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It’s the frei<tag> 2013 Countdown (19): Wird Tumblr das Facebook der Generation Z?

Posted in LIBREAS.Feuilleton by Ben on 3. März 2013

von Ben Kaden

„Dein Tumblr-Blog ist offline: Ein schöner Tag zum Sterben.“ – Audio88 und Yassin: Die Quadratur des Dreiecks. (Vinyl 7″. Erschienen bei: Spoken View, 25.01.2013)

„Ich zähl die Millen, chill in Villen, du bist still, Digger / Keine Zeit für Facebook und Unsinn zu twittern“ – Haftbefehl: Welcome to Alemania (Auf: Blockplatin. Doppel-CD. Erschienen bei: Azzlackz, 25.01.2013)

Was die Häufigkeit der Erwähnung im Korpus der Raplyrics (nach rapgenius.com) angeht, so liegt das Verhältnis von Facebook zu Tumblr derzeit (noch) bei etwa 10:1. Dass die auf dieser Plattform hinterlegte und annotierbare Textkultur einen exzellenten Seismographen für die (jugend)kulturellen Trends der westlichen Hemisphäre bildet, ist in Deutschland spätestens seit dem Artikel Schallmauer des Internets Andrian Kreyes in der Süddeutschen Zeitung (sueddeutsche.de, 24.01.2013) weithin bekannt. Rapgenius könnte gerade durch seine popkulturelle Tiefengrundierung die Digital Hermeneutics zu einem hippen crowdgesourcten Alltagsvergnügen machen und nebenbei zeigen, dass die Digitalen Geisteswissenschaften momentan in der Freizeitvariante ein fruchtbareres Echo als in ihrer professionellen Ausprägung  finden. In jedem Fall könnten sich die Entwickler entsprechender Werkzeuge hier ein paar Hinweise abholen.

Auch wenn wissenschaftliche Kriterien die dort Annotierenden und Auslegenden höchstens implizit bewegen: Die Wissenschaft hat mit rapgenius.com einen Radar für das, was derzeit entweder aufstrebenden KünstlerInnen – die selbst den Trends folgen – oder eben den etablierten TrendsetzerInnen als markant genug erscheint, um ein Publikum zu erreichen. Wobei erreichen voraussetzt, dass die Zuhörerschaft mit den Referenzen in den Texten auch etwas anfangen kann. Die sehr aktuelle, äußerst textlastige und weithin jugendkulturell etablierte Rapkultur erfasst, so eine These aus dem Ärmel, für bestimmte Statusgruppen relativ großflächig semiotische (und semionische) Bewegungen (Zeichenprägung, Zeicheninterpretation, Zeichenverwendung). Trend- bzw. Konsumtrendscouts haben hier also ihr Trüffelterrain. Und Kultursoziologen sowieso. Denn wenn beispielsweise der Friedrichshainer Rapper Mc Fitti (auch bekannt dank seiner Single Whatsapper) einen Text YOLO (Video online seit 22.01.2013) nennt, dann ist es nicht nur eine etwas typisch überironisiert-bemühte Post-Hipster-Pose. Sondern eben auch eine Aufzeichnung aktueller Kulturmerkmale aus der Hauptstadt.

II

„Hashtags auf Blogs und auf Facebook“ – ob diese Zeile aus dem Titel demnächst noch auf dem Kamm der Social Media-Welle Platz hat ist ein wenig fraglich. (Die digitalhermeneutische Auslegung lautet übrigens: „Hashtags wurden etabliert auf Twitter und neuerdings auch Instagram, aber auf Blogs und Facebooks funktionieren sie nicht. Fitti benutzt sie dort trotzdem. #yolo“)

Denn im Zuge einer derzeit halbwegs populären (nach den Metriken des Streuens in Social Media) Nachricht, die da lautet, dass der bisherige Facebook Director of Product, Blake Ross, sich neuen Aufgaben zu wendet, lieferte Ross eine nicht ohne Ironie aber eben auch nicht ohne Wahrheit formulierte und nun viel zitierte Anekdote mit:

„I’m leaving because a Forbes writer asked his son’s best friend Todd if Facebook was still cool and the friend said no, and plus none of HIS friends think so either, even Leila who used to love it, and this journalism made me reconsider the long-term viability of the company.”

