbranche haben könnten, ist vielleicht Thema bei der diesjährigen frei<tag>.

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (9): The way to Leipzig. Impressions

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS on tour, LIBREAS Veranstaltungen by Karsten Schuldt on 13. März 2013

Eines der interessanten Fakten am Besuch von Konferenzen ist ja, dass das Drumherum mehr besprochen wird, als die Referate, Workshops etc. selber. Das sagt gar nichts über die Referate selber, die werden oft nach den Konferenzen besprochen. Da wir als LIBREAS ja bekanntlich wie ein bunter Fisch im Wasser des Bibliothekswesens sind, passen wir uns daran an. Die Karte auf dem Weg und in Leipzig; Inhalt folgt später. (Auf der frei<tag>?)

On ze way to Leipzig, I

On ze way to Leipzig, I

On ze way to Leipzig, II (La tristeza di Germania est)

On ze way to Leipzig, II (La tristeza di Germania est)

Falsches Messegelände

Falsches Messegelände

Merke: Bücherstadt. Deshalb auch Lesezimmer in den Hotels.

Merke: Bücherstadt. Deshalb auch Lesezimmer in den Hotels.

... und Bücherkisten in den Eingängen der Hotels.

… und Bücherkisten in den Eingängen der Hotels.

DNB (muss ja.)

DNB (muss ja.)

Leipzig, so hört man in Berlin tönen, wäre mehr und mehr vom Gefühl her so, wie Berlin in den 1990ern (als es noch spannend war) war. Deshalb vielleicht finden sich hier auch Kleber, die in Berlin nicht mehr Recht zu finden sind.

Leipzig, so hört man in Berlin tönen, wäre mehr und mehr vom Gefühl her so, wie Berlin in den 1990ern (als es noch spannend war) war. Deshalb vielleicht finden sich hier auch Kleber, die in Berlin nicht mehr Recht zu finden sind.

Messezentrum

Messezentrum

Walking through the water at the Leipzig Messe-Centre.

Walking through the water at the Leipzig Messe-Centre.

At a panel.

At a panel.

Medienkonvergenz. (I take a picture of you taking a picture of someone taking pictures of as like we are stars.)

Medienkonvergenz. (I take a picture of you taking a picture of someone taking pictures of as like we are stars.)

Kolleginnen und Kollegen im Fachgespräch (wer's glaubt) on historic ground know form the bestseller Faust.

Kolleginnen und Kollegen im Fachgespräch (wer’s glaubt) on historic ground know from the bestseller Faust.

Historic ground means Auerbachs Keller, of course.

Historic ground means Auerbachs Keller, of course.

Bücherstadt. Lesen Sie etwas über die Deutsche Nationalbibliothek während Sie auf die nächtliche Strassenbahn warten.

Bücherstadt. Lesen Sie etwas über die Deutsche Nationalbibliothek während Sie auf die nächtliche Strassenbahn warten.

Bibliothekkongress all over town.

Bibliothekskongress all over town.

Fahrbibliotheken, überall nur Fahrbibliotheken.

Fahrbibliotheken, überall nur Fahrbibliotheken.

Ja, Wasser

Ja, Wasser

...

... ...

… …

Workshop Bibliothekspädagogik

Workshop Bibliothekspädagogik

Beweis: Wirklich der Bibliothekskongress 2013

Beweis: Wirklich der Bibliothekskongress 2013

Das Symbol zum Nachtverkehr

Das Symbol zum Nachtverkehr (Leipzig, bei Treu, ist eine Grossstadt. Hier fährt der Nachtverkehr wirklich die ganze Nacht und kostet nicht z.B. 5 CHF mehr – take this Zürich.)

Auf dem Weg zum Abendprogramm und Nachtleben danach.

Auf dem Weg zum Abendprogramm und Nachtleben danach.

Nachtrag

Kulturelles Erbe Leipzig.

Kulturelles Erbe Leipzig.

kiba-Lounch, für Nachwuchsarbeit und junge Forschende.

kiba-Lounch, für Nachwuchsarbeit und junge Forschende.

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (11): What? (Literaturverwaltung, Beispiel)

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen by Karsten Schuldt on 10. März 2013

von Karsten Schuldt

I.

