LIBREAS.Library Ideas

It’s the frei<tag> 2013 Countdown (21): Mission possible

Posted in LIBREAS.Feuilleton by libreas on 1. März 2013

von Manuela Schulz

Es ist zwar nicht Usus Rezensionen zusammenzufassen und das Rezensierte damit noch mehr zu filtrieren. Aber manchmal bietet es sich doch an. Jürgen Plieningers Besprechung zu R. David Lankes’ The Atlas of new Librarianship in der BuB-Februar-Ausgabe ist jedenfalls ein guter Anlass für eine weitere Reflektion, zumal es sich um das “Best Book in Library Literature 2012” der ALA handelt.

Im Atlas geht es im Kern, so Plieninger, um nichts weniger als die Zukunft – die Zukunft der Bibliotheken. Das hell und optimistisch klingelnde “new” erweckt diese Zukunft als optimiertere Fassung der Gegenwart. Und das, was kommt, steht nicht etwa im Zeichen der Abhängigkeiten von Technologien oder Institutionen, so Plieninger, sondern liegt in den Händen der Akteure. Daher auch Atlas of Librarianship, nicht Atlas of Libraries, auch wenn die in Bibliotheken Tätigen möglicherweise dem gleichnamigen Titanen gleich die Bibliothek gewordenen Himmelreiche (zum Beispiel des Wissens) abstützen. Allein der Titel des Buches erweist sich bereits als inspirierend (ein schönes Gegenbild zum uninspirierten Bild alter Bibliothekar-als-Hüter-des-Buches-Klischees). Es geht insgesamt um die Wechselwirkung zwischen dem Stetigen und dem Fließenden. Man kennt den Tenor:  “Nur was sich ändert, bleibt.” oder “Ändere dich, bleib’, der du bist.” (Urs Jaeggi).

Dass diese Veränderung reflektiert stattfinden muss, versteht sich von selbst. So geht es bei Lankes um die Positionierung der Bibliothek in der Gesellschaft, die durch die handelnden Bibliothekarinnen und Bibliothekare stetig von neuem überprüft werden muss. Plieninger stuft den Atlas als Pamphlet über den Auftrag von Bibliothekarinnen/ Bibliothekare [...]” ein, in dem sich “Teilnahme, Stimulierung, Erschließung und Kommunikation in unterschiedlichen Communities [...] und in der Generierung von Wissen innerhalb derselben” als Leitsterne sammeln. Diese werden über das Handeln erreicht, für das Technologien, Bestand und Dienstleistungen laut Lankes nur Werkzeuge seien, die, so Plieninger, “angewendet werden können, wenn das eigene Handeln eine klare Ausrichtung hat”. Wir brauchen also ein Ziel vor Augen. Oder eben eine “Mission”. Der Handlungsauftrag (die “Mission”) der Akteure in der (öffentlichen wie auch wissenschaftlichen) Bibliothek ist, “to improve society through facilitating knowledge creation in their communities” (MIT Press). Jürgen Plieninger übersetzt dies als “Kuratieren von Information und Wissen”. Dahinter steht also allgemein der in der Wissensgesellschaft integrierend zu wirken.

Der Weg zu diesem Ziel liegt in einer erweiterten Ausrichtung hin zur Pädagogik und den Sozialwissenschaften, so liest man bei Lankes. Bei LIBREAS läuft er damit naturgemäß offene Türen ein. Ich jedenfalls wünsche mir den Kanon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft auch zum Beispiel um organisations- oder stadtsoziologische Theorien erweitert. Die Transferleistung auf die spezielle Anwendung für das Bibliothekswesen müssen wir selbst erbringen. Die Wissenschaftliche Bibliothek ist ein wissenschaftssoziologisches Labor ersten Ranges und die Stadtbibliothek  kann Ähnliches für die Urban Studies sein. Wer sich die Map zum zugehörigen Atlas anschauen will, der findet neben dieser weiteres Material zum Buch auf dem von Lankes betriebenen Blog.

Alles ist auf Zukunft eingestellt: der März bringt hoffentlich den Frühling mit der ersehnten Sonne, Tulpen geben eine Vorahnung.

Alles ist auf Zukunft eingestellt: der März bringt hoffentlich den Frühling mit der ersehnten Sonne. Die Frühblüher in den Schaufenstern geben bereits seit Jahresbeginn eine Vorahnung. Nach der trüben Winterpause folgt der Aufbruch; in ein neues Jahr voller Hoffnungen, Wünsche, Ziele, Pläne, Ideen – und eben Missionen.

Nun kann man fragen, inwieweit sich diese Richtungen, die “Mission” Lankes’ und das sich wandelnd-bleibende Berufsbild in den Programmen der anstehenden Tagungen niederschlagen. Der März bietet ja geradewegs ein fulminantes Aufgebot an Konferenzen für unsere Profession und lässt so einigen von uns sicher für ein paar Wochen ein Leben führen, für das man sich als Titel “Menschen im Hotel” ganz gut eignet.  Mit der InetBib vom 4.3. bis 6.3. beginnt der Tagungsmärz, gefolgt vom 5. Kongress Bibliothek & Information Deutschland vom 11.3. bis 14.3. und mit ein wenig Verschnaufpause geht es dann auf das vom 19.3. bis 22.3. stattfindende 13. Internationale Symposium für Informationswissenschaft.

Der Bibliothekskongress setzt mit seinem Motto “Wissenswelten gestalten” immerhin bereits die Handlung in den Fokus und hat mit dem Themenschwerpunkt Qualifikation für neue Dienstleistungskompetenz eine mögliche Auseinandersetzung mit dem Berufsstand geschaffen. Vielleicht ist das auch ein Thema für die frei<tag> 2013, die im Anschluss an die 13. ISI in Potsdam stattfindet?

Vor ein paar Tagen übrigens hatte ich mit einem Kollegen eine kurze Diskussion darüber, wofür Bibliothekare kompetent seien, was sie leisten und welche Dienstleistungen sie anbieten können. Die könnte und sollte man sicher verlängern. In der kurzen Fassung gab es die eine Haltung, wir halten uns etwas zurück und die andere, wir mischen uns ein. Bleibt zu hoffen, dass beide Positionen sich stets ergänzen und zu neuen Positionen führen. Denn das ist die Mission: ändern, um zu bleiben. Reflektieren wir darüber, dann haben wir übrigens eine dritte Form der Bibliothekssoziologie: die der selbstreferenziellen Beobachtung unseres kollaborativen Stützens der Gesellschaft.

[Jürgen Plieninger, Die Zukunft liegt im Kuratieren von Information und Wissen. Ein neuer Ansatz für das 'librarianship', BuB 65 (2013), S. 149-150]

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