Das ist weniger albern und aus der Luft geschossen, als es zunächst klingt. Die Diskurslinie der schwindenden Popularität von Facebook bei den Teenagern gibt es in den spezialisierten Webmedien bereits länger (=einige Wochen). Vor einer Woche jedoch begegnete sie mir leibhaftig  am Puls der Trendkultur der Bundesrepublik, nämlich in Berlin-Kreuzkölln. In einem kleinen Kreis junger kreativer Mittzwanziger wurde die Frage nach der möglichen Facebook-Freundschaft abschlägig beurteilt und zwar nicht aus persönlicher Antipathie sondern schlicht, weil man damit „durch sei“. Zu fordernd, zu bedrängend und zu süchtig machend sei die dort quasi eingeforderte Dauerinteraktion und da man Freunde lieber „in echt“ trifft, wurde der Tipping Point spätestens dann erreicht, wenn genau diese Kontakte unbefriedigend ausfallen mussten, weil auch im Lokal jeder permanent – übrigens nicht mehr per iPhone, auch das ist erledigt – sein Profil prüfte und optimierte Man könne jetzt aber gern dem Tumblr-Blog folgen.

III

Dieser Bewertung aus der Erfahrungswelt stellt CNET noch einen weiteren Aspekt zur Seite, der für Teenager hochrelevant ist: Facebook wird unpopulär, da mittlerweile auch die Eltern dort unterwegs sind:

„Facebook has become a social network that’s often too complicated, too risky, and, above all, too overrun by parents to give teens the type of digital freedom or release they crave.”

Facebook wird aus diesen Perspektiven folglich weniger als Ort der kommunikativen Entfaltung und mehr als einer der sozialen Kontrolle empfunden. Was sich weitgehend mit allgemeinen Nutzungserfahrungen decken dürfte. Generell bewahrheitet sich, dass Mainstreamfizierung folgerichtig zur Bildung neuer Abgrenzungsbewegungen führt. Anders als die übrigen digitalen Platzhirsche Google und Amazon, die weniger wegen ihrer Coolness und mehr wegen ihrer aus Kundensicht optimalen Dienstleistungen populär sind, leidet zum Beispiel Apple ein wenig darunter, dass der vermeintliche Avantgarde-Bonus mittlerweile nicht mehr gegeben ist. Ein iPad hat auch der fünfjährige Sohn des Nachbarn und Hausmeister Krause verfolgt nach dem Vertragswechsel bei der Telekom nun neben der Gartenarbeit auf dem iPhone 5 den Bundesliga-Ticker.

Das Unternehmen kann dies jedoch ebenfalls dank seiner nach wie vor stabil hohen Produktqualität ausgleichen und dürfte sich, wenn nichts schiefgeht, ein bisschen als Mercedes-Benz der Digitaltechnologie festsetzen: als Anbieter hochentwickelter und  hochpreisiger Produkte, die genau den Geschmack der Etablierten treffen. Für eine Existenz des Unternehmens auf höchstem Niveau reicht das sicher noch. Für einen Überhype zukünftig aber vielleicht nicht mehr. Wer in am Spreewald-Platz unterwegs ist, sieht jedenfalls auch, dass das Smartphone als Smartphone eigentlich niemand braucht und wenn WhatsApp nicht die SMS ersetzt hätte, sähe man vermutlich noch mehr dieser robusten Dumbphones, bei denen es auch nicht dramatisch ist, wenn sie morgens um halb fünf in irgendeinem Taxi nachhause verloren gehen.

IV

Im Gegensatz dazu steht Facebook vor der Herausforderung, vor allem die soziale Vernetzung (bzw. ihre Abbildung) als Produktkern zu besitzen. Der Fall StudiVZ zeigte, dass dies nur relevant ist, wenn sich das Netzwerk bzw. die Kontakte, die man sucht, auch dort finden lassen. Ein Ausstieg ist bei solchen Plattformen – im Gegensatz zu den nichtvirtuellen Netzwerken – vergleichsweise schmerzfrei und aufwandsarm möglich (das Entzugsdelirium möglicherweise Abhängiger einmal ausgeklammert). Daher verzeichnen nicht wenige Nutzer auf Facebook in letzter Zeit eher schrumpfende Kontaktzahlen (so jedenfalls die positive Erklärung). Sind also die Leute, die man persönlich für wichtig erachtet und die man nicht zuletzt auch als Publikum für sein Livecasting erreichen möchte, nicht auf der Plattform zu finden, verliert das Angebot an Reiz, Bedeutung und Aufmerksamkeit. Und mit dem letzten Aspekt auch die Grundlage seines Betriebsmodells.