Letzte Woche fand in der Humboldt-Universität zu Berlin die Inetbib-Konferenz statt. Eine wichtige Veranstaltung, bei der unter anderem der Redaktionskollege Matti Stöhr einen Vortrag zu Literaturverwaltungen und Bibliotheken hielt, wo er unter anderem darauf insistierte, dass Bibliotheken nicht nur für eine oder zwei Literaturverwaltungssysteme Beratung anbieten sollten, sondern ihrem Anspruch als Einrichtungen, die einen möglichst grossen Zugang zu Wissen ermöglichen, entsprechend, auch möglichst viele Alternativen zur Literatursverwaltung nachweisen sollten. Das Bibliotheken Beratungen zur Literaturverwaltung anbieten sollen wurde in diesem Vortrag und auch der folgenden Diskussion vorausgesetzt. Niemand hat dem widersprochen.

II.

Zum Wochenende nach der Inetbib-Tagung ging ich mit einer Freundin aus, die ich sehr hoch schätze und die mich mit ihrer Intelligenz immer wieder von überzeugt. Zwei kleine charakterliche Schwächen weisst sie allerdings auf: Erstens will sie – warum auch immer – ihre jetzige Beziehung gegen alle Flirtversuche einfach beibehalten und zweitens weigert sie sich, Bibliothekswissenschaftlerin zu werden, will stattdessen einfach weiter Physikerin bleiben und demnächst in dieser Disziplin ihre Promotion beginnen. An beiden Schwächen kann ich mich seit Jahren abarbeiten.

Diese Freundin besuchte desletztens die jährliche Tagung der deutschen physikalischen Gesellschaft. Sie berichtete, dass sie dort eine Informationsveranstaltung besuchte, auf der ein Sprecher angeblich informationswissenschaftliche Themen besprechen wollte, aber eigentlich eine Software vorstellte, mit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Lage sein sollen, ihre Literatur zu verzeichnen, die PDFs dazu zu speichern, diese zu durchsuchen und im Allgemeinen zu verwalten. Besagte Freundin war von diesem obskuren Programm „Mendeley“ so begeistert, dass sie die letzten Tage damit verbrachte, mit dessen Hilfe tatsächlich ihre gesamte Forschungsliteratur zu verzeichnen.

Wie gesagt: Ich traue dieser Frau vieles zu und halte ihre Intelligenz für ausserordentlich hoch. Allerdings scheint ihr, die wirklich viel von mir zu Bibliotheken, Informationsverwaltung, Informationswissenschaft etc. gehört hat und selber seit einigen Jahren im physikalischen Forschungsprozess aktiv ist, die Idee eines Literaturverwaltungsprogrammes so neu und so radikal richtig zu erscheinen, dass sie es erst zufällig jetzt entdeckt hat. Das kann nicht daran liegen, dass sie bislang ignorant durch die Welt gegangen wäre. Im Gegensatz zu vielen anderen Physikerinnen und Physikern benutzt sie sogar ihre Universitätsbibliothek. Eigentlich hat die Bibliothek ihre Chance gehabt, sie an Literatursverwaltungssoftware heranzuführen.

Wie auch immer die "anderen", die die mit Bibliotheken etwas anderes als "wir" oder gar nicht zu tun haben, ticken ist offenbar so einfach gar nicht zu verstehen. Mag sein, dass wir wissen, was für sie besser wäre (Wirklich? Denken wir nicht eher nur, wir würden es wissen? Braucht die Welt vielleicht Datenbanken gar nicht so sehr, wie wir denken?), dass heisst nicht, dass die "anderen" es auch so sehen. Es zu verstehen ist offenbar immer "nur" ein Versuche. Oder, um in der Sprache der aktuellen Ausstellung in der NGBK (hier auf dem Bild) zu bleiben, ein Versuch den state of mind zu rekonstruieren.

Wie auch immer die “anderen”, die die mit Bibliotheken etwas anderes als “wir” oder gar nicht zu tun haben, ticken ist offenbar so einfach gar nicht zu verstehen. Mag sein, dass wir wissen, was für sie besser wäre (Wirklich? Denken wir nicht eher nur, wir würden es wissen? Braucht die Welt vielleicht Datenbanken gar nicht so sehr, wie wir denken?), dass heisst nicht, dass die “anderen” es auch so sehen. Es zu verstehen ist offenbar immer “nur” ein Versuche. Oder, um in der Sprache der aktuellen Ausstellung in der NGBK (hier auf dem Bild) zu bleiben, ein Versuch den state of mind zu rekonstruieren.

