LIBREAS.Library Ideas

Ein Leserbrief zu Sibel Ulucans Begriffsbestimmtung der “Hybride Bibliothek” (Ausgabe 21)

Posted in LIBREAS.Leserbriefe by Ben on 22. Januar 2013

Man muss es schon zugeben: Die Anzahl der Leserbriefe, die die LIBREAS-Redaktion zu den Ausgaben erreichen, hält sich bisher in einem sehr überschaubaren Rahmen. Was eigentlich schade ist. Denn wie einige Threads in der Inetbib-Liste, der  populärsten deutschsprachigen Mailing-Liste unseres Feldes, zeigen, gibt es nach wie vor die Bereitschaft und das Bedürfnis, sich in einer Form auszutauschen, die in fachlichen bzw. Gelehrtenbriefwechseln ihren Ursprung hat und heute freilich, jedenfalls soweit es öffentlich wahrnehmbar ist, per E-Mail stattfindet. Für Sammler von Autografen ist das eine bedauerliche Entwicklung. Für den Diskurs kann es sehr fruchtbar sein. LIBREAS als Diskursmedium freut sich natürlich sehr über E-Mails und Leserbriefe und sofern sie uns für den Diskurs relevant genug erscheinen, publizieren wie diese sehr gern und zeitnah. Was im Gegenzug bedeutet, dass Einsender von Leserbriefen und -E-Mails immer damit rechnen müssen, dass ihre Position von uns veröffentlicht wird. Als digitale Publikation besteht für uns keine Notwendigkeit zum Kürzen. Wenn wir redaktionellen Bearbeitungsbedarf sehen, halten wir mit den Einsendenden Rücksprache. Tipp- und Flüchtigkeitsfehler korrigieren wir stillschweigend.

Die publizierten Leserbriefe und -E-Mails geben die Meinung der jeweiligen Autoren und nicht der Redaktion wieder.

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bzw.

LIBREAS / Maxi Kindling
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Deutschland

(bk / red.)

Leserbrief von Walther Umstätter vom 18.01.2013 zu Sibel Ulucan (2012): Hybride Bibliothek – eine Begriffsneubestimmung. In: LIBREAS.Library Ideas, Jg. 8, H. 2 (21).

Der Beitrag “Hybride Bibliothek – eine Begriffsneubestimmung” von Sibel Ulucan macht deutlich, dass es um die letzte Jahrhundertwende keine gute Idee war, den Projekten der USA zur Digital Library, in Großbritannien
bzw. Europa als Pendant die Hybrid Library als Ort analoger und digitaler Medien, gegenüber zu stellen. Das eigentliche Ziel der Digitalisierung wurde nicht mehr erkennbar. Wenn die Autorin nun, einer im Bibliothekswesen seit mehr als einem Jahrzehnt gebräuchlichen Bezeichnung, eine neue Bedeutung, mit noch größeren Problemen der begrifflichen Unschärfe, geben möchte, so ist das eher verwirrend als erhellend. Schon in der Biologie wird das Wort hybrid sehr viel präziser verwendet, als es Ulucan tut. Die Feststellung “Denn die Vermischung ist das Prinzip des Lebens.” klingt zwar einleuchtend, ist aber in dieser Einfachheit irreführend. Denn in der Biologie gibt es lang diskutierte Definitionen von Art und Rasse, die z.B. bei Reinrassigkeit bzw. Heterosis nicht immer als beliebig hybridisierbar zu bezeichnen sind, und auch “Crossover” ist nicht nur eine einfache Kreuzung, sondern ein spezieller Fall bei Chromosomenbrüchen mit entsprechenden Konsequenzen. Also etwas, was es in Bibliotheken oder Kulturen so nicht geben kann.

Wenn alle Bibliotheken als hybrid definiert werden, weil sie Dokumente verschiedener Art oder Kulturen sammeln, wird das Wort hybrid ohnehin inhaltsleer, weil es ja keinen Unterschied zwischen Bibliothek und hybrider Bibliothek gibt.

Da ich ein Verfechter des Post Peer Reviewing bin, und es durchaus begrüßenswert finde, wenn Libreas nicht den Versuch macht Beiträge schon vor der Publikation abzulehnen, halte ich es zwar für gerechtfertigt, die Ansichten von Frau Ulucan ins Netz zu stellen, sie aber völlig unkommentiert zu lassen, dürfte es Newcomern unmöglich machen, eine
ausreichend zuverlässige Begriffsbestimmung der Fachliteratur zu entnehmen.

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