Obschon derzeit nicht zu befürchten ist, dass Facebook ein Schicksal analog dem der trüben Holtzbrinck-Netzwerke droht, scheint es offensichtlich, dass dem Unternehmen seine Dominanz eben nicht so grundstabil wie bei Google gegeben ist. Sondern, dass es – vielleicht in Konkurrenz zu Google – unbedingt das derzeit vorhandene Vermögen (vor allem im Bereich der Social Data) in die Entwicklung neuer Produkte einbringen muss. Maßgeschneiderte Werbung allein dürfte kaum als Anker reichen. Der gangbare Weg ist vermutlich, die Transformation vom Trendprodukt zur Alltagsbasis weiterzugehen. Facebooks Zukunft könnte die eines Netzwerkgeneralisten werden, eine Mischung aus interaktiven Gelben Seiten, Telefon- und privatem Adressbuch (mit eingelegten Urlaubsfotos und ein paar Tagebuchnotizen). Entsprechend betont Adam Rifkin in einem Beitrag für TechCrunch die Rolle der Plattform als Medium des sozialen Zusammenhalts:

„It’s important to note that Tumblr is not replacing Facebook; it’s merely siphoning off some authentic liking and sharing, especially among young Americans. Facebook needs to exist because it’s holding down the Mom, siblings, and lame friends part of a person’s social life — the “public-private” life, if you will. As long as Mom sees you on Facebook occasionally, she isn’t going to think to look for you on another site… which paradoxically frees young users to act out on a stage that seems more private to them despite being on the open web.”

V

Warum also jetzt Tumblr? In gewisser Weise erscheint Tumblr als ein stark verbessertes MySpace. Die Plattform fokussiert, was MySpace in seinen frühen Jahren so erfolgreich machte: Content. Geht es in den Facebook-Strukturen fast karteihaft um mehr oder weniger nüchterne Möglichkeiten der Selbstdarstellung über die Visualisierung (bzw. Auszählung) sozialer Beziehungen, betont Tumblr den Austausch von Inhalten.Deren Popularität wird, halbwegs dezent als Notes, abgebildet. Ein Artikel zum Thema auf The Verge zitiert einen 15-jährigen mit den Worten:

„It just seems more intimate and its not really a place of bragging, but more of a place of sharing.”

Wer bei Tumblr einen Inhalt einspeist, freut sich, wenn ihn 50 weitere NutzerInnen verbreitet haben. Wenn 30 von diesen dann auch noch den eigenen Stream abonnieren, ist das schön. Aber nicht Kern der Aktivität.

Das Teilen von Inhalten ist denkbar einfach: one-click. Tumblr vereint so die Funktionalität des Weblogs mit der des sichtbaren Bookmarkens und Weiterleitens. Das man nicht direkt kommentieren kann, reduziert die Kommunikationskomplexität auf ein handliches Minimum.

Wie bei Facebook gibt es neben der Share- auch eine Like-Funktion. Per Tumblr-metrie wären entsprechend zweidimensionale Popularitätsanalysen zu konkreten Inhalten möglich. Ungleich zu Facebook gibt es die Möglichkeit, direkt Tags zuzuordnen und somit eine inhaltsfilternde Ebene. Die Tumblr-Suche funktioniert derzeit nur in diesen Tags – für die Volltextsuche benötigt man Google.

Die Vernetzung bei Tumblr bezieht sich nicht auf direkte Personen (wenngleich man sich auch als Person inszenieren kann) sondern auf Einzelinhalte Tumblr-Streams. Das Ego des Autors wird demnach hauptsächlich durch Inhalte vermittelt, nicht durch seine Präsenz an sich. Es ist zwar möglich, ein Template für den eigenen Präsentationsstream zu gestalten, aber so richtig wichtig erscheint dies nicht und die visuellen Exzesse, für die MySpace in seiner späten Phase berüchtigt war, muss man aktuell noch sehr suchen.

Aus urheberrechtlicher Sicht ist Tumblr allerdings zweifellos ein mittelprächtiger Albtraum. Urheberrechtsverstöße können derzeit nur über ein Copyright-Infringement-Formular gemeldet werden. Und danach folgt vermutlich ein eher intransparentes und aufwendiges Löschverfahren. Aus dieser Warte dürfte Tumblr also bei wachsender Popularität noch für einiges Aufsehen sorgen. Definitionsbedarf besteht hier ohnehin an der Stelle, ob jedes Teilen eine separate Verbreitungs- bzw. Vervielfältigungshandlung darstellt oder einzig derjenige, der die Ersteinspeisung eines Inhalts in das Tumblr-Netzwerk vornahm, für einen eventuellen Verstoß verantwortlich ist. Und wie man diesen überhaupt identifiziert. Zur Anmeldung bei Tumblr braucht man bisher nur eine valide E-Mail-Adresse.