III.

Ist das ein Einzelfall? Ich vermute eher nicht. Aber es ist eine erstaunliche Überraschung, die man auch nur entdeckt, wenn man sich direkt in die Realität begibt. Wir als Bibliothekswesen scheinen beispielsweise vorauszusetzen, dass Literaturverwaltungsprogramme sinnvoll sind – und deshalb hat der Kollege Stöhr auch Recht, wenn er darauf verweist, dass Bibliotheken mehr als ein Programm (und dann meist auch noch ein eher mittelmässiges, dass oft nur auf einen mittelmässigen Betriebssystem läuft) begleiten sollten. Aber die Wissenschaft funktioniert offenbar auch dufte ohne ein solches Programm. (Von der gleichen Freundin kann ich berichten, dass sie mich kurz vor ihrer Masterarbeit fragte, ob ich ihr einmal recherchieren zeigen kann, weil das Studieren und Forschen bis dato offenbar auch ohne Recherche funktioniert hatte.)

Einst, als ich in einer Öffentlichen Bibliothek ein Praktikum absolvierte, kam ein Nutzer, der dort immer war, zu mir und fragte, ob es in der Bibliothek ein Buch gäbe, in welchem steht, wie die Worte richtig geschrieben werden, damit man nachschlagen kann, wie es richtig wäre. Auch da habe ich eine Zeit gebraucht, den Fakt zu verarbeiten, dass er von etwas sprach, was ich als bekannt voraussetzen würden: den Duden halt.

Was mich in solchen Fällen immer wieder trifft ist gar nicht die Erkenntnis, dass man, wenn man nur lange genug die eigene Schicht, das eigene Bildungskapital und die eigenen Peer Groups „ignoriert“ sehr schnell Dinge als bekannt und selbstverständlich voraussetzt, die es nicht sind. Vielmehr drängt sich mir immer wieder die Frage auf: Wie kriegen wir als Bibliotheken eigentlich heraus, was wir fälschlich voraussetzen? Es kann ja keine Strategie sein, die ganze Zeit mit Forschenden aus anderen Disziplinen zu flirten oder auf erstaunliche Anfragen von Nutzerinnen und Nutzern zu warten. Aber über die Frage selber bin ich bislang nicht herausgekommen.

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (12): LoC

Posted in LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Feuilleton by libreas on 10. März 2013

von Manuela Schulz

Welche Berufswelt kann nicht eine Fülle von Akronymen und anderen Abkürzungen vorweisen? Manch einer geht auch bei der schriftlichen Kurzmitteilungskommunikation derart kreativ mit Wortabkürzungen um, sodass es mitunter eine wahre Decodierungskunst beim Lesen der Kurzmitteilung erfordert. Selbst die Fantastischen Vier bescherten 1999 mit MfG – Mit freundlichen Grüßen einen Ohrwurm voller Akronyme (in dem auch die/der/das EKZ genannt wird ;-)). So wird innerhalb der Bibliothekswelt LoC nicht für Loss of Consciousness oder Loss of Control verwendet, sondern es handelt sich dabei um nichts weniger als die Library of Congress, immerhin die größte Bibliothek der Welt, wenn man die Bestandszahlen als Bezugsgröße nimmt. Und so gibt sich die Nationalbibliothek der USA selbstbewußt in ihrer Beschreibung:

Today’s Library of Congress is an unparalleled world resource. The collection of more than 155 million items includes more than 35 million cataloged books and other print materials in 460 languages; more than 68 million manuscripts; the largest rare book collection in North America; and the world’s largest collection of legal materials, films, maps, sheet music and sound recordings. (LoC Website)

Das ist ein Anstieg von 45 Millionen Bestandseinheiten (um im bibliothekarischen Sprech zu bleiben) innerhalb von 13 Jahren! Die British Library (BL) gibt sich etwas gelassener, mit der Angabe,  “the collection includes well over 150 million items, in most known languages”, und folgt somit dicht der amerikanischen Kollegin. Die vergleichsweise junge Deutsche Nationalbibliothek (DNB) kann Ende letzten Jahres immerhin rund 27,8 Millionen Einheiten an ihren drei Standorten nachweisen.

