Deutschland liest über den Treffpunkt Bibliothek. Auf Berliner Plakatwänden.
Über viele Berliner Plakatwände wird die Werbekampagne zur aktuell und noch bis zum 13.11. laufenden Bibliothekswoche Deutschland liest in den öffentlichen Raum getragen. So z.B. an den Stationen der S-Bahnlinie 7 entlang. Da uns zwei Aufnahmen vorliegen, die dies dokumentieren, wollen wir diese der Weböffentlichkeit natürlich nicht vorenthalten.

Treffpunkt Bibliothek - auf dem S-Bahnhof Lichtenberg

Treffpunkt Bibliothek - auf dem S-Bahnhof Springpfuhl
Update, 17.11.2009: Die Anregung von Barbara Schleihagen aufgreifend ergänzen wir noch einmal den Gesamttitel der Veranstaltung: Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek. Dazu gibt es noch eine weitere Aufnahme, diesmal vom S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost:

Treffpunkt Bibliothek - auf dem S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost
Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass sich das Plakat zur Bibliothekswoche in Nachbarschaft zur ziemlich offensiv und auch im Humordurchschnitt passgenau auf die Generation der „Digital Natives“ zugeschnittene Kampagne „Sind wir reif für eine neue Zeitung?“ der WELT befindet, sich also zwei Formen des Lesens nebeneinander zeigen: das kurze schnelle und das vielfältig, fröhliche. Was die besagte Zielgruppe besser anspricht, ob Herrenbrust oder Kopfleiste, ist schwer zu beurteilen. Für die meisten Fahrgäste der S-Bahn versinken beide Plakate an diesem Teil der Strecke allerdings weitgehend im Grundrauschen der Umwelt, denn wer hier, auf den weiteren Strecken in die Innenstadt hinein, fährt, trägt beobachtungsgemäß in Regel Innenohrkopfhörer und – jawohl – liest.
Wer bezahlt das Grün? Und wem gehört es? Ein kritischer Blick auf Mendeley und ResearchGate
Rezension zu: Lambert Heller (20. September 2009): Green Road 2.0 – eine leise Revolution von Mendeley und Researchgate?. In: Biblionik. Zur Revolutionierung von Bibliothek und Wissensorganisation durch das Internet
von Najko Jahn
Nachdem der Heidelberger Appell in der Open Access-Community gleich einer Bombe im Gebetbuch eingeschlagen war und mithin seine Wirkung für Open Access noch nicht gänzlich abzuschätzen ist, sorgten in den letzten Monaten die publikumswirksamen Ankündigungen zweier Start-Ups – Mendeley und ResearchGate – für weitere Aufregung.
Am 16. September 2009 schrieb der Guardian dem technischen Direktor von Amazon, Werner Vogels, die Aussage zu, dass Mendeley das Vermögen hat, „einen Gesinnungswandel in den Wissenschaften“ („changing the face of science“) zu bewirken.1 Und zu ResearchGate vermerkte die FAZ am 22. Juli 2009 ungewohnt enthusiastisch:
„Wer Online-Plattformen wie Research-Gate besucht, versteht leicht, weshalb „Open Access“ und damit der verzögerungsfreie Zugang zu den gewünschten Veröffentlichungen von vielen als die einzig denkbare Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens gesehen wird.“2
Auffällig ist zunächst , welches Gewicht mittlerweile die Tagespresse um die Diskussion über adäquate Publikationsmodelle in den Wissenschaften hat und wie erstaunt, ja fast ratlos das deutschsprachige Bibliothekswesen jedesmal entsprechende Meldungen aufnimmt. Auffällig ist weiterhin, dass ökonomische Interessen und Modelle verstärkt die Debatte beeinflussen und wohl zukünftig wieder stärker in Betracht gezogen werden sollten. (mehr…)
#15 LIBREAS.Library Ideas Ausgabe Online (beta)
Die neue LIBREAS Ausgabe ist nun online. Neben unserem Schwerpunkt „Nach der Semantik – Eine neue linguistische Kehrtwende“ haben wir auch den alten Schwerpunkt „Open Access und Geisteswissenschaften“ mit Beiträgen fortgesetzt, die in diesem Blog als PrePrints diskutiert wurden. Ein erfreuliches Experiment, das wir in Zukunft gerne fortsetzen möchten.
In den nächsten Tagen werden die Texte auch auf dem edoc-Server der HU erscheinen.
Viel Spaß beim Lesen!
Wir freuen uns auf Kommentare und Kritik. Gerne hier im Blog oder an redaktion@libreas.eu
Buchfluch gegen Google, ein Fundstück am Montag
Das Thema Urheberrecht im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit und zwar insbesondere im Rahmen des Digitalisierungsunterfangens durch Google scheint nicht nur in erregte Debatten zu führen, wie wir sie vom Heidelberger Appell kennen. Im Nebeneffekt könnte es zur Renaissance eines buch- und buchdruckgeschichtlich hochinteressanten Phänomens kommen: dem Buchfluch. Der bekannteste bzw. am häufigsten bearbeitete Fall eines solchen Bücherfluches stellt wohl die Vorbemerkung Eike von Repgows zum Sachsenspiegel dar, der ausgelegt wurde, um diejenigen zu treffen, die heute gegen § 14 des UrhG verstoßen würden. Mittlerweile ist von einem Fall zu berichten, der dieses Phänomen aktualisiert und auf die Digitalisierung und das kommerzielle Ausschlachten solcher Digitalisate anwendet. In einem amüsanten roten Buch namens „Hinz- und Kurzgeschichten“ eines Autors namens ‘Andi Leser’ lässt sich folgender Eintrag entdecken:

Buchfluch 2.0 - Quelle: Leser, Andi (2009) Hinz- und Kurzgeschichten. Berlin: Schaltzeit-Verlag.
Man darf a) gespannt sein, ob sich Google daran hält und b) falls es sich herausgefordert fühlt und das Digitalisat anfertigt, ob der Bannfluch seine Wirkung tut. Bei der Volltexterschließung könnte die automatische Indexierung angesichts so mancher in Form konkreter Poesie verfasster Textteile jedenfalls schnell an ihre Grenzen stoßen, etliche Fehlermeldungen produzieren und dadurch den ganzen Digitalisierungsprozess durcheinander bringen. Völlig substanzlos und aus dem Handgelenk scheint der Fluch also nicht verfasst zu sein. Dies gilt umso mehr, als dass der Autor ganz offen die Gefahr in Kauf nimmt, bei Eintreffen des Fluches, seine elektronische Kommunikationsplattform einzubüßen.
W3C-Tag, 14. September 2009, HU Berlin
Um die Ecke der LIBREAS-Redaktion findet in der Humboldt-Universität zu Berlin am 14. September der öffentliche Thementag des W3C zum Thema „Das Web der Daten und das Web der Menschen“ statt. Das W3C als zentrale Standardisierungsorganisation im WWW möchte eine möglichste große Zahl von Communities in die Prozesse der Standardisierung einbeziehen. Der Thementag ist eine der Veranstaltungen, die zum Austausch zwischen Communities und dem W3C gedacht ist. Zudem stehen die Schnittstellen zwischen der humanen Kommunikation im Netz und den Versuchen, Daten standardisiert zu verwalten, wie sie im Semantic Web unternommen werden, im Mittelpunkt des diesjährigen Forums.
Mehr Informationen finden sich in dieser Pressemitteilung des W3C-Büros, das Programm findet sich auf dieser Seite.
Organisiert wird dieser Tag vom europäischen W3C-Büro an der FH Potsdam, dessen Ansprechpartner Prof. Dr. Felix Sasaki letztens im LIBREAS-Podcast zu Wort kam.
LIBREAS Preprint No. 3. Joachim Losehand: Moskenstraumen.
LIBREAS Preprint 03/2009
Moskenstraumen
von Joachim Losehand
Pack’ die Badehose ein
Der Semiotik ist alles Zeichen. Religion als angewandte Semiotik, die dem Göttlichen zugeneigt ist, setzt voraus, daß Weltgeschehen, respektive der Kosmos als Ganzes direkt oder implizit zeichenhaft Willensäußerung des Numinosen sind. Der religiös Professionelle ist auch insofern Vermittler zwischen der himmlischen und irdischen Sphäre, als er Deuter dieser numinosen Semantik ist. Sei es der Schlag der Wellen, der Flug der Vögel, die Beschaffenheit innerer Organe eines Opfertiers oder die göttlichen Orakel und Ratsprüche, auf die nicht nur die bayerische Staatsregierung angewiesen ist: Sie alle bedürfen der eingehenden Auslegung, der kundigen Exegese. Eine kranke Leber ist nicht einfach eine kranke Leber, eine weiße Rose nicht einfach eine weiße Rose. (mehr…)
Pur oder püriert? Wissenschaftskommunikation zwischen Blog und Journalismus.
Ein Kommentar zu Lugger, Beatrice (2009): Die puren Stimmen der Wissenschaft. Blogs bringen eine neue Dynamik in Forschung und Medien. In: Gegenworte, H. 21, S. 26–29.
von Ben Kaden
Wissenschaftsblogs werden mitunter im Umfeld des „Science 2.0“, in das auch manchmal Open Access gezählt wird, gern als eine perspektivisch maßgeblich Variante der Wissenschaftskommunikation angesehen. Beim Bloggen gilt dies aktuell allerdings weniger für die traditionell formalisierte Wissenschaftskommunikation über Publikationen, mitunter für die informelle Kommunikation der Wissenschaftler untereinander und zumeist vor allem für etwas, was auch unter der Bezeichnung „Public Understanding of Science“ gefasst wird: Die Kommunikation zwischen Wissenschaft und der allgemeinen Öffentlichkeit.
Daneben existieren selbstverständlich auch Weblogs, die innerhalb einer Fachgemeinschaft ähnlich den Mailinglisten als Kommunikationswerkzeug genutzt werden, jedoch in geringerer Zahl (vgl. dazu auch hier). In der Regel erfüllen sie die Funktion einer koordinierenden Metakommunikation, die durchaus in den Bereich der informellen Wissenschaftskommunikation einzurechnen ist. (mehr…)
LIBREAS Preprint No. 2. Joachim Eberhardt: Wiederholung erzeugt keine Wahrheit.
Vorbemerkung der Redaktion