Andere Räume

Die Eroberung anderer Räume. Das Motto raum:shift ist durchaus mit Bedacht gewählt. Denn es war so zu erwarten wie es mehr und mehr zu beobachten ist, dass digitale Kommunikationswelten eben nicht nur binär codiert werden. Sondern alle möglichen Mischnutzungen erfahren. Eine Bibliotheks- und Informationswissenschaft, die gesellschaftliche Relevanz beansprucht, muss vielleicht nicht jeder dieser Verästelungen folgen. Aber sie muss  schon die relevanten Zweige der Entwicklung registrieren, verstehen und entsprechende Schlüsse kommunizieren. Was nicht immer einfach ist. Aber gerade deshalb reizvoll.

VI

Solange wir auf die Musterprozesse (und den großen Abmahntsunami) noch warten, scheint die Verschiebung im Webnutzungsverhalte interessanter. Im Beitrag von Ellis Hamburger für The Verge findet sich folgende Einschätzung:

„Ultimately, the day of the overshare may have passed, and bragging online isn’t as fun as it used to be. “I think that kids just don’t care anymore, […] They have gotten over the idea of knowing everybody’s life and everybody knowing their lives!””

Das ist auch aus Sicht einer Digital Literacy bedeutsam. Sollte dies wirklich das Bewusstsein der Generation Z (oder auch Post-90s) prägen, dann zeigte sich hier eine ziemlich abgeklärte Sensibilität im Umgang mit diesen Medienformen. Während die Kulturkohorten vor ihnen Social Media als Innovation erlebten haben und – wie bei Innovationen üblich – die gesamte Bandbreite von extremer Skepsis bis hin zur Übernutzung ausprobierten, findet diese Generation einen eher natürlichen Modus vivendi mit der allgegenwärtigen digital vermittelten Sozialität (und Soziabilität), der nichts vom Staunen über die Möglichkeiten und viel von einer Redefinition bzw. Anpassung der Verwendungspraxis getreu eigenen Vorstellungen enthält. Man sticht mittlerweile mit dem Facebook-Profil auch bei sorgfältigster Pflege nicht mehr heraus und folgerichtig erscheint es unsinnig, darauf überhaupt Wert zu legen. Wenn an dieser Stelle die mittelbare und auf Tausch orientierte Selbstentfaltung die auf Status orientierte direkte Selbstdarstellung, die Facebook strukturell betont, ablöste, wäre das eine auch für Bibliotheken interessante Entwicklung.

VII

Denn einerseits müssen sie in jedem Fall wissen, was ihre (zukünftigen) Zielgruppen an kulturellen Werten, Zielen und Wünschen verfolgen. Und andererseits sind Inhalte und deren Vermittlung ihre genuine Stärke. LIBREAS probiert  – ergebnisoffen und mit nicht wenig Freude –seit Januar, ob sich die Idee einer digitalen Referatezeitschrift und damit auch so etwas wie Wissenschaftskommunikation über Tumblr abbilden lässt. Als Haupthürde zeigt sich dabei die simple Tatsache, dass die entsprechende Zielgruppe bisher (noch) nicht in diesem Medium aktiv ist. Auch was das generelle Verständnis für das Medium angeht, hat Tumblr im Jahr 2013 vielleicht den Stand von Twitter anno 2008.

Wie sich das für Bibliotheken darstellt, ist nicht ganz klar. Man findet aber zum Beispiel eine Reihe von Inhalten, die – an anderer Stelle – von der Library of Congress ins Netz gestellt wurden.