Postkarte aus dem Bibliotheksshop der Library of Congress: Main Reading Room, View from above showing researchers desks. (Carol Highsmith, photographer)

Eine Postkarte aus dem Bibliotheksshop der Library of Congress: Main Reading Room, View from above showing researchers desks. (Carol Highsmith, photographer) Wie es sich für die größte Nationalbibliothek gehört, gibt es die Ansicht nicht im üblichen Standardformat, sondern auf doppelgroßem Kartenkarton. Einen Online-Shop sucht man btw. bei der DNB vergebens, dafür finden sich ein Datenshop und die Protokolle der Sitzungen des Standardisierungsausschusses und der Expertengruppen unter A-Z.  Typisch Deutsch, denkt da mancher ;-).  LIBREAS hat zwar keinen eigenen Online-Shop, verwendet dieses schöne, sinnliche Medium aber auch gerne, seit ein paar Monaten für den Hinweis auf die bevorstehende frei<tag>13 und hat sie längst hier und da verteilt.

Unabhängig vom Bestand sind jedoch u .a. das jeweilige Dienstleistungsspektrum für Öffentlichkeit und Forschung, auch deren Darstellung, und der Grad der Vernetzung mit anderen öffentlichen wie privaten Instiutionen interessant und ausschlaggebend für das Image der Bibliothek und die Verankerung innerhalb der Gesellschaft. Wie hieß es doch so schön in Twitter letzte Woche als Kommentar während der Inetbib 2013:  “kontextualisieren statt katalogisieren”. Was machen wir mit / aus unseren Beständen? – Vielleicht wird’s in 12 Tagen bei der frei<tag> thematisiert.

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It’s the frei<tag> 2013 Countdown (15): 15 Bücher über Bibliotheken, die noch geschrieben werden müssen

Posted in LIBREAS aktuell, LIBREAS Veranstaltungen, LIBREAS.Debatte, LIBREAS.Feuilleton by szepanski on 7. März 2013

von Karsten Schuldt und Christoph Szepanski

“We can only see a short distance ahead, but we can see plenty there that needs to be done.” – Alan Turing, Computing Machinery and Intelligence, Mind, 59, 433-460 (1950)

“Für die ruhigen Leser ist das Buch bestimmt, für Menschen, welche noch nicht in die schwindelnde Hast unseres rollenden Zeitalters hineingerissen sind und noch nicht ein götzendienerisches Vergnügen daran empfinden, wenn sie sich unter seine Räder werfen, für Menschen also, die noch nicht den Wert jedes Dinges nach der Zeitersparnis oder Zeitversäumnis abzuschätzen sich gewöhnt haben. Das heißt – für sehr wenige Menschen.” (Friedrich Nietzsche, Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern. In: derselbe, Werke in drei Bänden. München 1954, Band 3, S. 272f.)

 

Wer, so wie wir uns, sich schon einmal die Frage gestellt hat, welche Bücher man über die Bibliotheks- und Informationswissenschaft gern im Studium- oder einem späteren Berufsabschnitt gern gelesen hätte (und besonders im Urlaub), aber nicht konnte, weil sie schlicht nicht existierten, dem wird hier eine kleine Liste geliefert. Manches Thema der unten aufgeführten Liste wurde in dem einen oder anderem (wissenschaftlichen) Beitrag schon behandelt. In einem solchen Fall sind wir zumindest der Ansicht, dass das Thema ausführlicher untersucht werden könnte. Ideal erscheint uns dafür zumeist die Buchform, das eine gewisse Menge an Wissen in passabler Form gesichert zu Verfügung stellt. Gäbe es diese Werke, so unsere Überzeugung, wäre das Bibliothekswesen und damit auch die Welt besser. Es ist also auch eine Liste für zu schreibende Arbeiten, Vorschläge für Abschlussarbeiten oder Alterswerke.

