LIBREAS.Library Ideas

Ein Blick auf den PRS-505

Posted in Sonstiges by libreas on 30. September 2009

Von Aline Hötzeldt

Glücksgriff auf dem Erfurter Bibliothekartag 2009 für mich – Studentin am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität Berlin: Am Donnerstag, den 04. Juni, fand am Nachbarstand des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, an dem sich die Emerald Publishing Group repräsentierte, eine Verlosung des Sony E-Book-Readers statt. Wenige Stunden nach meiner Teilnahme überreichte mir die nette Dame von Emerald völlig überraschend unter Glückwünschen den E-Book-Reader und von jetzt auf gleich war ich stolze Besitzerin eines Sony E-Book-Readers.

Von außen präsentiert sich der PRS-505 wie ein dünnes Buch mit Schaltern und diversen Anschlüssen an der oberen und unteren Kante. Nach dem Aufklappen des leicht magnetischen ‚Buchdeckels‘ erinnert der physische Inhalt weniger an ein konventionelles Buch. Auch die Handhabung ist eine völlig andere.

Lesen mit dem Reader

Besonders hervorzuheben ist das Display des Readers, das mit der E-Ink-Technologie ausgestattet ist. Augen schonend und vergleichbar mit der Lesequalität auf bedrucktem Papier ist der E-Paper-Bildschirm wohl die lobenswerteste Ausstattung des Readers. Auch bei hellen Lichtverhältnissen und sogar bei direkter Sonneneinstrahlung auf den Bildschirm ist die Schrift einwandfrei lesbar. Betont werden kann hier auch die lange Akkulaufzeit. Strom wird während des Lesens nur beim Umblättern verbraucht. Ein nettes Feature ist das Abspielen von Musikdateien parallel zum Lesen – nicht unbedingt ein Muss, aber es bietet eine weitere Möglichkeit das Lesen angenehmer zu gestalten.

Der Seitenaufbau ist dagegen etwas langsam. Schnelles Durchblättern, wie man es von gedrucktem Material gewohnt ist, ist hier noch nicht möglich. Das liegt weniger am Format oder an der Struktur der Datei, sondern am Reader selbst, da sich diese Eigenschaft auch durch die Menüführung hindurch zieht. Bei Bilddateien macht sich dieses Manko noch deutlicher bemerkbar.

Der Reader unterstützt folgende Textformate:

  • Adobe PDF
  • DOC, RTF, TXT
  • BBeB, ein Sony-eigenes Format (‚Broad Band E-Book’)
  • ePub, ein offener Standard für E-Books

Weiterhin kann er Bilder in JPEG, PNG, GIF und BMP sowie MP3 und kopierschutzfreie AAC-Dateien wiedergeben.

Lesbarkeit von Texten in PDF

Zunächst nutzte ich den Reader zum Lesen von PDF-Dateien. Nach relativ kurzer Zeit konnten schon einige Eigenschaften des Readers im Umgang mit PDFs festgestellt werden, die sich vom Lesen an einem Computerbildschirm abheben. Die Größe des Textes ist in drei Stufen einstellbar. Im kleinen Anzeigeformat ist alles, abgesehen von der zum Teil winzigen Schrift, wie gewohnt. Sobald aber die Größe der Schrift verändert wird, wandelt sich auch die Struktur der Seite. Zwar passt sich der Text der Bildschirmgröße an, allerdings werden Zeilenumbrüche automatisch am Ende des Bildschirms eingefügt ohne zu berücksichtigen, ob das jeweilige Wort vollständig ausgeschrieben ist. Die Zeilenumbrüche, die im PDF-Dokument gesetzt wurden, bleiben zusätzlich bestehen. So passiert es oft, dass mitten im Wort eine neue Zeile beginnt und so ein Wort auf zwei Zeilen getrennt wird. Gravierendere ‚Anzeigefehler‘ bei Vergrößerung des Textes sind bei (Vektor-)Grafiken festzustellen. Linien, Pfeile oder sonstige Elemente einer Grafik werden strukturlos auf dem Readerbildschirm angezeigt oder, was häufiger der Fall ist, ausgeblendet. Die schriftlichen Inhalte der Grafik werden ohne logischen Zusammenhang meist jeweils an den Anfang einer Zeile platziert. Dem Leser wird so weder das Betrachten der vollständigen Grafik, weniger noch die eigentliche Absicht der Grafik – das bessere Verstehen der Aussage – möglich gemacht. Um dem zu entgehen, müsste wieder in die kleinste Anzeigegröße umgeschaltet werden, in der aber meist der Text der Grafik zu klein und damit unlesbar ist. Hier sehe ich das größte Anzeigedefizit des Readers. Notwendig wäre es, die Anzeigemöglichkeiten der PDF-Dateien bzw. der Grafiken flexibler zu gestalten, damit solche elektronischen Zeichnungen überhaupt größenvariabel dargestellt werden können.