Der Bedarf scheint also – wenn auch nicht ad hoc quantifizierbar – gegeben. Problematisch für das Trendmedium Tumblr dürfte aber sein, dass spätestens dann, wenn die Bibliotheken Tumblr-Seiten betreiben, der Mainstream da ist. Dass diese Medium einen grundsätzliche Bedeutung wie Facebook erlangt, ist derzeit jedenfalls nicht zu erwarten. Aber vielleicht läuft es eine Weile neben Twitter mit, dem es am Ende angesichts der Beschränkung auf ein sehr einfaches Grundprinzip wahrscheinlich doch näher steht. Aus meiner Sicht kann man Tumblr, wie ich schon einmal schrieb, irgendwo zwischen diesem für ausführliche Inhalte gedachten Weblog und dem Verbreitungskanal Twitter verorten. Dass nun eine kleine Konkurrenz zu Facebook entstehen soll, kommt auch für mich einigermaßen überraschend und begründet sich vor allem darin, dass dies die derzeit eher zufällig nahe liegende Alternative ist. In Bezug auf digitale Soziale Netzwerke ist sie vermutlich nicht die Zukunft. Vielleicht aber ein Türöffner, der die Hegemonie von Facebook ein Stück weit durchbricht und die den Weg für andere Varianten der sozialen Interaktion im Web bereitet.

In den Raptexten werden übrigens beide Varianten gleichermaßen ganz gern, wie die Eingangszitate zeigen, als überflüssige Medienformen abgekanzelt. Die spannende mediensoziologische Frage wäre nun, inwieweit dies irgendeinen Einfluss auf die Hörerschaft hat. Die Deutung von Social Media als Zeitverschwendung weist jedenfalls nicht wenig in die Richtung, dass (nicht nur) die Generation Z ausgerechnet das Erleben nicht-digitaler Räume als äußerst attraktiv empfindet. Ohne Digitaltechnologie wird dies sicher nicht ablaufen. Allerdings wird sie, so (nicht nur) meine Vermutung, nicht vordergründig darübergestülpt, sondern dezent in diese eingebettet sein.

Nebenbei bemerkt: Dem Facebook aus Zeitgründen abgeneigten Haftbefehl folgen auf Facebook aktuell mehr als eine halbe Million Nutzer. Audio88 und Yassin haben bislang keinen Tumblr-Blog.

(03.03.2013)

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4 Antworten

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  1. Ben said, on 7. März 2013 at 14:25

    Das Pew Internet Research Project nahm mittlerweile das Phänomen der Facebookmüdigkeit (Facebook fatigue) in seine Forschungsagenda und gab auf einer Präsentation am 05.03. erste Ergebnisse bekannt: State of Social Media. (sh. auch LIBREAS-Tumblr: Facebook fatigue, untersucht vom Pew Internet Research Project.

  2. MI said, on 19. März 2013 at 10:42

    Danke, Ben, für diesen einmal wieder erleuchtenden Beitrag. Am Freitag war übrigens bei der Eröffnung der neuen Ausstellung “Nur Skulptur” in der Kunsthalle Mannheim zu hören, dass die Rezeption von Skulpturen im Widerspruch zu unserer Verwendung von digitalen Technologien steht. Denn sie zwänge einen Betrachter förmlich sich auf Räumlichkeit und Materialität einzulassen, beides Dimensionen, die in den digitalen Medien in den Hintergrund rücken. Untersucht “Nur Skulptur” also “die Dreiecksbeziehung von Werk, Raum und Betrachter”, könnte die Bibliotheks- und Informationswissenschaft bei raum:shift dies vielleicht auf Medium, Raum und Betrachter anwenden. Mein persönlicher Schluss: Die Koexistenz und Verwendung mehrerer Medientypen ist Realität, Bibliotheken sollten versuchen, ihren Nutzern die existierende Bandbreite möglichst komplett anzubieten. Genauso wie wir versuchen, verschiedene Inhalte vorzuhalten, um unterschiedliche Sichtweisen zu ermöglichen, sollten wir auch versuchen verschiedene Medientypen vorzuhalten, um verschiedene Nutzungsmodalitäten zu ermöglichen.

  3. Ben said, on 19. März 2013 at 19:01

    Liebe Maria-Inti, ich denke wir liegen an dieser Stelle ziemlich präzise auf einer Linie. Deutlicher wird meine Position, glaube ich, in dieser kleinen Reflexion. Ich werde auf der Unkonferenz am Freitag in Potsdam ein Thema mit dem Arbeitstitel “Printkultur im Post-Printzeitalter und was dies für Gedächtnisinstitutionen / Bibliotheken bedeutet” vorschlagen und hoffe, dass dies auch andere Teilnehmer interessiert und wir eine schöne Diskussion dazu führen.