Der am Mittwoch hier zugänglich gemachte erste Preprint für die nächste Ausgabe von LIBREAS erfreute sich schnell einer Resonanz, die wir kaum für regulär publizierte Artikel kannten. Die Gründe sind offensichtlich: Mit einem derart kontroversen und medial außerordentlich präsenten Thema wie diesem bewegt man sich auf einem sehr schwingenden Resonanzboden und umso stärker, wenn Autoren eindeutig Stellung beziehen möchten.
Die Reaktionen auf die Veröffentlichung sind relativ gemischt: sie reichen von einem neutral „Warum nicht“ bis zu großer Überraschung. Manch einem wird dabei gleich das ganze Medium suspekt, andere vermuten Schwächen in der Qualitätskontrolle.
Dabei werden zwei Aspekte übersehen: Einerseits ist LIBREAS ein Medium, ein Vermittler, und kein Sprachrohr einer bestimmten Richtung. Andererseits ist ein Preprint ein Text vor der eigentlichen Publikation. Uns geht es darum, dass sich ein Text und seine Aussagen über die Vorveröffentlichung der Diskussion stellt, die als eine Art „Open Peer Review“ funktioniert. Es geht um die Debatte, aus der heraus eine Rückkopplung zwischen dem Autor und seinen Lesern ermöglicht wird.
Wir als Redaktion von LIBREAS möchten einer solchen Diskussion Raum geben. Die Redaktion selbst bezieht aber keine Position. Möglicherweise treten ihre Mitglieder selbst in die Diskussion ein. Dabei wechseln sie jedoch die Rolle und werden ihrerseits zu Autoren, die unter gleichen Bedingungen in die Debatte einstiegen, wie alle anderen Autoren auch. Uns ist bewusst, dass dies mitunter eine nicht ganz einfach zu bewältigende Gratwanderung ist. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass sie gelingen kann.
LIBREAS als Medium enthält sich so weitgehend wie nur möglich einer schematischen Positionierung. Uns interessiert nicht das „Sag mir wo Du stehst“, sondern „Erklär mir, was Du denkst.“ In der Presselandschaft würde man diesen Standpunkt vielleicht als „überparteilich“ bezeichnen. Dies war und wird immer die Redaktionstätigkeit mit ihrer Auswahl und Begutachtungsfunktion leiten.
Wir zählen darauf, dass sich auch unsere Leserschaft selbst mit so harten Bandagen geführten Debatten nicht in Freund-Feind-Schemata vergräbt, sondern Interesse an einer Debatte hat, die zunächst alle Argumentationslinien gleichberechtigt als legitime Bestandteile des Diskurses akzeptiert, um sie dann auf ihre jeweilige Stichhaltigkeit zu prüfen. Wir gehen davon aus, dass sich das bessere Argument durchsetzt und nicht die lautere Stimme.
Die LIBREAS Preprints verstehen sich also als eine Einladung zur sachlichen Auseinandersetzung mit Positionen, wobei die Redaktion die Beiträge weitgehend ungefiltert zur Diskussion stellt. Im besten Fall wird so eine Art „Open Review“ ermöglicht, wie es auch bei Twitter angeregt wurde. Der Beitrag Eric Steinhauers (Jochum über Open Access in Libreas, 07.07.2009) in seinem Weblog „Wissenschaftsurheberrecht“ lässt sich als Bestandteil eines solchen verstehen. Einen weiteren Kommentar gibt es in Archivalia.
Sehr umfänglich äußert sich Joachim Eberhardt. Wir freuen uns daher, seinen Text als LIBREAS PrePrint als Anschlussbeitrag zu „Der Souverän“ an dieser Stelle in die Diskussion einzubringen. Reaktionen auf diesen Text sind ebenfalls sehr gewünscht und können entweder als Kommentar oder per E-Mail an redaktion@libreas.eu beigesteuert werden.
LIBREAS Podcast # 13: Felix Sasaki
Prof. Felix Sasaki trat im März 2009 an der Fachhochschule Potsdam eine Professur im Fachbereich Informationswissenschaften an. Zuvor arbeitete er in Japan für das World Wide Web Consortium im Bereich Internationalisierung. Im Rahmen seiner jetzigen Professur beschäftigt er sich mit den Themen Metadaten und Standardisierung. Unter anderem sprechen wir in unserem Podcast über die Arbeit des W3C bei der Erstellung und Pflege von Webstandards, über die Ziele Prof. Sasakis in seiner Lehre und Forschung. Wir diskutieren aber auch die Entwicklungen im Bereich der informationsbasierten Berufsbilder, die Entwicklung des Semantic Web und von Suchmaschinen.

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