Bilder (Pixelgrafiken) in Texten lassen sich vergrößern, sofern sie die Grenzen des Displays nicht überschreiten. Einzelne Bilder können darüber hinaus gezoomt und mit Hilfe der Pfeiltasten verschoben werden.

Lesbarkeit von Texten in ePub und BeBB

Zwar wurden keine Grafiken in den ePub- bzw. BeBB-Dateien verwendet, die ich auf dem Reader gelesen habe, da diese nur Prosatexte waren und wissenschaftliche, frei zugängliche Literatur in diesen Formaten kaum zu finden ist, aber das Problem der Zeilenumbrüche besteht bei diesen Formaten nicht. Der Text lässt sich hier um einiges angenehmer und flüssiger lesen. Natürlich sind diese Formate speziell zum Lesen von Textdokumenten auf E-Book-Readern hergestellt worden, im Gegensatz zu PDF, das vorrangig für systemunabhängiges Arbeiten entwickelt wurde. Von daher war zu erwarten, dass Texte in PDF in diesem Kontext klar im Nachteil zu Texten in Formaten für E-Book-Reader sind.

Import und Export

Dateien können via mitgeliefertem USB-Kabel, SD-Karte oder dem Memory Stick Pro Duo auf den E-Book-Reader geladen werden.

Der Import via USB-Kabel ist gegenüber SD-Karte und Memory Stick sehr umständlich. Es ist nur mit der von Sony mitgelieferten E-Book-Software möglich, Dateien auf den Reader zu übertragen. Nach Installation der Software auf dem PC ist es zunächst erforderlich Dateien, die auf dem Reader gespeichert werden sollen, darin zwischenzuspeichern. Die Software stellt für den Anwender eher ein Hindernis statt eine Hilfe dar. Alle Dateien müssen zunächst in einem übergeordneten Verzeichnis in der Software gesammelt werden. Zwar wird automatisch zwischen Text-, Bild- und Audiodateien getrennt, was aber bei größeren Sammlungen, beispielsweise von Textdateien nur eine geringe Hilfe darstellt. Positiv ist, dass der Anwender eigene Ordner, sogenannte ‚Collections‘, anlegen kann, um auch nach eigenem Ermessen Dateien thematisch zu ordnen. Allerdings wird der Anwender dazu gezwungen, erst alle Dateien in das übergeordnete Verzeichnis hinzuzufügen, bevor er diese anschließend wieder heraussuchen muss, um sie in die eigens erstellte ‚Collection‘ bzw. auf den Speicher des Readers hinzuzufügen. Bei PDF-Dateien ist es zudem nicht selten, dass sie über interne kryptische Namen verfügen, die sich nicht umbenennen lassen – ein Problem, was das Auffinden in dem übergeordneten Verzeichnis zusätzlich erschwert. Der Export der Dateien aus der Software in den Reader birgt im Weiteren keine Probleme. Einzelne Dateien oder eigene ‚Collections‘ im Ganzen lassen sich problemlos überführen. Gleiches gilt für den Export der Dateien aus dem Reader in die Software

Schade, dass Sony dem Anwender nicht die komfortable Methode des Verschiebens von Daten vom Quellspeicherort direkt zum Zielspeicherort ermöglicht, wie es bei USB-Sticks oder MP3-Playern üblich ist.

Das Lesen von Dateien über SD-Karte oder Memory Stick ist dagegen um einiges einfacher. Text-, Bild- und Audiodateien werden sofort erkannt und sind innerhalb weniger Sekunden im Reader abrufbar. Allerdings hat man hier nicht die Möglichkeit, die Dateien zu ‚Collections‘ zuzuordnen oder auf die Festplatte des Readers zu kopieren.