    Ich vermute, dass wir derzeit und mehr noch demnächst ein wachsendes Bewusstsein für die unterschiedliche Medialität von Datenträgern (bzw. im Digitalen: Datenübermittlungsverfahren) erleben und erleben werden. Einerseits, weil die Digitalisierung Verdrängungseffekte zur Folge hat, die erst nach und nach spürbar werden. Andererseits, weil die Bildschirm basierte Kommunikation mittlerweile den Status des Neuen durchgängig – also für nahezu alle Anwendergruppen – überwunden hat. Die Durchsetzung des Mobile Computing mit Smartphone und Tablet wirbelte noch einmal alles durcheinander. Aber das nun demnächst ähnlich revolutionäre Anwendungen vor der Tür stehen, halte ich unwahrscheinlich. Die nächsten Schritte im Hardware-Bereich werden, so meine derzeitige Annahme, kleiner sein und vorwiegend auf Optimierung setzen. Daher haben die in den vergangenen Jahren etwas durch die Innovationszyklen gehetzten Anwender Luft, um darüber nachzudenken, was sie da eigentlich wie benutzen und wie ihr Leben durch diese technischen Dispositive geprägt ist. Das gilt auch für Bibliotheken als Anwender.

    Skulpturen sind sicher außergewöhnlich sperrige und in der Wirkung vom Material abhängige Medienformen (wenn man sie als solche interpretieren möchte). Und sie eignen sich sehr gut, um die Grenzen der Digitalisierung zu demonstrieren. Ich weiß nicht, ob “die offenen Fragen der Präsentation und Wahrnehmung von Skulptur im Museum”, um die es im Mannheimer Projekt (vgl. hier) offensichtlich geht, den Aspekt der Digitalisierung einschließen. Es gibt in dieser Richtung recht ambitionierte Projekte (z.B. dieses) und doch scheint es mir, als würde – wie übrigens gerade bei der hochauflösenden Digitalisierung von Kunstwerken im Google Art Project, das auch Skupturen enthält (z.B. diese Arbeit in Marmor) – als würde mit der digitalen Repräsentation eines Werkes eher etwas Neues und Andersartiges entstehen, das sich umso weiter vom Original entfernt, je ausgefeilter die digitale Fassung ist. Gerade dort, wo es nicht nur um in Code übersetzbaren Inhalt geht, sondern um Form, Textur, vielleicht auch Geruch, etc., erhalten wir nichts anderes, als ein digitale Übersetzung (was schon sehr viel sein kann), die bestimmte Nuancen und Wirkungen notwendigerweise nicht erfasst und somit auch nicht fassbar macht, die aber neue Eigenschaften, Nuancen und Wirkungen hinzufügt. Ich will nicht von einem neuen Werk sprechen, denn wenigstens aus urheberrechtlicher Hinsicht ist eine solche Übertragung keine neue geistige Schöpfung. Aber es ist eine neue technische Schöpfung, eine Nachahmung und Ikon, das auf das Original und dessen Existenz verweist, ihm aber nie entspricht. Wenn man Kunstwerke in Zeiten ihrer digitalen Reproduktion (nicht aber Reproduzierbarkeit) analytisch betrachtet, ist vermutlich die Bewegung, mit der sich das Digitalisat durch Rezeption und Weiterbenutzung von der Vorlage entfernt und zu etwas gänzlich Eigenem entwickelt, der aufregendste Gegenstand. Das Beispiel der Skulptur hebt besonders hervor, was für alle Digitalisierung gilt und was wir eigentlich bereits längst aus der Philosophie der Fotografie wissen: Auch eine gestochen scharfe, hochaufgelöste Abbildung eines Gegenstands hat denkbar wenig mit einem Gegenstand zu tun. Das Foto einer Person ist eine Dokumentation der Person. Nie jedoch die Person. Ich denke, dies gilt für alle physischen Vorlagen, selbst für eingescannte Fotografien. Digitalisate sind eine im Idealfall sehr mächtige Beschreibungswelt realweltlicher Objekte, in die wir viel besser als in der Realwelt Beschreibungsnetzwerke über die Objektabbildungen explizieren können. Was ihnen fehlt, ist all das, was wir sinnlich erfahren, was sich aber dem Code entzieht. Gerade bei Skulpturen ist dies eine ganze Menge.

  4. […] erweist sich für flüchtige Zwischendurchhinweise als erstaunlich tauglich. (vgl. zum Thema auch diesen Beitrag im LIBREAS-Weblog) Die Studierenden als Hauptzielgruppe dagegen schreiben Bachelor-Arbeiten, manche bereits […]


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