LIBREAS.Library Ideas

Die Bibliothek in der Literatur. Heute: Schmetterling und Wörterglocke. Zu einem Gedicht Thomas Klings.

Posted in Die Bibliothek in der Literatur, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 28. Februar 2011

Jüngst saß eine LIBREAS-Rumpfredaktion stilecht im Schaufenster des Sankt Oberholz und während der Abendverkehr aus der Brunnenstraße seinen Halbkreis nach Osten beschrieb, sprachen wir fast aus Versehen über Lyrik und wie präsent bzw. wenig präsent sie unserem Alltag ist. So ist das nun einmal in der funktional aufgeteilten Welt und auch in Deutschland vollzieht sich eine Entwicklung, die in den USA längst unter dem Label Writer’s writer bekannt ist: Wer dichtet, dichtet eher als Ausnahme für ein offenes Publikum und in der Hauptsache für andere, die dichten. Wir empfanden diese Marginalisierung natürlich als bedauerlich und wo kann man denn auch besser im Blues über eine durchdringend effizienzgeprägte Lebenswelt versinken, die Marktentzug selbst kaum mehr in Nischen zulässt, als am zentralen Platz der Digital Bohème, von der manche auch als Digitalem Prekariat sprechen, für das “Mein Haus am See” auf Lebenszeit nur Milchschaum im Café bleibt, während sie den Marktgedanken konsequent bis zum Kaffeesatz auf ihre Art durchlebt. Spätestens an dieser Stelle treffen sich Digitalität und Literatur recht genau. Wohl dem, der mit der Trambahn von diesem Spielort einer Avantgarde auf der ständigen Kippe heimlich in seine saturierte Daseinsumgebung abreisen kann, wenn es ihm behagt…

Lyrik, sofern sie sie selbst und sperrig ist – und das ist sie fast immer, wenn sie sich ernst nimmt und an den Grenzen der Sprache operiert – hat es in puncto Marktgängigkeit natürlich besonders schwer, denn sie entzieht sich dem Primat der schnellen Erfassbarkeit und besitzt zusätzlich nur höchst selten das Maß an Dringlichkeit, das uns dann vielleicht doch ein nicht minder schwer erfassbarer Dissertationstext vorzuspielen versteht.

So gilt sie zugegeben auch uns häufig eher als Luxus, da ein Großteil des Tages nunmal von anderen Aspekten der Kommunikation besetzt wird und wir vielleicht nicht als erste Handlung am Morgen jene Funde einer Luise Boege betrachten, sondern die Pressemitteilungen zur Causa zu Guttenberg im E-Mail-Postfach.

Ist ein Leben in beiden Welten möglich? Wir glauben ja und mehr noch: Wir streichen das möglich und ersetzen es durch ein nötig. Die kleine feuilletonistische Erweiterung des LIBREAS-Blogs unter dem Namen “Die Bibliothek in der Literatur” erfüllt für uns diese Funktion: Die Literatur erweist sich spätestens dann als ideales Komplement zur Bibliothekswissenschaft, wenn deren Operationsfeld von semantischen Technologien und semiotischen Theorien dominiert wird. Denn dort, wo die Bibliothekswissenschaft auf Eindeutigkeit, Normierung und Standardisierung von Sprache zuläuft, stemmt sich die Literatur naturgemäß dagegen. Auch sie operiert in der Sprache, allerdings auf der anderen Seite: Wo die Bibliothekswissenschaft der Sprache mit dem Anspruch der Algorithmisierbarkeit von Textobjekten eine Grenze ziehen wollen muss, hebelt die Literatur mit dem Anspruch der intellektuellen und emotionalen Erfahrbarmachung durch Sprache diese Grenzziehungen immer wieder auf. Nicht zuletzt, um die eigene Aufgabe ernstzunehmen und immer das Andere, das ja existiert und möglich ist, zu bedenken und damit anschlussfähig zu bleiben, schadet es der Bibliothekswissenschaft sicher nicht, das literarische Denken zu berücksichtigen.

Die heutige Folge unserer Reihe zur Bibliothek in der Literatur ist denn auch die erste, die sich ein Gedicht als Gegenstand heranzieht. Und vermutlich nicht die letzte.