1. Read a m******* book: HipHop and the Public Library
Unverkennbar ist HipHop eine Kultur, welche eine Position besetzt, die einst von Literatur und Poetik eingenommen wurde: Jugendkultur, Ausdruck von Begehren, Aufbruch, Rebellion; Einfordern des Guten Lebens. Gleichzeitig ist HipHop in seinen besten Ausprägungen zutiefst poetisch: “But some things will never change / try to show another way / but you staying in the dope game / now tell me what’s a mother to do / being real don’t appeal to the brother in you / you gotta operate the easy way / I made a G today but you made it in a sleezy way / selling crack to the kids / I gotta get paid well hey well that’s the way it is.” (2Pac Shakur: Changes). Solche Einsichten und Poetiken lassen sich nur begreifen unter dem Einfluss harter Realität, eigenständiger Reflexionleistungen und der aktiven Auseinandersetzungen mit Literatur. Das Auftreten des HipHop in New York, späterhin anderen Metropolen der USA, legt die Vermutung nahe, dass der Zugang zur Literatur, der von dieser Kultur immer wieder bewiesen wird, auch über das System der Public Libraries realisiert wurde. Die Studie wird die Interdependenzen zwischen HipHop und Public Library untersuchen und aufzeigen, ob Öffentliche Bibliotheken Auswirkungen auf die Lyrikproduktion des HipHop hatten. Die Untersuchung ist vor allem historisch angelegt.

2. Stanisław Lem / Die Vierte Reise des Ijon Tichys
Bekanntlich enthalten die Aufzeichnung der Sternenreisen des Ijon Tichys Lücken, die damit gerechtfertigt sind, dass sie sowohl zeitlich als auch räumlich geordnet stattfinden und deshalb eine erste Reise nicht existieren kann. Wie Tichy allerdings in der achtundzwanzigsten Reise darlegt, können Lücken auch anders entstanden sein, insbesondere indem Teile der Aufzeichnungen noch unentdeckt in der schwarzen Ferne herumfliegen.
In der neu entdeckten vierten Reise berichtet Tichy vom Besuch im Kometennebel Entylan, genauer: bei den Iplonden. Die Iplonden haben vor Jahrmillionen den Plan entworfen, dass Wissen der Sterne zu sammeln und allgemeinverständlich aufzubereiten. Dabei weichen sie aus verständlichen Gründen – siehe die Erinnerungen Tichys an Professor A. Donda – auf die Speicherung der Information (nicht des Wissens) auf unbewohnten Planeten aus. Tichy besucht sowohl die Speicher- als auch Produktionsstätten und überzeugt sich von den Möglichkeiten der Sammlung, bedauert, dass sie nicht schon im 27., sondern erst im 31. Jahrhundert zur allgemeinen Verfügbarkeit stehen werden. Er schlägt die Einführung einer großzügigen Zugangspraxis vor, die im 34. Jahrhundert tatsächlich eingeführt wird.
(Lems Text ist selbstverständlich eine Kritik am Stalinismus, der Unlogik des Kapitalismus und dem mangelnden Umweltschutz.)

3. Sex and Pornography in Libraries
Dieses Werk, dass immer wieder vorgeschlagen, dann allerdings voreilig verworfen wird, lotet den Zusammenhang zwischen Erotika und Bibliotheken aus. Einerseits stellt es die Sammlungspraxis von Bibliotheken und die sich verändernden Aufgabenstellungen von Erotika-Sammlungen vor (wobei sowohl auf die Sammlungs-, Medienbeschaffungs- und Mediennutzungsgeschichte als auch die Rechtsgeschichte eingegangen wird). Andererseits thematisiert das Werk die Bibliothek als Ort von Erotika und Pornography und arbeitet eine theoretische Basis zum Verständnis des Begehrensortes Bibliothek aus, welche sowohl auf die Theorie des dritten Ortes, der Erotik des Verbots sowie die Anziehungskraft (vermeintlicher) Intellektualität eingeht. Im Anhang findet sich eine Biblio- und Filmographie aller Erotika, die einen direkten oder indirekten Bezug zur Bibliothek haben. Entgegen der Hoffnungen mancher Individuen ist dieses Buch höchst wissenschaftlich und objektiv.

4. Karsten Schuldt / Der Diskurs und der Katalog
In einer diskurstheoretischen Untersuchung wird der Bibliothekskatalog nicht, wie schon einige Male zuvor, als abstraktes Sprachsystem verstanden, sondern als Diskursobjekt. In den Katalog, so die Hauptthese des Werkes, sind nicht nur die bibliothekarischen und gesellschaftlichen Diskurse der jeweiligen Gesellschaft, in der eine Bibliothek existiert eingeschrieben. Vielmehr wirkt der Katalog gleichzeitig normierend auf den Zugang zu Wissen, den Ort Bibliothek und der Stellung der Bibliothek in der Gesellschaft. Die Untersuchung führt dies anhand einer Kataloggeschichte, beginnend in der frühen Neuzeit und endend bei FRBR und RDA, aus.