Ausblick

Im Vergleich zu den heutigen technischen Möglichkeiten ist der Reader doch noch sehr rückständig. Das Display lässt nur Graustufen zu, was vor allem bei Bildern etwas stört. Wünschenswert für wissenschaftliches Arbeiten wären zumindest eine Suchfunktion und eine Markierungsmöglichkeit im Text. Beim Arbeiten mit gedruckten und elektronischen Texten in Schreibprogrammen ist man es gewöhnt zu unterstreichen, Anmerkungen an bestimmten Textstellen einzufügen und einiges mehr. Da ist die hier vorhandene Funktion ein ‚Bookmark‘ zu erstellen, indem ein elektronisches Eselsohr an die entsprechende Seite eingefügt wird, nur eine unzureichende Alternative. Zum Arbeiten mit längeren Texten ist so eine weitere Arbeitsplattform unverzichtbar. Praktisch und wünschenswert wäre beispielsweise eine Tasche für Notizen in den Außenklappen des Readers gewesen.

Für wissenschaftliches Arbeiten ist der Reader demnach weniger geeignet, zum einfachen Lesen von Texten in readerfreundlichen Formaten für unterwegs, ohne dafür einen Laptop oder gedrucktes Papier mitnehmen zu müssen, dafür umso mehr.

Für künftige Weiterentwicklungen wäre, neben der Verbesserung der internen Funktionen, die Möglichkeit zur Anbindung an ein WLAN-Netz sehr praktisch, um so E-Books direkt aus dem Internet auf den Reader laden zu können. In Readern anderer Hersteller ist das zum Teil schon umgesetzt. Denkbar wäre so beispielsweise auch das regelmäßige Lesen einer abonnierten elektronischen Zeitung oder Zeitschrift auf dem Reader. In Kombination mit den richtigen Anbietern wäre das schon jetzt realisierbar: die Berliner Tageszeitung beispielsweise bietet bereits ein digitales Abonnement im ePub-Format direkt für E-Book-Reader an.

Buchfluch gegen Google, ein Fundstück am Montag

Posted in Sonstiges by Ben on 14. September 2009

Das Thema Urheberrecht im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit und zwar insbesondere im Rahmen des Digitalisierungsunterfangens durch Google scheint nicht nur in erregte Debatten zu führen, wie wir sie vom Heidelberger Appell kennen. Im Nebeneffekt könnte es zur Renaissance eines buch- und buchdruckgeschichtlich hochinteressanten Phänomens kommen: dem Buchfluch. Der bekannteste bzw. am häufigsten bearbeitete Fall eines solchen Bücherfluches stellt wohl die Vorbemerkung Eike von Repgows zum Sachsenspiegel dar, der ausgelegt wurde, um diejenigen zu treffen, die heute gegen  § 14 des UrhG verstoßen würden. Mittlerweile ist von einem Fall zu berichten, der dieses Phänomen aktualisiert und auf die Digitalisierung und das kommerzielle Ausschlachten solcher Digitalisate anwendet. In einem amüsanten roten Buch namens “Hinz- und Kurzgeschichten” eines Autors namens ‘Andi Leser’ lässt sich folgender Eintrag entdecken:

Buchfluch 2.0

Buchfluch 2.0 - Quelle: Leser, Andi (2009) Hinz- und Kurzgeschichten. Berlin: Schaltzeit-Verlag.

Man darf a) gespannt sein, ob sich Google daran hält und b) falls es sich herausgefordert fühlt und das Digitalisat anfertigt, ob der Bannfluch seine Wirkung tut. Bei der Volltexterschließung könnte die automatische Indexierung angesichts so mancher in Form konkreter Poesie verfasster Textteile jedenfalls schnell an ihre Grenzen stoßen, etliche Fehlermeldungen produzieren und dadurch den ganzen Digitalisierungsprozess durcheinander bringen. Völlig substanzlos und aus dem Handgelenk scheint der Fluch also nicht verfasst zu sein. Dies gilt umso mehr, als dass der Autor ganz offen die Gefahr in Kauf nimmt, bei Eintreffen des Fluches, seine elektronische Kommunikationsplattform einzubüßen.

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