Schmetterling und Wörterglocke. Zu einem Gedicht Thomas Klings

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Die Bibliothek in der Literatur. Heute: Über die Linden. Ein Beiblatt.

Posted in Die Bibliothek in der Literatur, LIBREAS.Feuilleton by Ben on 25. Februar 2011

Über die Linden. Ein Beiblatt zu einem Ausflug.

Überraschend ergab sich mir jüngst seit langer Zeit wieder einmal die Gelegenheit, eine Führung durch das Haus 1 der Berliner Staatsbibliothek zu begleiten. Es war nicht mein erstes, aber ein ganz anderes Vordringen in dieses seit je etwas hermetisch anmutende Gebäude, das mit seinem gewaltigen Baukörper das kleine Institut in der Dorotheenstraße buchstäblich in den Schatten stellt. Nur im Sommer, wenn die Sonne einen hohen Bogen schlägt, ändert sich dies und dann ist es auch nicht willkommen, denn die drei schmalen dem Institut vorgelagerten Stufen werden damit endgültig zum überhitzten Unort, den man eilig verlässt. Zum Beispiel in Richtung des schattigen Lindenboulevards. (more…)

In der Tiefe des Raumes…mitten im Netz. Bibliothekstopologische Überlegungen.

Posted in LIBREAS preprints by libreas on 18. Februar 2011

Wer einen Teil 1 anbietet, muss auch irgendwann wenigstens einen zweiten liefern. Das gilt selbstverständlich in gleicher Weise für die “Notizen zur Bibliothekswissenschaft”, die generell mehr als Ensemblestück geplant sind und als Reihe auch externen Beiträgern offen stehen. Nachdem also noch im Jahr 2010 Überlegungen zum Bewahren und eigentlich zu einer Bibliotheksnarratologie den Auftakt markierten, folgt heute ein kleiner, wenn man so will, bibliothekstopologischer Essay. Gegenstand sind und bleiben die Bibliothek und die Bibliothekswissenschaft unter der Einflussgröße des Digitalen. Ziel ist und bleibt ein Diskurs. Rückmeldungen, Anmerkungen und Anschlussgedanken sind demnach sehr willkommen.

Notizen zur Bibliothekswissenschaft. Teil 2: Bibliothekstopologische Überlegungen.

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Wikipedia für Menschen, die noch nie einen Computer gesehen haben

Posted in LIBREAS.Referate by Karsten Schuldt on 11. Februar 2011

Rezension zu: Stöcklin, Nando / Wikipedia clever nutzen – in Schule und Beruf. Zürich: orell füssli Verlag, 2010. – 149 S.

Es gibt im pädagogischen Bereich die Tradition, zu allen möglichen pädagogischen und didaktischen Werkzeugen und Ansätzen sehr kurz gefasste, einfache geschriebene und praxisorientierte Einleitungen zu publizieren. Insbesondere für Lehrerinnen und Lehrer erscheinen zahllose Reihen solcher Bücher. Einige dieser Bücher sind gute, kurz gefasste Einführungen in komplexe Zusammenhänge, die vor allem für die pädagogische Praxis sinnvolle Hinweise geben; die meisten dieser Bücher sind allerdings schlecht. Doch offenbar besteht auch für sie ein Bedarf, ansonsten würden sie nicht in so großer Zahl produziert werden. Aber ist das auch sinnvoll? Das kann zumindest aus dem bibliothekarischen Fokus der LIBREAS nicht so schnell beantwortet werden. Wenn sich allerdings eines dieser Bücher mit einem bibliotheks-nahen Thema beschäftigt, im Text sogar mehrfach auf Bibliotheken verwiesen wird, kann man es zumindest einmal für dieses Werk versuchen. (more…)

Der Appetit kommt beim Chatten. Adam Gopnick über das Internet als omnipräsente Bibliothek und drei Perspektiven.