5. Chronik vergangener Medienhypes
Bibliotheken unterliegen gesellschaftlicher Hoffnungen. Regelmäßig wird die Behauptung erhoben, bestimmte neue Medien stellten eine Rettung von Bibliotheken dar und würden ihre Arbeit grundlegend ändern. Die Medien müssten in den Bestand aufgenommen werden, um überhaupt Nutzerinnen und Nutzer in der Bibliothek zu halten, gleichzeitig würden sie die bibliothekarische Arbeit grundlegend verändern. Die Chronik stellt diese Versprechen und Medien, ausgehend von frühen 18. Jahrhundert, objektiv vor. Der Band enthält zahlreiche historische Dokumente zu bibliothekarischen Debatten. Im Nachwort warnt die Herausgeberin explizit davor, alle neuen Medien als reine Hypes zu diskreditieren.

6. Bibliothekscafés: Organisation, Management, Wirkungen, Beispiele
Das Bibliothekscafe hat sich in den letzten Jahren in verschiedenen Bibliothekssystemen als Standardeinrichtung durchgesetzt, welche den sozialen Charakter von Bibliotheken unterstützen soll. Dabei ist nicht nur der Aufbau, sondern auch die Bedeutung der Bibliothekscafés äußerst unterschiedlich: Kleine Buchcafés, größter sozialer Treffpunkt kleiner Gemeinden, eines unter zahlreichen Cafés im Umfeld in größeren Städten. Einige dieser Einrichtungen werden kommerziell betrieben, andere von den Bibliotheken selber. Immer stellt sich die Frage, in welcher Beziehung des jeweiligen Cafés zu den restlichen Aufgaben der Bibliothek steht.
Das Buch gibt eine Übersicht zu Modellen der Bibliothekscafés, ihrer Planung und Leitung. Es ermöglicht die strategische Planung dieser Einrichtungen und liefert zahlreiche illustrierende Beispiele.

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Ein Menschenleben vermag wohl ein wenig zu kurz zu sein, damit diese Liste von nur einem Autor oder einer Autorin abgearbeitet werden kann. Wenn wir behaupten, es würde der Bibliotheks- und Informationswissenschaft gut tun, a) etwas mehr Selbstreflexion zu betreiben und b) etwas mehr über den Tellerrand zu blicken sowie c) es gibt noch nicht genug Literatur von der Art, die man eigentlich zu unserem Fach lesen möchte, dann benötigen wir in erster Linie eines: Dich. Dein Engagement, Ideen und Kreativität sowie Erkenntniswille. Die müssen sich nun nicht unbedingt mit dieser Liste decken (was wir selbstverständlich begrüßen), aber du kannst wie aufgezeigt ein wichtiger Teil sein. LIBREAS im Allgemeinen und die frei13 im Besonderen ist der bunte Ort, um sich einander vorzustellen an deren Ende eventuell sogar Sympathie und gemeinsame Pläne stehen. Da ist es auch nicht wichtig wie viel davon umgesetzt wird, d.h. prozentual gesehen, wichtig ist nur, dass man sich auf Neues einzulassen bereit ist. Am Ende ist es immer noch besser 1 von 15 Büchern umzusetzen als gar keines oder nur ein Weiteres, das bereits etablierte Argumentationsschleifen bedient.

7. Neo-Kybernetische Manifeste
Eine These: Die Kybernetik hatte in ihrer Grundidee Recht, nicht aber in ihrer Ausführung. Offensichtlich war ihre Ausarbeitung zu unterkomplex, um die tatsächlichen Rückkopplungen und Kreisläufe der Gesellschaft zu untersuchen. Die technologische Entwicklung ist fortgeschritten, heute gilt es auszuloten, inwiefern die kybernetische Idee mithilfe moderner Rechner und Bibliothekssysteme dargestellt und umgesetzt werden kann. Die Manifeste werden diese Diskussion anstoßen.

8. Gruppe Weltbibliothek (Hrsg.) / Weltbibliographie. Entwurf einer umfassenden Bibliographie auf der Basis nationalbibliographischer Arbeit
Ein Aufruf, eine Streitschrift. Die nationalbibliographischen Arbeiten sind nur der Anfang, Ziel aller bibliothekarischer Arbeit muss die Weltbibliothek sein; eine Einrichtung, die im Netzwerk allen Menschen alle Informationen zur Verfügung stellt. Einer der wichtigsten Schritte hin zu dieser Einrichtung muss die Weltbibliographie sein. Die Gruppe Weltbibliothek und andere Persönlichkeiten des Bibliothekswesens liefern in dieser Schrift eine überzeugende Argumentation für diese These.

9. Akquise und De-akquise: Eine Soziologie des Bibliotheksbestandes
Während bibliothekarische Arbeiten bislang vor allem die praktische Planung des Bestandes und das Erarbeiten von Bestandsstrategien beschrieben, versteht diese Studie den Bestand von Bibliotheken als Ergebnis sozialer Prozesse. Der Bestand und seine Entwicklung wird als Untersuchungsobjekt genutzt, um, aufbauend auf organisationssoziologische und systemtheoretische Arbeiten, eine Theorie der Entwicklung des Bibliotheksbestandes aus gesellschaftlicher Perspektive zu entwerfen. Dabei wird der Anspruch erhoben, ausgehend von messbaren Faktoren (insbesondere die soziale Stellung der Fachreferentinnen und -referenten, dem Bibliotheksetat, der räumlichen Verortung der Bibliothek, des Bildungskapitals der Bibliotheksleitung und der Titelproduktion der lokalen Verlagslandschaft) die Entwicklung eines Bestandes für einen Zeitraum von zehn Jahren antizipieren zu können. Enthält Fallbeispiele.

10. Die Bibliothek aus Sicht bedeutender Systemtheoretikerinnen und -theoretiker
Systemtheoretikerinnen und -theoretiker der Gegenwart nehmen Stellung zur Bibliothek in Vergangenheit, im Jetzt und der Zukunft. Behandelt wird der Gegenstand der Bibliothek in Essays und Interviews. Darunter auch Zitate und Kommentare zur Institution Bibliothek von Systemtheoretikerinnen und -theoretikern, die leider nicht mehr ausführlicher befragt werden können. Der Band enthält Positionen zur gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und ökonomischen Verantwortung von Bibliotheken und nennt wichtige Momente und Anekdoten der mehr als zweitausendjährigen Bibliotheksgeschichte. Darin enthalten auch die Frage, wie die letzten zwei Jahrtausende sich entwickelt hätten, gäbe es die Bibliothek und ihre Möglichkeiten nicht. Verfügbar als Paperback sowie als Goldschnitt.

11. Die Bibliotheks- und Informationswissenschaft in Osteuropa: Einblicke, Perspektiven, Erkenntnisse
Erkenntnisse und Inspiration bezieht die Bibliotheks- und Informationswissenschaft in den D-A-CH-Staaten gern aus Regionen wie Skandinavien, Großbritannien, Australien oder den USA. Ziel dieses Sammelbandes ist es, sich der osteuropäischen Informationsbranche anzunehmen. In einer Vielzahl an Beiträgen, unter anderem von Wissenschaft und Praxis aus Polen, Russland, Kroatien oder Lettland werden Typen, Besonderheiten und Wege, Wissen zu normieren, dargestellt. Zudem liefert dieser Band historische Bezüge und gibt einen Einblick in die schwierige Zeit sowie teilweise Neuaufstellung des Bibliothekswesens nach dem Zusammenfall des Ostblocks. Den Abschluss bildet ein Überblicksartikel, welche Theorien und weiteren Einflüsse die Bibliotheks- und Informationswissenschaft in der Osteuroparegion durch die Jahrhunderte über prägten.