Posted in LIBREAS.Referate by libreas on 10. Februar 2011

Ein Kommentar zu

Adam Gopnick: The Information. How the Internet Gets Inside Us. In: New Yorker, 14.02.2011. Online: http://www.newyorker.com/arts/critics/atlarge/2011/02/14/110214crat_atlarge_gopnik

von Ben Kaden

Gehen wir der Frage nach, wie digitale Technologie unsere Lebenswelt umgräbt, dann sind die Echogramme der Popkultur besonders aufschlussreich. Nicht zuletzt die Möglichkeit elektronischer Musik hat diese Facette des kulturellen Lebens gründlich umgegraben und spätestens mit dem Mp3-Player wurde Digitaltechnik selbst Pop. Dass thematisch direkt auf das Thema gerichtete Musikprojekte mit Namen wie Arpanet in ihrer Popularität weiter hinter andere Bezugsgrößen betonenden Bands wie The Books zurückstehen, liegt möglicherweise weniger am Namen als an der Art der Kompositionen. Für Projekte wie Digitalism sieht es z.B. ganz anders aus. Da hat auch eine informationstheoretische Konzeptcombo wie Signal keine Chance, selbst wenn sie die feiner ziselierten Klanglandschaften elaboriert. Allerdings referenziert sie auch Robotron und den Uranbergbau(more…)

Ding, Dinglichkeit und vielleicht ein Quantum Trost. Daniel Millers Anthropologie der Alltagsobjekte.

Posted in LIBREAS.Referate by Ben on 6. Februar 2011

Überlegungen im Anschluss an Daniel Miller: Der Trost der Dinge. Fünfzehn Porträts aus dem London von heute. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2010.

von Ben Kaden

Der Mensch ist ein Knotenpunkt. Zu dieser Erkenntnis führt der britische Anthropologe Daniel Miller in seiner wunderschön sanftmütigen Untersuchung zum Trost der Dinge (bzw. Comfort of Things). Dessen Darstellung der Rolle der, wenn man so will, Dingkultur im Leben zufällig ausgewählter Londoner ist schon an sich als Sensibilisierung für das, was uns umgibt, höchst empfehlenswert. Denn der sich scheinbar einstellende Bedeutungsverlust des Dinglichen und auch des dinglichen Eigentums, wie Jeremy Rifkin in seinem Age of Access als Merkmal des Hyper-Kapitalismus herausarbeitete und besonders das Verschwinden der dinglichen Kommunikationsträger, das uns mit der Digitalisierung ereilt, sind eine intensive Erfahrung der Verschiebung. Jedenfalls für die, die noch den Unterschied kennen und irgendwann einmal eine Ansichtskarte erhielten oder klopfenden Herzens zum Fotografen gingen, um sich die Abzüge eines Kleinbildfilms aushändigen zu lassen. (more…)

Im Kreuzungsbereich: Eine Lektüre der Überlegungen Yael Keshets zum Verhältnis von Taxonomien und Folksonomien

Posted in LIBREAS.Referate by libreas on 1. Februar 2011

“Es scheint ein wenig, als wüchse sich die Wechselbeziehung zwischen Folksonomien und Taxonomien zu einem bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Trendthema aus.”

Auch wenn die Wahrnehmung subjektiv geprägt ist, freut man sich über die Bewegung, die dieses Thema in Bibliotheks- und Informationswissenschaft trägt. So findet sich fast als Ergänzung zweier aktueller Dissertationen in der Ausgabe 1/2011 des Journal of Documentation neben ein paar anderen äußerst interessanten Beiträgen ein Aufsatz der israelischen Soziologin Yael Keshet mit dem Titel Classification systems in the light of sociology of knowledge. In diesem stößt sie, im Rahmen des in einem solchen Aufsatz Möglichen, in die Lücke vor, die in der Besprechung der Dissertationen von Isabella Peters und Katrin Weller markiert wurde. Daher drängt sich eine Lektüre mehr als auf und eignet sich hervorragend, den LIBREAS.Referate-Bereich dieses Weblogs zu reaktivieren:

Ben Kaden: Im Kreuzungsbereich. Yael Keshets Überlegungen zu Taxonomien, Folksonomien und möglichen Hybriden. Eine Lektüre.  – PDF-Download

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