12. Gegenwart und Zukunft der Bibliothek: ein Dialog zwischen Expertentum und Laiensicht
Dieses Werk wagt einen Versuch: bedeutende Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Informations- und Bibliothekswissenschaft debattieren in Form schriftlicher Dialoge über den Gegenstand der Bibliothek – jedoch mit Laien und Laiinen. Darunter aus Bibliotheks- und informationswissenschaftlicher Sicht fachfremde Menschen wie der Regionalpolitik, Wirtschaft, Lernenden sowie Lehrenden, jemand der erst an seinem Lebensabend die Bibliothek für sich entdeckte sowie ein Meister im Fach der Gas- und Wasserinstallation. Als ein Highlight sei hier der Dialog mit einer Gruppe von Kindern und einem emeritierten Professor vorgestellt, die sich gemeinsam dem Ideal einer Bibliothek anzunähern versuchen. “Mehr zuhören”, so die Prämisse des Werkes. Alle Dialoge liegen als Ausschnitte in Videoform auch auf der Webseite bereit. Nicht nur für das Fach ist dieser Versuch sehens- sowie lesenswert. Kommunikations- und Transferwissenschaft dürften ebenso profitieren.

13. Die Süchte der Bibliothekare, die Laster der Bibliothekarinnen
In der gesellschaftlich etablierten Sicht auf die Bibliothekarinnen und Bibliothekare dieser Welt sind diese mitnichten mit einem Rockstar-Image behaftet. Sie gelten schon eher als leicht spießig, zurückhaltend und als wüssten sie nicht wie man als Mensch mal richtig entspannt. Das kleine Essay sucht nicht nur nach den Ursachen dieses Bildes, sondern erkundet auch eine Reihe der Laster mehr oder weniger bekannter Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Ferner behandelt dieser Text die Frage, wie oft das Personal von Bibliotheken es wagt, in neue Bewusstseinszustände zu transzendieren und welche Mittel sie häufig dazu einsetzen. Zudem werden Einblicke in die Sehnsüchte, intime Gedanken und einschneidende Erlebnisse in jungen Jahren, kurz vor der Berufswahl, gegeben. “In der Bibliothek arbeitet man nicht zufällig”, so die übergreifende Behauptung des Essays. Psychologisch fundiert und mit einigem empirischen Material im Anhang wird diese Behauptung überprüft. Eine zugegeben nicht ganz ernst gemeinte Tabelle des richtigen alkoholischen Getränkes zur jeweiligen Literaturgattung (mit Beispielen) findet sich in der Mitte des Buches.

14. Bibliotheks- und informationswissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Verwendung in anderen Disziplinen
Dem Fach wird bisweilen unterstellt, Methoden und Erkenntnisse anderer Disziplinen zu nutzen ohne in gewinnbringender Relation theoretische sowie praktische Aussagen für jene Disziplinen in umgekehrter Richtung zu liefern. Aber stimmt das? Das Handbuch stellt zunächst entscheidende Einflüsse auf die bibliothekarische und informationswissenschaftliche Wissenschaft und Praxis, die sie maßgeblich aus anderen Disziplinen erhielt, vor und versucht dann, aus wissenschaftstheoretischer Sicht sowie bibliometrischen Analysen zu untersuchen, inwieweit das Fach auch andere Disziplinen beeinflusste. Das Werk ist geeignet für Studienanfänger und wissenschaftlich Tätige sowie ebenso für Akteurinnen und Akteure anderer Disziplinen. Am Ende wird anhand von Handlungsanregungen aufgezeigt, inwiefern die Wissenschaft im Allgemeinen künftig besser das Wissen anderer Disziplinen integrieren kann, sodass etwaige Ansprüche auf angemessene Reputation gewahrt bleiben.

15. Zum richtigen Verhalten in einer Bibliothek – ein Vademekum.
Den Raum irgendeiner bibliothekarischen Einrichtung zu betreten ist manchmal bedeutungsschwanger, jedoch oft genug an festen Regeln gebunden, damit die Interessen der verschiedenen Nutzerinnen und Nutzer respektiert bleiben. Neben historischen Bezügen, welche die oft stillen Übereinkünfte in einer Bibliothek herleiten sind auch originelle Beiträge enthalten. Darunter: “23 Fehler, die alle in einer Bibliothek machen dürfen”. Des Weiteren unternimmt das Werk Vorstöße, um psychologische Motive wie Bibliotheksangst, Bibliomanie oder das AIBS des gemeinen Bibliotheksmitarbeiters beziehungsweise der gemeinen Bibliotheksmitarbeiterin begreiflich zu machen. Nichtzuletzt sind die Beiträge auch spannend für das Bibliothekspersonal im Allgemeinen, werden diese doch oft genug in die Perspektive mit einbezogen.

Berlin und Potsdam, 7. März 2013

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